TITUS
Konrad von Megenburg, Buch der Natur
Part No. 6
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Book: IIID     III.
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D.

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VON DEN VISCHEN.



Line: 15    Hie schüll wir sagen von den vischen und des êrsten
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in ainer gemain. Aristotiles spricht, daz kain visch ainen
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hals hab noch ain mansruoten noch mansgezeugel noch
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tütel oder prüstel. iedoch habent etleicheu merwunder
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diu vorgenanten dinch, als vor geschriben ist, wan diu
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gepernt in ir geleichs. ich wæn auch, daz der walvisch   20
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under der gemain niht lig, wan der unkäuscht mit seinr
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frawen, als her nâch kunt wirt. all visch und alliu tier,
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diu linder häut sint, diu slâfent wênich, und wenn die
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visch slâfent, rüerent si nicht wan die zägel gar ain
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klain. ez sprechent etleich, daz die visch von ainr ma\nung   25
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irr aigen nâtûr vor auz dem land fliehen, daz
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volk inne sterben schüll oder auz dem die läut vertriben
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schüllen werden. die visch habent die art, daz si niht
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laichent mit fremden vischen, die auz ir art sint, noch
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mit fremden tiern, sam ain hecht laicht neur mit ainem   30
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hecht und ain slei mit ainem sleien. aber daz vælt an
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der murên, diu laicht mit ainer slangen, und sprechent
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etleich, der æl tuo daz selb. all visch ezzent anander in

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dem mer, ân ain tier, daz haizt Aristotiles fascaleon, daz
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izt niht flaisches. kain mertier izt seineu kint unz si
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grôz werdent und den alten gleich. der mervisch flaisch
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ist sterker und gesünder die pei dem gestat wonent, aber
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die visch, die in der tiefen gênt, die habent waicher flaisch   5
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und sint niht gesunt. all stainvisch sint gern vaizt
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und aller visch her hât ainen maister und ainen laiter.
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ain iegleich visch, der des raubs lebt, der swimt gesellic\leich,
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sam der hecht und sämleich visch. all visch, die
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nâch der praiten swimment, die werdent vaizt wenn der   10
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sudenwint wæt von mittem tag, als die prähsem tuont und
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die halbvisch und die den geleichent. aber die sich nâch
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der leng streckent wenn sie swimment, sam der hecht
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tuot, die werdent vaizt der nordenwint wæt, der ze
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latein aquilo haizt. der visch weibel sint grœzer wan die   15
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mändel, wan die rogner werdent grœzer denn die milcher.
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der vischvanch ist allerpest des morgens ê diu sunn auf
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gêt, wan ist ir gesiht gar betrieglich. si sehent auch
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des nahtes reht als an dem tag. si sterbent von öltrinken.
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daz mêrer tail der vischair verderbent, wenn der rognær   20
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diu air læzt in seim gang hin und her. etleich visch ge\pernt
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von in selber ân allez laichen, und etleich von dem
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ertreich anderr visch, si geruot habent, etleich von
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ainvaltiger erden, etleich von fauler zerprochner fäuhten,
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die man auf dem wazzer siht swimmen sam daz öl. die   25
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visch habent die art, daz si hin und her swimment und
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spazierent, ê si gepernt oder ê si mitenander laichent.
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etleich visch werdent krank wenn si gepernt oder rogen
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lâzent, und dar umb væht man si denn leihticleicher denn
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ander zeit. dürrein schat den vischen sêr, wan si wer\dent   30
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gemaincleich vaizt wenn regenzeit ist, und ist in diu
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regenzeit kreftig, reht als den pflanzen, die auz der erden
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wahsent, und dar umb swimment si ob, ez regent, als
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ob si sich des regens fräwen. ist daz man ain holz reibt
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mit ains mervisches lebern, daz print reht als öl, und   35
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dar umb spricht ain vorscher, daz man auz etleicher mer\visch

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lebern öl mach. etleich visch berüernt daz vaz
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nümmer mit man si væht, ez sei dann frisch. der
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visch weibel sint lenger wan die männel und sint herter
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an dem flaisch. die visch habent auch die art, daz si
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gern widerkêrent an die stat, si geporn werdent,    5
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si hin koment, ez sei über sich oder under sich, und dar
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umb nement si dick schaden. der grôz maister Basilius
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spricht: schaw, wie iesleich gesläht der visch sein besunder
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lant hât und sein gegent, und nimt ainr dem andern sein
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wonung niht: ez genüegt ain iegsleich gesläht der visch   10
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an seiner wonung.



Chapter / Strophe: 1     1.
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VON DEM ÆL.



