TITUS
Konrad von Megenburg, Buch der Natur
Part No. 13
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Book: VIII     VIII.
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VON DEN WUNDERLEICHEN PRUNNEN.



Line: 3    Daz ist daz aht stückel und daz letzst des puochs
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nâch unserm gehaiz, in dem wir sagen wellen von etlei\chen
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wunderleichen prunnen, und daz stückel gehœrt wol   5
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zuo dem stück von den elementen, wir von dem waz\zer
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haben gesait.
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Die päch entspringent von den prunnen und ist daz
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ainig wazzer prunn und pach. iedoch mag man niht
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gesprechen: der prunn ist pach oder der pach ist prunn.   10
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daz mag ain geleichnüss sein von der götleichen drival\dichait,
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der vater und der sun und der hailig gaist
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ain lauter ainvaltig wesen sint der gothait, und mag man
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niht gesprechen mit abgezogner red: diu väterlichait ist
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diu sünlichait oder diu sünlichait ist die hailigaistlichait.   15
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aber man spricht wol mit angenaigter red: der vater ist
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der sun und der sun ist der hailig gaist. vernemest
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des niht, verwirr dich niht mit und gelaub ainval\ticleich.
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von daz mer gesalzen sei und andreu dinch
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niht, von den wazzern hab wir gesait, wir von den   20
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elementen schriben.
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Ez ist ain in dem land India, der haizt Aspal\tides,
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mag kain lebendig dinch inn under sinken.
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mag in dem Altes ze Porrentan nihts ob beleiben.
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Ez ist ain wunderleich prunn in Egyptenland, sam   25
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Jacobus und Solînus sprechent, dar inn erlescht man
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prinnent fackeln und enzünt man in im erloschen fackeln.
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pei verstê wir die zäher etleicher läut, die wainent
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vor übrigem zorn. die zäher enzündent übrig unwirdi\schait
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in dem muot und die zäher mitleidens erleschent   30

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die selben flammen der unwerdischait. die zäher leschent
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und enzündent an aim fremden menschen sam an aim
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haimleichen. ez sint etleich warm prunnen, die hailent
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die kranken augen, aber si strâfent die dieb, wan welcher
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diep für ain diebstal swert, ist er mainaid, erplindet   5
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er von den wazzern, ist aber des niht, gesiht er paz
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dann vor. aber daz wunder schol man got mêr geben
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dann der nâtûr werk, sam Jacobus spricht.
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Ez ist ain prunn in dem land Africa gegen des ab\gots
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tempel, der Hamo haizt, der macht die erden hert   10
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und macht lind üseln stark sam ainen wasen.
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Zwên prunnen sint in dem land Boecia, der benimt
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ainer den läuten gedæhtnüss und der ander benimt ver\gezzenhait.
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und ain tobent ist auch in dem land
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Boecia, wer des trinkt, der wirt enzünt mit der prunst   15
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der unkäuschen gir.
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Ain ist in dem land Italia, der haizt Clitorius,
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wer des trinkt, dem wirt der wein widerzæm.
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Ez sint wazzer in dem land Campania, diu benement
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den frawen ir unfruhtperkait und benement den mannen   20
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ir toben.
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Ain prunn ist pei den Garamanten, der ist des tages
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kalt, daz in niemant getrinken mag, und des nachts
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warm und haiz, daz in aber niemant getrinken mag, und
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bedäut die nümmer kain guot werk würkent, und wenn   25
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man si dar umb strâfet, vindent si allzeit ain werwörtel.
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Ain prunn ist in dem land Archadia, der haizt Le\chinis.
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welheu fraw des trinkt, der mag ir purt niht ab
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gên, wie gern si daz macht.
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Ain prunn ist gegen der sunnen aufganch, sam Ja\cobus   30
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spricht, von des wazzer wirt kriechisch feur, wenn
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man etleich dinch dar zuo mischt. daz wazzer kaufent
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die haiden umb grôz gelt. der prunn bedäutt die men\schen,
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die wider die nâtûr würkent.
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Ain prunn ist in Africa, sam Augustînus spricht,   35
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der macht die stimm hel und guot, und bedäut die

