TITUS
Konrad von Megenburg, Buch der Natur
Part No. 7
Previous part

Book: IIIE     III.
Line: 23    
Line: 24    
E.

Line: 25    
VON DEN SLANGEN
Line: 26    
UND DES ÊRSTEN IN AINER GEMAIN.



Line: 27    Wir schüllen nu sagen von den slangen und des
Line: 28    
êrsten in ainer gemain. Aristotiles spricht, der slangen

Page: 260  
Line: 1    
zung ist behend, lang, swarz und gespalten und dar umb
Line: 2    
gêt si verr her auz auz dem mund. der slangen herz ist
Line: 3    
ze næhst nâch dem hals und ist geleich aim niern. die
Line: 4    
grôzen slangen habent ir vergift an der lebern, aber die
Line: 5    
klainen habent ir vergift in dem ingewaid. verplendet   5
Line: 6    
man ain slangen, si wirt wider gesehend. sleht man ir
Line: 7    
den swanz ab, er wehset ir wider von nâtûr, sam der
Line: 8    
egdehsen. diu slang hât dreizig rippe. die slangen ko\ment
Line: 9    
nâh zuo enander in irr unkäusch, daz ainen
Line: 10    
menschen dunket, si sein neur ain leip und hab der leip   10
Line: 11    
zwai haupt. ain iegleich slang izt ân underschaid kraut
Line: 12    
und auch flaisch. diu slang trinkt wênig, aber si begert
Line: 13    
sêr weins und dar umb zement und lockent si die slangen\vâher
Line: 14    
mit wein. wenn diu slang den menschen getœtt
Line: 15    
hât mit irm hecken, nimt si daz ertreich niht mêr noch   15
Line: 16    
haimet si mêr: si muoz ir sünd püezen, wan si stirbt
Line: 17    
kürzleich dar nâch, sam Plinius spricht. diu slang mag
Line: 18    
niht mêr denn neur ains ertœten, neur ze aim mâl und
Line: 19    
niht mêr, denn neur allain der salamander der ertœtt mêr
Line: 20    
denn ains. Plinius spricht, daz diu vergift niht anderz   20
Line: 21    
sei denn der slangen fäuht in der gallen und diu fäuht
Line: 22    
gêt von der gallen under dem ruck in den âdern zuo
Line: 23    
dem mund und zuo dem zagel oder zuo dem swanz, als
Line: 24    
man auch siht an dem schorpen. die slangen in der
Line: 25    
Syren lant laidigent niemant und dar umb tœtent si die   25
Line: 26    
läut in dem land niht. alsô spricht auch Aristotiles, daz
Line: 27    
in dem land Lacedonia ain perg sei, kain schorp die
Line: 28    
gest laidig, aber si laidigen die wirt und die in dem land
Line: 29    
wonent. die slangen sint von nâtûr hitzig und dar umb,
Line: 30    
wenn si erkaltent, schadent si wênig oder gar niht.   30
Line: 31    
si schadent des nahtes minner denn an dem tag, wan si
Line: 32    
werdent des nahtes kalt von dem taw. die von vergift
Line: 33    
sterbent die erstarrent des êrsten, aber diu vergift er\hitzt,
Line: 34    
tœtt si den menschen mit derren und mit dürr
Line: 35    
machen. aber man spricht, daz diu vergift dem menschen   35
Line: 36    
niht geschaden müg, si rüer denn sein pluot des êrsten.

Page: 261  
Line: 1    
man spricht auch, daz die slangen den nakenden men\schen
Line: 2    
förhten und vliehen und getürren in niht gelai\digen.
Line: 3    
Ambrosius spricht, daz ains nüehtarn menschen
Line: 4    
spaichel die slangen ertœt, wan ist daz diu slang der
Line: 5    
spaicheln ain klain berüert, stirbt si zehant. eyâ,   5
Line: 6    
mensch, nu sich, wie grôze kraft diu vaste hât, daz si
Line: 7    
mit der spaicheln ain erdisch slangen ertœt! treun, ist
Line: 8    
daz pilleich, daz diu vast auch wider die gaistleichen
Line: 9    
slangen helf, daz ist wider die pœsen gaist. ez ist als
Line: 10    
mangerlai vergift, diu von den slangen kümt, als man\gerlai   10
Line: 11    
slangen sint. ez sint vil pôshait merkleicher an
Line: 12    
in, als vil ir nâtûr gezwaiet ist. si tuont vil smerzen
Line: 13    
den läuten, als vil varb an in gezwaiet ist. der slangen
Line: 14    
milz ist clain und sinbel. diu slang pirgt ir haupt und
Line: 15    
slingt den ganzen leip dar umb und wirft sich alsô gegen   15
Line: 16    
dem veind, wan si daz haupt beschirmt, beleibt si
Line: 17    
lebendig ân daz ander tail des leibs. wenn diu slang in
Line: 18    
daz wazzer wil, læzt si vor die vergift, und wenn si
Line: 19    
wider auz dem wazzer kümt, nimt si die vergift wider,
Line: 20    
und vermisset si der vergift, alsô daz si ir niht vindet,   20
Line: 21    
sleht si daz haupt oft auf die erd, unz daz si vor lait
Line: 22    
stirbt. diu slang fleuht allen guoten smack und stirbt
Line: 23    
oft von. man spricht auch, daz auz des menschen
Line: 24    
mark slangen werden und allermaist auz des ruks dorn.
Line: 25    
Rabanus spricht, daz ze latein vergift als vil gesprochen   25
Line: 26    
sei als ain æderling, dar umb, daz diu vergift in die âdern
Line: 27    
gêt, wan vena ze latein haizt âder, dannen kümt daz
Line: 28    
wort venenum ze latein, daz haizt vergift, wan als vor
Line: 29    
gesprochen ist, diu vergift schadt niht, ê si daz pluot
Line: 30    
berüert. all vergift ist kalt von nâtûr und von fleuht   30
Line: 31    
daz leben die vergift, wan daz leben stêt an wirm und
Line: 32    
an fäuhten. Aristotiles spricht, daz der slangen aigenchait
Line: 33    
sei, daz si daz haupt gewegen müg ân den leichnamen.
Line: 34    
Rabanus spricht, all slangen habent trüebz gesiht und
Line: 35    
dar umb siht si daz ir widerwârtig ist selten, wan die   35
Line: 36    
slangen habent ir augen niht an der stirn, si habent si

Page: 262  
Line: 1    
an dem slâf und dar umb hœrent si ê daz si sehen.
Line: 2    
Alexander spricht, diu slang vertreibet ir plinthait mit
Line: 3    
fenchel ezzen, und dar umb, wenn si enpfindet, daz ir
Line: 4    
augen vinster sint, kan si ir selber erzneien mit kunst,
Line: 5    
diu si niht betreuget. Aristotiles spricht, daz kain ander   5
Line: 6    
tier sein zungen snell weg sam die slang, wan si wegt
Line: 7    
ir zungen snell, daz ainz dunket, si hab drei zungen,
Line: 8    
und hât doch neur ain. Augustînus spricht, diu vergift
Line: 9    
ist des menschen tôt und der slangen leben.



Chapter / Strophe: 1     1.
Line: 10    
Line: 11    
VON DER ASPEN.



Line: 12    
Aspis haizt ain asp. daz ist ain slang wahsvar oder
Line: 13    
gel. diu læzt vergift in irm piz und zesträwet ir gift mit
Line: 14    
irm peizen und von hât si den namen, wan aspis in
Line: 15    
kriechisch ist als vil gesprochen als vergift. Jacobus der   15
Line: 16    
maister spricht, daz diu slang von etleicher wort kraft
Line: 17    
gepunden werd, alsô daz si mit irr gift niht geschaden
Line: 18    
müg, und wirt auch dar umb mit den selben worten an\gesprochen,
Line: 19    
daz man si dester fridleicher vâh und daz
Line: 20    
man auz ir stirn genemen müg ainen edeln stain, der   20
Line: 21    
von nâtûr wehset. aber si hât ain kündichait wider
Line: 22    
daz ansprechen, wan si druket ain ôr auf die erden und
Line: 23    
verschoppet daz ander ôr mit dem zagel, daz si des an\sprechers
Line: 24    
stimm iht hœr. Lucânus haizt die slangen ain
Line: 25    
slâfpringerinne, wan wer von ir verwunt wirt, der slæft   25
Line: 26    
unz in den tôt. Solînus spricht, daz diu asp ir leben
Line: 27    
vertreib neur mit irem geleichen und dar umb, wenn ir
Line: 28    
gemahel ertœt wirt, sleicht si dem tœter ümmer mêr
Line: 29    
nâch, dar umb, daz si ir liep rech, und si in vindet,
Line: 30    
wie mit grôzem volk ez sei, auf wazzer oder auf erd,   30
Line: 31    
ertœtt si irs liebes morder, mag niht vor gesein.
Line: 32    
als ain vorschær spricht, diu asp schadet den läuten von
Line: 33    
dem land Africa niht noch schadet den läuten von Syria,
Line: 34    
und dar umb legent die läut iriu kint für derlai slangen.

