TITUS
Konrad von Megenburg, Buch der Natur
Part No. 8
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Book: IIIF     III.
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F.

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VON DEN WÜRMEN IN EINER GEMAIN.



Line: 27    Ez ist noch ainrlai tierl, die haizent würm. von den
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schüll wir nu sagen, und des êrsten in ainer gemain.
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Isidorus spricht, ain wurm ist ain tierl, daz allermaist auz
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flaisch oder auz holz oder auz andern erdischen dingen   30
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wehset ân all unkäusch. scholt auch wizzen, daz die
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maister etswenn die slangen auch würm haizent, und in
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dér weis ze reden von den würmen koment etleich würm

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von unkäusch des mans und der frawen in slangen art,
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als vor geschriben ist, und etleich auz airn, sam der
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schorp, und in dér weis redt Plinius von den würmen und
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spricht, kain wurm hât pluot denn gar ain klain nâch seiner
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grœz. etleich würm sint ân füez, iedoch habent si pain   5
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in irm leib oder græt, sam die slangen habent, und die
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selben slingent auf der erd von ainr stat zuo der andern.
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von derlai würmen well wir niht reden hie, wan wir ha\ben
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vor von in geschriben. aber anderlai würm sint, die
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kain pain oder kainen grât in irm leib habent und habent   10
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auch niht füez; die selben würm runzelnt sich in klain
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runzeln an dem leib, wenn si hin und her kriechent. ez
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sint auch etleich, die füez und flügel habent, sam die wespen
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habent und die peinen und sämleich würm, und etleich
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habent zwên füez oder vier ân flügel. die selben laufent   15
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und habent etswie vil pluotes. etleich habent auch mêr
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dann vier füez, die selben laufent auch, aber si habent
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niht aigens pluotes, dar umb, daz ir kost und ir narung
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gar vil in ir füez gêt, und daz verniht in ir pluot. iedoch
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hât ain iegleich wurm ain fäuhten in seim leib an des   20
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pluotes stat.
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Nu well wir von der aller lai würmen hie sagen, und
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des êrsten von der pein, wan diu ist diu edelst under in
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allen.



Chapter / Strophe: 1     1.
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VON DER PEIN.



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Apis haizt ain pein. die peinn habent die art, sam
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Aristotiles und der grôz Basilius und Ambrosius spre\chent,
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daz si mit aller sach mêr gemain sint dann kainer\lai
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gesellter ding auf erden, wan wie vil ir zuo aim swarm   30
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gehœrent, die habent all ain wonung und lebent all in
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ainr gegen ains landes. ir aller arbait ist gemaines nütz
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in allen. ir nutz und ir fruht ist in allen gemain und
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ir vliegen ist in auch gemain. waz schol ich dir mêr
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sagen? ir gepurt, die si pringent, ist in allen gemain,   35

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wan si pringent ainen jungen swarm all mitenander, und
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ir genz irs leibes (daz ist ir käuschait) ist in auch allen
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gemain, wan ir kaineu unkäuscht mit der andern noch
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habent zuo enander unkäuschen glust und habent kainen
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smerzen in irr gepurt. iedoch pringent si dick ainen   5
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grôzen swarm. die peinn machent under in ainen küng
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und ain volk, daz dem küng gehôrsam ist, und wie daz
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sei, daz si all under aim küng sein, iedoch sint si frei
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und habent ain wirdikait und ain vorêr in irm geriht
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und in irr beschaidenhait und ain andæhtig gir zuo gan\zen   10
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trewen, wan si habent irn küng liep, den si gesetzet
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habent, und êrent in mit grôzem vleiz, daz si nümmer
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wider in getuont und in nümmer erzürnent, und daz ist
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pilleich, wan der küng hât sunderleich sänftikait gegen
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dem volk, behelt daz volk sein gehôrsam gegen dem küng   15
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auch pilleich. die peinn habent sunderleich samnung und
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vliegent scharot zuo irm weisel. si schadent kainer fruht
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noch den tôten pluomen, daz sint die dürren pluomen.
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wenn si diu naht begreift in irm auzraisen, ruoent si
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hôch in paumen, dar umb, daz daz taw oder der regen   20
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ir flügel iht berüer. der peinn weisel ist als ain küng
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under in, und in aim vaz under ainem swarm ist neur
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ain weisel, der des swarms fürst ist. der weisel ist schœn
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und ahtpær an der gestalt und ist zwir als grôz als der
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andern peinn ain. er hât aber kürzer flügel wan die andern   25
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und hât aufgerihteu pain und ist sein ganch hœher wan
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der andern. er hât auch an der stirn ain weiz plüemel,
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mit hât in diu nâtûr gekrœnet vor den andern peinen.
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ez sprechent auch etleich, daz der peinn kaiser kainen
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angel hab, mit er stech, sam die andern peinn habent,   30
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wan er ist genuog gewâpent mit seim gewalt, den er hât.
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iedoch spricht Ambrosius, er hab ainen angel, aber er
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stech mit niht, wan er ist sänft von nâtûr. der peinen
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volk ist dreirlai. die êrsten peinn sint der andern müeter
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und wirdiger und grœzer wan die andern. die andern   35
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sint klainer und sint doch gar kreftig und würkent

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vil und vast, reht als ain volk, daz under ainr maister\schaft
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ist, und derlai peinen sint den müetern undertân
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und gehôrsam und würkent nihts ân der grœzern gepot.
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daz dritt volk der peinen sint derlai peinen, die ze latein
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fuce haizent, daz sint unvolkomen peinen und habent niht   5
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ängel und sint der rehten, daz ist der êrsten peinen,
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dienerinn. die peinen habent gemaincleich die art, daz si
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irm kaiser stætes und ämzicleich volgent er fleugt oder
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gêt die weil er junk ist. si habent auch die art, daz si
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ir wonung schickent sam die pürg und machent die   10
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obersten drei zeil lær von honich, dar umb, daz daz honig
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an dem êrsten anplick iemant hin zuo lad, der in schaden
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pring, aber die letzten zeil füllent si vol honigs. die
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peinen ruoent in irm vaz des morgens in der mettenzeit,
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unz daz aineu under in zwir oder dreistund geprumt oder   15
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gehumt gegen dem liehten tag, als ain wahter, der mit
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aim herhorn prummet gegen dem tag, wan diu pein ant
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vor hin an ir nâtûr, ob der tag sanft well sein und schœn,
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wan vliegent si auz all und pringent êr und guot;
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wil aber ez regenn und wintsäusen, haltent si sich ze   20
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samen in irm vaz. wenn aber si zuo werk kêrnt,
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samnent si pluomen an ir füez, als ob si hosen haben
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gewunnen. die andern nement des süezen tawwazzers in
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ir münd und über all in ir wollen und tragent daz haim
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in ir wonung. Ambrosius spricht: man siht die peinen   25
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all widerstreit arbaiten umb ir gâb und umb irn schatz.
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etleich sint wächig und fleizig ze suochen ir waid. die
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andern sint sorgsam ze behüeten ir wonung und ir pürg.
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die dritten vorschent nâch dem weter und nâch der stern
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lauf. die jungen vliegent auz ze würken und tragent ein   30
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honig und wahs, aber die alten würkent in irn wonungen.
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die von veltpluomen haim tragent die ladent ir vodern
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füezel vol oben an den hüefen und varnt haim wol ge\pürdet
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und schôn geladen. si habent auch inwendig des
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vazzes ir amt schôn getailt, wan etleich maurent, die   35
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andern zierent und sliehtent daz werk. etleich saugent