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zäher der unschuldigen, wan der stimm und klag ist gar
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süez vor got.
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Ain prunn haizt Züfer, der benimt die unkäusch,
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sam Plinius spricht. der prunn bedäutt unser frawen,
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diu ain prunn ist der käusch und aller rainikait.   5
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Ez sint zwên prunnen in dem land Sicilia, der ainer
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macht unperhaft frawen perhaft und der ander macht
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perhaft unperhaft. der prunn bedäut daz gotes wort, wan
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daz ist etleichen fruhtper in daz êwig leben und etleichen
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ain abtanz in die êwigen marter.   10
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Zwai wazzer sint in dem land Tessalia. welheu schâf
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auz dem ainen trinkent, die werdent swarz. daz wazzer
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ist der werlt wollust. ach wie swarz in sünden daz
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macht! und welheu schâf auz dem andern trinkent, die
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werdent weiz. daz bedäut daz leiden in diser werlt, daz   15
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die menschen pringt in daz êwig leben. aber die auz
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den paiden trinkent, die werdent schekkot, weiz und
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swarz, und bedäut die gleichsnær und die ketzer, die
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weder diz noch daz ganz haltent.
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Ain prunn ist in dem land Idumea, der ändert sein   20
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varb vierstunt in dem jâr und helt ie drei mônet ain
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varb, sam Origines spricht und historia Jeronimi. er ist
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pulvervar oder trüeb, pluotvar, grüen und lauter. der
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prunn bedäut die unstæten.
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Etleich sint, der wazzer dreistunt an dem tag   25
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pitter sint und dreistunt süez, sam Augustînus spricht.
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Ain gar grôz mer ist, daz wirt wallend und siedend
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sam ain hafen von der sunnen hitz und ist dar inn ain
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stiller prunn, der sich niht wegt, wenn man pei im swei\get.
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ist aber daz man pei im schalmeit und pusaunt,    30
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erhebt er sich und wirt diezend und auzfliezend über daz
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gestat, sam ob er sich der stimm und des gedœns fräw.
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alsô spricht Solinus.
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Ez sint prunnen in dem grôzen land Britannia, wenn
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man der wazzer geuzt auf ainen stain nâhen pei,    35
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kümt regen und donr und ungewiter.

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Ain gar schœner prunn ist pei dem perg, der Libanus
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haizt, zwischen den zwain steten Archas und Papheneas,
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den haizent si den Sabath, daz ist den sibenden tag, dar
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umb, daz er sehs tag kain wazzer gibt und an dem
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sibenden gibt er gar gnunk wazzers.   5
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Ain wazzer ist in dem land Perside, daz überfreust
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all naht, daz paideu läut und vih dar über gênt; aber
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des tags zefleuzt ez wider, sam ain puoch sagt, daz haizt
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historia orientalis.
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Ez sint fliezendeu wazzer in den landen gegen der   10
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sunnen aufganch, sam Jacobus spricht, diu ziehent gul\deinen
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griez und etleiche edel gestain.
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Ain prunn ist in dem mer des obern tails der stat
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Tyren, der springt mit gar süezem wazzer in sölicher
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ungestüemikait von des mers grund, daz er sich erhœcht   15
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über daz mer zwaier oder dreier daumellen lanch, wenn
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daz mer still ist, alsô daz man in mit vazzen geschepfen
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mag. der prunn bedäutt der guoten läut wandelung un\der
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den pœsen.
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Ez sint vil stet, warmez oder haizez wazzer auz   20
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der erden fleuzt, dar umb, daz ez durch swefel und durch
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kalk fleuzt, von daz wazzer erhitzt wirt.
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Ain prunn ist in dem kalten land Norbeia, der ver\kêrt
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allez daz in stain, daz man dar ein tuot, iedoch be\leibt
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diu alt varb der selben ding, und daz ist gar   25
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gemain, daz er gewant ze stain macht. daz hiez kaiser
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Fridreich versuochen und sant potschaft dar.
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Man vint auch gemaincleich in etleichem geperg
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prunnen, die holz in stain verkêrent, und auz den selben
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stainen werdent gar guot wetzstain.   30
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Nu habent die prunnen ain end nâch des puochs sag
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ze latein, und hât daz puoch niht mêr, daz mir geant\wurt
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wart und des mich mein gar guot freund pâten ze
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däutsch pringen; daz hân ich mêr dan daz drittail ge\mêrt
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und den sin erläucht, ich pest moht. nu vant   35
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ich ain puoch ze latein der selben lai, daz hât noch ains

