TITUS
Konrad von Megenburg, Buch der Natur
Part No. 9
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Book: IV     IV.
Line: 1    
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A.

Line: 3    
VON DEN PAUMEN.



Line: 4    Wir schüllen nu in disem vierden stuck des puoches
Line: 5    
sagen von allerlai paumen und des êrsten von gemainen   5
Line: 6    
paumen, dar nâch von wolsmeckenden und gar edeln
Line: 7    
paumen und schüllen die ordnung haben, daz wir des
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êrsten von den sagen, der nam sich ze latein an ainem
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A anhebt, und dar nâch an dem B, reht als daz ABC
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geordent ist, sam unser weis vor gewesen ist in andern   10
Line: 11    
dingen.



Chapter / Strophe: 1     1.
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Line: 13    
VON DEM KÄUSCHEN LAMP.



Line: 14    
Agnus castus haizt daz käusch lamp. daz ist ain
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paum, sam Platearius spricht, der ist an kraft haiz und   15
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trucken, alsô daz er hitzet und trükent, und hât den na\men
Line: 17    
dar umb, daz er den menschen käusch macht sam
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ain lämpel, wan er auzräut und auzwürzelt den unkäu\schen
Line: 19    
glust, dar umb, daz er des menschen unkäusch
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fäuhten mit seiner hitz verzert. und daz würkt der paum   20
Line: 21    
niht allain mit seinen pletern noch allain mit seim saff
Line: 22    
wer daz trinket, er würkt ez auch mit, ob man den
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ligenden menschen sein plüet oder sein pleter understrä\wet.
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daz bezeugt Galiênus, der schreibt von den pur\gern
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ze Athên in der stat in Kriechen, und spricht, daz   25
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die êrbærigen frawen des paumes pleter in ir häuser sträu\ten
Line: 27    
hie vor, daz si und ir man dester käuscher lebten.
Line: 28    
man liset auch in der alten maister schrift, daz die alten

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Line: 1    
haiden, die mit irm opfer antwürt wolten paiten von den
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abgötern, sich legten auf des paumes pleter, dar umb,
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wenn si entsliefen, daz si kain pœs traum oder kain val\schez
Line: 4    
gesiht velschet und beswært. der paum pringt sein
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pleter niht mit andern paumen, die in dem lenzen grüe\nent:   5
Line: 6    
er paitet mit seinen pletern und mit seinen plüeten
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unz verr in den sumer, der sunnen hitz daz ertreich
Line: 8    
gar erhitzet hât. des paumes plüet oder sein pleter sint
Line: 9    
zuo erznei gar guot, wan wer sein saft trinket oder ir
Line: 10    
wazzer, inn si gesoten sint, der verleuset seinen un\käuschen   10
Line: 11    
gelust gar vast, und benimpt hitz oder prunst,
Line: 12    
mit ain mensch überhitzet ist, und allermaist wenn
Line: 13    
man diu schämigen gelider mit handelt. waz man auch
Line: 14    
riemen seudet in derlai saf, die sint guot für genorream,
Line: 15    
daz ist unwillig sâmenrêrn, sam in dem slâf geschicht   15
Line: 16    
oder auch etleichen läuten wachend. der pâm hât ple\ter
Line: 17    
sam ain ölpaum, iedoch sint si niht hert, und hât
Line: 18    
die art, daz er gern an wäzrigen steten wechset und an
Line: 19    
nidern steten. wolt got, daz der werlt der weinreben
Line: 20    
minner wüechs und derlai paum mêr, und allermaist gaist\leichen   20
Line: 21    
läuten.



Chapter / Strophe: 2     2.
Line: 22    
Line: 23    
VON ADAMS PAUM.



Line: 24    
Ainer lai paum wachsent in dem land gegen der sun\nen
Line: 25    
aufganch, sam Jacobus spricht, die tragent gar schœn   25
Line: 26    
gelb öpfel. an den öpfeln scheint ains menschen piz gar
Line: 27    
offenleich und kuntleich und dar umb haizt man si Adâ\mes
Line: 28    
öpfel. wærleich, daz ist ain grôz wunder, daz got
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des êrsten menschen sünd wolt zaigen an derlai frühten.



Chapter / Strophe: 3     3.
Line: 30    
Line: 31    
VON DES PARADIS PAUM.



Line: 32    
Arbor paradisi haizt des paradis paum und haizt von
Line: 33    
etleichen maistern ze latein pulcherrima, daz spricht: der

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Line: 1    
allerschœnist, wan er ist schœn, daz seineu pleter an
Line: 2    
der leng ain daumeln habent und an der prait ain halb
Line: 3    
daumeln. der paum tregt lenklocht öpfel und die sint
Line: 4    
süez und vaiztelochter fäuhten, und sprechent die maister,
Line: 5    
daz er der öpfel mêr den hundert trag an ainem stengel.   5
Line: 6    
sein stam ist hol sam ain rœr und wechset gern an fäuh\ten
Line: 7    
steten, die man allzeit fäuht macht, reht sam der
Line: 8    
kürbiz tuot. Pei dem paum verstên ich unser frawen.
Line: 9    
diu haizt wol der allerschœnst paum, der under frawen
Line: 10    
pild fruht ie getruog; diu ist voller genâden, daz si ie   10
Line: 11    
an ainem ast der sælichait tregt mêr dann hundert tugent.



Chapter / Strophe: 4     4.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM WUNDERLEICHEM PAUM.



Line: 14    
Arbor mirabilis haizt der wunderleich pâm. des
Line: 15    
stam ist auch hol sam ain rœr und wehst auch gern an   15
Line: 16    
fäuhten steten, reht sam der schœnist tuot. aber der wun\derleich
Line: 17    
hât praiteu pleter und gar grôzeu und tregt ge\körnteu
Line: 18    
fruht an langen stengeln sam die weintrauben.
Line: 19    
sein pluom ist schœn geschicket als ain weintraub und
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ist gevar als safrân. der paum wechst gern an dem   20
Line: 21    
schaten, auch als daz kürbiz. Pei dem paum verstên ich
Line: 22    
daz hailig cräuz, daz hât getragen die gar schœnen pluo\men
Line: 23    
unsern herren Jêsum Christum, wan daz hailig cräuz
Line: 24    
haizt wol der wunderleich paum von den wunderleichen
Line: 25    
werken, diu got würkt in seim namen. von dem paum   25
Line: 26    
und von dem vodern sagt unser puoch ze latein niht, ich
Line: 27    
hân si genomen auz grœzern püechern von der nâtûr, als
Line: 28    
ich willen hân ze tuon an vil paumen und kräutern;
Line: 29    
twinget mich zuo gar guoter will.



Chapter / Strophe: 5     5.
Line: 30    
Line: 31    
VON DER TANNEN.



Line: 32    
Abies haizt ain tann und ist ze latein vil gespro\chen
Line: 33    
sam ain aufgängel, wan der paum wirt gar hôch

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Line: 1    
und langet über ander paum, sam Isidorus spricht, und
Line: 2    
ist gar lüftiger art. dar umb mag man ez wol gehandeln
Line: 3    
zuo paw und zuo feur, wan ez ist eben und hât niht vil
Line: 4    
knorren, die von erdischer grober fäuhten koment. daz
Line: 5    
holz hât die art, ist, daz man ez allzeit in wazzer legt   5
Line: 6    
oder ob ez allzeit an dem luft stêt, gefaulet ez selten
Line: 7    
nümmer; ist aber ez ain zeit in wazzer und ain zeit in
Line: 8    
luft und geschicht der wechsel dick, faulet ez leiht.
Line: 9    
scholt auch wizzen, daz die maister in der nâtûr vör\hein
Line: 10    
holz und viechtein holz allez tannen haizent mit dem   10
Line: 11    
gemainen namen abies; aber si sprechent, daz diu reht
Line: 12    
tann under den drein die alleredelst sei, wan diu hât
Line: 13    
daz allerweizist und daz allerlüftigst holz. daz viechtein
Line: 14    
holz ist ain tail rœter und der viechten pleter sint niht
Line: 15    
smal sam diu tannenpleter, aber vörheinz holz ist vol\ler   15
Line: 16    
kiens und macht man lieht auz. die drei paum
Line: 17    
haizent ze latein nâch enander abies alba, abies citrina,
Line: 18    
abies resinosa. iedoch werd wir von der viechten sunder\leichen
Line: 19    
schreiben. auz tänneim holz werdent niht guot
Line: 20    
päuch zuo saitenspil, sam zuo fideln, zuo leirn und zuo   20
Line: 21    
andern dingen, dar umb, daz derlai holz von seiner lüf\tigen
Line: 22    
nâtûr gesträutes leibes ist und vol gar klainer leip\löchel,
Line: 23    
diu wir an uns swaizlöchel haizent, und dar umb
Line: 24    
helt ez den luft niht vast, von der dôn kümt, aber ez
Line: 25    
werdent gar guot pödem an sölchen dingen auz tänneim   25
Line: 26    
holz, dar umb, wenn sich der luft gestôzen hât an die
Line: 27    
starken saiten in der ding päuchen, zinzelt er langsam
Line: 28    
durch die linden pödem, und von wirt daz gedœn süez.



Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 29    
Line: 30    
VON DER ERLN



Line: 31    
Alnus haizt ain erl. der paum wechst gern an fäuhten
Line: 32    
steten und ist sein holz rôt und diu rind swarz. wenn
Line: 33    
man daz holz geprennet, wirt weizer asch auz wan
Line: 34    
auz kainrlai anderm holz, daz uns bekant sei. daz holz

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Line: 1    
hât die art, die weil ez grüen ist, læzt ez sich niht
Line: 2    
gern spalten sam daz tännein; aber wenn ez gedorret,
Line: 3    
læzt ez sich gerner spalten. des paumes pleter habent die
Line: 4    
art, wenn si des êrsten her für gênt, habent si ain
Line: 5    
vaizt zæh fäuhten, reht als des popelpaums pleter. iedoch   5
Line: 6    
ist der erlpleter saf niht schœn smeckend sam der
Line: 7    
popeln pleter saf. diu erlpleter habent die art, man
Line: 8    
si sträut in ain kamern, tœtent si die flœch, und daz
Line: 9    
ist wâr von den pletern, diu newleich auzgeschozzen sint,
Line: 10    
wan müezent die flœch an hangen. daz erlein holz   10
Line: 11    
alsô grüenez in wazzer gelegt erfaulet gar langeu jâr
Line: 12    
nümmer und dar umb sleht man pfeiler in die mosigen
Line: 13    
stet auz derlai holz und pawet dar auf türn, maur und
Line: 14    
andreu werk.



Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 15    
Line: 16    
VON DEM MANDELPAUM.



Line: 17    
Amygdalus haizt ain mandelpâm und ist ain krie\chisch
Line: 18    
wort, sam Isidorus spricht, und bedäutet vil
Line: 19    
als ain langeu nuz. Rabanus spricht, daz sich der paum
Line: 20    
ê mit plüeten klaid dann kain ander paum. der paum   20
Line: 21    
früht sint zwairlai. etleich sint süez, die sint guot ze ez\zen,
Line: 22    
und etleich sint pitter, die sint guot zuo erznei. ie\doch
Line: 23    
werdent die pittern süez, wenn man si dar nâch
Line: 24    
pawet, wan der den paum umbgrebt dreir vinger lank
Line: 25    
von der würzeln mit ainr gruob, diu schedleich fäuh\ten   25
Line: 26    
auz gêt, werdent die mandelnüz süez, oder pei der
Line: 27    
wurzeln den stam durchport mit aim nägbær und sleht
Line: 28    
ainen keil dar ein ze mittelst übertwerch, werdent si
Line: 29    
auch süez, oder der eisnein negel durch den stam sleht.
Line: 30    
wenn man die mandelkern mit merwazzer oder mit an\derm   30
Line: 31    
gesalzem wazzer wescht, werdent si weiz und
Line: 32    
sint lang frisch. Pei der arbeit, mit man die mandel
Line: 33    
süez macht, verstên ich die gaistleichen arbait, diu alle
Line: 34    
die pitterkait der rew und der puoz verkêrt in ain süe\zen
Line: 35    
der êwigen süezikait und sælichait.   35

Page: 316  



Chapter / Strophe: 8     8.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM HAGDORN.



Line: 3    
Bedegar haizet ain hagdorn oder weithagen. der
Line: 4    
paum hât seinen stam vol kurzer weizer dorn oder rœt\loter
Line: 5    
und hât pleter geleich aim rôsendorn oder aim velt\dorn.   5
Line: 6    
iedoch sint sein früht klainer wan des veltdorns
Line: 7    
früht, ez sint auch sein rôsen klainer wan des veltdorns
Line: 8    
rôsen. des hagdorns pleter habent ainen weinsmack und
Line: 9    
allermaist in dem lenzen, die weil si new sint. des hag\dorns
Line: 10    
sâm ist an der kraft haiz und behend und ist den   10
Line: 11    
kinden guot, diu ir ärmel oben verlaidigt habent an der
Line: 12    
wegung: wenn si den sâmen trinkent, hailent si. wer
Line: 13    
auch den munt reibet und weschet mit des paumes saft,
Line: 14    
daz ist guot für den zantsiechtum. man spricht auch,
Line: 15    
daz sein wurzel guot sei für daz pluoträchsen auz dem   15
Line: 16    
mund und auz dem hals und ist guot für die krankhait
Line: 17    
des magen und ist guot für diu fieber, diu von pœser
Line: 18    
wäzriger fäuhten koment.



Chapter / Strophe: 9     9.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEM PUCHSPAUM



Line: 21    
Buxus haizt ain puchspaum. der paum ist gar knor\rot
Line: 22    
und sein holz ist gelblot und gar vest und dar umb
Line: 23    
mag man behendeu pild und ander gestalt dar ein graben.
Line: 24    
der paum wechset niht hôch und ist an der kraft warm
Line: 25    
und trucken und hât ainen smack, wenn des mannes sâm   25
Line: 26    
dem selben smack geleich smeckt, ist er wol perhaft,
Line: 27    
als etleich sprechent. wenn auch der mensch gesunt ist,
Line: 28    
smecket er sam der puchspaum an dem leib zemâl,
Line: 29    
ân daz des puchspaumes smack scherpfer ist und trückner.
Line: 30    
der paum ist grüen winter und sumer und hât klaineu   30
Line: 31    
plätel, diu sint hertgriffig. der paum ist zwair lai. ainr
Line: 32    
lai wechst hœher wan der andern lai und der hœher praitt
Line: 33    
sich niht vast sam der nider und tregt klaineu äpfell,

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Line: 1    
diu habent oben scharpf spitzling und klainen sâmen. der
Line: 2    
puchspaum hât gar knorrot wurzeln, und dar umb vint
Line: 3    
man edlern maser an derlai holz wan an kaim andern
Line: 4    
holz. iedoch smeckt der wein paz auz viechteim maser.



Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 5    
Line: 6    
VON DEM KESTENPAUM.



Line: 7    
Castanea haizt ain kestenpaum. der paum ist grôz
Line: 8    
und praitt sein est sam diu puoch tuot, iedoch ist diu
Line: 9    
puoch hœher wan der kestenpaum und sint des kesten\paums
Line: 10    
pleter lenger und dicker wan der puochen pleter.   10
Line: 11    
der kestenpaum hât sein fruht in ainer rauhen spitzigen
Line: 12    
schaln, reht sam diu puoch hât, aber des kestenpaums
Line: 13    
früht sint verr grœzer wan der puochen früht und iet\weder
Line: 14    
paum hât in ainer schaln vil kern und hât ietleich
Line: 15    
kern ain besunder häutel, daz ist swarz. der kestenpaum   15
Line: 16    
hât die art, wenn man im oben den wipfelink abhawet,
Line: 17    
schozzet er in vil schozreiser und pringt der ainen grô\zen
Line: 18    
pusch. wer die kestennüz zestœzt mit salz und dar
Line: 19    
nâch mit honig mischet, daz ist guot wider die slangen
Line: 20    
pizz und wider der töbigen hund pizz.   20



Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM CEDERPAUM.



Line: 23    
Cedrus haizt ain cederpaum. daz ist gar ain edel
Line: 24    
paum an der hœch, wan er wechset nâhent zuo den wol\ken,
Line: 25    
sam Jacobus und Isidorus sprechent. des paumes   25
Line: 26    
pleter sint nâhent geleich des cypressen pleter und sint
Line: 27    
sam der tannen und der viechten pleter und smeckent gar
Line: 28    
schôn und sint den slangen gar wider. ez ist auch des
Line: 29    
paumes holz gar wol smeckend und wert lang und scha\dent
Line: 30    
im die holzwürm niht. des paums harz haizt ze   30
Line: 31    
latein resina cedrina, daz spricht cederharz. wer diu
Line: 32    
püecher mit bestreicht, diu vrezzent die schaben niht

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Line: 1    
und werent gar lang. die slangen sterbent von seim smak.
Line: 2    
der cederpaum ist zwair lai. ainr lai plüet und pringt
Line: 3    
niht fruht. der ander plüet niht und pringt fruht. der
Line: 4    
fruhtpær pringt new früht, ê diu vorder fruht ab dem
Line: 5    
paum kom. die fruhtpærn haizent merceder und haizent   5
Line: 6    
ze latein maritime. die wachsent in Italia und sint klain
Line: 7    
und ist ir fruht grôz als ains menschen haupt nâhent ge\leich
Line: 8    
den kürbizen. der apfel ist gel und hât dreirlai
Line: 9    
wesen an im, sam Jacobus spricht. daz auzer tail hitzet,
Line: 10    
daz mitter tail ist mæzig warm, daz dritt, daz inwendig   10
Line: 11    
ist sam des apfels herz, daz küelt.
Line: 12    
Nu sprechent die maister, daz sei diu fruht, von
Line: 13    
unser herr spricht 'ir wert eu an dem êrsten tag nemen
Line: 14    
der früht des allerschœnisten paums,' als wir lesen in dem
Line: 15    
puoch Levitico. aber die juden, die neur dem puoch\staben   15
Line: 16    
volgent, die nement die öpfel, die haizent aran\ser
Line: 17    
von dem paum arans, der ze latein orangus haizt, und
Line: 18    
trinket man ir saf für die hitz sumerzeiten in wälhischen
Line: 19    
landen. ez wahsent gar schœn und gar hôch cederpäum
Line: 20    
in den landen gegen der sunnen aufganch auf dem perg   20
Line: 21    
Libano. aber ez sprechent etleich, die selben päum sein
Line: 22    
unfruhtpær all zeit. nâch den selben cederpaumen ge\leicht
Line: 23    
sich unser fraw in der geschrift und spricht von ir
Line: 24    
selber 'ich pin erhœht sam ain cederpaum auf dem perg
Line: 25    
Libano.' zwâr daz mag si wol sprechen diu aller gnâden   25
Line: 26    
vol, wan si ist erhœht über all engel auf dem himel unz
Line: 27    
in diu wolken der götleichen gnâden und lieb. mit
Line: 28    
ist si umbgeben alsô milticleich, daz si got ir aingeporn
Line: 29    
sun nihts verzeiht, er gewer si alles des si in pitt. frawe,
Line: 30    
des lâz mich geniezen durch all dein wirdikait!   30



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEM CYPRESSENPAUM.



Line: 33    
Cypressus ist auch gar ain hoher paum und tregt
Line: 34    
vil gemainschaft mit dem cederpaum, wan der cederpaum

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Line: 1    
und der cypressenpaum und der therebint und diu tann
Line: 2    
tragent vil über ain und allermaist dar an, daz die paum
Line: 3    
all harz tragent vil nâhent áins smackes, iedoch sint der
Line: 4    
ceder und der cypress lengers wesens wan diu tann oder
Line: 5    
diu viecht. der cypress praitt sein wurzeln vast, iedoch   5
Line: 6    
seiht und niht tief in der erden und hât klaineu spitzigeu
Line: 7    
plätel sam diu viecht oder diu tann; iedoch ist des cy\pressen
Line: 8    
holz ain klain herter wan der viechten holz und
Line: 9    
auch swerzer. ez sint auch tannzäpfen und cypressenöpfel
Line: 10    
geleich an der gestalt und ir körnel smeckent geleich.   10
Line: 11    
diu ezzent die aichorn ab den viechten winterzeiten. des
Line: 12    
cypressen holz ist gar guot zuo palken in kirchen und zuo
Line: 13    
grôzem gepäw und ist gar vest, alsô daz ez grôz und
Line: 14    
swær pürd mag auf gehalten und getragen. Dem paum
Line: 15    
geleichet sich auch unser fraw in der geschrift und spricht   15
Line: 16    
von ir selber 'ich bin auf gehœcht als ain cypress auf
Line: 17    
dem perg Syôn;' daz spricht si pilleich, wan Syôn ist als
Line: 18    
vil gesprochen als ain gesiht des frides. nu ist si auf
Line: 19    
dem perg, daz ist der himel, des êwigen frides, und praitt
Line: 20    
ir genâd herab und helt daz gepäw auf der hailigen   20
Line: 21    
christenhait. wær des niht, wærleich wær diu christen\hait
Line: 22    
gar krank pei unsern zeiten, wan zucht, tugent, trew
Line: 23    
und wârhait sint auz der welt gevarn und habent vier
Line: 24    
swær gesellen hinter in gelâzen: unzucht, untugent, un\trew
Line: 25    
und valschait.   25



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM KÜTENPAUM.



