TITUS
Johannes Fischart, Geschichtsklitterung
Part No. 605
Paragraph: 5
Gleichwol
,
sprach
Grangusier
,
betten
sie
Gott
für
vns
:
Nicht
ein
dinglin
,
antwort
Gargantoa
,
'sed
pium
est
credere
'
,
sonder
14
mit
Glockentrinckeballieren
vnd
stätem
klancklinckgluckern
15
machen
sie
schier
ein
gantze
Nachbaurschafft
taub
vnd
doll
wie
die
,
so
zu
nächst
bei
dem
fall
des
Rheins
wohnen
vom
rauschen
daub
werden
.
Nichts
vmb
sonst
sprach
der
Mönch
,
ein
Meß
,
ein
Metten
,
ein
Vesper
wol
an
vnnd
eingelitten
,
sind
schon
halb
gesungen
vnnd
vberstritten
:
man
sagt
ein
Prediger
auff
der
Cancel
,
ein
Barfuser
im
Chor
,
ein
Carmeliter
in
der
kuchen
,
vnd
ein
Augustiner
im
huren
hauß
,
zierens
vberauß
:
nur
ein
hauffen
Paternoster
angesteckt
,
vnd
mit
fetten
Aue
Maria
gespickt
,
vnd
auff
der
post
fort
geschickt
,
das
glück
16
vnd
mest
die
zuhörer
welche
sich
gern
mit
worten
settigen
lassen
:
vns
aber
heist
es
,
Bäurlin
trags
ins
Kloster
hinein
,
so
gibt
man
dir
ein
Sup
vnd
ein
sauren
Trunck
Wein
.
Ich
weiß
wol
,
sprach
Gurgellang
17
,
daß
sie
meh
für
die
Suppen
vnd
das
Mäl
betten
,
als
für
mein
Seelmetten
18
:
Gleichwol
seit
jr
Frater
Jan
nit
also
,
jr
seit
kein
Heiligenfresser
,
kein
Himmelsnister
,
kein
Todenpfeiffer
,
kein
Conscientzpresser
,
sonder
Indulgentzmesser
:
jhr
seit
nicht
Weltgescheiden
sonder
Weltbescheiden
,
geltet
jhr
meßt
den
Himel
nicht
mit
Loten
auß
?
jhr
seit
lustig
mit
,
seit
wie
ein
Page: 482
Weidsack
,
auff
welche
seit
man
greifft
,
findt
man
ein
Loch
:
so
seit
jhr
auch
nicht
müssig
,
jhr
beschirmt
je
die
Vntergetruckten
,
helfft
den
angefochtenen
,
beschützt
die
Klöster
,
erhaltet
die
Geistliche
:
Von
welcher
tugenden
wegen
etwann
König
vnd
Keyser
mit
den
namen
Christenlichst
,
Erstgebornes
Sohns
,
Pius
,
'defensor
fidei
'
,
vnd
Catholicus
vom
Super
heiligsten
Vatter
begabt
wurden
:
wie
wöllen
wir
euch
dann
tauffen
.
'Fratrissimum
'
:
Page of re-edition: 372
vnd
'Claustralissimum
'
?
oder
'superpijssimum
,
per
p
.
non
b
.'
sonst
möchten
jhr
Bäpstlicher
Heiligkeit
zu
verkürtzung
König
Tarquinius
zu
Rom
werden
:
aber
diß
wöllen
wir
dem
Großhertzogen
,
nein
,
Grösthertzogsten
zu
Rom
vorbehalten
haben
.
Bei
dem
H
.
Weiwadel
,
sprach
der
Mönch
,
jhr
seit
wolberhümt
'in
genere
demonstratiuo
:
Ego
Cucullariorum
nouissimus
'
:
laßt
mich
mit
solchen
Tituln
vngeschneitzt
.
Ein
jeder
hat
ein
Ader
vom
Narren
.
Inn
meniglich
stecken
'semina
stulticiæ
'
,
man
mags
Leicht
säyen
,
so
wächßts
daher
:
das
vnzeitig
Loben
aber
besprentzt
es
:
Jedoch
was
sagt
jhr
von
müßiggehn
?
minder
als
der
Seiren
auffsticht
.