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hong von wahse, etleich tailent daz werk hin und her
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und daz ezzen daz prâht ist und ezzent niht besunder,
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dar umb, daz weder ezzen noch werk noch zeit under in
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ungeleich sei. Plinius spricht, daz die peinn irs werkes
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gar vleizig sein, alsô daz si prüevent, welheu under in   5
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træg ist ze würken, die strâfent si zehant und peizent si
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zetôt. si haltent wundergrôze rainikait under in und
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werfent irn mist ze mittelst in daz vaz und ist kain un\sauberkait
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under irm werk, wan all überflüzzichait, diu
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von den würkenden peinen kümt, die samnent si an ain   10
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stat in daz vaz und tragent si her auz an irn veirtagen,
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wenn daz weter trüeb ist, daz si niht gearbaiten mügent.
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ez an den âbent gêt, prumment si in dem vaz und
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daz prummen wirt ie klainer und klainer, unz aineu
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under in umb fleugt und hummet in der weis, als si   15
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si wecket des morgens, und gebeut in allen ze ruoen,
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als die wahter pflegent auf den pürgen, die paideu naht
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und tag anplâsent. daz geschiht, sweigent si alle
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gar snell. si habent auch die art, daz si des êrsten dem
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volk hausent, und dar nâch den künigen, und ist, daz si   20
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grœzers gelükes wartent, alsô daz si swärmen wellent,
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machent si auch gesellenhäuser und machent den
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künftigen kaisern besunder paläst ainseit weit und grôz.
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iedoch nement si kainen küng von geschicht oder ân für\sichtichait,
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si prüevent in vor, ob er schœn und grôz sei   25
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und sänftig. ist daz etleich peinn irs kaisers reht über\varnt,
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tœtent si sich selber und wundent sich mit irn
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aigenen ängeln, und spricht man, daz daz volk in den
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landen, die Perse haizent, die selben weis an im hab
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gegen seim küng. die peinen varnt niht an ir waid ge\maincleich,   30
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ez var dann der küng des êrsten auz und
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halt daz fürstentuom in dem flug. si beschirment auch
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irn künig gar vleizicleich und achtent inz zuo ainr
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frümchait, ob si umb iren küng sterbent. Aristotiles
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spricht, der peinen künig erschainent niendert auzwendig   35
Line: 36    
der vaz ain, si haben dann ain grôz volk pinen mit in.

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under dem selben volk fleugt der künig ze mitelst und
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die pinen umb und umb, und welheu pein an dem flug
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des kaisers flügel rüert, die strâft daz ganz her. ez be\gert
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auch iegleich pein dem kaiser ze næhst sein in der
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rais und acht sich des gar frum und verrüemt, daz man   5
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si anschaw in irs kaisers dienst. wenn auch der kaiser
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müed wirt, tragent in die sterkisten peinen enpor und
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helfent im hin. Plinius spricht, ist daz den peinen honigs
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geprist in irm vaz, raisent si mit grôzer ungestüemi\kait
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auf die næhsten und die selben stellent sich zuo wer   10
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und streitent mit enander. si vehtent auch mit enander
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umb die pluomen auf dem veld, aber den streit zestœrt
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man, der staup under si wirft oder der ainen rauch under
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si plæst, und versüenet si mit milch oder mit wazzer. si
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hazzent gar vast pœsen smack und vliehent verr von,   15
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und unsauber salb laidigt si sêr. Basilius spricht: an den
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peinen und an den wefsen oder an den vespen sint über
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al klaineu spältel und klünsel, wan si âtement niht und
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habent niht lungen. si werdent genert und gefuoret in
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dem luft nâch der gänzen irs leibes, alsô daz si den luft   20
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über al in sich ziehent, und dar umb, man si mit öl
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gefäuhtigt, sterbent si leiht, wan daz öl verschoppet
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diu klünsel und diu spältel irs leibes; aber der zehant
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dar nâch ezzeich auf si geuzt, öffent sich die lüegel
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und werdent wider lebentig zehant. wenn die peinen siech   25
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sint, ezzent si mêr denn si gewont sint, und daz tuont
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si neur umb die grôzen lieb, die si zuo dem hong habent.
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papilio, daz ist ain veivalter, der tuot den peinn vil ze laid,
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wan die veivaltern setzent sich auf den klê und auf ander
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süez pluomen und saugent daz süez mark dar auz und   30
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daz edel taw verunrainent si mit irm gesmaiz, wan
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wahsent würmel auz. ir lâgent auch die frösch, wenne
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si zuo dem wazzer vliegent, wan man spricht, daz die
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frösch der peinn ängel niht enpfinden, mit si stechent.
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si laidigent auch von nâtûr die websen und die harniz   35
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und die swalben und ander vogel frezzent die peinen. si

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habent auch die art an in, daz si leich klagent an ainander,
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und wenn ir kaiser gestirbet, wainet daz volk ze mâl
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und ist traurich, wan si samnent sich all umb irn tôten
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kaiser und tragent niht mêr ein noch vliegent auz, und
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kümt man in niht ze hilf, sterbent si hungers, sam ain   5
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vorscher spricht. die peinen sint krank und siechent aller\maist
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die pluomen kaltent. in ist auch ain iegleich
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widergalm schad, ains menschen stimm oder ains an\dern
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tiers stimm widergalm gibt nâhent pei den peinen.
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nebel ist in auch schad. in schadent auch die spinnen   10
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gar sêr, wenne si in angesigent und ir netz pei in auf\spannent,
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wan vâhent si si und tœtent si. maister
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Michel von Schottenlant spricht, daz den peinen ir aigen
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glück schad. wan ain überfrühtig jâr ist mit pluomen
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und mit genuhtsam, habent si grôzen vleiz honig   15
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ze samnend, daz si nihtes trahtent nâch kindeln und nâch
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jungen peinen. die peinen sterbent von mangerlai sachen
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und allermaist wenn der weisel vil ist und ain iegleicher
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weisel ain schar der peinen für sich nimt und die maistert.
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die peinen fräwent sich, wenn man die hend ze samen   20
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klopfet, und wenn man klingelt mit gesmeid, samnent
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si sich. ez werdent peinen auz frischen waltrinder päu\chen,
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die man aurochsen haizt, von den wir vor gesagt
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haben, die ze latein bubali haizent. aber man muoz die
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päuch mit mist bedecken, koment die peinen von.   25
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ez werdent auch peinn auz ochsenhäuten, die man in der
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erden verpirgt, und auz eselhäuten werdent websen oder
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vespen. auz mukenmist werdent würmel, auz piezen frösch
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oder auz mangolt, wan piezen und mangolt ist áin kraut;
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auz pœsem luft und auz faulem âtem werdent priemen,   30
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die ze latein culices haizent, aber Virgilius spricht, daz
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die priemen werden auz ainer kalben leib, diu tot sei,
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und daz hân ich zwâr gesehen an der sunnen schein,
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ain tôteu kalb lag. auz der tôten pfärd leib werdent
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webzen und harliz, auz eselleiben werdent ainrlai vliegen,   35
Line: 36    
haizent scarabei, die sint rôt als die horniz, si sint aber

