TITUS
Text: Alex. 
The Middle High German Books on
The Great Alexander

Author: Seifr. 
Version: Str. 
Seifrits Alexander


On the basis of the edition
Seifrits Alexander aus der Straßburger Handschrift,
hrsg. v. Paul Gereke,
Berlin 1932

entered and edited by Ralf Schlechtweg-Jahn,
Bayreuth 2000;
TITUS version by Ralf Schlechtweg-Jahn and Jost Gippert,
Bayreuth, 14.07.2000 / Frankfurt, 14.4.2002 / 2.3.2003



[The assignment of numbers to chapters is provisional. J.G.]




Chapter: Prol.  
Prolog


Verse: 1    Got vater, herr Jesu Christ,
Verse: 2    
wenn dein gnad unczergenkchleich ist

Verse: 3    
und dein gruntlose mynn,
Verse: 4    
nu verleich mir, herr, die synn

Verse: 5    
das ich guetten leutten
Verse: 6    
ein red mug bedeutten

Verse: 7    
und zu dankch tuen bekant
Verse: 8    
die ich ze latein geschriben vant

Verse: 9    
in dem puech Kronica.
Verse: 10    
Ewsebius schreibt sy da,

Verse: 11    
der weis und auch der heilig man.
Verse: 12    
der hab ich mich genomen an

Verse: 13    
in deutschew wart zu tichten
Verse: 14    
und zu reym richten:

Verse: 15    
wie der mylt und der here
Verse: 16    
chunig Allexander

Verse: 17    
mit seiner mechtigen tat
Verse: 18    
alle die welt betwungen hat,

Verse: 19    
wie er es an gevie
Verse: 20    
und wie es im ze jungist gie,

Verse: 21    
als es sag sein hystorie.
Verse: 22    
die wunder gross und die glorle

Verse: 23    
die er hye in churczen jarn
Verse: 24    
hat begangen und ervarn,

Verse: 25    
des mach ich mynner noch mer
Verse: 26    
als ain getrewer ausleger

Verse: 27    
wenn als dort geschriben stat
Verse: 28    
und es die heilig kirchen hat

Verse: 29    
vervangen pey einer warhait
Verse: 30    
und die wibel von im sait.

Verse: 31    
man sol es nit haben fur ain mer,
Verse: 32    
wann ich es hie mit bewẽr.

Verse: 33    
wer es wil und chan es suchen
Verse: 34    
in alten und in newen puechen,

Verse: 35    
do latein und ebraisch,
Verse: 36    
chriechisch und haidnisch

Verse: 37    
do die ystorie sind geschriben
Verse: 38    
und sindt unczt her beliben.

Verse: 39    
die tragen geleich all gemain
Verse: 40    
an diser red uber ain

Verse: 41    
das es alles sey geschechen.
Verse: 42    
des hor auch wir die maister jehen

Verse: 43    
die dy pesten sind gewesen,
Verse: 44    
der puecher wir noch heut lesen,

Verse: 45    
Aristotiles und Virgilius,
Verse: 46    
Seneca und Boecius,

Verse: 47    
Augustinus und Ambrosius,
Verse: 48    
Josepus und Ewsebius

Verse: 49    
und ander hocher maister vil,
Verse: 50    
der ich aller nicht nennen will.

Verse: 51    
ich wil auch mit spruchen spechen
Verse: 52    
mein red alhie nit verwechen,

Verse: 53    
ich will nichts darczue legen,
Verse: 54    
nuer ains slechten tichtens phlegen.

Verse: 55    
hie mit wil ich die var redt lan
Verse: 56    
und das puech heben an.

Verse: 57       
Da die welt gestanden was
Verse: 58    
von Adam her (gelaubt das!)

Verse: 59    
volliklich wol tausent jar
Verse: 60    
und newnthalbhunder furwar

Verse: 61    
und es der czeit nechen sollt
Verse: 62    
das Got mensch werden wolt,

Verse: 63    
davor doch virdthalbhundert jar
Verse: 64    
(das ich euch sag, das ist war)

Verse: 65    
do was die welt allgemain
Verse: 66    
so gar poͤs und unrain

Verse: 67    
das sy Gottes erkantten nicht
Verse: 68    
und hetten mit possen sunden phlicht,

Verse: 69    
mit keczerey und mit hochvart,
Verse: 70    
wann Got nye vermeret wart.

Verse: 71    
dar umb wolt er in nicht vertragen,
Verse: 72    
er wol sew zuchtigen und phlagen

Verse: 73    
und sandt in ain chestiger,
Verse: 74    
ain unparmherczigen richter,

Verse: 75    
der ir hochvart manigvalt
Verse: 76    
nider trukcht mit gewalt.

Verse: 77    
die sich selber nanten got,
Verse: 78    
aus den so traib er seinen spot

Verse: 79    
Alexander der wer
Verse: 80    
der obrist Gottes richter.




Chapter: 2  
Nectanabus wird aus Ägypten vertrieben

Von Nectanabo, ein chunig in Egipten.


Verse: 81       
Ain kunigreich ist genant
Verse: 82    
vor alten zeitten Egipptenlant,

Verse: 83    
das ist aines der hersten
Verse: 84    
gewesen und auch der ersten.

Verse: 85    
ain kunig haist Nectanabus
Verse: 86    
(das puech nennet in alsus),

Verse: 87    
der trueg darin die chran
Verse: 88    
gewaltiklich und schan.

Verse: 89    
er was also kunstreich
Verse: 90    
das man an weisheit sein geleich

Verse: 91    
in al der welt nyndert vant.
Verse: 92    
die suben kunst warn im bekant,

Verse: 93    
er chund die chunst astronomey
Verse: 94    
und auch die chunst nygramanczey:

Verse: 95    
in den swarczen puechern
Verse: 96    
chundt er mit loss versuechen

Verse: 97    
und an dem gestyerm sehen
Verse: 98    
was in der welt solt geschehen.




Das ain ritter dem kunig Nectanabo sagt wie der mechtig kunig Artaxses auf in wolt ziechen.


Verse: 99       
Ains tag cham es also
Verse: 100    
das in ain ritter macht unfro.

Verse: 101    
der sagt im und warmbt in des
Verse: 102    
das der chaiser Artaxerses,

Verse: 103    
der gross chunig von Persia,
Verse: 104    
mit gewalt chem alda

Verse: 105    
mit ainem mochtigen her
Verse: 106    
und mit chieln auff dem mer.

Verse: 107    
er jach, er wolt das landt betwingen
Verse: 108    
und in sein gewalt pringen,

Verse: 109    
und sprach das er sich danach richt:
Verse: 110    
sein wer wer gegen im enwicht.




Das Nectanabus zurnt an dem ritter umb solich potschaft.


Verse: 111       
Der kunig anttwurt dem ritter do:
Verse: 112    
'reit und phlig der huet also

Verse: 113    
als ich dir enpholichen han.
Verse: 114    
du redest nit als ain pider man

Verse: 115    
sunder als ein vorichtiger zag.
Verse: 116    
merkch recht was ich dir sag:

Verse: 117    
der sig leit an der menig nit,
Verse: 118    
er hat mit der mannhait phlicht;

Verse: 119    
wenn dikch ein leb unverczagt
Verse: 120    
ein gancz her hierssen jagt.'

Verse: 121    
der chunig gepart gegen dem mẽr
Verse: 122    
als im nichts dar umb wẽr,

Verse: 123    
und hueb sich von dannen
Verse: 124    
taugenlich von seinen mannen

Verse: 125    
in sein haymlich chemnatten.
Verse: 126    
ein erdein pekch er im pringen pat,

Verse: 127    
regen wasser er darin gas,
Verse: 128    
dar umb so warff er seinew lass.

Verse: 129    
er sprach mit seinem mundt
Verse: 130    
solichew wart die er wol chundt.

Verse: 131    
die tivel er vast beswuer,
Verse: 132    
unczt das er genczlich erfuer

Verse: 133    
und auch das mit loss ervant
Verse: 134    
das er muest raumen das landt

Verse: 135    
ob er wolt lembtig wesen:
Verse: 136    
er mocht anders nicht genesen.

Verse: 137    
er czach ab sein kuniklich wat
Verse: 138    
und verstalt sich auf der stat.

Verse: 139    
er schar ab har und part,
Verse: 140    
das er unkuniklich wart.

Verse: 141    
er nam czu im von golde
Verse: 142    
und von gestain was er wolde,

Verse: 143    
er nam auch mit im da
Verse: 144    
sumlich instrumenta,

Verse: 145    
der er nicht enpern macht
Verse: 146    
und im zu seiner chunst tocht.

Verse: 147    
damit fuer er von dannen
Verse: 148    
allain von all sein mannen

Verse: 149    
und verhal also sein vart
Verse: 150    
das ir nyemant inne wart,

Verse: 151    
unczt das er gegen Chriechen cham.
Verse: 152    
war sagen er sich an nam.




Chapter: 3  
Nectanabus wird von den Ägyptern gesucht



Verse: 153    
schir dar nach wardt bekannt
Verse: 154    
dem volkch in Egyppten landt

Verse: 155    
und erfuern das mer
Verse: 156    
das der kunig verlorn wer.

Verse: 157    
ir abgot der hies Seraphin,
Verse: 158    
da zogten sy gemainklich hin.

Verse: 159    
ir oppher prachten sy im dar
Verse: 160    
und paten in stil und offenbar

Verse: 161    
das er in saget das mer
Verse: 162    
wo ir herr hin komen wer.




Das der abgot dem volkch anttwurt gab.


Verse: 163       
Der abgot anttwurt in alda
Verse: 164    
und sprach 'der kunig von Persia,

Verse: 165    
der Artaxerses ist genant,
Verse: 166    
der betwingt dicz landt

Verse: 167    
gewaltiklich mit heres chraft
Verse: 168    
und macht euch im zinshaft.

Verse: 169    
das mag im nieman erwern.
Verse: 170    
Nectanabus der wolt sich ernern,

Verse: 171    
do er es mit dem los ervant,
Verse: 172    
und ist entrunnen von dem lanndt,

Verse: 173    
der edl und der her:
Verse: 174    
ir gesecht in nymmer mer.

Verse: 175    
aber noch ettleichen jarn
Verse: 176    
so chumbt ain junglinkch gefarn

Verse: 177    
von fromden landen verr,
Verse: 178    
der ist ewr erb und wirt ewr herr.

Verse: 179    
der ledigt euch mit seiner chraft
Verse: 180    
van dienst und van aygenschaft.

Verse: 181    
an ewrn veintten er euch richt
Verse: 182    
und ewr herschaft hie zupricht,

Verse: 183    
ir puͤrg, ir stet legt er zu der erden,
Verse: 184    
unczt sy im undertenig werden.'

Verse: 185    
do das volkch vernam das
Verse: 186    
das ir herr enttrunnen was,

Verse: 187    
ir chlag die was manigvalt.
Verse: 188    
sy machten do nach seiner gestalt

Verse: 189    
ain seull von swarczem mermelstain,
Verse: 190    
hach und gepoliret rain,

Verse: 191    
zu lob und auch zu ern
Verse: 192    
und zu gedechtnuͤs irm herrn,

Verse: 193    
und liessen zu den fuessen graben
Verse: 194    
mit guldein puechstaben

Verse: 195    
die red die ir abgot Seraphin
Verse: 196    
von im het geweissagt in.

Verse: 197    
das volkch die sewl geseczet hat
Verse: 198    
mitten in ir hawbstat.




Chapter: 5  
Nectanabus in Macedonien

Wie es kunig Nectanabo in Chriechen lanndt gieng.


Verse: 199       
Lass wir die red beleiben so
Verse: 200    
und sagen wie es Nectanabo

Verse: 201    
do zu Chriechen ergie,
Verse: 202    
wie er sein dinkch an gevie.

Verse: 203    
er legt an sich weis seydein wat,
Verse: 204    
fur ainen weissagen man in hat.

Verse: 205    
er begundt den leutten
Verse: 206    
auslegen und bedeutten

Verse: 207    
die trewm und was in scholt geschechen:
Verse: 208    
des lies er sy die warhait sechen.

Verse: 209    
er was do lang unerkant.
Verse: 210    
die leut uber all das lanndt

Verse: 211    
begunden zu im gachen,
Verse: 212    
do sy sein weyshait sachen,

Verse: 213    
und namen von ym rat und ler
Verse: 214    
und erputten im michel er,

Verse: 215    
wann sy in all hetten
Verse: 216    
fur ain Gottes prophetten.




Chapter: 6  
Nectanabus spricht mit Olympias

Das Nectanabus die kunigin wolt schawn in Chriechen lanndt.


Verse: 217       
Zu Chriechen pey den zeitten was
Verse: 218    
ein edel kunig (gelaubt das!),

Verse: 219    
der was Philippus genant,
Verse: 220    
sein nam was weytten erkant.

Verse: 221    
er was zu den zeitten
Verse: 222    
in ein ander landt durich streytten

Verse: 223    
mit grosser heres chraft gezogt
Verse: 224    
gegen ainen kunig der gegen im progt.

Verse: 225    
wie der kunig sey genant,
Verse: 226    
das tuet dye kronikchen nicht erkantt.

Verse: 227    
chunig Philip het ein schons weib,
Verse: 228    
die was im lieb als der leib,

Verse: 229    
die auch zu Chriechen chunigin was
Verse: 230    
und was genant Olymppias;

Verse: 231    
man vandt in allen den kunig reichen
Verse: 232    
an schon nit irn geleichen.

Verse: 233    
do das derfuer Nectanabas
Verse: 234    
das der kunig nicht was zu haus

Verse: 235    
und die fraw so schon was,
Verse: 236    
er gieng auff den palas

Verse: 237    
und wolt gern schawen
Verse: 238    
die mynnikleichen frawen.

Verse: 239    
zu hant do er die frawen erplikcht,
Verse: 240    
sein hercz und sein muet erschrikcht

Verse: 241    
und darczu al sein synn
Verse: 242    
stuend auf der frawen mynn.

Verse: 243    
er hielt sein handt fur sich
Verse: 244    
und sprach: 'kunigin, Got gruess dich!'

Verse: 245    
vor uber muet er es lies
Verse: 246    
das er sey nit fraw hies:

Verse: 247    
das tet er umb das
Verse: 248    
wenn er auch ain kunig was.

Verse: 249    
die kunigin dankcht im an der frist
Verse: 250    
und jach: 'ob du ain maister pist,

Verse: 251    
so sicz her pey mich,
Verse: 252    
wenn ich wolt ettwas fragen dich.'

Verse: 253    
sy sprach: 'maister, sag mir sus:
Verse: 254    
pistu ein Egypcius?'

Verse: 255    
er sprach: 'ich han von dir gebort,
Verse: 256    
chunigin, ein kuniklich wort,

Verse: 257    
das du Egypptum nenst.
Verse: 258    
ob du die leut nicht erkenst,

Verse: 259    
die sind so gar synnreich:
Verse: 260    
man vindt nynndert irn geleich.

Verse: 261    
sy kunnen den leutten
Verse: 262    
die trewmb wol bedeutten,

Verse: 263    
sy wissen taugen und gedankchen
Verse: 264    
und verstent aller voglein gesankch,

Verse: 265    
sy chunnen an dem gestyerm sehen
Verse: 266    
was den leutten schol geschechen,

Verse: 267    
wenn sy auf der erden
Verse: 268    
erst geporn werdent.