Dann
wann
wir
im
Chor
sitzen
vnsere
Metten
vnd
Jarbegengnussen
fortzuhudeln
,
so
mach
ich
darzwischen
Armbrostwinden
,
Sennen
,
Treibschnür
,
Seidengestrickt
Memorialschnür
,
die
man
inn
die
Bettbücher
legt
,
flecht
körblin
,
nähe
vnnd
stopff
ballen
,
schnetzel
bilder
,
spitz
Zansteurer
,
schneid
19
Zungschaber
,
höl
orlöfflin
,
mach
ein
gantzen
Haußrhat
inn
ein
büchslin
,
oder
den
zihenden
Passion
20
,
bereite
flöfallen
vnnd
Nonnentröster
,
damit
ich
mich
bei
den
Schwestern
zukauff
,
stricke
21
Königlingarn
vnnd
garnsecklin
:
kurtzumb
,
müssig
gieng
ich
nie
,
dann
ich
gieng
ehe
auffs
Weidwerck
,
oder
besucht
das
Vogelnest
oder
Daubhauß
,
oder
,
wie
jene
Schwester
sagt
,
laußt
ehe
für
die
lange
weil
die
Mauß
22
:
oder
,
Page: 483
wann
mirs
schlaffen
nicht
ein
wolt
,
Legt
ich
mich
an
Rucken
,
vnnd
zalt
die
fürfligende
Vögel
,
oder
,
auff
das
ich
nit
ohn
weidwerck
wer
,
fieng
ich
im
schlaff
23
Mucken
.
Aber
bücher
abschreiben
,
buchstaben
malen
,
Clasuren
machen
,
den
Passion
außstreichen
,
dz
kont
ich
nie
vnd
noch
:
vil
weniger
,
wie
her
24
Mönch
Tutilo
zu
S
.
Gallen
,
in
kupffer
stechen
vnd
formen
schneiden
.
Aber
höra
,
hieher
zutrincken
,
zu
trincken
her
:
bring
das
Obs
:
Botz
hinden
vnnd
fornen
diese
gebratene
Kästen
mit
newem
Wein
eingenommen
sind
gute
'compositores
'
vnnd
Modelgiesser
der
fürtz
.
Jhr
seit
noch
nicht
hierinn
recht
bemostilliert
.
Bei
dem
kreutzschwammen
,
25
ich
trinck
zu
aller
wacht
wie
eins
Promotors
gaul
26
,
'sic
itur
ad
astra
'
,
da
die
funcken
wie
die
Sternen
bei
nacht
,
zur
Schmidten
außschiessen
:
Warumb
geht
kein
Mönch
allein
vber
die
gaß
?
Antwort
:
wann
der
Teuffel
den
einen
holt
,
daß
der
ander
sag
,
wo
er
hin
sey
kommen
.
Aber
'Frater
Cucullarie
'
,
sagt
Keibkamp
weiter
,
warumb
braucht
jhr
Klosterheiligen
beide
händ
Page of re-edition: 373
zum
Becher
.
Das
hat
ein
Laur
gemacht
,
der
die
hand
einer
frembden
Nachbarin
stäts
vber
dem
27
tisch
im
Schlitz
het
:
Aber
Bruder
Jan
,
thut
das
Rotbrüstlin
von
der
Nasen
,
seh
wie
es
Claretrot
dran
henckt
:
wiewol
es
etwas
besser
steht
als
das
Nasenkleinot
,
darvon
Grobianus
schreibt
:
ob
ers
wol
28
auß
India
beweißt
,
da
man
das
Edelgestein
an
die
Nasen
henckt
:
wolan
,
so
gebt
jhr
auch
ein
guten
Perleinsticker
,
wann
euch
also
die
weisse
durchsichtige
tropffen
an
der
Nasen
bleiben
hencken
,
wie
Eißzapffen
an
eim
Dach
.
Ha
,
ha
,
sprach
der
Mönch
,
solt
ich
drumb
ersauffen
,
weil
29
mir
das
Wasser
biß
an
die
Naß
geht
:
Nein
,
nein
:
'Quare
?
Quia
'
,
sie
geht
wol
herauß
,
aber
nit
hinein
:
dann
sie
ist
wol
antidotiert
vnnd
gesegnet
mit
Reblaub
.
O
mein
Freund
,
wer
von
solchem
Leder
Winterstifel
Page: 484
het
,
der
möcht
getröst
nach
Vstern
fischen
,
dann
sie
würden
kein
Wasser
fangen
.
Waher
kompts
aber
,
sprach
Gorgellang
30
,
daß
Bruder
Jan
so
ein
schöns
näßlin
hat
?
Darumb
antwort
Langgoschier
31
,
daß
es
Gott
also
gefellig
war
32
,
der
33
vns
inn
form
34
vnd
weiß
35
,
als
es
jhn
gut
bedunckt
,
schafft
,
wie
ein
Hafner
seine
geschirr
jmo
.
Darumb
,
sagt
Künlob
36
,
weil
37
er
der
erst
auff
dem
38
Nasenmarckt
war
39
,
da
man
die
Nasen
außwiget
,
vnd
jhm
gleich
die
gewichtigst
40
ließ
darwegen
41
.
