TITUS
Konrad von Megenburg, Buch der Natur
Part No. 10
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Book: V     V.
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VON DEN KRÄUTERN
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IN AINER GEMAIN.



Line: 4    An disem fünften stuck des puochs schüll wir sagen
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von den kräutern, und des êrsten in ainer gemain.   5
Line: 6    
Ez ist ain frâg, wie mangerlai kraut auz der erden
Line: 7    
wahs, seint diu erd neur ainerlai ist, wan si ist ain ain\valtigz
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element. daz verantwurt man alsô und spricht,
Line: 9    
daz diu kräuter niht wahsen noch komen auz ainvaltiger
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erd, wan daz ertreich, daz wir sehen und greifen und    10
Line: 11    
die paum und diu kräuter auz wahsent, daz ist gemischet
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auz den vier elementen: feur, luft, wazzer und auz lau\terr
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erd, und deu mischung ist mangerlai, daz diu
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kräuter mangerlai art begreifent und mangerlai gestalt.
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ist ain ander frâg, war umb haiz wir ain erdisch dinch   15
Line: 16    
wäzeriger nâtûr, daz ander feureiner nâtûr, daz dritt lüf\tig,
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daz vierd erdein, seint si doch alleu auz den vier
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elementen sint gemischt? dar zuo spricht man, daz ain
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iegleich dinch seinen namen hât nâch dem maisten werch
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und von der maisten aigenchait, die ez hât. wie daz nu   20
Line: 21    
sei, daz alleu erdischeu dinch auz den vier elementen
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sein, doch ist ainz hitziger wan daz ander, daz haiz wir
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feurein, und ainz fäuhter wan daz ander, daz haiz wir
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wäzerig. ist etleichz gar leiht und zeuht über sich,
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daz haiz wir lüftig. welhez aber gar swær ist und kalt   25
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und under sich zeuht, daz haiz wir erdischer nâtûr, wie
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daz sei, daz alleu tier und all paum, kräuter, gesmeid und
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stain der erd allermaist haben. nu maht frâgen ze\hant,
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seint diu dinch alleu der erd allermaist habent, war

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umb ist dann ir etleichs maistez werch feurein oder wä\zerig?
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dar zuo antwürt ich dir ân die andern maister
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und sprich, wie daz sei, daz diu vorgenanten dinch der
Line: 4    
erden allermaist haben nâch der grœz, doch hât etleichz
Line: 5    
ains andern elementes mêr nâch der kraft, wan ains   5
Line: 6    
pfeffers korns grôz feurs oder luftes hât mêr kraft und
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werks denn gar michel erd oder wazzers. auch nement
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diu dinch ir kraft von den formen und von den aigenc\haiten,
Line: 9    
die der himel kreft dar ein drückent. noch ist
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ain frâg. seint ain kraut an der kraft kalt ist, daz ander   10
Line: 11    
warm, ainz süez, daz ander sawr und pitter und sich ain
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iegleich dinch nert von seinem gleichen, sam süez von
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süezem, saur von saurem, wie mag auz ainerlai erd in
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dem selben garten mangerlai kraut gewahsen und sich
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dar inn ernern? dar zuo antwürt man und sprichet, daz   15
Line: 16    
diu kräuter mangerlai art auz dem selben ertreich wahsen
Line: 17    
von mangerlai stern kreften an den himeln, wan ain ieg\leich
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form in disen zergäncleichen dingen hât ir aigen
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sternes kraft in dem himel. seint nu diu vier element
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mit enander gemischt sint in der erden, diu kräuter   20
Line: 21    
wahsent, sam vor gesprochen ist, zeuht iegleichs ster\nes
Line: 22    
kraft des elementes allermaist zuo irm werk, des si
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allermaist bedarf, und diu kräuter geporn sint,
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ziehent si auch ir narung auz den vier elementen nâch
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mêr und nâch minner, reht als si bedürfent. doch müe\zent   25
Line: 26    
si der erd allermaist haben in irr narung, sam si
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habent an irem selpwesen, und dar umb dorrent si in
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dem luft, wenn man si auz der erd zeuht. wie daz sei,
Line: 29    
daz der luft pei der erd, wir wonen, auch gemischt
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sei auz den vier elementen, doch hât er der ze wênig,   30
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alsô daz den kräutern niht genüegt. nu maht frâgen
Line: 32    
ains, des daz puoch ze latein niht frâgt: ob diu kräuter
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ir kreft all haben von der mischung der vier element?
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sprich ich: nain! wan si habent wunderleicheu werch
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von der stern kreften, die sich in ir form drückent, reht   35
Line: 36    
sam ain gaistleich form oder ain ebenpild ains geminten

