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Achtung: Dies ist eine Internet-Sonderausgabe von Gippert (1991c). Sie sollte nicht zitiert werden. Zitate sind der Originalausgabe zu entnehmen. Attention: This is a special edition of Gippert (1991c). for the internet. It should not be quoted. For quotations, please refer to the original edition.


Mitteliranische Lehnw”rter im Altgeorgischen


Jost Gippert


Die sogenannten sdkaukasischen oder kartvelischen Sprachen, unter denen das Georgische mit seiner seit etwa 1500 Jahren reich flieáenden literarischen Bezeugung im Mittelpunkt der Forschung steht, sind bekanntlich in besonderem Maáe von Einflssen ihrer indogermanischen Nachbarsprachen durchdrungen. Das betrifft nicht so sehr den seit der Annexion Georgiens an das Russische Reich im Jahre 1801 zu verzeichnenden slavischen Einfluá; es betrifft vielmehr zwei Strata, die schon seit Beginn der georg. šberlieferung im 5. Jh. n.Chr. deutlich zutage treten, und die auf eine besonders intensive kulturelle Beeinflussung weisen. Es handelt sich zum einen um die zahlreichen griechischen Elemente, die im Zuge der Christianisierung der Georgier seit dem 4. Jh. n.Chr. in ihre Sprache eingedrungen sind und weniger auf direkten sprachlichen Kontakt als auf eine literarische Einfluánahme zurckzufhren sind. Zum anderen betrifft es eine stattliche Anzahl von Lexemen, deren lautliche Struktur sich als iranisch erweisen l„át und die ihrerseits zwei geschichtlich differenzierte Strata bilden: Ein „lteres, das im Zusammenhang mit der historisch verbrgten Machtausbung iranischer Herrscher ber das sdliche Kaukasusgebiet in arsakidischer und sasanidischer Zeit zu sehen ist, und ein jngeres, das die neuerliche Orientierung Ostgeorgiens nach dem Iran seit dem Beginn der sog. "klassischen Periode" im 12. Jh. reflektiert.

Angesichts der Bedeutung, die diese Lehnwortschichten in der Sprachgeschichte des Georgischen (und seiner Schwestersprachen) erlangt haben, ist es verwunderlich, daá sie in der iranistischen und indogermanistischen Fachliteratur kaum je intensiver behandelt worden sind. Im Zusammenhang mit der jetzt von Gamçreliýe-Ivanov in extenso behandelten Frage eines direkten Entlehnungsweges von der urindogermanischen in die urkartvelische Grundsprache erweist es sich sogar als ein methodologisches Dilemma, da die Feststellung einer pr„historischen Lehnwortschicht eine klare Scheidung von historischen Lehnwortschichten verlangt, diese aber bei weitem noch nicht herausgearbeitet sind.

