TITUS
Johannes Fischart, Geschichtsklitterung
Part No. 349
Paragraph: 5
Sein
Zän
steifft
,
wetzt
vnd
spitzt
er
mit
5
negeln
,
Holtzsolen
6
,
Pantoffelholtz
7
,
dem
8
topff
,
mit
eim
Niderländischen
Nonne
:
mit
9
schletterlen
,
mit
10
Puppen
,
diß
waren
sein
eingefaßte
vnnd
angehenckte
Wolffszän
zum
zanen
vnd
zännen
,
vnd
sein
Tattelkern
für
fallen
:
wäschet
sein
händ
inn
11
der
Suppen
,
malt
die
Wend
mit
dem
Muß
,
strelt
sich
mit
dem
Glaß
,
saß
zwischen
zwen
Stülen
nider
,
neben
den
schemel
mit
seim
zarten
ärßlin
auff
den
harten
boden
,
deckt
sich
mit
eim
beschissenen
Sack
,
wischt
sich
mit
treck
,
tranck
weil
er
die
suppen
aß
,
wie
ein
Page: 247
anderer
närrischer
Schwab
,
steckt
alles
ins
maul
,
reicht
vil
eher
die
linck
dann
12
die
recht
:
Dann
solchs
ist
,
wie
Meister
Barthel
Erbsenschütz
,
Superintendens
zu
Superbingen
,
im
Buch
,
Von
eins
sanftdonnerenden
Predigers
lincken
fuß
auff
der
Cantzel
,
vnd
seim
rechten
Aug
in
der
Rahtstuben
schreibet
,
ein
anzeigung
der
Erbsündlichen
art
,
eher
krums
dann
schlechts
zuthun
:
er
dautzt
jederman
,
wolt
nit
A
.
sagen
,
auff
daß
er
nicht
müß
B
.
sagen
,
stammelt
im
betten
,
aber
sehr
fertig
fluchet
,
vnnd
schalt
es
vngestammelt
,
neigt
daß
Amen
im
mitteln
Vattervnser
,
trehet
daß
Hütlein
herumb
,
wurf
daß
Hütlein
in
die
lufft
nach
dem
Weihen
,
aß
daß
Fleisch
ohn
Brot
,
griff
inn
heissen
Brei
,
verbrent
die
Finger
im
Liecht
,
biß
vnd
lachet
,
lachet
vnd
biß
:
hett
zwen
böse
Zän
,
der
ein
aß
gern
Weißbrot
,
der
ander
Lebkuchen
:
war
fromm
,
biß
nieman
im
schlaff
,
küßt
die
Rhut
,
doch
nit
gern
,
spie
offt
ins
Becken
,
forcht
den
Kemmetfeger
,
den
Hudelump
,
vnd
den
Mann
mit
dem
Sack
,
forcht
man
steck
jhn
wie
der
Mönch
den
Käß
darein
,
schiß
vor
feißte
,
thet
ins
Bett
,
vnd
bestrich
sich
damit
im
Antlitz
,
seicht
gegen
der
Sonnen
,
wind
vnnd
wand
daß
Zümpelin
,
sauget
am
Leilachzipffel
,
verbarg
sich
im
Wasser
vor
dem
Regen
,
zucket
den
Kopff
vnd
stieß
jn
ans
13
brett
,
schlug
nach
der
hand
vnnd
traff
die
Wand
,
schlug
vnd
bauet
im
kalten
,
bließ
in
die
kalt
Milch
,
traumet
krauß
im
holen
,
stieß
jhm
Wurtz
vnd
Zucker
auß
Steinen
,
bettet
14
daß
Affenpaternoster
,
kehrt
zu
seinen
Hämmeln
:
Munter
dich
auff
Kindstreck
:
trieb
die
Säu
wider
vmb
zum
Häu
,
schlug
den
Hund
vor
dem
Wild
15
,
spannt
daß
Roß
hinder
den
Wagen
,
aß
die
Lebkuchenleut
,
haßt
den
Schulsack
wie
schön
er
gemalt
war
,
gleich
wie
die
Meidlin
vngern
spinnen
,
wie
hüpsch
man
auch
die
Kunckeln
Page: 248
mal
,
geiget
auff
den
Nußschalen
,
pfiff
Page of re-edition: 192
auff
eim
Stecken
,
kriegt
hinder
dem
Ofen
,
hett
die
windeln
16
am
gesäß
kleben
,
war
naß
hinder
den
Oren
,
daß
Hembd
lag
jm
neher
als
der
Rock
,
kratzt
sich
wa
jn
nicht
biß
,
zog
die
Würm
spannenlang
auß
der
Nasen
,
vmbfaßt
viel
vnd
hielt
wenig
,
aß
daß
weiß
Brot
am
ersten
,
setzt
den
Bauren
auff
den
Edelman
,
vom
Pferd
zum
Esel
:
war
sauber
,
schiß
kein
Leimen
:
hett
dann
ein
Bachofen
gessen
:
schiß
ins
bruch
vnnd
aß
zu
nacht
,
weint
kein
Gold
,
liß
Nacht