Line: 28    
Cytonius oder cottanus haizt ain kütenpaum. der
Line: 29    
paum ist zwair lai. ainr lai wechst grôz sam ain pirpaum.
Line: 30    
der tregt lenklot küten, gestalt sam die pirn, und haizent   30
Line: 31    
pirnküten, aber si smeckent sam die küten und sint gel
Line: 32    
sam die küten und des paums pleter sint klainer wan des
Line: 33    
gemainen kütenpaums pleter. der ander lai küttenpaum
Line: 34    
wechset klainer. der hât grœzereu pleter und tregt ge\main
Line: 35    
küten; die sint sinbel und niht lengloht sam die   35

Page: 320  
Line: 1    
êrsten. die kütenpaum habent die art, ist daz man si
Line: 2    
niht dick umbgrebt, dorrent si oder ir früht werdent
Line: 3    
gar unedel, klain und rauch. die küten sint pezzer ze
Line: 4    
ezzen geprâten wan gesoten. man schol si aber alsô prâten.
Line: 5    
höler die kern auz in und leg lauter honig in diu grüebel   5
Line: 6    
und zeuch in die haut oder die rinden oben ab mit ainem
Line: 7    
mezzer. dar nâch bewind si mit flachs oder mit werich
Line: 8    
und leg si dann in haiz aschen, werdent si gesmach
Line: 9    
und guot. wer daz wazzer trinkt, der asch inn ge\waschen
Line: 10    
ist, der geprant wirt auz des kütenpaums esten   10
Line: 11    
und pletern, daz ist im guot für die huosten. die süezen
Line: 12    
küten gezzen sint guot für des leibes ruor, diu kümt
Line: 13    
von hitz und von der krankhait der habenden kraft des
Line: 14    
magen, ob man si nüehtarn izt; aber wenn man si nâch
Line: 15    
tisch izt, vertreibent si daz wüllen und den unlust. izzet   15
Line: 16    
aber man ir ze vil, pringent si smerzen in den âdern.
Line: 17    
der kütten sâm oder ir kern sint guot dem menschen, dem
Line: 18    
diu kel und diu zung rauch sint oder scharpf, alsô daz
Line: 19    
ez von haiser ist, und der sâm gesoten ist gar guot
Line: 20    
für den durst, und die kütten auch, und dar umb niezent   20
Line: 21    
si die weisen nâch wein. ez wirt auch ain syrop von,
Line: 22    
der den gelust ze ezzen wider pringt. wer die küten
Line: 23    
schelt und si legt in ain gepichtez vaz und regenwazzer
Line: 24    
dar an geuzt, wirt daz wazzer weinend. ez muoz aber
Line: 25    
lang in dem vaz stên. den kütenwein gibt man den   25
Line: 26    
kranken läuten, die hitzig sint und die weins begernt.
Line: 27    
daz wazzer nüehtarn getrunken verstellt den leib an der
Line: 28    
ruor, aber ez pringt dick die permuoter in dem leib.
Line: 29    
aber nâch tisch waicht ez den leip. alsô tuont auch die
Line: 30    
gesoten küten mit hong. der küttenwazzerwein ist guot   30
Line: 31    
zuo dem rôten überfluz der frawen, ob sein ze vil kümt
Line: 32    
und niht verstên wil. die faulen küten geprant und ge\pulvert
Line: 33    
sint guot für den siehtuom, der der krebz haizt,
Line: 34    
und ist den läuten an dem aftern und haizent in etleich
Line: 35    
daz veig. ez wirt auch öl auz des kütenpaumes pletern,   35
Line: 36    
als rôsenöl, daz ist gar guot zuo vil dingen.

Page: 321  


Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM EIBAN.



Line: 3    
Ebanus haizt ain eiban. der paum wechst niht in
Line: 4    
unser wonung, er wechst in India und in der môrn lant.
Line: 5    
wenn man den abhawet, wirt er hert als ain stain.   5
Line: 6    
des paums holz ist gar hert und entweicht dem feur niht
Line: 7    
leiht, und man ez in ain gar grôz feur legt, ver\print
Line: 8    
ez und wirt verzert, aber ez gibt niht flammen oder
Line: 9    
glôhen. des paumes holz gefault nümmer. sein rind ist
Line: 10    
leicht und lind sam des lorpaums rind. der eiban, der   10
Line: 11    
in India wechset, der ist sprinkeloht oder spreckelloht
Line: 12    
mit weizen und mit swarzen spreckeln oder sprinkeln.
Line: 13    
aber der in der môrn lant wechset, der ist pezzer, und
Line: 14    
der ist zemâl swarz. des paums holz ist gar hert und
Line: 15    
glat oder hæl und macht man mezzerheft dar auz. si   15
Line: 16    
sint uns aber seltsam. Platearius spricht, wer daz holz
Line: 17    
pulver und ez in trank nem, daz zerprech den stain in
Line: 18    
der plâtern. wer auch den swarzen eiban in der kinder
Line: 19    
wiegen legt oder dar ein pindet, die erschreckent niht
Line: 20    
von swarzem gesiht; alsô sprechent die zaubrær in irn   20
Line: 21    
püechern.



Chapter / Strophe: 15     15.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEM EPAUM.



Line: 24    
Edera haizt ain epaum oder ain ertpaum, aber er
Line: 25    
hiez pilleicher ain slingpaum, wan er slinget sich über al   25
Line: 26    
auf die maur oder auf die want, dar zuo er sich gesellet,
Line: 27    
und vlichtet sich dar ein mit gar vil wurzeln. er tregt
Line: 28    
selten fruht oder plüet, dar umb, daz er gar kalter nâtûr
Line: 29    
ist, und wechset gern an kalten steten. aber er fruht
Line: 30    
tregt, daz sint swarz trauben, sam die weintrauben sint.   30
Line: 31    
der paum verderbt all ander paum, den er sich zuo ge\sellt,
Line: 32    
wan er seuget all fäuhten dar auz und derret si.
Line: 33    
er stinkt vast und ist alzeit grüen. man spricht auch,
Line: 34    
daz er den gaizen vil milich mach, wenn si in ezzen.

Page: 322  



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM VEIGENPAUM.



Line: 3    
Ficus haizt ain veigenpaum. der paum ist gesträut
Line: 4    
mit weit gritenden esten und pletern, sam Isidorus spricht,
Line: 5    
und man die nidersten est peugt und si mit erden be\schütt,   5
Line: 6    
pringent si ain neu gesläht umb die muoter.
Line: 7    
der schat, der von seinen pletern gêt, der ist allen dingen
Line: 8    
schad. Plinius spricht, ez sint die veigen in dem land
Line: 9    
India vil süezer wan ander veigen, aber si sint auzlen\digen
Line: 10    
läuten gar schad und krenkent ir sterk und ir kraft,   10
Line: 11    
und dar umb gepôt der geweltig kaiser Alexander seim
Line: 12    
volk, daz ez der veigen niht æz, er in dem land lag.
Line: 13    
der paum pringt ê fruht, ê daz er laub oder pleter pring.
Line: 14    
Isidorus spricht, wenn die alten läut vil veigen ezzent und
Line: 15    
oft, vergênt in ir runzeln, wan die veigen ziehent die   15
Line: 16    
überflüzzigen fäuhten zwischen vel und flaisch und die
Line: 17    
füllt dann die runzeln. er spricht auch, daz der veigen\paum
Line: 18    
grôzer kreft sei, pinde man ainen gar wilden
Line: 19    
grimmen ochsen dar an, er werd zam und sänftig. des
Line: 20    
paumes saf ist milchvar und hailt vergiftig pizz, die von   20
Line: 21    
slangen oder von töbigen hunden geschehent. ez ist auch
Line: 22    
guot wider die fleck an dem leib und vertreibt diu mail
Line: 23    
in den augen, sam ain vorscher spricht. die veigen ma\chent
Line: 24    
niht guot pluot und dar umb machent si dem men\schen
Line: 25    
vil leutswürm, die ich vor füezling hiez, ich   25
Line: 26    
von den würmen schraib. die veigen habent die art, daz
Line: 27    
si die überflüzzichait auztreibent in dem menschen an die
Line: 28    
end zwischen vel und flaisch, und von machent si den
Line: 29    
menschen switzent mit haizem swaiz. daz wazzer, daz
Line: 30    
gesigen ist oder gewaschen durch der veigenpaum aschen,   30
Line: 31    
daz ist guot zuo dem gerunnenn pluot in dem leib, wan
Line: 32    
daz zeflœzet ez, wenn man ez trinkt. sein laug öffent
Line: 33    
und waicht die herten apostem und die geswern, und des
Line: 34    
paums pleter sint guot den geswern und den flecken, die
Line: 35    
von grober fäuhten koment, und sein saf und sein asch   35

Page: 323  
Line: 1    
nagent und durchpeizent, dar umb sint si paideu zuo
Line: 2    
den geswern guot. sein laug ist den siechen âdern wun\derleichen
Line: 3    
guot, man si aingeuzet und trinkt. wenn
Line: 4    
man die veigen izt, man vastet, mit nuzzen, öffent
Line: 5    
si des ezzens ganch wol. ir ezzen ist schad mit groben   5
Line: 6    
dingen, sam gepäurisch ezzen ist, milich und sämleich
Line: 7    
dinch. iedoch, wie daz sei daz die veigen niht wol
Line: 8    
fuoren sam flaisch und prôt, doch fuorent si paz wan
Line: 9    
kainrlai ander obz. der pleter saf öffent die âdern, die
Line: 10    
zuo dem aftern gênt, und daz ist mangem man gar guot,   10
Line: 11    
der vil fauls pluotes in im hât. der veigen milch ist guot
Line: 12    
für der scorpen stich, und wer unzeitigeu frischeu veigen\pleter
Line: 13    
legt auf die wunden, die ain töbiger hunt hât ge\pizzen,
Line: 14    
daz hilft gar wol, man si zereibt. ain pflaster
Line: 15    
gemacht mit dem weizen ains ais ist guot wider all ver\gift.   15
Line: 16    
Plinius spricht, diu veigenmilch samnet daz dünne
Line: 17    
pluot und macht ez dick und zeflœzt daz dick. man mag
Line: 18    
die veigen grüen behalten in honig, wenn si dar ein orden\leich
Line: 19    
sint gesatzt, alsô, daz aineu die andern niht rüert.
Line: 20    
die veigenpaum habent gar ain pitter rinden und habent   20
Line: 21    
doch gar süez früht, die pringent si ân plüet. die früht
Line: 22    
sint dreirlai und die pest ist weiz, dar nâch sint die
Line: 23    
rôten veigen die pesten und die swarzen die allerpœsten.



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 24    
Line: 25    
VON DER PUOCHEN



Line: 26    
Fagus haizt ain puoch. daz ist gar ain êrleich paum
Line: 27    
und tregt früht, die sint dreieckot, die haizent püecheln
Line: 28    
mit uns oder puochaicheln in anderr däutsch. die früht
Line: 29    
sint süez, aber si sint der prust schad, und daz öl, daz
Line: 30    
von kümt, daz ist gar lauter und ist guot ze prennen   30
Line: 31    
in den lampen. des paums holz ist gnuog hert, aber ez
Line: 32    
ist gar wurmæzig, ez sei dan stætes mit rauch umbvangen,
Line: 33    
und dar umb ist niht guot mit ze pawen. des paumes
Line: 34    
pleter sint gar lind und habent süez fäuhten, und dar

Page: 324  
Line: 1    
umb, wenn si dannoch junk sint, machent arm läut
Line: 2    
muos dar auz und siedent si sam ain kraut. ez sprechent
Line: 3    
auch etleich, wenn daz holz lang in ainem wazzer lig,
Line: 4    
verkêr ez sich in ainen stain. daz holz ist gar guot feur\holz
Line: 5    
und macht guot koln, diu lang werent, und wenn   5
Line: 6    
daz holz nâhent faul ist, der ez dann in sich prennet,
Line: 7    
alsô daz sich daz feur auf sich selber ziech, wirt asch
Line: 8    
dar auz, der ist gar scharpf und ist den värbern guot,
Line: 9    
die gewant und ander dinch värbent. des paums fruht
Line: 10    
macht niht keckez flaisch an den sweinn, sam die   10
Line: 11    
aicheln tuont.



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM SLINTPAUM.



Line: 14    
Fraxinus haizt ain slintpaum in etleicher däutsch.
Line: 15    
des paumes holz wirt hert wenn ez dürr wirt, daz die   15
Line: 16    
zweck, die dar auz werdent, etswenn durch ain wâpen
Line: 17    
dringent oder durch ain ander holz, reht sam eisen. alsô
Line: 18    
tuot auch diu painwid, und dar umb macht man hie vor
Line: 19    
gern scheft dar auz in die spiez. daz holz hât mêr rin\den
Line: 20    
oder röck umb sich dann áinen rock, und ist zwischen   20
Line: 21    
zwain röcken ain kriezlohteu materi, diu ist gnuog mürb
Line: 22    
oder mar, aber si ist gar hert. und daz slintpäumein
Line: 23    
holz ist niht gar weiz, ez ist nâhent aschenvar, und des
Line: 24    
paums rind ist niht gar rauch noch zemâl sleht: si hât
Line: 25    
ain mitel under den zwain. diu rind ist auch niht gar   25
Line: 26    
dick. der paum pringt vil pleter an ainem stengel ze
Line: 27    
paiden seiten, reht sam der nuzpaum tuot, aber des slint\paums
Line: 28    
pleter sint waicher und smelr wan des nuzpaums
Line: 29    
pleter und sint an der schickung nâhent sam der weiden
Line: 30    
pleter, aber si sint verr grœzer und habent ain weizer   30
Line: 31    
varb. des paums fruht ist als die dünnen trauben, alsô
Line: 32    
daz vil per an ainer dünnen trauben stênt, und spricht
Line: 33    
Isidorus, daz der paum gern wachs an rauhen steten sam
Line: 34    
an pergen und vil stain sint. sein asch ist gar durch\peizent,
Line: 35    
wenn man in mit ezzeich mischet, und dar umb   35

Page: 325  
Line: 1    
machet man prend mit an den painen oder anderswâ.
Line: 2    
wer des paums pleter zereibt mit ezzeich und macht ain
Line: 3    
pflaster dar auz, daz ist guot den räudigen oder schebigen
Line: 4    
läuten, und mit hailt man auch die sleg. des paums
Line: 5    
rind oder sein pleter, wenn asch dar auz worden ist und   5
Line: 6    
warm wein dar zuo gemischt ist, pint man daz über ze\prochen
Line: 7    
pain, diu wachsent schier zesamen.



Chapter / Strophe: 19     19.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM EILPAUM.



Line: 10    
Ilex haizt ain eilpaum. des paums früht erwelten in   10
Line: 11    
die läut des êrsten zuo ainer narung, ê daz korn würd.
Line: 12    
der paum hât früht sam die aicheln, und dar umb spricht
Line: 13    
ain mærlær oder ain poet: die tœtleichen läut idruckten
Line: 14    
des êrsten aicheln.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 15    
Line: 16    
VON DEM KRANWITPAUM.



Line: 17    
Juniperus haizt ain kranwitpaum und ist ain krie\chisch
Line: 18    
wort, daz bedäutet vil sam ain feurpaum, wan
Line: 19    
pyr in kriechisch haizet feur, sam Isidorus spricht und
Line: 20    
auch Jacobus, und von kümt daz wort juniperus, dar   20
Line: 21    
umb, daz der paum daz feur gar lang helt; wan ist, daz
Line: 22    
man glüend gluot mit des paumes aschen bedecket,
Line: 23    
wert si ain jâr. der kranwitpaum haizt in meiner müe\terleichen
Line: 24    
däutsch ain wechalter und ist zwair lai. ainr lai
Line: 25    
ist klain, der ander lai ist grôz. des pamns früht sint von   25
Line: 26    
kraft trucken und warm und man nimt si ab in dem
Line: 27    
lenzen. die früht habent die kraft, daz si zæh fäuhten
Line: 28    
in dem menschen zesträwent und verzernt. wer des leibs
Line: 29    
ruor oder hinganch hab ze vast, der koch des paums
Line: 30    
früht mit regenwazzer oder mit wein, dem wirt paz. auz   30
Line: 31    
dem kranwitpaum macht man öl, alsô. man nimt zwên
Line: 32    
erein häfen und setzet si über enander, und der ober ha\fen
Line: 33    
schol ain loch hân an dem podem. den selben obern

Page: 326  
Line: 1    
hafen schol man füllen mit kranwitholz, daz trucken sei,
Line: 2    
und schol den wol vermachen, daz ihts dar auz rauchs
Line: 3    
müg komen, und schol ain grôz feur umb die häfen ma\chen.
Line: 4    
wenn denn daz holz inwendig erhitzt, fleuzt daz
Line: 5    
öl auz dem obern hafen in den untern, aber des ist wênig.   5
Line: 6    
daz öl ist gar guot für den viertägleichen riten. ez ist
Line: 7    
auch guot für des ingewaides suht wer daz öl mit flaisch
Line: 8    
izt, und ist guot für daz vallend lait, daz ze latein epi\lensis
Line: 9    
haizt, wenn man den ruckdorn mit salbet. ez
Line: 10    
ist auch wider die nâtürleichen melancoli guot, wenn man   10
Line: 11    
daz öl mit ezzen nimt. diu melancoli macht die läut
Line: 12    
tœrocht, alsô daz manig mensch sich selber ertœtt oder
Line: 13    
wænt, ez sei glesein oder ez sei tôt. Platearius spricht,
Line: 14    
wer des öls in sein ôrn tröift, daz ist den ôrn guot und
Line: 15    
hilft für die tauphait. der kranwitpaum ist aim cypressen   15
Line: 16    
gar geleich und dar umb haizt man den kranwitpaum
Line: 17    
dick in der geschrift ainen veltcypressen. der paum wirt
Line: 18    
in den landen gegen der sunnen aufganch grôz, daz
Line: 19    
man mit pauwet, sam Avicenna spricht. daz holz ist
Line: 20    
an varw und an smack und an pletern sam der cypress.   20
Line: 21    
man spricht auch, daz der kranwit helf für der glider
Line: 22    
müeden, und dar umb, etleich müed werdent slâfent
Line: 23    
si under des paums schaten. die kranwit rainigent und
Line: 24    
öffent die gäng und diu vaz der narung, und dar umb
Line: 25    
sint si zuo dem magen guot, wan si benement dem ma\gen   25
Line: 26    
sein vomit und sterkent in. si sint auch den zeitigen
Line: 27    
maigden guot für daz erstecken der muoter, daz prefo\cacio
Line: 28    
matricis haizt. wenn der siehtum den frawen kümt,
Line: 29    
vallent si dick hin und versinnent sich niht und ge\schicht
Line: 30    
in dick dar umb, daz si ze lang ân man sint.   30
Line: 31    
wizz auch, daz die velscher die cubeben oft velschent
Line: 32    
mit den kranwitpern, wan si sint geleich enander. wem
Line: 33    
diu glider krank sint von übriger füll und von fäuhten,
Line: 34    
der schol kranwitpaum mit wurzeln und mit al hacken
Line: 35    
klain und sieden gar wol und schol daz wazzer seihen   35
Line: 36    
durch ain tuoch und sich dar inne paden (dem sint diu

Page: 327  
Line: 1    
pad guot) und schol man im diu glider reiben mit lainenn
Line: 2    
tüechern; aber sint im diu glider krank von übriger ar\bait
Line: 3    
oder von übriger unkäusch, sint im diu dinch alleu
Line: 4    
wider.



Chapter / Strophe: 21     21.
Line: 5    
Line: 6    
VON DEM LORPAUM.



Line: 7    
Laurus haizt ain lorpaum und hiez wol ain lobpaum
Line: 8    
nâch der latein, sam Isidorus spricht, wan laus ze latein
Line: 9    
haizt lop, dannen kümt laurus daz wort, wan die alten
Line: 10    
krœnten die streiter und die vechter mit, die irn vein\den   10
Line: 11    
angesigten, und von hiez der paum hie vor laudea,
Line: 12    
nu haizt er laurea oder laurus. den paum laidigt der
Line: 13    
donr und daz weterplitzen niht. er wirft auch sein ple\ter
Line: 14    
niht ab, und diu smeckent gar wol und habent ain
Line: 15    
kraft ze sterken von irm edeln smack. diu pleter schol   15
Line: 16    
man trücknen an ainem schaten, niht an rauch. diu be\helt
Line: 17    
man ain jâr in grôzer kraft zuo erznei. Platearius
Line: 18    
spricht, wer wein seudet mit den pletern und trinket den,
Line: 19    
der ist dem magen guot, der erkalt ist, und wider den
Line: 20    
kalten hauptfluz nim lorpleter und rôsen und seud diu in   20
Line: 21    
wazzer und vermach daz vaz oben; dar nâch wenn ez
Line: 22    
dünstend werd, schol sich der siech dar über haben
Line: 23    
und schol die stirn reiben mit dem wazzer und die slæf
Line: 24    
pei den ôrn auch mit reiben, wirt er gesunt. des
Line: 25    
lorpaums früht haizent bace ze latein und habent ain kraft   25
Line: 26    
ze sträuwen die zæhen fäuht und ze verzern. die lorper
Line: 27    
gebent öl, daz man dar auz machet, daz ist guot den
Line: 28    
kranken glidern, diu âdersuht habent, die haizent
Line: 29    
ze latein artetica, und ist auch guot wider all siechtüem,
Line: 30    
die von kalter nâtûr koment. daz öl macht man alsô.   30
Line: 31    
man schol die vrischen lorper zerstôzen und dar nâch
Line: 32    
lang sieden in öl und schol daz dann seihen durch ain
Line: 33    
tuoch; daz haizt dann loröl. daz selb öl macht man auz
Line: 34    
frischem lorlaup. des paums pleter alsô grüen machent
Line: 35    
den magen unlustig und machent dem menschen wüllen   35

Page: 328  
Line: 1    
und kêrent den magen under; aber si sint dem ôrnsiech\tum
Line: 2    
guot und der tauphait.