Eine Beurteilung der „lteren, d.h. vorklassischen iranischen Elemente im Georgischen kann nicht ohne Heranziehung einer weiteren indogermanischen Sprache, n„mlich des Armenischen erfolgen, das als unmittelbarer Nachbar des Georgischen seinerseits einen deutlichen Einfluá auf dieses ausgebt hat. Seitdem durch Heinrich Hbschmanns Armenische Grammatik1 die groáe Zahl von Lexemen, die diese Sprache mit dem Iranischen teilt, ebenfalls als Lehnelemente erkl„rt wurden, dient das Armenische nicht nur als Vergleichsbasis bei der Annahme von Iranismen im Georgischen. Vielmehr hat sich in der iranistischen Literatur die Auffassung durchgesetzt, daá Iranismen prinzipiell weniger auf direktem Wege ins Georgische gedrungen sind als "via armeniaca". Diese Auffassung hat sich z.B. in dem Armenischen Wurzelw”rterbuch von Hr. AÄaéyan niedergeschlagen, wo einschl„gige georg. Wortformen generell als "Entlehnungen" ihrer armen. Entsprechungen aufgefhrt sind2, und sie ist jngst noch einmal als ein "methodological process that appears valid" bezeichnet worden3. Angesichts der Tatsache, daá fr das Altarmenische eine weitaus gr”áere Anzahl von Iranismen zu proklamieren ist als fr das Altgeorgische und diese in beiden Sprachen h„ufig in identischer Lautgestalt vorliegen, erscheint die Annahme berechtigt.
Dennoch ist die einseitige šbernahme aus dem Armenischen schon frhzeitig in Frage gestellt worden. In einem Aufsatz, der dem entlehnten Wortgut des Georgischen gewidmet war und der zeitgleich mit Hbschmanns Armenischer Grammatik erschien, „uáerte sich bereits Michel Riabinin skeptisch, der darauf hinwies, daá die (nahezu) identische "phonetische Struktur des armen. und georg. Alphabets" bei Lehnw”rtern a priori identische Formen erwarten lieáe4. Žhnliche Bedenken formulierte auch der englische Gelehrte Oliver Wardrop im Vorwort zu seiner šbersetzung der aus dem 12. Jh. stammenden georg. Version des persischen Romans VÒs u RÀmÒn5. Ausfhrlicher argumentierte dann Michel Tarchniêvili, der auf das Dilemma hinwies, daá bei der ausschlieálichen Annahme einer "via armeniaca" fr Iranismen im Georgischen auch echt-armenische Lehnw”rter in gr”áerer Zahl nachweisbar sein máten, was aber nicht der Fall zu sein scheint6.

Eine andere Sichtweise hatte sich zwischenzeitlich auch innerhalb Georgiens durchgesetzt. In einer Studie ber die literarischen Beziehungen zwischen dem Georgischen und dem Armenischen im 9. und 10. Jh. lieá zun„chst Ilia Abulaýe den hier interessierenden W”rtern eine ausfhrlichere Behandlung zuteil werden, in der er sich eindeutig gegen die Annahme einer ausschlieálichen Entlehnung "via armeniaca" aussprach7. Abulaýe bernahm zwar den von N. Marr eingefhrten Terminus einer Kategorie von "W”rtern gemeinsamen Gebrauchs im Armenischen und Georgischen", den Marr selbst noch ausdrcklich mit "lexikalischen Armenismen" gleichgesetzt hatte8, wertete aber gewisse lautliche Divergenzen als Anzeichen einer direkten Entlehnung aus dem PahlavÒ ins Altgeorgische.

Im Gefolge von Abulaýe legte dann Mzia AndroniÖaêvili eine monographische Abhandlung der altgeorg. Iranismen vor, die die Problematik der Entlehnungswege auf eine neue Grundlage stellte. Es handelt sich um ihre "Untersuchungen zu den iranisch-georgischen Sprachbeziehungen"9, wo ca. 300 altgeorg. Lexeme als iranische Entlehnungen gedeutet und durch textuale Belege einer Beurteilung zug„nglich gemacht wurden. Dieses Buch hat in der Iranistik einen Umdenkprozeá in Gang gebracht, nach dem eine selbst„ndige Entlehnung aus dem Mitteliranischen ins Georgische v.a. unter zwei Bedingungen akzeptiert wird: Zum einen, wenn das georg. Lehnwort im Armenischen selbst nicht nachweisbar ist, und zum anderen, wenn es lautliche Divergenzen zwischen einer georg. und armen. Entlehnung gibt, die auf unterschiedliche iran. Quellen deuten. Umgekehrt wird auch fr den Nachweis einer armen. Priorit„t v.a. eine lautliche Bedingung bemht, n„mlich die als "typisch" aufgefaáte Substitution eines miran. spirantischen *-d- durch -r- wie im Falle des Wortes ambor-i "Kuá", das ber arm. hamboyr aus einem parth. *hamb©Ú hergeleitet werden kann10.