vnd
Tag
werden
,
beschlug
die
Häuschrecken
,
macht
der
Lauß
Steltzen
,
macht
Schiff
auß
Papir
,
bawet
Muckenhäußlin
,
vnnd
bließ
sie
selbst
vmb
,
brach
den
Mucken
die
Köpff
ab
,
riß
jhnen
die
füß
auß
,
steckt
sie
an
einen
höltzin
spiß
,
wie
die
Weiber
die
Flöh
an
die
Nadeln
,
stach
den
Vögeln
,
wie
der
Spartanisch
König
,
die
Augen
auß
,
nit
auß
grewlicheit
,
sonder
wie
die
Kinder
nach
den
Kindlin
inn
den
augen
stupffen
,
trehet
die
kögel
vmb
:
saß
daß
Hänlin
im
Korb
,
so
wolts
herauß
,
war
es
draussen
,
so
wolts
hinein
:
was
er
sah
begert
er
,
was
er
begert
daß
erweint
er
:
war
gar
sauber
,
was
er
schiß
ließ
er
ligen
,
vnd
sah
es
alsdann
an
,
wie
ein
Gaul
,
der
den
Karren
hat
vmbgeworffen
:
war
aber
darneben
vnsicher
,
schiß
im
schlaff
,
wie
die
Bäurin
,
die
mit
dem
hindern
in
die
Milch
bliß
:
ließ
die
Lerch
in
der
hand
fliegen
vnd
griff
nach
eim
fligenden
Storcken
,
schlug
daß
17
hund
Wölflein
für
ein
18
Wolff
,
sauget
am
hemd
,
kützelt
sich
selbs
zu
lachen
,
dient
wol
in
die
Kuchen
19
,
macht
den
Göttern
Garben
von
Stro
:
acht
sich
keins
glantzes
,
wischt
den
hindern
ans
hütlin
:
vnd
aß
küchlein
auß
dem
Hafen
:
was
ein
Krautschütz
,
wann
er
ins
kraut
schiß
:
biß
auff
ein
federkengel
,
damit
jhm
die
rut
nit
weh
thet
,
vnd
weint
doch
,
daß
jm
die
rotzkengel
auß
beiden
Naßlöchern
ins
gefreß
hiengen
,
Page: 249
vnd
vor
ängsten
die
stinckenden
Kegel
entgiengen
?
wann
er
ins
Bett
seicht
,
sagt
er
es
hett
jm
geträumt
,
wie
er
an
der
wand
stünd
,
vnd
wässerlet
,
oder
es
sey
jm
der
bruntzscherben
ins
Bett
gefallen
:
ließ
daß
Magnificat
zur
Metten
singen
,
vnnd
befand
es
mächtig
gut
,
fraß
Köl
vnd
schiß
Mangolt
,
wie
die
Geisen
spotten
,
fressen
Kraut
vnd
scheissen
Bonen
,
er
kant
20
die
Mucken
in
der
Milch
,
schabt
daß
Papir
,
mördelet
daß
Pergamen
,
gewan
es
zu
fuß
,
schoß
nach
der
Geisen
oder
den
Geissennesteln
,
macht
die
zech
ohn
seinen
Wirt
,
schlug
in
den
posch
,
vnd
fieng
kein
Vogel
,
meynt
der
Himmel
hang
voll
Geigen
,
glaubet
Page of re-edition: 193
gefartzt
sey
geschworen
,
geschissen
sey
gemalt
,
gebrent
sey
gebissen
,
treck
sey
Rötelstein
,
daß
Messer
beiß
,
die
Wolcken
weren
Woll
oder
blumentolter
,
daß
Gewülck
Spinnwepp
oder
Schinhüt
,
der
Schnee
Mäl
,
die
Schlosen
Zuckererbsen
,
die
Wasserblasen
Laternen
,
neben
dem
stecken
gegangen
sey
geritten
,
man
schöpff
die
Kinder
auß
dem
Bronnen
,
wann
es
fall
,
es
fall
21
noch
eins
vom
Himmel
,
Rotz
auff
dem
Brot
schmack
22
wie
Honig
,
die
Katz
eß
dz
Messer
,
daß
Holtz
schneid
Eisen
,
wie
der
Römer
Scharsach
den
Wetzstein
,
vnd
die
Mauß
die
Feihel
nagt
:
stelt
sich
als
ein
Esel
,
auff
daß
er
Kleien
hett
,
aß
gebrants
für
gebraten
,
Stockfisch
für
kraut
,
meint
ein
Beltz
dient
für
ein
schuß
,
ein
Harnisch
für
die
kält
,
ließ
Bonen
Erbsen
23
sein
,
macht
auß
seiner
faust
ein
hamer
,
fing
die
Kränch
im
ersten
sprung
,
schalt
den
Weihen
ein
Hünerdieb
vnd
stal
jm
keins
:
rufft
vnnd
lobt
den
storcken
,
daß
er
jm
vbers
jar
rote
schu
bringe
,
aß
die
biren
vngeschelt
,
die
Fisch