Verse: 269    
alles das ich hann genant,
Verse: 270    
das ist mir, kunigin, wol bekannt'.




Das Nectanabus die kunigin schelkchleichen an sach.


Verse: 271       
Do er das alles gesprach,
Verse: 272    
die frawen er mynniklich an sach

Verse: 273    
mit schelklichen augen.
Verse: 274    
die chunigin fragt in taugen:

Verse: 275    
'maister, wes habt ir gedacht,
Verse: 276    
do ir mich also an sacht?'

Verse: 277    
er sagt ir ein mer:
Verse: 278    
wie es im geweissagt wer

Verse: 279    
das er pey ir siczen scholt
Verse: 280    
und mit ir reden was er wolt.

Verse: 281    
sy sprach: 'chanstu mir gesagen
Verse: 282    
ains dings wil ich dich fragen,

Verse: 283    
so wil ich gelauben dir
Verse: 284    
was du furbas sagest mir.

Verse: 285    
sag mir wenn der schanden frey
Verse: 286    
chunig Philipp geporn sey,

Verse: 287    
lass mich horn die stundt,
Verse: 288    
die jar, die teg aus deinem mundt!'

Verse: 289    
er zach aus dem puesem sein
Verse: 290    
ain helffenpainen teschlein.

Verse: 291    
do was ainhalb an geschriben
Verse: 292    
mit golt die planetten suben,

Verse: 293    
ynderthalb stuendt dar an
Verse: 294    
gegraben sunn und der man

Verse: 295    
und auch die zweleff zaichen
Verse: 296    
die dy sunn mues erraichen.

Verse: 297    
in der chunst von dem gestyerm
Verse: 298    
begund er ratten und studiern

Verse: 299    
unlang unczt er es gar ervant.
Verse: 300    
die kunigin beschied er zu handt

Verse: 301    
und velt nicht praittes ain hars
Verse: 302    
der stundt, des tags, des jars

Verse: 303    
dar an der kunig wardt geporn.
Verse: 304    
er sprach: 'kunigin aus erkorn,

Verse: 305    
wes du furbas fragest mich,
Verse: 306    
des wil ich also berichten dich.'




Das die kunigin Nectanabum fragt.


Verse: 307       
Dye kunigin edl und reich
Verse: 308    
fragt in gar geczogenlich:

Verse: 309    
'maister, du scholt mir verjechen
Verse: 310    
was zwischen mir schol geschechen

Verse: 311    
und dem kunig Philippo.
Verse: 312    
die leut redent also

Verse: 313    
und gechen algemain,
Verse: 314    
wenn der chunig chom her haym,

Verse: 315    
so well er nemen und gewingen
Verse: 316    
fur mich ain andre kunigynne.'

Verse: 317    
der maister sprach: 'sy sind betrogen;
Verse: 318    
die dir es sagent, die habent gelogen.

Verse: 319    
es ist war das es geschicht,
Verse: 320    
aber in dissen zeitten nicht.

Verse: 321    
uber ettlich jar
Verse: 322    
versmecht er dich, das ist war.

Verse: 323    
er tor dich aber gelassen nicht,
Verse: 324    
wenn ein got gewingt mit dir phlicht,

Verse: 325    
der wirt dein mynne gesell.
Verse: 326    
der chunig, er well oder enwell,

Verse: 327    
er mues dich behalten
Verse: 328    
und mues mit dir alten.'

Verse: 329    
sy sprach: 'und ist es nit dein spot,
Verse: 330    
so say mir recht: wer ist der got

Verse: 331    
der mich schol beslaffen,
Verse: 332    
und wie ist er geschaffen?'

Verse: 333    
'er ist weder ze junkch noch ze alt,
Verse: 334    
er ist zu mitter weis gestalt.

Verse: 335    
er hat an dem haup vorn
Verse: 336    
als ein wider chrumppe horn

Verse: 337    
und haist der got Amon.
Verse: 338    
er erscheinet dir gar schon

Verse: 339    
in dem trawmb noch heint.
Verse: 340    
er ist dir nicht veint,

Verse: 341    
des scholtu im alczeit
Verse: 342    
tag und nacht sein berait.'




Chapter: 7  
Nectanabus täuscht Olympias

Das der kunig Nectanabus auf das veld nach wuerczen gienug.


Verse: 343       
Nectanabus urlaub pat
Verse: 344    
die frawen und gieng ann ein stat

Verse: 345    
auf das gevild, da er vand
Verse: 346    
wurczen und chreutter alczuhandt,

Verse: 347    
der er bedarft czu der sachen
Verse: 348    
die er mit zawber wolt machen.

Verse: 349    
die geist er pienn zu maniger stund
Verse: 350    
und czaubert, als er wol chundt.

Verse: 351    
do es nacht warden was,
Verse: 352    
Nectanabus hat gemaistert das

Verse: 353    
das sy in dem trawm sech
Verse: 354    
wie Amon der got wech

Verse: 355    
pey ir an dem pet leg
Verse: 356    
und der mynne mit ir phleg

Verse: 357    
und sprach zu ir also:
Verse: 358    
'fraw, du solt wesen fro:

Verse: 359    
du trest den der dich schol bewarn
Verse: 360    
und behuetten in dein jarn.'

Verse: 361    
mit dem er von ir verswandt.
Verse: 362    
die fraw erwacht zu handt.

Verse: 363    
die chunigin ward unmassen fro,
Verse: 364    
nach dem maister sandt sy do.

Verse: 365    
die chunigin sagt im offenwar
Verse: 366    
wie ir des nachts geschechen wer,

Verse: 367    
wie sy den got het gesechen
Verse: 368    
und wes er ir het verjechen.

Verse: 369    
der maister anttwurt ir do:
Verse: 370    
'ich wais es wol, im ist also:

Verse: 371    
es ist dir inn dem trawm geschechen.
Verse: 372    
wildu des die warhait sechen,

Verse: 373    
so hais mir machen ain pettlein
Verse: 374    
fuͤr die chemnatten dein!'

Verse: 375    
die fraw schuͤrff im guetten gemach,
Verse: 376    
in irm palas das geschach.

Verse: 377    
der maister sagt der frawen do:
Verse: 378    
'du wirst in heint sechen so

Verse: 379    
als ain trakchen wildt.
Verse: 380    
dar nach in aines mannes pild

Verse: 381    
verwandelt er sich schir
Verse: 382    
und wirt wispeln vor dir.

Verse: 383    
er wirt sich an dein pett legen
Verse: 384    
und wirt der mynn mit dir phlegen.'




Das sich Nectanabus zu ainem trakchen macht.


Verse: 385       
Do es also cham
Verse: 386    
das der tag ain end nam

Verse: 387    
und die nacht an trat,
Verse: 388    
nach der ersten hanchratt

Verse: 389    
Nectanabus der weis man
Verse: 390    
graiff sein zawbernuss an.

Verse: 391    
zu ainem trakchen macht er sich,
Verse: 392    
er wispelt und tet ayslich,

Verse: 393    
ainer chuerczweil er began
Verse: 394    
und wart wider zu ainem man.

Verse: 395    
der frawen er zuchtiklichen naigt
Verse: 396    
und zu ir an das pet staig.

Verse: 397    
er halst sey und chusts,
Verse: 398    
als offt in gelust.

Verse: 399    
der mynn er mit ir phlag
Verse: 400    
die lang nacht unczt an den tag.

Verse: 401    
mynniklich er mit ir spilt,
Verse: 402    
unczt das er ir ein kind geczilt.

Verse: 403    
do er das an ir enphandt,
Verse: 404    
auf irn pauch legt er sein handt

Verse: 405    
und sprach: 'das kind wirt sighaft.
Verse: 406    
das schol von menschlicher chrafft

Verse: 407    
nymmer uber wunden werden,
Verse: 408    
die weil es lebt auf der erden.'

Verse: 409    
do die nacht zergangen was,
Verse: 410    
sich hueb auf das palas

Verse: 411    
Nectanabus der greis
Verse: 412    
taugenlich und weis.

Verse: 413    
die fraw lag aber lenger,
Verse: 414    
wenn sy was warden swanger.

Verse: 415    
die chunigin edel und hochgeporn
Verse: 416    
hiet des tausent aydt gesworn

Verse: 417    
das sey beslaffen hiet ain gatt,
Verse: 418    
unczt an Nectanabo todt:

Verse: 419    
der sagt ee Allexandro,
Verse: 420    
do verstund sy sich erst do.




Do die kunigin in wart das sy swanger was wardenn.


Verse: 421       
Do der kunigin wol getan
Verse: 422    
der leib grossen began,

Verse: 423    
ir was laid und antt.
Verse: 424    
nach Nectanabo sy sand,

Verse: 425    
sy sprach: 'du solt mir ervarn
Verse: 426    
wie ich umb dissew sach schol geparn,

Verse: 427    
chunig Philipp der pider
Verse: 428    
wann der zu lanndt chumbt wider.'

Verse: 429    
er sprach: 'fraw, umb die geschicht
Verse: 430    
durft ir euch furchten nicht.

Verse: 431    
Amon der got bewart dich
Verse: 432    
zu allen zeitten und auch ich.'




Chapter: 8  
Nectanabus täuscht Philipp



Verse: 433    
Nectanabus von danne gie,
Verse: 434    
sein maisterschaft er scheinen lie:

Verse: 435    
er schurff das chunig Philipp sach
Verse: 436    
(in ainem trawmb das geschach)

Verse: 437    
wie der got Amon
Verse: 438    
des selben nachtes schon

Verse: 439    
pey seinem weib leg
Verse: 440    
und hubscher mynn mit ir phleg,

Verse: 441    
und do er das getet,
Verse: 442    
ir haimlich stat an der stet

Verse: 443    
versigelt mit seinem vingerlein
Verse: 444    
(do stuendt ein edel stain ein

Verse: 445    
verwaricht und new gegraben
Verse: 446    
und mit goldt wol erhaben

Verse: 447    
der sunne wagen und ains leben
Verse: 448    
haubt und ain swert da neben),

Verse: 449    
und sprach: 'weib, pis an swer,
Verse: 450    
du traist den beschirimer.'




Das der kunig den maystern den trawmb fuer legt.


Verse: 451       
Do der kunig erwacht,
Verse: 452    
den trawm er wol betracht.

Verse: 453    
er hies sein leut nach den pesten
Verse: 454    
maistern senden die sy westen,

Verse: 455    
die zu den selben stunden
Verse: 456    
die trawm aus legen chunden.

Verse: 457    
ain sternsecher dar becham.
Verse: 458    
do er den trawm recht vernam,

Verse: 459    
er sprach: 'dein weib ein chind gepiert,
Verse: 460    
das nach dir die chran tragen wirt.

Verse: 461    
fur war, das gelaub mir,
Verse: 462    
den hat ain got gemachet ir.

Verse: 463    
der sunne wagen und daz swert
Verse: 464    
bedeut das er betwingen wirt

Verse: 465    
als ein leb gewaltiklich
Verse: 466    
mit seinem swert alle reich

Verse: 467    
gar von orient
Verse: 468    
unczt das die sunn went.'

Verse: 469    
nu was es in den zeitten
Verse: 470    
das der chunig scholt streytten

Verse: 471    
mit den veintten seinen.
Verse: 472    
Nectanabus lies erscheinen

Verse: 473    
aber seiner chunst macht.
Verse: 474    
er schurff, do der chunig vacht,

Verse: 475    
das er sach ainen trakchen
Verse: 476    
vor im vechten und hakchen,

Verse: 477    
der die veint von im verjagt
Verse: 478    
und tet sy siglos und verczagt.




Das kunig Philipp wider zu landt wolt reitten.


Verse: 479       
Do der kunig den sig gewan,
Verse: 480    
do fuer er als ain weis man

Verse: 481    
und hueb sich von dannen
Verse: 482    
zu lant mit seinen mannen.

Verse: 483    
do der chunig Philippus
Verse: 484    
cham zu Chriechen in sein haus,

Verse: 485    
die chunigin im engegen gie;
Verse: 486    
frolich sy in enphie.

Verse: 487    
er dankcht ir und drukchts an sich
Verse: 488    
und sprach: 'fraw, nit furcht dich!

Verse: 489    
du solt freylichen frolich geparn,
Verse: 490    
wenn du hast nit missevarn.

Verse: 491    
alles das dir ist geschechen,
Verse: 492    
das hab ich in dem trawm gesechen.'




Chapter: 10  
Nectanabus als Drache am Hof

Das sich kunig Nectanabus zu ainem trakchen macht vor dem kunig Philippo.


Verse: 493       
Aines tags der kunig as
Verse: 494    
frolich auf seinem palas

Verse: 495    
und mit im die kunigin
Verse: 496    
und auch die pesten maister sein.

Verse: 497    
Nectanabus der macht sich
Verse: 498    
zu ainem trakchen aislich

Verse: 499    
und gieng wispeln in dem sall
Verse: 500    
hin und her uber all.

Verse: 501    
die hern die do sassen
Verse: 502    
und vor dem kunig assen,

Verse: 503    
swigen all und erschrakchten
Verse: 504    
und vorchten ser den trakchen,

Verse: 505    
der czu der frawen gie.
Verse: 506    
sein haubt er in ir schoss lie

Verse: 507    
und chust sey an irn mundt
Verse: 508    
und verswandt an der stund.

Verse: 509    
der chunig zu den hern sprach:
Verse: 510    
'wist das ich bey mir sach

Verse: 511    
disen trakchen in den zeitten
Verse: 512    
do wir vechten scholten und streitten.

Verse: 513    
die veint er von uns slueg und jagt
Verse: 514    
und macht sew siglos und verzagt.'




Chapter: 11  
Vogelei und Drachenjunges

Das sich Nectanabus zu ainem vogl macht und flog dem kunig auff sein schaß.


Verse: 515       
Chuerczlich alain auf seinem palas sas,
Verse: 516    
da er nuer allain was,

Verse: 517    
do cham ain chlaines vogellein
Verse: 518    
geflogen zu dem venster ein

Verse: 519    
und legt im auf die schass ain ay,
Verse: 520    
das viel nyder und enprast enczway.

Verse: 521    
do das ay was zeprochen,
Verse: 522    
do cham aus der schal gechrochen

Verse: 523    
ain chlaines lindwurmelein;
Verse: 524    
ein chran was auf dem haubt sein.

Verse: 525    
das trẽkchlein chrach auf dem sall
Verse: 526    
ainst umb und umb die schall;

Verse: 527    
und do es wol wider ein
Verse: 528    
in die schal gechrochen sein,

Verse: 529    
an ain egkch es sich sties,
Verse: 530    
sein haubt es seygen lies

Verse: 531    
und vil nider und was todt.
Verse: 532    
der kunig hies besenden drat

Verse: 533    
sein pest maister all,
Verse: 534    
und sy chamen in den sall.

Verse: 535    
das zebrochen ay zaigt er in
Verse: 536    
und das chlain lintwurmelein.

Verse: 537    
er begund in sagen das
Verse: 538    
wie es also geschechen was.

Verse: 539    
die maister zu der selbing stundt
Verse: 540    
jachen aus gemainem mundt:

Verse: 541    
'ain sun dir geporn wirt,
Verse: 542    
der alle dew welt durich vert

Verse: 543    
und betwingt mit gewalt;
Verse: 544    
er wirt aber nit alt.