Page: 263  
Line: 1    
ist dan daz si die slangen laidigent, habent si si niht
Line: 2    
für ireu kint und mainent, diu kindel sein pankhärtel.
Line: 3    
ist aber, daz si diu kindel niht laidigent, ziehent si
Line: 4    
die läut als ir aigeneu kint.



Chapter / Strophe: 2     2.
Line: 5    
Line: 6    
VON DER ANSIBÊN.



Line: 7    
Ansibena oder amphisibena haizt ain ansibên. daz
Line: 8    
ist ain slang, diu hât zwai haupt, ainz an der rehten
Line: 9    
hauptstat, daz ander hinden an dem swanz oder an dem
Line: 10    
zagel und daz selb haupt machet, daz diu slang kraiz\lingen   10
Line: 11    
lauft und hin und her zeuht. die slangen haizt
Line: 12    
Solînus in seinem puoch amphis, daz ist in kriechisch als
Line: 13    
vil gesprochen als ain zweivel, wan ez ist zweivel, mit
Line: 14    
welhem haupt diu slang für well gên. aber Aristotiles
Line: 15    
sagt von slangen in den landen gegen der sunnen auf\ganch,   15
Line: 16    
die zwai haupt haben, und spricht, daz diu zwai
Line: 17    
haupt komen von ainem geprechen der nâtûr in der
Line: 18    
muoter leib oder in irr gepurt. die selben slangen habent
Line: 19    
zwai haupt und ainen leip und paideu haupt ezzent in
Line: 20    
ainen leip. si slingent sich auch mit paiden haupten   20
Line: 21    
gegen den veinden. maister Jorach spricht in seinem
Line: 22    
puoch von den tiern, daz diu slang amphisibena gar
Line: 23    
wächig sei, wenn si ir air prüett, daz ain haupt allzeit
Line: 24    
slâf und daz ander wach.



Chapter / Strophe: 3     3.
Line: 25    
Line: 26    
VON DEM UNKEN.



Line: 27    
Basiliscus haizt ain unk. der ist ain künich aller
Line: 28    
slangen, sam Jacobus spricht, wan basiliscus in kriechisch
Line: 29    
haizt ain künigel ze däutsch. der unk ist ain sunderleich
Line: 30    
übel auf ertreich. an der leng ist er halbfüezig und hât   30
Line: 31    
weizeu flekel auf dem haupt, reht als ob er geziert sei
Line: 32    
mit ainer krôn. den unk vliehent all slangen und

Page: 264  
Line: 1    
fürhtent in, wan er tœt si neur mit seim anhûchen, aber
Line: 2    
er tœt die läut neur mit seinem vergiftigen anplik. wan
Line: 3    
ist, daz er den menschen ê an siht, stirbt der mensch;
Line: 4    
siht aber der mensch den unken ê, stirbt der unk,
Line: 5    
sam Jacobus spricht. kain vogel mag ân schaden für   5
Line: 6    
den unk komen, wan der unk wont, vergift er
Line: 7    
den luft ze mâl und verderbt die kräuter und vergift die
Line: 8    
paum und verwüest si. er verderbt die schüzling und
Line: 9    
velscht den luft alsô vast, daz kain vogel durch ge\vliegen
Line: 10    
mag ân schaden. er zepricht die herten stain   10
Line: 11    
neur mit seim âtem, der auz seim hals gêt. wenn er sich
Line: 12    
wegt, erhebt er sich neur ze mitelst und erhœht sich
Line: 13    
und slingt alsô waz er mit seinem piz rüert. daz
Line: 14    
vliehent alleu tier und allez gefügel. sein wispeln fürh\tent
Line: 15    
all ander slangen, wan er tœtt andreu tier mit wis\peln.   15
Line: 16    
iedoch gesigt im diu wisel an und dar umb nement
Line: 17    
die weisen läut wiseln und lâzent si in diu hölr, die
Line: 18    
unk wonent; und der unk tôt ist, sterbent auch
Line: 19    
die wiseln, sam Plinius spricht. iedoch hât der tôt unk
Line: 20    
sein kraft, wan man den aschen hin klaibt, der auz   20
Line: 21    
dem unk geprant wirt, mag kain spinn ir netz ge\weben
Line: 22    
und mag kain vergiftez tier gewonen noch
Line: 23    
mügent die vogel gesmaizen. und daz ist wâr: in
Line: 24    
welhem tail des hauses sein ein stuck wont, mag kain
Line: 25    
vergiftig tier hin. man spricht auch, daz der asch auz   25
Line: 26    
dem unk geprant die art hab, wer silber mit salb
Line: 27    
und temperier, daz nem goltvarwe. ez ist ainerlai unk,
Line: 28    
die vliegent; aber si koment auz dem land niht, si inn
Line: 29    
geporn werdent. ez ist auch ainerlai unk, die auz dem
Line: 30    
ai werdent, daz ain han legt, der neun jâr alt ist, als   30
Line: 31    
die alten weisen sagent. ich weiz auch ainen guoten
Line: 32    
freunt, der daz sach mit seinen augen, daz ain gelêrter
Line: 33    
man ainen unk macht auz lautern totern, diu er in ain
Line: 34    
peckein satzt in ainer kamern. und er in gezôch, daz
Line: 35    
er wart als ain klainz hüenl, liez er oben in daz glas   35
Line: 36    
spinnen und rauten dar inn er den unk het, die ertôten

Page: 265  
Line: 1    
in und dar nâch pulvert er in und würkt mit dem pulver
Line: 2    
daz er wolt.



Chapter / Strophe: 4     4.
Line: 3    
Line: 4    
VON DER BOA.



Line: 5    
Boa ist ain slang, diu wont in dem land Calabria,   5
Line: 6    
alsô spricht Solînus. diu slang wirt unmæzicleichen grôz
Line: 7    
in dér weis. si müet und laidigt des êrsten diu wilden
Line: 8    
rint und auch diu haimischen, alsô daz si sich legt an
Line: 9    
der rinder äuter, diu gar vil milch gebent, und seugt ân
Line: 10    
underlâz die vaizten milch und treibt daz lang, unz   10
Line: 11    
daz si grôz gewehset, daz irr grœz kain sterk noch
Line: 12    
kain kraft wider mag gesein, und ze letzt vertreibt si ain
Line: 13    
ganzez lant und macht daz wüest von läuten und von
Line: 14    
frühten. von schreibt Jeronimus und spricht alsô.
Line: 15    
der hailig herr sant Hylarion wart gepeten von dem volk,   15
Line: 16    
daz er daz tier ertœtt in ainem land. daz tet er und ge\pot
Line: 17    
dem tier, daz ez oben auf ainen holzhaufen stig. daz
Line: 18    
tet ez betwungen in der kraft gotes. stiez er ain feur
Line: 19    
dar under und verprant daz grausam tier. Plinius spricht
Line: 20    
von dem tier, daz ez grôz sei, daz ez hirz und rinder   20
Line: 21    
verslind, und daz selb sagt auch der hailigen väter ge\schrift.
Line: 22    
ez sprechent auch etleich, daz diu slang derlai
Line: 23    
slangen sei gewesen, die Regulus der Rœmer herzog hie
Line: 24    
vor ertœtt, sam der Rœmer wâr schrift sagt und ir cronik,
Line: 25    
daz ist diu schrift von den geschehen dingen in den   25
Line: 26    
zeiten oder in den landen, wan die slangen ertœt Regulus
Line: 27    
in dem land Africa und diu was an der leng hundert und
Line: 28    
zwainzig schuoh grôz und lanch, und man ir die haut ab
Line: 29    
gezôch, prâht man si ze Rôm an die gemain kaffât,
Line: 30    
si all läut an sâhen, und des tiers kinpacken hiengen   30
Line: 31    
die Rœmer auf zuo aim wunder. Plinius schreibt von
Line: 32    
der slangen und spricht, wenn man si vâhen well,
Line: 33    
müez man si mit armbrüsten twingen und mit anderm
Line: 34    
gezeug, reht als der ain vest gewinnen well.

Page: 266  



Chapter / Strophe: 5     5.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM BERN.



Line: 3    
Berus haizt ain ber. diu ist die schalkhaftigst under
Line: 4    
allen slangen, sam ain vorscher spricht, und ist kündiger
Line: 5    
wan kain ander slang. diu slang lokt den visch murên   5
Line: 6    
auz dem wazzer mit irm wispeln an daz gestat und scherzt
Line: 7    
denn mit der murên, dar umb, daz si si enzünd zuo un\käusch.
Line: 8    
ist diu murên waichs willen und læzt sich
Line: 9    
piegen zuo der unkäusch. daz pringet ir dick den tôt,
Line: 10    
wan die vischær lâgent der murên und fürkoment si dick,   10
Line: 11    
ê si wider zuo dem wazzer kümt, und tœtent si. alsô
Line: 12    
muoz si den tôt leiden umb ir schuld. Pei der murên
Line: 13    
verstêt man die frawen, die sich lâzent locken auz irn
Line: 14    
häusern mit schalmeien und mit fideln und mit andern
Line: 15    
gepærden. wenn si ir unstæt habent geüebt, tœtt si   15
Line: 16    
der pœs gaist an der sêl.



Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 17    
Line: 18    
VON DER CERASTEN.



Line: 19    
Cerastes haizt ain cerast. daz ist ain slang, diu hât
Line: 20    
neun oder aht hörner auf dem haupt, diu geleichent   20
Line: 21    
eines widers hörnern. diu slang hât die art, daz si sich
Line: 22    
gar verpirgt in die erd ân diu hörner, diu læzt si ob der
Line: 23    
erd, und wenn die spirken oder ander vogel auf diu hör\ner
Line: 24    
sitzent und dar auf ruoent, begreift si diu slang
Line: 25    
und zereizt si. diu slang ist mêr piegleich denn ander   25
Line: 26    
slangen und mag paz geslingen denn die andern, dar
Line: 27    
umb, daz si nihts hât, von si stærr sei. wenn man der
Line: 28    
slangen horn auf der reicher läut tisch setzt, ist vergift
Line: 29    
auf dem tisch, switzet daz horn, und auz den hörnern
Line: 30    
macht man mezzerheft. diu mezzer legte man hie vor   30
Line: 31    
auf der kaiser tisch des aller êrsten, daz man pei der
Line: 32    
mezzer switzen erkant, ob kain ezzen vergift wær oder
Line: 33    
kain trank.

Page: 267  


Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER CILIDER.



Line: 3    
Cilydros haizt ain cilider. diu ist ain slang, sam
Line: 4    
Isidorus spricht, diu wont auf dem land und auch in dem
Line: 5    
wazzer und von hât si den namen. cilydrοs ist in   5
Line: 6    
kriechisch vil als ertwazzer, wan citrοn haizt erd in
Line: 7    
kriechischen, haizt ydrοs wazzer, von den zwain worten
Line: 8    
kümt der gesament nam cilydrοs. diu slang auf die
Line: 9    
erden gêt, macht si die erden rauchend, und gêt
Line: 10    
allzeit aufgereht, wan stieze si sich wenn si läuft,    10
Line: 11    
zespielt si vonenander.



Chapter / Strophe: 8     8.
Line: 12    
Line: 13    
VON DER CENKER.



Line: 14    
Cencris haizt ain cenker. diu slang ist unpiegleich,
Line: 15    
wan si ist stärr, daz si sich niht gepiegen mag, sam   15
Line: 16    
Isidorus spricht. diu slang macht allzeit den rehten weg,
Line: 17    
alsô daz si niht peiwegig ist. von spricht Lucânus: diu
Line: 18    
cenker sleift allzeit an dem rehten steig. aber centipeda
Line: 19    
haizt ain hundertfüezel, dar umb, daz diu selb slang gar
Line: 20    
vil füez hât, sam Isidorus spricht.   20



Chapter / Strophe: 9     9.
Line: 21    
Line: 22    
VON DER DISPEN.



Line: 23    
Dipsas haizt ain dispe. diu slang ist behend,
Line: 24    
sam Jacobus und Solînus sprechent, daz si unsihticleich
Line: 25    
die läut hekt, und wenn man si tritt, siht man ir niht.   25
Line: 26    
diu slang tœtt mit durst, wan si zeplæt mit und swellt
Line: 27    
und alsô tœtt ir vergift den menschen, sam Solînus
Line: 28    
spricht. diu vergift bedäutt hôhfart, wan diu zeplæt auch.
Line: 29    
ain vorscher spricht, daz diu slang alsô die läut tœt, daz
Line: 30    
sich des tôten antlütz in kain trauren stell noch schick,   30
Line: 31    
sam wir doch gemainleich sehen an der tôten antlütz,

Page: 268  
Line: 1    
daz si trauricleich und wainleich gestalt sint. alsô fürkümt
Line: 2    
der tôt des vergiften menschen antlütz. alsô geschiht an
Line: 3    
den hôhvertigen, die verkêrent ir antlütz gar kaum in
Line: 4    
trauren und in wainen umb ir schuld und etleich nümmer,
Line: 5    
als wol schein ist an dem pœsen gaist, der neur von   5
Line: 6    
seiner hôchvart gevallen ist und nie got gepat umb aplâz
Line: 7    
seiner sünd noch gibt sich nümmer schuldig seiner sünd.
Line: 8    
Jacobus spricht, daz dreirlai slangen sein, die daz gläubig
Line: 9    
volk pei Moyses zeiten laidigten in der wüesten, und wider
Line: 10    
die slangen riht Moyses ain erein slangen auf ainem rigel   10
Line: 11    
von gotes gepot. diu erein oder diu glokspeisein slang
Line: 12    
half wider die dreirlai lebendiger slangen. der êrsten lai
Line: 13    
wâren dispen, die andern wâren siteln, und die dritten
Line: 14    
scorpen.



Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 15    
Line: 16    
VON DEM TRACKEN.



Line: 17    
Draco ist der grœsten tier ainz, daz diu werlt hât,
Line: 18    
sam Jacobus und Augustînus sprechent. daz tier hât niht
Line: 19    
vergift. er ist gekrœnt auf dem haupt nâch der grœzen
Line: 20    
seins leibes, reht als er ainen grôzen kamp hab. er hât   20
Line: 21    
ainen engen munt und hât klain halsâdern. wenn er gêt,
Line: 22    
reckt er sein zungen für den munt. er greint und
Line: 23    
ginet mit dem maul, aber er schatt mit den zenden niht
Line: 24    
vil, iedoch ist sein piz gar schad, wie daz sei daz der
Line: 25    
piz klain sei, sam ain vorscher spricht. aber der gar   25
Line: 26    
grôz schad kümt niht von den zenden, er kümt von,
Line: 27    
daz er vergiftez dinch izt. wen der track mit seim zagel
Line: 28    
pint, den tœtt er, wan vor dem mag der grôz helfant niht
Line: 29    
sicher gesein. in dem lenzen undäut der track und wüllet
Line: 30    
im. daz selb übel vertreibt er mit lattuken saff, sam   30
Line: 31    
Plinius spricht. er wont daz mêrer tail in holen pergen
Line: 32    
und allermaist stainrütschen sint. daz tuot er umb
Line: 33    
die übrigen hitz seines leibes und seiner nâtûr und aller\maist
Line: 34    
suocht er die stet wenn er geflogen hât, und auch

Page: 269  
Line: 1    
etswenn durch der grôzer hitz willen, diu von der sunnen
Line: 2    
kümt sumerzeiten, wan diu hitz ist gar grôz in den lan\den
Line: 3    
gegen der sunnen aufganch, der track wont.
Line: 4    
sein stimm und sein geschrai erschrecket die läut. sein
Line: 5    
gesicht ist graussam den läuten, daz si ez niht erleiden   5
Line: 6    
mügent und daz si etswenn von sterbent. wenn der
Line: 7    
track in sein alter kümt und zuo seinr pilleichen grœze,
Line: 8    
lebt er lang ân ezzen, sam Aristotiles spricht, und
Line: 9    
er izt, wirt er niht gar leiht sat. Augustînus
Line: 10    
spricht, daz der track gern won in den tiefen abgrünten   10
Line: 11    
der erd, und wenn er ains ungewiters enpfint, sleuft
Line: 12    
er etswenn her auz und fleugt gar hôch über die lüft und
Line: 13    
zetailt den luft mit seinen gar grôzen flügeln und treibt
Line: 14    
den luft von aim stuck in daz ander. sein flügel sint
Line: 15    
häutein, reht als ain grôzeu haut auf gespannen sei in der   15
Line: 16    
weis sam diu fledermaus flügel hât in irr mâze; aber des
Line: 17    
trachen flügel sint gar grôz nâch der grœz seins leibes.
Line: 18    
er wont verunraint er den luft mit seim âtem, der
Line: 19    
im auz dem hals gêt. er hât ain tôtpringendez anhûchen
Line: 20    
oder anplâsen auz seinem hals, mit pringt er tœtleich   20
Line: 21    
siehtüem. ez ist auch ainrlai trachen, der hât niht füez und
Line: 22    
slingt neur auf der prust an der erden, und ainr ander lai
Line: 23    
trachen die hânt füez, aber die sint seltsein. Adelînus
Line: 24    
spricht, daz man auz seim hirn ainen stein sneid, der
Line: 25    
haizt draconica oder draconcides und haizt ze däutsch   25
Line: 26    
drachenstain, als her nâch kunt wirt, wenne wir von den
Line: 27    
edeln stainen sagen. aber der stain hât kain adel, man
Line: 28    
zieh in dann auz des lebendigen drachen hirn, wan man
Line: 29    
sleht si mit aim slag ungewarnt oder unfürsihticleich,
Line: 30    
wenn si sumerzeiten an der sunnen ruoent, und sleht si   30
Line: 31    
durch daz haupt und zeuht den stain her auz, wenn si
Line: 32    
dannoch krefticleich zabelnt. des trachen zung und sein
Line: 33    
gall gekocht in wein sint ain erznei den, die anvehtung
Line: 34    
habent von den pœsen gaisten, wenn man ir leib mit
Line: 35    
salbet. des trachen flaisch ist glasvar und erküelt die   35
Line: 36    
ez ezzent, und dar umb ezzent ez die môrn in der gar

