TITUS
Ulrich von Eschenbach, Alexander
Part No. 26
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Chapter: 41a  
Erzählerexkurs: Über die Minne


Verse: 3885       Mit urloube ich sprechen wil:
Verse: 3886    
swâ süeʒer munt hât vil

Verse: 3887    
fröiden unde werdikeit,
Verse: 3888    
als hie die frouwen niht vermeit;

Verse: 3889    
im brâhte daʒ gelücke heil,
Verse: 3890    
im wart der ander teil,

Verse: 3891    
den man an ir arme sach,
Verse: 3892    
und im ir kiusche minne jach.

Verse: 3893    
ich verstê mich an dem mære,
Verse: 3894    
daʒ die frouwe gar ir swære

Verse: 3895    
durch Jôram vergæʒe
Verse: 3896    
und fröide ir herze besæʒe.

Verse: 3897    
man sagt uns von des meien süeʒen
Verse: 3898    
waʒ die sorgen kunnen büeʒen:

Verse: 3899    
niht gelîchet sich werden wîben.
Verse: 3900    
der zuht mit süeʒe kan leit vertrîben.

Verse: 3901    
wîplich lîp mit minnen güete
Verse: 3902    
fröuwet baʒ dann des meien blüete.

Verse: 3903    
lieplich wîp in reinem gemüete,
Verse: 3904    
ich bite daʒ mich der kiusche behüete:

Verse: 3905    
der bevilh ich mich besunder.
Verse: 3906    
reineʒ wîp gît fröiden wunder.

Verse: 3907    
wol im, er ist ein sælic man,
Verse: 3908    
dem ir süeʒe minne gan.

Verse: 3909    
waʒ minne gnâde an im begât,
Verse: 3910    
den sie mit süeʒer minne enphât

Verse: 3911    
und sîn herze mit liebe erslîchet,
Verse: 3912    
der ist sælden immer gerîchet.

Verse: 3913    
süeʒe minne mit minnen sinne,
Verse: 3914    
die süeʒe minne mit sinnen minne,

Verse: 3915    
daʒ kan minneclîchen fröuwen
Verse: 3916    
und hôchgemüete in herze ströuwen.

Verse: 3917    
lieplich kus von rôtem munde,
Verse: 3918    
der kan ûʒ senedes hetzen grunde

Verse: 3919    
fröide in hôhe wirde rucken,
Verse: 3920    
trûren swære hin hinder drucken:

Verse: 3921    
rôter munt gît süeʒe vil,
Verse: 3922    
fröwet ouch wol ein ander spil.

Verse: 3923       
Alexander durch die frouwen
Verse: 3924    
wolt sîn milde lâʒen schouwen.

Verse: 3925    
habt ir wol gehôrt
Verse: 3926    
wie die stat was zerstôrt.

Verse: 3927    
in was der hiuser gar verzigen,
Verse: 3928    
des muosen sie ûf dem velde ligen.

Verse: 3929    
soliche hôchzît tet der werde,
Verse: 3930    
daz sînen zîten ûf der erde

Verse: 3931    
grœʒerer nie was geschehen.
Verse: 3932    
als mir der meister hât verjehen,

Verse: 3933    
man der hôchzît verphlac,
Verse: 3934    
Alexander sich bewac

Verse: 3935    
durch die wunden wolt er blîben,
Verse: 3936    
die zît baʒ vertrîben.

Verse: 3937    
Phocîdes und Dechlôn,
Verse: 3938    
die vorhten sie solden tôdes lôn

Verse: 3939    
von Alexander enphâhen.
Verse: 3940    
mit dienste begunden sie im nâhen

Verse: 3941    
allenthalben von dem lande.
Verse: 3942    
vil dienstes man im sande,

Verse: 3943    
daʒ der wol gemuote
Verse: 3944    
alleʒ enphienc in guote.

Verse: 3945    
hæten die von Thêbas im sam verjehen,
Verse: 3946    
wær des mordes niht geschehen.

Verse: 3947    
wer dem rehten wider ist,
Verse: 3948    
daʒ enwert niht ze stæter frist:

Verse: 3949    
dar umbe sol ein ieslich man
Verse: 3950    
gerne an daʒ reht sich lân.




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This text is part of the TITUS edition of Ulrich von Eschenbach, Alexander.

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