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klainer wan die websen. scholt auch wizzen, daz die
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peinen, die auz den rindern werdent, mitenander unkäu\schent
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sam die mucken, aber ir gepurt hât nâhen die art,
Line: 4    
die reht peinen habent. man schol daz honig abnemen
Line: 5    
wenn der môn vol ist an aim liehten schœnen tag. wenn   5
Line: 6    
daz honig zehant abtreuft in tropfen weis, daz ist guot
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niht sam daz zæh ist und gar wol smecket und daz durch\sihtig
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ist. waz auch honges von newem wahs kümt, daz
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ist pezzer wan daz von altem kümt. daz von altem wahs
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kümt, daz ist rôt, aber daz guot honig ist goltvar. guotez   10
Line: 11    
hong und weizz ist den siechen augen guot und zuo den
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auzgängen. daz rain hong ist niden in dem vaz. Pla\tearius
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spricht, daz daz honig warm sei in dem êrsten
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grâd der wirmen und trucken in dem andern grâd der
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trücken. daz hong ist zuo mangerlai guot. ez behelt   15
Line: 16    
der ding kraft, dar zuo man ez gesellt, und rainigt. ez
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sänftigt den würzen und den kräutern und andern dingen,
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zuo man ez mischet, ir pitterkait, und dar umb mischt
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man ez zuo vil erznei, wan ez tregt mit seiner süezen die
Line: 20    
vergift in die tiefen der gelider. in electuariis, die man   20
Line: 21    
ze däutsch latwergen haizt, und in edelm gestüpp, wenn
Line: 22    
man ez dar zuo mischt, hât ez die kraft, daz diu dinch
Line: 23    
dester lenger guot und frisch beleibent. wem der mag
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vol kalter fäuhten ist, dem schol man geben honig mit
Line: 25    
warm wazzer, wan daz hönig entlœst und wäscht ab. wer   25
Line: 26    
sein antlütz clâr und lauter well machen, der schol ez
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waschen mit hong und mit wazzer. wenn man ain un\derzäpfel
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macht auz gerœschtem hong und auz salz, daz
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ist den läuten gar guot, die sühtig sint mit dem fieber.
Line: 30    
Aristotiles spricht, daz die alten peinen süezer hong prin\gen   30
Line: 31    
wan die jungen, wan si sint paz ervarn wan die
Line: 32    
jungen. wer hönig in sich trinket, daz niht geschäumt
Line: 33    
ist, den plæt ez. daz hong ist guot für der tobigen hund
Line: 34    
piz, wenn man ez trinket, und ist guot für die piz der
Line: 35    
grimmen tier. daz laudônisch hong ist pitter und wer ez   35
Line: 36    
izt, der wirt unsinnig. switzet aber er, wirret im niht

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Line: 1    
mêr. daz honig hât die art, daz ez den ungelust und daz
Line: 2    
wüllen, daz von dem pœsen magen kümt, benimt. der
Line: 3    
peinen kaiser machent mêr dann ainen sun, und wenn die
Line: 4    
gewahsent, koment all peinen über ain und tœtent die
Line: 5    
pœsern, daz si iht ain teilung machen under der schar   5
Line: 6    
der peinen und niht krieg under in machen. die peinen
Line: 7    
prüetent jung auz, reht sam die hennen, und daz jung
Line: 8    
peindl, daz des êrsten her für sleuft, daz ist weiz; aber des
Line: 9    
kaisers sündl ist zehant hongvar, wan ez kümt von auz\erwelten
Line: 10    
pluomen und von aller genuhtsam. Pei den   10
Line: 11    
peinen verstên ich ainen iegleichen tuom, ain pischolf
Line: 12    
weisel ist der kôrherren mit witzen und mit allen tugen\den
Line: 13    
und im die peinen, daz sint die kôrherren, gehôrsam
Line: 14    
sint mit allen sachen. die leident under in niht mêr
Line: 15    
dann ain haupt, wan si fürhtent, machten si mêr dann   15
Line: 16    
ain haupt, daz ir gotshaus verdürb; dar umb welent si
Line: 17    
daz pest. ach got, wie wênig der peinen ze unsern zei\ten
Line: 18    
ist! ez sint all peinen ze websen und zuo harniz
Line: 19    
worden. got durch seinen pittern tôt und durch sein
Line: 20    
gruntlôs erparmherzichait kom seim gotshaus ze helf, daz   20
Line: 21    
gar verdirbt und verdorben ist. waist wol, ich
Line: 22    
main, parmherzigerv́got, dein genâd erscheinen!



Chapter / Strophe: 2     2.
Line: 23    
Line: 24    
VON DER SPINNEN.



Line: 25    
Aranea haizt ain spinn. der wurm hât die art, daz   25
Line: 26    
er auz seim gedirm fädem spinnet und netzel webt,
Line: 27    
mit er die muken væht. ez geschiht auch dick, daz er
Line: 28    
sich selber mit dem spinnen gar auzdärmt, daz nihts
Line: 29    
in im beleibt und daz er stirbt, wan die spinnen habent
Line: 30    
in in ain wollentragend kraft, dar auz si die fädemen   30
Line: 31    
spinnent. ez sprechent auch etleich, daz daz weibel spinn
Line: 32    
und web und daz männel vâh die mucken mit dem selben
Line: 33    
netzel. si gepernt mit irn lenden klaineu würmel, diu
Line: 34    
aint airn geleich und diu airl gepernt si zwischen den

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Line: 1    
webnetzeln. ez werdent auch spinnen ân unkäusch auz
Line: 2    
faulen dingen, sam auz dem klainen staub, der in der
Line: 3    
sunnen fleugt, wenn der erfault, und auz des menschen
Line: 4    
spaicheln, die er wirft er gezzen hât. diu spinn webt
Line: 5    
daz weter lauter ist, niht wenn ez trüeb ist. si jagt   5
Line: 6    
auch niht mêr noch væht, unz daz si gar verzert daz si
Line: 7    
vor gevangen hât, sam ain vorschær spricht. wer der
Line: 8    
spinnen netzel über ain frisch wunden legt, dem geswilt
Line: 9    
diu wund niht und faulet auch niht. die spinnen lebent
Line: 10    
des saffes und der fäuhten, und dar umb stirbt ir kaineu   10
Line: 11    
hungers. wenn die spinnen ireu netzel hœher ziehent,
Line: 12    
daz ist ain zaichen, daz ez regenen wil. diu spinn hât
Line: 13    
die art, daz si sich an ainem vadem wigt auf der slangen
Line: 14    
haupt, si daz under ainem paum aufrecket an dem
Line: 15    
schaten, und peizt die slangen krefticleich, daz si ir   15
Line: 16    
daz hirn begreift unz in den tôt. Aristotiles spricht, wer
Line: 17    
geswilt von ainer spinnen piz, der mach ain pflâster von
Line: 18    
mucken und pind daz auf den smerzen, wirt im paz.
Line: 19    
maister Michel der Schott spricht, wenn diu spinn slâf,
Line: 20    
kêr si den ruck gegen der erd und slâf in dem luft   20
Line: 21    
hangend an den vädemen, die si gespunnen hât, und kêr
Line: 22    
ir antlütz gegen dem netz.



Chapter / Strophe: 3     3.
Line: 23    
Line: 24    
VON DER KLAINEN KROTEN.



Line: 25    
Buffo mag ain klain krot haizen. diu krot ist ain   25
Line: 26    
vergiftiger wurm und hât ain schelmig gesiht und ist un\rain
Line: 27    
anzegreifen. si lebt der erden, iedoch mit rehter mâz
Line: 28    
und wag, wan vil und si besliezen mag mit dem vordern
Line: 29    
füezel, daz ist ir tagezzen. ez ist ainr lai kroten in wäl\hischen
Line: 30    
landen, die habent stimm sam die pusaunn, und   30
Line: 31    
wenn man si auz dem land pringt, verliesent si die
Line: 32    
stimm. die kroten bedäutent die prediger, die neur in
Line: 33    
irm land wellent predigen. Alexander spricht, diu krot
Line: 34    
izt gern salbai und vergift der salbai wurzeln nümmer,

Page: 296  
Line: 1    
dar umb schol man der salbai stat mit rauten umbgeben,
Line: 2    
wan der rauten taw und ir saff ist der kroten tœtleich
Line: 3    
schad. er spricht auch, wer ainen krotenstain auz irm
Line: 4    
haupt nimt und in pei im trait, dem vertreibt er der ver\gift
Line: 5    
pôshait. wer ain kroten ze pulver prennt und den   5
Line: 6    
pulver læzt ligen, werdent lebendig kroten auz. diu
Line: 7    
krot hât die art, daz si fürht, ir zerinn der erden.
Line: 8    
pei verstê wir die geitigen.