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Angwilla haizt ain æl. der visch ist ainr slangen
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geleich und von hât er den namen ze latein, wan an\gwis   15
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haizt ain slang, dannen kümt angwilla. den
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visch ie vester druckest zwischen den henden, er ie
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leihticleicher durch die hant slingt. er ist gar übel ze
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straufen. Plinius spricht, aintweder under den æln ist
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kain man oder kain weip. wer ainen æl tœtt in wein und   20
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trinkt dar nâch des selben weins, dem wirt wein wider\zæm,
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sam Isidorus spricht. des âls vaizten ist ain erznei
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den siechen ôrn. er hât gar ain swæren tôt, wan er
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schôn gestrauft ist, dannoch lebt er. man muoz in paz
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kochen pei dem feur dann ainen andern visch, er wær   25
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anders gar schad und ungesunt, und dar umb schol man
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in prâten, ist er gesünder denn gesoten, wan die pœ\sen
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fäuhten dünst gênt auz im, man in præt. nu prât
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in alsô. zeuch im die haut ab und stuck in denn in gan\zeu
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stuck nâch der leng und stüpp diu stuck mit guoten   30
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edeln würzen klain gestôzen, und dar nâch zeuch die haut
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wider über diu stuck nâch der leng und stopf mit ainem
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scharpfen mezzer die haut über al, daz der trôr herdurch
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müg, und leg in dann in ain clamer spiz, daz ist ain

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clainr eiseneinr spiz gespalten und gênt die zwai cle\mern
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oben und unden zesamen und habent ringel, mit
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man si zuo enander twingt. alsô prât in schôn und lank\saim,
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wirt er ain herrenezzen. Albertus spricht, daz
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in dem wazzer, daz Ganges haizt, æl gên, die sein drei\zig   5
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elnpogen lang.



Chapter / Strophe: 2     2.
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VON DFM HÄRING.



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Allec haizt ain härinch. der visch hât allain die art
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vil nâhen under allen andern vischen, daz er neur des   10
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wazzers lebt und mag auz dem wazzer ain stunt niht ge\leben,
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wan er stirbt zehant wenne er über daz wazzer
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kümt. sein augen scheinent des nahtes in dem mer reht
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sam ain lieht, aber diu kraft der augen stirbt mit dem
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visch. die häring in dem mer ain lieht sehent ob   15
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dem wazzer, samnent si sich hin in grôzen scharn,
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und mit der kündichait pringt man si in die netz. die
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pesten häring gênt pei Schottenlant und die aller pœsten
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pei däutschen landen.



Chapter / Strophe: 3     3.
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VON DER GOLTWOLLEN.



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Aureum vellus haizt goltwoll. die zeuht und speist
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daz mer, sam Ambrosius spricht, und daz gestat pei dem
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mer gepirt die wollen, nâch dem gold etswie vil gepildet,
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und dar umb haizt si auch goltwoll. der wollen varb kunt   25
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noch nie kain maister an ander wollen pringen noch mit
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künsten gemachen, wie guot er ie wart in der verberkunst.
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ez sprechent auch etleich, daz diu woll derlai sei gewesen,
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dar umb vil und vil tausent menschen hie vor erslagen
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wurden in der Troier lant.   30
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Pei der guldeinn wollen verstên ich die himlischen
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goltpluomen, ich main die muoter der parmherzichait
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Mariam gotes muoter, in der schôz daz götleich himel\taw

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her ab tawet mit den gâben des hailigen gaistes und
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prâht uns gotes aingepornen sun in den umbvanch der
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käuschen clausen Marien. der varb (daz ist ir tugent
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und ir hailichait) moht noch nie kain maister volpilden
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mit geschrift und mit getiht. ach, obersteu kaiserinne, vol   5
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der gnâden, neig dich neur ain klain, diu zeit ist hie.
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gedenke, daz pist aller sünder hoffnung und zuofluht.



Chapter / Strophe: 4     4.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM KLAINEN VISCHL.



Line: 10    
Afforus mag ain klain vischel haizen, wan sam Isi\dorus   10
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spricht, daz vischel ist klain, daz man ez mit
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kainem hamen gevâhen mag. pei verstêt man die
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diemüetichait unser frawen, wan diemüetichait mag niht
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gevallen, diemüetichait ist ain ursprinch aller tugent.



Chapter / Strophe: 5     5.
Line: 15    
Line: 16    
VON DER MERSPINNEN.



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Aranea maris haizt ain merspinn. daz ist ain mer\visch,
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sam Isidorus spricht, der hât spitzling in den ôrn,
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mit sticht er die im ze nâhen koment. iedoch ist er
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ain zeitleich guot ezzen. Pei dem visch verstêt man die   20
Line: 21    
läut, die leihticleich ir ôren naigent zuo pœsem sagen von
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dem næhsten und verwundent die selben oft mit nâchred
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oder mit schaden in rehter unschult. daz ist unreht.
Line: 24    
man scholt ainz vor ze red setzen, unz man die wârhait
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bevindet. dar umb spricht diu geschrift: scholt dein   25
Line: 26    
ôrn umbzäunen mit dornen, daz ist, scholt niht leih\ticleich
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allen redærn und sagern gelauben.



Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 28    
Line: 29    
VON DEM REGENVISCH.



Line: 30    
Bocha haizt ze latein auch piscis pluvialis, daz haizt   30
Line: 31    
ze däutsch ain regenvisch, dar umb, daz der visch sun\derleich

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Line: 1    
zuo nimt in dem regen. die visch swimment
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neur nâch der praiten, wan si sint gar dünn visch und
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gar prait. si habent auch flozzen umb und umb nâch
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der praiten. die vischær den visch wellent vâhen,
Line: 5    
senket er sich an den grunt und betrüebt daz wazzer ob   5
Line: 6    
im, dar umb, daz man in iht gesehen müg, wan er
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sich nâch der praiten an daz ertreich smucket, ist er
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oben auf dem ruck erdvar.



Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEM WALVISCH.



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Cete haizt ain walvisch. der ist der grœst visch ob
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allen vischen, sam Isidorus spricht. er hât in der jugent
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swarz zend, die werdent im weiz in dem alter, und hât
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ain pain an der stirn. etleich walvisch sint grôz, daz si
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inseln dunkent oder wäld, man si verr siht, oder schei\nent   15
Line: 16    
als die grôzen perg. die walvisch nement dick sant
Line: 17    
auf den ruck, und die schefläut von nôt auf den sant
Line: 18    
getriben werdent von ungewiter, wænent si, ez sei ain
Line: 19    
insel und si haben lant funden. des fräwent si sich und
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lâzent ir segel nider und senkent ir anker in daz mer   20
Line: 21    
und slahent feur auf den sant und wellent ruoen.
Line: 22    
denn der walvisch des feurs enpfint, wirt er gar er\zürnt
Line: 23    
und senket sich under daz wazzer und zeuht mit
Line: 24    
im paideu schef und läut under daz wazzer an den grunt.
Line: 25    
wie auch daz sei, daz er der grœst sei ob allen vischen,   25
Line: 26    
iedoch hât er ainen klainen slunt, und dar umb verslint
Line: 27    
er neur die klainen visch. die locket er zuo im mit sei\nem
Line: 28    
süezen âtem, der im auz dem hals gêt, unz daz er
Line: 29    
si verslicht. wenn die walvisch mit enander sæhest
Line: 30    
gên, wæntest verrlingen, daz ain grôz güzzwazzer    30
Line: 31    
flüzz und gar snell flüzz. Isidorus spricht: ich hân daz
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selb beschawet und hân gewundert an gotes weishait.
Line: 33    
wenn der walvisch über dreu jâr kümt, unkäuscht er
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mit seim weib, diu haizt ze latein balena, und ân under\lâz

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Line: 1    
in ainer kurzen stunt. in der unkäusch wirt er be\raubt
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der kraft fürpaz mêr ze unkäuschen, alsô daz sein
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mansruot ân nutz wirt. und dar umb gêt er dan in daz
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gar tief mer und wehset alsô grôz, daz man in mit kains
Line: 5    
menschen künsten noch listen gevâhen mag, und scheint   5
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grôz, sæhest in, wændest, ez wær ain grôzer
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perg: alsô erhebt er sich dick über daz wazzer mit seiner
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unmæzigen grœzen. und dar umb mag man in niht ge\vâhen
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denn er under drein jâren ist. wan er hœrt
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schalmeien und ander süez gedœn, næhent er zuo den   10
Line: 11    
läuten und alsô væht man in. des visches sâm wirt ge\vangen
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oben auf dem wazzer, wan er geunkäuscht hât,
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swimt der sâm oben, den er gelâzen hât, den væht
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man denn und tuot in in klaineu fläschel, als triakers
Line: 15    
fläschel sint, und den walrâm trinkt man nüehtern, wan   15
Line: 16    
er sterkt als gar wol und kreftigt vast, und dar umb ist
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er gar schatzpær und teur.



Chapter / Strophe: 8     8.
Line: 18    
Line: 19    
VON DEM KREBZ.



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Cancer haizt ain krebz. der hât ainen herten ruck,   20
Line: 21    
reht sam die kütschdrillen habent. der krebz hât aht
Line: 22    
füez und arm und hât schær an der hende stat. er gêt
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hinder sich, und spricht Adelînus, daz er nümmer nâch
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seinem antlütz . iedoch hân ich den krebz für sich
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sehen gên gar sain und trægleichen. wenn er alt wirt,   25
Line: 26    
vint man zwên weiz stain in seim haupt, ist rôt ein
Line: 27    
gemischt. etleich sprechent, daz die stain grôz kraft
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haben, wer si in trank nem, si vertreiben im den herz\stechen,
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und daz ist gar geläupleich, wan, als Galiênus
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spricht, daz herz wirt gar vast gesterkt von den herten   30
Line: 31    
stainen, als die saphir sint und die margariten oder die
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veinn perl und die jâchant und ander sämleich stain. die
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krebz sint langs lebens. daz weip hât den êrsten fuoz
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gespalten und der man hât in ainvaltig und ungespalten,

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Line: 1    
der reht arm ist vil nâhen allen krebzen grœzer denne
Line: 2    
der denk. deu männel habent zwên dorn zwischen dem
Line: 3    
leib und dem swanz, der diu weibel niht habent. wenn
Line: 4    
die krebz air habent in dem leib, sint si ain erznei
Line: 5    
wider der slangen hecken. wenn der krebz getrenket ist   5
Line: 6    
mit milich ân wazzer, lebt er vil tag. des krebzs därm\lein
Line: 7    
strecket sich von dem leib unz an daz end seins
Line: 8    
swanzes. wenn daz swarz ist und vol, ist der krebz
Line: 9    
guot; ist aber ez eitel und weiz, ist der krebz erhun\gert
Line: 10    
und ist ain schedleich ezzen.   10



Chapter / Strophe: 9     9.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM SNECKEN.