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stucks mêr, daz sagt von den wunderleichen menschen.
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daz wil ich in freuntschaft auch her zuo setzen, wan
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zwâr, ich gæb gern, hêt ich iht.
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VON DEN WUNDERMENSCHEN.
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Ain vrâg ist, von wannen die wundermenschen kö\men,   5
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die ze latein monstruosi haizent, ob si von Adam
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sein komen? zuo der vrâg wil ich anders antwürten wan
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daz puoch ze latein antwürt, wan daz puoch spricht, daz
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die wundermenschen niht von Adam kömen, ez sei dan,
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sam Adelînus spricht, daz diu wunder komen von den   10
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widernâtürleichen werken der menschen, die sich ver\mischent
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zuo dem vich, sam diu wunder, diu onocentauri
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haizent, die sint oben menschen unz an die gürteln und
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sint niden ohsen. wizz, daz daz niht gesein mag, wan
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die sâmen, die gar verr von ainander sint, die zepre\chent   15
Line: 16    
sich von ainander, und wirt kain lebentich dinch
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dar auz; würd aber ain lebentich dinch dar auz, daz
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stürb zehant. nu sprich ich Megenbergær, daz die wun\dermenschen
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zwaierlai sint: etleich sint gesêlet und etleich
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niht. die gesêlten wundermenschen haiz ich die ain mensch\leich   20
Line: 21    
sêl habent und die doch geprechen habent. die
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ungesêlten haiz ich die etswaz ain menschleich gestalt
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habent an dem leib und doch kain menschleich sêl ha\bent.
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die gesêlten wundermenschen sint auch zwaierlai.
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etleich habent geprechen an dem leib und etleich an der   25
Line: 26    
sêl werk, und die koment paideu von Adam und von
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seinen sünden, wan ich glaub daz: hiet der êrst mensch
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niht gesünt, all menschen wæren ân geprechen geporn.
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Die wundermenschen mit geprechen an dem leib
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sint die ir glider niht ganz habent oder ir mêr habent   30
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dann si schüllen haben. daz kümt von manigerlai sachen.
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ain sach ist, daz die frawen in den werken der unkäusch
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sich niht reht habent und sich hin und her wegent, daz
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sich der sâm des mannes tailt in der frawen clausen; und

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tailt sich der gleich unden und oben, werden zwinlein
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dar auz und die mêrent sich, dar nâch und sich die zwin\lein
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mêrent. tailt aber der sâm sich oben und niden
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niht, wirt ain mensch mit zwain haubten und mit aim
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nidertail, daz mêrt sich auch dar nâch und sich daz tailn   5
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mêrt. tailt aber sich der sâm unden und niht oben,
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wirt ain mensch niden gespalten und niht oben.
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Auch geschiht, daz des sâmen vil ist und daz sein
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kraft grôz ist, der macht ainen grôzen menschen über
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gemain läut; oder daz diu kraft oben ist und des sâmen   10
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ze wênich, gepricht der purt etleicher lider, sam die
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arm oder etleich vinger oder füez und pain. daz geschiht
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auch, wenn des sâmen genuog ist und diu kraft dar inn
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ze krank ist. wenn aber des sâmen wênich ist und diu
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kraft krank, wirt ain klainez menschel. ez geschiht   15
Line: 16    
auch, daz des sâmen eben genuog ist und diu würkend
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kraft ze stark ist, und an welhem gelit si stark ist, daz
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macht si grôz oder macht sein vil. dar umb hât ain
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purt dick ainen grôzen fuoz und den andern klain oder
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ain grôz haupt und ainen klainen leip oder sehs vinger   20
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an ieder hant oder sehs zêhen an iedem fuoz oder an
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aim und an dem andern niht. dar umb hât man ain
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kindel gesehen, daz het ainlüf münd und zwuo und
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zwainzich lebsen, die wâren unvolkomen, und wart tôtez
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geporn.   25
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Ez geschiht auch, daz zwuo würkent kreft gleich
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kreftich sint. der aineu würkt manneszaichen und diu
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ander frawenzaichen: die machent ain purt, diu paidez
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hât volkomen und würkt auch paideu werk. die läut
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mit paiden dingen haizent ze latein ermofrodite. ist aber   30
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ain kraft grœzer wan die ander, diu macht ir werk vol\komen
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und diu ander niht.
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Auch geschiht, daz diu muoter gar hitzig ist, diu
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zeitigt ir purt ê der zeit, alsô daz si des kindes ê der
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zeit genist, oder macht, daz daz kindel geporn wirt mit   35
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etleichen zändeln. alsô wart ain diernkindel geporn, daz

