TITUS
Johannes Fischart, Geschichtsklitterung
Part No. 608
Paragraph: 4
Nit
des
minder
verschlieff
der
Mönch
die
Mitternacht
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nit
,
also
gar
war
er
der
Mettenstund
gewont
:
vnd
so
bald
er
erwacht
,
ließ
er
auch
niemand
schlaffen
,
sonder
fieng
vber
laut
an
das
Lied
zusingen
.
Wach
auff
Diebolt
,
hau
Dibolt
wach
,
Es
ist
morn
auch
ein
nacht
,
wach
eh
dirs
ding
ans
Leilach
bach
,
Horch
wie
der
Han
schon
wacht
,
horch
wie
im
Ror
das
Vöglin
lach
,
vnd
treibet
seinen
pracht
.
Als
sie
nun
all
von
disem
Thurnbläser
erwachten
,
ohn
etlich
wenig
,
die
im
Gegenchor
die
Respons
drauff
wußten
.
Laß
wachen
Bruder
wer
da
wacht
,
hinnacht
ist
auch
ein
nacht
,
das
Leilach
ziecht
inn
alle
macht
,
ich
hör
kein
Han
zu
nacht
,
Das
Vögelin
ein
kleins
schläflin
macht
,
weils
häuptlin
klein
ist
acht
.
Gleichwol
sprach
Bruder
Jan
zu
den
ermunterten
.
Jhr
Herrn
,
man
sagt
das
die
frümetten
anfangt
von
husten
,
vnnd
das
nachtessen
von
trincken
.
So
laßt
vns
das
widerspiel
thun
,
vnnd
jetzt
vnser
frümett
anfangen
von
trincken
,
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Vnd
zu
abend
,
wann
wir
essen
wollen
,
vmb
die
wett
das
haar
auß
der
Nasen
husten
,
dann
wir
seind
keine
Xenophontische
Perser
,
die
bei
der
Malzeit
sich
auch
nicht
reuspern
noch
schneitzen
dörffen
.
Wie
?
sprach
Gurgellantua
9
,
soll
man
so
gleich
auff
den
schlaff
trincken
?
daß
wer
nit
nach
des
Artzts
ordnung
gelebt
:
man
muß
vor
den
Magen
kämmetfegen
.
Aubeia
,
antwort
der
Mönch
,
es
hat
sich
wol
geartzet
:
schlaffen
wir
doch
auff
den
trunck
,
wie
solten
wir
nicht
auff
den
schlaff
trincken
.
Oder
1000
Teuffel
sollen
mir
inn
den
Mönchsack
10
fahren
,
wa
man
nicht
mehr
alte
Vollseuffer
find
,
als
alte
Artzet
:
die
jhren
warten
am
besten
,
seind
kranck
am
mehsten
,
vnnd
sterben
zum
ehesten
:
die
Pest
stoßt
die
am
ersten
an
,
die
ein
gut
Diät
han
:
der
Schnuppen
plagt
auch
die
stercksten
,
gleich
wie
das
vnglück
die
vnschuldigsten
,
die
sichersten
vberfellt
der
Feind
:
wa
heimlichkeit
newzeitung
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ist
,
da
bricht
sie
am
ersten
auß
.
Ich
hab
mit
meim
appetitlichen
hunger
vnd
durst
also
ein
gedingten
pact
getroffen
,
daß
sie
sich
alzeit
mit
mir
niderlegen
vnd
auch
mit
mir
auffstehn
.
Aber
ein
jeder
verseh
sich
jetzund
zum
besten
wie
er
wil
ich
muß
mich
zu
meim
beitzluder
fügen
.
Was
für
beitzluder
?
fragt
Gargantoa
.
Mein
breuierbüchlin
,
antwort
der
Mönch
:
dann
zugleicher
weiß
wie
die
Falckonirer
eh
sie
jre
vögel
speisen
vnd
behauben
,
sie
vor
etwann
mit
eim
hünerfüßlin
erbeitzen
,
lock
machen
vnnd
ätzen
,
jnen
das
Hirn
vom
pflegma
zureinigen
,
vnd
sie
speißgelüstig
zumachen
?
also
wann
ich
diß
klein
Breuiarium
morgens
frü
vbernag
,
vnd
ein
kleins
viertheilstündlin
zersaug
,
so
erpfluttere
,
vnd
erpolstere
ich
meine
Lung
so
lustig
,
daß
sie
gleich
bereit
ist
zutrincken
.
Wafür
,
fragt
Gargantua
,
sprecht
jr
diese
Gezeitbettlin
?
Ja
fragt
,
sprach
der
Mönch
,
für
den
Bloen
husten
,
also
hat
es
der
heiligen
Mutter
gefallen
:
aber
mit
drey
Psälmlin
vnnd
drey
Lectionen
auff
vnnd
daruon
,
bereit
vnnd
beschoren
,
wems
nit
gefallt
,
der
spey
es
auß
,
machts
keim
anders
,
er
sey
dann
der
grossen
Appeln
Sohn
,
daß
man
jhm
dreymal
Pfeffer
anricht
.
Man
heißt
es
Bettstundenbüchlin
oder
Stundengebettlin
:
aber
ich
hab
mich
nie
den
stunden
vnterwürfflich
gemacht
,
dann
die
stunden
seind
des
Menschen
halben
,
vnnd
nicht
der
Mensch
von
der
Stunden
wegen
gemacht
:
sonst
müßt
der
Bapst
die
Venediger
vnd
Nörnberger
inn
Bann
thun
,
daß
sie
jhre
Tertz
Morgens
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früe
singen
?
Derhalben
mach
ichs
mit
meinen
Horasgebettlin
wie
mit
den
Stegreiffen
,
kurtz
oder
lang
,
nach
dem
es
mir
gefallt
.
'Breuis
oratio
penetrat
cœlos
,
longa
potatio
euacuat
cyphos
'
,
kurtz
Gebett
inn
Himmel
trengt
,
ein
langer
Trunck
11
die
Becher
schwenckt
.
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TITUS
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Johannes Fischart, Geschichtsklitterung
.
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