Line: 13    
Concha oder coclea haizt ain snek und ist ze däutsch
Line: 14    
als vil gesprochen als ain flächlink oder ain eitlink, wan
Line: 15    
der môn abnimt, werdent ir schaln flach oder hol   15
Line: 16    
und eitel. wan als Rabanus spricht, alleu mertier, diu
Line: 17    
mit schaln beslozzen sint, diu nement zuo wenn der môn
Line: 18    
aufnimt und nement ab wenn der môn abnimt. ez spricht
Line: 19    
auch Rabanus, daz die visch margariten machen, daz sint
Line: 20    
vein perl. die mersnecken habent die art, daz si des nah\tes   20
Line: 21    
an daz gestat gênt und werdent swanger von dem hime\lischen
Line: 22    
taw, und von werdent die margariten in irm
Line: 23    
flaisch. Solînus spricht, die mersnecken unkäuschent ze
Line: 24    
gewisser zeit in dem jâr und gevâhent zuo. si begernt des
Line: 25    
himeltawes reht als ain fraw irs liebes begert und tuont   25
Line: 26    
ir schaln auf und ginent gegen dem tawe. und des
Line: 27    
mônen fäuhten, daz ist der taw, allermaist vellt, trin\kent
Line: 28    
si daz begert taw in sich und werdent swanger und
Line: 29    
swær von dem taw. und als daz taw geschicket ist, alsô
Line: 30    
schickent sich die margariten, die von koment; wan   30
Line: 31    
ist daz taw clâr und lauter, werdent die margariten
Line: 32    
gar vein und scheinig; ist aber ez trüeb, werdent si
Line: 33    
plaich oder rôtelot, und alsô gepernt die sneken mêr von
Line: 34    
dem himeltaw wan von dem merwazzer.

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Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM MERRABEN.



Line: 3    
Corvi maris haizent merraben, und habent den na\men
Line: 4    
von ir stimm, sam Isidorus spricht, wan si kroch\zent
Line: 5    
mit der prust als die raben, und si sich gemel\dent   5
Line: 6    
mit der stimm, væht man si. Der visch bedäutt
Line: 7    
die läut, die auzwendig sweigent als ob si gar gedultig
Line: 8    
sein und mürmelnt doch in sich selber mit dem herzen, und
Line: 9    
von werdent si dick gevangen mit des teufels stricken.



Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 10    
Line: 11    
VON DEM CLAUREN.



Line: 12    
Claurius haizt ain claur und haizt auch glaius. der
Line: 13    
visch hât die art, daz er in die geätzten hamen peizt,
Line: 14    
aber er izt ir niht, er beraubt si des dar inne ist und
Line: 15    
wirt alsô vaizt. Der visch bedäutt die menschen, die offen\pærleich   15
Line: 16    
die unkäusch vliehent, dar umb, daz diu künf\tigen
Line: 17    
kindel si iht melden, aber inwendig sint si vol un\käusch
Line: 18    
mit gir und treibent ir unfuor mit küssen, mit
Line: 19    
unzimleichen reden und mit mærlein und verunrainent
Line: 20    
sich lesterleich und pœsleich, von niht mêr ze reden ist.   20



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM DELPHIN.



Line: 23    
Delphinus ist ain visch, der haizt delphin. iedoch
Line: 24    
ist er niht daz merwunder delphin, von wir vor gesait
Line: 25    
haben. der visch ist klainer denn daz selb merwunder,   25
Line: 26    
sam Isidorus spricht. die visch habent die art, wenn ain
Line: 27    
ungewiter komen schol, springent si auf dem wazzer
Line: 28    
und spilent, und pei erkennent die schefläut künftigz
Line: 29    
ungewiter. si sint snell in iren sprüngen, sam Solînus
Line: 30    
spricht, daz si etswenn über die schefsegel springent, und   30
Line: 31    
die vischær besamnent sich und werfent eisnein rechen

Page: 251  
Line: 1    
auf, dar inn beslahent sich die delphin und reibent sich
Line: 2    
an den sant mit, alsô die rechen in ir flaisch gedrukt
Line: 3    
werdent, und wirft si daz mer dann auz an daz lant.