Chapter / Strophe: 22     22.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM LORANT.



Line: 5    
Lorander haizt ain lorant. der haizt auch ze latein   5
Line: 6    
rotunda, daz ist der sinbel paum, sam Isidorus spricht.
Line: 7    
der paum hât pleter sam ain lorpaum und hât plüet sam
Line: 8    
die rôsen. sein saf ist vergiftig und tœtt diu tier, aber ez
Line: 9    
ist ain erznei etleicher töbichait, die die läut anvehtent.



Chapter / Strophe: 23     23.
Line: 10    
Line: 11    
VON DEM HAUSPAUM.



Line: 12    
Laurex mag ain hauspaum haizen, wan lar haizt ain
Line: 13    
haus in ainer bedäutung, dannen kümt daz wort laurex,
Line: 14    
sam Isidorus spricht. wer auz des paums holz taveln
Line: 15    
macht und hæht die an diu häuser, die widertreibent die   15
Line: 16    
flammen von den häusern, ob ain feur auz kœm nâhent
Line: 17    
pei. daz holz hât ain wunderleich art: wenn ez ver\print
Line: 18    
an ainem feur, macht ez kainen koln.



Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEM LENDPAUM.



Line: 21    
Lentiscus haizt ain lendpaum. des paums stam ist
Line: 22    
sänft und waich, sam Isidorus spricht, dar umb hât er
Line: 23    
den namen ze latein lentiscus, wan wir haizen allez daz
Line: 24    
lentum ze latein, daz piegleich ist und waich. des
Line: 25    
paums fruht switzt öl und sein rind gibt harz, der haizt   25
Line: 26    
sam der paum, aber unser puoch ze latein spricht, der
Line: 27    
harz haiz mastix. daz ist niht wâr, wan mastix ist ain
Line: 28    
besunder paum und hât harz, der auch alsô haizt, als
Line: 29    
her nâch kunt wirt. Platearius spricht, daz des paums
Line: 30    
pleter und sein früht guot sein zuo vil erznei, und habent   30
Line: 31    
die kraft, daz si der frawen rôt flüzz verstên machent
Line: 32    
und sint auch guot für ander flüzz an dem leib, die rôt

Page: 329  
Line: 1    
sint, und wider unglust oder wider daz wüllen, daz von
Line: 2    
krankhait kümt. wem diu zung vol geswer ist oder die
Line: 3    
lebsen und der munt und wer haizsühtig ist, der schol des
Line: 4    
paums pleter in ezzeich sieden und schol mit dem in dem
Line: 5    
hals gorgeln oder hab sich über den dunst, wirt im paz.   5



Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM MALGRANPAUM.



Line: 8    
Malus punica oder malogranata haizt ain malgranat\paum
Line: 9    
und haizt malus punica dar umb, daz malus ze
Line: 10    
latein ain apfelpaum haizt, ist Punica ain küngreich,   10
Line: 11    
der paum vil und schœn inne wachsent, und dar umb
Line: 12    
hât der paum den namen, sam Isidorus spricht. er haizt
Line: 13    
auch malogranata dar umb, daz sein früht körnlot sint
Line: 14    
inwendig, und haizent die öpfel malogranata; aber neur
Line: 15    
ain apfel haizt malogranatum, wan granum ze latein haizt   15
Line: 16    
ain korn, dar umb haizent si die laien malgranöpfel. die
Line: 17    
süezen malgran sint mæzicleichen warm an der kraft und
Line: 18    
fäuht, alsô daz si den menschen werment und fäuhtent.
Line: 19    
aber die sauren sint kalt an der kraft und trucken, dar
Line: 20    
umb sint si den siechen guot, die von hitziger materi   20
Line: 21    
siech sint und von der colera, die hitzig läut habent, hirn\wüetig,
Line: 22    
wenn man ins in ezzen gibt. wer der öpfel saf
Line: 23    
mit zucker mischet und daz izt, daz machet, daz der mag
Line: 24    
daz ezzen gar wol kocht.



Chapter / Strophe: 26     26.
Line: 25    
Line: 26    
VON DEM HOLZÖPFEL.



Line: 27    
Mala maciana haizent holzöpfel, die ze holz auf dem
Line: 28    
veld wachsent. die öpfel habent die kraft, daz si wider\dauhent,
Line: 29    
und dar umb sint si den guot, die daz wüllen
Line: 30    
ze vil habent oder daz übergiezen oben, und sint auch   30
Line: 31    
den guot, die den überfluz niden habent auz dem leib.
Line: 32    
aber die süezen öpfel pringent wind in dem leib und ze\plæent,
Line: 33    
sam Platearius spricht. die sauren sint gesünter,
Line: 34    
gibt man si den sühtigen läuten geprâten oder rôch nâch

Page: 330  
Line: 1    
anderm ezzen; aber si sint gesünter geprâten oder geso\ten
Line: 2    
denn rôch. iedoch wizz, daz all öpfel schad sint und
Line: 3    
faulent leicht in dem menschen und machent pœs pluot;
Line: 4    
aber man gibt si den siechen dar umb, daz si lustig
Line: 5    
werden.   5



Chapter / Strophe: 27     27.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM MAULPERPAUM.



Line: 8    
Μοrus haizt ain maulperpaum in kriechisch und hai\zet
Line: 9    
ze latein rubus, dar umb, daz sein fruht des êrsten
Line: 10    
rôt ist und daz der fruht saf rôt ist und pluotvar. Ra\banus   10
Line: 11    
spricht, wer des paums pleter auf ain slangen werf,
Line: 12    
der tœt si mit. der paum pringt sein fruht spât, aber
Line: 13    
die früht gewachsent, werdent si snell zeitig. der
Line: 14    
paum lebt lang under andern paumen, alsô daz er lenger
Line: 15    
grüent und fruhtpærr ist dan vil ander paum. Platearius   15
Line: 16    
spricht, diu haimisch maulper ist an kraft kalt und fäuht
Line: 17    
und zelæzt in dem leib oder waicht und küelt. sein saf
Line: 18    
haizt dyameron, und wenn man daz auz gedruckt und
Line: 19    
geseudt, ist ez guot für die kelsuht, diu ze latein
Line: 20    
squinancia haizt. wenn daz saf ain wênig gewermt ist,   20
Line: 21    
ist ez guot den verslozzenn leib ze waichen und ze
Line: 22    
öffenn, und mit honig tœt ez die würm in dem leib, die
Line: 23    
ze latein lumbrici haizent. nu macht sprechen, welich
Line: 24    
paum haizent wild maulperpaum? daz sint mori oder
Line: 25    
rubi silvestres, die haizent prânper oder kratzpaum und   25
Line: 26    
ir früht sint geleich den haimischen maulpern und sint
Line: 27    
auch süezlot wenn si zeitig sint und haizent prânper oder
Line: 28    
kratzper dar umb, daz si die läut kratzent oder reizent,
Line: 29    
wenn man die paum angreift. die paum naigent sich
Line: 30    
gern an ander paum und slingent auf ir este. wizz, daz   30
Line: 31    
die paiderlai maulper pœs pluot machent. des haimischen
Line: 32    
maulperpaums pleter ezzent diu seidenwürmel, aber man
Line: 33    
gibt in auch lactukenkraut ze ezzen, iedoch wirt diu
Line: 34    
seid niht guot, als wenn si maulperpleter ezzent. die
Line: 35    
süezen maulper würkent nâhent allez daz, daz die veigen   35

Page: 331  
Line: 1    
würkent, aber si sint niht guoter narung sam die vei\gen
Line: 2    
und machent pœser pluot und sint dem magen sche\der.
Line: 3    
etleich maulper sint rôt und ain tail pitter.
Line: 4    
macht man trank auz, daz haizt moretum. die pittern
Line: 5    
naigent sich zuo ainr kalten fäuhten nâtûr und die süe\zen   5
Line: 6    
sint von kraft warm und fäuht, sam Albertus spricht.
Line: 7    
wer des maulperpaums pleter seudet mit aines swarzen
Line: 8    
veigenpaums pletern und mit weinpletern in regen\wazzer
Line: 9    
und weschet sein haupt mit, dem wirt daz
Line: 10    
hâr swarz.   10



Chapter / Strophe: 28     28.
Line: 11    
Line: 12    
VON DER PIRKEN.



Line: 13    
Mirica haizt ain pirk und haizt auch ze latein vibex.
Line: 14    
des paums auzwendigeu rind ist weiz, wan si kümt von
Line: 15    
ainr clâren zæhen fäuhten. diu rind haizt ze latein liber   15
Line: 16    
in ainr bedäutung. der paum ist unperhaft und wechset
Line: 17    
gern an wüesten steten, die unperhaft sint, und wechset
Line: 18    
genuog hôch und hât vil swanker ästel, man pesem
Line: 19    
auz macht. des paums fruht ist zæh und stinket und
Line: 20    
dar umb læzt er sich niht gern spalten. Albertus spricht   20
Line: 21    
über ain puoch, hât Aristotiles gemacht, von wachsenden
Line: 22    
dingen, sam paum und kräuter sint, wenn man des paums
Line: 23    
rind auzprenn, alsô daz wazzer dar auz gêt, sei daz
Line: 24    
wazzer stinkend und zæh und mit schmirben die wa\genläut
Line: 25    
ir wägen. des hân aber ich niht gesehen. ich   25
Line: 26    
waiz wol in dem maien, wenn der paum gar saffig ist
Line: 27    
und man ainen spân dar auz hawet, vleuzt gar vil
Line: 28    
saffes dar auz, und trinkent ez diu klainen kint auf dem
Line: 29    
gäw, wan ez ist süez und stinkt niht. [pirkenholz wer
Line: 30    
daz pei im tregt, daz ist für den krampf guot.]   30



Chapter / Strophe: 29     29.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEM MIRTELPAUM.



Line: 33    
Myrtus haizt ain mirtelpaum und wechst gern an
Line: 34    
dem gestat pei dem mer an dem end der sibenden wo\nung

Page: 332  
Line: 1    
gegen Denmarch. daz päumel wechset zwair daum\eln
Line: 2    
lang oder dreir und hât pleter sam ain weid, ân
Line: 3    
daz si praiter sint ain wênig und kürzer. sein holz naigt
Line: 4    
sich ain klain von der grüen zuo ainer swerz. der paum
Line: 5    
tregt körnel, diu haizent myrtelli und sint guot für daz   5
Line: 6    
undäwen ze dem mund und wider des leibes ruor. der
Line: 7    
paum hât auch ainen edeln smack, und war zuo man in
Line: 8    
mischt, daz behelt er lang frisch, und hât vil ästel und
Line: 9    
vil pleter, aber sein smack tuot dem haupt und macht
Line: 10    
ainz reht als ez trunken sei. der paum haizt paz ain   10
Line: 11    
staud denn ain paum, wan er ist klain und wechst gern
Line: 12    
pei fäuhten steten und ist sein pluom gar ains wunder\leichen
Line: 13    
smackes und die plüet legt man gern in pier,
Line: 14    
daz man auz wazzer und auz roken oder auz gersten
Line: 15    
machet. mit dem paum pringt man zauberleich zuo, daz   15
Line: 16    
sich die läut hazzent gegen enander. ez schreibent auch
Line: 17    
die maister von der nâtûr, daz der paum gar nütz sei
Line: 18    
zuo vil dingen. er hât die art, daz er die übrigen hitz
Line: 19    
sänftigt und die übrigen kelten an des menschen leib,
Line: 20    
und dar umb geleicht man unser frawen zuo dem paum   20
Line: 21    
in ainem lobsang, daz hebt sich an: salve mater salva\toris,
Line: 22    
spricht ain vers: myrtus temperantie, daz spricht:
Line: 23    
muoter der parmherzichait, pist ain mirtelpaum der
Line: 24    
sänftikait, wan diu zart muoter diu sänftigt den haizen
Line: 25    
zorn des obristen rihters. Platearius spricht, wer den   25
Line: 26    
paum seudet mit wein und den trinket, daz trank benimt
Line: 27    
dem menschen des milzes und der lebern verschoppen
Line: 28    
und besliezen, daz ze latein epilacio haizt, und des selben
Line: 29    
paums asch mit ezzen genomen ist auch für diu selben
Line: 30    
dinch guot, und wer dick auz dem holz trinket, daz hilft   30
Line: 31    
auch für, und dar umb macht man lägel auz derlai
Line: 32    
holz, setzt man wein ein über nacht, den trinkt dann
Line: 33    
der siech pei dem tag. diu rind ist grœzer kreft denn
Line: 34    
diu pleter sint. des paums öl hât die kraft, daz ez den
Line: 35    
swaiz widerzeuht und all flüzz, si sein rôt oder niht, und   35
Line: 36    
wenn man sich mit reibt in dem pad, daz kreftigt

Page: 333  
Line: 1    
und sterkt den leib und zeuht die fäuhten auz, diu zwi\schen
Line: 2    
vel und flaisch ist. daz selb geschicht auch, wenn
Line: 3    
man sich mit dem paum reibt. aber das paums öl und
Line: 4    
sein saf und sein wazzer, man in inne seudet, hilft
Line: 5    
für daz hârauzreisen und machet daz hâr lank und auch   5
Line: 6    
swarz. wer aber die mirtelper seut mit puttern, daz wi\derzeuht
Line: 7    
den swaiz, und des paums dürreu pleter bene\ment
Line: 8    
den stank under den üechsen und anderswâ an dem
Line: 9    
leib und besterkent daz herz und benement den herzriten.



Chapter / Strophe: 30     30.
Line: 10    
Line: 11    
VON DEM NESPELPAUM.



Line: 12    
Mespilus oder esculus haizt ain nespelpaum. der
Line: 13    
paum hât nâhent pleter sam ain küttenpaum und hât ain
Line: 14    
scharpf rinden; aber er ist niht gar hôch, und wenn man
Line: 15    
den paum pelzet auf ainen fremden stam, ez sei auf ains   15
Line: 16    
pirpaums stam oder apfelpaums oder torenpaums oder
Line: 17    
ains andern, wirt diu fruht grôz und hât niht herter
Line: 18    
kern in ir; aber wenn diu fruht wechset auf irm aigen
Line: 19    
stam, hât si stain in ir, wan ie deu fruht hât vier
Line: 20    
staindel in ir. die früht haizent mespila ze latein und ze   20
Line: 21    
däutsch nespeln und sint an ir kraft warm und trucken
Line: 22    
in dem êrsten grâd und sterkent den magen. si bene\ment
Line: 23    
daz wüllen und daz undäwen. von des paums holz
Line: 24    
macht man gar guot knütel ze kämpfen und ze vehten.



Chapter / Strophe: 31     31.
Line: 25    
Line: 26    
VON DEM NUZPAUM.



Line: 27    
Nux haizt ain nuzpaum und kümt von dem wort
Line: 28    
noceo, daz haizt schaden, sam Isidorus spricht, wan der
Line: 29    
paum und seiner pleter kraft schadet dem næhsten paum
Line: 30    
gar sêr. den paum haizt diu lateinisch sprâch vigilantem   30
Line: 31    
oder vigulum. diu nuz haizt ze däutsch ain wälhisch nuz
Line: 32    
diu auf dem paum wechset, dar umb, daz man ir ain
Line: 33    
underschaid hab von den haselnuzzen und von ander lai

Page: 334  
Line: 1    
nuzzen, und die nuz sint guot für die vergift, die man
Line: 2    
an kräutern izt oder an swämmen, ez sein pfifferling oder
Line: 3    
ander swämme, wan die vergift vertreibent die nuz, aber
Line: 4    
si sint der prust schad und pringent wüllen und machent
Line: 5    
den menschen haiser. iedoch sint si guot mit veigen ze   5
Line: 6    
ezzen. si sint auch guot nâch vischen, sam etleich
Line: 7    
sprechent.



Chapter / Strophe: 32     32.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEN HASELNUZZEN.



Line: 10    
Nuces avellane haizent haselnuz und der paum haizt   10
Line: 11    
ze latein corulus. die nuz sint niht haiz sam die vo\dern,
Line: 12    
alsô spricht Platearius, und machent niht wint in
Line: 13    
dem leib. si fuorent wol, aber si werdent spât gekocht
Line: 14    
in dem magen, wenn man si mit der auzern rind izt, wan
Line: 15    
diu ist kalt und trucken von kraft. wer ain klainez gär\tel   15
Line: 16    
oder rüetel nimet von dem haselpaum und spalt ez
Line: 17    
nâch der leng und legt diu zwai tail vonenander ain
Line: 18    
wênig, gênt si wider zuo enander und füegent sich ze
Line: 19    
samen ân allez zauber, wan daz holz hât lebleich luft in
Line: 20    
im, den ez auz im dünst nâch dem spalten, und zeuht sich   20
Line: 21    
wider zesamen. und dar umb, wer ain gar klainez vögell
Line: 22    
præt an der rüetel aime, kêrt sich daz spizzel selber
Line: 23    
umb ain weil von dem wirbel der geist und des dunstes
Line: 24    
in dem holz von der hitz. iedoch hân ich des niht ge\sehen.
Line: 25    25



Chapter / Strophe: 33     33.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM WILDEN ÖLPAUM.



Line: 28    
Oleaster haizt ain wilder ölpaum, sam Isidorus spricht.
Line: 29    
der paum hât pleter sam ain rehter ölpaum, aber si sint
Line: 30    
praiter. der paum ist wild und pitter und ân früht; und   30
Line: 31    
ist, daz man des ölpaums ain ästel pelzt auf eins andern
Line: 32    
paums stam, des nâtûr verkêrt er zemâl in sein art und
Line: 33    
macht in unfruhtpær.

Page: 335  



Chapter / Strophe: 34     34.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM ÖLPAUM.



Line: 3    
Olea oder oliva haizt ain ölpaum, sam Isidorus
Line: 4    
spricht. des fruht haizt ze latein oliva und sein saf, der
Line: 5    
auz den fäuhten kümt, haizt oleum und haizt ze däutsch   5
Line: 6    
paumöl. der paum ist gar ain freuntleich paum. sein öl
Line: 7    
ist grüen, sänft und vaizt. daz macht diu augen lieht
Line: 8    
und die siechen gesunt. sein êrster zäher ist gar süez,
Line: 9    
der ander niht süez, der dritt pitter und ungesmach.
Line: 10    
daz verstên ich alsô, daz man die ölfrüht dreistunt twingt   10
Line: 11    
und druckt und presst und daz der êrst saf daz pest sei
Line: 12    
und daz edlist. des ölpaums plüet sint wunderleich ge\stalt,
Line: 13    
si habent niht vil pleter sam anderr paum plüet,
Line: 14    
wan si habent daz mêrer tail neur zwai plätel und sint
Line: 15    
weiz und gesprängt mit ainer gelben varb und die plüet   15
Line: 16    
sint den swangern frawen gar schad. Augustînus spricht
Line: 17    
zuo seinen münchen: daz öl ist unsern leiben gar ge\sunt,
Line: 18    
aber den vierfüezigen tiern ist ez gar schad. wenn
Line: 19    
man den ölpaum pelzet und ablist, schickent die Krie\chen
Line: 20    
raineu kint und maigd zuo den werken. der öl\paum   20
Line: 21    
mag niht gewachsen und zuo genemen mit andern
Line: 22    
paumen, er muoz besunder stet haben. er wirt auch un\fruhtpær,
Line: 23    
wenn daz vich und die läut vil umb in gênt
Line: 24    
und daz ertreich umb seinen stam nider tretent, und nimt
Line: 25    
ab, in die gaiz laidigent. er teuft sein wurzel niht   25
Line: 26    
verr in die erd und wechset mêr von dem regenwazzer
Line: 27    
wan von den pächen oder von prunnwazzer. wenn öl
Line: 28    
gekocht ist mit warmen dingen, ist ez ain warm erz\nei,
Line: 29    
und mit kalten dingen ain kalteu erznei. ez hât
Line: 30    
auch die art, daz ez die peizenden schenpf in den wunden   30
Line: 31    
und in den geswern vertreibt. waz dings in öl gekocht
Line: 32    
wirt, daz læzt im sein aigen fäuhten und verleust die.
Line: 33    
wizz, öl wol geläutert scherpft minner und peizt denn
Line: 34    
kain ander erznei, wan tuot man ez in ain aug, ez be\rüert
Line: 35    
niht vil und ist doch daz aug gar zart. ez hailt   35

Page: 336  
Line: 1    
auch die nezzelpizz und anderr kräuter nagung. ez wermt
Line: 2    
den leip reht sam daz ezzen, mit man ez izt, under
Line: 3    
den dingen, diu hitzent und küelent. ez hilft auch
Line: 4    
den müeden und den swærn glidern, dar umb, daz ez
Line: 5    
diu obern tail durch gêt und verwaichet in die stuck des   5
Line: 6    
leibes, diu verstarrt oder verhertt sint, oder dar umb,
Line: 7    
wenn man diu glider mit reibet, entlœzt ez und
Line: 8    
zeuht die fäuhten auz, die von der arbait zwischen daz
Line: 9    
vel komen sint. wenn die schefleut öl nement in ir münd
Line: 10    
und lâzent ez under dem wazzer under sich in daz mer,   10
Line: 11    
scheint ez. wer warm wazzer vast klopfet und trüf\telt
Line: 12    
mit öl, daz ist den müeden glidern gar guot, wan
Line: 13    
des warmen wazzers würken beleibt lang in den gelidern.
Line: 14    
Aristotiles spricht, wer öl vorn in der slangen hol geuze,
Line: 15    
der wer in irn herauzganch. er spricht auch, ez hab   15
Line: 16    
ain iegleich dinch in der werlt öl, aber daz ist niht ainr
Line: 17    
lai. daz öl und ain iegleich vaizt macht daz feur sêr
Line: 18    
prinnent und macht der flammen rôst haizer, und dar
Line: 19    
umb prinnent die pœsen christen vast in der hell, die
Line: 20    
daz hailig öl und die andern hailichait unwirdicleich en\pfangen   20
Line: 21    
habent. ez wær wol, daz der pœs gaist manig
Line: 22    
pôshait ân öl fræz. wenn man ain schermezzer mit öl
Line: 23    
sänftigt, mit schirt man dester sänfter. wenn man
Line: 24    
im lâzen wil, der dann den arm mit gemainem paumöl
Line: 25    
salbet, dem gêt diu âder dester leihticleicher. wer sei\nen   25
Line: 26    
leip mit öl salbet, des leib wirt füegsam zuo künf\tiger
Line: 27    
arbait.
Line: 28    
Dem zarten edeln ölpaum geleicht sich diu schönist
Line: 29    
ob allen frawen in der geschrift und spricht von ir selber
Line: 30    
'ich pin erhœcht sam ain gar schœner ölpaum auf dem   30
Line: 31    
veld.' eyâ, gar schœneu genâden vol, hail mein
Line: 32    
scharpf wunden meiner durchsiechen sêl mit dem süezen
Line: 33    
sänften öl deiner überflüzzigen güet, mach mein müeden
Line: 34    
glider an guoten werken resch, wan ich stên auf disem
Line: 35    
ellenden veld und wart deiner genâden mit andern sün\dærn,   35
Line: 36    
die sich dein fräuwent.