Page: 270  
Line: 1    
grôzen hitz, die si habent in irm land, wan daz flaisch
Line: 2    
ist kalter nâtûr. der trach erhitzet gar vast in seim flug,
Line: 3    
und dar nâch begert er sich widerzepringen mit des
Line: 4    
helphandes pluot, wan daz selb pluot küelt gar vast.
Line: 5    
er fürht des donrs galm und daz himelplatzen mêr dann   5
Line: 6    
kain ander tier, und dar umb, wenn er den donr hœrt,
Line: 7    
fleucht er in diu hölr, und daz ist pilleich, wan der
Line: 8    
donr ist im scheder denn kaim andern tier, sam Plinius
Line: 9    
spricht. aber der donr schadet dem adlarn aller minst
Line: 10    
und schadet auch dem lorpâm niht. der trach wehset   10
Line: 11    
zwainzig daumeln lang oder mêr und wirt grôz, daz
Line: 12    
er seinen aufsitzer gar verr füert auf im selber, aber
Line: 13    
er müed wirt, senket er sich und die pürd in daz mer.
Line: 14    
wenn man in verjagen wil oder vorhtig machen, nimt
Line: 15    
man ain aufgeplâsen plâtern und sleht dar auf mit   15
Line: 16    
coralleinn gärtleinn; den dôn oder daz klâppern fürht
Line: 17    
er und entweicht und wirt gehôrsam.



Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 18    
Line: 19    
VON DEM DRACHENKOPP.



Line: 20    
Draconcopes haizt ain drachenkopp und ist ain slang   20
Line: 21    
in Kriechenlant gar grôz und mâhtig, sam Adelînus spricht.
Line: 22    
diu slang hât ainr junkfrawen antlütz geleich ainem men\schen,
Line: 23    
aber daz ander tail irs leibes geleicht ainem dra\chen,
Line: 24    
nu sprechent die maister, daz diu slang derlai sei
Line: 25    
gewesen, diu Evam betrog in dem paradîs, wan Beda   25
Line: 26    
spricht, daz diu selb slang ain junkfrawenantlütz hab
Line: 27    
gehabt, dar umb, daz si mit gleicher gestalt Evam zämt
Line: 28    
und zuolocket, wan der mensch und ain iegleich tier
Line: 29    
nimt sein geleichz und ist lustig gegen im. diu selb slang,
Line: 30    
si Evam betrog, zaigt ir neur daz haupt und verparg   30
Line: 31    
daz ander tail under der paum pleter und buschen. wie
Line: 32    
aber der teufel daz gemachen moht, daz diu slang
Line: 33    
menschleicheu wort sprach, daz ist uns verporgen, wir
Line: 34    
wellen dann sprechen, daz diu selb slang halsâdern und

Page: 271  
Line: 1    
andern gezeug hab gehabt in dem hals und in dem haupt
Line: 2    
sam ain mensch, mit si geschikt wær zuo mensleichen
Line: 3    
worten, reht als wir sehen, daz etleich vogel menschleicheu
Line: 4    
wort für pringent, wenn man si des êrsten mit üebet.
Line: 5    
iedoch wæn ich und ist geläupleich, daz der teufel sich   5
Line: 6    
selber verkêrt in ainer slangen weis und auch mensch\leich
Line: 7    
sprâch mit Even rett, wan er mag sich verkêren in
Line: 8    
aller tier form. nu schaw, wie sich der teufel hât ge\macht
Line: 9    
auz menschleichem haupt und auz ains tracken
Line: 10    
leib, auz dem pesten leiphaftigen dinge und auz dem   10
Line: 11    
pœsten. der anplik was guot und käusch, aber daz end
Line: 12    
was vergiftig und tœtleich. , ach und owê got vater,
Line: 13    
lâz dich erparmen, daz ze meinen zeiten diu werlt vol
Line: 14    
ist worden der drachenkoppen, die iedem menschen
Line: 15    
guotes under diu augen erzaigent und ist daz end irr   15
Line: 16    
handlung valsch und vergiftig. verporgen pôshait mag
Line: 17    
wol haizen ain drachenkopp, aber verporgne güet und
Line: 18    
tugent mag wol haizen almagalan, daz ist als vil gespro\chen
Line: 19    
als ain verporgne käuschait in der menig oder in
Line: 20    
dem haufen des volkes. daz wort ist gesamnet auz he\braischen   20
Line: 21    
worten, wan alma haizt ain verporgneu käusch\ait,
Line: 22    
haizt gal ain hauf und an haizt ain volk. nu
Line: 23    
merk, wer ist almagalan. wærleich unser fraw, diu rain
Line: 24    
käusch magt voller gnâd, diu ist allzeit mit irr gnâd
Line: 25    
verporgen in dem haufen des sündigen volks und be\schirmt   25
Line: 26    
die sündær, die irn namen êrent, und sichert si
Line: 27    
vor allen drachenkoppen. und wizz, daz daz wort kain
Line: 28    
mensch hat gesament, ez kom aim grôzen sündær für in
Line: 29    
seim slâf mit wolgeflorierten puochstaben, dem het unser
Line: 30    
fraw geholfen auz grôzen kriegen und auz angsten, alsô   30
Line: 31    
daz ez die werlt wundert und auch den selben sündær,
Line: 32    
wie ez möht gesein. erzaigôt sich unser frawe dem
Line: 33    
sünder mit dem selben wort: verstuont er sein niht
Line: 34    
und suocht seineu stuck in den hebraischen wörtern,
Line: 35    
si geschriben sint zeletzt an etleichen wibeln, und vant   35
Line: 36    
ez, als vor geschriben ist. eyâ, Maria, lâz uns niht.

Page: 272  



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER IPNAPPEN.



Line: 3    
Ipnapis haizt ain ipnapp. daz ist ain slang, diu
Line: 4    
zeuht ir art von der slangen, diu aspis haizt, von wir
Line: 5    
vor gesait haben. alsô spricht Solînus. diu ipnapp hât die   5
Line: 6    
art, daz si die läut peizt und hekt und dar nâch werdent die
Line: 7    
läut slâfend und sterbent mit dem slâf, wan si senkt den
Line: 8    
slâf in den menschen mit irr vergift, und diu vergift mag
Line: 9    
von dem menschen niht vertriben werden. man list von
Line: 10    
ainer frawen, diu hiez Cleopatra, diu begreif derlai slan\gen   10
Line: 11    
ain mit dem denken arm und legt sich in ain grab
Line: 12    
zuo irm tôten wirt, der Antonius hiez, dar umb, daz si
Line: 13    
entslief von der slangen berüerung und daz si slâfend ir
Line: 14    
leben endet mit ainem gerüewigen tôd. alsô lieb hiet din
Line: 15    
fraw iren wirt.   15



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 16    
Line: 17    
VON DER EMOROIEN.



Line: 18    
Etleich puoch ze latein hât ain capitel vor dem, daz
Line: 19    
nun geschriben ist, und daz selb capitel sagt von ainr
Line: 20    
slangen, diu haizt emorois, daz ist ain emoroi oder ain   20
Line: 21    
kraftsaugerinn ze däutsch, wan, sam Isidorus spricht,
Line: 22    
welher mensch von der slangen gepizzen wirt, der switzet
Line: 23    
sein aigen pluot auz im selber alsô lang, daz sich all
Line: 24    
sein âdern entsliezent, und waz lebens in im ist, daz gêt
Line: 25    
auz im mit dem pluot, wan emach in kriechischer sprâch   25
Line: 26    
haizt pluot, dannen kümt der nam emοrοis und von
Line: 27    
kümt auch daz wort emoroides, daz sint die âdern, die
Line: 28    
sich zuo dem aftern endent an dem menschen und auz
Line: 29    
den selben âdern fleuzt den juden der rôt vluz und auch
Line: 30    
etleichen christen nâch des mônen änderung   30



Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 31    
Line: 32    
VON DER WAZZERSLANGEN.