Verse: 545    
wenn er mit seiner chraft
Verse: 546    
macht allew reich diensthaft,

Verse: 547    
so er wil haim zu land varn
Verse: 548    
und stirbt in seinen jungen jarn.'

Verse: 549    
nu was auch die zeit chomen,
Verse: 550    
als ir var habt vernomen,

Verse: 551    
das die chuniginne
Verse: 552    
ein chind scholt gewinnen.




Chapter: 12  
Alexanders Geburt

Das kunig Allexander geporn ward.


Verse: 553       
Die edel fraw Olimpias
Verse: 554    
aines schon suͤns genas.

Verse: 555    
do das chind zu erden cham,
Verse: 556    
grossew wunder man vernam.

Verse: 557    
do ward ein erdpidm gros,
Verse: 558    
das fewr aus den lufften schas,

Verse: 559    
von dorrslegen und von plikchen
Verse: 560    
macht man oft und dikch erschrikchen,

Verse: 561    
groß sturm windt wetten,
Verse: 562    
sne und stain nider schretten,

Verse: 563    
der tag ward vinster als dew nacht;
Verse: 564    
nymant solich mer gedacht.

Verse: 565    
do das der chunigk Philipp ersach,
Verse: 566    
er gieng zu der frawen und sprach:

Verse: 567    
'edlew chuniginne,
Verse: 568    
ich het gedacht in meinem synne,

Verse: 569    
ich wolt nicht lan das kindlein
Verse: 570    
ziechen, wenn es ist nit mein.

Verse: 571    
nu ich die wunder han gesechen
Verse: 572    
die zu der purd sind geschechen,

Verse: 573    
die ellement sich habent verchert,
Verse: 574    
des prueff ich woll das es wart

Verse: 575    
geczilt von ainem got.
Verse: 576    
ich wil es ziechen ane spot

Verse: 577    
in meinem namen furbas.'
Verse: 578    
des frewt sich Olimpias.

Verse: 579    
er hies ziechen schon den degen
Verse: 580    
und hies sein erlich phlegen

Verse: 581    
aine und die ander
Verse: 582    
und nandt das kind Alexander.

Verse: 583    
des chindes phlag man schon.
Verse: 584    
es was aber sein person

Verse: 585    
dem vater noch der mueter geleich;
Verse: 586    
es was geschaffen wunderlich.

Verse: 587    
im was stumpphat das har
Verse: 588    
und ainem leben geleich gevar.

Verse: 589    
die augen im glissen als ain glas;
Verse: 590    
das ain dem andern ungeleich was:

Verse: 591    
das ain was swarcz, das ander val,
Verse: 592    
das ain stuend hoch, das ander zu tall.

Verse: 593    
die zend in dem mundt vorn
Verse: 594    
im lang und gar spiczig warn.

Verse: 595    
fraisleich was all sein geper,
Verse: 596    
recht als er ein leb wer.

Verse: 597    
das chind zach man gar zart,
Verse: 598    
unczt das es sechs jar alt wart.

Verse: 599    
do wolt der kunig nicht enpern
Verse: 600    
man muest es die puech lern.

Verse: 601    
der jung herr gar gelernig was:
Verse: 602    
alles das man vor im loss,

Verse: 603    
das chund er pas alczu handt
Verse: 604    
denn dye andern alsandt.




Chapter: 13  
Alexanders Erziehung

Das Allexander zu ritter wolt werden.


Verse: 605       
Der chnab wart gar synn reich:
Verse: 606    
czucht und er nam er an sich

Verse: 607    
und ander tugent manigvalt.
Verse: 608    
do er wart zweliff jar alt,

Verse: 609    
do wolt er nicht enpern
Verse: 610    
er wolt ritterschaft lern.

Verse: 611    
man lernet in justiern,
Verse: 612    
stechen und turnyern

Verse: 613    
und vechten mit dem swert;
Verse: 614    
schirmen man in auch lert,

Verse: 615    
unczt er es alles chundt.
Verse: 616    
man vand in zu aller stund

Verse: 617    
frolich und unervorcht,
Verse: 618    
mẽndlich ding er albeg worcht.




Chapter: 18  
Alexander tötet Nectanabus



Verse: 619    
do das chunig Philipp ersach,
Verse: 620    
er frewt sich ser und sprach:

Verse: 621    
'Allexander, sun gemait,
Verse: 622    
ich frew mich deiner behendikait

Verse: 623    
und umb dein spechen synn.
Verse: 624    
ydoch umb ains ich truebig pin:

Verse: 625    
das dein figur und die mein
Verse: 626    
an nichtew nit geleich sein.'

Verse: 627    
die chunigin Olimpias
Verse: 628    
het wol gehort das.

Verse: 629    
sy erschrakcht und was unfro
Verse: 630    
und sand nach Nectanabo.

Verse: 631    
do in die fraw chomen sach,
Verse: 632    
zuchtiklich sy zu im sprach:

Verse: 633    
'maister, ir schalt ervarn schir
Verse: 634    
wie gemuett sey gegen mir

Verse: 635    
mein herr, chunig Philippus.
Verse: 636    
er sprach zu seinem sun alsus:'

Verse: 637    
sy sagt im an der selben stat
Verse: 638    
als der chunig gesprochen hat.

Verse: 639    
Nectanabus, der weis man,
Verse: 640    
sein chunst er schawen began;

Verse: 641    
er sprach: 'chunigin reich,
Verse: 642    
wiss das sicherlich:

Verse: 643    
des chuniges muet stet gegen dir
Verse: 644    
fur war recht, das glaub mir.

Verse: 645    
aber zu der stundt
Verse: 646    
ein stern pey der suͤnn stuͤndt;

Verse: 647    
das merkch recht und vernym:
Verse: 648    
der stern laidet dich im.'




Das Allexander Nectanabus in den graben sties.


Verse: 649       
Alexander stuendt und hort
Verse: 650    
disew red und die selben wart.

Verse: 651    
er sprach: 'maister, sagt an mer
Verse: 652    
ob der stern an dem himel ste.'

Verse: 653    
Neetanabus anttwurt im do
Verse: 654    
und sprach: 'sun, im ist also.'

Verse: 655    
er sprach: 'chanstu mir den stern
Verse: 656    
zaigen, den sech ich gern.'

Verse: 657    
der maister sprach: 'so ge mit mir!
Verse: 658    
hinez nacht so czaig ich in dir.'

Verse: 659    
Allexander nicht west das
Verse: 660    
Nectanabus sein vater was;

Verse: 661    
der maister west es aber wol,
Verse: 662    
als ain weiser man schol.

Verse: 663    
der jung herr sprach aber do
Verse: 664    
Nectanabo dem maister zue:

Verse: 665    
'waistu was dir schol geschechen? -
Verse: 666    
'ja ich wais, ich will dir es verjechen.'

Verse: 667    
des antwurt im der jungling:
Verse: 668    
das sind zuchtickleiche ding

Verse: 669    
und das ich geren chunen wolt.
Verse: 670    
wegstu wie du sterben scholt?'

Verse: 671    
der meister sprach: 'ich weyß es wol,
Verse: 672    
von meinem sun ich sterben schol,

Verse: 673    
der von mir geporn ist;
Verse: 674    
ich wais aber nicht die frist.'

Verse: 675    
der jung herr gedacht wie er in betruͤg
Verse: 676    
und in seczet an dew lug.

Verse: 677    
do es nacht warden was,
Verse: 678    
sy giengen ab dem palas,

Verse: 679    
Nectanabus und der herr,
Verse: 680    
fuer die stat und nit verr.

Verse: 681    
sy gienngen auf den purgraben,
Verse: 682    
der was weit und tieff gegraben.

Verse: 683    
der maister zaigt im zwen stern,
Verse: 684    
dew sach Allexander gern.

Verse: 685    
den ain nant er Venus,
Verse: 686    
den andern Mercurius;

Verse: 687    
der ain walt der mynn,
Verse: 688    
der ander der gewynn.

Verse: 689    
Nectanabus zaigt im das;
Verse: 690    
Alexander trat hin nacher pas,

Verse: 691    
in den graben er in warff,
Verse: 692    
der was tieff und die stain scharff.

Verse: 693    
er viel das er nachent zebrast.
Verse: 694    
Alexander zu im sprach:

Verse: 695    
'du alter narr, lig alda!
Verse: 696    
du must sterben allso,

Verse: 697    
wie du sagest, dir scholt tun
Verse: 698    
deinen tadt dein aigen sun.

Verse: 699    
die maisterschaft hat dich betrogen
Verse: 700    
und dein kunst hat dir gelogen.'

Verse: 701    
der maister sprach: 'es was mir kundt,
Verse: 702    
ich west es vor maniger stundt

Verse: 703    
das mir also scholt geschechen.
Verse: 704    
hab ich dir, sun, nicht verjechen

Verse: 705    
das ich also verdurb
Verse: 706    
und von meinem sun sturb?'

Verse: 707    
Alexander sprach dapey:
Verse: 708    
'du redest als ich dein sun sey.'

Verse: 709    
er sprach: 'frag die mueter dein,
Verse: 710    
ob du nit gelaubst den warten mein

Verse: 711    
das du fur war mein sun seyst.'
Verse: 712    
mit dem starb er an der frist.

Verse: 713    
do er vernam die warhait,
Verse: 714    
im ward auster massen laidt.

Verse: 715    
er ward truebig und unfro
Verse: 716    
das er het seinen vater so

Verse: 717    
gestossen in den graben tieff.
Verse: 718    
nach den leutten er do lieff

Verse: 719    
und saget den allen,
Verse: 720    
der maister hiet sich ervallen.

Verse: 721    
er hies in gewinnen aus dem graben.
Verse: 722    
do er ward heraus erhaben,

Verse: 723    
do begund er im erparmen.
Verse: 724    
er nam in pei den armen

Verse: 725    
und trueg in auf den palas.
Verse: 726    
die chunigin sprach: 'was ist das ?' -

Verse: 727    
er sprach: 'das ist Nectanabus.'
Verse: 728    
sy sprach: 'wie ist im geschechen sus?' -

Verse: 729    
'mueter, also muest es sein
Verse: 730    
als es schuerf die torhait dein.

Verse: 731    
muter, er hat mir gesait
Verse: 732    
vor dir die gancz warhait

Verse: 733    
das er sey der vater mein.
Verse: 734    
nu wil ich von dem mundt dein

Verse: 735    
horn, du solt mir vergehen
Verse: 736    
der warhait wie dir sey geschechen.'

Verse: 737    
die chunigin gedacht ir an der stat
Verse: 738    
das er sey betrogen het

Verse: 739    
und geẽfft schon
Verse: 740    
mit dem got Amon,

Verse: 741    
das ers selb gewessen wer.
Verse: 742    
dem sun sagt sy offenwar

Verse: 743    
wie ir mit ym wer geschechen
Verse: 744    
und wie sy in het gesehen

Verse: 745    
und wie es alls dar chomen wer.
Verse: 746    
do er recht het vernomen die mer,

Verse: 747    
er sprach: 'mueter, es ist mein will
Verse: 748    
das wir darczu sweygen still.'

Verse: 749    
nit lenger man in ligen lies:
Verse: 750    
die chunigin in begraben hies

Verse: 751    
und auch Alexander,
Verse: 752    
der junk herr edel und her,

Verse: 753    
mit grossen ern (gelaubt das!),
Verse: 754    
wann es wol pilleich was.




Chapter: 15  
Bucephalus

Das der furst von Capodocia dem kunig Philippo ein wunderleich tier het gesandt.


Verse: 755       
Ain furst von Capodocia
Verse: 756    
der sand in den zeitten da

Verse: 757    
dem kunig Philipp durich ein wunder
Verse: 758    
gar ein seltczams chunder:

Verse: 759    
das was schon und gros,
Verse: 760    
geschaffen als ein wildes ros.

Verse: 761    
vil ungehewr es was,
Verse: 762    
nicht anders wenn menschen fleisch es as.

Verse: 763    
zendt und kla het im gegeben
Verse: 764    
die natur als ainem leben,

Verse: 765    
es was ein fraissams tier
Verse: 766    
und het ein haubt als ain stier.

Verse: 767    
an dem haubt vorn
Verse: 768    
het es gar ain scharffes horn,

Verse: 769    
das was lankch und prait:
Verse: 770    
als ein scher messer es snaid.

Verse: 771    
das gestirm was im hurnein.
Verse: 772    
mit starkchen chetten eysnein

Verse: 773    
was es gepunden uberall
Verse: 774    
und was genandt Puczeval.

Verse: 775    
mit vraisleicher stym es hall.
Verse: 776    
er hies im machen ain stal

Verse: 777    
mit ainem gattern eysneynn
Verse: 778    
und hies es lassen dar ein.

Verse: 779    
wer auf dem landt und in der stat
Verse: 780    
verurtailt wart umb ubeltat,

Verse: 781    
den warff man fuer das tier,
Verse: 782    
den het es verczert schir.

Verse: 783    
der chunig behielt das chunder
Verse: 784    
durich nichtew wann durich ain wunder.

Verse: 785    
ain got het im geweissagt:
Verse: 786    
welicher man so unverczagt

Verse: 787    
es sich liess reitten,
Verse: 788    
der scholt nach seinen zeitten

Verse: 789    
die chron tragen gewaltiklich
Verse: 790    
uber all sein reich.




Chapter: 15  
Alexander reitet Bucephalus und wird als Philipps Nachfolger prophezeit



Verse: 791    
do Allexander gieng fur war
Verse: 792    
in das funczehent jar,

Verse: 793    
do er het wicz und chraft,
Verse: 794    
er was chuen und manhaft.

Verse: 795    
aines tags er das chunder
Verse: 796    
begund schawen durich ein wunder.

Verse: 797    
er sach pey im an ainem endt
Verse: 798    
ligen menschen fuess und hendt,

Verse: 799    
das ander het es fressen.
Verse: 800    
Allexander der vermessen

Verse: 801    
grayff auf das tier durich die wantt.
Verse: 802    
es swaig und lekcht im die handt,

Verse: 803    
frolokchen es began,
Verse: 804    
es legt sich nider und luegt in an.

Verse: 805    
do Alexander das ersach,
Verse: 806    
die tuer er zu hant auf prach

Verse: 807    
und gie chuenlich zu dem tier.
Verse: 808    
es gesach in nye so schir,

Verse: 809    
es viel nider an der stundt
Verse: 810    
und wanczagelt als ain hundt

Verse: 811    
gegen seinen herrn, gelaubt das!
Verse: 812    
Alexander auf es sas,

Verse: 813    
wann es tet im chain laid;
Verse: 814    
fur den kunig er es rait.




Der chunig freut sich seins suns Allexander.


Verse: 815       
Do der chunig das ersach,
Verse: 816    
er was frolich und sprach:

Verse: 817    
'Allexander, sun mein,
Verse: 818    
ich frew mich der ern dein.

Verse: 819    
es wirt erfullet gar an dir
Verse: 820    
das do lang ist geweyssagt mir

Verse: 821    
von den gotten und von den weis sagen:
Verse: 822    
das du nach mir schalt die chran tragen.'