Page: 337  


Chapter / Strophe: 35     35.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM PALMPAUM.



Line: 3    
Palma haizt ain palmpaum. der hât gar vil aigenc\hait
Line: 4    
wider ander paum besunder. er volkümt niht wenn
Line: 5    
er neur auz ainem kern wechst, er muoz auz vil kern   5
Line: 6    
wachsen, und dar umb nement die pelzer vil kern in ain
Line: 7    
säckel und grabent daz in die erd, wenn si den paum
Line: 8    
wellent setzen. diu ander aigenchait ist, daz under der lai
Line: 9    
paumen si und er ist, und der er pringt nümmer kain
Line: 10    
fruht, man muoz si paid nâhent zuo enander pelzen.    10
Line: 11    
dann diu reht zeit kümt, naiget sich der er zuo der
Line: 12    
sien und schrenket sein este zwischen ir este und ie der
Line: 13    
sien zwên este druckent sich zesamen und umbvâhent des
Line: 14    
ers ainen ast. dar nâch rihtent si sich wider auf, wan
Line: 15    
hât diu si zuogevangen und ist fruhtpær worden,   15
Line: 16    
aber si nimt nihts von im dan ain gaistleich kraft, sam
Line: 17    
ain luft und ain dunst ist. wenn nu diu si fruht tregt,
Line: 18    
ist dann, daz der wint durch den er wæt und tregt seinen
Line: 19    
dunst auf die frawen, werdent die früht dester êr zei\tig.
Line: 20    
des paums fruht haizt ze latein dactylus und haiz   20
Line: 21    
wir si ze däutsch dateln, dar umb, daz diu fruht lenklot
Line: 22    
ist, wan dactylοn haizt in kriechisch lank. diu fruht hât
Line: 23    
inwendig ainen herten kern und auzwendig gar ain süezez
Line: 24    
flaisch. der paum hât auch die art, er ie hœher wirt,
Line: 25    
er sich ie vester praitt, wan der stams grœz ist niht   25
Line: 26    
gar weit gegen der erd sam an andern paumen, er ist
Line: 27    
selben clain und knorrot, oben praitt er sich aber mêr.
Line: 28    
Dem paum geleicht sich diu oberst edel kaiserinn, der
Line: 29    
himel fürstinn, aller sünder fürsprecherinn und spricht
Line: 30    
'ich pin erhœcht als ain palmpaum an der stat Cades,   30
Line: 31    
die paum gar schôn wachsent.' eyâ, nu prüef, mein
Line: 32    
herz, wie gar geleich die aigenchait des paums und unser
Line: 33    
frawen sint. si ist diu si, der hailig gaist der er; si
Line: 34    
wart swanger ân allez mail neur mit, daz der hailig
Line: 35    
gaist sein este, daz sint sein gâb, schrenket zwischen ir   35

Page: 338  
Line: 1    
este, daz sint ir tugent in irr rainen sêl, und prâht uns
Line: 2    
die süezen fruht, unsern herren Jêsum Christum. Marîâ
Line: 3    
helferinn, pin ich an dir betrogen, pin ich an der wâr\hait
Line: 4    
betrogen, diu niemd betreugt noch betriegen mag.
Line: 5    
ich verzag niht an dir mit stætem hoffen, mag auch   5
Line: 6    
dein gnâd an mir niht verzagen.



Chapter / Strophe: 36     36.
Line: 7    
Line: 8    
VON DEM AHORNPAUM.



Line: 9    
Platanus haizt ain ahorn und kümt von dem wort
Line: 10    
platοs, daz ist ain kriechisch wort und spricht prait, wan   10
Line: 11    
der paum hât praiteu pleter nâhent sam der weinreben
Line: 12    
pleter, aber diu pleter sint gar lind und zart. die pæm
Line: 13    
het man hie vor gar wert, daz man si zôch in der
Line: 14    
künig hof und wein zuo in gôz. die paum wachsent gar
Line: 15    
grôz, reht als diu aich, und macht man guot taveln oder   15
Line: 16    
archen oder laden oder schrein dar auz, und auz des
Line: 17    
holzes maser macht man guot köpf. daz holz wechst
Line: 18    
gern pei den wäzrigen steten, diu erd etswie vil fäuht
Line: 19    
ist. Dem paum geleicht sich unser fraw in der geschrift
Line: 20    
und spricht 'ich pin erhœht sam ain ahorn pei den waz\zern   20
Line: 21    
in den strâzen.' zwâr, daz spricht si gar zimleich,
Line: 22    
wan si ist erzogen in dem palast des obristen künigs, der
Line: 23    
si gemacht hât und genert mit seinem wein, daz ist mit
Line: 24    
seinen götleichen genâden, und hât im got selber auz
Line: 25    
dem käuschen holz ain arch gemacht, er sich inn be\slôz   25
Line: 26    
und mensch wart durch unsern willen. eyâ, auz\erwelteu
Line: 27    
edleu arch, ain arch der êren, ain arch der göt\leichen
Line: 28    
gnâden, ain gar schœneu arch, ain auzgesniteneu
Line: 29    
arch von allem unadel, diu in der êwichait ist gepawen
Line: 30    
und geschicket mit der hant der götleichen weisheit, ge\denk   30
Line: 31    
der deineu freund!



Chapter / Strophe: 37     37.
Line: 32    
Line: 33    
VON DER VIECHTEN.



Line: 34    
Pinus haizt ain viecht. daz ist ain paum gar erkant
Line: 35    
und hât den namen ze latein von der scherpf seiner ple\ter,   35

Page: 339  
Line: 1    
wan die alten maister hiezen scharpf pinum ze latein,
Line: 2    
sam Isidorus spricht. den paum haizent etleich piceam,
Line: 3    
dar umb, daz harz dar auz switzet, wan pix haizt pech
Line: 4    
oder harz ze latein. iedoch sprich ich, daz picea ain
Line: 5    
vorch haiz und pinus ain viecht und abies ain tann, und   5
Line: 6    
alsô haizent ez andreu püecher. Alexander spricht, daz
Line: 7    
diu viecht allem dem nütz sei, daz dar under wachs,
Line: 8    
reht sam der veigenpaum allem dem schad ist, daz dar
Line: 9    
under wechset. des paums früht sint gar schœn an der
Line: 10    
gestalt und habent körnel in langen öpfeln verporgen   10
Line: 11    
gar ordenleich und die früht ezzent diu aichorn winter\zeiten,
Line: 12    
wenn si niht nuz habent. die früht habent die
Line: 13    
art, daz si sänftigent und fäuhtent und sint gar guot
Line: 14    
wider den rôten fluz des leibes. si sint auch gar ain guot
Line: 15    
nütz ezzen den, die siech sint an den gaistleichen geli\dern,   15
Line: 16    
sam umb daz herz und umb die prust, und den, die
Line: 17    
inwendig geswer habent von kalter fäuhten, und den, die
Line: 18    
trucken huostent und pluot rächsent. man schol si des
Line: 19    
êrsten auf ainen glüenden koln legen und schol si ain wênig
Line: 20    
verprennen, dar nâch schol man in die rinden abziehen   20
Line: 21    
und schol die plôzen kern in ain wazzer legen und schol
Line: 22    
si gar wol sieden; dar nâch schol man si auf ain gluot
Line: 23    
legen, und den rauch, der von gêt, schol der siech
Line: 24    
mit der nasen in sich ziehen, der die huosten hât.



Chapter / Strophe: 38     38.
Line: 25    
Line: 26    
VON DEM ALBERPAUM.



Line: 27    
Populus haizt ain alberpaum oder ain popelpaum
Line: 28    
und ist zwair lai, wan ainer lai ist weiz und der ander lai
Line: 29    
ist swarz. der weiz hât pleter, diu sint ain seit weiz und
Line: 30    
die andern seit grüen, aber der swarz der switzt ze öbrist   30
Line: 31    
auf den schüzlingen harz, der smeckt gar wol und ist
Line: 32    
nütz zuo vil erznei; aber der ist der pest, den man in
Line: 33    
dem maien sament, und macht man den harz alsô. man
Line: 34    
nimt die probsen oder diu knögerlein, diu ze laub sölten

Page: 340  
Line: 1    
sein worden, und seudet die in ungesalzenr putern, diu neur
Line: 2    
von rindermilch kümt und diu in dem maien gemacht ist,
Line: 3    
und daz seudet man mitenander, unz ez zemâl grüen
Line: 4    
wirt. dar nâch seiht man ez durch ain tuoch und tuot
Line: 5    
ez in erdein häfen. daz ist gar guot zuo vil dingen und   5
Line: 6    
haizt ze latein diapopylion. ez ist gar guot den, den daz
Line: 7    
haupt tuot von hitz, wenn man in die stirn und die
Line: 8    
slæf an dem haupt mit salbet. ez vertreibt auch den
Line: 9    
swindel und die âmaht, diu von hitz kümt, und vertreibt
Line: 10    
der gelider geswulst, und waz auzwendiger wunden ist   10
Line: 11    
an dem leib, die hailt ez gar krefticleich. daz saf, daz
Line: 12    
man auz des paumes pletern drucket, daz ist den ôrsmer\zen
Line: 13    
guot, und der sâm mit honig macht diu vinstern augen
Line: 14    
klâr und vertreibt des leibes ruor oder daz hinlaufen.



Chapter / Strophe: 39     39.
Line: 15    
Line: 16    
VON DEM PIRPAUM.



Line: 17    
Pirus haizt ain pirpaum. des paumes früht sint kalt
Line: 18    
in dem êrsten grâd und trucken in dem andern grâd, aber
Line: 19    
die wilden pirn, die ze veld und ze holz wachsent, die
Line: 20    
sint kelter wan die haimischen an irr kraft, alsô daz si   20
Line: 21    
mêr küelent und trückent auch daz ezzen mêr nider in
Line: 22    
dem magen, wenn man si nâch tisch izt. wenn man si in
Line: 23    
regenwazzer seudet und si legt auf des magen munt, daz
Line: 24    
ist auf daz grüebel, vertreibent si die undäw und daz
Line: 25    
wüllen und daz widergeben, und man si legt niden auf   25
Line: 26    
den kamp, die rauhen püsche wachsent, vertreibt si
Line: 27    
des leibes hinlauf, der kümt von colera in dem leib,
Line: 28    
daz ist ain pitter peizent fäuhten in dem leib und ist
Line: 29    
gel und grüen. Diascorides ain arzet spricht, welheu
Line: 30    
fraw des pirpaums wurzel pei ir hab oder zuo ir pind,   30
Line: 31    
diu gevâch niht zuo und werd niht swanger die weil si
Line: 32    
ez pei ir hab; und welheu fraw piren auf ir hab, wenn
Line: 33    
si gepern schüll, der werd ir gepurt gar swær. dürr
Line: 34    
holzpirn hailent die wunden an des menschen leib, und

Page: 341  
Line: 1    
der asch, der auz gar argen holzpiren wirt geprant und
Line: 2    
die gar spât zeitig werdent, der ist guot für die peizenden
Line: 3    
swäm, die den menschen in dem leib nagent. und wel\herlai
Line: 4    
swäm man kochet mit den pirn, ez sein puochswäm
Line: 5    
oder ander, die man in mangen landen kochet und izt,   5
Line: 6    
die schadent dester minner, und die holzpirn, die etswaz
Line: 7    
grôz sint und edler wan gemain holzpirn, die kreftigent
Line: 8    
den magen und absneident die huosten und truckent die
Line: 9    
coleram, diu in dem leib negt, und dar umb schüllent
Line: 10    
si die alsô siech sint geprâten ezzen. ez sprechent auch   10
Line: 11    
die maister, daz allerlai geprâten piren gesünter sein
Line: 12    
denn rôch und gesünter geprâten wan gesoten, und die
Line: 13    
lang gelegen sint, alsô daz si niht faul sint, die sint ge\sünter
Line: 14    
wan die frisch von dem paum koment, dar umb,
Line: 15    
daz ir schedleicheu fäuhten mêr ist auzgedünst. man   15
Line: 16    
schol die pirpaum in dem næhsten mônn vor dem merzen
Line: 17    
pelzen (daz verstên ich in den warmen landen) und schol
Line: 18    
si setzen an küel stet, wachsent si gern, wan si sint
Line: 19    
küeler nâtûr. wer ochsengallen geuzt in dem aindleften
Line: 20    
mônn, der november haizt, zuo des pirpaumes wurzeln,   20
Line: 21    
die dannoch warm sint von dem sumer her, der tœtet die
Line: 22    
würm in den pirn und wert in, daz si iht wachsen.



Chapter / Strophe: 40     40.
Line: 23    
Line: 24    
VON DEM KRIECHPAUM.



Line: 25    
Prunus haizt ain kriechpaum. des paumes früht sint   25
Line: 26    
mangerlai an der varb, etleich weiz, die andern swarz,
Line: 27    
die dritten rôt. die swarzen, die etwaz hert sint, die sint
Line: 28    
die pesten und allermaist die wir die wälhischen oder die
Line: 29    
grôzen slehen haizen, die etswaz säuerlot sint. wenn die
Line: 30    
kriechen zeitig werdent und man si abnimt, schol man   30
Line: 31    
si spalten und schol si an die sunnen legen, unz si dor\ren,
Line: 32    
und schol si dann mit ezzeich besprengen und behal\ten
Line: 33    
in ainem hülzeinen vaz; diu macht die ruor verstên
Line: 34    
in dem leibe. ir harz pricht den stain in der plâter,

Page: 342  
Line: 1    
aber ez spricht ain ander puoch, daz die kriechen die
Line: 2    
pesten sein, die ain grüen varb habent, diu sich etswaz
Line: 3    
naigt zuo ainer gelben, und die weizen sein die pœsten
Line: 4    
und die grôzen sint pezzer dann die klainen, aber die
Line: 5    
grüenvar sint und spât zeitigent, die sint die lustigisten   5
Line: 6    
und haizent weinkriechel. ez spricht auch daz selb puoch,
Line: 7    
daz die langen kriechen pezzer sint wan die kurzen, und
Line: 8    
die trucken von art sint pezzer wan die wäzrigen. Ga\liênus
Line: 9    
spricht, man schüll si nüehtarn ezzen vor anderm
Line: 10    
ezzen und schüll dar nâch ain honigwazzer trinken. die   10
Line: 11    
süezen kriechen entlœsent coloram, diu in dem leib negt,
Line: 12    
und füerent si auz; iedoch entlœsent die wäzrigen mêr
Line: 13    
wan die trucken. der kriechen wazzer pringt den frawen
Line: 14    
ir haimlichait, diu menstruum haizt. wer seinen munt
Line: 15    
wescht auz kriechenpletern oder in mit saubert, daz   15
Line: 16    
wert dem fluz auz dem haupt in die kel.



Chapter / Strophe: 41     41.
Line: 17    
Line: 18    
VON DEM PFERSICHPAUM.



Line: 19    
Persicus haizt ain pfersichpaum. der geleicht sich
Line: 20    
an vil dingen dem mandelpaum an der rinten und an   20
Line: 21    
den pletern, ân daz die pfersichpleter lenger sint und
Line: 22    
praiter wan diu mandelpleter, aber der pfersichpaum ist
Line: 23    
klainer wan der mandelpaum. sein plüet sint rôt sam
Line: 24    
die mandelplüet und sein früht sint gar fäuht und kalt
Line: 25    
und faulent gar leiht, und dar umb, izt man die pfersich   25
Line: 26    
nâch anderm ezzen, zerprechent si die andern kost in
Line: 27    
dem magen und verderbent si, und dar umb schol man
Line: 28    
si lang vor anderr kost ezzen. etleich sprechent, daz die
Line: 29    
pfersech die unkäusch mêren an dem menschen, aber daz
Line: 30    
mag niht gesein dann an aim trucken menschen; der   30
Line: 31    
aber unmügent ist von kalter nâtûr, dem sint hitzigeu
Line: 32    
dinch guot. der pfersich kern ist ainem mandelkern
Line: 33    
geleich, ân daz er pitter ist sam die pittern mandel\kern.
Line: 34    


Page: 343  



Chapter / Strophe: 42     42.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER AICH.



Line: 3    
Quercus haizt ain aich und ist als vil gesprochen
Line: 4    
als quernus, daz spricht ain klagpaum, wan als Isidorus
Line: 5    
spricht, die alten haiden heten ir abgötter in den aichen,   5
Line: 6    
und wenn si in iren kumer klagten, antwurtten in diu
Line: 7    
abgötter auz den paumen. daz aichein holz erfault niht
Line: 8    
gern die weil man ez trucken helt. Platearius spricht,
Line: 9    
daz des paums fruht galla haiz und daz diu fruht an kraft
Line: 10    
kalt und trucken sei in dem andern grâd; aber etleich   10
Line: 11    
puoch hât in dem êrsten grâd. ez sprechent aber andreu
Line: 12    
püecher, daz diu fruht des paumes ze latein glans haiz,
Line: 13    
und daz der laubapfel, der auf des paums laub wechst,
Line: 14    
galla haiz. in dem laubapfel wirt ain würmel, dar an
Line: 15    
prüefent die luftsager oder die wetersager künftigez weter,   15
Line: 16    
wan vindent si daz würmel mitten in dem laubapfel,
Line: 17    
kümt ain scharpfer winter nâch irr sag; wenn aber daz
Line: 18    
würmel an dem end ist, kümt ain sänfter winter. die
Line: 19    
aicheln sint pœs, die leiht sint und ain lüegel eingêt,
Line: 20    
aber die swæren und die ganzen die sint guot. si sint   20
Line: 21    
guot für daz wüllen und für die undäw, diu von der co\lera
Line: 22    
kümt. wer ain pflaster macht auz der aicheln pulver
Line: 23    
mit weizem ains ais und mit ezzeich und pint ez auf die
Line: 24    
niern und auf den kamp, daz püschel stêt, daz ist
Line: 25    
guot für die ruor oder für den hinlauf des leibs, und daz   25
Line: 26    
selb pflaster ist guot wider daz flaischswinden, wenn sich
Line: 27    
daz flaisch an dem leib entsleuzt und swindet tunkel. die
Line: 28    
aicheln küelent mêr wan die kesten, aber die früht paid
Line: 29    
sterkent diu gelider und fuorent wol, iedoch allermaist
Line: 30    
diu swein, den menschen niht wol, man mische dann   30
Line: 31    
die kesten mit zukker. wenn man aichein pleter pulvert
Line: 32    
und wirft daz pulver auf sleg oder auf wunden, aint
Line: 33    
ez sich und füegt sich zesamen. wer die aicheln prætt
Line: 34    
und si izt, die sint guot für die harmwinden und ir pul\ver
Line: 35    
ist guot für den fäuhten lauf.   35

Page: 344  



Chapter / Strophe: 43     43.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM RŒTELPAUM.



Line: 3    
Rubus ist ain paum in dem land gegen der sunnen
Line: 4    
aufganch, sam Ambrosius spricht, und in Italia ist ez
Line: 5    
ein paumpusch. der gegen der sunnen aufganch mag ain   5
Line: 6    
rœtelpaum haizen, wan er hât ain rôt rinden und ain
Line: 7    
hertez holz, daz ist gel sam der saffrân. des paums ple\ter
Line: 8    
habent grôz kraft, wer si auf ain slangen wirft,
Line: 9    
diu stirbt zehant, und dar umb habent si pilleich kraft
Line: 10    
wider die vergift.   10



Chapter / Strophe: 44     44.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM ROSENPAUM.