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM ECHEN



Line: 6    
Echinus haizt ain ech. der visch ist halpfüezig, sam
Line: 7    
Jacobus und Isidorus sprechent, und ist kreftig, daz
Line: 8    
er ain schef still helt, daz ez sich nindert wegt, ez sla\hen
Line: 9    
die wind in daz mer oder ez slahen die ünden, und
Line: 10    
wie sêr die wazzerflüzz diezzen, mag daz schef weder   10
Line: 11    
für sich noch hinder sich, reht als ob ez gruntvest
Line: 12    
hab und gewurzelt sei, niht dar umb, daz ez daz
Line: 13    
vischel wider ziehe, neur dar umb, daz daz vischel dar
Line: 14    
an hanget. daz sprechent auch Ambrosius, Jacobus
Line: 15    
Aquensis, Aristotiles, Isidorus und der grôz Basilius. nu   15
Line: 16    
spricht Albertus, daz man des grôzen wunders an dem
Line: 17    
vischel kain ander sach müg gehaben denn daz got ze
Line: 18    
verstên gibt in seinen crêatûren seineu wunderleicheu
Line: 19    
werk, und seineu wunder læzt schawen, und dar umb, daz
Line: 20    
die ketzer geschant werden, die anders niht gelauben wel\lent   20
Line: 21    
denn der nâtûr gemainen lauf. die echen sint der
Line: 22    
krebzen geslähtes, sam Plinius spricht, wan si habent
Line: 23    
auch dorn an der füez stat. den visch schol man niht
Line: 24    
ezzen oder man izt den tôt dar an. wan er gezzen
Line: 25    
wirt, verändert er den menschen auz dem satz seiner   25
Line: 26    
rehten nâtürleichen schickung. der ech bestelt diu schif
Line: 27    
ze mittest in dem mer und mag sich selber niht bestellen,
Line: 28    
er muoz daz von dem staindel petlen, daz er den schiffen
Line: 29    
milticleich gibt. wan er ain künftigz unwiter siht,
Line: 30    
umbgreift er ain staindel, daz in die wazzerschuck iht   30
Line: 31    
auzwerfen, und helt doch ain grôz schif, als vor gespro\chen
Line: 32    
ist. die visch habent ir münd ze mitelst an dem
Line: 33    
leib und sint vil nâhent als si glesein sein an dem leib
Line: 34    
und habent ains schorpen gestalt. si habent auch an der

Page: 252  
Line: 1    
zend stat swær und scharpf sticheling in dem mund.
Line: 2    
ireu air sint pitter und der sint fünfeu an der zal, sam
Line: 3    
Ambrosius und Aristotiles sprechent. Ich pit dich, tuo
Line: 4    
als der visch tuot gegen dem ungewiter, und in
Line: 5    
leiden seist, begreif ain staindl, daz ist, rüef ainen   5
Line: 6    
hailigen an, der dich auf halt in deinen leiden. ich rât
Line: 7    
aber dir allermaist zuo unser frawen, diu wirt snell gewert.



Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM HAUSEN.



Line: 10    
Esox haizt ain haus. der visch gêt in der Tuonaw,   10
Line: 11    
zuo dem gesellt sich der stür gar gern, daz er mit im
Line: 12    
scherz. und sein der haus innen wirt, fleuht er
Line: 13    
zehant und der stür volgt im nâch, wan si sint paid grôz,
Line: 14    
dar umb mügent si sich niht verpergen in den grôzen
Line: 15    
wazzern. wenn si alsô jagent und daz wazzer vor in trei\bent,   15
Line: 16    
væht man si dick paid mit enander. wenn der
Line: 17    
haus gevangen ist, der in denn trenkt mit gar starkem
Line: 18    
wein oder mit milch, unz daz er trunken wirt, lebt er
Line: 19    
vil tag. er trinkt aber wol vier sehstail weins, ê daz er
Line: 20    
trunken werd, daz sint vier gar grôz angstær. er hât   20
Line: 21    
neur ainen darm und hât klaineu pain in dem leib und
Line: 22    
hât der wênig und diu pain sint waich als die kruspeln
Line: 23    
aber in dem haupt hât er vil pain und diu selben sint
Line: 24    
hert. Pei den hausen verstên ich die läut, die mit des
Line: 25    
herzen gir grôz sint und an irm fürsatz der tugent, aber   25
Line: 26    
si sint waich an den werken.



Chapter / Strophe: 15     15.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM GRAN.



Line: 29    
Granus haizt ain gran. daz ist ain mervisch, sam
Line: 30    
Aristotiles spricht. der visch hât ain aug oben auf dem   30
Line: 31    
haupt wider aller anderr tier nâtûr. mit dem aug siht
Line: 32    
er allzeit über sich und hüet sich vor schaden. Der visch

Page: 253  
Line: 1    
bedäut ainen iegleichen spiegelschawer, der tag und naht
Line: 2    
alleu ding betraht und beschawet in dem spiegel seiner
Line: 3    
vernunft und siht got in seinen werken und die crêatûr
Line: 4    
in götleicher güet. der selb mag wol von im selber spre\chen:
Line: 5    
mein augen sehent allzeit zuo dem herren, daz ist:   5
Line: 6    
zuo got schüllen unsreu augen stên ân underlâz, wan er
Line: 7    
zuckt unser füez auz dem strick des êwigen tôdes.



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 8    
Line: 9    
VON DER MERSWALBEN.