Daá jedoch auch diese Kriterien nicht ausreichen, um das georg. Material insgesamt eindeutig zu beurteilen, stellte zuletzt Roland Bielmeier heraus, der festhielt: "Der georgische Lehnwortschatz ist sowohl hinsichtlich der gebenden und vermittelnden Sprachen als auch hinsichtlich des Alters der einzelnen Entlehnungen nicht weniger vielschichtig als der des Armenischen. .. Erforderlich w„re eine umfassende Untersuchung des gesamten georgischen, armenischen und iranischen Materials unter Bercksichtigung des Griechischen und der relevanten semitischen Sprachen."11.

Tats„chlich k”nnen die Ausfhrungen Mzia AndroniÖaêvilis nicht als abschlieáend gewertet werden. Der Grund ist weniger in einer nicht immer dem Stand der Forschung entsprechenden Beurteilung der auáergeorg. Gegebenheiten zu suchen, die sich leicht korrigieren lieáe, sondern betrifft v.a. die innergeorg. Verh„ltnisse. Die Autorin sttzte ihre Untersuchung zum gr”áten Teil auf Belege aus hagiographischen Texten, die als im Original altgeorgisch gelten. Eine solche Vorgehensweise ist legitim, wenn es darum geht, die Verankerung eines entlehnten Wortes in der aufnehmenden Sprache zu dokumentieren. Fr die Frage nach dem Entlehnungsweg sind gerade solche Belege jedoch ohne Belang. Aussagekr„ftig kann hingegen die Verwendung eines Lehnwortes in bersetzten Texten sein, und zwar v.a. dann, wenn sich nachweisen l„át, daá ein Wort im Zusammenhang mit der šbersetzung bestimmter Texte entlehnt worden ist. Dies trifft nun gerade im Falle des Georgischen und des Armenischen zu, da das letztere von Anbeginn der šberlieferung an eine der beiden Sprachen ist, die dem Altgeorgischen die meisten šbersetzungsvorlagen geliefert haben; als gleichrangig ist nur das Griechische zu werten. Es ist also prinzipiell zu erwarten, daá eine durchgreifende Untersuchung der altgeorg. šbersetzungsliteratur entscheidende Erkenntnisse fr die Bewertung entlehnter Wortformen abgeben kann.

Auf der Grundlage einer umfassenden Untersuchung von ca. 50 Lexemen, die innerhalb der „ltesten Periode der georg. šberlieferung, zwischen dem 5. und dem 11. Jh., in Erscheinung treten und die sich auf eine mitteliranische, d.h. parthisch-arsakidische oder mittelpersisch-sasanidische Quelle zurckfhren lassen, habe ich in den letzten Jahren versucht, die Stichhaltigkeit der "via armeniaca" iranischer Entlehnungen ins Georgische in sprachwissenschaftlicher und philologischer Hinsicht zu berprfen12.