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het hangendeu prüstel und hâr under der üehsen und
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het auch hâr ob dem goltpüschel und hêt zwên zend oben
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in dem mund und zwên unden.
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Wir vinden auch, daz diu purt in der muoter leib
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sich schickt nâch der swangern frawen trahten, dar umb   5
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schüllen si niht ungestalteu dinch ansehen: si schüllent
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schœn läut und schœneu pild ansehen und allermaist
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des êrsten, wenn diu nâtûr daz kindel formiert, ê ez vol\prâht
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werd.
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Ez koment auch die wundermenschen von der stern   10
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kreft in der muoter leib, und dar umb pringt manig fraw
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ain purt mit ains viehes haupt oder mit ainer andern wun\derleichen
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gestalt, oder ain viechmuoter pringt klaineu
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viehel mit menschenhaupten. alsô truog ain verher\muoter
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värkel, diu heten menschenhaupt, sam Albertus   15
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spricht in dem andern puoch physicorum. in maniger
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lai weis koment uns die gesêlten wundermenschen, die
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geprechen habent an dem leib.
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Aber die gesêlten wundermenschen, die geprechen
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habent an der sêl werken, die sint zwaierlai. etleich   20
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habent daz von gepurt und etleich von gewonhait. die
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den geprechen habent von gepurt, daz sint die nâtür\leichen
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tôren, die ze latein muriones haizent, die habent
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ir zell der sêl kreft niht reht geschickt in dem haupt.
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daz prüeft man dar an, daz si ungeschickteu haupt ha\bent,   25
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aintweder ze grôz oder ze klain. die würkent niht
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nâch den werken menschleicher sêl und habent doch
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menschensêl, sam diu kint.
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Die aber den geprechen habent von gewonhait, daz
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sint die in den wälden erzogen werdent verr von den   30
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vernünftigen läuten und lebent sam daz vieh. die wunder\menschen
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sint alle von Adam her komen.
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Aber die wundermenschen, die niht gesêlet sint mit
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menschleicher sêl, die sint auch zwaierlai. etleich wer\dent
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von den menschen geporn, sam ich vor gesprochen   35
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hân. von der stern kreften, die koment auch von Adams

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sünden und von unsern sünden, wan ich gelaub, hiet der
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êrst mensch niht gesünt, hêt der stern kreft und an\der
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crêatûr kain gewalt gehabt über den menschen. aber
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ez sint ander wundermenschen, die von rehten menschen
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niht geporn werdent und habent auch niht menschleicher   5
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sêl, die kindelnt ireu aigeneu kindel mit ainander und
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würkent etleich werk gleich dem menschen, sam die affen
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und die merkatzen, und die wurzelnt niht von Adam
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her, wan ez sint besundereu tier, diu got beschaffen hât
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ân des menschen werk. alsô prüef ich, daz man ant\würten   10
Line: 11    
schüll zuo der frâg von den wundermenschen.
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nu sagt daz puoch ze latein von den und von disen un\der
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ainander ân alle ordenung. dem wil ich nu volgen
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unz an daz end.
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Ez wonent gar wunderleich läut enhalb des fliezen\den   15
Line: 16    
wazzers, daz Gangen haizt, die gênt willicleich in
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ain feur durch die lieb, die si habent zuo dem künftigen
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leben.
Line: 19    
Ez sint auch läut, die vater und muoter tœtent in
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dem alter und beraitent ir flaisch zuo ainer wirtschaft   20
Line: 21    
und ezzent daz mit irn freunden und ahtent daz für ain
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hailigz guotz werk, und wer daz mit in niht tuot, den
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prüefent si ainen ungötleichen menschen.
Line: 24    
Ez sint auch grôz läut sam die risen, die gar leiht
Line: 25    
über ainen elephant springent, daz doch gar ain grôz   25
Line: 26    
tier ist.
Line: 27    
Ez sint auch klaineu menschel, diu niht vil lenger
Line: 28    
sint wan ainer daumellen lanch.
Line: 29    
Ez sint auch weip, diu geperent ains mâls grâ früht,
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und wenn die früht lang lebent, wirt ir hâr swarz in   30
Line: 31    
dem alter.
Line: 32    
Auch sint frawen, die neur fünfstunt geperent und
Line: 33    
dar nâch mügent si niht lenger geleben denn aht jâr.
Line: 34    
Ander läut sint, die ezzent rôch visch und trinkent
Line: 35    
daz gesalzen merwazzer.   35