Chapter: 20  
Alexanders erster Kriegszug gegen Nicolaus



Verse: 823    
er sprach: 'vater, ob es dir
Verse: 824    
geval, so hais machen mir

Verse: 825    
ainen wagen kunigklich
Verse: 826    
und lass mich in deinem reich

Verse: 827    
ee ziechen und reitten
Verse: 828    
und jar lang fur dich streitten.'

Verse: 829    
der chunig sprach: 'das sol sein.
Verse: 830    
nym virczigk tausent guldein

Verse: 831    
und aus mein rossen allen
Verse: 832    
hundert die dir wol gevallen!

Verse: 833    
ainen fursten nym mit dir
Verse: 834    
und betwing das landt mir

Verse: 835    
das kunig Niclas der alt
Verse: 836    
uns vorhelt mit gewalt!'

Verse: 837    
Allexander berait sich
Verse: 838    
zu der hervart ritterlich.

Verse: 839    
er gab den rittern uber all
Verse: 840    
gold und silber ane zall,

Verse: 841    
das sy ros und phert,
Verse: 842    
harnasch chauften und swert.

Verse: 843    
darczu gab im die mueter sein
Verse: 844    
zwainczigk tausent gulldein

Verse: 845    
zu stewr zu der hervart.
Verse: 846    
da er nu gar berait wart,

Verse: 847    
von dem vater er urlaub nam,
Verse: 848    
in die hervart fuer er lustsam.

Verse: 849    
er zagt mit her in das landt
Verse: 850    
das Arideas ist genandt.




Do begent kunig Niclas Allexandro.


Verse: 851       
Cunig Niclas im widerrait
Verse: 852    
ee er im hiet wider sait.

Verse: 853    
er sprach Allexander zue:
Verse: 854    
'wie haist oder wer pistu?'

Verse: 855    
Alexander zu im sprach,
Verse: 856    
do er in von erst an sach:

Verse: 857    
'Allexander ist mein nam.
Verse: 858    
meins vaters ich mich nicht scham

Verse: 859    
und ist chunig Philipp genant
Verse: 860    
und haist vordern mich das landt.'

Verse: 861    
do das chunig Niclas erhort,
Verse: 862    
zorniklich sprach er das wort:

Verse: 863    
'und schant ich nicht der ern mein,
Verse: 864    
ich spuerczt dir under dew augen dein.'

Verse: 865    
Allexander das versmacht,
Verse: 866    
an sein zucht er gedacht.

Verse: 867    
er sprach: 'Niclas, ich dir
Verse: 868    
pey meines vaters hail swer

Verse: 869    
das ich mit dir streitten will.'
Verse: 870    
damit saczten sy ain zill,

Verse: 871    
chunig Niclas und Allexander,
Verse: 872    
das sy wolten streytten mit einander

Verse: 873    
uber die nagsten virczig tag
Verse: 874    
(es ist war das ich euch sag).

Verse: 875    
die red in ainem fridt geschach,
Verse: 876    
das ainer wider den andern sprach.

Verse: 877    
sy schieden sich gar czorniklich.
Verse: 878    
ir yeglicher berait sich

Verse: 879    
mit seinen leutten zu dem streit.
Verse: 880    
do nu chomen was die zeit

Verse: 881    
und die tag ein endt namen,
Verse: 882    
die herrn zu velde chamen,

Verse: 883    
do sy vechten scholten,
Verse: 884    
als sy paidenthalben wolten.

Verse: 885    
aines morgens gar frue
Verse: 886    
ritten sy an ain ander zue.

Verse: 887    
ir herhorn sy plasen liessen,
Verse: 888    
die her sy zu ein ander stiessen.

Verse: 889    
sy stritten grimiklich
Verse: 890    
guetten helden geleich

Verse: 891    
unczt nach mitten tag lankkch.
Verse: 892    
maniger layd van gedrang

Verse: 893    
und auch van slegen grassew not.
Verse: 894    
maniger wundt und maniger tadt

Verse: 895    
viellen paidenthalben nider,
Verse: 896    
der chainer nymmer chom wider.

Verse: 897    
zu jungist Niclas und Alexander
Verse: 898    
chamen paid zu ein ander.

Verse: 899    
ainer dem andern nicht vertrueg,
Verse: 900    
yeglicher auf den andern slueg

Verse: 901    
starkch sleg und gross
Verse: 902    
als auf ainen anpass.

Verse: 903    
sy vachten gegen einander
Verse: 904    
unczt das Alexander

Verse: 905    
zu tod slueg chunig Niclasen,
Verse: 906    
do mit er den sig gewann.

Verse: 907    
die pesten herren er al fieng,
Verse: 908    
do mit auch der streit zergieng.

Verse: 909    
do er nu den sig gewan,
Verse: 910    
do hies er sein pest man

Verse: 911    
uber reitten das land.
Verse: 912    
also betwang er allesand

Verse: 913    
mit gewalt und heres chraft,
Verse: 914    
das es wart sighaft.

Verse: 915       
Dye herrn uber all das lanndt
Verse: 916    
chamen zu im alczu handt

Verse: 917    
paid nachent und vern
Verse: 918    
und swuern im zu ainem herrn.

Verse: 919    
sy chrontten in herlich
Verse: 920    
uber als das chunigreich.

Verse: 921    
er besaczt es uber all,
Verse: 922    
paid in perg und in tall

Verse: 923    
die vesten mit seinen mannen
Verse: 924    
und hueb sich von dannen.




Chapter: 21  
Philipps Heiratsversuch



Verse: 925    
do er zu Macedonia cham,
Verse: 926    
ein laides mer er vernam:

Verse: 927    
chunig Philipp der hochgeporn
Verse: 928    
het die chunigin verlorn,

Verse: 929    
die schon Olimpias,
Verse: 930    
die Allexander mueter was,

Verse: 931    
und het im genomen da
Verse: 932    
ein andre hies Kaleopacia,

Verse: 933    
ein hausfrawn erkorn.
Verse: 934    
das tet Allexandro zarn.

Verse: 935    
der jungling cham gegangen ein,
Verse: 936    
do vandt er den vater sein

Verse: 937    
an der prawtschaft siczen.
Verse: 938    
er sprach zu im mit wiczen:

Verse: 939    
'vater mein, enphach von mir
Verse: 940    
dew chron des lanndes die ich dir

Verse: 941    
in dem ersten streyt mein
Verse: 942    
ervochten hab, die er ist dein.

Verse: 943    
aber, vater, ich sag dir das
Verse: 944    
in ganczem ernst ane has,

Verse: 945    
wenn ich nun die mueter mein,
Verse: 946    
Olympias die chunigein,

Verse: 947    
geb ainem chunig ze man,
Verse: 948    
das ich dich zu der hochzeit dann,

Verse: 949    
vater, pit noch enladt,
Verse: 950    
es wer frum oder schad.'




Das Lysias sagt dem kunig Kapodocia ein kind wurd tragen im geleich.


Verse: 951       
Ain furst hies Lysias,
Verse: 952    
der pey dem kunig zu nagst sas,

Verse: 953    
der stund auf und sprach also:
Verse: 954    
'herr kunig Philipp, nu seyt fro,

Verse: 955    
ich wil euch das war sagen:
Verse: 956    
Kaleopacia wirt pey euch tragen

Verse: 957    
ainen sun euch geleich,
Verse: 958    
der besiczt nach euch ewr reich.'

Verse: 959    
do Allexander das erhort,
Verse: 960    
disew red und dissev wart,

Verse: 961    
dem edeln und hochgepornen
Verse: 962    
wart aus der massen zarn.

Verse: 963    
mit ainem stab den er trueg,
Verse: 964    
Lisiam er an das haubt slueg,

Verse: 965    
das er zu hant tad lag.
Verse: 966    
kunig Philipp des ser erschrakcht,

Verse: 967    
er sprang auf zu handt,
Verse: 968    
ein swert nam er in die hant.

Verse: 969    
so zorniklich und ungfueg
Verse: 970    
er nach Alexandro slueg

Verse: 971    
das er nach dem slag viel nider;
Verse: 972    
er macht sich nit gehalden wider.

Verse: 973    
do Allexander das ersach,
Verse: 974    
zuchtiklich er zu im sprach:

Verse: 975    
'kunig Philipp, vater mein,
Verse: 976    
wie zymbt das den ern dein!

Verse: 977    
wenn du manig landt betwungen hast,
Verse: 978    
pistu nu deiner wicz ein gast

Verse: 979    
das du nicht macht gealden
Verse: 980    
nach ern, als sy dich wol an puerden.'

Verse: 981    
die hachzeit trawriklich ergie,
Verse: 982    
die sich doch frolich an gevie.

Verse: 983    
kunig Philipp der hochgeporn
Verse: 984    
ward siech vor laid und zorn,

Verse: 985    
das er in seinem pet lag.
Verse: 986    
dar nach uber ettlich tag

Verse: 987    
Alexander zu im gie.
Verse: 988    
er wolt schawen und warten wie

Verse: 989    
sich der kunig hielt,
Verse: 990    
wer sein phleg oder wielt.




Das Allexander sein vater straft von wegen seiner mueter, das er ain andrew kunigin het kies.


Verse: 991       
Do er in erst ansach,
Verse: 992    
zuchtiklich er zu im sprach

Verse: 993    
wie das sey unpillich.
Verse: 994    
'chunig Philipp, vernymb mich

Verse: 995    
das ich also nenne dich
Verse: 996    
und dein nit zu vater gich.

Verse: 997    
doch red ich zu dir in dem muett
Verse: 998    
als ain frewnt zu dem andern tuett.

Verse: 999    
es zymbt wol den ern dein
Verse: 1000    
das du nenst die kunigin.

Verse: 1001    
du scholt sey des geniessen lan
Verse: 1002    
das du unrecht hast getan.

Verse: 1003    
du solt dich auch umb die geschicht
Verse: 1004    
betrueben und beswern nicht

Verse: 1005    
das ich zu tod slueg Lisiam,
Verse: 1006    
wann dem han ich recht getan.

Verse: 1007    
wie getorst er ye vor mir
Verse: 1008    
so getane red sagen dir

Verse: 1009    
die mir und der mueter mein
Verse: 1010    
wider unser er gesein!

Verse: 1011    
du hast dich uber dacht
Verse: 1012    
und gar gegen mir vergacht,

Verse: 1013    
das du dein swert zugt gegen mir;
Verse: 1014    
vater, des vergan ich dir.'

Verse: 1015    
der kunig waint do er in an sach,
Verse: 1016    
Allexander wainat auch.

Verse: 1017    
do er ein weil gesas,
Verse: 1018    
do gieng er auf den palas

Verse: 1019    
zu Olympiam der chunigin,
Verse: 1020    
die hies in willigkomen sein.

Verse: 1021    
er sprach zu ir: 'mueter mein,
Verse: 1022    
du solt frolich sein!

Verse: 1023    
furicht nit meines vater muet,
Verse: 1024    
wann der ist gegen dir stet und guet.

Verse: 1025    
wis fro, die sunde dein
Verse: 1026    
sullen var im gar verporgen sein.

Verse: 1027    
er hat gegen dir des straffen recht,
Verse: 1028    
wann es ist pilleich und slecht

Verse: 1029    
das ygleichew frawn
Verse: 1030    
irm man gehorsam sein.'

Verse: 1031    
mit dem nam er die kunygin
Verse: 1032    
und fuert sey zu dem kunig hynn.

Verse: 1033    
do sey kunig Philipp an sach,
Verse: 1034    
tugenleich er zu ir sprach:

Verse: 1035    
'seyt wiligkomen, fraw mein,
Verse: 1036    
aller zarn sol hin sein.'

Verse: 1037    
er halst und chusts an irn mundt
Verse: 1038    
und wart frolich und gesundt.




Chapter: 23  
Alexander fertigt Darius' Zinsboten ab

Das chaiser Darius zu kunig Philippus nach zyns sant und Allexander in anttwurt.


Verse: 1039       
Nu was zu den zeitten da
Verse: 1040    
in dem landt zu Persia

Verse: 1041    
ain chaiser, der hies Darius,
Verse: 1042    
die geschrift nennet in alsus.

Verse: 1043    
der was so gewaltig und so reich
Verse: 1044    
das im allew kunigreich

Verse: 1045    
auf erden undertenig warn
Verse: 1046    
und zinsthaft in den selben jarn.

Verse: 1047    
der chaiser in den zeitten do
Verse: 1048    
sandt zu kunig Philippo.

Verse: 1049    
die potten sein er het gesandt
Verse: 1050    
und hiessen den zinns van dem landt.

Verse: 1051    
do sy Allexander sah,
Verse: 1052    
vermessenlich er zu in sprach:

Verse: 1053    
'zogt hin wekch und sagt also
Verse: 1054    
ewrm chaiser Dario:

Verse: 1055    
die weil Philippo het chain sun,
Verse: 1056    
do hett er in dem lant ein hun,

Verse: 1057    
das legt im ayer guldein,
Verse: 1058    
do mit galt er denn czinss sein.

Verse: 1059    
do im gebornn wart ein sun,
Verse: 1060    
zu hant wart urleugen das huenn.'

Verse: 1061    
do das die potten hetten vernomen
Verse: 1062    
die nach dem zinns warn komen,

Verse: 1063    
sy wundert ser der weysen redt
Verse: 1064    
die der jung fuerst tet.

Verse: 1065    
nicht lenger sy do pitten,
Verse: 1066    
an czynns sy von dann ritten.




Chapter: 24  
Philipps Tod

Das der Allexander die erst hervart tet.


Verse: 1067       
Do das geschechen was also,
Verse: 1068    
do chamen mer Philippo

Verse: 1069    
wie sich seczen wolt das landt
Verse: 1070    
das Armenia ist genandt,

Verse: 1071    
mit wer wider in.
Verse: 1072    
do sandt er Allexander hin

Verse: 1073    
mit ainem chreitigen her,
Verse: 1074    
mit vil gallein auf dem mer,

Verse: 1075    
ob sy sich seczen wolten wider,
Verse: 1076    
das er ir vesten leget nider

Verse: 1077    
und verhert und verprantt
Verse: 1078    
was ir stuendt in dem landt.

Verse: 1079    
Allexander fuͤr fuer sich
Verse: 1080    
mit seinem her frolich.

Verse: 1081    
darnach uber ettlich tag
Verse: 1082    
geschach ain geschicht, als ich ew sag.

Verse: 1083    
pey dem mer leit ain landt,
Verse: 1084    
das ist Britania genandt,

Verse: 1085    
das dient kunig Phylippo
Verse: 1086    
an den selben zeitten do.

Verse: 1087    
der zu der zeit kunig was alda,
Verse: 1088    
der hies Pausania,

Verse: 1089    
der was chuen und manhaft.
Verse: 1090    
er het sich mit grosser chraft

Verse: 1091    
besandt in den zeitten
Verse: 1092    
in dem land weytten,

Verse: 1093    
und was dem kunig Philippo gerantt
Verse: 1094    
mit gewalt in sein landt,

Verse: 1095    
do er het vernomen das
Verse: 1096    
Allexander nit dahaim was.

Verse: 1097    
dem kunig Philipp das versmacht.
Verse: 1098    
er traut nit das mit solher chraft

Verse: 1099    
der kunig von Brithania
Verse: 1100    
in sein landt wer chomen so.

Verse: 1101    
sein hern er besandt,
Verse: 1102    
er dacht in treyben aus dem landt.

