TITUS
Johannes Fischart, Geschichtsklitterung
Part No. 613
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Paragraph: 4      Aber ich getröst mich meiner Kreutzstangen, mit deren will ich den Teuffel anstellen : Bei dem steinen kreutz, solt einer Ridror auß euch machen, so wolt ich jn, oder ich sey vngerecht, zu eim Mönch an mein statt machen, vnd jm meine Kuttenhalffter auffnesteln, anwerffen, auffsatteln vnd anzäumen, wie Mönch Illzan seinen Brüdern die Rosenkräntz7 aufsetzt : sie ist ein Artzeney für faule Leut. Habt jhr nie von des Herren von Meurles Windhund gehört, der wolt nichts im Feld daugen, biß er jhm ein Mönchskapp vmbthat, da entlieff jhm bei dem kreutz Gotts weder Haß noch Fuchs, Vnnd welchs mehr ist, ward mit allen Precken vnd Zatzen im gantzen Land läuffig, da er zuuor Nierenloß vnd 'de frigidis & maleficiatis' war. Ein Latz auß einer Mönchskutten geschnitten, ist allzeit geilart. Nach dem der Mönch solche wort im zorn geredt, rant er vnter ein Nußbaum, vnnd behieng gleich mit des Helms visier an eim verwirrten kraspeligem Page of re-edition: 380  ast : Gleichwol ergrimmt, stach er das Pferd noch an, welches vngewohnt der Sporen, noch mehr forttrang8, vnnd jhn mehr verhafftet : der Mönch, das visier zuledigen, ließ den zaum gehn, vnd hieng sich mit der Hand an den Ast, also daß das Roß vnter jm weg lieff : da blib mein schöner Mönch am Nußbaum hencken, wie ein anderer Dannzapff, oder wie Hauptmann Schnackenstecherlein inn der Spinnwepp : da schrey9 vnd rufft er hilffio, rettio, Page: 493   schelmio, dibio, vnnd protestiert sich der verrhäterey, wa sie jn verliessen : Jungherr Artichwol10 ward es am ersten gewar, rufft dem Gargantua, Herr, Herr, kompt, secht11 einen Mönchischen Absalon hencken. Gargantua kam, vnd sahe, inn was gelegenheit der Kuttensack da hieng, vnnd sprach zum Artsichwol12, Du hasts13 mächtig schön mit der Nasen auff den Ermel getroffen, daß jhn14 dem Absalon vergleichest15 : dann Absalon behieng an Haaren, so behenckt dieser beschoren Mönch bei den Oren : hei der schönen langen Walnuß, da 16 kein Schwab kein Kern drauß : was würden die Frisischen Bauren da thun, wann sie diß frembd Obs an jhren Bäumen sehen, gewiß auch darfür auff die knie fallen, vnnd Gott für die frembd Frucht eben so sehr dancken, wie17 damals, als sie die Spanische Geseßlin sampt dem inhalt an jhren Bäumen hangen sahen für Spanischen Pfeffer : hie vnten solten die Nonnen stehn, die gern lange dinger sehen. Also soll man die Mönch Mertzen vnnd inn Lufft hencken, so fressen sie keine Maden : Hett mans des Königs in Franckreich Beichtvatter bei zeiten gethan, so hett er seinen König nicht erstochen, gleich wie jener Prediger Mönch seinem Keyser im Sacrament hat vergeben. Aber botz Murrners guckguck, was sehe ich, du hast ein krummen Latz, bist außgethan. Was darff es viel schnatterens, sprach der Mönch, helffet mir für tausent Teuffel helffet mir : es ist hie nit spottens zeit. Jr mant mich an die Decretalistische Prediger, die sagen, wann einer seinen Freund in nöten sicht, soll er jn bei trisulckischer treispitzstraliger bannung viel eher zubeichten vermanen, als jhm helffen : ha nun, fallen mir dann solche gesellen einmal in bach, vnd an dem seind, daß sie jetzt ersauffen wollen, so will ich jnen an stat der handreichung Page: 494   vnd rettung, ein weil ein lange Sermon von absterbung der Welt, 'de Page of re-edition: 381  contemptu mundi & fuga seculi' daher halten : Vnd wann sie dann rack tod sint, sie beicht hören, vnd ein schöne Leichpredig nachhalten : Dann man belohnt heut die Leichpredigen eben so wol als die Seelmessen : auch18 diesen Predigkrausen, die es andern verbotten. Hör Bruder Jan, sprach Keibkamp19, nicht verwendt dich mein liebs Mänlin, bei Jobs Hunden, du bist ein rechter Edeler lustiger kleiner Monachus. 'Monachus in claustro non valet ova duo : Sed quando est extra, benè valet triginta' : ein strenger Klostermeier, gilt nit zwey faul Eyer, aber außerhalb, gilt er treissig halb : jederman ein Ey, hie vnserm Schweppermann zwey. Ich hab wol bei fünffhundert sehen hencken, aber keinen nie, dem es so wol angestanden : vnnd stünd es mir so wol an, ich hieng all mein lebenlang dran.

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This text is part of the TITUS edition of Johannes Fischart, Geschichtsklitterung.

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