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Line: 1    
Auch sint läut, die hinder sich gekêrt hend habent
Line: 2    
und an iedem fuoz aht zêhen.
Line: 3    
Ez sint auch läut, die habent die versen an den
Line: 4    
füezen her für gekêrt.
Line: 5    
Jeronimus der hailig lêrer sagt von läuten, die haizt   5
Line: 6    
er cynocephalos, die habent hundeshaupt und scharpf
Line: 7    
krumm negel an den lidern und sint rauch an dem leib
Line: 8    
und redent niht, si pellent sam die hund.
Line: 9    
Ez sint auch läut, die klain münd habent, daz
Line: 10    
si neur mit aim klainen halm saufendz dinch in sich   10
Line: 11    
ziehent und anders niht ezzent.
Line: 12    
Auch sint ander läut, die ezzent menschleich flaisch
Line: 13    
und volgent der menschen fuoztriten lang, unz daz
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si in etswâ über ain wazzer enpfliehent.
Line: 15    
Ez sint auch selben ainäug läut, die haizent aris\maspi   15
Line: 16    
und cyclopedes, und habent ain aug ze mittelst an
Line: 17    
der stirn.
Line: 18    
Läut sint, die habent neur ainen fuoz und laufent
Line: 19    
gar snell, und der fuoz ist prait, daz er ainen grôzen
Line: 20    
schaten gibt gegen der sunnen, und ruoent si under irm   20
Line: 21    
fuoz reht sam under aim obdach.
Line: 22    
Auch sint läut ân haupt, die habent ir augen an
Line: 23    
den ahseln und habent für munt und für nasen zwai
Line: 24    
löcher an der prust und sint über al rauch mit hertem
Line: 25    
hâr, sam diu wilden tier.   25
Line: 26    
Ez sint auch läut, die anders nihts habent des si
Line: 27    
leben dan daz si an aim apfel smeckent, und wenn si
Line: 28    
verr wellent gên, tragent si den apfel mit in, anders
Line: 29    
si stürben, wenn si ainen pœsen smack smeckten.
Line: 30    
Ez sint auch wild läut, der hât iegleichz sehs hend.   30
Line: 31    
Auch sint auz der mâzen schœn frawen, die wonent
Line: 32    
in aim wazzer in dem land India, aber si habent grausam
Line: 33    
zend sam die hund und sint über al an dem leib weiz
Line: 34    
sam der snê.
Line: 35    
Ez sint auch klaineu läutel, die wonent auf ainem   35
Line: 36    
perg in India, die haizent pigmêi, diu sint zwaier daum\ellen

