TITUS
Lamprecht, Alexander (Vorauer Bearbeitung)
Part No. 19
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Chapter: 93  
Alexander belagert Tyros


Verse: 703       Tyre was ein stat grôz,
Verse: 704    
daz mere si alle umbeflôz.

Verse: 705    
wârn die mûre harte
Verse: 706    
von quâdrestein geworhte,

Verse: 707    
mit îserenen spangen
Verse: 708    
was al daz werch befangin,

Verse: 709    
unde morter unde blî,
Verse: 710    
wie mehte siu vester sîn.

Verse: 711    
drî wâren der mûre,
Verse: 712    
umbe waz solte si daz gût vertûrem

Verse: 713    
daz golt sie ne hâlen:
Verse: 714    
sie thâten die turne mâlen,

Verse: 715    
daz daz rôthe golt dar ab schein
Verse: 716    
gemûseth oben an den stein.

Verse: 717    
dan zwiscen gingen de bogen,
Verse: 718    
si wâren al mit golde bezogen.

Verse: 719    
die turne stunden vil nâch,
Verse: 720    
wît was der hof .

Verse: 721    
vil grôz scade daz was,
Verse: 722    
das si Alexander zebrach

Verse: 723    
durch sîn ubermûtecheit.
Verse: 724    
siu was einer mîle breit.

Verse: 725    
er ne waiz in anders neheine scult,
Verse: 726    
niewan si wâren einem chunige holt:

Verse: 727    
daz was Darios rex Persarum,
Verse: 728    
deme sie undertân wâren.

Verse: 729       
vernement ouch ein ander:
Verse: 730    
zin sante Alexander

Verse: 731    
unt sprach, ob si in ze chunige wolten entfân
Verse: 732    
unde ime wesen undertân

Verse: 733    
unde die burch gâben in sîne gewalt.
Verse: 734    
saz inne vil manec helt,

Verse: 735    
die alle wider zim santen,
Verse: 736    
wande si sîn niewiht bechanden.

Verse: 737    
sie sprâchen, daz sie in niene forhten,
Verse: 738    
noch si sîn ze niehte bedorften,

Verse: 739    
wan sie trûgen ime willigen mût
Verse: 740    
unde gâben ime gerne durch minne ir gût.

Verse: 741    
unt alsô dise boten wider chômen,
Verse: 742    
vernement, wie in Alexander vernâmi:

Verse: 743    
mit zorn er der nider saz;
Verse: 744    
sînem hals er sich vermaz;

Verse: 745    
er sprach, ez en solte sîn porlanch
Verse: 746    
er wolte si hân âne ir allir danch.

Verse: 747       
nam er sîner fursten drî -
Verse: 748    
ouch ne waiz ich, wie ir name -

Verse: 749    
unt sante si dar widere in die stat
Verse: 750    
unde hiez den altsten sagen daz:

Verse: 751    
war sie ir sin thâdin,
Verse: 752    
daz si den chunich fersmâten,

Verse: 753    
der Rôme mit sîner crapht
Verse: 754    
unt al Chrîchen under sich hiete brâht.

Verse: 755    
unt alsô die boten fur chômen
Verse: 756    
unt die burgâre ir rede vernâmen,

Verse: 757    
si thâden stolzen liuten gelîch
Verse: 758    
unde hingen sie alle ûf ein zwîch.

Verse: 759       
beviench Alexander die burch mit here
Verse: 760    
mit den scephen in dem mere.

Verse: 761    
mit sturme er sie starche dwanc,
Verse: 762    
er drûg in ubelen gedanc.

Verse: 763    
si werten sich vone prîse wole.
Verse: 764    
der werlte ne was nehein zal,

Verse: 765    
der in der burch was
Verse: 766    
zwainzech thûsent unde baz.

Verse: 767    
alsô vil sclûgen si ime sînes hers,
Verse: 768    
daz die unde des mers

Verse: 769    
von dem plûte wurden rôt.
Verse: 770    
der wint tet in vil nôt,

Verse: 771    
daz sîner scephe ein hundert versunchen
Verse: 772    
unt sîne helde all ertrunchen.

Verse: 773    
Alexander daz gesach,
Verse: 774    
daz ir alsô vil thôt lach,

Verse: 775    
des sturmes hiez er abe stân,
Verse: 776    
er thete die sceph wider in die habe gân.

Verse: 777       
Alexander bedâhte sich
Verse: 778    
des schaden ummâzlîch.

