TITUS
Johannes Fischart, Geschichtsklitterung
Part No. 608
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Paragraph: 4      Nit des minder verschlieff der Mönch die Mitternacht Page: 487   nit, also gar war er der Mettenstund gewont : vnd so bald er erwacht, ließ er auch niemand schlaffen, sonder fieng vber laut an das Lied zusingen. Wach auff Diebolt, hau Dibolt wach, Es ist morn auch ein nacht, wach eh dirs ding ans Leilach bach, Horch wie der Han schon wacht, horch wie im Ror das Vöglin lach, vnd treibet seinen pracht. Als sie nun all von disem Thurnbläser erwachten, ohn etlich wenig, die im Gegenchor die Respons drauff wußten. Laß wachen Bruder wer da wacht, hinnacht ist auch ein nacht, das Leilach ziecht inn alle macht, ich hör kein Han zu nacht, Das Vögelin ein kleins schläflin macht, weils häuptlin klein ist acht. Gleichwol sprach Bruder Jan zu den ermunterten. Jhr Herrn, man sagt das die frümetten anfangt von husten, vnnd das nachtessen von trincken. So laßt vns das widerspiel thun, vnnd jetzt vnser frümett anfangen von trincken, Page of re-edition: 376  Vnd zu abend, wann wir essen wollen, vmb die wett das haar auß der Nasen husten, dann wir seind keine Xenophontische Perser, die bei der Malzeit sich auch nicht reuspern noch schneitzen dörffen. Wie? sprach Gurgellantua9, soll man so gleich auff den schlaff trincken? daß wer nit nach des Artzts ordnung gelebt : man muß vor den Magen kämmetfegen. Aubeia, antwort der Mönch, es hat sich wol geartzet : schlaffen wir doch auff den trunck, wie solten wir nicht auff den schlaff trincken. Oder 1000 Teuffel sollen mir inn den Mönchsack10 fahren, wa man nicht mehr alte Vollseuffer find, als alte Artzet : die jhren warten am besten, seind kranck am mehsten, vnnd sterben zum ehesten : die Pest stoßt die am ersten an, die ein gut Diät han : der Schnuppen plagt auch die stercksten, gleich wie das vnglück die vnschuldigsten, die sichersten vberfellt der Feind : wa heimlichkeit newzeitung Page: 488   ist, da bricht sie am ersten auß. Ich hab mit meim appetitlichen hunger vnd durst also ein gedingten pact getroffen, daß sie sich alzeit mit mir niderlegen vnd auch mit mir auffstehn. Aber ein jeder verseh sich jetzund zum besten wie er wil ich muß mich zu meim beitzluder fügen. Was für beitzluder? fragt Gargantoa. Mein breuierbüchlin, antwort der Mönch : dann zugleicher weiß wie die Falckonirer eh sie jre vögel speisen vnd behauben, sie vor etwann mit eim hünerfüßlin erbeitzen, lock machen vnnd ätzen, jnen das Hirn vom pflegma zureinigen, vnd sie speißgelüstig zumachen? also wann ich diß klein Breuiarium morgens frü vbernag, vnd ein kleins viertheilstündlin zersaug, so erpfluttere, vnd erpolstere ich meine Lung so lustig, daß sie gleich bereit ist zutrincken. Wafür, fragt Gargantua, sprecht jr diese Gezeitbettlin? Ja fragt, sprach der Mönch, für den Bloen husten, also hat es der heiligen Mutter gefallen : aber mit drey Psälmlin vnnd drey Lectionen auff vnnd daruon, bereit vnnd beschoren, wems nit gefallt, der spey es auß, machts keim anders, er sey dann der grossen Appeln Sohn, daß man jhm dreymal Pfeffer anricht. Man heißt es Bettstundenbüchlin oder Stundengebettlin : aber ich hab mich nie den stunden vnterwürfflich gemacht, dann die stunden seind des Menschen halben, vnnd nicht der Mensch von der Stunden wegen gemacht : sonst müßt der Bapst die Venediger vnd Nörnberger inn Bann thun, daß sie jhre Tertz Morgens Page of re-edition: 377  früe singen? Derhalben mach ichs mit meinen Horasgebettlin wie mit den Stegreiffen, kurtz oder lang, nach dem es mir gefallt. 'Breuis oratio penetrat cœlos, longa potatio euacuat cyphos', kurtz Gebett inn Himmel trengt, ein langer Trunck11 die Becher schwenckt.

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This text is part of the TITUS edition of Johannes Fischart, Geschichtsklitterung.

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