Chapter / Strophe: 4     4.
Line: 9    
Line: 10    
VON DER GROZEN KROTEN



Line: 11    
Borax haizt ain grôz krot. diu hât ain antlütz sam
Line: 12    
ain frosch und ist gar ain vergiftiger wurm, und von der
Line: 13    
übrigen vergift, die si in ir tregt, zeplæt si sich wenn man
Line: 14    
si angreift. si viht mit der spinnen und wirt siglôs, wan
Line: 15    
diu spinn die kroten dick gesticht und sich diu krot   15
Line: 16    
niht gerechen mag, wirt si alsô vast zeplæt, daz si ze
Line: 17    
mitelst vonenander prist. der kroten piz ist unrain,
Line: 18    
daz man in selten gehailen mag. si trait auch ainen
Line: 19    
schatzpærn stain in dem haupt, dar umb tœtt man si. der
Line: 20    
stain ist zwair lai. der ain ist weiz und der ist der pezzer.   20
Line: 21    
der ander ist praun und swarz und hât ze mitelst ain
Line: 22    
äugel, daz ist nâhent wahsvar, und der ist under den
Line: 23    
praunen der pest. wer den stain in ezzen nimt und in\wendig
Line: 24    
siech ist, der wirt gesunt, wan der stain durchgêt
Line: 25    
dem menschen sein ingewaid, und wenn er in hât gehailt,   25
Line: 26    
gêt er niden von dem menschen, wan man schol in
Line: 27    
ganzen verslinden in dem ezzen. wenn der kroten ain
Line: 28    
aug verdirbt, izt si ain besunder kraut, mit si daz
Line: 29    
gesiht widerpringet. man tœtt si auch mit rauten. si
Line: 30    
hazt der sunnen liecht und gêt gern pei der naht und   30
Line: 31    
allermaist die läut gegangen sint. des tages verpirgt
Line: 32    
si sich und ruowt. si fleuht den edeln smack der wein\gärten.
Line: 33    
der stain, den si tregt, ist der vergift widerwär\tig,
Line: 34    
als man spricht.

Page: 297  


Chapter / Strophe: 5     5.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM SEIDENWÜRMEL.



Line: 3    
Bombix haizt ain seidenwürmel. daz ist ain würmel,
Line: 4    
sam Plinius spricht, daz wirt gern in dem land Assyria,
Line: 5    
daz spinnet seiden, reht in der weis als diu spinn auz ir   5
Line: 6    
selber spinnet, und auz den seiden macht man seidein ge\pend
Line: 7    
und seidein gewant, daz allermaist zimt der zart\hait
Line: 8    
an den zarten frawen. daz gewant haizt ze latein
Line: 9    
bombicina. maister Michel der Schott spricht, daz daz
Line: 10    
würmel sich umb und umb vermacht in ain cleu vädem,   10
Line: 11    
die ez gespunnen hât, dar umb, daz ez wider geporn werd
Line: 12    
in dem selben cleu. wenn ez allez daz auzgewirft, daz
Line: 13    
mistig in im ist und gärmig und swarz, und ez denn ge\gen
Line: 14    
der sunnen helt, ist sein leibel durchsichtig. daz
Line: 15    
würmel izt niht auzwendiges ezzens dar nâch und ez vol\prâht   15
Line: 16    
ist. Alsô tuont die volkumen menschen, die sich
Line: 17    
zemâl eingezogen habent in die götleichen lieb, die ahtent
Line: 18    
aller auzern lieb niht, diu in diser werlt ist.



Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEM GLEIMEL.



Line: 21    
Cicendula ist der vliegen geslähtes, die scarabei hai\zent,
Line: 22    
und haizt cicendula ze däutsch ain gleimel. alsô
Line: 23    
mag auch scarabeus haizen ain gleim. daz würmel hât
Line: 24    
die art, daz ez gleizet wenn ez vleugt oder gêt und ist
Line: 25    
als ain klaineu muk. daz würmel siht man in vil landen   25
Line: 26    
und allermaist in Italia. wenn ez des nahtes vleugt,
Line: 27    
scheint ez, sam funken varn in der vinster, und der schein
Line: 28    
ist im allermaist an dem zagel. aber ez niht vleugt,
Line: 29    
siht man den schein niht wol. daz würmel hât ain
Line: 30    
wunderleich kraft, wan wer ir dreu izt, an dem verlischt   30
Line: 31    
aller unkäuscher gelust; daz hât manig mensch versuocht.
Line: 32    
wærleich, ich wolt, daz si all gaistleich läut æzen für an\der
Line: 33    
gestüpp. Pei dem würmel verstê wir all die menschen,
Line: 34    
die läuhtend sint mit guoten werken und die mit tugenden

Page: 298  
Line: 1    
weiten genent sint und allermaist an dem zagel, daz ist
Line: 2    
an dem end. wan wer volharret unz an daz end, der
Line: 3    
wirt sælig. wen man alsô vindet läuchtend in der vinster
Line: 4    
diser werlt, daz in diu vinster niht begreift, wærleich
Line: 5    
der ist sælig. dar umb spricht unser herre: 'ewreu werk   5
Line: 6    
schüllent läuhten vor den menschen.'



Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 7    
Line: 8    
VON DER HUNDSMUCKEN.



Line: 9    
Cinomia haizt ain hundsmuck oder ain hundsvlieg,
Line: 10    
sam Isidorus spricht, und ist ain kriechisch wort, wan   10
Line: 11    
cinοs in kriechisch haizt ain hunt. diu vlieg belaidigt
Line: 12    
der hund ôrn gar sêr sumerzeiten, wan wie dick si die
Line: 13    
hund dar ab slahent, als dick koment si wider, und si
Line: 14    
vaizteu präckel vindent, die peizent si, daz si pluotent.
Line: 15    
Pei der vliegen verstêt man den teufel, der hanget dem   15
Line: 16    
menschen tag und naht an den ôrn seins muotes und
Line: 17    
seinr gedenk, und versaumt sich der mensch icht ze lang,
Line: 18    
daz er in niht absleht, alsô daz er im henget mit gedän\ken
Line: 19    
unz in den willen und in den glust, wærleich peizt
Line: 20    
im der teufel ain wunden. dar umb, mein herz, wir   20
Line: 21    
schüllen tuon, als der hailig vater Abraham tet, und
Line: 22    
schüln uns der mucken und des gefügels der pœsen ge\denk
Line: 23    
wern mit ainer gerten, daz ist mit dem hailigen
Line: 24    
cräuz, got seinen rôsenvarben swaiz an vergôz durch
Line: 25    
uns und durch all sünder, wan Davit überwant den grô\zen   25
Line: 26    
risen Goliam mit aim stab und mit ainer slingen und
Line: 27    
Jacob gieng mit ainem stab über den Jordan, des wazzer
Line: 28    
ungestüem ist, und pei verstê wir die ungestüemigen
Line: 29    
gedenke, die den menschen von got schaident.



Chapter / Strophe: 8     8.
Line: 30    
Line: 31    
VON DEN SNAKEN.