Line: 33    
Ydros haizt ain wazzerslang, wan ydοr in kriechisch
Line: 34    
haizt wazzer, dannen kümt daz wort ydrοs. diu slang

Page: 273  
Line: 1    
wont gern in dem wazzer, daz Nilus haizt, sam Isidorus
Line: 2    
spricht, daz ist ain grôz wazzer in Egypten lant. wenn
Line: 3    
diu slang daz tier siht slâfen mit offem mund auf dem
Line: 4    
gestat pei dem selben wazzer, daz haizt cocodrillus,
Line: 5    
von dem vor geschriben ist, welzt si sich in ainem   5
Line: 6    
glaten laim, daz si dester paz durch des selben tiers
Line: 7    
maul geslupfen müg, und der cocodrill erwachet,
Line: 8    
verslint er die slangen. diu zereizt dan sein gedirm und
Line: 9    
kümt lebentig auz im. Plinius spricht, daz diu slang
Line: 10    
diu schœnist sei ob allen slangen. der slangen lebern   10
Line: 11    
behelt man zuo ainer erznei den, die geslagen werdent
Line: 12    
oder gehekt von den slangen, und wenn die läut gehekt
Line: 13    
werdent von derlai slangen, geswellent si, und den
Line: 14    
siehtuom haizt man ze latein boam, daz ist gesprochen
Line: 15    
ain rindersuht, dar umb, daz man den siehtuom vertreibt   15
Line: 16    
mit rindermist. ez sprechent auch etleich, daz ydra ain
Line: 17    
drach sei, der vil haupt hab, und der wær ainer in dem
Line: 18    
pfuol oder in der hül Lerna in dem land Archadia. der
Line: 19    
drach haizt ze latein excedra, daz spricht ze däutsch ain
Line: 20    
auzwähsel, dar umb, als die mærlær sagent, wenn man   20
Line: 21    
dem dracken ain haupt abslüeg, wüehsen im dreu an
Line: 22    
die stat. aber daz ist niht wâr. ez was ain stat, hiez
Line: 23    
Ydra, daz ist ain wazzerstat, diu was diezend mit wazzer
Line: 24    
und dôz vast, daz si die stat pei gelegen wüest
Line: 25    
macht, und man ie ain runst vermacht, entsprungen   25
Line: 26    
drei oder vier anderthalben. daz sach der helt Hercules
Line: 27    
und gruob daz ertreich ab aller ding und truog new erden
Line: 28    
und stain dar und beschütt den drôr ze mâl und macht
Line: 29    
die stat trucken. alsô tuot ain pœser mensch: wenn man
Line: 30    
im ain pôshait verpeutt und ez dar umb strâft, tuot   30
Line: 31    
ez vier pôshait für ain.



Chapter / Strophe: 15     15.
Line: 32    
Line: 33    
VON DER SCHOZSLANGEN.



Line: 34    
Jaculus haizt ain schozslang. diu fleugt, sam Isi\dorus
Line: 35    
spricht. von der spricht Lucânus: die snellen   35

Page: 274  
Line: 1    
schiezerinne, wann si springent auf die pæm und in
Line: 2    
ain tier begegent, werfent si sich auf ez alsô snell als
Line: 3    
ain geschoz, daz von ainem armprust vert oder auz ainer
Line: 4    
schozpüchsen, und tœtent daz tier. von haizt diu
Line: 5    
slang alsô. Gleicher weis tuont etleich läut, die snell   5
Line: 6    
sint mit irr urtail, daz si zehant ainz verurtailent und
Line: 7    
sprechent, ez hab unreht, ê si die wârhait verhœrent.



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 8    
Line: 9    
VON DER EGDEHSEN.



Line: 10    
Lacerta haizt ain egdehs und spricht Solînus, ez sei   10
Line: 11    
mêr ain wurm dann ain slang, wann si wispelt sänftic\leicher
Line: 12    
dann ain slang, wie daz sei daz si wispel in der
Line: 13    
selben weis, und hât auch ainen zagel sam ain slang. si
Line: 14    
hât ain gespalten zungen und diu ist rauch. si izt velt\spinnen.
Line: 15    
Plinius spricht, daz diu egdehs niht prüet ob   15
Line: 16    
irn airn oder ob irm gesmaiz, und wenn si vergizt der
Line: 17    
stat, si gepirt ireu air oder iren sâmen (wan si ist gar
Line: 18    
vergezzenleich), kriechent die jungen selber her für.
Line: 19    
der sint daz mêrer tail ainlif an der zal. etleich spre\chent,
Line: 20    
wenn diu muoter über diu kindel köm, frez si   20
Line: 21    
si alleu unz an ainz, daz daz aller vernünftigst under in
Line: 22    
ist, und daz setzet sich an der muoter legerstat. daz
Line: 23    
nu gewehset, richt ez sein prüeder und tœtt vater und
Line: 24    
muoter. ez sint egdehsen in dem land India, die habent
Line: 25    
nâch der leng irs leibes vierundzwainzig füez an der zal   25
Line: 26    
und sint gar scheinender varb. Isidorus spricht, daz diu
Line: 27    
egdehs ze latein lacerta haiz, von dem wort lacertus,
Line: 28    
daz haizt ain arm, wan si hât ärm. er spricht auch, daz
Line: 29    
mangerlai egdehsen sein, als borax, salamandra und stellio,
Line: 30    
von den wir her nâch sagen.   30



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 31    
Line: 32    
VON DER NATER.



Line: 33    
Natrix haizt ain nater. daz ist ain slang, sam Isi\dorus
Line: 34    
spricht, diu verunraint daz wazzer mit irr vergift,

Page: 275  
Line: 1    
wan in welhem prunnen si ist, des wazzer mischet si mit
Line: 2    
vergift, und von spricht Lucânus: diu nater ist ain
Line: 3    
zestœrerinn des wazzers. Pei der slangen verstên ich die
Line: 4    
velscher, die daz wazzer der weishait und der êwigen
Line: 5    
wârhait vergiftent mit der valscher lêr, die si dar ein   5
Line: 6    
mischent.



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 7    
Line: 8    
VON DER NADERN.



Line: 9    
Naderos haizt ain nader. daz ist ain slang in däut\schen
Line: 10    
landen und ist an der grœz als ains menschen arm   10
Line: 11    
und ist goltvar unden an dem leib, aber auf dem rukken
Line: 12    
ist si grüen. der slangen âtem und ir hûchen ist
Line: 13    
schedleich, daz er ainer newen gesnitenn gerten rinden,
Line: 14    
die man zuo irem mund habt, macht auf diezzend zuo
Line: 15    
plæterleinen, und der aufwal ist gar pitter und vergiftich.   15
Line: 16    
ist auch, daz man ain plôz swert zuo irm mund habt, alsô
Line: 17    
daz ir zung neur an die spitz rüert, daz swert vergift si
Line: 18    
vast, als ob ez mit ainer überigen hitz verwüest sei.
Line: 19    
welher mensch mit der vergift gelaidigt wirt, der stirbt,
Line: 20    
man helf im dann pei der zeit mit tiriaca, daz ist triaker.   20
Line: 21    
der vergift weis ist, daz si über sich arbait, wan trift si
Line: 22    
den menschen an dem fuoz, kreucht si von stunt ze
Line: 23    
stunden in der andern glider stuck, und daz ist von der
Line: 24    
grôzen hitz, diu an der vergift ist. dar umb kreucht si
Line: 25    
über sich sam daz feur tuot und kreucht lang, unz   25
Line: 26    
si an daz herz kümpt: vellt der mensch und stirbt.
Line: 27    
aber ez ist ain erznei wider. wenn der mensch ver\gift
Line: 28    
ist an dem fuoz, so schol man in mit den füezen
Line: 29    
aufhâhen und daz haupt ze tal naigen, mag diu ver\gift
Line: 30    
niht zuo dem herzen komen, wan si beleibt ze obrist   30
Line: 31    
an dem fuoz und kümt niht fürpaz. dar nâch muoz man
Line: 32    
daz vergift tail absneiden und muoz ez hailn mit zim\leicher
Line: 33    
erznei. wer sicherleich an der stat well gên,
Line: 34    
die slangen wonent, der schol sein füez reiben mit rauten
Line: 35    
und mit wermuot und sein hend und andreu glider, diu   35

Page: 276  
Line: 1    
unsicher sint, wan der kräuter kraft vliehent die slangen
Line: 2    
und getürrent diu glider niht gerüeren, diu mit dem saff
Line: 3    
geriben sint.



Chapter / Strophe: 19     19.
Line: 4    
Line: 5    
VON DER SCHELMSLANGEN.



Line: 6    
Pester mag ain schelmslang haizen, wan pestis haizt
Line: 7    
ain schelm. diu slang läuft allzeit mit offem mund, sam
Line: 8    
Jacobus und Solînus sprechent, und auz dem mund gêt
Line: 9    
allzeit ain vergiftig dunst. wen diu slang heket, der
Line: 10    
geswillt unmæzleichen grôz, als ob er wazzersühtig sei,   10
Line: 11    
und stirbt alsô.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 12    
Line: 13    
VON DER PARI.



Line: 14    
Parias haizt ain pari. daz ist ain slang, diu auf
Line: 15    
dem zagel gêt und macht ain furch mit irm gang auf   15
Line: 16    
dem waichen ertreich. von der spricht Lucânus:
Line: 17    
parias gêt, machet si ain furch an dem weg irs ganges.



Chapter / Strophe: 21     21.
Line: 18    
Line: 19    
VON DER RUTELN.



