TITUS

Text: OPr. 


Altpreußisches Corpus

(Katechismen, Glossare, Fragmente)


Nach der Facsimile-Ausgabe von
V. Mažiulis
Prūsų kalbos paminklai,
Vilnius 1966

sowie der kritischen Ausgabe desselben Autors,
Prūsų kalbos paminklai II,
Vilnius 1981

bearbeitet von Wolfram Euler,
München 1997-1998;
TITUS version by Jost Gippert,
Frankfurt a/M, 28.2.1998 / 21.6.1998 / 30.8.1999 / 1.6.2000




Vorbemerkungen


Bis auf das Vaterunser in der Paternoster-Sammlung von Riga 1675 (unter den Fragmenten) sowie die Vaterunser-Fassungen im Saggio Pratico 1787 sind sämtliche hier eingegebenen altpreußischen Texte in der Ausgabe von V. Mažiulis, Prūsų kalbos paminklai II, Vilnius 1981, abgedruckt.

Die vorliegende Textedition trägt diplomatischen Charakter. Sofern bei getrennten Wörtern der Trennungsstrich fehlt, sind diese Wörter des Verständnisses halber mit einem einfachen Trennungsstrich: - gekennzeichnet. Soweit nicht zu den altpreußischen Texten und Vokabularen jeweils deutsche Vorlagen oder Übersetzungen bestehen, werden (unter den Fragmenten) Übersetzungen von Sprachforschern (mit Literaturangaben) oder auch eigene Übersetzungen (mit * gekennzeichnet) geboten.

Die Textkritik (Korrekturen und Konjekturen) beschränkt sich weitestgehend auf eindeutige bzw. sehr wahrscheinliche Fehlschreibungen sowie Übersetzungsfehler (vielfach Germanismen), doch werden auch Textpassagen und seltenere Lexeme im Altpreußischen ohne deutsche Vorlage erklärt, zu unübersetzten Passagen in der deutschen Vorlage sei hier jedoch auf Mažiulis, PKP II verwiesen. Die Anmerkungen zum deutschen Text werden in allen drei Katechismusausgaben wie auch in den Vokabularen mit zusätzlichem Stern numeriert (1*). In den textkritischen Anmerkungen werden aber auch frühere Arbeiten berücksichtigt, so R. Trautmann, Die altpreußischen Sprachdenkmäler, Göttingen 1910, und J. Endzelin, Senprûsu valoda, Riga 1943.

Zu sämtlichen Katechismus-Übersetzungen bleibt anzumerken, daß diese nicht mit den Maßstäben gut überlieferter Texte von Großcorpussprachen gemessen werden können. Unter welch widrigen Umständen allein die Enchiridion-Übersetzung zustandegekommen ist, zeigen m. E. die beiden Briefe im Epistulare (im Anschluß an das Enchiridion bei Mažiulis, PKP II). Der Buchdruck steckte noch in den Anfängen, so daß man keine konsequente Orthographie erwarten kann. Nicht erfahrene Sprachgelehrte waren hier am Werke, sondern (im Fall des Enchiridions) ein Pfarrer namens Abel Will mit einem Knecht, der des Prußischen kundig war. Wie sklavisch sich gerade die Enchiridion-Übersetzung an die deutsche Vorlage hält, fiel bereits einem Pfarrer M. Prätorius Ende des 18. Jahrhunderts auf und ist auch in den einschlägigen altpreußischen Grammatiken von Berneker, Trautmann und Endzelin sowie in der o.g. Textausgabe von Mažiulis nachzulesen. Eine Eigentümlichkeit des Enchiridions stellen des weiteren die sog. Mischkonstruktionen (Genitiv- und Dativphrasen, die zumeist mit dem regierenden Substantiv im Akkusativ enden) dar, hierzu sei lediglich auf die Arbeit von W. Euler, Zur Frage der Mischkonstruktionen im Altpreußischen, in B. Schlerath / V. Rittner, Grammatische Kategorien. Funktion und Geschichte, Wiesbaden 1985, 170 - 180, verwiesen. Es würde somit den Rahmen dieser TITUS-Edition sprengen, wollte man sämtliche Unvollkommenheiten dieser Katechismus-Fassungen "beanstanden"; auch die zahlreichen Lesarten und Konjekturen einzelner Sprachforscher können hier nicht weiter berücksichtigt werden. Die ausführlichste Ausgabe der altpreußischen Sprachdenkmäler ist zweifellos die oben zitierte von V. Mažiulis; speziell zu Katechismus I ist jetzt eine Ausgabe von M. Klusis und B. Stundžia, Pirmoji Prūsų Knyga / The First Prussian Book, Vilnius 1995 erschienen, die auf Mažiulis, PKP aufbaut, aber auch den Versuch einer Textrestitution entsprechend dem Charakter des Altpreußischen enthält. Nicht unerwähnt bleiben soll eine Arbeit von W. Smoczyński, Die altpreußische Entnasalierung und ihre Folgen für die Deutung der Deklinationsendungen, in W. Smoczyński / A. Holvoet, Colloquium Pruthenicum Primum, Warszawa 1992, 47 - 83, die für viele Probleme der Überlieferung ansprechende Lösungen bereithält, wenngleich sich zu vielen Fragen auch andere Antworten anbieten (Mischkonstruktionen, Formen auf -au statt -an falsch überliefert, Neutrum sta = Nominativ, stan = Akkusativ, Adverbialendungen mit und ohne Nasalauslaut).