Verse: 1103    
do chunig Philipp sein macht
Verse: 1104    
gar zu sam het pracht,

Verse: 1105    
gegen im er do rait.
Verse: 1106    
Pusania auch nit lenger pait,

Verse: 1107    
mit seinem her er gegen im prach.
Verse: 1108    
do chunig Philipp die menig ersach

Verse: 1109    
die mit kunig Pusania zach,
Verse: 1110    
zu handt hueb er sich und floch.

Verse: 1111    
do in Pusania fliechen sach,
Verse: 1112    
er rait im ritterleichen nach

Verse: 1113    
uber ain gevildt prait;
Verse: 1114    
zw jungst er in doch errayt.

Verse: 1115    
ein scharffes swert er durich in rant,
Verse: 1116    
das er viel nider auf das lanndt;

Verse: 1117    
yedoch was er nicht gar todt.
Verse: 1118    
Pusania dem verpott

Verse: 1119    
und lernt auch sein edelkait
Verse: 1120    
das er im furbas chain laidt

Verse: 1121    
scholt nicht tuen mer,
Verse: 1122    
wenn es wer im chain er.

Verse: 1123    
das valkch flach allczu mall
Verse: 1124    
uber perg und uber tall.




Das die mer komen das Allexanders vater erslagen was warden.


Verse: 1125       
Secht, das mẽr darnach erhall
Verse: 1126    
in dem land uber all

Verse: 1127    
das chunig Philipp wer erslagen.
Verse: 1128    
do hueb sich wainen und chlagen.

Verse: 1129    
Pusania was zu handt
Verse: 1130    
mit gewalt in die stat gerant

Verse: 1131    
auf des kunigs palas.
Verse: 1132    
do die kunigin inne was.

Verse: 1133    
die wolt er gern geczukcht hab
Verse: 1134    
und mit gewalt fuern dann.

Verse: 1135    
die kunigin was do so chlueg
Verse: 1136    
das sy sich pald verslueg.

Verse: 1137    
nu was auch zu der zeit da
Verse: 1138    
von dem landt Armenia

Verse: 1139    
der herr Allexander komen
Verse: 1140    
und het den sig do genomen.

Verse: 1141    
do er in die puerkch cham
Verse: 1142    
und die truͤbsall do vernam

Verse: 1143    
die in seins vaters landt was,
Verse: 1144    
do cham die fraw Olympias

Verse: 1145    
aus ainer kemnatt,
Verse: 1146    
do sy sich inn verporgen hat.

Verse: 1147    
mit lautter stym sy im chlagt
Verse: 1148    
ir ungemach und ir laidt.

Verse: 1149    
sy sprach: 'vil lieber sun mein
Verse: 1150    
wo ist nu die czue chumft dein,

Verse: 1151    
die dir van den gotten ist
Verse: 1152    
geweissagt vor maniger frist?

Verse: 1153    
las heut dein manhait schein
Verse: 1154    
und rich den vater dein.'

Verse: 1155    
do das erhort Pusania
Verse: 1156    
die wort die er hort alda,

Verse: 1157    
mendlich er fuer den palas sprang.
Verse: 1158    
Allexander gegen im drang,

Verse: 1159    
er was grimig gemuett.
Verse: 1160    
mit ainem swert, das was guot,

Verse: 1161    
gab er Pusanie ainen slag
Verse: 1162    
das er tad vor im lag.

Verse: 1163    
der ritter ainer sagt also
Verse: 1164    
dem kunig Allexandro:

Verse: 1165    
'Allexander, herr mein,
Verse: 1166    
chunig Philipp, der vater dein,

Verse: 1167    
ligt auf dem veld und ist tod.'
Verse: 1168    
Allexander eyllt dratt

Verse: 1169    
und cham an die stat zu hannt
Verse: 1170    
do er den vater ligundt vand,

Verse: 1171    
er was dannoch nit gar tad.
Verse: 1172    
auf seine chnye er sich pot,

Verse: 1173    
hais wainen er began.
Verse: 1174    
der chunig luegt auf und sach in an;

Verse: 1175    
er sprach zu im permiklich:
Verse: 1176    
'suͤn mein, ich stirb nu frolich,

Verse: 1177    
das du mich hast gerochen
Verse: 1178    
und den hast erstochen

Verse: 1179    
der mich hat verderbet
Verse: 1180    
und gemirlich gestirbit.'

Verse: 1181    
sein leben er an der redt
Verse: 1182    
verchert und starb auf der stet,

Verse: 1183    
das er weder wee nach ach
Verse: 1184    
furbas nymmer mer gesprach.

Verse: 1185    
chunig Allexander umb in waint,
Verse: 1186    
sein trew er dar an beschaint.

Verse: 1187    
selber er in auf hueb
Verse: 1188    
des andern tags und begrueb

Verse: 1189    
mit zir und mit reichait
Verse: 1190    
nach chuniklicher wirdikait.

Verse: 1191    
die red ich damit churczen will
Verse: 1192    
das ich nit han gesagt vil

Verse: 1193    
von der grossen schonhait
Verse: 1194    
und der zier und reichait

Verse: 1195    
damit der kunig ward begraben.
Verse: 1196    
das hab ich alles uber haben

Verse: 1197    
durich der chuercz willen;
Verse: 1198    
so las ich es ligen stillen.




Chapter: 27  
Alexander übernimmt die Herrschaft in Macedonien/ Griechenland

Das die lantleutt kunig Allexander chrontten.


Verse: 1199       
An dem dritten tag frue
Verse: 1200    
des landes fursten griffen zue,

Verse: 1201    
zu kunig Allexandrum sy chuern,
Verse: 1202    
gemainklich sy im all swuern.

Verse: 1203    
sy saczten in auf des vaters tran,
Verse: 1204    
mit ainer achpern chron

Verse: 1205    
chronten sy in frolichen
Verse: 1206    
zu allen chriechischen reichen.

Verse: 1207    
do er des landts gewaltig wart,
Verse: 1208    
do hies er rueffen hervart

Verse: 1209    
in allen sein kunig reichen
Verse: 1210    
paid arm und reichen,

Verse: 1211    
allen den die streyttper wern,
Verse: 1212    
das sy des nit verpern

Verse: 1213    
und des chuniges wart vernemen,
Verse: 1214    
das sy zu hoff chẽmen.

Verse: 1215    
die herrn edel und reich
Verse: 1216    
czogten all gemainklich

Verse: 1217    
zu hoff durich die mẽr
Verse: 1218    
was des kunigs will wẽr.

Verse: 1219    
do sy chomen warn all
Verse: 1220    
mit zierhait und mit grassem schall,

Verse: 1221    
der chunig saczt sich schon
Verse: 1222    
auf seinen chunigklichen tran.

Verse: 1223    
er luedt fuͤr sich gemainklich
Verse: 1224    
paid arm und reich.

Verse: 1225    
er sprach zu in: 'ir herrn mein,
Verse: 1226    
die mir getrew wellen sein,

Verse: 1227    
die von Macedonia,
Verse: 1228    
von Chriechen und von Tracia,

Verse: 1229    
von wann ir seyt und anderswo,
Verse: 1230    
is sy ferre oder no,

Verse: 1231    
ir wist wol das ir seit
Verse: 1232    
gewessen aygen manig zeit

Verse: 1233    
der von Babilonia
Verse: 1234    
und auch der von Persya.

Verse: 1235    
dye chunigreich und die landt
Verse: 1236    
sind allew barbarey genandt.'

Verse: 1237    
er sprach: 'welt ir voligen mir,
Verse: 1238    
pey meinen gottern ich euch swier

Verse: 1239    
das ich euch wil machen frey
Verse: 1240    
von allen den von barwarey.

Verse: 1241    
landt mir die goͤt gelingen,
Verse: 1242    
ich wil euch sew all betwingen,

Verse: 1243    
all ir reich mit herschaft,
Verse: 1244    
und wil euch die zinshaft

Verse: 1245    
machen all undertan.
Verse: 1246    
welich ewr nit wappen han,

Verse: 1247    
die schullen auf den palas gan
Verse: 1248    
und nit lenger frist han

Verse: 1249    
und nemen mit ir fueg
Verse: 1250    
chost und harnasch genueg.

Verse: 1251    
welich aber mein man
Verse: 1252    
chost und harnasch mugen han

Verse: 1253    
und zu hervart tugen,
Verse: 1254    
die schullen als sy pest mugen,

Verse: 1255    
sich beraitten und bewarn,
Verse: 1256    
das sy in die hervart mit mir varn.

Verse: 1257    
sy sullen sich so berichten
Verse: 1258    
und ir ding also slichten

Verse: 1259    
das sy all berait sein
Verse: 1260    
nach dissen maneyden drein.

Verse: 1261    
die alten hern in dem landt
Verse: 1262    
giengen in ainen rat zuhant.

Verse: 1263    
da sy ein weil berietten sich,
Verse: 1264    
do tratten sew fuer den kunig reich

Verse: 1265    
und sprachen an der stundt
Verse: 1266    
all aus ainem mundt:




Die eltisten und die weisisten landleut ..sten mit Alexander das veld.


Verse: 1267       
'Chunig Allexander, edler herr,
Verse: 1268    
wir haben mit deinem vater verr

Verse: 1269    
gehervert manig jar,
Verse: 1270    
das wir nu sein warden gar

Verse: 1271    
alt, muedt und chrankch,
Verse: 1272    
das wir dir nu jarlankch

Verse: 1273    
zu streit nymmer taugen.
Verse: 1274    
ercheus die jungen, die mit dir mugen

Verse: 1275    
chreftiklich gereitten
Verse: 1276    
und mendlich pey dir streytten.'

Verse: 1277    
der kunig Allexander sprach zu in:
Verse: 1278    
'getrewn herrn, die redt tuet hin,

Verse: 1279    
wann ich hor ir nit gern;
Verse: 1280    
ich wil und mag ewr nit enpern.

Verse: 1281    
ir fuegt und taugt mir michels pas
Verse: 1282    
dann die jungen, gelaubt das!

Verse: 1283    
die jungen trosten sich alczeit
Verse: 1284    
ir chreft und ir manhait

Verse: 1285    
und greyffent dikch zu andrer tat,
Verse: 1286    
da es in an myssegat.

Verse: 1287    
des entuent die allten nicht,
Verse: 1288    
mit den hat die weishait phlicht;

Verse: 1289    
wes sy nit mit der tat
Verse: 1290    
volfuernt, das verhengents mit dem rat.'

Verse: 1291    
do sy vernomen disew redt,
Verse: 1292    
die chunig Allexander tet,

Verse: 1293    
mit gemainer stym lobten sy in;
Verse: 1294    
sy wundert ser der weishait sein.

Verse: 1295    
die alten herrn im all swuern
Verse: 1296    
das sy in die hervart mit im fuern.

Verse: 1297    
der kunig berait sich
Verse: 1298    
darczue aller menigklich

Verse: 1299    
mit chost und mit wer
Verse: 1300    
und mit scheffen auf das mer.

Verse: 1301    
ygleicher auf ain ganczes jar
Verse: 1302    
sein scheff speist er gar.

Verse: 1303    
der chunig was milt und reich;
Verse: 1304    
er gab aller meniklich

Verse: 1305    
myldiklich grossen sold.
Verse: 1306    
gestain, silber und gold

Verse: 1307    
des vergab er ane zall.
Verse: 1308    
das mer in dem landt erhall:

Verse: 1309    
des gwan er volkch also vill
Verse: 1310    
das ich der zall nicht sagen will.




Da gesegent Allexander sein muetter und zach dahin mit seinem volkch uber mer.


Verse: 1311       
Do sy berait wurden gar,
Verse: 1312    
seiner mueter rueft er dar.

Verse: 1313    
Olympie der chuniginne
Verse: 1314    
enphalich er das landt sein,

Verse: 1315    
paidew leut und landt
Verse: 1316    
saczt er gar in ir handt.

Verse: 1317    
die kungin waint ser,
Verse: 1318    
wann sy gesach sein nymmer mer;

Verse: 1319    
die andern frawen alsam,
Verse: 1320    
wann ir luczl haim cham.




Chapter: 29  
Alexander erobert Italien (Rom)



Verse: 1321    
do sy urlaub genamen
Verse: 1322    
und zu den scheffen chamen,

Verse: 1323    
sy fuern pald uber mer
Verse: 1324    
mit ainem mechtigen her

Verse: 1325    
mer dann mit taussent scheffen.
Verse: 1326    
das nagst landt das sy begriffen,

Verse: 1327    
das was vor den alten zeitten da
Verse: 1328    
genennet Ytalia,

Verse: 1329    
nu nennent es die leut so
Verse: 1330    
Lamparten und Tustkan.

Verse: 1331    
sy laitten zu an dem gestat
Verse: 1332    
do die Teiffer in das mer gat.

Verse: 1333    
sy zugen aus an das veld
Verse: 1334    
und sluegen auf hutten und zelt.

Verse: 1335    
sy lagen in der geper
Verse: 1336    
sam al die welt da wer.

Verse: 1337    
ettlich tag sy still lagen,
Verse: 1338    
das sy ir rue phlagen.




Das die Romer chaufften oder gaben gold und silber dem Allexander, das er sy mit frid liess und fuer in andrew landt.


Verse: 1339       
Dye do zu Rom herrn warn
Verse: 1340    
und rattleut zu den selben jarn,

Verse: 1341    
do sy erhortten disew mer,
Verse: 1342    
do erschrakchten sy vil ser

Verse: 1343    
auf dem landt und in der stat.
Verse: 1344    
ein weyser man gab in den rat,

Verse: 1345    
sy scholten in guet sentten
Verse: 1346    
und pitten sy von in zu wenden.

Verse: 1347    
sy santten in zu der selben stundt
Verse: 1348    
ratts golts tausent phunt

Verse: 1349    
und ain chran guldein
Verse: 1350    
und speisten im auch die scheff sein

Verse: 1351    
mit newer chost pas,
Verse: 1352    
und was dar an zeprochen was,

Verse: 1353    
das machten sy geradt,
Verse: 1354    
und paten sein genad

Verse: 1355    
das er aus dem landt rit
Verse: 1356    
und nit mit in strit.




Chapter: 31  
Alexander landet in Afrika



Verse: 1357    
der chunig nach der herrn rat
Verse: 1358    
entwaich dem land und der stat

Verse: 1359    
und fuer aber auf das mer
Verse: 1360    
mit seinem lustsamen her.

Verse: 1361    
die mariner hies er chern da
Verse: 1362    
gegen dem landt Affrica.

Verse: 1363    
do sy in das landt chomen
Verse: 1364    
und die hab do genomen,

Verse: 1365    
die herrn uber all das landt
Verse: 1366    
ergaben sich allsandt.

Verse: 1367    
do sy in sachen so geparn
Verse: 1368    
und so getanne welt mit im varn,

Verse: 1369    
sy erputten dem kunig her
Verse: 1370    
michel frid und er.

Verse: 1371    
sy gaben im von gold
Verse: 1372    
und von silber was er wold,

Verse: 1373    
und speisten im die scheff sein
Verse: 1374    
paid mit chost und mit wein.

Verse: 1375    
ainen haubtman er do lie,
Verse: 1376    
das volkch in williklich enphie

Verse: 1377    
und swuern im alda
Verse: 1378    
mit gemainem schalle.




Chapter: 32  
Exkurs: Zur Taktik Alexanders

Allexander hat den sit, wo er ain landt betwang und sich im ergab, da nam er nit zins von.