Verse: 779    
er was ein listich man,
Verse: 780    
grôze poum er gewan

Verse: 781    
unde thede die zesamene spannen
Verse: 782    
von chundigen zimbermannin

Verse: 783    
unde hiez daz mit steinen vullen.
Verse: 784    
daz was an sînem willen:

Verse: 785    
swane er sîn ebenhôch zem turne brâhte,
Verse: 786    
daz er lange poume darabe rihti,

Verse: 787    
die der den zinnen mahten gân.
Verse: 788    
er wolte sie mit nîde bestân.

Verse: 789       
Einluph tûsint santer sînes hers
Verse: 790    
nâch den poumen uber mer

Verse: 791    
unde hiez die poume vellen,
Verse: 792    
er wolte perfrit stellen,

Verse: 793    
ûf einen perc, heizet Libanus,
Verse: 794    
stêt ûf manch cêdrus.

Verse: 795    
diz ist Libanus der in Arabien stêt,
Verse: 796    
der Jordan ûz gêt.

Verse: 797    
diz ist noch der selbe walt,
Verse: 798    
den der chunich Salemon galt

Verse: 799    
wider einen chunich, der hiez Hiram.
Verse: 800    
er gab ime halb Galileam,

Verse: 801    
wande im die poume wol gevielen
Verse: 802    
ze zimber unde ze chielen.

Verse: 803    
si nerfûlent ouch niemer
Verse: 804    
weder durh regen noch durch snê.

Verse: 805       
de Arabati alsô daz befunden,
Verse: 806    
die Tyrin wole gûtes gunden,

Verse: 807    
newiht langer si nenthwalten:
Verse: 808    
die den forst valten,

Verse: 809    
si nâmen ein ungezogenlîch phant
Verse: 810    
unt erslûgen ein tûsint.

Verse: 811    
Alexander daz vernam,
Verse: 812    
vier tûsent er nam

Verse: 813    
des hers, daz er noch habete.
Verse: 814    
ein herzoge hiez sich Gracto

Verse: 815    
unde ein ander der was Perdix genant,
Verse: 816    
den bevalch erz gesez in die hant

Verse: 817    
unde fûr selbe ûz
Verse: 818    
ze dem berge Libanus,

Verse: 819    
unde bewarte sîne holden,
Verse: 820    
die zimberin solten,

Verse: 821    
biz iz alliz gereite wart.
Verse: 822    
nam er die widervart

Verse: 823       
was Alexander mit here
Verse: 824    
nâch den poumen uber mere.

Verse: 825    
des wurden die burgâre stolz unt balt.
Verse: 826    
si ranten ûz mit gewalt.

Verse: 827    
ubirmûtechliche si sich râchen,
Verse: 828    
ein castel si im zebrâchen.

Verse: 829    
eines morgens frû
Verse: 830    
mit fiure gingen sime

Verse: 831    
unde sclûgen unde fiengen
Verse: 832    
alle die si drûffe begiengen.

Verse: 833    
noch mag ich iu sagen mêre:
Verse: 834    
si besencten sich in den ,

Verse: 835    
daz man si in allem tage niene sach,
Verse: 836    
ê man die gruntfeste zebrach.

Verse: 837    
sie sancten sich in des sêwes grunt
Verse: 838    
unt chômen after ûz wider gesunt.

Verse: 839       
Unde alsô daz castel was endwart,
Verse: 840    
hûb sich ein sturm hart

Verse: 841    
von den herzogen zwein.
Verse: 842    
beleib der burgêr nie nechein.

Verse: 843    
a wie maneger des sturmes enchalt;
Verse: 844    
ze zwain hundert wâren sie gezalt,

Verse: 845    
die thôt piliben,
Verse: 846    
al sis von den porten triben.

Verse: 847    
wart in gescadet vil sêre.
Verse: 848    
alrêrist chom ir hêre.

Verse: 849    
owê daz Tyre niht genas,
Verse: 850    
alsô wol ir begagent was.

Verse: 851       
willich sagen allen, die des niene chunnen,
Verse: 852    
wie Tyre wart gewunnen.

Verse: 853    
Alexander chom mit grôzer chrefte
Verse: 854    
unt tet sceph zesamen hephten

Verse: 855    
imer zwai unt zwai neben;
Verse: 856    
unt hîz den îsrîne pente geben,

Verse: 857    
unt tet die mit hûten alsô uberziehen,
Verse: 858    
daz die unden dar în niene giengen.

Verse: 859    
perfrit dar ûff si sazten
Verse: 860    
von den aller lengisten poumen, die sie habeten,

Verse: 861    
unde triben si den zinnen.
Verse: 862    
alsus wolten si die burch gewinnen.