Wolbegeist
sagt
ja
:
darumb
,
weil
der
Nasenaußweger
eim
mehr
bein
vnnd
fleisch
als
dem
andern
zuwog
.
Nein
sprach
der
dritt
,
darumb
,
weil
einer
stercker
durchs
ober
Naßloch
bloßt
,
vnnd
die
Naß
aufftreibt
wie
ein
Glaßmacher
,
wann
er
zu
starck
in
die
gemartert
äschen
bloßt
.
Schickts
fort
,
sprach
der
Mönch
,
jetz
ists
an
mir
:
nach
der
waren
Mönichalischen
Phylosophy
ists
daher
kommen
,
das
mein
Säugamm
gar
waiche
Dütten
hat
:
vnnd
wann
sie
mich
seuget
,
truckt
sich
mein
Einleghacken
42
hinein
wie
in
ein
Butter
,
dauon
wuchß
sie
vnd
lieff
auff
wie
ein
teig
in
der
multer
.
Dann
die
harte
saugende
Brüst
machen
den
Kindern
kumpffe
Schafsnasen
:
die
geben
gute
Dellerschlecker
:
gleich
wie
die
andern
gute
Kirschenhacken
vnd
Leschhörner
:
Aber
dir
haben
deine
die
grossen
schweren
Becher
also
eingetruckt
,
weil
zu
faul
warest
sie
zuheben
,
sonder
nur
auff
die
Nasen
legtest
.
Wie
mag
wol
Socrates
mit
seiner
Silenischen
Nasen
getruncken
haben
,
weil
sie
jhm
wie
ein
Rhinocerot
allzeit
vbersich
gestanden
:
doch
riechen
dieselbigen
vberstülpten
Nasen
besser
,
vnd
geben
gut
Wetterschmecker
,
Page of re-edition: 374
baß
als
die
Laubsäcklin
,
43
so
vntersich
sehen
,
oder
wie
die
Keyserischen
Maximinasischen
,
die
wie
ein
Nußbaum
inn
eim
Gärtlein
sich
außbreiten
:
dann
inn
den
vbersichtigen
schornsteinlöchern
kan
der
geruch
Page: 485
oben
vnd
vnten
zustieben
,
vnd
hat
darbei
den
vortheil
,
daß
sie
die
augen
nit
wie
ein
schidmaur
theilen
,
vnd
also
hindern
,
daß
einer
nit
auff
beide
seiten
kan
vmb
sich
schielen
.
Socrates
hat
ein
solche
Naß
müssen
haben
,
wie
es
der
Fratz
Aristophanes
außrechnet
,
dann
er
schmackt
vnd
gafft
nur
stäts
nach
dem
Himmel
:
Dein
Naß
wird
dir
nicht
ins
Maul
wachsen
,
sie
lenckt
sich
zur
seiten
,
sie
wächßt
ins
Allmend
,
die
Bauren
werden
noch
drein
scheissen
:
meine
wachßt
inn
mein
eigenthumb
,
ich
mag
drein
beissen
.
Aber
sehet
da
,
dises
Näßlein
44
hat
neun
krümme
,
wie
ein
Hirtenstecken
.
Aber
lustig
,
guts
,
quachs
,
'ad
formam
nasi
cognoscitur
ad
te
leuaui
'
.
Laßt
mich
mit
diser
Latwerg
vnbeschmiert
:
Ich
hab
mein
lebenlang
kein
Confect
gessen
,
es
gehet
von
eim
als
gehaspelt
Hafenkäßsuppen
vnd
Saurmilch
am
Rad
gespunnen
.
Holla
Bub
,
zur
trenck
,
schenck
,
senck
,
daß
ich
mein
gehenck
,
zu
guter
nacht
schwenck
,
nun
schrenck
vnd
renck
dich
auff
die
45
benck
,
ehe
ich
dich
henck
,
dann
deine
kreutz
inn
der
hand
geben
,
daß
nicht
wirst
ertrenckt
,
es
gang
dann
das
Wasser
vber
den
Galgen
wie
vber
die
Diebsmüller
:
Wolan
Gott
wöll
den
Reben
viel
Trauben
geben
,
den
Aeckern
viel
getreid
,
vnnd
vns
ein
langes
lustiges
leben
,
das
wirs
geniessen
mit
freud
.
This text is part of the
TITUS
edition of
Johannes Fischart, Geschichtsklitterung
.
Copyright
TITUS Project
, Frankfurt a/M, 7.5.2019. No parts of this document may be republished in any form without prior permission by the copyright holder.