Auch die Vokabulare werfen Fragen auf, die kaum alle beantwortet werden können. Dies gilt sowohl für das Elbinger Vokabular mit seinen zahlreichen Hapax legomena (dessen Handschrift überdies seit 1945 in Königsberg verschollen ist) als auch für die Fassungen des Vokabulars von Simon Grunau, in denen die altpreußischen Substantive weithin verstümmelte Endungen aufweisen. Zu letzterem seien hier die Arbeiten von E. Hermann, Eine unbeachtete Überlieferung des preußischen Vokabulars Simon Grunaus, Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Phil.-hist. Klasse, 1949, Nr. 6, außerdem B. Rosenkranz, Zur Überlieferungsgeschichte des preußischen Vokabulars Simon Grunaus, in Gedenkschrift P. Kretschmer II, Wien 1957, 113 - 117 und C. S. Stang, Einige Bemerkungen zur Göttinger Version von Simon Grunaus altpreußischem Vokabular, ScSl 21, 1975, 119 - 125 (zur Handschrift von Göttingen, letztere zum Sprachlichen), sowie von V. Kiparsky, Das Schicksal eines altpreußischen Katechismus, Baltistica 6, 1970, 219 - 226 (zur Handschrift von Helsinki), genannt. Da gerade das Elbinger Vokabular überwiegend Hapax legomena enthält, sollen hier außer den Ausgaben von Trautmann und Mažiulis (ohne zusätzliches Zitat) auch die Etymologika von V. Mažiulis, Prūsų kalbos etimologijos žodynas (PKEŽ), Bd. 1 - 2: A - K, Vilnius 1988 - 1993, V. N. Toporov, Prusskij jazyk. Slovari, I - V: A - L, Moskva 1975 - 1990 und E. Fraenkel, Litauisches etymologisches Wörterbuch, Heidelberg 1962 - 1965 sowie einzelne Forschungsarbeiten berücksichtigt werden. Nicht aufgenommen in die Textkritik sind Lexeme mit bloßem Kürzel wie dem Apostroph für auslautendes -is oder Vokal mit Zirkumflex für folgenden Nasal. - Zum ostmitteldeutschen Dialekt im Elbinger Vokabular siehe die Arbeiten von W. Ziesemer, Zum deutschen Text des EV, PBB 44, 1919, 139 - 146, und J. W. Marchand, Some Remarks on the German Side of the Elbing Vocabulary, in Magner / Schmalstieg, Baltic Linguistics, Pennsylvania 1970, 109 - 117. Einige heute nicht oder kaum mehr verständliche Lexeme sind in der Ausgabe von Trautmann im Wortindex ins Neuhochdeutsche übertragen; sofern diese nicht mehr im Duden (21. Aufl., 1996) aufgeführt sind, werden diese in den Anmerkungen kurz erläutert. Es sei aber vermerkt, daß selbst im Neuhochdeutschen erhaltene Lexeme im Vokabular häufig ein phonologisches abweichendes Gepräge aufweist: oe = /ô/ statt nhd. /â/, e = /ê/ statt ei, o = /ô/ statt au, ew statt nhd. au, ay und ey statt nhd. age, ege, p statt nhd. p; auch die Schreibung unterscheidet sich teilweise stark von der heutigen: u für /f/ im An- und Inlaut.


An dieser Stelle möchte ich Herrn Professor Gippert für die Hinweise und Ratschläge danken, die für die Erstellung der altpreußischen Textdateien eine wertvolle Hilfe dargestellt haben.



München, April 1997.



Zur Codierung der TITUS-Edition:
Bis zum Vorliegen eines vollständigen baltologischen Fonts werden die folgenden Zeichen ersatzweise dargestellt:
   u mit e darüber   durch   u mit Doppelakut (ű)
   o mit e darüber   durch   o mit Doppelakut (ő)
   v mit e darüber   durch   o mit Ogonek (ǫ )
   n mit Makron   durch   n mit Tilde (ñ)
Der Text ist in Seiten und Zeilen entsprechend der Druckausgabe eingeteilt.







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