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Line: 1    
lanch und streitent mit den kränichen. diu läutel
Line: 2    
kindelnt in dem dritten jâr und altent in dem ahten.
Line: 3    
Ez kümt dick, daz von stummen und von ungehœrn\den
Line: 4    
kindel koment, diu auch stummen sint und ungehœ\rend,
Line: 5    
alsô daz si die siehtüem erbent, und der auzsetzel   5
Line: 6    
erbt auch gern. iedoch von plinden läuten koment ge\sehend
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und von gestümelten ungestümelt und von ain\äuken
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die paid augen habent.
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Ez sint läut pei dem fliezenden wazzer, daz Bti\xantis
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haizt, die habent gar weiz leib und sint zwelf   10
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schuoch lanch und habent ain gezwitailtez antlütz und
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ain lang nasen und sint mager an dem leib.
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Auch sint läut, die haizent oxidrates oder gymno\sophiste,
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daz sint plôz weis läut, die gênt plôz in armuot
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und in diemüetichait und versmæhent die üppigen werlt;   15
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die schadent niemant und werent sich niht mit wâpen,
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si wonent in hölern und in hürsten und geruochent kai\nes
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hauses noch kainer stat und ir kint und ireu weip
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wonent beseits von in mit den tiern und die ziehent si
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gar käusch und rain. die Alexander Macedo, der   20
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grôz kaiser, vant, wundert in und sprach zuo den
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selben läuten 'pitet mich, wes ir welt, daz gib ich eu.'
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sprâchen si 'gib uns untœtleichait, der beger wir vor
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allen dingen und begern kaines andern reihtums niht.'
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sprach Alexander 'seint ich tœtleich pin, wie mag ich   25
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eu untœtleichait geben?' sprâchen si 'seint dich
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tœtleichen erkennest, war umb tuost dann vil übels
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und verst irres in der werlt?'
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Ez sint auch läut enseit des wazzers Gangen, die
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haizent bragmanni, die sint wunderleichen schôn geziert   30
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mit gaistleichait, mit unschulden, mit siten und mit allem
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irem leben, die habent geschriben offenbâr von unserm
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herren Jêsu Christo, ê daz er mensch würd, und habent
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geschriben von des suns mitêwichait mit dem vater. wan
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ainer hiez Didimus, der was ir maister, den pat Alexander   35
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Macedo, daz er im etswaz schrib von irm leben und von irm

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glauben. schraib er im ainen sentprief von dem leben
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und von den hailigen siten der selben läut und wie si
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ainen got êrten und wie des gotes sun mitêwig wær mit
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dem vater, und spricht under andern sprüchen alsô: ainer
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pitt den andern niht, gleich pei gleich lebt; ez hât   5
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auch haz kain stat, kain obrer ist, diu gleichait
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der armuot macht all läut reich, und alsô besitz wir alleu
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dinch, der wir niht begeren. er spricht auch mêr: ez ist
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ain grimmichait, daz wir unser prüeder twingen in unser
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dienst, die diu selb nâtûr hât geporn mit uns und den   10
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von aim got vater ain erb ist gelobt mit uns aller ge\mainen
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guoten ding. und spricht mêr: vasten ist uns
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ain hilf zuo erznei, wan vasten vertreibt niht allain die
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eingevallen siehtüem, ez fürsiht uns auch und beschermt
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uns vor den künftigen siehtüemen. er spricht auch: got   15
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ist daz wort und daz wort hât die werlt beschaffen und
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von dem lebent alleu dinch und daz wort êr wir und an\peten
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ez. got ist gaist und muot und dar umb nimt er
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niht anders denn ainen rainen muot.
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Ez sint ainerlai läut in dem land Sicilia, der   20
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perch Ethna prinnet, die habent neur ain aug under ainer
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gar scharpfen stirn ains schilts prait oder aines puklers
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prait, die haizent cyclopedes, die sint lanch, daz si
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über hôch päum aufgênt, die ezzent pluot. man hât ge\sehen,
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daz ir ainer in seim hol gestrackt lag und het in   25
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ainer hant zwên man, die vraz er alsô rôch.
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Ez sint läut, die haizent Comani, die ezzent rôhz
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flaisch und trinkent pfärdspluot.
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Jacobus spricht, daz frawen sein in den landen gegen
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der sunnen aufganch pei den pergen, die Caspii haizent,   30
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die frawen haizent amazones und die reitent in den wâpen
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und streitent und wonent in ainer inseln, diu ist umb\geben
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mit aim wazzer, und der frawen sint mêr dann
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zwaihundert tausent und wonent ân man und ir man
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wonent beseits pei der inseln auch ain; und wenn ir   35
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frawen gesigt habent in streiten und wider haim zogent