Line: 10    
Hirundo maris haizt ain merswalb. daz ist ain mer\visch   10
Line: 11    
gar geleich ainer swalben, sam Plinius spricht. der
Line: 12    
visch hât allain an im ain art, diu allen andern vischen
Line: 13    
wider ist ân einen mervisch, der haizt luligo, und ân
Line: 14    
ainen andern mervisch, wan diu merswalb beleibt pei den
Line: 15    
vischen in dem wazzer und hât auch flügel, mit si   15
Line: 16    
fleugt in die lüft. Der visch bedäut die menschen, die
Line: 17    
etleich zeit werltleich amt habent und mit werltleichen
Line: 18    
sachen umbgênt und dar nâch sich versinnent und ge\denkent
Line: 19    
an daz êwig leben und bekêrent sich zuo göt\leichem
Line: 20    
leben und werdent gar guot.   20



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM KALOS.



Line: 23    
Kalaos haizt ain kalos. daz ist ain mervisch man\gerlai
Line: 24    
gestalt und mangerlai schickung, sam Aristotiles
Line: 25    
spricht. der visch hât die art wider all ander visch, daz   25
Line: 26    
im daz regenwazzer schad ist, daz doch allen andern
Line: 27    
vischen ain trôst und ain hilf ist und von kreftig und
Line: 28    
vaizt werdent. aber der kalus wirt plint von dem regen\wazzer,
Line: 29    
mag er denn sein ezzen niht vinden und muoz
Line: 30    
sterben in dem hunger. Pei dem visch verstên ich die   30
Line: 31    
läut, die des gots wortes niht gehœren mügent, alsô daz
Line: 32    
ez in nütz sei an leib oder an sêl.

Page: 254  



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM HECHT.



Line: 3    
Lucius haizt ain hecht. daz ist ain visch, als daz
Line: 4    
puoch von den nâtürleichen dingen sait, der auch ain waz\zerwolf
Line: 5    
haizt, der izt ander visch und waz er frösch vindet,   5
Line: 6    
die in der andern visch münden sint, alsô daz si nâhen
Line: 7    
als grôz sint als er selber, die frizt er auch. er izt ainen
Line: 8    
andern visch alsô. wenn er in überwindet, frizt er daz
Line: 9    
haupt des êrsten und wenn er daz verdäut, izt er daz
Line: 10    
ander tail dar nâch, ie ain stuck nâch dem andern, unz   10
Line: 11    
daz er in gar vrizt. er izt auch ainen andern hecht, alsô
Line: 12    
gräuleich ist er von nâtûr und girig auf den raup. er izt
Line: 13    
auch seinen aigenne sâmen, er sei denn ze vischeln worden.
Line: 14    
Pei dem hecht verstên ich all wüetreich, die arm läut
Line: 15    
frezzent und auch ir aigen mâg und freunt verderbent.   15



Chapter / Strophe: 19     19.
Line: 16    
Line: 17    
VON DER MURÊN.



Line: 18    
Murena haizt ain murên. der visch hât kainen man
Line: 19    
seins geslehtes oder seinr nâtûr, ez sint eitel weip, sam
Line: 20    
Isidorus spricht, und gevæht zuo von der slangen. wan als   20
Line: 21    
Basilius spricht, diu slang locket die murên auz dem waz\zer
Line: 22    
mit sänftem wispeln und unkäuscht dann mit ir. und
Line: 23    
dar umb lockent ir die vischer mit wispeln auz dem waz\zer
Line: 24    
und vâhent si. Ambrosius spricht, wenn diu slang
Line: 25    
unkäuschen well mit der murên, lâz si vor all ir ver\gift   25
Line: 26    
von ir. Albertus spricht, daz man pei verstên
Line: 27    
schol, wie grôz sänftikait und tugent der man haben
Line: 28    
schol zuo seiner frawen, wan ain man und sein fraw
Line: 29    
werdent gesament an dem kind, daz ir paider fruht ist.
Line: 30    
Alexander spricht, daz diu murên ir sêl in dem swanz   30
Line: 31    
hab, wan man ir daz haupt zersleht, dannoch lebt si;
Line: 32    
aber man ir den swanz absleht, stirbt si zehant. die

Page: 255  
Line: 1    
murên habent ainen vergiftigen piz; aber man ir haupt
Line: 2    
pulvert, daz pulver ist guot für die selben pizz.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM MEGAR.



Line: 5    
Megarus haizt ain megar. daz ist ain mervisch, sam   5
Line: 6    
daz puoch sagt von den nâtürleichen dingen, und ist zwair
Line: 7    
tener lang. er dunket pœs in den landen, man in
Line: 8    
væht, aber man in selzet und in verr füert, wirt
Line: 9    
er wert umb sein selzein. iedoch er frisch ist, ist
Line: 10    
er pezzer ze ezzen, wan er gesalzen wirt. der visch   10
Line: 11    
bedäut die in irm vaterlant versmæht sint, wan als Chri\stus
Line: 12    
spricht, niemant ist ain genæmer weissage in seins
Line: 13    
vater lant und die man doch in fremden landen gar wert
Line: 14    
hât und si wirdigt und grœzleichen êret. Solînus spricht,
Line: 15    
daz die megarn mit den sneken des nahtes an daz gestat   15
Line: 16    
gên und trinken daz himeltaw und werdent swanger der
Line: 17    
margariten oder der veinn perl, und daz taw nement die
Line: 18    
mersneken ze mettenzeit und dar umb sint die perll vei\ner
Line: 19    
und liehter; wan der taw, der ze mettenzeit gevangen
Line: 20    
wirt, ist liehter wan der des nahtes gevangen wirt, und   20
Line: 21    
der snek des tawes ie mêr nimt, die perll ie veiner
Line: 22    
und grœzer werdent. den offenn sneken ain plitzen oder
Line: 23    
ain himelplitzen her velt von dem ungewiter, druckent
Line: 24    
si sich zesamen und swimment mit ainr schar mitenander
Line: 25    
und der witzigist swimt vor und füert die andern.   25



Chapter / Strophe: 21     21.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM KAINVISCH.