Verse: 1379       
Allexander het ein synn,
Verse: 1380    
da betwang er vil leut mit:

Verse: 1381    
welichs landt sich im ergab,
Verse: 1382    
do nam er nichtes nit ab;

Verse: 1383    
den tet nyemant chain gewalt,
Verse: 1384    
sy wern jung oder alt,

Verse: 1385    
sy wern arm oder reich.
Verse: 1386    
er schuerff in guetten fridt geleich

Verse: 1387    
und rechtes gericht alsam;
Verse: 1388    
nicht wann den rechten zinns er nam.

Verse: 1389    
welich stat sich alczu handt
Verse: 1390    
nicht im ergab oder weliches landt,

Verse: 1391    
das er muest gewinnen,
Verse: 1392    
da lies er nichts ynnen:

Verse: 1393    
es ward verhert und verprant,
Verse: 1394    
und zerfuert alle sambt.




Chapter: 34  
Alexander im Ammonion



Verse: 1395    
da im Affrica geswuer,
Verse: 1396    
mit seinem her er furbas fuer

Verse: 1397    
und chertten gegen ainer insula,
Verse: 1398    
die was gelegen nachant da.

Verse: 1399    
die was gepaut schon
Verse: 1400    
irem werden gott Amon

Verse: 1401    
ain schoner tempel dar inne
Verse: 1402    
zu lob und zu mynne.




Da kam ain hiers, den macht nyemant wunden dann Allexander.


Verse: 1403       
Do sy chomen auf das landt,
Verse: 1404    
die herrn sprungen auf den sandt.

Verse: 1405    
do sy zogten under wegen,
Verse: 1406    
do sachen sy das in engegen

Verse: 1407    
gelauffen cham ain schoner hiers,
Verse: 1408    
ich wais von wann, gelaubt mirs!

Verse: 1409    
do er in so nachant cham,
Verse: 1410    
yeglicher sein pogen nam.

Verse: 1411    
sy zugen an ir scharffew strall
Verse: 1412    
und schussen auf den hierssen allczu mall.

Verse: 1413    
was sy auf in geschussen ye,
Verse: 1414    
ir chainer in gewundet nye.

Verse: 1415    
die zain prelten all wider
Verse: 1416    
und viellen zu der erdt nyder.

Verse: 1417    
chunig Allexander nam czu handt
Verse: 1418    
ain pogen in sein handt,

Verse: 1419    
ein scharffew strall zach er ein
Verse: 1420    
und sprach zu den herrn sein:

Verse: 1421    
'lat euch des nit verdriessen,
Verse: 1422    
also schult ir furbas schiessen!'

Verse: 1423    
den hirs durich schas er zu handt,
Verse: 1424    
das er viel tad auf das landt.

Verse: 1425    
dar nach wardt die stat alsus
Verse: 1426    
genennet Sagitarius.

Verse: 1427    
do sy der stat begunden nachen,
Verse: 1428    
do sy den tempel vor in sachen,

Verse: 1429    
der chunig hies auf slachen die gezelt
Verse: 1430    
weit und prait auf das veld.

Verse: 1431    
er sprach, er walt nit dannen reitten,
Verse: 1432    
er wolt der anttwurt peytten

Verse: 1433    
die im do von seinen gottern
Verse: 1434    
wart geweisagt und gepotten.

Verse: 1435    
sein oppher er nach des landes sit
Verse: 1436    
tet und eret die gott damit.

Verse: 1437    
fleissiklich er die do pat
Verse: 1438    
das ym von in an der stat

Verse: 1439    
die warhait wuerd chundt getan
Verse: 1440    
wie im die vart scholt ergan.

Verse: 1441    
die ritter gienngen all darnach
Verse: 1442    
zu herwerig an irn gemach.




Chapter: 31  
Alexander erscheint ein Gott im Schlaf (Amon, Seraphis)

Das Allexandro sein got in dem slaff fur cham.


Verse: 1443       
Do der chunig des nachts lag
Verse: 1444    
an seinem pet und slaffens phlag,

Verse: 1445    
im erschain in menschleicher weis
Verse: 1446    
sein werder got Serapheis.

Verse: 1447    
ain grasser perg stuendt aldo,
Verse: 1448    
den zaigt er Allexandro.

Verse: 1449    
'Allexander', sprach der got,
Verse: 1450    
'vernym mein red ane spot:

Verse: 1451    
siechstu den perg der do stet ?
Verse: 1452    
magstu den an ain andrew stat

Verse: 1453    
getragen mit den chreften dein ?'
Verse: 1454    
der chunig sprach: 'herre mein,

Verse: 1455    
wie mocht ich valbringen das
Verse: 1456    
das ich den perg furbas

Verse: 1457    
trueg mit den chreften mein?'
Verse: 1458    
der geist sprach: 'die red nym ein!

Verse: 1459    
also vill und nyeman
Verse: 1460    
disen perg geseczen kan

Verse: 1461    
noch getragen von seiner stat,
Verse: 1462    
also wenig dein nam und dein getat

Verse: 1463    
pey deinem leben gewanndelt wirt.
Verse: 1464    
dein vart dir alle woll erpiert.'

Verse: 1465    
chunig Allexander wart fro,
Verse: 1466    
do im der got sagt also.

Verse: 1467    
er gnadt im und pat in ser
Verse: 1468    
das er im geruecht zu sagen mer.

Verse: 1469    
er sprach: 'ich pit dich, Serapheis,
Verse: 1470    
das du mir sagest in welicher weis

Verse: 1471    
oder wenn ich schull sterben
Verse: 1472    
oder rechtes verderben

Verse: 1473    
oder nicht, das du das sagest
Verse: 1474    
und mir die warhait nit verdagest.'

Verse: 1475    
Serapheis der sprach zu im:
Verse: 1476    
'Allexander, des vernymb:

Verse: 1477    
die zeit seines tades nyemant schal
Verse: 1478    
wissen, wann es wer nit woll;

Verse: 1479    
ein yeglich mensch erfurcht sich
Verse: 1480    
und wuerd nymmer frolich.

Verse: 1481    
doch durich die grossen pet dein
Verse: 1482    
sag ich dir was do mues sein,

Verse: 1483    
und wil dir sein nit verdagen.
Verse: 1484    
du stirbt in dein jungen tagen;

Verse: 1485    
dir wirt in ainem trankch vergeben,
Verse: 1486    
also verendestu dein leben.

Verse: 1487    
du muest aber fuer dein zill
Verse: 1488    
nat und aribait leiden vil.'

Verse: 1489    
do er die redt gar geredt,
Verse: 1490    
do verswant er auff der stet.

Verse: 1491    
des margens der kunig erwacht
Verse: 1492    
und die anttwurt recht bedacht:

Verse: 1493    
do ward er ain tail unfro.



Chapter: 36  
Alexander gründet Alexandria (in Ägypten)



Verse: 1494    
sein werich maister besandt er do,

Verse: 1495    
er schuerff und pat das czu hant
Verse: 1496    
pey dem mer auf das landt

Verse: 1497    
pautten im ain schone stat.
Verse: 1498    
guetts genueg er sy nemen pat

Verse: 1499    
und das man die stat allda
Verse: 1500    
nach im nandt Allexandria.

Verse: 1501    
die stat man vor im aus mas
Verse: 1502    
mit ainer snuer, umb das

Verse: 1503    
das er in zaigen scholt
Verse: 1504    
wie weit er sey haben wolt.

Verse: 1505    
wo er die tuern seczen lies
Verse: 1506    
und wie vil er pauen hies,

Verse: 1507    
das ward mit phlokchen gar
Verse: 1508    
beczaichent und mit chreid furbar.

Verse: 1509    
des andern margns gar frue
Verse: 1510    
cham ein grass gefugel zue

Verse: 1511    
geflogen und saczten sich an die stat
Verse: 1512    
do man die purg beczaichent hat.

Verse: 1513    
mit dem und sy gesassen,
Verse: 1514    
das marich sy gar auf assen,

Verse: 1515    
das der craid nit da belaib.
Verse: 1516    
nyemant die da nacher traib.

Verse: 1517    
der chunig sich beswert
Verse: 1518    
disser ding und wart erfert.

Verse: 1519    
er gedacht in seinem muett,
Verse: 1520    
das zaichen wer nit guet,

Verse: 1521    
das bedeuttet leicht den list
Verse: 1522    
das die stat noch werhaft ist.




Do cham potschaft aus Egipto zu Allexandro.


Verse: 1523       
Dye priester von Egippten landt
Verse: 1524    
warn die weil zu im gesandt.

Verse: 1525    
die horten das er betruebt was
Verse: 1526    
umb anders nit dann umb das.

Verse: 1527    
sy sprachen zu der stundt
Verse: 1528    
zu dem kunig aus ainem mundt:

Verse: 1529    
'edler kunig her,
Verse: 1530    
vernymb unser ler!

Verse: 1531    
du scholt dich umb die geschicht
Verse: 1532    
umb chain ding betrueben nicht,

Verse: 1533    
wann wes du dir hast gedacht,
Verse: 1534    
das scholtu lan sein volbracht.

Verse: 1535    
diez zaichen bedeuttet woll
Verse: 1536    
das die stat wirt volkches voll

Verse: 1537    
und das nach dir scholl werden
Verse: 1538    
sein narung nach dir auf der erden'.




Da lies chunig Allexander ain stat paw an dem gemerkch Egippto.


Verse: 1539       
Chunig Allexander wart aldo
Verse: 1540    
der redt aus der massen fro.

Verse: 1541    
an die stat stost zuhandt
Verse: 1542    
das chunigreich Egippten landt.

Verse: 1543    
da man die stat nu maurn begundt,
Verse: 1544    
chunig Allexander zu der stundt

Verse: 1545    
nach allen den priestern sandt
Verse: 1546    
die do warn in dem landt.

Verse: 1547    
er hies sew pringen das gepain,
Verse: 1548    
das vil heilig und das vil rain,

Verse: 1549    
des guetten sand Jeremias,
Verse: 1550    
das vor czwain hundert jarn was

Verse: 1551    
in dem landt begraben.
Verse: 1552    
die priester im das willigklich gaben.

Verse: 1553    
der chunig es vermaurn pat
Verse: 1554    
in die maur all umb die stat.

Verse: 1555    
affter mall unczt herr
Verse: 1556    
getarst chain wurm nymmermer

Verse: 1557    
der giftig was und unrain,
Verse: 1558    
vor dem heiligen gepain

Verse: 1559    
zu der stat chomen nachen,
Verse: 1560    
er muest zu hant von dann gachen.

Verse: 1561    
do der chunig die selb stat
Verse: 1562    
gemawret und gestifft hat,

Verse: 1563    
er schuerff ir grassen reichtum
Verse: 1564    
und den pesten freytumb

Verse: 1565    
auf dem landt und auf dem mer.
Verse: 1566    
damit schikcht er sein her

Verse: 1567    
gegen dem landt Egippto,
Verse: 1568    
das wolt er auch betwingen do.

Verse: 1569    
die scheff er do sten lies,
Verse: 1570    
chern wãgen er do machen hies.




Chapter: 33  
Alexander erobert Ägypten und begegnet der Säule des Nectanabus

Das volkch aus der stat czogt gegen Allexandro und ergaben sich im.


Verse: 1571       
Do die scheff und ir gezeug
Verse: 1572    
der sy zu dem urleug

Verse: 1573    
bedorften und fuerten mit in,
Verse: 1574    
also czogten sy dahin.

Verse: 1575    
do des das volkch wart gewar
Verse: 1576    
das der chunig chert alldar,

Verse: 1577    
sy czogten mit gemainem ratt
Verse: 1578    
gegen im fur die stat

Verse: 1579    
und ergaben sich im zu handt,
Verse: 1580    
paidew leut und lanndt.

Verse: 1581    
sy fuertten in herlich,
Verse: 1582    
als ainem chunig reich

Verse: 1583    
und seinem adel wall geczam.
Verse: 1584    
do er in die stat cham

Verse: 1585    
und seines vaters sewl sach,
Verse: 1586    
zu den hern er do sprach:

Verse: 1587    
'sagt mir, gutt leutt,
Verse: 1588    
was dissew seull bedeut,

Verse: 1589    
die da stet hie nachant pey,
Verse: 1590    
oder wes sy gewesen sey!'

Verse: 1591    
ain alter tratt zu im dar,
Verse: 1592    
er sprach: 'es sind woll dreissig jar

Verse: 1593    
das ain chunig was uber das lanndt,
Verse: 1594    
der was Nectanabus genant.

Verse: 1595    
den verluer wir alhie,
Verse: 1596    
wir wissen selb nicht wie.

Verse: 1597    
do wir den also verluern,
Verse: 1598    
zu unserm abgott wir fuern.

Verse: 1599    
der sagt uns, er wer verlorn,
Verse: 1600    
es wuerd aber von im geparn

Verse: 1601    
ain chnab in den landen verr:
Verse: 1602    
der scholt werden unser herr,

Verse: 1603    
der scholt uns mit seiner chraft
Verse: 1604    
ledigen von der aigenschaft.

Verse: 1605    
da saczt wir dem hern
Verse: 1606    
die sewl zu lob und zu ern

Verse: 1607    
und zu gedechtnuss dem chnaben
Verse: 1608    
den wir zu herrn schollten haben.'

Verse: 1609    
do chunig Allexander hortt
Verse: 1610    
von den herrn disew wart,

Verse: 1611    
er wart fro umb das
Verse: 1612    
das er ain chunig gewesen was.

Verse: 1613    
er sprach: 'ir herrn, wisset das:
Verse: 1614    
Nectanabus mein vater was.'

Verse: 1615    
der edel und der werd
Verse: 1616    
von dem ross zu der erdt

Verse: 1617    
sprang als umb den gelust:
Verse: 1618    
die seull er halst und chust.

Verse: 1619    
er naigt sich nyder und las
Verse: 1620    
die geschrift die dar an geschriben was.

Verse: 1621    
die herrn gaben im von goldt
Verse: 1622    
und von sylber was er wolt,

Verse: 1623    
von rossen und von chost
Verse: 1624    
als vil in des geczymen lust.

Verse: 1625    
fünfhundert chẽrren chamen der ungefuegen
Verse: 1626    
die im die chost nach truegen.

Verse: 1627    
er besaczt das landt
Verse: 1628    
wie er wolt, und chert zuhandt

Verse: 1629    
mit dem mechtigen hẽr
Verse: 1630    
auf das landt von dem mer.




Chapter: 37  
Alexander erobert Syrien

Das Allexander cham gegen dem land Syrey, die saczten sich gegen im zu wer mit chrafft.


Verse: 1631       
Der werd schanden frey
Verse: 1632    
chert gegen dem landt Syrey.

Verse: 1633    
do das das landt volkch vernam
Verse: 1634    
das chunig Allexander cham,

Verse: 1635    
sy saczten sich mẽndlich wider.
Verse: 1636    
er legt sich mit gewalt nyder

Verse: 1637    
mit seinem her in das landt,
Verse: 1638    
er stifftet raub und prant

Verse: 1639    
und hies das landt verwuegsten,
Verse: 1640    
unczt das sy sich ergeben muesten.

Verse: 1641    
das traib er also lang
Verse: 1642    
unczt das er das landt betwang.