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mit irr küniginn, anpetent si ir aigen man sam ir
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götinn. die frawen varnt ains mâls in dem jâr auz der
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inseln zuo iren mannen, dar umb, daz si von in swanger
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werden. wenn si dann wider haim koment und der kindel
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genesent, welhez ain knäbel ist, daz ziehent si siben jâr   5
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und sendent ez dann den vätern, aber diu diernkindel
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behaltent si pei in. alsô ist an etleichem gefügel,
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sint die sien auch sterker wan die ern. die vorgenanten
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männinne habent die art, wenn si ie minner unkäuschent,
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si ie sterker sint und ie pezzer ze streiten.   10
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Ez sint man und frawen die gênt nackent und sint
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rauch an dem leib sam diu tier und wonent paideu auf
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erden und in wazzer, und wenn si fremd läut sehent,
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tauchent si sich under daz wazzer.
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Ez sint auch weip in etleichen wälden in dem land   15
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India, die habent pärt unz an diu prüstel und sint auch
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rauch an dem leib und lebent neur der tier, diu si ge\vâhent,
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wan si habent die leoparden pei in, die in daz
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wilt vähent, sam wir haben die hunt.
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Ez sint auch gar schœn frawen, die wonent gegen   20
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der sunnen aufganch pei dem mer und ezzent rôhz
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flaisch und gar guot hönich.
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Ez sint auch etleich läut gegen der sunnen aufganch,
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die sint ebenmæzig an dem leib, niht ze grôz noch ze
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klain, der augen läuhtent sam ain lieht in ainer lucern.   25
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Ez sint menschen selben die sint wild und sint gar
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grôz, die sint rauch sam diu swein und schreient sam diu tier.
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Ez wâren hie vor läut, die heten zägel, sam man list,
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und ander läut, die heten hörner, und etleich hât der mai\ster
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des puochs ze latein gesehen, die peilten sam die hund.   30
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Ez ist ain lant, sam Jacobus spricht, werdent diu
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kint geporn mit kroten, und welhez ân kroten wirt ge\porn,
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des muoter hât ir man für ain êprechærinn und
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schaitt sich der man von ir.
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Ez sint in etleichen landen und allermaist an dem   35
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end in Burgundenland pei dem geperg etleich frawen,

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die grôz kröpf habent, daz si sich streckent unz auf
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den nabeln, und der kropf ist sam ain kruog oder sam
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ain kürbiz.
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An dem puoch ze latein hât ain maister gearbaitt
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fünfzehen jâr, als vil und er sein gemacht hât, und hât   5
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ez gesament auz der geschrift der hôhen maister, die
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haizent Aristotiles, Plinius, Solînus, Ambrosius, der grôz
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Basilius, Isidorus, Augustînus, maister Jacobus von Via\tico,
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der ain puoch hât gemacht von etleichen wunder\leichen
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dingen in den landen über mer, daz hât er ge\haizen   10
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orientalem historiam. er hât auch gevolgt den
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maistern, die haizent Galiênus, Physiologus, und hât ge\volgt
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ainem puoch von den dingen, daz ze latein haizt
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liber rerum, und hât gevolgt den maistern, die haizent
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Adelînus, Philosophus, und dem puoch, daz haizt der   15
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alten väter sag und haizt ze latein veterum narracio,
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und hât gevolgt dem puoch ains maisters von der jüdi\schait
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von den edeln stainen, der hiez Tethel.


Line: 19    Daz ist daz däutsch von Megenberch.
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wær daz ain ris und niht ain twerch   20
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und wær ez aller sælden vol,
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des gund ich meinen freunden wol.
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wærleich ân allen valsch daz ist,
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des ist mein zeug der hailig Christ
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und auch Marîâ muoter mait.   25
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ach diu benem uns unser lait
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und füer uns in daz êwig leben,
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haz niht ist noch widerstreben
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und auch kain leiden noch kain pein:
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ach sprich, Marîâ, daz schol sein.   30


This text is part of the TITUS edition of Konrad von Megenburg, Buch der Natur.

Copyright TITUS Project, Frankfurt a/M, 12.9.2008. No parts of this document may be republished in any form without prior permission by the copyright holder.