Line: 13    
Rosarius haizt ain rôsenpaum, aber ez ist aigenleicher
Line: 14    
ain staud wan ain paum. rosa haizt ain rôs, diu auf der
Line: 15    
stauden wechst, diu ist kalt in dem êrsten grâd und   15
Line: 16    
trucken in dem andern grâd. diu rôs paideu dürr und
Line: 17    
grüen ist guot zuo erznei. man schol die rôsen pre\chen,
Line: 18    
wenn si sich zemâl habent auf getân und die ze\mâl
Line: 19    
rôt sint under den rôten rôsen, aber die plaichen
Line: 20    
oder die underplaichen schol man hin werfen. wenn   20
Line: 21    
man die rôsen derrt an der sunnen, mag man si
Line: 22    
dreu jâr behalten, daz si nütz sint. wer rôsenhonig
Line: 23    
well machen, daz ze latein haizt mel rosaceum, der würk
Line: 24    
alsô. er schol daz honig des êrsten wol vaimen von dem
Line: 25    
schaum, und schol ez dar nâch schôn seihen durch ain   25
Line: 26    
tuoch und schol dann diu rôsenpleter dar zuo tuon, alsô
Line: 27    
daz man in die zipfel niden abprech mit ainer vaizten,
Line: 28    
diu dar an ist, und schol diu rôsenpleter gar klain snei\den
Line: 29    
und si zuo dem honig mischen. daz schol man dann
Line: 30    
lang sieden mit enander, unz ez sich verb und dick   30
Line: 31    
werd. daz honig hât die kraft, daz ez rainigt von des
Line: 32    
honigs art und sterket von dem edeln rôsensmack, wan
Line: 33    
der smack kreftigt wol. daz honig alsô gemacht rainigt
Line: 34    
den magen von pœser fäuhten. zukkerrôsât macht man

Page: 345  
Line: 1    
alsô. rœst rôsenpleter wol mit zukker pei dem feur und
Line: 2    
tuo daz dar nâch in ain glas und setz ez an die sunnen
Line: 3    
dreizich tag und rüer ez wol all tag mit ainem löffel und
Line: 4    
misch ez vast under einander, alsô daz daz glas oben
Line: 5    
vermachest an der sunnen. daz beleibt guot dreu jâr,   5
Line: 6    
tuost im reht. ez überhebt dich vil pfenning in der
Line: 7    
apotêken. daz zukkerrôsât hât ain kraft ze kreftigen und
Line: 8    
ze sänftigen wider den rôten fluz und wider daz wüllen,
Line: 9    
daz von colera kümt, und wider den swintel und wider
Line: 10    
die âkraft, diu von der krankhait kümt der gaistleichen   10
Line: 11    
gelider, ist ez gar guot für, wenn man ez in rôsen\wazzer
Line: 12    
nimt und trinket. mach rôsensyrop alsô. seud
Line: 13    
rôsen in wazzer und tuo zukker dar ein, wirt der\lai
Line: 14    
syropl. iedoch würd er pezzer von dem saff grüe\ner
Line: 15    
rôsen. der syrop hât die art, daz er des êrsten ent\lœst   15
Line: 16    
oder waichet die gäng, und dar nâch widerhelt er
Line: 17    
die gäng und ist guot wider des leibes hinlauf und wider
Line: 18    
daz wüllen und wider die âkraft; aber man schol in den
Line: 19    
niht geben, die ir stuol swærleichen habent. rôsenöl mach
Line: 20    
alsô. zerstôz die grüenen rôsen gar wol und tuo si in ain   20
Line: 21    
glas mit öl und setz daz glas oben vermacht vierzig tag
Line: 22    
in die sunnen, und wem diu leber erhitzt ist, daz haizt
Line: 23    
calefactio epatis, der salb die stat, diu leber ligt,
Line: 24    
mit und nem ez in ezzen und an anders öls stat, dem
Line: 25    
wirt paz. wem daz haupt tuo von haizen sachen, der   25
Line: 26    
salb die stirn und die slæf pei den ôren mit. rôsen\wazzer
Line: 27    
hât die art, daz ez kreftigt und zesamen zeucht
Line: 28    
und labet wider die hitz und ist guot wider den hitzigen
Line: 29    
auzlauf des leibs, der von colera kümt. wem swintelt und
Line: 30    
âmacht her gêt, dem geuzt man rôsenwazzer ein und be\sprengt   30
Line: 31    
im die stirn mit. wer dürr rôsen zuo der
Line: 32    
nasen habt, daz sterket daz hirn und daz herz und er\lüftigt
Line: 33    
die lebleichen gaist. daz tuont auch die grüenen
Line: 34    
rôsen, der si mæzicleichen smeckt, aber ze vil pringt den
Line: 35    
fluz und tuot dem haupt . der rôsen pluom inwendig,   35
Line: 36    
diu gel ist sam der saffrân, diu haizt anthos und ist

Page: 346  
Line: 1    
guot für daz wüllen. wer frisch rôsen ab dem paum well
Line: 2    
haben ze weihnähten, der verpint den rôsenpaum in des
Line: 3    
maien anvanch gar wol den stam von grunt auf und ies\leichz
Line: 4    
ästel unz an daz end, beleibt diu fäuht und diu
Line: 5    
wirm inwendig, und dann drei wochen oder ain mônet   5
Line: 6    
vor weihnähten, tuo diu pant ab, schiezent schœn
Line: 7    
rôsen auz. daz wæn ich wâr sein in den haizen landen,
Line: 8    
der luft winterszeiten niht gar kalt ist, oder in unserm
Line: 9    
land, der winter sänft ist, wan diu gar grôz kelten
Line: 10    
erfrœret daz saf in dem paum, daz ez niht rôsen præht.   10
Line: 11    
Unser fraw geleicht sich in der geschrift den rôsen
Line: 12    
und spricht 'ich pin gepflanzt sam diu pflanzung der rô\sen
Line: 13    
in Jericho.' nu prüef die herzenminnicleichen ge\leichnüss.
Line: 14    
Jericho ist als vil gesprochen, sam die lêrær
Line: 15    
der hailigen geschrift sprechent, als ain abnemender môn.   15
Line: 16    
nu ist allez daz abnement daz in diser werlt ist mit dem
Line: 17    
sündær: tugent, kraft, schœn, leib und leben; von
Line: 18    
haizt diseu werlt wol Jericho. dar inn ist unser fraw
Line: 19    
gepflanzt als ain wol geladener rôsenpaum, der seinen
Line: 20    
smack milticleich umb sich sträwt mit voller genâd. auz   20
Line: 21    
den edeln rôsen schüll wir uns arm sündær rôsenhonig
Line: 22    
machen und zukkerrôsât, rôsenöl und rôsensyropl und
Line: 23    
rôsenwazzer mit dem honig unser stæten hoffnung, mit
Line: 24    
dem zukker unser süezen lieb und mit dem öl christen\leiches
Line: 25    
gelauben, mit dem zereiben guoter werk und mit   25
Line: 26    
dem auzprennen rehter peiht und ganzer rew für alle die
Line: 27    
siechtüem, angst und nôt, die uns anligent an leib und
Line: 28    
an sêl. eyâ, lieht prinnendeu rôs, erschein allen den,
Line: 29    
die deinen namen êrent, und kreftig si in allen iren nœ\ten.
Line: 30    
fraw, waist wol, ob ich ez mit ernst main.   30



Chapter / Strophe: 45     45.
Line: 31    
Line: 32    
VON DER SETHIN.



Line: 33    
Sethim ist gar ain edel paum und wechset in den
Line: 34    
landen gegen der sunnen aufganch, sam die lêrær spre\chent.

Page: 347  
Line: 1    
der paum geleicht dem weizen dorn, aber er ist
Line: 2    
gar vil grœzer. auz dem holz machte Noe sein arch, als
Line: 3    
diu geschrift sagt. daz holz ist leiht und weiz und ver\print
Line: 4    
niht leiht und fault auch niht.



Chapter / Strophe: 46     46.
Line: 5    
Line: 6    
VON DER WEIDEN.



Line: 7    
Salix haizt ain weid und ist als vil gesprochen als
Line: 8    
ain springerinn, dar umb, daz der paum snell auf springt
Line: 9    
und wechst. er wechset auch gern an nazzen steten und
Line: 10    
hât hert rinden, wenn er alt wirt: aber er junch ist,    10
Line: 11    
hât er gar lind rinden. der paum plüet, er trait aber
Line: 12    
niht früht, und wer die plüet in trinken nimt, der wirt
Line: 13    
unperhaft, sam die zaubrær sprechent. sein rind und
Line: 14    
seineu pleter habent die kraft, daz si zesamen ziehent und
Line: 15    
stark machent. daz saf, daz man drückt auz den plüeten   15
Line: 16    
der paum, gibt man daz ze trinken dem menschen, der
Line: 17    
fiebrig ist ân hitz, daz ist im gesunt. wer des paums
Line: 18    
sâmen in tranch nimt, der wirt beraubt seines unkäuschen
Line: 19    
gelustes, als man sagt, und macht die frawen unperhaft.
Line: 20    
daz wær leiht maniger frawen liep und auch manigem   20
Line: 21    
man. wer ainen kerspaum ze mittelst durchport und stœzt
Line: 22    
ainen weidenast dar ein, alsô daz er daz loch füll über al,
Line: 23    
der paum pringt kersen ân kern. wenn man der weiden
Line: 24    
pleter sträwet in ain haus oder in ain kamer, diu küelent
Line: 25    
den luft und sänftigent die hitz an den siechen läuten.   25



Chapter / Strophe: 47     47.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM HOHEN MAULPERPAUM.



Line: 28    
Sicomorus mag der hôch maulperpaum gehaizen, wan
Line: 29    
sam Rabanus spricht, der paum hât geleich pleter dem
Line: 30    
maulperpaum, aber er ist hœher wan der maulperpaum   30
Line: 31    
und dar umb haizt er auch ze latein celsa, daz spricht
Line: 32    
hôch. ander lêrær sprechent, daz der paum der wild

Page: 348  
Line: 1    
veigenpaum sei; von dem stêt geschriben in des weissagen
Line: 2    
puoch Amos.



Chapter / Strophe: 48     48.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM HOLÆR.



Line: 5    
Sambucus haizt ain holær oder ain holder in anderr   5
Line: 6    
däutsch. der ist mit der kraft warm und trucken in dem
Line: 7    
andern grâd und der paum haizt ze latein lactis. des
Line: 8    
paums rind ist sunderleichen guot zuo erzneien und sein
Line: 9    
sâm und seineu pleter saubernt den leib von der fäuht,
Line: 10    
diu flegma haizt. wer der pleter saf mit honig nimt, daz   10
Line: 11    
tœt die würm in dem leib, die ze latein lumbrici haizent,
Line: 12    
und man ez in die ôrn tröuft, rainigt ez diu flie\zenden
Line: 13    
ôrn von dem aiter und von der unsauberkait.
Line: 14    
des paums plüet sint kreizelot als ain korn und smeckent
Line: 15    
gar wol und sterkent des menschen kreft, wenn man muos   15
Line: 16    
dar auz macht.



Chapter / Strophe: 49     49.
Line: 17    
Line: 18    
VON DEM SPERHAGEN.



Line: 19    
Speragus ist ain paum und mag ain sperhagen hai\zen.
Line: 20    
der ist an kraft warm und trucken in dem dritten   20
Line: 21    
grâd. des früht sint sam diu körnl oder sam die probs,
Line: 22    
die an der paum reisern her für schiezent. wenn die
Line: 23    
paum des êrsten probsent, ê si läuber gewinnent, diu
Line: 24    
fruht diu ist den dunkeln augen guot und zepricht den
Line: 25    
stain in der plâtern. wer ainem hund daz wazzer gibt,   25
Line: 26    
der paum oder diu fruht inn gesoten wirt, der muoz
Line: 27    
sterben. wer aber si seudet und izzet, daz waicht den leip.



Chapter / Strophe: 50     50.
Line: 28    
Line: 29    
VON DEM THIMPAUM.



Line: 30    
Thimus haizt ain thim. daz ist gar ain edel paum   30
Line: 31    
und wechset gegen der sunnen aufganch. von derlai holz
Line: 32    
macht Salomôn die peistal der tür an dem tempel (als

Page: 349  
Line: 1    
diu geschrift sagt in dem dritten puoch der künig und
Line: 2    
anderswâ; die peistal haizt diu geschrift fulchra) und
Line: 3    
macht auch an dem künkleichen sal tür mit und macht
Line: 4    
dar auz harpfen und leiren den sangmaistern in dem
Line: 5    
tempel. daz holz fault niht, sam die lêrær sprechent,   5
Line: 6    
und ist voller dorn geleich aim weizen dorn, und die
Line: 7    
paum sint sinbel sam die viechten; aber daz holz ist
Line: 8    
weiz und gar vast scheinend, reht sam daz helfenpain.



Chapter / Strophe: 51     51.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEM THEREBINTEN



Line: 11    
Therebintus ist ain edel paum. der hât gar edeleu
Line: 12    
pleter und gar schœneu. der paum wechset gar hôch in
Line: 13    
den freien luft und gibt harz, der ist edeler wan aller
Line: 14    
anderr harz und hât ainen wunderleichern smack wan
Line: 15    
kain ander harz. Platearius spricht, daz man dar auz   15
Line: 16    
und auz girsteinem melb ain pflaster mach, daz zeprech
Line: 17    
die geswer in dem leib, die man apostem haizt. des
Line: 18    
paums weirâch smeckt gar wol.



Chapter / Strophe: 52     52.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEM DACHSPAUM



Line: 21    
Taxus oder daxus haizt ain dachspaum. der ist ver\giftig,
Line: 22    
sam Isidorus spricht, und allermaist in dem land
Line: 23    
Calabria, und dar umb drückt man vergift dar auz, diu
Line: 24    
ze latein toxicum haizt. auz des paums holz machten die
Line: 25    
alten haiden hie vor pogen und armprost. daz holz hât   25
Line: 26    
mangerlai varb und wert gar vil jâr, und ez auf der
Line: 27    
erd ligt, verleuset ez leiht sein kraft. des paums ple\ter
Line: 28    
sint daz ganz jâr grüen. Platearius spricht, daz diu
Line: 29    
hüenr gar vaizt werden von des paumes sâmen, und
Line: 30    
in ain mensch izt, macht er im den leib vertig und   30
Line: 31    
waich. er spricht auch, daz der paum in dem land Ca\labria
Line: 32    
grôz kraft hab, sei daz ain mensch dar under

Page: 350  
Line: 1    
sitz und slâf, ez kümt im ze schaden. man spricht auch.
Line: 2    
sei daz ain pein den paum anrüer, si sterb.



Chapter / Strophe: 53     53.
Line: 3    
Line: 4    
VON DER LINDEN.



Line: 5    
Tilia oder dilia haizt ain lind. der paum ist gar be\kant   5
Line: 6    
pei uns und ist gar lüftiger art. dar umb ist sein
Line: 7    
holz gar leiht. des paums plüet habent vil honigs und
Line: 8    
wahses und dar umb sitzent die peinen gern dar auf. daz
Line: 9    
honig ist pezzer und paz gesmach, daz die peinen dar ab
Line: 10    
samnent, wan kainerlai ander honig. ez ist auch des   10
Line: 11    
paums schat den menschen zimleicher wan anderr paum
Line: 12    
schat.



Chapter / Strophe: 54     54.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM WEINREBEN.



Line: 15    
Vitis haizt ain weinreb. der hieze paz ain staud wan   15
Line: 16    
ain paum. wenn man die weinper in ainen warmen ofen
Line: 17    
legt und derrt si dar inn, die haizent ze latein uva passa,
Line: 18    
daz sint geröscht weinper. des weinreben plüet tœtent
Line: 19    
die slangen und der weinreben zäher, der dar auz tropfet
Line: 20    
wenn man si besneidet, vertreibt die räudichait und die   20
Line: 21    
schebichait. sein wurzel vertreibt die unsauberkait und
Line: 22    
daz aiter auz den ôrn, wenn man si stœzt. ir saft pricht
Line: 23    
den stain in der plâtern. nim die grüen weineste wenn
Line: 24    
man si absneidet und röscht si in ainem feur, unz si des
Line: 25    
feurs enpfindent an ir prunst, und zeuch si dann her wider   25
Line: 26    
auz und trück dar auz wazzer, daz ist den wäzrigen augen
Line: 27    
guot und den kranken augen, wenn man daz wazzer dar
Line: 28    
ein tuot. scholt nâch miltem weinlesen wênig trinken
Line: 29    
und nâch klainem weinlesen trink paz und milticleicher.
Line: 30    
daz verstên ich alsô. scholt niht den wein trinken   30
Line: 31    
dar nâch und sein vil oder wênig hâst: scholt den
Line: 32    
wein dir selber trinken ze nutz nâch rehter mâz. alsô
Line: 33    
pis den milten reben arch und den argen milt. slehtez

Page: 351  
Line: 1    
velt pringt mêr weins, aber gepirg pringt edlern wein.
Line: 2    
der sudenwint, der auster haizt, edelt den wein in den
Line: 3    
weinreben dar umb, daz er warm ist; aber der norden\wint,
Line: 4    
der aquilo haizt, mêret den wein in den weinreben,
Line: 5    
die gegen im stênt dar umb, daz er wäzrig ist. die wein\per   5
Line: 6    
sint gesünter über drei tag ze ezzen dar nâch und
Line: 7    
man si gelesen hât, dann an dem êrsten tag, wan si
Line: 8    
plæent alsô frisch; wenn aber der plæend dunst auz ge\reucht,
Line: 9    
sint si pezzer. wer die weinper behelt und si
Line: 10    
auf hæht oder si paizt mit honig oder mit zukker in ainem   10
Line: 11    
ofen gerœscht, die fuorent wol. der weinreb hât die art,
Line: 12    
daz er ain seit an dem ast an ainem knoden daz weinplat
Line: 13    
auzscheuzt und ander seit die weinper. wenn die wein\reb
Line: 14    
geprant werdent von ainem kalten wind, mêrent
Line: 15    
si diu pleter und niht die weintrauben. Jacobus spricht,   15
Line: 16    
der weinreben zäher schad den vergiftigen tieren. mitel\mæzig
Line: 17    
wein ist guot, den schol man nemen nâch der wal.
Line: 18    
Galiênus spricht, der wein ie elter ist, er ie hitziger
Line: 19    
ist. Aristotiles spricht, man versuocht an newem wein
Line: 20    
oder an most, ob wazzer dar zuo gemischt ist oder niht;   20
Line: 21    
wan wer ain ai dar ein legt, ist niht wazzers pei,
Line: 22    
swimt daz ai ob, ist aber wazzer pei, vellet ez ze
Line: 23    
podem. ganzer most hât zwair lai hitz: ain von seiner
Line: 24    
aigen nâtûr, die andern von der stat seiner gepurt, in
Line: 25    
diu sunn gemacht hât, und diu zwivaltig hitz machet den   25
Line: 26    
most wallend in dem vaz, dar umb swimt daz ai ob; aber
Line: 27    
die hitz erlescht daz wazzer, dar umb velt dan daz ai
Line: 28    
under. Galiênus spricht, süezer wein macht durst, wan
Line: 29    
er mêret die hitz in dem menschen. Isidorus spricht,
Line: 30    
welhe menschen geschickt sint zuo der wazzersucht, die   30
Line: 31    
hüeten sich vor allem süezem wein. ez ist dreier lai wein.
Line: 32    
der êrsten lai ist wäzrig und dünn, der ander erdisch und
Line: 33    
dick, der drit hât ain mitel under den zwain. der lauter
Line: 34    
wirt schier gekocht in dem magen und durchgêt die âdern
Line: 35    
und pringet daz harmwazzer, und dar umb gibt man in   35
Line: 36    
den sühtigen läuten, wan er hitzt niht vast und beraubt

Page: 352  
Line: 1    
der sinn niht und schadet dem hirn niht und den âdern.
Line: 2    
ist aber er gemischet, leschet er den durst dester paz.
Line: 3    
Aristotiles spricht, gar starker wein in ainem vaz ist,
Line: 4    
der daz vaz zeprechen wil, leg ain wênig kæss ein,
Line: 5    
erlischt sein überwal, wan der kæs ist kalt und vol   5
Line: 6    
löchel, von zeuht er die hitzigen dünst in sich, der
Line: 7    
den wal macht, und lescht in mit seiner kelten. Isidorus
Line: 8    
spricht, die wein, die man auz korn und auz gersten
Line: 9    
macht, sint niht zimleich und lâzent sich niht wol kochen
Line: 10    
in dem magen und machent pœs dünst und pœs fäuhten   10
Line: 11    
in dem leib; si verschoppent die leber und daz milz und
Line: 12    
machent den stain in der plâtern und in den niern. er
Line: 13    
spricht auch, guot wein fuoret den leib wol und pringt
Line: 14    
und behelt gesunthait, ist daz man in zimleich trinkt von
Line: 15    
der nâtûr nôtdurft, wan sterket er die kochenden kraft   15
Line: 16    
in dem magen und in den gelidern. ez ist kain ezzen
Line: 17    
oder kain trinken, daz die nâtürleichen hitz vast sterk,
Line: 18    
sam der wein tuot: der benimt trauren und pringt vräud,
Line: 19    
er wandelt der sêl laster in tugent, er kêret von unmilt
Line: 20    
in milt, von unsänft in sänften muot, von hôchvart in   20
Line: 21    
diemuot, von trâkhait in snellikait, von vorht in kuon\hait,
Line: 22    
er ändert des muotes unwitz in ain hündichait oder
Line: 23    
kluoghait und ungespræch in wolgespræch und ânsin in
Line: 24    
sinnichait, und dar umb nâmen in die weisen läut, Perse
Line: 25    
und Heleni, wenn si mit etswem weisleich reden wolten   25
Line: 26    
oder etswaz newes vinden oder rât geben zuo gemainem
Line: 27    
nutz der läut. der wein von dem land Neapolis hât die
Line: 28    
art, daz er print reht sam ain öl, wenn man in in ain
Line: 29    
feur geuzt, und der ist ain fuorung und ain kost. Isi\dorus
Line: 30    
spricht, wer ain ai drei tag oder vier in ainen ez\zeich   30
Line: 31    
leg, werd sein schal waich, daz man ez leiht
Line: 32    
mit der hant drucken müg war ain man well und müg
Line: 33    
ez lang geziehen, alsô daz man ez durch ain hant\vingerl
Line: 34    
zieh. Galiênus spricht, daz der ezzeich gar
Line: 35    
hilfleich sei den dingen, diu hitzig nâtûr habent, und gar   35
Line: 36    
schedleich den, diu kalt nâtûr habent. Platearius spricht,

Page: 353  
Line: 1    
vindet der ezzeich den magen vol, entsleuzt er in, vint
Line: 2    
er in aber lær, besleuzt er in und zeucht in zesamen.
Line: 3    
er spricht auch, wer ainen ezzeich bewæren well, ob er
Line: 4    
guot sei, der giez in auf die erd oder auf eisen; wirt er
Line: 5    
dann wallent, ist er guot, wallt aber er niht, ist er   5
Line: 6    
niht guot. Galiênus spricht, lauter ezzeich mit wazzer ge\mischt
Line: 7    
sumerzeiten küelt und lescht den durst; wazzer
Line: 8    
mit wein oder mit ezzeich gemischt lescht den durst mêr
Line: 9    
wan eitel wazzer, wan wein und ezzeich füerent daz waz\zer
Line: 10    
in die tiefen des leibes und machent ez durchprechent,   10
Line: 11    
wan der ezzeich hât die kraft, daz er ander ding kreft,
Line: 12    
die im zuo gesellt sint, füert in die tiefen. daz westen
Line: 13    
die unrainen juden wol, si unsern herren martrâten,
Line: 14    
wan er in seinem pittern leiden hiench an dem cräuz,
Line: 15    
schrai er mit lauter stimm 'mich dürstet!' und    15
Line: 16    
gâben im die juden ezzeich mit gallen, dar umb, daz der
Line: 17    
ezzeich seineu gelider durchgieng mit der gallen. ez
Line: 18    
sprechent auch etleich, daz gemischter wein mêr trunken
Line: 19    
mach wan ungemischter, wan der gemischt wein wirt
Line: 20    
behend von dem wazzer und sleuft durch. er dünst auch   20
Line: 21    
mêr von dem wazzer wan sunst, und der dunst oder der
Line: 22    
rauch sleht in daz haupt und macht trunken, aber diu
Line: 23    
trunkenhait wert niht lang sam von eitelm wein.