vnergränt
,
erwischt
daß
schwerest
für
daß
best
,
wie
Keysers
Sigmunds
Hofman
die
Bleigefüllt
Büchs
für
gulden
,
that
auch
wie
deß
Keisers
Roß
,
welchs
im
wasser
stallet
,
gab
wo
vor
war
,
schiß
zum
grösten
hauffen
,
seichet
Page: 250
inn
den
Badzuber
,
meynt
was
glitzet
24
daß
sey
Gold
,
vnnd
beschiß
offt
die
Finger
dran
,
wie
der
Pfaff
an
deß
Eulenspigels
Erb
:
ließ
daß
Vögelin
sorgen
,
holt
sein
Brot
beim
Becken
,
nam
ein
schnellfetzlin
für
ein
Nuß
,
gab
ein
Nuß
vmb
ein
Pfeiff
,
ja
gab
ein
Esel
vmb
ein
Peif
25
,
gieng
auff
vier
füssen
,
macht
sich
zu
eim
Roß
daß
er
Habern
eß
,
trug
sein
Hand
am
Arm
,
schob
es
alles
vnter
der
Nasen
ein
,
fand
daß
Maul
finsterling
,
warff
ein
Ey
nach
eim
Spatzen
,
meynt
wann
jn
hungert
die
Frösch
murreten
im
Bauch
:
sein
Bauch
hett
kein
Oren
,
liß
nit
mit
jm
tädingen
,
wann
ers
hat
so
aß
er
,
hat
ers
nit
,
so
tranck
er
dafür
,
wan
er
den
Kessel
an
sah
so
durst
jn
,
ließ
die
Würm
spießlang
von
sich
26
kriechen
,
27
ohn
verzuckerten
Wurmsamen
,
er
danckt
fürs
Weysel
vnd
durst
jn
noch
:
er
wolt
daß
man
von
rincken
zu
rincken
vnnd
glidsweiß
den
Pantzer
flick
,
sah
dem
geschenckten
Gaul
allzeit
ins
Maul
,
sprang
vom
28
Hanen
zum
Esel
,
setzt
vnter
zwey
grüne
ein
zeitigen
,
vnter
zwey
dörre
ein
grünen
,
vnter
zwey
zeitige
ein
vnzeitigen
:
nach
deß
Bodini
Geometrischer
proportz
:
daß
macht
sein
Red
hieng
an
einander
wie
ein
kett
von
Kühtreck
,
maß
,
wie
König
Cyrus
,
dem
langen
ein
Page of re-edition: 194
langen
,
dem
kurtzen
ein
kurtzen
Mantel
an
,
macht
von
Erden
ein
Grub
,
besah
den
Wölffen
die
Zän
,
besah
sie
im
Mon
,
bließ
kein
Muß
,
verbrant
daß
Maul
,
sah
den
Wolff
deß
Mons
,
sah
im
Mon
ein
Männlin
daß
Holtz
gestolen
hett
:
macht
ein
tugend
auß
der
Noht
,
Macht
ein
Supp
von
solchem
Brot
:
wann
die
Wolcken
fallen
,
hofft
er
alle
Lerchen
auffzufahen
:
Noht
brach
bei
jm
eisen
,
daß
kont
er
mit
scheissen
beweisen
,
er
verzett
29
es
eh
ers
zum
Stülchen
bracht
,
daß
wann
der
weg
gen
Rom
also
wer
gepflestert
gewesen
,
ein
Hund
jhn
wol
het
finden
können
:
brüntzelt
nit
,
man
schlug
jhm
dann
Page: 251
ans
Zümplin
,
vnd
pfiff
jhm
wie
den
Pferden
darzu
:
sagt
alles
was
er
wußt
,
that
als
was
jn
gelust
,
glaubet
alles
was
er
hört
,
hört
alles
was
man
böses
lehret
30
,
gab
als
was
er
hat
,
nam
alls
was
er
begert
,
was
man
jm
zeigt
wolt
es
haben
,
bekömmert
sich
eben
so
klein
vmb
die
geschabene
als
die
beschorene
,
sagt
vom
fernigen
Schnee
,
wie
ers
vom
Großvatter
Hackeleback
gehört
hat
,
meynt
wann
man
jhn
new
anthat
es
wer
Sontag
,
meynt
Sant
Claus
reut
auff
eim
Esel
herumb
vnd
scheiß
31
jm
sein
Schu
voll
Lebkuchen
:
biß
den
Leusen
die
köpff
ab
,
gleich
wie
der
im
Flöhatz
den
Weibern
mit
den
Flöhen
rhatet
32
,
fieng
Mucken
mit
dem
Maul
,
vnd
die
Flöh
in
den
Ohren
.
This text is part of the
TITUS
edition of
Johannes Fischart, Geschichtsklitterung
.
Copyright
TITUS Project
, Frankfurt a/M, 7.5.2019. No parts of this document may be republished in any form without prior permission by the copyright holder.