Verse: 863       
Der chunich hiez die mûre hauwen
Verse: 864    
mit stêliner gezowe.

Verse: 865    
hûb sich ein sturm vil grôz.
Verse: 866    
a wie man warf unde scôz

Verse: 867    
von den ainen zen andern,
Verse: 868    
daz alle die mahte wundern,

Verse: 869    
die ie dechainen sturm gesâhen.
Verse: 870    
von der werlte, diu tôt lach,

Verse: 871    
wart daz mere allez ein blût.
Verse: 872    
des wôhs dem chunige wol sîn mût,

Verse: 873    
er bestunt sie mit nîde.
Verse: 874    
von den perfriden hiez er sie trîben.

Verse: 875    
die wâren hôher danne die turni.
Verse: 876    
daz tet er in ze zorne.

Verse: 877    
wurden die schônen turne mit den bogen
Verse: 878    
in daz wazzer gezogen,

Verse: 879    
unt brâchen der besten mûre eine,
Verse: 880    
die ie burch gewan deheine.

Verse: 881       
Alsô si ze der ander chômen,
Verse: 882    
zêderboumi sie der nâmen

Verse: 883    
unde dar lange dannen.
Verse: 884    
hiez er perfride spannen

Verse: 885    
unde rihte die ûf mit listen
Verse: 886    
unde sazte si ûf der feste.

Verse: 887    
Alexander steich ûf daz obrist gewer
Verse: 888    
unt gebôt den sturm uber al daz here

Verse: 889    
unde liez mit der werlte
Verse: 890    
den êristen sturm werden.

Verse: 891    
mit hameren man die burchmûre zebrach.
Verse: 892    
a waz werlte tôt belach!

Verse: 893    
Alexanders schilt was helfenbein,
Verse: 894    
bezzer wart nie nechein.

Verse: 895    
sîn helm was alsô gût,
Verse: 896    
der nechein swert durch gewût.

Verse: 897    
in der hende trûch er einen gêr
Verse: 898    
von golde gedrâjet vil hêr.

Verse: 899    
sach er den herzogen stân,
Verse: 900    
dem al Tyre was undertân,

Verse: 901    
kegen ime ûf der mûre.
Verse: 902    
er lie sich es niuht fertûren,

Verse: 903    
er scôz in mit tem gêre durch
Verse: 904    
unde falt in tôt in die burch.

Verse: 905       
tet der chunich ainen sprunc,
Verse: 906    
mit im manich helt junc

Verse: 907    
fon den perfriden ûf die zinnen.
Verse: 908    
alsus wolden sie die burch gewinnen.

Verse: 909    
vier tûsint ir mit ime spranch,
Verse: 910    
sie trûgen ubelen gedanc.

Verse: 911    
mîn wân ne triege mich,
Verse: 912    
gespranch ir etelîch,

Verse: 913    
daz er zestunt
Verse: 914    
niemer mêre wart gesunt,

Verse: 915    
daz ir ein hunderet tôt lach
Verse: 916    
ân andere ungemach.

Verse: 917    
brâchen sie die besten mûre der erde,
Verse: 918    
diu der ie dehein solte werden.

Verse: 919       
was daz velt vil wît,
Verse: 920    
hûb sich der bitteriste strît,

Verse: 921    
ich noch ie abe hôrte gesagen.
Verse: 922    
ne gesach man nechein zagen.

Verse: 923    
mahti man manegen degen scouwen
Verse: 924    
al durch den helm verhouwen,

Verse: 925    
unde manegen rîter junch
Verse: 926    
al durch die halsperge verwunt,

Verse: 927    
daz er der wunde niht genas,
Verse: 928    
want daz swert scarf was.

Verse: 929    
durch den scilt flôch der gêr
Verse: 930    
unde machet manegen helt sêr.

Verse: 931    
hete jâmer ein alsô der ander
Verse: 932    
âne der wunderlîche Alexander.

Verse: 933    
er slûch des liutes die menige.
Verse: 934    
gebeizet was sîn brunne

Verse: 935    
in eines wurmes blûte.
Verse: 936    
er stunt ime stolzes mûtes.

Verse: 937    
hurnen was siu veste.
Verse: 938    
ez chom vone grôzen listen.

Verse: 939    
ez lâgen thûsint unt aver thûsint,
Verse: 940    
ûf der erde mahte niemen gân,

Verse: 941    
alsô vil lag ir erslagen,
Verse: 942    
daz iz iu unzellîch ist ze sagen.