Line: 20    
Rutela haizt ain rutel. daz ist ain slang in den   20
Line: 21    
landen gegen der sunnen aufganch und ist guot zuo vil
Line: 22    
dingen und zuo erznei, sam Aristotiles spricht. die slangen
Line: 23    
vâhent die ärzt und die apotêker und behaltent si in
Line: 24    
pühsen und pei verstêt man, daz si lang zeit ungezzen
Line: 25    
mügent sein, und die selben art habent all slangen, daz   25
Line: 26    
si lang lebent ân ezzen, iedoch besunder die rutel.



Chapter / Strophe: 22     22.
Line: 27    
Line: 28    
VON DER SALAMANDER.



Line: 29    
Salamandra in kriechisch haizt stelliο, sam Jacobus
Line: 30    
spricht, und haizt auch gamaleοn, daz ist als vil gespro\chen   30
Line: 31    
als ain ertleo, sam Plinius und Adelînus sprechent.

Page: 277  
Line: 1    
diu salamander ist vierfüezig und hât ain antlütz sam ain
Line: 2    
egdehse. aber Aristotiles spricht, si hab ain antlütz ge\prochen
Line: 3    
nâch ainer mitten auz ains sweins antlütz und auz
Line: 4    
ains affen antlütz. Plinius spricht, si hab diu aftern pain
Line: 5    
auf gerekt und lenger wan diu vodern. diu selben pain   5
Line: 6    
sint irem pauch zuo gesmuckt. si hât ainen langen
Line: 7    
knodochten zagel, der ist an dem end gar smal. ir kräwel
Line: 8    
an den klâwen sint hakot und gar behend. si hât ainen
Line: 9    
scharpfen leib und ain haut als ain cocodrill. si lebt in
Line: 10    
dem feur und stirbt niht von und erlescht auch daz   10
Line: 11    
feur, sam Augustînus, Adelînus und Isidorus sprechent.
Line: 12    
ir ganch ist træg, reht als ains sneken, sam Solînus
Line: 13    
spricht. ir augen sint flach hin ein gezogen hinder sich
Line: 14    
und stênt allzeit offen. Plinius spricht, daz ir augen ze\mâl
Line: 15    
umbwalzen. ir leber ist in der denken seiten wider   15
Line: 16    
anderr tier art. ir munt stêt allzeit offen, wan si nützet
Line: 17    
irn munt niht zuo ezzen und zuo trinken, dar umb, daz
Line: 18    
si allain des himeltaws lebt und des luftes, sam Aristo\tiles
Line: 19    
spricht. diu salamander ist gar mager, wan si hât
Line: 20    
wênig pluotes, und dar umb ist si ain vorhtig tier, wan   20
Line: 21    
si hât wênig hitz. nu ist die hitz ain anprunst der ge\türstichait
Line: 22    
und der kuonhait. der salamander vorht ist
Line: 23    
ain ursach, war umb si manigverbich ist, wan von ir vorht
Line: 24    
fleuht si zuo mangerlai dingen und verleust ir vordren varb
Line: 25    
leiht neur über ain stund. daz ist ir art, und dar umb,   25
Line: 26    
welherlai ding si sich zuo gefüegt, dar nach verbt si sich,
Line: 27    
sam Ambrosius spricht. aber si mag zwairlai varb niht
Line: 28    
beheften, weiz und rôt. ir leib ist vil nâch ân allez
Line: 29    
flaisch und vint man ain wênig pluotes in irm herzen.
Line: 30    
si hât niht milzen. si loschet in dem winter und ist ver\porgen,   30
Line: 31    
aber in dem lenzen kümt si her für. Isidorus
Line: 32    
spricht, daz kainerlai tier schädleich sei mit seiner ver\gift
Line: 33    
sam diu salamander, wan andreu tier ertœtent neur
Line: 34    
ainen menschen nâch dem andern, aber diu salamander
Line: 35    
ertœtt ir vil mitenander, wan si in ainen paum kümt,   35
Line: 36    
vergift si die öpfel all zemâl, und wer der öpfel izt,

Page: 278  
Line: 1    
der stirbt. vellt aber si in ainen prunnen, wer des trinket,
Line: 2    
der stirbt auch. der salamandern ist gar vil in Asia. si
Line: 3    
habent niht ern und sien under in. ain iegleicheu
Line: 4    
legt air si wil, reht als die hennen, und dar auz
Line: 5    
werdent jung salamander. man spricht, daz ain pâbist,   5
Line: 6    
Alexander, ain gewant het, daz was gemachet auz des tiers
Line: 7    
wollen, und wenn man daz rainigen wolt, wuosch man
Line: 8    
ez mit anderm wazzer niht, dann daz man ez in ain feur
Line: 9    
warf, von wart ez weiz. ez spricht Albertus, daz er
Line: 10    
selber mit seiner hant ain snuor in ain geweltigez feur   10
Line: 11    
würf; diu was gemacht auz des tiers wollen, und liez si
Line: 12    
lang in dem feur, unz daz si glüend wart als ain haiz
Line: 13    
eisen. zôch er si her auz, und si erkuolt, han\delt
Line: 14    
er si mit vleiz in seinen handen und vant nie kain
Line: 15    
hâr verprunnen. ez spricht auch Isidorus von derlai   15
Line: 16    
snuor ainer, daz si nie verlaidigt moht werden von dem
Line: 17    
feur. Der salamandern geleichet ain prinnendeu sêl, diu
Line: 18    
vast glüet in den flammen und in der prunst der göt\leichen
Line: 19    
minne, daz si kain flaisch an ir hât unrainer gir.
Line: 20    
diu sêl lebt neur des tawes götleicher gnâden und des   20
Line: 21    
luftes, daz sint die gâb des hailigen gaistes, und in dem
Line: 22    
feur wirt si rain und clâr, daz der götleich schein
Line: 23    
dar inne läuht als in ainem zarten spiegel, den im got
Line: 24    
selb behalten hât zuo aim sunderleichem schatz, niht zuo
Line: 25    
aim klainen, wan got aht die sêl niht klain, er schätzet   25
Line: 26    
si als sein schatzpær liep, nâch im selber gepildet. nu
Line: 27    
wizz, welher mensch auf ertreich der flammen ain tail
Line: 28    
begreift und sich dik dar inne üebt, dem wirt ze stunden
Line: 29    
wol, daz all sein auzwendigen sinn beslozzen werdent
Line: 30    
und daz ez enzukt wirt in ain zart süezen, daz ich rüd   30
Line: 31    
dir daz niht gesagen kan. iedoch hân ich ain klain an\gehebt
Line: 32    
ze spinnen von der lieb an ainer andern stat und
Line: 33    
main, ich well ain guldein keten dar auz weben, hilft
Line: 34    
mir diu rain, der ich mich mit leib und mit sêl hân der\geben.
Line: 35    
aber diu lieb, die man hât in diser werlt zuo   35
Line: 36    
vergancleichen dingen, diu krenkt leib und sêl, und diu

Page: 279  
Line: 1    
minnend sêl geleicht ainem dürren schaub, der zehant
Line: 2    
verswint in der flammen.



Chapter / Strophe: 23     23.
Line: 3    
Line: 4    
VON DER SERPEN.



Line: 5    
Serps haizt ain serp. daz ist ain slang, sam Isidorus   5
Line: 6    
spricht, diu ist gar clain. diu hât die art, daz si mit
Line: 7    
ir vergift flaisch und pain verzert. Pei der serpen ver\stên
Line: 8    
ich ain häzzigz herz, daz verzert dem menschen leib
Line: 9    
und kraft.



Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 10    
Line: 11    
VON DER SEURN.



Line: 12    
Saura haizt ain seur, und ain ander puoch hât sal\burra
Line: 13    
ze latein, daz ist ainr lai egdehs, sam Isidorus
Line: 14    
spricht. wenn diu veraltent, wirt si plint und dar
Line: 15    
umb setzet si sich dann in ainr wend loch gegen der   15
Line: 16    
sunnen aufganch und kêrt sich gegen der sunnen, unz
Line: 17    
daz si wider gesehen wirt. Pei der seuren verstên ich
Line: 18    
den menschen, den diu gemainschaft diser werlt hât ver\plendet
Line: 19    
an der vernunft, alsô daz er got clain gedienet
Line: 20    
hât in seinen jungen tagen und der sich dann kêrt zuo   20
Line: 21    
aim ainsidligen leben gegen der wâren sunnen, diu Chri\stus
Line: 22    
ist, und wirt gesehend mit seiner vernunft, daz diser
Line: 23    
krank gelust in disem ellend valsch ist und kurz gegen
Line: 24    
dem êwigen leben.



Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 25    
Line: 26    
VON DER WISPELN.