Verse: 1643    
welich puͤrg er gewang,
Verse: 1644    
die hies er sein leut san

Verse: 1645    
auf die erd prechen
Verse: 1646    
und alles das erstechen

Verse: 1647    
das darinne lemptig was,
Verse: 1648    
das man in varicht dester pas.

Verse: 1649    
do er das bettwang also,
Verse: 1650    
do czogt er gegen Damasco.

Verse: 1651    
dy macht er im san
Verse: 1652    
dinsthaft und undertan.

Verse: 1653    
dieweil er was gelegen da
Verse: 1654    
in dem land Syrea,

Verse: 1655    
sein nam und sein tat erhal
Verse: 1656    
in dem landt uber all.

Verse: 1657    
die da umb gelegen warn,
Verse: 1658    
vil chunig chamen czu im gefarn,

Verse: 1659    
die im do swuern und holten
Verse: 1660    
ee das sy sein zarn dolten,

Verse: 1661    
und erten in mit grosser gab.
Verse: 1662    
ettlich die saczt er ab,

Verse: 1663    
sumleich er vervie,
Verse: 1664    
sumlich er auch totten lie.




Die stat Syndon ergab sich Allexandro.


Verse: 1665       
Mit dem czogt er furbas.
Verse: 1666    
ein grassew stat er besas,

Verse: 1667    
die was Sindon genandt,
Verse: 1668    
die ergab sich im zehanndt.




Chapter: 93  
Alexander belagert Tyros



Verse: 1669    
do er die also gewan,
Verse: 1670    
zu handt hueb er sich herdan.

Verse: 1671    
ein grassew stat lag dapey nachent,
Verse: 1672    
da begund er mit valkch hin gachen,

Verse: 1673    
die was Tiris genant;
Verse: 1674    
die besas er alczu handt.

Verse: 1675    
er lag do vor langew zeit,
Verse: 1676    
wann sy was gros und weyt,

Verse: 1677    
das er ir nit macht gewinnen;
Verse: 1678    
wann die purger darinnen

Verse: 1679    
paid arm und reich
Verse: 1680    
wertten sich gar frumpchleich.

Verse: 1681    
er begund dikch zu stuermen
Verse: 1682    
an den maurn und an den tuernnen.

Verse: 1683    
das werten im die dort ynnen,
Verse: 1684    
sy wuerffen und schussen von den zynnen.




Chapter: 94  
Alexanders Brief an die Juden



Verse: 1685    
er lag lang var der stat,
Verse: 1686    
das er zu wenig chost hat.

Verse: 1687    
sein brieff sandt er zu hant
Verse: 1688    
dem pischolff in der Juden landt,

Verse: 1689    
der was genant Jaldus.
Verse: 1690    
er hies im schreiben alsus

Verse: 1691    
das er im von dem landt
Verse: 1692    
volkch zu hilff sandt

Verse: 1693    
und ym zu statten chem
Verse: 1694    
(und sein guett dar umb nem)

Verse: 1695    
mit chost, mit wein und mit prat
Verse: 1696    
und was dem gesindt wer nott,

Verse: 1697    
das er das beraitten wolt,
Verse: 1698    
und den zinns den er scholt

Verse: 1699    
und auch vor hiet geben Dario,
Verse: 1700    
den solt er im sennten so.

Verse: 1701    
die potten chamen an den stunden
Verse: 1702    
do sie den pischolff Jaldum funden.

Verse: 1703    
der pischolff anttwurt in also:
Verse: 1704    
er hiet dem chaiser Dario

Verse: 1705    
gesworn und sein trew geben
Verse: 1706    
das er yemant pey seynem leben

Verse: 1707    
wider in ze hilff chem
Verse: 1708    
oder chain waffen wider in nem;

Verse: 1709    
er mocht auch durich chain geschicht
Verse: 1710    
noch tarst sein aid zeprechen nicht

Verse: 1711    
die weil und lebt Darius.
Verse: 1712    
dem chunig sagt man die redt alsus,

Verse: 1713    
im ward un massen zarn.
Verse: 1714    
'er mocht lieber han enporn,'

Verse: 1715    
sprach der chunig, 'diser potschaft.
Verse: 1716    
ich zeuch auf in mit solicher chraft

Verse: 1717    
und leg in solichew straff an
Verse: 1718    
das paidew weib und man

Verse: 1719    
an dem jungisten tag
Verse: 1720    
von mir immer sagen mag.

Verse: 1721    
ich ler sy es erkennen
Verse: 1722    
wenn sy zu herrn schollen nemen.'

Verse: 1723    
doch wolt er durich die geschicht
Verse: 1724    
von der stat chomen nicht,

Verse: 1725    
er wolt sy vor gewynngen,
Verse: 1726    
ob er mocht, mit chainen synnen.




Chapter: 93  
Alexander erobert Tyros

Der chunig verwugst die stat und verprent sie gar.


Verse: 1727       
Des nagsten nachts darnach
Verse: 1728    
der chunig in dem trawmbt sach:

Verse: 1729    
er hiet ein weintraub in der hanndt,
Verse: 1730    
die warff er auf die erd zu handt,

Verse: 1731    
mit den fuessen er sy zutrẽtt,
Verse: 1732    
das rotter wein daraus schrett.

Verse: 1733    
do der chunig erwacht
Verse: 1734    
und den selben trawmb betracht,

Verse: 1735    
er hies senden allczuhant
Verse: 1736    
nach seinen maistern, wo man sew vandt.

Verse: 1737    
er sagt dem sternseher
Verse: 1738    
was im des nachts getrawmbt wer.

Verse: 1739    
der maister legt in im aus
Verse: 1740    
und anttwurt dem chunig also:

Verse: 1741    
'edler chunig hochgeporn,
Verse: 1742    
ich sag dir: das weinper chorn

Verse: 1743    
das dein hant geworffen hat
Verse: 1744    
zu der erden, bedeut dew stat.

Verse: 1745    
die schol von dir gewunnen werden
Verse: 1746    
und geworffen nider auf dew erden.

Verse: 1747    
der wein der aus der trauben ran,
Verse: 1748    
anders nicht bedeutten chan

Verse: 1749    
wann menschen pluet. von dir
Verse: 1750    
das wirt also vergossen schir.'

Verse: 1751    
der chunig sagt den hern das
Verse: 1752    
das sein ding also was.

Verse: 1753    
des andern margens gar frue
Verse: 1754    
griffen die ritter alczue.

Verse: 1755    
der chunig der wolt nit erwenden,
Verse: 1756    
er hies stuermen an allen enden.

Verse: 1757    
die purger saczten sich hin wider.
Verse: 1758    
ydoch so rissen sy do nyder

Verse: 1759    
an irn dankch die purg taͤr,
Verse: 1760    
die mawr sy nider legten gar,

Verse: 1761    
die stat sy gewungen.
Verse: 1762    
welich daraus nit entrunnen

Verse: 1763    
paid gross und chlain,
Verse: 1764    
die verderbten sy allgemain.

Verse: 1765    
sy rachen irn anden,
Verse: 1766    
die stat sy verpranden

Verse: 1767    
und legtens in den grundt nyder.
Verse: 1768    
do enmachtens nit wider.

Verse: 1769    
das laid und der ungemach
Verse: 1770    
der in zu der czeit geschach,

Verse: 1771    
die haben die Tirre
Verse: 1772    
uberwunden nymer mer.




Chapter: 97  
Alexander in Jerusalem



Verse: 1773    
do er die stat also zeprach,
Verse: 1774    
gegen Jerusalem was im gach;

Verse: 1775    
er wolt sy auch zeprechen
Verse: 1776    
und sein anden an im rechen.

Verse: 1777    
do wentt er uber das landt.
Verse: 1778    
was er da zwischen vandt,

Verse: 1779    
das hies er wuegsten und hern,
Verse: 1780    
sich macht nyemant gegen im erwern.

Verse: 1781    
Nodus und Cilicia
Verse: 1782    
zwo stet lagen czwischen da,

Verse: 1783    
die wuerden von im uber rant,
Verse: 1784    
beraubt und verprant.

Verse: 1785    
do er in Judeam cham
Verse: 1786    
und es der pischolff vernam,

Verse: 1787    
er varicht sich hart und er schrakcht.
Verse: 1788    
wann er guetter wicz phlag,

Verse: 1789    
den Juden er allen uberall gepot
Verse: 1790    
das sy mit wasser und mit prott

Verse: 1791    
vasten aller menichlich
Verse: 1792    
drey tag gar vleyssigklich

Verse: 1793    
und an irm gepet legen
Verse: 1794    
und Got ze pitten phlegen

Verse: 1795    
das er des chuniges zarn went
Verse: 1796    
und in genediklichen sent.

Verse: 1797    
der pischolff, ein guet man,
Verse: 1798    
do er das oppher het getan

Verse: 1799    
und in dem tempel was allain,
Verse: 1800    
des selben nachts im Got erschain.

Verse: 1801    
er sprach zu im: 'furcht dir nicht!
Verse: 1802    
wiss das dir chain laid geschicht

Verse: 1803    
von chunig Allexander,
Verse: 1804    
ob du voligest meiner ler.

Verse: 1805    
du solt all gassen
Verse: 1806    
ziern und schon machen lassen.

Verse: 1807    
la dich des nit verdriessen,
Verse: 1808    
hais die torr nuer auf sliessen,

Verse: 1809    
hais alles volkch gegen im gan
Verse: 1810    
und weissew chlaider legen an.

Verse: 1811    
du und all dew priester dein
Verse: 1812    
schullen schon geziert sein

Verse: 1813    
in ainem priesterleichen gewant,
Verse: 1814    
und get all gegen im zu handt!'

Verse: 1815    
do er erwacht und es tagt,
Verse: 1816    
der pischolf in allen sagt

Verse: 1817    
Gottes wart und sein gepot,
Verse: 1818    
also ward es von im gehort.

Verse: 1819    
do es alles wardt berait
Verse: 1820    
als der pischolf het gesait,

Verse: 1821    
der pischolf Jaldus gieng vor
Verse: 1822    
mit den andern priestern fuͤr die tor.

Verse: 1823    
nach im gieng aller meniklich
Verse: 1824    
paidew arm und reich.

Verse: 1825    
do sy chamen also
Verse: 1826    
auf ain perg, der hies Schoprillo

Verse: 1827    
in der czeit gehaissen hat,
Verse: 1828    
do man von erst sach die stat,

Verse: 1829    
als sy sich klaitten
Verse: 1830    
und des chuniges paitten.

Verse: 1831    
do in der chunig chom so nachen
Verse: 1832    
das sy in mit den augen sachen,

Verse: 1833    
der pischolff des nicht enlie,
Verse: 1834    
mit der menig er im engegen gie.

Verse: 1835    
do der chunig die schar so prait
Verse: 1836    
sach var im sten in weyssem chlaid

Verse: 1837    
und die priester alsandt
Verse: 1838    
in irm pheleim gewant

Verse: 1839    
und denn pischolff fur in
Verse: 1840    
in dem guldein gewant sein

Verse: 1841    
(ein yniffel er auf dem haubt trueg,
Verse: 1842    
dar an lag edler stain genueg;

Verse: 1843    
vorn an der stiern sein
Verse: 1844    
do was ain leisten guldein,

Verse: 1845    
do was eingegraben
Verse: 1846    
mit guldein puechstaben

Verse: 1847    
Gottes nam der fron
Verse: 1848    
Tetragramaton) -

Verse: 1849    
do das der kunig alles sach,
Verse: 1850    
zu seinen herrn er do sprach:

Verse: 1851    
es wẽr sein pet und sein will
Verse: 1852    
das sy all hielten still.

Verse: 1853    
der chunig allain von in rant
Verse: 1854    
und viel von dem ross zu hanndt,

Verse: 1855    
der edel und der werd
Verse: 1856    
viel nyder auff die erd.

Verse: 1857    
Gottes namen pett er an,
Verse: 1858    
den er sach an der iniffel stan.

Verse: 1859    
dem pischolf er lobes jach,
Verse: 1860    
den er also geklait sach.

Verse: 1861    
die Juden allgemain
Verse: 1862    
paid gross und chlain

Verse: 1863    
die sprachen mit einander:
Verse: 1864    
'veniat rex Allexander!'

Verse: 1865    
das spricht: 'lob, edeler chunig her,
Verse: 1866    
und hab hail immer mer!'

Verse: 1867    
die chunig von Syrei,
Verse: 1868    
die nachant hielten da pey,

Verse: 1869    
und ander fursten die da warn,
Verse: 1870    
do sy in sachen also geparn,

Verse: 1871    
gar ser wundern sew began
Verse: 1872    
wie der kunig het also getan.

Verse: 1873    
ydoch tarst ir chainer nicht
Verse: 1874    
in fragen umb die geschicht

Verse: 1875    
denn ain fuerst, der hies Parmetra.
Verse: 1876    
der trat fuer den kunig da,

Verse: 1877    
er fragt in gar zuchtiklich:
Verse: 1878    
'sagt mir, edler chunig reich,

Verse: 1879    
war umb hastu gepetten an
Verse: 1880    
disen judischen man ?

Verse: 1881    
wann du pist so gewaltig woll
Verse: 1882    
das man dich an petten scholl.'

Verse: 1883    
Allexander anttwurt im schon:
Verse: 1884    
'ich sag dir das, Parmetron,

Verse: 1885    
ich hab nicht hie gepett an
Verse: 1886    
den pischolf noch chain man;

Verse: 1887    
ich hab mein got gesechen
Verse: 1888    
in sulcher wat. das ist geschehenn

Verse: 1889    
in dem trawm vor manigen jarn,
Verse: 1890    
do wir dannoch zu Chriechen warn.

Verse: 1891    
do ich gedacht in meinen synnen
Verse: 1892    
wie ich Asyam mocht gewinnen,

Verse: 1893    
do riet er mir das ich die vart
Verse: 1894    
durich chain vart nit enspart,

Verse: 1895    
das ich die freylich scholt varn,
Verse: 1896    
wann er wolt mich bewarn.

Verse: 1897    
er jach, ich scholt gewaltig werden
Verse: 1898    
aller perschischen erden.

Verse: 1899    
er nant sich mir schon,
Verse: 1900    
er hiess Tetragramaton.

Verse: 1901    
das ist ain chryechisch wart,
Verse: 1902    
das siech ich gegraben dort

Verse: 1903    
an der iniffel sein
Verse: 1904    
mit puechstaben guldein.

Verse: 1905    
nu han ich auch zu chainer zeit
Verse: 1906    
weder vor noch seint

Verse: 1907    
nie gesechen chainen man
Verse: 1908    
der also getanew wat trueg an.

Verse: 1909    
do ich also sach chomen in,
Verse: 1910    
do mant er mich der synne mein

Verse: 1911    
das ich schol von dem rosse tretten
Verse: 1912    
und scholt in ern und anpetten

Verse: 1913    
und im an die fuess ruern
Verse: 1914    
den ich sach sein zaichen fuern.

Verse: 1915    
ich getraw woll den gnaden sein
Verse: 1916    
das er mir tue sein hilff schein,

Verse: 1917    
das ich meinen veintten
Verse: 1918    
mit seiner hilff mug uber winden

Verse: 1919    
und mir mach undertan
Verse: 1920    
die chunigreich in Asyam

Verse: 1921    
und das mir von im chumstig werd
Verse: 1922    
alles des mein hercz gert.'