Die bisherige Lehrmeinung hatte ja die methodische Implikation, daá, wer fr eine direkte šbernahme aus dem Mitteliran. argumentieren wollte, Kriterien heranziehen muáte, die gegen eine armen. Vermittlung sprachen. Akzeptiert wurden in diesem Sinne, wie gesagt, v.a. W”rter, die im Armen. selbst nicht bezeugt waren, ferner aber auch solche, deren Lautstand im Georg. und Armen. Differenzen aufwies. Dies trifft z.B. auf ein Paar wie arm. apizar und georg. abezar- zu, die sich unter einem gemeinsamen Bedeutungsansatz "abgewandt, abtrnnig von; verlassen von" mit mpers. ab§z¦r "abseits von, geschtzt vor"13 und npers. b§z¦r "id." identifizieren lassen, wobei das arm. und das georg. Wort zwei verschiedenen miran. Strata zuweisen lassen: arm. apizar muá wegen des erhaltenen p eine frheres, vermutlich arsakidisches *ap§z¦r reflektieren, w„hrend georg. abezar- mit seinem b, das nicht auf einen innergeorg. Lautwandel zurckgefhrt werden kann, aus der sasanidisch-mittelpersischen Form stammen drfte.Keine entscheidende Aussagekraft hat demgegenber der Unterschied im Vokalismus, der eine Folge der innerarm. Vokalschw„chung von § > i in vortoniger Silbe darstellt. Das gilt auch in zahlreichen anderen F„llen wie z.B. bei einem Wort fr "Drachen, Ungeheuer", das im Arm. viøap und Georg. veøaå- lautet, und dem ein miran. *v§ø¦p- zugrunde liegen drfte, dessen avest. Kognatum m”glicherweise in N. 48 und Y. 9,30 verbaut vorliegt. In allen solchen F„llen kann das Georgische n„mlich den frheren Lautstand des armen. Wortes bewahrt haben; die betreffenden F„lle w„ren dann als Entlehnungen aus einem vorhistorischen Zustand des Armenischen aufzufassen, was auch N. Marr sowie Giancarlo Bolognesi bereits erwogen14.
Die gleiche Annahme kann, zumindest im Falle parth. Entlehnungen, auch gegen das erstgenannte Kriterium ins Feld gefhrt werden, da das Fehlen eines Wortes im Armenischen immer durch seinen Verlust in vorhistorischer Zeit erkl„rbar ist. Ein solcher Fall k”nnte z.B. bei dem georg. Substantiv Öaran- gegeben sein, das etwa die Funktion eines "Statthalters, Verwalters" bezeichnet, und das auf ein miran. *k¦r(a)d¦r- zurckgefhrt werden kann, wobei fr die anzunehmenden Umgestaltungen auf maüaÖaran- "Ober(fleisch)koch" = arm. matakarar < miran. *m¦takaÚ¦r- sowie auf maran- "Weinhaus" < miran. *maÚ(u)Ú¦n- zu verweisen w„re. Wenn man die vorgeschlagene iran. Etymologie akzeptiert, w„re ohne weiteres eine "vorarm." Zwischenstufe *kar(ar)ar ansetzbar, bei der das Wort wieder die "typisch arm." Vertretung von miran. -Ú- durch -r- aufweisen wrde.
Letztlich darf nicht vergessen werden, daá das Fehlen eines iran. Etymons im Armen. prinzipiell auch auf einer zuf„lligen Nichtbezeugung beruhen kann.

Gegenber der so als unzureichend erweisbaren „lteren Methode legen meine jetzt vorliegenden Untersuchungen ein umgekehrtes Vorgehen nahe. Sie gipfeln in der methodologischen Forderung, ein mitteliran. Wort im Altgeorgischen prinzipiell als eigenst„ndige Entlehnung anzusehen, wenn nicht spezifische Kriterien fr eine šbernahme aus dem Armen. sprechen.

Ein solches Kriterium bildet zun„chst die Beleglage. Aufgrund ihrer Verwendung l„át sich fr alle behandelten W”rter der Grad ihrer Affinit„t zur armen. šberlieferung mit gewisser Sicherheit ermitteln. Der h”chste Affinit„tsgrad ist bei einer Gruppe von W”rtern zu erkennen, die lediglich in einem klar umrissenen Konvolut hagiographischer Texte auftreten, deren Abh„ngigkeit von armen. šbersetzungsvorlagen von Ilia Abulaýe herausgearbeitet wurde; diese W”rter sind im Georg. armen. Fremdw”rter geblieben. Hierzu geh”rt z.B. der Terminus dahÅaåeü-, der den Anfhrer einer kleinen milit„rischen Einheit bezeichnet und exakt das arm. dahØapet, selbst Kompositum aus dahiØ "Scherge" und pet "Anfhrer", repr„sentiert (in dem Vorderglied dahiØ sehe ich brigens eine Ableitung des iran. Zahlworts fr "zehn", also etwa "Zehnerschar", so daá der dahØapet dem z.B. bei Xenophon erw„hnten ÚÛà×Úÿèío@ entsprechen mag). Ein „hnlicher Fall ist weiter das Wort avan- "Dorf, Weiler", das berall das gleichlautende und gleichbedeutende arm. awan wiedergibt, in dem gemeinhin das in apers. ¦vahana- "Wohnplatz" vorliegende Etymon gesehen wird; auch avan- ist im Georg. aufgrund seiner Beleglage eindeutig als Armenismus zu werten. Es steht damit in scharfem Gegensatz zu dem in lautlicher Hinsicht v”llig gleich zu beurteilenden van-, das als Bezeichnung einer "Herberge" oder einer "M”nchsklause" sein Pendant in arm. van-× findet und wie dieses auf ein iran. *vahana- zurckgehen wird; dieses Wort nimmt eine viel festere Position im georg. Lexikon ein, wofr nicht zuletzt die von ihm gebildeten Ableitungen mo-van-e- "M”nch", sa-van-e- "Unterkunft" sowie da-van-eb-a- "bernachten, einkehren" sprechen, und es l„át gleichzeitig eine viel geringere Affinit„t zur armen. šberlieferung erkennen, so daá eine Vermittlung des - zudem nur als plurale tantum bezeugten - armen. van× kaum wahrscheinlich zu machen ist.