Line: 28    
Nullus haizt ain kainvisch. der hât den namen dar
Line: 29    
umb, sam Isidorus spricht, daz er waich ist und gar un\lustich
Line: 30    
ze ezzen. er macht die läut unlustig und macht die   30
Line: 31    
augen trüeb, und die den visch dick ezzent, die smeckent
Line: 32    
und stinkent vast. wer den wein trinkt, der visch inn

Page: 256  
Line: 1    
ertœtt ist, dem wirt der wein widerzæm, sam Rabanus
Line: 2    
spricht. Pei dem visch verstên ich den menschen, der
Line: 3    
weder im selber noch der werlt nütz ist noch got êrleich.



Chapter / Strophe: 22     22.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM OSTER.



Line: 6    
Ostrea haizt ain oster. daz ist ain mervisch und ist
Line: 7    
der sneken geslähtes, von den wir vor gesait haben, sam
Line: 8    
Plinius spricht. der sneken flaisch izt der krebz gar gern.
Line: 9    
dar umb, wenn die sneken diu häusel auf tuont durch des
Line: 10    
sänftigen weters willen, werfent die krebz staindl zwi\schen   10
Line: 11    
die schaln, daz si sich niht zuo mügen tuon, und
Line: 12    
nagent dann der sneken flaisch. der sneken schaln sint
Line: 13    
weiz und sinwel und tragent die pilgrein die selben schaln
Line: 14    
an irn hüeten; aber daz flaisch geröst mit öl und mit
Line: 15    
zwival ist gar guot in der vasten.   15



Chapter / Strophe: 23     23.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM MERSWEIN.



Line: 18    
Porcus marinus haizt ain merswein und ist ain visch,
Line: 19    
den man izt. der ist vil nâch als ain rehtez swein an der
Line: 20    
gestalt. sein zung ist ledig sam ains rehten sweins, aber   20
Line: 21    
ez hât niht ain stimm sam ain rehtz swein. ez hât auf
Line: 22    
dem ruck dorn, ist vergift inn. aber des visches gall
Line: 23    
ist ain erznei wider die vergift. diu merswein leident vil
Line: 24    
angst und nôt, sam Plinius spricht, und suochent ir na\rung
Line: 25    
an des mers grunt und wüelent in die erd sam diu   25
Line: 26    
rehten swein. si habent den rüezel pei der keln.



Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM STÜRN.



Line: 29    
Sturio haizt ain stür. daz ist ain grôzer visch und
Line: 30    
gêt in den vliezenden wazzern und nimt gar clain ezzens   30

Page: 257  
Line: 1    
in seinen leip. er lebt allermaist des liehten lautern
Line: 2    
luftes und dar umb hât er ainen clainen pauch. er hât
Line: 3    
ingewaid, aber daz ist gar clain nâch seinr grœz. er hât
Line: 4    
ain grôz lebern, und diu ist alsô süez, daz man si kaum
Line: 5    
izt ân des magen wüllen, und dar umb reibent die köch   5
Line: 6    
die lebern mit des stürn gallen, daz si die überigen süe\zen
Line: 7    
verlies. er hât kainen munt, wan daz selb tail
Line: 8    
ist ganz, andreu tier ir münd habent. iedoch hât er
Line: 9    
ain klain loch under der keln und daz öffent er wenn er
Line: 10    
wil. wenn der sudenwint wæt, wirt er vaizt und swimt   10
Line: 11    
oben in dem wazzer; wenn aber der nordenwint wæt,
Line: 12    
ligt er an dem grunt. wenn er in milch stêt, lebt er
Line: 13    
lang ân wazzer.



Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 14    
Line: 15    
VON DEM HAMFREZZEN