Line: 32    
Cinifes haizent snâken. daz sint gar klaineu würmel
Line: 33    
und vliegent gern nâch des menschen âtem oder nâch
Line: 34    
anderr tier âtem und peizent die parhaupten läut gar sêr

Page: 299  
Line: 1    
und allermaist umb den âbent sumerzeiten, wan vlie\gent
Line: 2    
si mit grôzen haufen, und ain mensch ze veld
Line: 3    
slæft, daz stechent si hart und wundent ez mit etleichen
Line: 4    
stichlingen oder ängeln, die si habent. Der snâken ist
Line: 5    
genuog under den läuten paideu sumer und winter, die   5
Line: 6    
uns slâfend stechent mit nâchred.



Chapter / Strophe: 9     9.
Line: 7    
Line: 8    
VON DEN PREMEN.



Line: 9    
Culex haizt ain prem. daz ist ain würmel grœzer
Line: 10    
dann ain gemaineu vlieg. daz hât ainen stichling in dem   10
Line: 11    
mund sam ain pfeifen, mit sticht ez die läut und diu
Line: 12    
tier und trinket ir pluot. und dar umb hât ez den na\men
Line: 13    
ze latein, wan aculeus haizt ain stichling, dannen
Line: 14    
kümt culex, sam Isidorus spricht. Isidorus spricht, daz
Line: 15    
der prem daz lieht liep hab, alsô daz er sich pei weilen   15
Line: 16    
verprenn an ainem prinnendem lieht. aber daz tuot ain
Line: 17    
ander vögäll, daz haizt man ain fewersteln und ist sam
Line: 18    
ain veivalter gestalt. Plinius spricht, daz die premen
Line: 19    
saureu dinch liep haben und süezeu dinch vliehen.
Line: 20    
pei verstê die pœsen, die daz guot nümmer geredent von   20
Line: 21    
irn nâchgepaurn, aber ervorschent si ain pœs mærl, daz
Line: 22    
praitent si gar weit. ez sint auch etleich premen, die
Line: 23    
den übel tuont, die in wol tuont, und den wol, die in
Line: 24    
übel. alsô wechselnt si allzeit daz süez umb daz saur.
Line: 25    
wol hin, varn! ez schat niht der witzig wirt.   25



Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEN PAUMWÜRMEN.



Line: 28    
Cantarides haizent paumwürm, die zuo obrist auf den
Line: 29    
esten wahsent an slintpäumeinen paumen oder an andern
Line: 30    
paumen auz fäuhten. auf den pletern wahsent die würm   30
Line: 31    
reht sam die krautwürm auf dem kraut, aber si gewin\nent
Line: 32    
volkumen flügel und vliegent des tages; aber des
Line: 33    
nahtes besamnent si sich auf ain cleu oder zuo aim kü\gäll.
Line: 34    
die würm sint grüen, aber wenn diu sunn scheint,

Page: 300  
Line: 1    
sint si goltvar, und dar umb haizt man si auch golt\würm.
Line: 2    
die würm sament man des nahtes umb den augst
Line: 3    
und ertrenkt si in ezzich. wenn si nu tôt sint, geuzt
Line: 4    
man wein dar auf und leget si auf ain glit, ez sei fuoz
Line: 5    
oder hant oder ain ander glit, under ain wähsein köpfel,   5
Line: 6    
und machent si ain plâtern an der stat. wenn man
Line: 7    
die plâtern durchsticht an manger stat mit ainer gul\deinen
Line: 8    
nadel oder mit aim hamel, gêt all diu pœs
Line: 9    
fäuhten her für, diu in dem glit ist, reht als von aim
Line: 10    
prand, und ist als guot sam manig prant, der ain jâr wert.   10



Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM HARLIZ.



Line: 13    
Crabro haizt ain harliz oder ain harniz. daz ist ain
Line: 14    
michel wurm und ist an der varwe sam ain webs. iedoch
Line: 15    
ist er grœzer. die harliz habent die art, sam Plinius   15
Line: 16    
spricht, daz si in hölrn wonent oder under der erden.
Line: 17    
der harliz zell sint sehseckot und die andern sint rinden
Line: 18    
hölrig. ir auzzuht ist ungeordent und ungleich, wan
Line: 19    
ainr fleugt auz, der ander ist in dem wazzer, der dritt
Line: 20    
auf aim würmel, daz er izt. si ezzent flaisch und wah\sent   20
Line: 21    
in dem vollen mônn. in dem winter verpergent si
Line: 22    
sich. die maister sprechent, daz ain zwaijærig kint von
Line: 23    
neun harlizstichen müez sterben. die harliz und die web\sen
Line: 24    
habent kainen küng sam die peinen habent, wan ain
Line: 25    
iegleich harliz wil selber herr sein und ain iegleich webs,   25
Line: 26    
und dar umb nement si vil schadens und verderbens. ir
Line: 27    
hong ist kaim menschen nütz. si prumment grausenleich
Line: 28    
mit irn stimmen und allermaist si in holn steten sint.
Line: 29    
Pei den harlizen verstên ich ain iegleich üppig gemain,
Line: 30    
ainr dem andern niht gehôrsam wil sein und ein iegleicher   30
Line: 31    
mit dem andern muotwillens pfligt. wærleich, ez sein
Line: 32    
laien oder pfaffen, si müezent verderben. daz hab wir
Line: 33    
gesehen an steten und an gotshäusern. niemd ich meld,
Line: 34    
daz ist verpoten, aber prüefen ist alles gepietens frei.

Page: 301  



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM KRAUTWURM.



Line: 3    
Eruca haizt ain krautwurm. daz ist ain langer wurm
Line: 4    
und hât gar vil füez und mangerlai varb. der wurm
Line: 5    
frizt daz kraut ab und diu pleter ab den paumen. man   5
Line: 6    
spricht, daz der wurm umb den andern augst, der ze
Line: 7    
latein september haizt, sein varb verkêr, und wandel
Line: 8    
sein gestalt, wenn er naz werd von taw oder von regen,
Line: 9    
wan er gewinnet flügel und wirt vliegend, sam ain vor\scher
Line: 10    
spricht. der wurm über ains menschen plôze   10
Line: 11    
hant gêt, die unwirdigt er und læzt plæterl nâch im, und
Line: 12    
daz ist ain zaichen, daz er vergiftig ist, wie daz sei, daz
Line: 13    
sein vergift niht grôzen schaden pring.



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 14    
Line: 15    
VON DER AMAIZEN



Line: 16    
Formica haizt ain amaiz. diu smeckt sam ain hunt
Line: 17    
oder ain mensch, iedoch niht ganz und wol, sam
Line: 18    
Aristotiles spricht. daz aber si smecken, daz prüeft man
Line: 19    
pei. wer swebel nimt und origanum, daz auf dem veld
Line: 20    
wehset (daz haizet ôrkraut und haizent ez etleich aiter\kraut,   20
Line: 21    
aber ez haizt pilleich ôrkraut, wan ez ist den sie\chen
Line: 22    
ôrn guot und man erkennt ez pei, daz ez ainen
Line: 23    
rôten stil hât und niht grôzeu pleter und ain rôt pluomen
Line: 24    
und pringt seinen sâmen kraizlot in ainer krôn weis und
Line: 25    
hât ainen gar scharpfen smak), wer daz kraut nimt und   25
Line: 26    
pulvert ez mit dem swebel und legt daz pulver auf ainen
Line: 27    
âmaizhaufen, vliehent si zehant und lâzent ir wonung,
Line: 28    
und in eingêndem môn hœrent si allzeit auf ze arbaiten.
Line: 29    
under allen tiern hât diu âmaiz ain die art, daz si stark
Line: 30    
wirt in dem alter und wehset. wenn der môn vol ist,   30
Line: 31    
würkent si tag und naht, aber ander zeit niht. man
Line: 32    
siht ir steig und ir weg auf den herten kislingen, alsô
Line: 33    
mit grôzem vleiz arbaitent si und tragent ein. dar an

Page: 302  
Line: 1    
mag ain iegleich mensch prüefen, daz ämzichait oder
Line: 2    
stætichait vil vermag, ez sei mit guoten werken gegen got
Line: 3    
oder mit andern dingen, si sein guot oder pœs. die âmai\zen
Line: 4    
tragent ir tôten auz und begrabent si. daz tuot kain
Line: 5    
tier mêr ân den menschen, sam Ambrosius spricht. si   5
Line: 6    
peizent daz korn enzwai daz si eintragent, daz ez icht
Line: 7    
anderwaid keimel und grüen, und welheu körner naz
Line: 8    
werdent, diu trückent si an der sunnen, daz si icht faul
Line: 9    
werden.



Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 10    
Line: 11    
VON DEM AMAIZLEB.



Line: 12    
Formicaleon haizt ain âmaizleb und haizt auch mir\micaleon,
Line: 13    
sam Adelînus spricht, wan mirmin in kriechisch
Line: 14    
ist ain âmaiz und leοn haizt ain leb, dannen kümt daz
Line: 15    
gesament wort mirmicaleon, daz ist gesprochen ain âmaiz\leb.   15
Line: 16    
der wurm ist âmaizen geslähtes, er ist aber vil grœ\zer
Line: 17    
denn ain âmaiz. die weil der âmaizleb klain ist,
Line: 18    
ist er fridsam und zeuht seinen zorn in sich; aber wenn
Line: 19    
er kreftig wirt und starch, versmæht er die alten ge\sellschaft
Line: 20    
und gesellt sich zuo den grœzern, und wenn   20
Line: 21    
er ze letzt gar grôz wirt und starch, lauzt er in den
Line: 22    
haimleichen steten pei der âmaizen strâzen und setzet in
Line: 23    
lâg, reht als ain rauber, und wenn si an ir arbait gênt,
Line: 24    
waz si dann haim tragen wellent, daz nimt er in oder
Line: 25    
würget die âmaizen selber und frizt si, und in dem winter   25
Line: 26    
beraubet er die âmaizen irr narung, die si den sumer ge\sament
Line: 27    
habent, wan er hât im selber nihts für getraht noch
Line: 28    
erarbaitt in dem sumer. Pei dem wurm verstê die müe\ziggängel,
Line: 29    
die den arbaitern nihts lâzent irs swaizes und
Line: 30    
irr arbait.   30



Chapter / Strophe: 15     15.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEM ERDSNECKEN.



Line: 33    
Limax haizt ain erdsneck, wan limus ist ain zæh erd\reich
Line: 34    
sam laim, dar auz wechset der sneck und von

Page: 303  
Line: 1    
kümt daz wort limax ze latein. der sneck izt erden und
Line: 2    
hât vier hörner, aber ir zwai sint lenger und zwai kürzer,
Line: 3    
und wenn er kreucht, strecket er diu hörner; aber wie
Line: 4    
leicht man in anrüert, zeucht er diu hörner ein und
Line: 5    
smucket sich selber zesamen. in dem winter ist er ver\porgen   5
Line: 6    
und in dem lenzen kümt er her für. sein pluot
Line: 7    
hât die art, daz ez diu swaizvensterl verschoppet, und dar
Line: 8    
umb, man ez hin streicht, wert ez vesticleich, daz
Line: 9    
icht hârs wachs. wenn man die snecken zestœzt und
Line: 10    
zereibt und streicht si in etleich wunden, werent si,   10
Line: 11    
daz kain geswer dar inn wachs.



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM HÆSCHRECKEN.



Line: 14    
Locusta haizt ain hæschreck oder ain haberschreck,
Line: 15    
aber ez ist niht daz tier, diu geschrift von saget, daz   15
Line: 16    
sanctus Johannes az in der wüesten, wan daz selb ist ain
Line: 17    
vierfüezig tier, daz auch ze latein locusta haizet, als hie
Line: 18    
vor geschriben stêt von den vierfüezigen tiern. iedoch
Line: 19    
wie daz sei, daz etleich maister daz sprechent, wæn ich
Line: 20    
des, daz sanctus Johannes im selber niht güetleich lebt   20
Line: 21    
nâch dem leib, daz er allzeit flaisch æze daz mêrer tail in
Line: 22    
der wüesten; ez ist sänfter ze gelauben, daz er der würm
Line: 23    
gelebt, wan ain volk, haizent Parthi, die ezzent si gern,
Line: 24    
ich weiz aber niht, wie si si ezzent. der häuschreck hât
Line: 25    
ain haupt gestalt sam ains pfärdes haupt. ain vorscher   25
Line: 26    
spricht, daz die würm anander gezzent, und die grœzern
Line: 27    
ezzent die klainern. si habent viereckot münd und ainen
Line: 28    
stichling zuo ainem zagel und habent zuo sich gepogneu
Line: 29    
pain. die würm wahsent von dem sudenwint, der ze la\tein
Line: 30    
auster haizt, und sterbent von dem nordenwint, der   30
Line: 31    
ze latein aquilo haizt. si werdent snell vaizt von mandel\plüeten.
Line: 32    
si habent ain därmel, daz ist vol unsauberkait,
Line: 33    
und vliegent über verreu mer hungrig und ungezzen vil
Line: 34    
tag. des nimt uns wunder, daz die würmel verr vliegent

Page: 304  
Line: 1    
nâch irs leibes narung. wærleich, ez schölt der mensch
Line: 2    
durch der êwigen speis willen, sam daz gotswort ist, gar
Line: 3    
verr varn. eyâ, waz ist diu christenhait worden an manger
Line: 4    
stat, man ainen Uodelger und ainen Penzen verr lie\ber
Line: 5    
hœrt wan ain êwangelium sagen! die häuschrecken   5
Line: 6    
snurrent mit irn flügeln in dem flug, daz man wænt, ez
Line: 7    
sein reht vogel, und habent auf der schultern zuofüegung
Line: 8    
ain scherpfen sam zend und die scherpfen wetzent si an
Line: 9    
enander, sam ob si zandklaffen. ir pruot ist sam daz
Line: 10    
rockenkorn, und die jungen des êrsten dar auz sliefent,   10
Line: 11    
sint si klain und swarz sam die âmaizen. der was gar
Line: 12    
vil pei kaiser Ludweiges zeiten und tâten grôzen schaden,
Line: 13    
als ich in dem andern stuck des puochs geschriben hân von
Line: 14    
dem geschöpften stern.



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 15    
Line: 16    
VON DER MUCKEN.



Line: 17    
Musca haizt ain muck oder ain flieg. diu hât die
Line: 18    
art, daz si gar trätzleich fleugt und hât daz lieht liep,
Line: 19    
wan si kan sich in der vinster nihts berihten. si wont
Line: 20    
gern an der wirm und sitzet gern auf naz dinch. si ist   20
Line: 21    
girig nâch pluot. si müet alleu tier und allermaist den
Line: 22    
menschen. si frisch flaisch berüert, daz allerêrst geslagen
Line: 23    
ist, volgent zehant würmel nâch und unlustigent daz ge\mailigt
Line: 24    
flaisch, und daz geschiht allermaist in den haizen
Line: 25    
augsttagen. diu muck fleuht wol gesalzen dinch und daz   25
Line: 26    
scharpf ist, und waz weiz und rain ist, daz unsaubert si,
Line: 27    
und mag man an mangen dingen diu mail niht vertreiben
Line: 28    
in ainem jâr. sam ain vorscher spricht, waz mucken man
Line: 29    
in wazzer versenket oder peinen, die werdent wider leben\tig
Line: 30    
in ainer stunt, iedoch niht allzeit. si wahsent auz   30
Line: 31    
faulem mist. si gepernt würmel, ander mucken von
Line: 32    
koment, und diu würmel sint hert und swarz. si habent
Line: 33    
kain gedæhtnüss. ez ist ainr lai mucken in Cypernland,
Line: 34    
die sint vierfüezig und gevidert und sint vil grœzer denn
Line: 35    
unser mucken, die haizent pyralle, sam Plinius spricht.   35

Page: 305  
Line: 1    
daz sint feurmucken, wan si in ainen feuroven koment,
Line: 2    
vliegent si ze mitelst durch daz feur unbelaidigt, und
Line: 3    
daz ist ain wunder. si lebent in dem feur, vliegent aber
Line: 4    
si ain klain verr von, sterbent si.