Auf der Basis der von mir untersuchten Wortformen l„át sich der Katalog der fr eine armen. Provenienz in Frage kommenden Texte ber die besagten Heiligenlegenden hinaus bereits deutlich erweitern. Er umfaát zun„chst mit Sicherheit die georgische Version des "Physiologus" sowie mit groáer Wahrscheinlichkeit auch die anderen šbersetzungstexte, die im sog. Codex von ¸aïberd enthalten sind; hierzu sind die bereits von Marr gemachten Beobachtungen zu vergleichen. In der Bibelbersetzung ist ein armen. Original zun„chst fr das Tetraevangelium der Hs. von Adiêi (AD 897) anzunehmen, was ebenfalls bereits seit langem bekannt ist. Innerhalb des NT zeichnen sich deutliche armen. Zge auáerdem in der „lteren Redaktion der Apostelgeschichte ab, innerhalb des AT v.a. in den apokryphen Texten (z.B. 3.Esra oder Judith). Im Bereich des AT gibt es darber hinaus deutliche Indizien, daá die vorhandenen georg. Redaktionen zumindest in einzelnen Teilen auf armen. Textzeugen beruhen, die nicht unbedingt mit der Vulgata identisch zu sein brauchen. Dies gilt - mit absteigender Wahrscheinlichkeit - fr die Bcher Esra und Nehemia, Esther und Daniel, die Bcher der K”nige und Chroniken, Richter und Josua, und evtl. passagenweise noch fr die fnf Bcher Mose sowie die Propheten Jesaia und Jeremia. Um mit der Beleglage in der AT-šbersetzung zu argumentieren, sind allerdings noch umfangreiche weiterfhrende Untersuchungen vonn”ten.

Weiter bietet sich auch im Hinblick auf das jetzt vorgeschlagene methodische Vorgehen zus„tzlich ein lautliches Kriterium an: Immer dann, wenn ein iran. Lehnwort im Georg. einen verbrgten innerarm. Lautwandel reflektiert, ist die šbernahme des Wortes aus dem Armen. wahrscheinlich. Das gilt nicht unbedingt fr die vielfach beschworene Substituierung eines miran. -Ú- durch -r-, da das Georg., das ein spirantisches d ebenso wie das Armen. nie besessen haben drfte, prinzipiell dieselbe Substitution durchgefhrt haben kann; den Gegenbeweis k”nnte erst ein Lehnwort erbringen, das bei ansonsten sicherem parth. Lautstand im Georg. eine andere Vertretung fr iran. *-Ú- zeigen wrde.