Line: 16    
Scolopendra mag ain hamfrez haizen, dar umb, wan
Line: 17    
als Plinius spricht, die visch sint den lanttiern geleich,
Line: 18    
diu ze latein centipedes haizent und haizent ze däutsch
Line: 19    
hundertfüezel, und habent die art, daz si den hamen
Line: 20    
frezzent, mit man si væht, und wenn si in gezzen   20
Line: 21    
habent, undäwent si auz dem hals allez ir ezzen, unz
Line: 22    
si den hamen auz gewerfent, und verslindent si denn
Line: 23    
daz ungedäut ezzen anderstund. Pei dem visch verstê
Line: 24    
wir die läut, die an in selber verstênt, daz in die werlt\leichen
Line: 25    
reichtüem schedleich sint an leib und an sêl, und   25
Line: 26    
dar umb gebent si die werlt auf und varnt in ainen or\den,
Line: 27    
und si etswie lang in dem orden gestênt und in
Line: 28    
daz gemain leben in dem orden niht genüegt, samnent
Line: 29    
si aber aigen guot in dem orden und werdent pœser in
Line: 30    
dem orden wan si in der werlt wâren, und tuont als die   30
Line: 31    
hund, die ain ezzen undäwent und slindent ez wider. Der
Line: 32    
hamfrez hât die art, daz er sich in daz tief wazzer senket
Line: 33    
und fleucht der sunnen glast und ir hitz und fleucht auch
Line: 34    
den hagel, wan diu zwai schendent des visches varb. wenn
Line: 35    
man die visch in ezzich legt, entsliezent si sich schier,   35

Page: 258  
Line: 1    
alsô daz si mar werdent. die visch haizent auch ainer,
Line: 2    
wan man vint niht zwên in ainer schaln noch mêr denn
Line: 3    
neur ainen. in des visches schaln vindet man ainen stain,
Line: 4    
wer den zereibet und in aigencleichen beraitt, ist er
Line: 5    
guot wider des magen kranchait. der stain hât die kraft,   5
Line: 6    
daz er frid und ainung machet zwischen den läuten und
Line: 7    
machet den menschen käusch der in tregt.



Chapter / Strophe: 26     26.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM MERSCHERN.



Line: 10    
Salpa hât ain puoch und daz ander hât talpa, daz   10
Line: 11    
ist pezzer, und daz ist ain pœs visch und stinkend, sam
Line: 12    
Plinius spricht, und mag nümmer gekocht werden, man
Line: 13    
plew in dann vor mit ainem plewel oder mit ainem steken,
Line: 14    
als man den dürren stokvisch tuot, und mag aigencleich
Line: 15    
ain merscher haizen. Pei dem visch verstêt man die sün\der,   15
Line: 16    
die gar pœs an irm leben sint, daz si nümmer
Line: 17    
gerainigt mügen werden mit dem feur und mit der lieb
Line: 18    
des hailigen gaistes, daz si ain zimleichz ezzen sein des
Line: 19    
götleichen willen, si werden dem vor geslagen mit kranc\hait
Line: 20    
und mit leiden gestrâft.   20



Chapter / Strophe: 27     27.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM MERSNEKEN.



Line: 23    
Testudo haizt ain snek, dar umb, sam Isidorus spricht,
Line: 24    
daz er mit ainr schaln bedecket ist, als er in ainem häu\sel
Line: 25    
sitz, wan testa ze latein haizt ain schal ze däutsch;   25
Line: 26    
dannen kümt daz wort testudo. ez sint vierlai sneken.
Line: 27    
die êrsten sint lantsneken, die auf dem land wonent, in
Line: 28    
den gärten und in den wälden. die andern sint mer\sneken,
Line: 29    
die in dem mer wonent und von den wir vor ge\saget
Line: 30    
haben. die dritten sint ûfersneken, die an dem   30
Line: 31    
ûfer und an dem gestat ligent in der faulen erden und
Line: 32    
in den pfüeln oder in den lachen, faulz ertreich ist.
Line: 33    
die vierden sint pachsneken, die in den pächen und in

Page: 259  
Line: 1    
den süezen wazzern wonent. etleich sprechent (aber ez
Line: 2    
ist ungeläupleich), daz diu schef træger sein in irm gang,
Line: 3    
die sneken zder rehten seiten dar an hangen.



Chapter / Strophe: 28     28.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM TRIBIAN



Line: 6    
Trebius haizt ain tribian. daz ist ain swarzer visch
Line: 7    
und ist ains fuozes lang, und Plinius spricht, daz er die
Line: 8    
kraft hab, sei daz man sein ain stuck in salz leg und ez
Line: 9    
dar inn behalt, vall ain stuck goldes in ainen tiefen prun\nen
Line: 10    
und hab man daz stuck des visches dar zuo, ez zieh   10
Line: 11    
ez her auz dem gar tiefen prunnen.



Chapter / Strophe: 29     29.
Line: 12    
Line: 13    
VON DER MERSLANGEN.



Line: 14    
Vipera marina haizt ain merslang. daz ist ain mer\visch,
Line: 15    
der ist zeitleich klain, wan er ist wênig mêrer   15
Line: 16    
denne ains elnpogen lang. er tregt an dem haupt ob den
Line: 17    
augen ain spitzigz horn, daz ist klain und vergiftig unz in
Line: 18    
den tôt. welichen menschen er verwunt mit dem horn,
Line: 19    
den vergift er unz in den tôt, und daz behüetent die
Line: 20    
vischær. wan si in gevangen habent, enköpfent si   20
Line: 21    
in, und daz ander tail nützent die menschen, wan ez ist
Line: 22    
gar guot ze ezzen.




Next part



This text is part of the TITUS edition of Konrad von Megenburg, Buch der Natur.

Copyright TITUS Project, Frankfurt a/M, 12.9.2008. No parts of this document may be republished in any form without prior permission by the copyright holder.