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 5    
Line: 6    
VON DEM FLOCH.



Line: 7    
Pulex haizt ain flôch. der wirt auz gewermtem staub
Line: 8    
und auz fauler fäuhten. diu pest erznei für die flœch ist,
Line: 9    
der seinen leip all âbent mit wermuotsaf reibt, oder, sam
Line: 10    
Ambrosius spricht, die flœch berüerent dich niht, ist daz   10
Line: 11    
wermuotkraut kochest mit öl und deinen leip mit
Line: 12    
salbest.



Chapter / Strophe: 19     19.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM FÜEZLING.



Line: 15    
Pediculus haizt aigencleich ain füezling. daz ist ain   15
Line: 16    
leuteswürml oder ain kintpeiz, und haizt dar umb ain
Line: 17    
füezling nâch der latein, daz ez vil füez hât, sam daz
Line: 18    
puoch spricht von den dingen. Aristotiles spricht, daz
Line: 19    
diu pest erznei wider diu würmel sei, der seinen leip dick
Line: 20    
wasch mit merwazzer oder mit anderm gar wol gesalzem   20
Line: 21    
wazzer, oder der kwecksilber, daz etleich köksilber hai\zent,
Line: 22    
gar wol seudet mit paumöl und ain gürtelsnuor dar
Line: 23    
ein daucht und die tregt, oder putter mit köksilber ge\mischet,
Line: 24    
wer sein klaider mit reibt, daz hilft auch.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 25    
Line: 26    
VON DEM FROSCH.



Line: 27    
Rana haizt ain frosch. der hât die art, daz er allez
Line: 28    
daz fürhtet daz lebt und wænt, daz in die läut hazzen.
Line: 29    
er mag seinen munt nümmer auf getuon in dem augst
Line: 30    
weder durch ezzens willen oder trinkens oder ze schreien   30
Line: 31    
oder zuo kainrlai andern sachen, tuost im in kaum auf
Line: 32    
mit ainem stab. der frösch unkäusch ist mêr in der naht

Page: 306  
Line: 1    
wan in dem tag, und pei prüefet man die scham der
Line: 2    
unkäusch. daz ist wider die, die tag und naht unschämig
Line: 3    
sint. iedoch habent si klainen gewin mit der übermâz,
Line: 4    
wan sölich unfuor benimt schœn stimm, klârhait der augen,
Line: 5    
des leibes kraft und macht und benimt êr und verderbt   5
Line: 6    
die sêl. mâz ist ain maisterinn aller werk. wer des
Line: 7    
wazzerfrosches zungen ainem slâfenden menschen legt
Line: 8    
under sein haupt, daz wirt redent in dem slâf und offen\bârt
Line: 9    
haimleicheu dinch, sam diu alt gepäurischait spricht,
Line: 10    
diu doch dick missagt. wer aim hund gibt ainen leben\tigen   10
Line: 11    
frosch in prôt, der verleust sein peiln. ez ist auch
Line: 12    
ain klainz fröschel, daz haizt ze latein coriens und haizt
Line: 13    
ze däutsch ain laupfrosch. daz fröschel ist grüenvar und
Line: 14    
steigt auf die paum und ruoet zwischen den pletern. daz
Line: 15    
fröschel hât die art, daz ez vor hin schreit, wenn ain re\gen   15
Line: 16    
wil komen, aber ze anderr zeit singet ez selten oder
Line: 17    
nümmer, und wænet manig mensch, der daz fröschel aim
Line: 18    
hund in sein maul würf, er verlür sein stimm von.
Line: 19    
ez ist auch ain klainz fröschel, sam Plinius spricht, daz
Line: 20    
wonet gern in dem rœrach und in den püschen: wenn   20
Line: 21    
daz diu rinder in sich trinkent, werdent ir leib un\mæzicleich
Line: 22    
grôz.



Chapter / Strophe: 21     21.
Line: 23    
Line: 24    
VON DER EGELN.



Line: 25    
Sanguisuga haizt ain egel. daz ist ain wazzerwurm,   25
Line: 26    
der hât niht pain in im und niht füez noch flozzen. der
Line: 27    
hât die art, wenn er an ains menschen flaisch behanget,
Line: 28    
man in dan ie mêr zeuht, er ie vester dar an
Line: 29    
hangt, unz daz er zeprist. der wurm zeuht daz faul pluot
Line: 30    
auz dem menschen und nimt des dicke vil, daz er ze\prist.   30
Line: 31    
alsô machet er den menschen gesunt und tœtt sich
Line: 32    
selber. Pei dem wurm verstê wir die mit geitichait und
Line: 33    
mit haz dick überwunden werdent, alsô daz si andern
Line: 34    
läuten ir schuld vergebent und tœtent sich selber an der
Line: 35    
sêl. ain vorscher spricht, man schüll die egeln mit dornen   35

Page: 307  
Line: 1    
stechen oder mit tisteln oder mit nezzeln, unz si die ver\gift
Line: 2    
lâz, die si in dem wazzer genomen hât von den frö\schen.
Line: 3    
nâch schol si der mensch an die haut lâzen.
Line: 4    
die egel hât ainen dreieckoten munt, dar umb macht si
Line: 5    
ain dreieckot wunden.   5



Chapter / Strophe: 22     22.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM WAZZERLÄUFEL.



Line: 8    
Talpula mag ain wazzerläufel haizen. daz ist ain
Line: 9    
vierfüezig wurm und hât soln an den füezen, mit lauft
Line: 10    
er freileich auf dem wazzer und fürht der wazzer niht.   10
Line: 11    
der wurm lebt geleich in wazzer und auf erden. er lauft
Line: 12    
auf der erd gar snell, iedoch mêr auf den wazzern, alsô
Line: 13    
daz er in kurzer zeit ain langez wazzer überläuft; wie
Line: 14    
ungestüem ez ist, iedoch sitzet er dick auf dem wazzer
Line: 15    
und ruowet, wenn er müed worden ist. er wirt auch niht   15
Line: 16    
naz von dem wazzer, wie lang in under dem wazzer
Line: 17    
mit henden heltst, noch stirbt von.



Chapter / Strophe: 23     23.
Line: 18    
Line: 19    
VON SALOMONS WURM.