Chapter / Strophe: 55     55.
Line: 24    
Line: 25    
VON DEM ULMPAUM



Line: 26    
Ulmus haizt ain ulmpaum oder ain ilmpaum. der
Line: 27    
hât die art, sam Isidorus spricht, daz er gar gern grüenet,
Line: 28    
wan ist daz er dürr worden ist, der in dann fäuht mit
Line: 29    
wazzer, er wirt wider grüen, und der in absneidet und in
Line: 30    
in die erde steckt und grebt, würzelt er und kümt zuo   30
Line: 31    
kreften. der paum ist zeitleich grôz und hât ain scharpf
Line: 32    
kritzlot rinten wenn er alt wirt, und hât pleter sam ain
Line: 33    
alberpaum, ân daz seineu pleter an der ainen seiten niht
Line: 34    
weiz sint, si sint ze paiden seiten grüen und sint dünn.

Page: 354  
Line: 1    
der paum ist unfruhtpær und ist auch ze paw niht guot,
Line: 2    
iedoch praitent sich die weinreben etswenn dar auf, wan
Line: 3    
der paum schadet dem weinreben niht. aber setzet man
Line: 4    
ain haseln zuo dem weinreben, diu derrt im sein wurzeln
Line: 5    
und verderbt den weinreben, und daz tuot auch kolkraut,   5
Line: 6    
reht sam daz mâgenöl den habern verderbt und der flachs
Line: 7    
und daz unkraut daz korn.
Line: 8    
IV.



Chapter / Strophe: B     B.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEN WOLSMECKENDEN PAUMEN



Line: 11    
Die wolsmeckenden paum, der rinten, wurzel, pleter,
Line: 12    
harz und saf man hôch preiset, wahsent niht in däutschen
Line: 13    
landen, si wahsent in den haizen landen gegen mittem
Line: 14    
tag und gegen der sunnen aufganch, dar umb habent si
Line: 15    
niht däutsch namen; wir haizen si in däutscher zung als   15
Line: 16    
man si nennet in latein oder in anderr sprâch. von den
Line: 17    
well wir nu reden.



Chapter / Strophe: 1     1.
Line: 18    
Line: 19    
VON DER SALBEN ALOE.



Line: 20    
Aloe ist ain salb, haiz und trucken mit seiner kraft,   20
Line: 21    
sam Plinius spricht. daz macht man auz dem saf des
Line: 22    
krautes, daz aloe haizt, und macht ez alsô. man ze\stœzt
Line: 23    
daz kraut und druckt daz saf dar auz und seudet
Line: 24    
ez lang pei ainem feur und setzt ez dann an die sunn
Line: 25    
und behalt ez. daz obrist ist daz lauterist und haizet   25
Line: 26    
epaticum, dar umb, daz ez der lebern guot ist. daz an\der
Line: 27    
dar nâch haizt citrinum und daz ist niht lauter
Line: 28    
sam daz êrst. daz unterist ist trüeb und gerbig und hai\zet
Line: 29    
caballinum. diu obern zwai sint an der varb gel,
Line: 30    
aber daz ander ist niht gel sam daz öbrist und daz   30
Line: 31    
unterist ist swarz. die aloe alle sint gar pitter und mensch\leichem
Line: 32    
munde widerzæm. daz aloe hât die art, daz ez

Page: 355  
Line: 1    
diu zeprochen pain wider genzt, wenn man ez auzwen\dig
Line: 2    
dar über pindet, und hilft für der vergiftigen tier piz.
Line: 3    
aber wenn man ez inwendig nimt, fürbt ez den leib
Line: 4    
von der fäuhten, die man flegma haizt. ez hât auch die
Line: 5    
kraft ze rainigen und ze auztreiben die fäuht, diu melan\colia   5
Line: 6    
haizt, und ze sterken diu glider, und dar umb ist
Line: 7    
ez guot wider überflüzzichait der fäuhten, die in dem ma\gen
Line: 8    
beslozzen sint. ez macht daz haupt gesunt, daz siech
Line: 9    
ist von räuchen und von dünsten, und macht diu augen
Line: 10    
clâr. ez öffent daz verschoppen des milzes und der lebern,   10
Line: 11    
ez erlescht die überflüzzichait der gelider und allermaist
Line: 12    
umb die schämigen stet. ez macht daz antlütz schœn,
Line: 13    
daz entverbet ist von swerz. wie daz sei, daz aloe dem
Line: 14    
mund pitter sei, doch ist ez dem magen süez, dar umb
Line: 15    
haizt ez in erznei epiglostomachon, daz spricht: dem ma\gen   15
Line: 16    
süez. man schol ez geben mit herbem wein oder mit
Line: 17    
wermuotsaf.



Chapter / Strophe: 2     2.
Line: 18    
Line: 19    
VON DEM ALOES.



Line: 20    
Aloes ist ain holz und ist ain paum, der wechst in   20
Line: 21    
dem land India und in dem land Arabia, sam Isidorus
Line: 22    
spricht, und hât gar ainen guoten süezen smack. man
Line: 23    
nützet daz holz zuo den ältern in den gotshäusern, reht
Line: 24    
sam man tuot daz thymiama, daz von dem paum thymus
Line: 25    
kümt, von wir vor gesagt haben. die andern maister   25
Line: 26    
sprechent, daz daz holz köm von dem irdischen paradis
Line: 27    
in vliezenden wazzern und daz man ez mit netzen in den
Line: 28    
wazzern auf vâch. welhez holz under derlai holz swær
Line: 29    
ist und knorrot in seiner art, daz ist daz pest und ist gar
Line: 30    
wolsmeckend. ez ist underpitter, alsô daz ez niht gar   30
Line: 31    
pitter ist, wenn man ez auf die zungen legt. ez ist auch
Line: 32    
underswarz oder underrôt an der varb; ez læt sich niht
Line: 33    
mit den zenden leiht prechen. wenn man ez keut und in
Line: 34    
dem mund helt, daz ist dem hirn guot von dem edelem
Line: 35    
smack, der von gêt. ez ist auch für die krankhait des   35

Page: 356  
Line: 1    
magen, der lebern, des hirns und des herzen guot und
Line: 2    
wider daz verliesen der frawen gewonhait, wenn si der
Line: 3    
niht gehaben mügen, wider der prust siechtuom und wi\der
Line: 4    
ander krankhait der gelider, die von kelten koment.
Line: 5    
der wein, der mit dem holz gesoten wirt, der ist auch   5
Line: 6    
gar guot wider die vor genanten siechtüem, und wer den
Line: 7    
dunst mit der nasen in sich zeucht, der von dem sieden
Line: 8    
gêt, daz pringt dem kalten hirn vil gesunthait. wer daz
Line: 9    
holz pulvert und nimt nägelpleter und daz pain, daz in
Line: 10    
ains hirzen herz ist, und pulvert diu auch und reibt den   10
Line: 11    
pulver zesamen mit paumöl und salbet ainem hann sein
Line: 12    
haupt mit, der singt tag und naht niht.



Chapter / Strophe: 3     3.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM AMOMO.



Line: 15    
Amomum ist ain paum, sam Plinius und Isidorus   15
Line: 16    
sprechent, oder ain staud und wehset in Armenia und ist
Line: 17    
vol trauben sam ain weinreb und pringt sâmen gar dick
Line: 18    
zuo einander gesellt und hât weiz plüet und ze stunden
Line: 19    
violvar und hât ainen smack sam cinamomum, von dem
Line: 20    
wir her nâch werden sagen, und hât pleter sam ain kraut,   20
Line: 21    
haizt peonia, daz haizt man ze däutsch peon, als her nâch
Line: 22    
kunt wirt, wenn wir von den kräutern sagen. aber Avi\cenna
Line: 23    
spricht, daz der pâm pleter hab an der grœz und
Line: 24    
an der schickung sam ain weinreb und sei goltvar und
Line: 25    
daz holz sei gevar sam ain stain, haizt jâchant, der ist   25
Line: 26    
wahsvar, als her nâch kunt wirt, und daz holz smeckt
Line: 27    
gar wol. iedoch ist ainer lai der paum, der wechst an
Line: 28    
fäuhten steten und ist grüenvar an dem holz und smeckt
Line: 29    
sam die rauten; und daz von Egypten land kümt, daz ist
Line: 30    
niht gar lanch und prait und ist leiht ze prechen mit   30
Line: 31    
den zenden und ist sein smack grœzer wan der rauten
Line: 32    
smack, und daz haizt egyptiacum. der dritten lai ist weiz\lot
Line: 33    
und naigt sich zuo ainer rœt, und daz ist dick sleht
Line: 34    
und aufreht. wenn man daz keut, ist ez peizend und

Page: 357  
Line: 1    
scharpf in dem mund. Diascorides spricht, daz derlai
Line: 2    
daz pest sei und daz læt sich stôzen ze pulver und hât
Line: 3    
vil sâmen, die sament man auf dem paum sam die wein\trauben,
Line: 4    
und sprechent die ärzt, wer amomum trink, daz
Line: 5    
sei guot für der pain siehtum, der podagra haizt, aber   5
Line: 6    
ez beswært daz haupt und pringt slâf und macht trunken.
Line: 7    
Constantînus spricht, sei daz ain fraw sitz ob des holzes
Line: 8    
dunst, diu werd gesunt, ob ir sei an der iren, und
Line: 9    
daz pringt auch der frawen ir gewonhait, und der ain
Line: 10    
pflaster von macht, daz ist guot für der scorpen hecken.   10



Chapter / Strophe: 4     4.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM CARDAMOM.



Line: 13    
Cardamomum haizt ain cardamom, daz ist amomo ge\leich
Line: 14    
und ist ain staud, diu pringt ainen länkloten sâmen.
Line: 15    
der paum ist vierlai. ainer ist gar grüen und vaizt mit   15
Line: 16    
scharpfen stichlingen und laidigt den, der sein haut dar
Line: 17    
an reibt, und derlai ist der aller löbleichist. der ander
Line: 18    
ist ain wênich rôt mit ainer weiz gemischt. daz dritt ist
Line: 19    
kurz und swarz. daz vierd ist manigverbig und hât klai\nen
Line: 20    
smack und mag man ez leiht zereiben, und daz acht   20
Line: 21    
man für daz pœst. daz pest ist, daz aller edelist smecket
Line: 22    
und ain süez dar ein gemischt ist. daz holz hât die kraft,
Line: 23    
daz ez die nâtûr kreftigt mit seinem guoten smack und
Line: 24    
daz ez entlœst und verzert mit seiner art, wan ez ist haiz
Line: 25    
und trucken. daz holz ist auch guot wider die krankhait   25
Line: 26    
des magen und hilft zuo dem kochen in dem magen und
Line: 27    
ist guot wider den swintel und wider die âmaht und wi\der
Line: 28    
daz wüllen, wenn man ez in den munt legt. nu
Line: 29    
macht sprechen: diu dinch sint gar guot und nütz
Line: 30    
menschleicher art, aber nim ichs? wærleich, si wach\sent   30
Line: 31    
gar verr in meim garten! aber hâst guot und
Line: 32    
golt, machest dir vil ding nâhen und holt, die kauf\läut
Line: 33    
varnt verr.

Page: 358  



Chapter / Strophe: 5     5.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM BIDELL.



Line: 3    
Bidellia haizt ain bidell. daz ist ain paum, der
Line: 4    
wechst in Arabia. des paumes zäher ist scheinig und
Line: 5    
weizlot und ist leiht und gleichvirbich, und der ist der   5
Line: 6    
pest, der leiht waich wirt und der niht gemischt ist mit
Line: 7    
erd und mit holz, und der pitter ist guotes smackes, aber
Line: 8    
er zepricht sein ê, wenn man andern zäher dar zuo mischt,
Line: 9    
der niht pitter ist in dem munde. Platearius spricht,
Line: 10    
daz der zäher ain kraft hab zesamenziehen und zuo\ziehen.   10
Line: 11    
er hailt des leibes hinlauf, der von der scharpfen
Line: 12    
colera kümt in dem leib. er hailt auch die geswer, diu
Line: 13    
man apostem haizt, inwendig und auzwendig mit sal\bet,
Line: 14    
und zepricht den stain in der plâtern. er hailt kref\ticleich
Line: 15    
ains töbigen hundes piz oder ander wunden oder   15
Line: 16    
des mannes gezeuglein, wenn man in mit ezzeich twirt.



Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 17    
Line: 18    
VON DEM BALSEMPAUM.



Line: 19    
Balsamus haizt ain balsempaum. daz ist ain paum
Line: 20    
oder ain staud; sam Jacobus und Solînus sprechent und   20
Line: 21    
ander maister in vil puochen, den man hie vor neur in
Line: 22    
dem land Judêa vant an der stat Jericho; aber in der
Line: 23    
zeit lauf fuorten in Egypcier auf daz velt ze Babiloni und
Line: 24    
pawent in die christen, die gevangen sint in der hai\denschaft,
Line: 25    
wan sam Egypcier dick versuocht habent, wenn   25
Line: 26    
in die haiden pawent, beleibt er unfruhtpær, sam die
Line: 27    
historien sagent, daz sint die geschrift von den geschihten
Line: 28    
in den landen und in den zeiten. auf dem selben veld
Line: 29    
ze Babiloni sint sehs prunnen und in der ainem (sprechent
Line: 30    
etleich) hât unser fraw unsern herren Jêsum Christum   30
Line: 31    
gepadet und von dem prunnen und von den andern fünfen
Line: 32    
wirt des balsems velt durchfäuht. aber an andern steten
Line: 33    
gibt diu staud nümmer kainen balsemsaft. iedoch spricht

Page: 359  
Line: 1    
Avicenna, daz diu erd durchfäuhtt werd, der balsem
Line: 2    
wechst, von dem prünnel des veldes Engadi. Plinius
Line: 3    
spricht, daz des paums stam sei als ain weinreb und hab
Line: 4    
pleter als ain raut, aber si sein weizer und beleiben all\zeit.
Line: 5    
der paum hât die art, daz man in dick besneiden   5
Line: 6    
muoz und fräwet sich wazzers. wenn man den edeln
Line: 7    
balsemzaher ab dem paum nemen wil, muoz man in
Line: 8    
besneiden mit paineinn mezzern oder mit staineinn oder
Line: 9    
mit gleseinn mezzern und muoz gar seiht dar ein hacken,
Line: 10    
tropfet daz saf her ab in gleseineu vaz, diu man dar   10
Line: 11    
under setzet, wan besnit man die paum mit eisen, ver\dürben
Line: 12    
si. aber Avicenna und ander maister sprechent,
Line: 13    
man besneid si mit eisen. wenn man den balsem nu ge\samnet
Line: 14    
hât, behelt man in sehs môneid in ainem väz\zel
Line: 15    
under taubenmist, und nâch der zeit zeuht man in   15
Line: 16    
her auz, ist er lauter worden, und daz ist dar umb,
Line: 17    
daz der taubenmist hitzig ist, und der balsem behelt sein
Line: 18    
kraft, wenn er niht auzdünst. der zaher ist mêr werhaft
Line: 19    
denn kain ander zaher. der paum haizt balsamus, aber
Line: 20    
sein holz oder sein traub haizt xilobalsamum und sein   20
Line: 21    
sâm haizt carpobalsamum und sein saf haizt opobalsamum.
Line: 22    
Platearius spricht, daz opobalsamum die pesten und die
Line: 23    
geweltigisten kraft hab, wan ez ist haiz und trucken in
Line: 24    
dem vierden grâd mit seiner kraft, und dar umb, daz ez
Line: 25    
seltsam ist, velschet man ez dick und mit mangerlai   25
Line: 26    
dingen. wan etleich nement therebintenzäher, der there\bintina
Line: 27    
haizt, und mischent ain wênich balsems dar zuo,
Line: 28    
geleicht ez dem balsem; die andern nement nardenöl,
Line: 29    
daz von dem kraut nardo kümt, und mischent ez zuo
Line: 30    
therebintenzäher.   30
Line: 31    
Nu sprechent etleich, man schüll balsem alsô be\wæren.
Line: 32    
wer in vorn an ainen griffel tuo und in anzünd,
Line: 33    
prinn er, aber daz tuot ain therebintenzäher auch.
Line: 34    
Diascorides spricht, nem man des balsems ainen tropfen
Line: 35    
und tuo in in ain gaizein milch, gerinn si zehant und   35
Line: 36    
der balsemtropf vall ze podem. aber ez sint vil ding,

Page: 360  
Line: 1    
diu die milch rennent. der balsem ist gelvar und gar
Line: 2    
lauter und man erkennt in alsô vor valschem balsem.
Line: 3    
ist daz man in mit aim griffel legt unden in ein wazzer,
Line: 4    
beleibt er; legt man in ze mittelst, beleibt er auch,
Line: 5    
und alsô tuot er, legt man in oben in daz wazzer. ez   5
Line: 6    
ist auch ain ander versuochen. tuo wazzer etswar ein
Line: 7    
und tuo in daz wazzer balsem und rüer daz wazzer mit
Line: 8    
aim holz; ist der balsem valsch oder ist ez therebinten\zäher,
Line: 9    
wirt daz wazzer trüeb, ist aber er gereht,
Line: 10    
wirt daz wazzer niht trüeb. Rabanus spricht, ist der bal\sem   10
Line: 11    
ganz und gereht, wirt ain wüllein tuoch niht un\sauber
Line: 12    
von und gilt niht minner dann vor. mêr, wig
Line: 13    
balsem etswar inn und wig dar nâch therebintenzäher in
Line: 14    
der selben grœz in dem selben vaz: ist der balsem gereht,
Line: 15    
wigt er zwir oder dreistunt als swær sam der there\bintenzäher,   15
Line: 16    
wigt aber er neur ain klain mêr, ist er
Line: 17    
valsch. mêr, ist der balsem gereht, hât er grôz
Line: 18    
kraft, wenn man sein an der sunnen hitz ains tropfen grôz
Line: 19    
legt in die hant, daz mag diu hant niht verdoln, er dringt
Line: 20    
zehant durch die hant, wan kainerlai fäuht dringt vaste   20
Line: 21    
durch. Michahel der Schott spricht, der balsem hât die
Line: 22    
art, wenn man milch dar auf träuft, gerinnt si zehant;
Line: 23    
wenn man aber in auf wazzer geuzt, behelt er sein
Line: 24    
kraft. man läutert den balsem mit ezzeichwaschen, wenn
Line: 25    
man in dar inn welzet. er nimt kainer andern fäuht zuo\mischen.   25
Line: 26    
des gelaub ich Megenberær niht, wan möht
Line: 27    
man in niht wol gevelschen sam man tuot. der bal\sem
Line: 28    
hât die kraft, daz er entlœst und behelt die kreft
Line: 29    
und zeucht zuo im. under andern werken, diu er hât,
Line: 30    
treibt er daz tôt kint auz der muoter und zeuht daz päl\gel   30
Line: 31    
her für, daz kindel inn ligt in der muoter, daz ze
Line: 32    
latein secundina haizt, und volgt dem kindel in der ge\purt,
Line: 33    
dar umb haizt ez secundina von dem wort sequor,
Line: 34    
daz haizt volgen. man schol balsem geben wider all
Line: 35    
veraltet siehtüem des hauptes mit ainer opiat, diu dem   35
Line: 36    
siechtuom zimleich sei. wer ain wahs fäuht macht mit

Page: 361  
Line: 1    
ainem balsem und legt daz auf ain mâsen zehen tag
Line: 2    
(wan lang mag der balsem beleiben mit wahs und
Line: 3    
auch vierzig tag, geschiht sein nôt), vertreibt er die
Line: 4    
mâsen. er behelt der tôten leib ganz ân faulen gar vil
Line: 5    
jâr die man balsamt mit rehtem balsem.   5
Line: 6    
Dem balsem geleicht sich unser frawe in der ge\schrift
Line: 7    
und spricht 'ich hân ainen smack geben als ain
Line: 8    
wolsmeckender balsem.' zwâr, daz spricht si mit lauterr
Line: 9    
wârhait, wan si aller tugenden vol sträwet ir grôz parm\herzichait
Line: 10    
auf uns arm sündær mit vil genâden, daz   10
Line: 11    
wir den himel mêr besitzen mit gewalt wan mit reht, und
Line: 12    
dar umb spricht diu geschrift 'der gereht wirt kaum be\halten,'
Line: 13    
wan man vindet kaum ainen menschen, der nie
Line: 14    
kain tôtsünd hab getân, ez sein zwelfpoten oder ander
Line: 15    
hailigen, ân unser frawen allain, und dar umb spricht   15
Line: 16    
auch diu geschrift 'celum vim patitur,' daz spricht: der
Line: 17    
himel leidet gewalt. nu schaw, wie wir ze himel komen.
Line: 18    
parmherzichait muoz der wârhait begegen und gerehtic\hait
Line: 19    
muoz sänftig sein und fridsam. dar umb spricht der
Line: 20    
weissag in dem salter, diu parmherzichait und diu wâr\hait   20
Line: 21    
sint anenander begegent, diu gerehtikait und der
Line: 22    
frid habent anenander geküsset.' des küssens fräw ich
Line: 23    
mich und gibt mir ain kraft, mêr dann aller balsem smack.



Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 24    
Line: 25    
VON DEM CINAMOMPAUM



Line: 26    
Cinamomum ist ain paum in der môrn land, sam
Line: 27    
Isidorus und Plinius sprechent, und ist ain kurz staud
Line: 28    
kaum zwair daumellen lang und hât ain swarze rinden oder
Line: 29    
aschenvar und hât gar klaineu gärtel, wan daz grôz ist
Line: 30    
und grœzer gärtel hât daz versmæht man, aber daz klain   30
Line: 31    
preiset man und daz ist edel. des paumes äst sint sinbel
Line: 32    
und hol sam die rœrn, und wenn man si zepricht, gêt
Line: 33    
ain merkleich süezer dunst von, geleich als ain nebel
Line: 34    
oder asch. Platearius spricht, daz cinamomum von seinem

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Line: 1    
edeln smack daz hirn sterket und von seiner hitz den
Line: 2    
magen kreftigt, der krank ist von kelten. wenn man
Line: 3    
cinamomum pulvert und ez an salsen stat gibt mit ezzen,
Line: 4    
machet ez lustig. wer ez dick kewt, dem macht ez
Line: 5    
seinen stinkenden munt wolsmeckend, und daz tuont ander   5
Line: 6    
würz und wolsmeckendeu dinch selten, sam nägl und
Line: 7    
muscât und andreu dinch; wan wie daz sei, daz si ain
Line: 8    
weil wol smecken, faulent si doch und entsliezent daz
Line: 9    
flaisch in dem mund mit irr hitz. aber cinamomum, ob
Line: 10    
daz entsleuzt mit seiner hitz, doch verzert ez die faulen   10
Line: 11    
fäuhten von der art seins zuoleimens, daz ze latein con\glutinacio
Line: 12    
haizt, wan ez samnet daz flaisch zuo ainander
Line: 13    
und hertet ez. wem daz zantflaisch fault und stinket,
Line: 14    
sam ez tuot daz mêrer tail haizen läuten, der wasch des
Line: 15    
êrsten daz zantflaisch mit gesalzem wazzer und reib ez,   15
Line: 16    
unz daz ez pluott; dar nâch nem des pulvers von cina\mom
Line: 17    
und misch warmen wein dar zuo und wasch den
Line: 18    
munt gar wol mit. wer ain trauf macht, diu collyrium
Line: 19    
haizt, mit dem cinamom, daz macht diu augen klâr. man
Line: 20    
schol sein pulver nemen mit nägelpulver, daz ist wider den   20
Line: 21    
swintel guot und wider der prust âmacht, diu cardiaca
Line: 22    
haizt. ez hât die maht, daz ez anderr wolsmeckender
Line: 23    
ding gewalt widerdruckt. wenn man ez dick izt, daz ist
Line: 24    
ze dunkeln augen guot. ez sänftigt die prust und rainigt
Line: 25    
si und ist für den ôrnsmerzen guot, und wenn man ez   25
Line: 26    
mischt mit mirren, ist ez guot für der scorpen hecken.
Line: 27    
daz öl, daz dar auz wirt gemacht, daz ist guot zuo rehter
Line: 28    
wegung der gelider und hindert der gelider pidem und
Line: 29    
siehtum. Rabanus spricht: daz cinamomum, daz man
Line: 30    
vindet in des fenix nest, daz ist daz pest und dar umb,   30
Line: 31    
daz der paum hôch ist und klain, dar auf der fenix
Line: 32    
nistet, dar umb mügent die läut zuo dem paum niht
Line: 33    
komen und werfent daz cinamomum her ab mit pleienen
Line: 34    
würflingen.
Line: 35    
Dem cinamomo geleicht sich unser fraw in der ge\schrift   35
Line: 36    
und spricht 'ich hân ainen smack geben sam ain

Page: 363  
Line: 1    
wolsmeckendez cinamom,' daz spricht si von dem rehten
Line: 2    
irr rainen käusch, wan diu ist vol adels, daz alle diu
Line: 3    
werlt und besunder die himelischen engel fräude von
Line: 4    
habent. wan wizz, daz reht käusch sich gar hôch swin\get
Line: 5    
über leipleich nâtûr.   5



Chapter / Strophe: 8     8.
Line: 6    
Line: 7    
VON DER HOLZGATZ.



Line: 8    
Cassia lignea haizt ain holzgatz. daz ist ain paum
Line: 9    
in Arabia, sam Plinius spricht, und ist ain staud, diu
Line: 10    
sich gerihts aufstreckt sam ain gert und ist ainer starken   10
Line: 11    
rœt und purpervar an den pletern gleich ainem kranwit\paum
Line: 12    
und hât cinamomes kraft, aber sein kraft ist niht
Line: 13    
stark und dar umb muoz man ez zwivalden in den
Line: 14    
erzneien, cinamomum ainvalt guot ist. diu gert der
Line: 15    
stauden wirt dreier daumellen lanch und hât dreierlai varb:   15
Line: 16    
die êrsten weiz, die andern rôt, die dritten und die obri\sten
Line: 17    
swarz. daz swarz stück lobt man allermaist und dar
Line: 18    
nâch daz næhst, aber daz underist, daz weiz ist, daz ver\wirft
Line: 19    
man; daz ist daz pest, daz aller swerzist ist. Pla\tearius
Line: 20    
spricht, daz daz holz sei haiz und trucken und hât   20
Line: 21    
ain kraft ze verzern und ze sterken von seinem guoten
Line: 22    
smack. sein pleter gemischt mit lôröl, daz laudanum
Line: 23    
haizt, und mit wermuot, daz ist wunderleichen guot wider
Line: 24    
den kalten fluz auz dem haupt, der reuma haizt, und wi\der
Line: 25    
kalt sach der lebern und des milzes, und ist auch   25
Line: 26    
für der zwair verschoppung guot. ez sterkt daz hirn. wer
Line: 27    
seinen magen kreftigen well und wider all kalt sach
Line: 28    
schol man daz holz mit wein sieden und den kranken
Line: 29    
läuten geben ze trinken.



Chapter / Strophe: 9     9.
Line: 30    
Line: 31    
VON DEM CASSIANPAUM.



Line: 32    
Cassiana haizt ain paum, der ist haiz und trucken
Line: 33    
und wechset gern an fäuhten steten und an mosigen. ie\doch

Page: 364  
Line: 1    
wechset er etswenn an trucken steten auch, aber
Line: 2    
sein holz und seineu pleter sint klainer wan er an
Line: 3    
fäuhten steten wechset. des paums pleter und sein früht
Line: 4    
sint guot zuo erznei und sint sein früht klain gestalt sam
Line: 5    
die kranwitper. wer die früht oder des paums pleter seu\det   5
Line: 6    
in ainem starken wein, daz ist guot für daz paralis.
Line: 7    
wen auch daz paralis sleht, daz er niht gereden mag,
Line: 8    
nimt er des paums pleter alsô grüen oder den pulver,
Line: 9    
der auz den dürren pletern ist gemacht, und helt den
Line: 10    
under der zungen, der wirt redend ân zweifel, aber daz   10
Line: 11    
muoz geschehen an dem anvang des siehtums; wert er
Line: 12    
lang, muoz man grœzer erznei dar zuo tuon; iedoch
Line: 13    
daz ist diu pest erznei. des paums pleter sint guot für
Line: 14    
die harmwinden, wenn man si under dem kinn tregt, niht
Line: 15    
in der hant oder in dem puosem.   15



Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 16    
Line: 17    
VON DER CASSENRŒRN.



Line: 18    
Cassia fistula mag ain cassenrœrn haizen. daz ist
Line: 19    
ain paum, der wechset gegen der sunnen aufganch, sam
Line: 20    
Platearius spricht. der paum ist gar ebenmæzig an warm   20
Line: 21    
und an kalt und ist sein fruht als langer sâm. der sâm
Line: 22    
verrt sich her dan und wechset in etleicher zeit, dar nâch
Line: 23    
dorrent die sâmen, wenn die rind auzwendig getruckent,
Line: 24    
und wirt daz mark inwendig dick. des sâmen wonent pei
Line: 25    
enander mêr dann verzich in ainer schaln. diu cassen\rœr   25
Line: 26    
ist diu pest, diu dick und vaizt ist, wan daz bedäutt,
Line: 27    
daz si vil fäuhten hât; aber diu swarz ist diu ist wol\zeitig
Line: 28    
und diu gar rôt ist oder weiz, diu ist niht zeitig.
Line: 29    
der paum ist warm und fäuht und gar ebenmæziger nâ\tûr
Line: 30    
und sein mark ist guot zuo erznei. wenn man ez   30
Line: 31    
entlæzt in gar warmem wazzer und tuot zucker dar zuo,
Line: 32    
daz rainigt den pauch und ist guot in hitzigem fieber,
Line: 33    
und wenn man ez gorgelt in dem hals, pricht ez die
Line: 34    
apostem in der keln.

Page: 365  


Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM WOLSMECKENDEN HALM.



Line: 3    
Calamus aromaticus haizt der wolsmeckend halm und
Line: 4    
haizt nâch aim gemainen halm, wan dem ist er geleich.
Line: 5    
der halm ist ain staud und wechset in dem land India.   5
Line: 6    
Platearius spricht, der edel halm ist haiz und trucken
Line: 7    
und ist an der varb weizlot und smeckt gar wol und ist
Line: 8    
inwendig hol. er hât die art, daz er kreftigt von dem
Line: 9    
adel seins smackes. er ist auch ain guot erznei wider
Line: 10    
des magen siehtum, der von kalter sach kümt, und ist   10
Line: 11    
dem gederm guot und hilft wider die wind, die den leib
Line: 12    
plæent, wenn man sein saf mit wermuotsaf mischt und
Line: 13    
wein dar zuo tuot. wer daz kochen in dem magen well
Line: 14    
sterken, der nem sein pulver mit cinamomspulver, und
Line: 15    
daz ist auch guot zuo der prust.   15



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM ALEXANDRISCHEN KÜRBIZ.



Line: 18    
Coloquintida haizt ain alexandrischer kürbiz. der
Line: 19    
paum wehset gegen der sunnen aufganch pei Jerusalem
Line: 20    
und haizt sein apfel auch coloquintida. des paums mark   20
Line: 21    
ist guot zuo erznei und sein apfel, und in seinen öpfeln
Line: 22    
sint sâmen, die sint auch guot zuo erznei und die habent
Line: 23    
ain kraft ze entsliezen und ze verzern und ze fürben.
Line: 24    
wer wein seudet mit dem sâmen und gorgelt mit in
Line: 25    
dem hals, daz hilft für den zantswern.   25



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM CAPPAR.



Line: 28    
Capparis haizt ain cappar. daz ist ain staud, diu
Line: 29    
wehset gegen der sunnen aufganch und ist haiz und tru\cken,
Line: 30    
sam Platearius spricht, und wehst auch in Püllen   30
Line: 31    
und in Romania, ez ist aber niht als kreftig. der stauden
Line: 32    
wurz, rinden, plüet und pleter sint guot zuo erznei. wenn

Page: 366  
Line: 1    
man sein rinden ab zeuht, legt man si an die sunnen
Line: 2    
und derrt si und diu ist rœtlot und pitter. wer si seudet
Line: 3    
mit wein, ist si guot für des milzes laster und für
Line: 4    
der lebern hertikait. man schol sein plüet samnen die
Line: 5    
weil si runzlot sint und noch niht gepraitt, und schol si   5
Line: 6    
machen mit salz und mit ezzeich. die habent die kraft,
Line: 7    
daz si den lust erweckent ze ezzen und kochent die fäuht
Line: 8    
in dem magen und lutzent den kalten magen.



Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEN KUBEBEN



Line: 11    
Cubebe haizent kubeben. die sint mæzicleich haiz
Line: 12    
und trucken, sam Platearius spricht. diu fruht wehset
Line: 13    
auf ainem paum gegen der sunnen aufganch. die pesten
Line: 14    
sint die mæzleich wol smeckent. man schol die kubeben
Line: 15    
erhitzen und zerreiben und für die nasen haben, daz ist   15
Line: 16    
guot für den kalten hauptfluz, der reuma haizt, und ster\ket
Line: 17    
daz hirn, und wenn man si kewet, schol man si
Line: 18    
lang in dem mund haben, unz der dunst auf in daz
Line: 19    
hirn, daz ist dem haupt gar gesunt.



Chapter / Strophe: 15     15.
Line: 20    
Line: 21    
VON DEM DIADRAGANT.



Line: 22    
Diadragantum ist kalt und fäuht, sam Platearius spricht,
Line: 23    
und ist ain harz oder ain zaher, der fleuzt auz ainem
Line: 24    
paum gegen der sunnen aufganch, wenn in diu hitz dar
Line: 25    
auz twingt. der weiz diadragant und der lauterist ist der   25
Line: 26    
pest, aber der rœtlot ist der pœst. er hât die art, daz
Line: 27    
er die hitz sänftigt und labt und macht fäuht und rai\nigt
Line: 28    
daz gesiht allermaist, wenn man ain electuari dar
Line: 29    
auz machet, sam geschriben ist in antidotario. wer auch
Line: 30    
ain gargelwazzer dar auz macht, daz ist guot wider der   30
Line: 31    
prust siehtum, und daz selb ist auch guot wider die
Line: 32    
huosten, diu von hitz kümt der gaistleichen gelider: wenn
Line: 33    
man den diadragant zerlæt in warmem gerstwazzer und

Page: 367  
Line: 1    
tuot dar zuo den zaher, der gummi arabicum haizt, und
Line: 2    
gorgelt in der keln mit, daz ist gar guot wider die
Line: 3    
kalten huosten und wider die dürren der prust.



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM GALBAN.



Line: 6    
Galbanum haizt galban. daz ist ain staud und wech\set
Line: 7    
in dem land gegen der sunnen aufganch und haizt
Line: 8    
sein harz oder sein zaher auch galbanum. der galban
Line: 9    
ist haiz und fäuht, sam Platearius spricht, und der ist
Line: 10    
der pest, der weiz und lauter ist, und hât die kraft, daz   10
Line: 11    
er entsleuzt und zuo im zeucht und verzert und senftigt
Line: 12    
und macht zeitig und waicht die geswer, die apostemata
Line: 13    
haizent. wer den siehtum hât der vergezzenhait, der ze
Line: 14    
latein letargus haizt, dem schol man den galban auf koln
Line: 15    
legen und schol der siech den rauch mit der nasen in   15
Line: 16    
sich ziehen. er hât gar ainen guoten smack, aber der
Line: 17    
smack ist den schad, die stankes gewonet sint. er ver\jagt
Line: 18    
die slangen und rainigt den hauptfluz und ist pitter
Line: 19    
auf der zungen. er ist sunderleichen guot zuo thymiama
Line: 20    
ze machen, daz kümt von dem paum thymus, von wir   20
Line: 21    
vor gesait haben.



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEN NÄGELLEIN.



Line: 24    
Garyophylon haizt ain nägelpaum. daz ist ain staud,
Line: 25    
diu wechset in India, sam Platearius spricht. des früht   25
Line: 26    
sint nägell, die sint gar nütz den, die si gern smeckent
Line: 27    
und ezzent, ob si siech sint an der sêl kraft, wan si ma\chent
Line: 28    
ain guot sêl. die nägel sint haiz und trucken und
Line: 29    
sint gar scharpf auf der zungen und haizent ze latein
Line: 30    
caryophyli. die sint die pesten, die ain fäuht gebent, wenn   30
Line: 31    
man si under den vingern zereibt. man schol si an ainer
Line: 32    
stat behalten, diu niht gar dürr sei noch gar fäuht, und
Line: 33    
alsô mag man si zehen jâr behalten in gar grôzer kraft.

Page: 368  
Line: 1    
wenn aber si verdorben sint und dürr worden, velscht
Line: 2    
man si alsô. man nimt der guoten scharpfen nägel und
Line: 3    
pulvert si gar klain und mischt si zuo starkem ezzeich
Line: 4    
und tuot guoten wein dar zuo, der wol smeckt, und des
Line: 5    
schol wênich sein, und nimt die unnützen nägel und pint   5
Line: 6    
die in ain tuoch und legt si in daz gemächt über naht,
Line: 7    
ziehent si auz dem ezzeich ain fäuht in sich und mag
Line: 8    
man dann niht wol erkennen die guoten nägel von den
Line: 9    
valschen. iedoch werent die valschen kaum dreizig tag.
Line: 10    
die nägel habent ain kraft ze kreftigen und entsliezent   10
Line: 11    
und verzerent. wer sein hirn sterken well, der hab die
Line: 12    
nägel zuo seiner nasen. wer des leibs auzlauf gewinn
Line: 13    
von scharpfer erznei, dem sint si gar guot. si sint auch
Line: 14    
guot zuo den augen, wan si rainigent daz gesiht und
Line: 15    
vertreibent daz vel in den augen. si sterkent den magen   15
Line: 16    
und die lebern und sint nütz zuo der undäw und zuo dem
Line: 17    
wüllen.



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 18    
Line: 19    
VON DEM GALGAN.



Line: 20    
Galanga haizt ain galgan. der ist haiz und trucken,   20
Line: 21    
sam Platearius spricht. der paum oder diu staud wech\set
Line: 22    
in Persen lant, die läut wonent, die Perse haizent,
Line: 23    
und des wurzel nimt man in erznei. man mag si behalten
Line: 24    
fünf jâr und die wurzel haiz wir galgan. der pest galgan
Line: 25    
ist, der rœtlot ist und swær und vest und der scharpf   25
Line: 26    
auf der zungen ist. er hât die art, daz er kreftigt und
Line: 27    
verzert. man velscht in sam die nägel, wenn man neur
Line: 28    
zuo dem gemächt gepulverten pfeffer tuot. er sterkt auch
Line: 29    
daz kochen in dem magen und ist guot für des magen
Line: 30    
siehtum, der von kalter sach kümt oder von winten, wenn   30
Line: 31    
man wein mit seinem pulver seudet. wenn man in zuo
Line: 32    
der nasen habt, daz ist dem hirn guot und sterket ez und
Line: 33    
macht den munt wolgesmach. er enzündet zuo unkäu\schem
Line: 34    
gelust und daz allermaist in dem sumer. in dem
Line: 35    
winter ist sein nutz pezzer, wan in dem sumer überhitzet   35

Page: 369  
Line: 1    
er den menschen. er ist auch guot zuo der grimmen
Line: 2    
muoter in dem leib, diu ze latein colica haizt, und zuo
Line: 3    
dem niersmerzen und zuo vil andern dingen in erznei.



