TITUS
Ulrich von Eschenbach, Alexander
Part No. 25
Previous part

Chapter: 41  
Clyades bittet für Theben


Verse: 3721        Alexander in die stat kam,
Verse: 3722    
Clyades sîn lêre nam,

Verse: 3723    
dem fürsten er engegen gienc,
Verse: 3724    
mit vorhten er in enphienc

Verse: 3725    
und mit lîren, daʒ er kunde.
Verse: 3726    
dar ûfe er begunde

Verse: 3727    
dise wort singen,
Verse: 3728    
dem künge engegen springen:

Verse: 3729    
Macedô, allen fürsten ze starc,
Verse: 3730    
an dir sich tugent nie verbarc.

Verse: 3731    
du bist der gote geslehte.
Verse: 3732    
tuo nâch dînem rehte,

Verse: 3733    
dich erbiten gerne.
Verse: 3734    
die ordenunge der sterne

Verse: 3735    
gunnen dir alles guotes wol.
Verse: 3736    
alle werlt dir dienen sol.

Verse: 3737    
die gotinne Clôtô,
Verse: 3738    
die ist dînes lebens frô

Verse: 3739    
Lachesis dîn leben lenget.
Verse: 3740    
Atropos des wol gehenget,

Verse: 3741    
sie enbrichet dir dîner tage niht:
Verse: 3742    
gerne sie dich lîbe siht.

Verse: 3743    
der gote fruht, volge mir
Verse: 3744    
eines, daʒ wol zimet dir,

Verse: 3745    
daʒ du gnâde gegen den begâst,
Verse: 3746    
an den du sic genumen hâst.

Verse: 3747    
(alsô het iu ouch gelêret
Verse: 3748    
Aristotiles der gehêret.)

Verse: 3749    
senfte, hêrre, dînen zorn.
Verse: 3750    
von disem stuole du bist erkorn,

Verse: 3751    
des mûre du vellest nider.
Verse: 3752    
vaʒʒe dîn güete an dich wider.

Verse: 3753    
du bist von hinnen frîer suon,
Verse: 3754    
du solt den dînen gnâde tuon.

Verse: 3755    
sippe dir die gote jehent,
Verse: 3756    
die dich in irme geslehte spehent.

Verse: 3757    
ich sage dir daʒ ungelogen,
Verse: 3758    
hie sint der gote vil erzogen.

Verse: 3759    
hie was Alcîdes wonhaft,
Verse: 3760    
des tugent het grôʒe craft,

Verse: 3761    
daʒ durch sîn tugent dem werden man
Verse: 3762    
al die werlt was undertân;

Verse: 3763    
den man noch vil sêre clagt,
Verse: 3764    
man von dem fürsten sagt.

Verse: 3765    
süeʒer fürste, merke mich
Verse: 3766    
sîne tugent hânt an dich,

Verse: 3767    
werdeʒ kint, geerbet.
Verse: 3768    
sît daʒ er ist ersterbet,

Verse: 3769    
schaffe daʒ man alle tage
Verse: 3770    
von dir die selben tugent sage.

Verse: 3771    
dîn gewalt ie grœʒer ,
Verse: 3772    
deste mêr dir

Verse: 3773    
wonen tugent unde güete,
Verse: 3774    
dar zuo habe frô gemüete.

Verse: 3775    
du solt dich gerne erbarmen
Verse: 3776    
über dîne armen.

Verse: 3777    
daʒ rîche hât niht stætikeit,
Verse: 3778    
daʒ niht vestet barmherzikeit.

Verse: 3779    
haben dir die burger iht getân,
Verse: 3780    
wilt du daʒ ungerochen niht lân,

Verse: 3781    
erbarme dich doch über daʒ lant
Verse: 3782    
daʒ die gote gestiftet hânt.'

Verse: 3783       
Mit gesange was volbrâht
Verse: 3784    
des Clyades hete gedâht

Verse: 3785    
den fürsten ze êren.
Verse: 3786    
der künic wolt et kêren

Verse: 3787    
sînen haʒ an die stat.
Verse: 3788    
swaʒ in Clyades gebat,

Verse: 3789    
des künges gebôt was überhôrt,
Verse: 3790    
man wîp kint wurden ermort,

Verse: 3791    
sunder die frouwe was:
Verse: 3792    
selb vierde die genas.

Verse: 3793    
die hieʒ der werde wîsen abe.
Verse: 3794    
er lieʒ sie ouch solicher habe,

Verse: 3795    
die sie nam vür guot.
Verse: 3796    
wære noch reht, der wol tuot,

Verse: 3797    
daʒ er des genüʒʒe ze aller zît.
Verse: 3798    
gebôt vor schanden der gefrît

Verse: 3799    
mûre unde türne brechen.
Verse: 3800    
ungefüege kunde er sich rechen.

Verse: 3801    
was genâde tiure.
Verse: 3802    
dar nâch wart mit fiure

Verse: 3803    
waʒ bliben was verswendet.
Verse: 3804    
mit sîn zorn sich endet.