Verse: 943    
die chûnen von Tyre,
Verse: 944    
des lebenes vil gîre,

Verse: 945    
si fuhten alsô wildiu swîn,
Verse: 946    
swes tôt nieht solte sîn.

Verse: 947       
Die umbe die burch lâgen,
Verse: 948    
sie ne dorften sich des siges niemer gerûmen.

Verse: 949    
wande die burgêre brâchen si durch
Verse: 950    
unt wichen aber wider in die burch.

Verse: 951    
verlôs er manegen dûren chneht,
Verse: 952    
Alexander tet in grôz unreht.

Verse: 953       
Harte zurnt sich Alexander .
Verse: 954    
mit nîde giench er der porten .

Verse: 955    
die dar ûf wâren,
Verse: 956    
si tâten scaden mêre.

Verse: 957    
ûf ter porte stunten drîe turni;
Verse: 958    
geschiet er abe mit zorni

Verse: 959    
des mordes, des er an sînen holden gesach.
Verse: 960    
mit sînen fursten er sprach:

Verse: 961    
'hêren, bedenchet iuch sîn enzît,
Verse: 962    
wandir tiure chnehte sît:

Verse: 963    
nement si die obere hant
Verse: 964    
ist unser spot uber daz lant.'

Verse: 965    
der rât, der ime wart getân,
Verse: 966    
den mugent ir schiere verstên.

Verse: 967    
sie rieten, daz er mange getâte richten
Verse: 968    
unde lieze die turni brechen.

Verse: 969    
zwô unde sibenzech mange wurden gestalt,
Verse: 970    
sie wurfen alle mit gewalt.

Verse: 971    
si wâren vil wol gesailet.
Verse: 972    
si wurden in driu getailet.

Verse: 973    
si wurfen fûr unde witi,
Verse: 974    
daz was Alexanders site:

Verse: 975    
daz er chriechisc fûr chunde wurchen
Verse: 976    
unde liez iz niemen merchen,

Verse: 977    
von welher liste iz im chom,
Verse: 978    
daz ez in dem wazzere bran.

Verse: 979    
daz warf er in der burch.
Verse: 980    
mite brante er sie al durch unt durch

Verse: 981    
unde dar manegen herten stein.
Verse: 982    
belaib der burgâre nie nehein,

Verse: 983    
si mûsen alle von der zimlen gân.
Verse: 984    
wande si ne getorsten nie langer gestân

Verse: 985    
for des fûres forhten.
Verse: 986    
Alexander der tranch der porte,

Verse: 987    
mit nîde er sie der nider brach.
Verse: 988    
a waz ime helede tôt lach!

Verse: 989    
des wârim sêre gesciet,
Verse: 990    
forhten si der mange wurfe nieht.

Verse: 991    
solt im diu burch werden tiure,
Verse: 992    
gewunners nieht mit chriechiscen fiure.

Verse: 993       
Alexander wolte sich wole rechen:
Verse: 994    
er hiez die trîe turne nider brechen,

Verse: 995    
die daz fur hiete verlâzen.
Verse: 996    
der aller rîchisten burgâre, die in der burch sâzen,

Verse: 997    
der thede er driu tûsint fâhen
Verse: 998    
unde hiez sie blenden unde hâhen

Verse: 999    
wider sînen furstin drîn,
Verse: 1000    
die er for sante der în.

Verse: 1001    
des siges, des er nam,
Verse: 1002    
wêrez ein wole bedâht man,

Verse: 1003    
er ne wurdes niemer ze frô;
Verse: 1004    
wande ez gescah sît alsô,

Verse: 1005    
daz ir mêre was der ime tôt belaib,
Verse: 1006    
.....

Verse: 1007    
tan der inerhalb Tyre wâre
Verse: 1008    
weder geste oder burgâre.

Verse: 1009    
al zestôret was Tyrus.
Verse: 1010    
die stifte sint ter chunich Apollonios,

Verse: 1011    
den Antioch uber mere jagete,
Verse: 1012    
wande er ime sagete

Verse: 1013    
daz rêtsce an einem brieve,
Verse: 1014    
daz er mit sîner tohter sliefe.

Verse: 1015    
Tyre is noch diu selbe stat,
Verse: 1016    
daz heiden wîb unseren hêren pat,

Verse: 1017    
daz er ir tohter erlôste
Verse: 1018    
von dem ubelen geiste, der sie nôte.




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This text is part of the TITUS edition of Lamprecht, Alexander (Vorauer Bearbeitung).

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