Line: 27    
Sibula haizt ain wispel und haizt mit ainem andern
Line: 28    
namen regulus, sam Isidorus spricht. diu slang hât die
Line: 29    
art, daz si den menschen vergift mit irm wispeln, ê daz
Line: 30    
si in peiz oder heck. Pei der slangen verstên ich die   30
Line: 31    
pœsen râtgeben, die ander läut vergiftent mit irm haim\leichen
Line: 32    
raumen, aber si slahent ir offenbâr niht noch
Line: 33    
redent in under augen übel. der ist ze unsern zeiten
Line: 34    
niht, ob got wil.

Page: 280  



Chapter / Strophe: 26     26.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER SPETWIFT.



Line: 3    
Spectabificus haizt ain spetwift und ist ain slang, diu
Line: 4    
hât die art, sam Isidorus spricht, wenn si den menschen
Line: 5    
gepizzen hât, verzert si in zehant, alsô daz er zemâl   5
Line: 6    
vergêt und verswindet in irm maul.



Chapter / Strophe: 27     27.
Line: 7    
Line: 8    
VON DER SALPEN.



Line: 9    
Salpiga haizt ain salpe. daz ist ain klaineu slang,
Line: 10    
daz man ir niht leiht siht, und ist doch gar schedlich.   10
Line: 11    
Diu slang geleicht ainem verporgem neid in dem herzen,
Line: 12    
den ain mensch dem andern tregt und niemant von
Line: 13    
sagt und schadet gem haimleich ez mag.



Chapter / Strophe: 28     28.
Line: 14    
Line: 15    
VON DER STERNSLANGEN



Line: 16    
Stellio haizt ain sternslang und hât den namen von
Line: 17    
irr varb, sam Isidorus spricht, wan si hât auf irm ruk
Line: 18    
liehtgemâlt augen sam die stern, und von ist stellio
Line: 19    
ainer andern lai slângen dann diu salamander, wie daz sei,
Line: 20    
daz Jacobus sprech, daz diu salamander in kriechisch   20
Line: 21    
stelliο haiz. diu sternslang ist dem scorpen gar wider
Line: 22    
und veint, daz die scorpen gar sêr erschreckent, wenn
Line: 23    
si si ansehent. diu slang bedäut die läut, die geziert
Line: 24    
sint mit nâtürleichem adel und mit götleichen gnâden
Line: 25    
alsô daz si schœn sint und wol geschaffen an dem leib,   25
Line: 26    
tugenthaft und vernünftig an der sêl. die sint ain er\schreckung
Line: 27    
den pœsen und übeltætigen. der sternslangen
Line: 28    
vergift ist tœtleich, sam Plinius spricht, aber ain erznei
Line: 29    
ist wider, daz man zemült schorpenflaisch und salbet
Line: 30    
die vergiften stat mit. wenn diu sternslang ertrenket   30
Line: 31    
wirt in wein und dar inne erstirbt, der wein benimt dem
Line: 32    
antlütz seineu sprinkelmail, ob man ez mit weschet.
Line: 33    
wer der sternslangen gallen in wazzer zerstœzt, daz

Page: 281  
Line: 1    
besament die wiseln umb und umb mit ainem haimleichen
Line: 2    
zuozug.



Chapter / Strophe: 29     29.
Line: 3    
Line: 4    
VON DER GEMAINEN SLANGEN.



Line: 5    
Serpens vulgaris haizt ain gemaineu slang, die wir   5
Line: 6    
oft sehen. diu hât die art, sam Alexander spricht, daz
Line: 7    
si dem slâfenden niht tuot, aber er erwachet, heket
Line: 8    
si den menschen. Alsô tuont die unküstigen niht, die
Line: 9    
den abwesenden schadent und si stechent mit nâchred,
Line: 10    
wan die selben abwärtigen slâfent, alsô daz si ir pôshait   10
Line: 11    
weder hœrent noch sehent, und dar umb sint die winkel\slangen
Line: 12    
verr pœser wan die rehten slangen.



Chapter / Strophe: 30     30.
Line: 13    
Line: 14    
VON DER DURSTSLANGEN.



Line: 15    
Situla haizt ain durstslang. diu ist gar pœs und   15
Line: 16    
schedleich, diu ertœtt den menschen in hitz und in durst,
Line: 17    
sam Jacobus und Solînus sprechent. diu slang ist
Line: 18    
manigverbich, daz si die läut still helt mit irr schœn,
Line: 19    
alsô daz man si gern siht. die schœn hât ir diu nâtûr
Line: 20    
geben wider daz si ir trâchait hât geben, wan diu slang   20
Line: 21    
ist gar træg ze slingen von ainer stat zuo der andern
Line: 22    
und dar umb helt si die läut mit irr schœn, den si niht
Line: 23    
gevolgen mag mit irm gang. si ist gar hitzig, daz si
Line: 24    
sich in dem winter auzhäutt und ir aigen haut abzeuht.
Line: 25    
wen diu slang peizt, der wirt gevangen mit ainr feureinr   25
Line: 26    
hitz und wirt verzert und verprint in im selber.



Chapter / Strophe: 31     31.
Line: 27    
Line: 28    
VON DER SIRÊN.



Line: 29    
Sirena haizt ain sirên, aber ez ist niht diu sirên,
Line: 30    
von wir vor gesait haben, wir von den merwundern   30
Line: 31    
schriben. diu slang ist in Arabia, sam ain vorscher
Line: 32    
spricht, und ist ir vil in dem selben künigreich und sint
Line: 33    
sneller wan diu pfärt. ez sint auch etleich derlai slangen,

Page: 282  
Line: 1    
die flügel habent, alsô daz si gefliegen mügent. der
Line: 2    
slangen vergift ist gar kreftig in iren werken, daz si
Line: 3    
dem menschen ê den tôt pringt von der slangen piz, ê
Line: 4    
si im den smerzen pring, alsô daz der mensch stirbt ân
Line: 5    
smerzen.   5



Chapter / Strophe: 32     32.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM SCORPEN.



Line: 8    
Scorpio haizt ain scorp. daz ist ain slang, diu hât
Line: 9    
ain gar sänftig antlütz geleich ainem käuschen junkfra\wen
Line: 10    
antlütz, aber er hât an seim knodochten zagel   10
Line: 11    
ain scharf spitz, diu ist voller vergift, mit heckt der
Line: 12    
scorp die läut und andreu tier. der scorp heckt mit ge\pogem
Line: 13    
zagel, alsô daz er in krümt wenn er mit hekt
Line: 14    
oder sleht. er traht auch ân underlâz, wie er die läut
Line: 15    
und andreu tier hek und slach mit seim vergiften zagel.   15
Line: 16    
wer vergift wirt von dem scorpen, der verzeuht drei tag
Line: 17    
ê er sterb, und spricht man, wer der scorpen aschen in
Line: 18    
wein trink, daz sei ain erznei wider. man spricht
Line: 19    
auch, daz etleich scorpen zwuo spitz haben an dem zagel.
Line: 20    
ez sint die ern under in gräuleicher wan die sien und die   20
Line: 21    
erkent man an der leng und an der klainheit umb sich.
Line: 22    
ez spricht auch ain vorschær, daz der scorp der erden
Line: 23    
leb. Aristotiles spricht, daz der schorp zwên ängel hab
Line: 24    
an seim zagel, und wenne die scorpen diu swarzen swein
Line: 25    
peizent, sterbent diu swein, und als vil sneller, als vil   25
Line: 26    
si sneller in ain wazzer gênt. aber diu swein, diu niht
Line: 27    
swarz sint, diu sterbent niht alleu von des scorpen piz.
Line: 28    
der scorp hât ain art, daz er des menschen tenr in der
Line: 29    
hant niht hekt, er rüert neur rauch stet gern, hâr ist,
Line: 30    
und daz öl, daz von dem scorpen kümt, daz ist guot für   30
Line: 31    
sein pizz, alsô daz man die wunden mit salbt. ist daz
Line: 32    
du den scorpen in öl ertrenkst und geuzst ezzeich dar auf
Line: 33    
under der sunnen schein, wirt er zehant lebentig, wan
Line: 34    
daz öl verschoppet diu leiplöchel, diu an dem menschen
Line: 35    
swaizlöchel haizent und ze latein pori: öffent der   35

Page: 283  
Line: 1    
ezzeich diu selben löchel an dem scorpen. Jeronimus
Line: 2    
spricht, daz der scorp ain krump wunden haw, daz ist
Line: 3    
ain dreiekot wunden. scholt auch wizzen, daz ain
Line: 4    
tarant ain ander tierl ist und der scorp ain anderz, als
Line: 5    
her nâch kunt wirt.   5



Chapter / Strophe: 33     33.
Line: 6    
Line: 7    
VON DER TORTUKEN.