Verse: 3805    
Clyades von sîner kunst
Verse: 3806    
bejagt aldâ des hêrren gunst.

Verse: 3807    
wie er ûf der lîren sanc,
Verse: 3808    
er hete mangen herten swanc

Verse: 3809    
mit swerte durch die helme geben,
Verse: 3810    
von mangem swant sîn leben,

Verse: 3811    
den man ûf dem wale blîben sach,
Verse: 3812    
vor der stat der strît geschach.

Verse: 3813    
von der geburt er edel was.
Verse: 3814    
was wol daʒ er genas.

Verse: 3815    
sich hete daʒ spil der werde man
Verse: 3816    
durch hübschheit genomen an:

Verse: 3817    
er wolde sîn haben êre,
Verse: 3818    
durch anders niht mêre.

Verse: 3819       
lac nider Cathmus werc.
Verse: 3820    
het wunneclîchen berc,

Verse: 3821    
dar umbe er stifte Thêbas.
Verse: 3822    
den namen vant ir Pallas.

Verse: 3823    
Alexander sich bedâhte sider,
Verse: 3824    
die stat hieʒ er bûwen wider.

Verse: 3825    
daʒ alsô was geschehen,
Verse: 3826    
die er die trægesten hete gesehen

Verse: 3827    
und an den er zagheit wart gewar,
Verse: 3828    
die hieʒ er behûsen dar.

Verse: 3829    
er hieʒ sie nâch ir triuwen
Verse: 3830    
phlegen unde biuwen.

Verse: 3831    
des künges fröide was grôʒ,
Verse: 3832    
des die fürstîn wol genôʒ,

Verse: 3833    
die was beliben leben,
Verse: 3834    
die wolt er einem manne geben.

Verse: 3835    
des sie der hêrre niht erlieʒ.
Verse: 3836    
Jôram ein fürste hieʒ,

Verse: 3837    
dem die frowe ze teile wart.
Verse: 3838    
nâch ir süeʒen hôhen art

Verse: 3839    
wart bestat daʒ werde wîp.
Verse: 3840    
sie vant ouch werden ritters lîp

Verse: 3841    
an Jôram, des herze tugende gert.
Verse: 3842    
des was wol die süeʒe wert,

Verse: 3843    
ob ir minneclich gemach
Verse: 3844    
von dem hêrren geschach.

Verse: 3845    
sie was vor missewende frî.
Verse: 3846    
irm herzen was triuwe .

Verse: 3847    
wîplich güete ouch ir wonde.
Verse: 3848    
daʒ sie vor guotes gonde

Verse: 3849    
dem fürsten und im heiles bat,
Verse: 3850    
daʒ was niht übele bestat.

Verse: 3851       
Die frowe gegen Alexander stunt.
Verse: 3852    
er tet ir sîne rede kunt.

Verse: 3853    
'von mir ist iuwer hêrre tôt.
Verse: 3854    
geloubent, frouwe, es tet mir nôt.

Verse: 3855    
wie daʒ dinc komen ,
Verse: 3856    
ich wil iu sîn mit helfe .

Verse: 3857    
alles guotes ich iu gan.
Verse: 3858    
ich wil iu geben einen man,

Verse: 3859    
des ir iuch nimmer durfet geschamen.
Verse: 3860    
frouwe, er hât ouch fürsten namen.

Verse: 3861    
verkiesent ûf mich iuwer vêhen.
Verse: 3862    
diz lant iuwer lêhen,

Verse: 3863    
frowe, mit dem fürsten Jôram.'
Verse: 3864    
ze manne sie den hêrren nam

Verse: 3865    
sît der künic wolde,
Verse: 3866    
billîchen sie tuon solde.

Verse: 3867    
ir swære was dannoch niuwe:
Verse: 3868    
des twanc sie wîplich triuwe.

Verse: 3869    
ûʒ irm herzen gegen berge vlôʒ
Verse: 3870    
regen, mit sie begôʒ

Verse: 3871    
durch ir ougen ir wengel clâr.
Verse: 3872    
man nam ûf ir brüstel war

Verse: 3873    
daʒ dar ûf zeher vielen,
Verse: 3874    
die ûʒ irs herzen grunde wielen.

Verse: 3875    
wie die süeʒe was in jâmers nôt,
Verse: 3876    
ir munt doch soliche rœte bôt,

Verse: 3877    
daʒ sich dem niht kunde gelîchen,
Verse: 3878    
gewalticlîchen

Verse: 3879    
die rôse ûʒ irm gemache dringet
Verse: 3880    
des morgens, des sie twinget

Verse: 3881    
touwes süeʒe, dar nâch die sunne.
Verse: 3882    
im mohte wol bringen wunne

Verse: 3883    
süeʒer munt, wen in des luste,
Verse: 3884    
daʒ sie den hêrren kuste.




Next part



This text is part of the TITUS edition of Ulrich von Eschenbach, Alexander.

Copyright TITUS Project, Frankfurt a/M, 12.9.2008. No parts of this document may be republished in any form without prior permission by the copyright holder.