Elektronische Analyse von Lautgesetzen und Lautentsprechungen Kai-Uwe Bux und Ralf Gehrke (Universität Frankfurt) Im Rahmen des Vortrags soll ein Algorithmus vorgestellt werden, der es erlaubt, Lautentsprechungen zweier verwandter Sprachen aufzufinden. In einem weiteren Schritt werden sodann die entsprechenden Lautgesetze aufgestellt, die von einer Protoform zu den Formen der Einzelsprachen führen. Dabei wird als Eingabe lediglich eine hinreichend umfangreiche Liste von Wortpaaren aus den beiden untersuchten Sprachen verwendet, die (vermutete) lautgesetzliche Entsprechungen darstellen. Das Besondere liegt darin, daß keinerlei sonstige Vorinformationen über die beteiligten Sprachen benötigt werden. Das Programm selbst beruht auf einem Algorithmus, der einen Satz von Lautentsprechungen bestimmt, der in einem näher zu spezifizierenden Sinn annähernd optimal ist. Dabei werden die Wörter jedes Wortpaars in Segmente zerlegt, so daß einander entsprechende Segmente jeweils solche Lautentsprechungen darstellen. Diskutiert werden auch die Kriterien, die hier zur Anwendung gelangen können (z.B. eine minimale Anzahl von Lautentsprechungen). Der zweite Schritt besteht darin, solche Entsprechungen als "Laute" der Protosprache aufzufassen, sie bezüglich ihrer Distribution als "Phoneme" zusammenzufassen und aus den Umgebungen Lautgesetze zu abstrahieren. Streng genommen untersuchen diese Programme nicht die phonematische, sondern die graphematische Struktur der beteiligten Sprachen. Auf eine phonematische oder gar phonetische Interpretation der betrachteten Einheiten wird vollständig verzichtet. Am Beispiel der hauptsächlich betrachteten Entsprechungen zwischen vedischen und avestischen Wortformen werden Möglichkeiten und Grenzen dieses Ansatzes illustriert werden.