Verse: 1923    
do er das gesprochen hat,
Verse: 1924    
do zogt er mit in in die stat.

Verse: 1925    
die fuersten er mit im reitten hies,
Verse: 1926    
das ander volkch er davor lies.

Verse: 1927    
der pischolff der fuert in
Verse: 1928    
in Salomons templ hin.

Verse: 1929    
sein oppher das er tet
Verse: 1930    
nach des pischolffs ler.

Verse: 1931    
der pischolff hies im tragen
Verse: 1932    
Daniels puech des weissagen.

Verse: 1933    
do man im das gelas,
Verse: 1934    
do stund darin geschriben das,

Verse: 1935    
das ainer chem von Chriechen dar,
Verse: 1936    
dem wurden allew reich gar

Verse: 1937    
mit gewalt undertan,
Verse: 1938    
der uber wundt die Persian.

Verse: 1939    
das het er vor der czeit fur war
Verse: 1940    
geweissag dritthalbhundert jar.

Verse: 1941    
der chunig frewt sich der mer;
Verse: 1942    
er gedacht das es von im wer

Verse: 1943    
die selb red geweyssagt,
Verse: 1944    
das die geschrift alles sagt.

Verse: 1945    
zu dem tempel er do gab
Verse: 1946    
grasses guet und schone hab.

Verse: 1947    
er sprach zu in das sy scholten
Verse: 1948    
von im pitten was sy wolten.

Verse: 1949    
der pischolff und die priester tratten
Verse: 1950    
fuer den chunig und patten

Verse: 1951    
in die gab zu geben
Verse: 1952    
das er in gundt zeleben

Verse: 1953    
in irr vor vardern ee,
Verse: 1954    
die Got selber gab Moise,

Verse: 1955    
und das er sy auch suben jar
Verse: 1956    
liess des zinses ledig gar.

Verse: 1957    
das verlech er in zu handt
Verse: 1958    
williklich alles sandt.

Verse: 1959    
sy sprachen: 'chunig edel und her,
Verse: 1960    
wir pitten dein genad noch mer:

Verse: 1961    
die Juden die in dem landt dein
Verse: 1962    
uber all wanhaft sein,

Verse: 1963    
in dem landt zu Media
Verse: 1964    
und auch zu Babilonia,

Verse: 1965    
das die in unsern een
Verse: 1966    
auch von dein genaden sten.'

Verse: 1967    
der chunig sprach: 'ir seit gewert
Verse: 1968    
wes ir an mich habt bgert.

Verse: 1969    
davon pittet ewrn got
Verse: 1970    
fleissickleich an allen spot

Verse: 1971    
das er in dem streit mein
Verse: 1972    
mir gehulffig und genedig sey.'

Verse: 1973    
Allexander zogt von dann,
Verse: 1974    
er lies ainen seiner mann

Verse: 1975    
do zu phleger uber das land,
Verse: 1976    
der was Andevagus genant.

Verse: 1977    
er czogt mit dem her uberall
Verse: 1978    
fuer die stet alczu mall.

Verse: 1979    
er was nu so varicht sam
Verse: 1980    
warden: fur welich stat er cham

Verse: 1981    
wann sy sein czuechumft vernomen,
Verse: 1982    
das sy zu hant gegen im chomen

Verse: 1983    
und enphiengen in erleich
Verse: 1984    
und naigten im für aigen sich.




Chapter: 98  
Alexander und die Samariter



Verse: 1985    
es sagt ain puech haist alda
Verse: 1986    
scolastica historia:

Verse: 1987    
er cham zu handt in das landt
Verse: 1988    
das Samaria ist genant.

Verse: 1989    
do patten in die Samaritan
Verse: 1990    
das er auch mit in solt gan

Verse: 1991    
in ir petthaus und in geben
Verse: 1992    
freytumb nach irm ewen,

Verse: 1993    
wann sy der Juden prueder wern.
Verse: 1994    
er sprach das sy es verpern

Verse: 1995    
unczt er chem wider dar;
Verse: 1996    
also versagt er in gar.




Chapter: 43a  
Darius fragt nach Alexanders Aussehen



Verse: 1997    
nu warn auch in der zeit do
Verse: 1998    
die purger von Tiro

Verse: 1999    
die Allexander enttrunnen
Verse: 2000    
do er die stat hett gewunnen.

Verse: 2001    
sy chomen zu chaiser Dario
Verse: 2002    
und sagten im die mer also:

Verse: 2003    
wie Allexander sein landt
Verse: 2004    
hyett uber ritten und verprant,

Verse: 2005    
und wie Tiris die stat
Verse: 2006    
er auf die erdt gelegt hat.

Verse: 2007    
dem chaiser tet das ant;
Verse: 2008    
er fragt die leut von dem landt

Verse: 2009    
das sy im sagten mer
Verse: 2010    
in welicher gestalt ein man er wer.

Verse: 2011    
sy sagten im, er wer nit alt,
Verse: 2012    
er wer als ein chindt gestalt.

Verse: 2013    
do man im die form sein
Verse: 2014    
sagt, do versmacht er im

Verse: 2015    
dar umb das er so chlain was
Verse: 2016    
und so gestalt, wisset das!




Chapter: 45  
Darius' 1. Brief an Alexander (Geschenke)

Wie Darius Allexandro lies schreiben und schikcht ain schankung in gespots weis.


Verse: 2017       
Ain pal hies er hin ein
Verse: 2018    
tragen und ain steblein

Verse: 2019    
das oben umb chrump was,
Verse: 2020    
und ain guldein trinkchvas;

Verse: 2021    
der stab was nach der Persian sit
Verse: 2022    
do die chind spilten mit.

Verse: 2023    
das sandt er im, das er domit die zeit
Verse: 2024    
vertrib und auch spilt damit.

Verse: 2025    
er sandt nach dem schreiber sein
Verse: 2026    
und hies in schreiben ein prieflein.

Verse: 2027    
der brieff sprach alsus:
Verse: 2028    
'wir chaiser Darius,

Verse: 2029    
aller chunig herr
Verse: 2030    
auf der erden nachant und verr

Verse: 2031    
und der heiligen sunne sun,
Verse: 2032    
wir enpietten und chundt tun

Verse: 2033    
unserm dienner also,
Verse: 2034    
dem chunig Allexandro:

Verse: 2035    
wir haben von dir all vernomen
Verse: 2036    
das du her seist chomen

Verse: 2037    
hochvertiklich in unser landt
Verse: 2038    
und wellest sew betwingen alle sandt

Verse: 2039    
mit den raubern dein,
Verse: 2040    
die in deinem her sein.

Verse: 2041    
ich sag dir das fur war:
Verse: 2042    
und hicz tu alle welt gar

Verse: 2043    
mit dir her zu veld pracht,
Verse: 2044    
du werst zu nicht gegen unser macht.

Verse: 2045    
davan var wider pald zu landt,
Verse: 2046    
ee du chombst in grassew schant.

Verse: 2047    
wir sennden dir zu gab
Verse: 2048    
ainen pal und ainen stab

Verse: 2049    
und ainen aphel guldein,
Verse: 2050    
do mit spil vor der muter dein.

Verse: 2051    
wir wissen wol zu diser frist
Verse: 2052    
das du arm und natig pist;

Verse: 2053    
so hab aber wir alda
Verse: 2054    
in unserm land zu Persia

Verse: 2055    
rattes gold fein und klar,
Verse: 2056    
das uber gleist der sunne schein.

Verse: 2057    
davon lass von der hochvart dein,
Verse: 2058    
oder ich haiss die ritter mein

Verse: 2059    
dich mit gewalt vachen
Verse: 2060    
und als ain rauber hachen.'

Verse: 2061    
die potten chamen in chorczer stundt
Verse: 2062    
do sy kunig Allexandrum funden.

Verse: 2063    
sy gaben im den brieff zu hannd
Verse: 2064    
und die chlainat die gesand

Verse: 2065    
im het der kunig Darius.
Verse: 2066    
chunig Allexander schuerf alsus

Verse: 2067    
das man den brief las
Verse: 2068    
do allew sein ritterschaft was.

Verse: 2069    
do sy den brief hortten do,
Verse: 2070    
die ritter wurden ain tail unfro.

Verse: 2071    
do sy der chunig truebig sach,
Verse: 2072    
mendlich er zu in sprach:

Verse: 2073    
'o ir starkchen ritter mein,
Verse: 2074    
ir schult der mer nit trawrig sein.

Verse: 2075    
wist ir nit das ain hundt
Verse: 2076    
der vil pild zu aller stundt,

Verse: 2077    
ist unnucz und enwicht ?
Verse: 2078    
ir sult sein gar gelauben nicht!

Verse: 2079    
yedoch wel wir gelauben das
Verse: 2080    
das an dem brief geschriben was

Verse: 2081    
von dem grossen gold
Verse: 2082    
das Darins haben schold.

Verse: 2083    
dar umb schul wir vechten
Verse: 2084    
geleich guetten chnechten,

Verse: 2085    
das uns das land und die erd
Verse: 2086    
und das gold zu tail werd.'

Verse: 2087    
hie mit hies er die potten vachen
Verse: 2088    
und hies sew sein ritter hachen.

Verse: 2089    
des machten sew sich nicht erwern
Verse: 2090    
an das sy zu dem chunig schriern:

Verse: 2091    
'werder kunig, edeller man,
Verse: 2092    
was schuld haben wir dar an?'

Verse: 2093    
der chunig Allexander sprach:
Verse: 2094    
'ir leidet dissen ungemach

Verse: 2095    
von ewrm chaiser Dario,
Verse: 2096    
dar umb das er mir schreibt also

Verse: 2097    
das ich sey ain rauber;
Verse: 2098    
das will ich machen schein per.'

Verse: 2099    
die pesten anttwurtten im:
Verse: 2100    
'edeler chaiser, nu vernym:

Verse: 2101    
Darius der wais nicht
Verse: 2102    
die grossen ern die man dir gicht.

Verse: 2103    
nu wir es aber haben gesechen,
Verse: 2104    
so muess wir der warhait gechen

Verse: 2105    
der wierd die dein name hat,
Verse: 2106    
ob uns die deinen ziechen landt.'

Verse: 2107    
zu handt er sy ledig lies;
Verse: 2108    
ainen er sy fuern hies

Verse: 2109    
in sein gezelt neben sich
Verse: 2110    
und gewirte sy gar erlich.

Verse: 2111    
die weil sy also sassen
Verse: 2112    
und var dem kunig assen,

Verse: 2113    
der ain zu dem chunig sprach,
Verse: 2114    
do er die grassen herschaft sach:

Verse: 2115    
'chunig Allexander, herre mein,
Verse: 2116    
ob es gevelt den gnaden dein,

Verse: 2117    
so sent deiner ritter ettlich
Verse: 2118    
mit uns haim taugenlich!

Verse: 2119    
so well wir den chaiser schir
Verse: 2120    
gevangen anttwurtten dir.'

Verse: 2121    
der chunig sprach: 'in solicher massen
Verse: 2122    
wolt ich mit euch nit ritter lassen

Verse: 2123    
den mynnisten ritter den ich han;
Verse: 2124    
wenn was mir nit werden chan

Verse: 2125    
mit streit und mit ern,
Verse: 2126    
des will ich auch sust enpern.'

Verse: 2127    
die redt lies er beleiben.



Chapter: 46  
Alexanders 1. Brief an Darius (Auslegung der Geschenke)



Verse: 2128    
des andern tags hies er schreiben

Verse: 2129    
prieff dem chaiser Dario
Verse: 2130    
und hies sew schreiben also:

Verse: 2131    
'Ich Alexander, Philippes sun,
Verse: 2132    
von Macidonie chundt tun

Verse: 2133    
Dario dem werden,
Verse: 2134    
dem chunig auf der erden

Verse: 2135    
und dem kind der sunnen,
Verse: 2136    
mit frewd und mit wundt:

Verse: 2137    
es stet noch enczimbt nit wol
Verse: 2138    
das ain reicher chaiser soll

Verse: 2139    
so getanne redt enpietten hin
Verse: 2140    
ainem chlainen mann als ich pin.

Verse: 2141    
du zeuchest uppigew red an dich
Verse: 2142    
das du dich gleichest den gotten gleich

Verse: 2143    
und das du seist der sunne chindt;
Verse: 2144    
wann die gar untodlich sind,

Verse: 2145    
du muest aber sterben
Verse: 2146    
und als ein ander mensch verderben.

Verse: 2147    
das du mich auch vernichtest
Verse: 2148    
wann du dann mit mir vichtest,

Verse: 2149    
dar umb das du mich ring wigst,
Verse: 2150    
ob du mir dann an gesigst,

Verse: 2151    
des enhastu chain er,
Verse: 2152    
wann du slegst ain rauber.

Verse: 2153    
ob dich Got dann fueget mir
Verse: 2154    
das ich syghaft wirt an dir,

Verse: 2155    
des hann ich ymmer ern mer
Verse: 2156    
paidew lob und er,

Verse: 2157    
das ich ainem chaiser han
Verse: 2158    
mit streyt gesiget an.

Verse: 2159    
dein reichtumb und dein grasses guet
Verse: 2160    
das scherffet und sterkchet uns den muet

Verse: 2161    
auf trast und auf wan,
Verse: 2162    
ob wir dir gesigen an,

Verse: 2163    
das wir dann mit deinem guot
Verse: 2164    
vertreibn unser armmuet.

Verse: 2165    
die ding die du mir hast gesandt,
Verse: 2166    
die sind mir zaichenlich bechant

Verse: 2167    
das ich soll werden
Verse: 2168    
gewaltig aller erden.

Verse: 2169    
wann es bedeut der pall,
Verse: 2170    
der da ist synibel uberall,

Verse: 2171    
das mir alle chunigreich
Verse: 2172    
diennen schullen gewaltiklich.

Verse: 2173    
so beczaichent uns der stab
Verse: 2174    
den ich hie von dir hab,

Verse: 2175    
der umb das haubt gechrump ist,
Verse: 2176    
das all kunig in chuerczer frist

Verse: 2177    
die da leben auf der erden,
Verse: 2178    
ir haubt gegen mir naigen und chern.

Verse: 2179    
der chopp rat guldein
Verse: 2180    
den mir prachten die potten dein,

Verse: 2181    
bedeuttet ane schant
Verse: 2182    
den zins von dem landt

Verse: 2183    
der du dann gewaltig pist
Verse: 2184    
und du ir aller her pist

Verse: 2185    
und du hast gehebet an,
Verse: 2186    
so pin ich sicher ane wan

Verse: 2187    
das mir werden alle reich
Verse: 2188    
zinsshaft gar churzlich

Verse: 2189    
und das ich wird ir aller herr
Verse: 2190    
paidew nachant und verr.'

Verse: 2191    
dem chaiser er den brieff sandt
Verse: 2192    
pey seinen potten allczu hand;

Verse: 2193    
reichlich er sy begaben hies,
Verse: 2194    
damit er sy reitten lies.

Verse: 2195       
Alexander zogt zu handt
Verse: 2196    
mit seinem her in das landt.

Verse: 2197    
do chamen auch die potten do
Verse: 2198    
zu dem reichen chaiser Dario

Verse: 2199    
die er zu Allexandro het gesandt;
Verse: 2200    
sy gaben im den brief zu hand.

Verse: 2201    
do man im den