Line: 8    
Tortuca haizt ain tortuk und haizt auch etswâ ain
Line: 9    
scory und sprechent etleich, diu tortuk sei der slangen
Line: 10    
geslähts, alsô daz si ainrlai slangen sei, und ist an tier,   10
Line: 11    
hât vier füez als ain krot und haizent ez etleich däutsch
Line: 12    
läut ain schiltkroten, dar umb, daz ez zwên hert schilt
Line: 13    
oder pukler auf im hât. mit ist ez wol bewart,
Line: 14    
daz man ez kaum ersleht mit gar grôzen slegen. ez hât
Line: 15    
auch ain haupt als ain krot und ain kranch stimm und   15
Line: 16    
legt air sam ain henn. aber diu air sint schedlich ze
Line: 17    
ezzen. ez hât kain vergift die weil ez lebt, aber ez
Line: 18    
gestirbt, hât ez vergift, wan als Ambrosius spricht,
Line: 19    
wer auf sein niern tritt mit plôzem fuoz nâch dem und
Line: 20    
ez gestirbt, der wirt zehant vergift. Aristotiles spricht,   20
Line: 21    
daz derlai weibel neur ainen auzganch hab pei der gärm
Line: 22    
und hât doch ain plâtern, und daz ist wider aller tier
Line: 23    
nâtûr, die vedern habent oder schuopen oder schaln, wan
Line: 24    
diu habent alleu niht plâtern, ân dáz tier.



Chapter / Strophe: 34     34.
Line: 25    
Line: 26    
VON DEM TARANT.



Line: 27    
Tarans haizt ain tarant. daz ist ain klain tierl und
Line: 28    
ist ain slängel, scorpen geslähtes, sam Plinius spricht. ez
Line: 29    
hât flügel, und fleugt ainer lai tarant, aber niht aller lai.
Line: 30    
daz tierl ist gar schedleich, wan wen ez sticht der stirbt,   30
Line: 31    
man helf im dann mit driaker oder mit anderr erznei.
Line: 32    
der tierl ist vil in Lamparten und überal in Italia, aber
Line: 33    
diu sint dik unschedleich. ir ist auch vil in den landen

Page: 284  
Line: 1    
gegen der sunnen aufganch und diu sint all voller vergift
Line: 2    
und schedleich. der tarant lebt dick zwainzig tag und
Line: 3    
lenger ân ezzen. wenn man in tœt und in paizt in öl,
Line: 4    
daz öl ist guot wider des tarandes hecken und stechen.



Chapter / Strophe: 35     35.
Line: 5    
Line: 6    
VON DER TIERSLANGEN.



Line: 7    
Tirus haizt ain tierslang. daz ist ain slang, diu
Line: 8    
wont in dem land Jericho gegen der wüesten des Jordans.
Line: 9    
diu slang ist den vogeln gar nâchsetzig und den tiern und
Line: 10    
lâgt vast der vogel air und die vogel vrizt si mit den   10
Line: 11    
airn und verslint si. wenn man der slangen flaisch beraitt
Line: 12    
mit andern dingen, diu dar zuo gehœrent, wirt ain
Line: 13    
electuarium auz oder ain confect, daz ist ain auzwal und
Line: 14    
ain beraitung edel, daz si die vergift auzwürzelt und
Line: 15    
auztreibt von dem menschen. daz confect haizt tiriaca,   15
Line: 16    
daz ist triaker, und nimt den namen von der slangen. ez
Line: 17    
sprechent etleich, daz diu slang vor unsers herren gepurt
Line: 18    
Jêsû Christi gar übel wær und gar vergiftig, daz
Line: 19    
man kain erznei wider fünd, alsô schedleich was si den
Line: 20    
läuten. aber an dem tag, unser herr an daz cräuz   20
Line: 21    
gehangen wart, sprechent si, daz derlai slangen ain gar
Line: 22    
übeleu gevangen würd pei Jerusalem und würd gehangen
Line: 23    
an daz cräuz neben unsern herrn, und daz von der stund
Line: 24    
allez daz gesläht derlai slangen ain kraft an sich züg ze
Line: 25    
helfen vesticleich wider all vergift von dem pluot unsers   25
Line: 26    
herrn Jêsu Christi. wie aber daz sei, daz der driaker
Line: 27    
helf wider all ander vergift, iedoch hilft er niht wider
Line: 28    
die vergift derlai slangen, diu tirus haizt, und ir vergift
Line: 29    
haizt tichycon.



Chapter / Strophe: 36     36.
Line: 30    
Line: 31    
VON DER TISEN.



Line: 32    
Tisus haizt ain tis. daz ist ain slang, diu wont auf
Line: 33    
den padawischen pergen pei der stat Padaw und hât an
Line: 34    
der leng sehs schuoh oder siben, aber si ist gar klain

Page: 285  
Line: 1    
umb sich. iedoch ist si grœzer hinten dann vorn. diu
Line: 2    
slang schat niemant, dann man raiz si gar vil. wenn
Line: 3    
derlai slangen flaisch erfault und gedorrt, gibt man ez
Line: 4    
in trinken und in ezzen wider den auzsetzligen siechtum
Line: 5    
und ist dik wider gar ain kreftigeu erznei.   5
Line: 6    
37.
Line: 7    
VON DER VIPPERN.



Line: 8    
Vippera haizt ain vipper. daz ist ain slang, sam Ja\cobus
Line: 9    
und Isidorus sprechent, diu hât die art, daz si in
Line: 10    
laid und in smerzen gepirt, wan der vater stirbt in der   10
Line: 11    
unkäusch. wenn daz weip von im swanger wirt, stirbt
Line: 12    
diu muoter an der gepurt. daz geschiht alsô. wenn der
Line: 13    
man mit dem weib unkäuscht, ist si gar vol ge\lustes,
Line: 14    
daz si im daz haupt von lieb ab peizt. und
Line: 15    
der jungen zeit kümt in der muoter leib, paitent si   15
Line: 16    
niht, unz si her für komen mügent, si scharrent in der
Line: 17    
muoter und aufreizent si und koment mit gewalt her für.
Line: 18    
die slangen habent neur gruob an der ôrn stat und habent
Line: 19    
neur drei zend und sint ir pizz unhailsam und die pizz
Line: 20    
pringent geswulst. daz westen die wol, die mit sant Pauls   20
Line: 21    
auz dem mer kômen, wan ze der selben zeit begraif derlai
Line: 22    
slangen aineu sant Pauls hant und paiz in. wânten
Line: 23    
sein gesellen, er schölt geswellen und sterben gar snell.
Line: 24    
daz geschach aber niht. der slangen ingewaid ist guot
Line: 25    
für aller slangen heken und piz, sam Plinius spricht. ez   25
Line: 26    
spricht ain vorschær, wer derlai slangen haut nem, die
Line: 27    
si her ab zeuht in irm alter, und sied die haut in wein,
Line: 28    
der wein sei ain erznei dem augswern und dem zantswern.
Line: 29    
aber ir vaizten benimt den augenschimel und macht dunkel
Line: 30    
augen clâr. Aristotiles spricht, daz diu vipper ain men\schen   30
Line: 31    
antlütz hab unz an den nabel, und von dem nabel
Line: 32    
unz an den zagel ains cocodrillen gestalt. ir aftertrühel
Line: 33    
ist eng als ain nadelœr und dar umb mag si an der
Line: 34    
stat niht zuo gevâhen sam andreu tier. si gevæht zuo

Page: 286  
Line: 1    
mit dem mund. aber Plinius der redet vil geläupleicher
Line: 2    
von der vippern, wan er spricht, wenn der swangern
Line: 3    
vippern zeit köm, daz si gepern schüll, pring si an
Line: 4    
ainem tag neur ain kindel und niht mêr. seid nu der
Line: 5    
kindel vil ist (wan si hât wol zwainzig kindel in ir mit   5
Line: 6    
enander), werdent diu andern gar ungedultig, diu über
Line: 7    
die rehten zeit hinten beleibent, und dar umb reizent
Line: 8    
si die muoter und kriechent her für. diu slang hât die
Line: 9    
art, wie daz sei, daz si gräuleicher sei denn all ander
Line: 10    
slangen, iedoch ist si gar sänftig gegen irm weib, sam   10
Line: 11    
der grôz Basilius und Ambrosius sprechent, wan daz
Line: 12    
weip niht gegenwart ist, suocht si der man und lokt
Line: 13    
ir mit ainem senften wispeln, und er siht, daz si
Line: 14    
kümt, læzt er sein vergift von im und êrt sein fra\wen,
Line: 15    
alsô daz er ân vergift sein hôchzeit und sein gir   15
Line: 16    
mit der frawen üeben wil. Nu merk, eifrær, wie liep
Line: 17    
dein frawen habst, diu weder weis noch werk dir ze dank
Line: 18    
nümmer mag volpringen. siht si über sich, si ist ain
Line: 19    
kapferinn, under sich ain maudrerinn, sweigt si, si ist ain
Line: 20    
stümminn, rett si, si ist ain klafferinn. lesterst si mit   20
Line: 21    
worten und mit werken, ê die wârhait vindest. nim
Line: 22    
dir der weil: gæher man schol esel reiten.
Line: 23    
Nu haben die slangen ain end.




Next part



This text is part of the TITUS edition of Konrad von Megenburg, Buch der Natur.

Copyright TITUS Project, Frankfurt a/M, 12.9.2008. No parts of this document may be republished in any form without prior permission by the copyright holder.