Line: 20    
Thamur oder samier haizt Salomôns wurm. von   20
Line: 21    
sagt man in der geschrift, diu scolastica historia haizt,
Line: 22    
daz Salomôn des tempels stain mit tailt und zeprach
Line: 23    
und daz ain strauz ain hertez glas mit zeprach, dar
Line: 24    
umb, daz er sein jungez sträuzel her auz næm. Der wurm
Line: 25    
der mag unsern herren Jêsum Christum bedäuten, wan   25
Line: 26    
unsers herren pluot, daz er vergôz an dem hailigen cräuz,
Line: 27    
hât grôz kraft, daz ez die staineinen herzen erwaicht
Line: 28    
zuo dem mitleiden unsers herren marter. ich waiz daz
Line: 29    
wol, daz kain trachten vast flammen pringt zuo göt\leicher
Line: 30    
lieb, sam daz trahten tuot in die pittern marter   30
Line: 31    
und in die menschait unsers herren Jêsû Christi, ich main
Line: 32    
an dem anvang der götleichen lieb, wenn ain mensch des
Line: 33    
êrsten die lieb vâhen wil. eyâ, nu prüef, mein herz, ob
Line: 34    
ain lieber mensch umb deinen willen vil litt smâchait

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Line: 1    
und leidens unz an den grimmen tôt, ob niht grôz
Line: 2    
leiden hetest an deim herzen umb in? ich gesweig, daz
Line: 3    
der edelst der schœnst der tugentleichst der gewaltigst
Line: 4    
und der reichst durch dein lieb vil marter hât erlit\ten,
Line: 5    
daz er dich wider haim præht in seins vater reich in   5
Line: 6    
die êwigen fräud. eyâ, kêr wider, mein sêl, kêr wider
Line: 7    
zuo deinem pesten freund!



Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM RAUBÆR.



Line: 10    
Spoliator haizt ain rauber. der wurm ist goltvar,   10
Line: 11    
sam daz puoch spricht von den dingen, und hât die art,
Line: 12    
er ain slangen vint ligen in aim schaten, steigt er
Line: 13    
ir des êrsten auf den zagel und kläuselt si sänfticleich
Line: 14    
und zeletst durchnegt er ir daz hirn und tœtt si. alsô
Line: 15    
tuot diu sünd des êrsten wol und tœtt den sünder zeletst   15
Line: 16    
mit dem êwigen tôd.



Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 17    
Line: 18    
VON DEM WEIZSNECKEN.



Line: 19    
Testudo haizt ain sneck gemainleich, ez sei ain waz\zersneck
Line: 20    
oder ain ertsneck, swarz oder weiz. iedoch hab   20
Line: 21    
wir von in allen geschriben ân von dem weizen snecken.
Line: 22    
der kümt von faulem gras mit übermâz der fäuhten und
Line: 23    
der hitz. der wurm ist gar træg und vaizt und hât vil
Line: 24    
pluotes nâch seiner art. wenn man salz auf in sprengt,
Line: 25    
zefleuzt er vil nâhen aller ganz und gar, alsô daz   25
Line: 26    
sein nâhent nihts mêr beleibt, und wirt eitel pluot auz
Line: 27    
im in seiner art. daz ist guot zuo mangerlai erznei.
Line: 28    
pei verstê die läut, die versuocht habent daz salz der
Line: 29    
weishait, die zevliezent zemâl in andâht und achtent sich
Line: 30    
selber nihts in der werlt. ich main die götleichen weis\hait,   30
Line: 31    
aber diu menschleich kunst macht die üppigen mai\ster
Line: 32    
hôchvertig und zeplæt. von spricht sanctus
Line: 33    
Paulus 'scientia inflat,' daz spricht: diu kunst zeplæt,
Line: 34    
und maint ez in dem sinn und ich gesprochen hân.

Page: 309  



Chapter / Strophe: 26     26.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM HOLZWURM.



Line: 3    
Τheredο haizt in kriechisch ain holzwurm, sam Isi\dorus
Line: 4    
spricht. der wurm wechst in den hölzern, diu man
Line: 5    
ze unrehter zeit abhawet, iedoch man lindez holz   5
Line: 6    
trucken helt, wachsent niht würm inn und auch in
Line: 7    
aicheim holz wachsent si niht gern, aber in allem anderm
Line: 8    
holz ân gar wênig wachsent si in den landen gegen der
Line: 9    
sunnen underganch. dar umb prüefent die holzhacker an
Line: 10    
daz wädel und daz new des mônen, wenn si daz holz   10
Line: 11    
oder die paum hawen wellent.



Chapter / Strophe: 27     27.
Line: 12    
Line: 13    
VON DER SCHABEN.



Line: 14    
Tinea haizt ain schab. daz ist ain gewantwurm, sam
Line: 15    
Isidorus spricht, und wechset von faulem luft und von   15
Line: 16    
saiger fäuhten in der gewantwollen, dar inn sitzet ez und
Line: 17    
durchnegt si.



Chapter / Strophe: 28     28.
Line: 18    
Line: 19    
VON DEM SPECKMADEN.



Line: 20    
Tarmus haizt ain speckmad, wan daz ist ain wurm,   20
Line: 21    
der in speck wehset, sam Isidorus spricht, und maint die
Line: 22    
vaizten, diu in dem swein ist zwischen der swarten und
Line: 23    
dem rôten flaisch. iedoch mag tarmus ain iegleich flaisch\mad
Line: 24    
haizen. die würm fürkümt man mit zimleichem sal\zen
Line: 25    
und mit rehter handlung.   25



Chapter / Strophe: 29     29.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM WEFSEN.



Line: 28    
Vespe haizent wefsen. die machent nest in hœhen
Line: 29    
auz horw und handelnt ir leben gern pei mist, der von
Line: 30    
den tiern und von den läuten kümt. si ezzent flaisch,   30
Line: 31    
sam Plinius spricht, und koment etswenn von pfärdes
Line: 32    
flaisch, sam Clemens der pâbst spricht.

Page: 310  


Chapter / Strophe: 30     30.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM REGENWURM.



Line: 3    
Vermis haizt gemainleich ain iegleich wurm, iedoch
Line: 4    
haizt aigenleichen in der geschrift vermis ain regenwurm,
Line: 5    
mit man die ängel äzt, man die visch wil vâhen.   5
Line: 6    
der wurm wechset auz lauterr erden ân unkäusche und
Line: 7    
dem wurm geleicht sich unser herr in dem psalm und
Line: 8    
spricht 'ego sum vermis et non homo,' daz spricht: ich
Line: 9    
pin ain regenwurm oder ain ertwurm und niht ain mensch.
Line: 10    
daz sprach er pilleich durch des weissagen munt von seinr   10
Line: 11    
menschait und von seinr marter, wan er wart mensch von
Line: 12    
dem lautern rainen leib unserr frawen ân alleu mail, und
Line: 13    
dem zuo ainer geleichnüss spricht diu geschrift, daz würm
Line: 14    
würden auz dem rainen himelprôt, daz got den alten vä\tern
Line: 15    
her ab warf hie vor in der wüesten.   15



Chapter / Strophe: 31     31.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM CELIDONIER.



Line: 18    
Vermis celidonie haizt ain celidonier, daz ist ain
Line: 19    
wurm, der wonet in etleichen haizen wazzern, diu von
Line: 20    
nâtûr haiz sint, sam diu wiltpad, in dem land Celidonia,   20
Line: 21    
daz ist ain küngreich; aber celidonia haizt ze latein ain
Line: 22    
schellkraut, als her nâch kunt wirt. alsô nemen wir ez
Line: 23    
hie niht. derlai würm lebent in dem haizen wazzer sam
Line: 24    
die visch in dem kalten, und wenn si auz dem siedenden
Line: 25    
wazzer koment in ain kaltez, sterbent si: alsô spricht   25
Line: 26    
und schreibt Augustînus in dem puoch von der stat gotes.
Line: 27    
mit hab daz dritt tail des puochs ain end von
Line: 28    
allerlai tieren, an der art und nâtûr man schawet die
Line: 29    
wunderleichen werch des obristen fürsten, und der die
Line: 30    
hailig schrift auch an manger stat gedenkt, und wizzent   30
Line: 31    
ainvaltig pfaffen niht vil von, die doch vil guoter pre\dig
Line: 32    
von machten, ob si der tier nâtûr alsô erkanten.




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This text is part of the TITUS edition of Konrad von Megenburg, Buch der Natur.

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