Chapter / Strophe: 19     19.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM ARABISCHEN ZAHER



Line: 6    
Gummi arabicum haizt ain arabischer zaher. der
Line: 7    
zaher hât den namen dar umb, daz er von ainem paum
Line: 8    
vleuzt, der wehset in dem land Arabia, sam Platearius
Line: 9    
spricht, und der zaher ist haiz und fäuht und ist dreier
Line: 10    
lai. daz ainr lai ist weiz und daz ist der pest. daz ander   10
Line: 11    
ist gel und daz dritt undergel oder gelblot. der zaher
Line: 12    
hât die art, daz er fäuht macht und zesamen leimt und
Line: 13    
entlæt und sänftigt. wem diu zung rauch ist, der leg
Line: 14    
den zaher in ain wazzer, unz daz er slipfrig werd und
Line: 15    
reib dann die zungen mit. man schol in auch geben   15
Line: 16    
für daz wüllen oder für die undäw, diu von krankhait
Line: 17    
kümt. sein pulver mit cinamomespulver ist guot für die
Line: 18    
kalten und die trucken huosten, und wider der prüst dürr
Line: 19    
schol man wazzer sieden mit dem zaher und mit gersten
Line: 20    
und schol daz trinken. er ist auch für des feurs prunst   20
Line: 21    
guot, ist daz man seinen pulver mischt mit ainem weizen
Line: 22    
ains ais und legt ez auf die stat.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 23    
Line: 24    
VON DEM ARABISCHEN MIRREN.



Line: 25    
Mirra Arabie haizt arabischer mirr und ist ain   25
Line: 26    
paum, der ist zehen daumellen lang, sam Isidorus spricht,
Line: 27    
und ist voller dorn und stichling und ist herter von der
Line: 28    
rinden dann an andern enden. des paums zaher ist grüen
Line: 29    
und ist pitter. welher zaher willicleich fleuzt von dem
Line: 30    
paum, der ist pezzer wan der her auz fleuzt, man des   30
Line: 31    
paums rinden verwundet. wer sein este in ain feur wirft,
Line: 32    
daz ist den läuten pei dem feur gar schad, wan si ko\ment
Line: 33    
in unhailsam siehtuom von dem rauch, der von

Page: 370  
Line: 1    
gêt, si laufen denn zehant zuo dem smack des paumes,
Line: 2    
der storax haizt, von dem wir her nâch sagen. wenn
Line: 3    
man des paumes pleter und sein plüet samnet und si an
Line: 4    
der sunnen derrt, die habent die art, daz si kreftigent
Line: 5    
und zesamen ziehent und sint guot wider die undäw und   5
Line: 6    
wider des leibes auzlauf und wider des pluotes auzfluz.
Line: 7    
aber sein früht sint pezzer, die haizent mirruli und ze
Line: 8    
däutsch mirrel, und sein saf ist auch pezzer. des paums
Line: 9    
pleter sint als ains ölpaums pleter, ân daz si kräuser sint
Line: 10    
und spitzelig und ain wênig sinweller wan ains ölpaums   10
Line: 11    
pleter. des paumes harz oder sein zaher haizt auch mirra
Line: 12    
und naigt sich zestunden an der varb zuo ainer weizen,
Line: 13    
und der ist der pest. aber der sich zuo ainer rœten
Line: 14    
naiget oder zuo ainer swerzen, der ist niht guot. der
Line: 15    
zaher ist haiz und trucken und öffent und entlœst die   15
Line: 16    
wint in dem leib und in den gelidern, und der rauch,
Line: 17    
der von gêt wenn man in prennt, der hât auch diu
Line: 18    
selben werk; aber der rauch trückent sneller diu fäuhten
Line: 19    
gelider und behendicleicher ân peizen und nagen. der
Line: 20    
zaher ist guot zuo erznei und dar umb tuot man in zuo   20
Line: 21    
grôzen starken erzneien. er wert der fäulen vast, daz
Line: 22    
er ainen tôten leichnam behüett und behelt vor faulen und
Line: 23    
vor änderung und vor gestank und allermaist wenn man
Line: 24    
in mischet mit aloe, von dem wir vor gesait haben. daz
Line: 25    
weste Joseph von Aromathia wol, der aloe kaufot und   25
Line: 26    
mirram, er unsern herren wolt begraben. ez gâben
Line: 27    
auch die drei künig ze verstên, daz Christus begraben
Line: 28    
schölt werden, si im mirren opferten. der mirr hât
Line: 29    
auch die art, daz er die rôhen überflüzzikait auzzeuht und
Line: 30    
dem mund seinen stank benimt und macht den wolsme\ckent,   30
Line: 31    
und wenn man in mischt mit ainem weizen ains
Line: 32    
ais und mit wein und salbt die ahseln mit und niden
Line: 33    
die schämigen stat, daz benimt den stank paider seiten
Line: 34    
und under den üehsen und unden an dem leib. er macht
Line: 35    
auch die stimm clâr. wer in clistiert mit rautenwazzer,   35
Line: 36    
pringt er den frawen ir gewonhait, diu menstruum

Page: 371  
Line: 1    
haizt, und daz tuot er auch mit wermuotwazzer und zeuht
Line: 2    
die gepurt auz dem leib und die würm, die in dem leib
Line: 3    
wahsent.
Line: 4    
Dem mirren geleicht sich unser fraw in der geschrift
Line: 5    
und spricht 'ich hân ainen smack der süezikait geben als   5
Line: 6    
ain auzerwelteu mirr.' daz spricht si dar umb, daz si got
Line: 7    
hât auzerwelt und gesegent ob allen frawen zuo ainer
Line: 8    
archen seins aingeporn suns, dar inn er kain mail nie
Line: 9    
enpfieng.



Chapter / Strophe: 21     21.
Line: 10    
Line: 11    
VON DEM MATZENPAUM.



Line: 12    
Macis ist ain pâm, sam Isidorus spricht, von dem
Line: 13    
vleuzt ain zaher, der haizt mastix und smeckt gar wol
Line: 14    
und ist rôtvar sam ain malagramapfel. des paums rinde
Line: 15    
gesoten mit honig ist gar ain guoteu erznei für den rôten   15
Line: 16    
auzfluz des leibs, wan daz hât ain kraft, daz ez zesamen
Line: 17    
zeucht und verzert und kreftigt und leimt zesamen und
Line: 18    
sterkt. der zaher ist auch guot wider die fäuhten, diu
Line: 19    
von dem haupt fleuzt zuo den augen oder zuo den hen\den;
Line: 20    
iedoch hât daz wort macis noch ain ander bedäutung,   20
Line: 21    
wan ez haizt auch ain muskâtplüet, sam Platearius spricht,
Line: 22    
oder, sam die andern sprechent, macis haizt die rint, diu
Line: 23    
umb der muskâtnuz ist und dar inn diu nuz verporgen
Line: 24    
ist, und daz ist daz pest muskât macis, daz underrôt ist
Line: 25    
und scharpf ist auf der zungen, und hât die art, daz ez   25
Line: 26    
daz hirn sterkt und entsleuzt und verzert die pœsen fäuht
Line: 27    
in dem leib. man schol ez kewen und lang in dem mund
Line: 28    
haben, daz sein kraft auf in daz hirn und die über\flüzzichait
Line: 29    
zersträw.



Chapter / Strophe: 22     22.
Line: 30    
Line: 31    
VON DEM MUSKATPAUM.



Line: 32    
Muscata haizt ain muskâtpaum. der wechset in dem
Line: 33    
land India, sam Plinius und Jacobus sprechent, und ist
Line: 34    
gar ain edel paum und tregt nuz, die haizent muskâten.
Line: 35    
die sint haiz und trucken in dem dritten grâd. die pesten   35

Page: 372  
Line: 1    
sint die swær sint und auf der zungen scharpf. wenn
Line: 2    
man die nuz zuo der nasen habt, daz sterkt daz hirn vast
Line: 3    
und diu gaistleichen gelider, wan si hât die kraft ze
Line: 4    
sterken von irm edelen smack.und von irr aigener art.
Line: 5    
diu nuz ist gar guot wider die kelten des magen und wi\der   5
Line: 6    
des magen unkochen. wenn man die nuz des mor\gens
Line: 7    
allain izzet, daz ist dem haupt guot, aber wenn man
Line: 8    
si ze vil nützet, krenkt si daz hirn, dar umb, daz si
Line: 9    
durchdringender nâtûr ist. wein gesoten mit muskât sterkt
Line: 10    
daz hirn. die sich pezzernt auz irem siehtum, die schül\lent   10
Line: 11    
muskât kewen, daz diu gaistleichen gelider gesterkt
Line: 12    
werden, daz herz und diu leber und andreu gelider, und
Line: 13    
schüllent auch wein trinken, der mit gesoten sei.



Chapter / Strophe: 23     23.
Line: 14    
Line: 15    
VON DER ONICHEN



Line: 16    
Onycha haizt ain onich und haizt auch ze latein un\gula,
Line: 17    
daz spricht clâ oder fuoznagel, sam an den füezen
Line: 18    
und an des menschen hend negel sint, wan ez ist ain edel
Line: 19    
stain, der ist an der varb sam ain nagel an dem vinger
Line: 20    
oder an der zehen, und sprechent etleich, der stain köm   20
Line: 21    
von den mervischen, die ostree haizent und sint mer\snecken,
Line: 22    
sam wir vor haben gesagt von den mervischen;
Line: 23    
aber ander sprechent, der stain sei ain paumzaher, der
Line: 24    
vliez auz ainem paum gegen der sunnen aufganch und der
Line: 25    
werd in dem lauf der zeit hert, daz der vorgenant   25
Line: 26    
stain dar auz werd. der stain oder der zaher ist guot
Line: 27    
wider die schebichait oder die räudichait und macht daz
Line: 28    
antlütz weiz und lauter. man sagt gar ain wunderleich
Line: 29    
dinch von dem stain, daz wil ich behalten, unz wir von
Line: 30    
den stainen sagen, wan müez wir des staines auch ge\denken.   30
Line: 31    




Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 32    
Line: 33    
VON DEM PFEFFERPAUM.



Line: 34    
Pipperis haizt ain pfefferpaum. der wehst in dem
Line: 35    
land India beseits an dem perg Caucasi, der gegen der   35

Page: 373  
Line: 1    
sunnen ligt. des paums holz und pleter geleichent ainem
Line: 2    
kranwitpaum. Rabanus spricht, der pfefferpaum hât wei\zeu
Line: 3    
körnel, aber si werdent swarz mit der prunst an der
Line: 4    
stat, wenn man die slangen scheuht. Jacobus Aquensis
Line: 5    
der pischolf spricht und sagt ain ander sach, war umb der   5
Line: 6    
pfefler swarz sei, diu vil geläupleicher ist, wan er schreibt,
Line: 7    
wenn man den pfeffer gesamnet hab ân all prunst,
Line: 8    
derr man in in ainem haizen ofen, dar umb, daz er dester
Line: 9    
lenger wer oder daz man den vrischen sâmen in andern
Line: 10    
landen niht sæe oder paw. der leiht pfeffer ist alt, der   10
Line: 11    
swær ist new. Platearius spricht, der pfeffer ist haiz in
Line: 12    
dem letzten grâd. wer den pfeffer gar klain pulvert ân
Line: 13    
daz auzer tail, alsô daz er daz auzwendig ablœst, und den
Line: 14    
kern alsô gepulvert dick besprengt mit rôsenwazzer und
Line: 15    
daz trückent und ez in tropfen weis in daz aug tuot, daz   15
Line: 16    
benimt den augen daz vel und die vinsternüss. aber die
Line: 17    
läut, die haiz und fäuht sint, die ze latein sangwinei
Line: 18    
haizent, die schüllen des pfeffers niht nützen, wan er
Line: 19    
entsleuzt und pringt etleichen den auzsetzel. des pfeffers
Line: 20    
pulver negt daz übrig flaisch auz den wunden. Galiênus   20
Line: 21    
und Aristotiles sprechent, daz dreierlai pfeffer sei, swar\zer,
Line: 22    
langer und weizer, und der aller auf ainerlai paum
Line: 23    
wachs und daz der weiz den magen mêr sterk und der
Line: 24    
lang mach daz ezzen mêr hin ab steigend in den magen
Line: 25    
und in dem gedärm. daz gevelt andern lêrærn niht, wan   25
Line: 26    
daz wir in unsern landen langen pfeffer haizen, daz ist
Line: 27    
lück an im selber und ist gestalt als länkloteu dingl, diu
Line: 28    
hangent an den haseln, ê daz die nuz dar auf gewahsen
Line: 29    
aber der lang pfeffer ist swarz und smeckt sam rehter
Line: 30    
pfeffer, iedoch ist er scharpf niht auf der zungen, und   30
Line: 31    
daz wir weizen pfeffer haizen, daz sint nuz nâhent geleich
Line: 32    
den haselnuzzen, ân daz si ain waicher schaln habent wan
Line: 33    
diu haselnuz und ain weizer schaln und habent inwendig
Line: 34    
niht ain rôt häutel und diu körnel sam diu haselnuz und
Line: 35    
der kern smeckt niendert sam der ander pfeffer, wan er   35
Line: 36    
ist süez und hât ain klain scherpfen dar ein gemischet,

Page: 374  
Line: 1    
und daz diu fruht all auf ainem paum wahs von nâtûr,
Line: 2    
daz ist niht geläupleich. der reht pfeffer hât die art, wer
Line: 3    
sein wênich izt, der harmt wol, aber wer sein vil izt,
Line: 4    
dem entsleuzt er den leip und verzert des menschen sâ\men
Line: 5    
und macht in keusch; aber der lang pfeffer und der   5
Line: 6    
weiz mêrent die unkäusch von irer fäuht. man spricht
Line: 7    
auch, wer die öpfel inwendig auzsneid und den grütz
Line: 8    
von werf und si schel und si bespreng inwendig mit ge\pulvertem
Line: 9    
langem pfeffer und si alsô prât, die pringen
Line: 10    
guot hilf zuo dewen und zuo wolkochen in dem magen.   10
Line: 11    
welheu fraw vil rehtes pfeffers nützt, wenn si swanger ist,
Line: 12    
der wirft er die gepurt auz.



Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM TAUBENPAUM.



Line: 15    
Ρeridixiοn ist ain paum, der wehst in dem land In\dia   15
Line: 16    
und haizt kriechisch alsô, aber er mag ze däutsch
Line: 17    
der taubenpaum haizen, und dar umb, daz ainerlai tauben
Line: 18    
des paums früht wunderleichen gern ezzent, und ist sein
Line: 19    
fruht süez, sam Isidorus spricht, und die tauben habent
Line: 20    
vrid under den esten und under dem schaten des paums   20
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von ainerlai slangen. von dem paum hab wir mêr ge\schriben,
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wir von den tauben schriben.



Chapter / Strophe: 26     26.
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VON DEM MIRRENZAHER.



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Stacten, sam die maister sprechent, ist ain zaher,   25
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der fleuzet von dem mirrenpaum. wenn der zaher hert
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wirt, hât er den namen, aber er ist verr scherpfer wan
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der mirr selb, der fäuht ist und wolsmeckend. etleich
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sprechent, daz der zaher vliez von dem gar alten mirren\paum,
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wenn der wol erhitzet von der sunnen. die andern   30
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sprechent, daz der reht mirrenpaum in etleichen landen
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den zaher pringet ân daz, daz er gar alt sei, wan daz
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ist gar mügleich, daz von der selben lai paum in ainem

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land vil pezzer zaher vliez wan in dem andern, reht sam
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der vaizt waiz ist in ainem land verr pezzer wan in dem
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andern.



Chapter / Strophe: 27     27.
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VON DEM STORAX



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Storax ist ain paum, der wehst in dem land Arabia,
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sam Platearius, Plinius und Isidorus sprechent, und ge\leicht
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nâhen ainem malgrampaum. des paums gärtel
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lâzent zäher in tropfen weis, wenn der stern auf gêt mit
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der sunnen, der canis haizt, und wenn der zaher auf die   10
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erden gevellet, ist er niht rain; welher aber an den
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ästleinn beleibt hangend und an den hälmeln, der ist rain
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und weiz. dar nâch wirt er goltvar von der sunnen hitz.
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der zaher ist vaizt und vol harz und ist gar ains wun\nicleiches
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smackes, und wenn man in fäuht, gibt er   15
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ain honigsüez fäuht. der lai zaher ist guot, der fäuht
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wirt wenn man in handelt mit den henden, und der aller
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pest smeckt, der ist guot wider die kelten und wider die
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krankhait des magen und treibt die fäuht auz dem hirn
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und rainigt ez; iedoch macht er daz haupt wêtuond.   20
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ander maister sprechent, daz der zaher köm von dem öl\paum,
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der in der môrn lant wahs, und daz er zwaierlai
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sei; der ain vleuzt willicleich von dem paum und ist gel
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und goltvar, den haizt Constantînus calamitum; der an\der
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kümt von dem, daz man die rinten des ölpaums seu\det,   25
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und der ist swarz und fäuht und haizt in Constan\tînus
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sigia.



Chapter / Strophe: 28     28.
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VON DEM SANDAL.



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Sandalus ist ain paum, der wehst gegen der sunnen   30
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aufganch in dem land India, sam Platearius spricht, und
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ist kalt und trucken. sein holz haizt sandalum und daz
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ist dreierlai: weiz, rôt und gel; daz gelb smeckt paz wan
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die andern, und allermaist wenn man ez zepricht. wer

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daz holz pulvert und mischt ez mit rôsenöl und mit ez\zeich
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und macht ain pflaster dar auz und legt daz an
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der leber stat, daz benimt der lebern ir hitz, wenn si
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überhitzet ist. daz selb pulver ist auch dem guot, dem
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diu stirn tuot, und pringt dem menschen slâf, wenn   5
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man in mischet mit alraunöl und mit lactukensat. wer
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den pulver nimt und venichlrinden und zukker und wei\zen
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mâgen und arabischen zaher und lekritzenpulver und
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zestœzt die wol mit enander und rœstet si wol und
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tempert si mit ainem ainvaltigen syropl, daz ist gar guot   10
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wider die hitzigen apostem und wider den durst in dem
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fieber und wider der lebern überhitz und wider die huo\sten
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und wider den stirnsmerzen, der von haizer sache
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kümt, und daz gemächt haizt in der apotêken diasandali.
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iedoch macht man ez anders auch, aber daz electuari alsô   15
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gemacht ist pezzer und kreftiger, ez pringt auch gar kref\tigen
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slâf, aber muoz man der alraun pulver dar zuo
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tuon.



Chapter / Strophe: 29     29.
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VON DEM WEIRACHPAUM



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Thus haizt ain weirachpaum und ist gar ain edel
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paum und vol edels smackes und wehst in dem lande
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Arabia, sam Platearius und Plinius sprechent. der paum
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ist unmæzleich grôz und voller est und hât gar ain sänft
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rinden und hât pleter, diu sint klainer wan die pirpaum\pleter   25
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und sint underrôt. der paum trinket gar vil fäuh\ten
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in sich in dem lenzen und in dem anvang des su\mers
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und trinket der als vil, daz sein dünneu rind dont
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und sich auzreckt, und dar umb, wenn die gar heizen
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tag koment, der stern auf gêt mit der sunnen der    30
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canis haizt, in dem augst, tuot sich sein rind ain klain
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auf und fleuzt ain zaher dar auz, der wirt hert von dem
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luft, und der zaher haizt auch thus ze latein und ist
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rehter weirach, und der in der selben zeit wirt, der ist
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weiz und sinbel und ist der pest, und wenn man den   35

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auzpricht, ist er inwendig vaizt. wenn man in zuo
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dem feur habt, enprint er gar leiht und ist guot wi\der
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der prust siehtum. wer gar liehten weirach nimt und
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den gar wol pulvert und newz wahs, daz allerêrst von
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dem honig gescheiden ist, und ungesalzen putteren und   5
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mischt diu dreu mit geleicher wag und zerlæt si pei dem
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feur und rüert si gar wol under ainander und læt daz
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dann küelen und erwaicht ez dann aber pei dem feur
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und legt ez auf ain schæffein vel an dem tail, ez an dem
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flaisch hieng, und legt ez auf die prust, ain apostêm   10
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inn ist, daz hilft gar wol. wer ain pflaster macht von
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weirachspulver und mit wein, daz ist guot für der augen\zäher
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fluz und wider den zantswern, der kümt von dem
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fluz auz dem haupt. wenn man den weirach lang kewt
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und in lang in dem mund helt und in izt, dem benimt   15
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er den hauptfluz, der reuma haizt. wer des paumes wei\zen
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zaher in trank nimt, daz sterket den magen. der
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swarz weirach, der ze andern zeiten auz dem paum fleuzt,
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hât kainen adel gegen dem weizen und ist niht sinbel sam
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der weiz. scholt auch wizzen, daz all die maister,   20
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die in der zauberkunst lêrent, daz sprechent, daz die
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götter und die gaist, die man anruoft mit pildengeschrift,
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die karacteres haizent, und mit insigelgraben, oder daz
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graben, daz man in vingerlein tuot, die zaubrær dester ê
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erhœrnt, wenn si in weirach opfernt. daz ist ain irrung   25
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in der haidenschaft. aber diu ganz wârhait ist, daz die
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pœsen gaist des weirachs rauch fliehent und daz man got
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besunder mit êrt, und dar umb ist weirach der dreier
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gâb aineu, die die drei künig unserm herren Jêsû Christô
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opferten, und dar umb prennt man in auch in den gots\häusern,   30
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aber man nimt oft andern stinkenden harz
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für, dar umb, daz der reht weirach seltsam ist und tewr.



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This text is part of the TITUS edition of Konrad von Megenburg, Buch der Natur.

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