Ein sicheres Kriterium drfte demgegenber z.B. die armen. Vokalprothese vor anlautendem *r- darstellen, wie sie sich etwa in eramak "Herde" manifestiert, das auf ein miran. *ramak- zurckzufhren ist und dabei mit georg. remaÖ- kontrastiert. Da das Georg. keinen Vokalvorschlag vor r- kennt, máte ein iran. Lehnwort mit durchgefhrter Prothese mit groáer Wahrscheinlichkeit eine armen. Quelle haben; ein solches Lehnwort kann bisher aber noch nicht beigebracht werden.

Ein bereits anwendbares Kriterium ist hingegen der wohl bedeutendste Ver„nderungsfaktor innerhalb der armen. Lautgeschichte, der auch die iran. Lehnw”rter betroffen hat, n„mlich eben die Vokalschw„chung. Dabei ist zu gew„rtigen, daá das Produkt der Schw„chung von „lteren -u- und -i- ursprnglich nicht, wie es die "klassische" Schreibung suggeriert, *?* gewesen sein drfte, sondern ein schwa-„hnlicher Laut, etwa -Æ-. Unter dieser Bedingung l„át sich z.B. ein Wort wie georg. uüevan- "Stadie" als Entlehnung aus dem Armen. erkl„ren, wo es in dem als vtevan (neben vtawan) erscheinenden Entfernungsmaá sein Gegenstck findet, dessen iran. Etymon in der Form vit¦van in der HÀjjiÀbÀd-Inschrift gefunden wurde15. Da das Georg. eine Lautfolge vi- ohne weiteres duldet, w„re das hier anlautende u- als direkte Substitution eines miran. *vi- nicht zu erwarten, wohl aber als Reflex eines arm. "vokalgeschw„chten" *vÆ-.

Ein noch deutlicheres Kriterium ergibt sich aus solchen Lautver„nderungen, die sich im Armen. erst innerhalb des historischen Zeitraums entwickelt haben. Solch ein Kriterium zeichnet sich etwa mit der im AT auftretenden Wortform naxåeü- als Bezeichnung eines "Anfhrers oder Sippenoberhaupts" ab, die nicht das "klassische" arm. nahapet "Patriarch" reflektieren drfte, sondern eine jngere Form, die sich durch die - in armen. Handschriften selbst bezeugte - analogische Substitution des ursprnglichen -h- durch -x- unterscheidet und darber hinaus m”glicherweise bereits die gemeinhin als "mittelarm." erachtete Synkope des mittelsilbigen -a- zeigt.
Im Idealfall sollten beide Kriterien, das lautliche und das der Beleglage, bereinstimmen. Unter der Bedingung, daá die oben aufgestellte Reihung der alttestamentarischen Texte zutrifft, stellt naxåeü- einen solchen Fall dar.

Eingangs dieser Ausfhrungen habe ich Michel Tarchniêvili zitiert, der im Hinblick auf die allzu leichtfertige Annahme einer "via armeniaca" fr iran. Entlehnungen ins Georg. auf das Dilemma hinwies, daá sich die Georgier in diesem Fall "befleiáigt haben máten, von den Armeniern nur solche W”rter zu bernehmen, die selbst fremder Herkunft sind". Tats„chlich ist der Grad der Durchdringung des Georg. mit autochthonem armen. Wortgut bisher noch weitgehend unbekannt. Hier muá die weitere Forschung ansetzen, wenn es darum geht, die lautlichen Kriterien fr oder gegen eine "via armeniaca" „lterer iran. Entlehnungen zu berprfen. Erst wenn es gelingt, autochthone armen. W”rter im Georg. nachzuweisen, die noch nicht die Vokalschw„chung durchgemacht haben, k”nnen auch parth. Entlehnungen wie das Wort fr den "Drachen", veøaå-, einer Beantwortung n„her gebracht werden. Die Herausarbeitung autochthonen armen. Wortmaterials im Georg. bleibt also ein dringendes Desiderat fr die Zukunft. Als ein Zeuge mitteliranischen Sprachgutes verdient das Altgeorgische aber schon jetzt gr”áere Aufmerksamkeit, als ihm bisher zuteil geworden ist.
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