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dinges, daz in den spiegel deiner vernunft ist gedrückt,
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daz zeuht dich von ainer stat an die andern; reht in der
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weis würkent der stern kreft in der kräuter art, und dar
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zuo helfent ze stunden die starken kreft der hailigen
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wort, mit man got anruofet und die kräuter beswert   5
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und gesegent und auch daz edel gestain, sam man daz
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weichwazzer gesegent. sprichst aber , daz daz gescheh
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von dem pœsen gaist, daz ist niht wâr, tuost ez dann
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in pœser mainung. maht ain iegleich dinch wol han\deln
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in übel oder in guot. sage mir, waz ain vogel sünde,   10
Line: 11    
der haizt ze latein merops und haizt ze däutsch paum\heckel
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und nistet in den holen paumen, und wenn man
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im seineu kint versleht mit ainem zwickel, pringt er
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ain kraut und helt daz für den zwickel, vert er her
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dan. daz kraut haizt ze latein herba meropis, daz spricht   15
Line: 16    
paumhäckelkraut und haizt in der zaubrær puoch thora
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und wær niht guot, daz man ez gemaincleich erkennet,
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wan ez gênt sloz gegen im auf; mit sünte niemant,
Line: 19    
der gevangen wær auf den leip. ez habent auch andreu
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kräuter gar wunderleicheu werch, sam patönigekraut und   20
Line: 21    
eisenkraut, daz ze latein verbena haizt. iedoch schol man
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in diu kniel decken in disem strâzenlaufær, wan ez wær
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niht tugentleich getân, der die hailichait für die hunt
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würfe und der daz edel gestain under der swein füez
Line: 25    
würfe: zwâr, daz wær unpilleich. ich waiz daz wol, daz   25
Line: 26    
liebeu kint selten prôt handelnt, reis den hunden
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etwaz von und andern zuckern.



Chapter / Strophe: 1     1.
Line: 28    
Line: 29    
VON DER WERMUOT.



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Absinthium haizet wermuot. daz ist gar ain pitter   30
Line: 31    
kraut und ist menschleicher art gar nütz und gemach\sam,
Line: 32    
alsô spricht Platearius und ander grôz maister. wer
Line: 33    
des krauts saf trinket, daz ist für mangerlai guot, er
Line: 34    
trink ez mit wein gemischt oder ungemischt. ez ist guot

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Line: 1    
für die würm in dem leib und für daz verschoppen
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der lebern und des milzes und für des hauptes siehtum,
Line: 3    
der von pœsem dunst und von pœsem dampf kümt. ez
Line: 4    
ist auch für den vallenden siehtum guot, der ze latein
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apoplexia haizt, wenn man fürht, daz der komen well,   5
Line: 6    
und ist gar ain guot erznei dem, der die sprâch verlorn
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hât. wer ôrwürm in den ôrn hab, der traufe des safes
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dar ein. wer daz saf trinket, dem macht ez daz gesiht
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klâr. ez beschirmet auch püecher, gewant und holz vil
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jâr vor würmen und vor mäusen und ist gar guot dem   10
Line: 11    
magen, wan den sterket ez, und sterket des ezzens ko\chen
Line: 12    
in dem magen. wenn man wermuot mit öl rœst
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und salbet der menschen leib mit, die behüett si vor
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den flœhen; und welher schreibær sein tinten mit seu\det,
Line: 15    
waz püecher oder prief er mit schreibt, diu nagent   15
Line: 16    
die mäus niht. etleich tuont auch wermuot in ir laugen
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für die milben. ez ist auch ain wunder, daz diu wermuot
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zwuo aigenchait an ir hât, die sint widerwärtig an ainander.
Line: 19    
si hât die art, daz si entsleuzt und waicht den menschen,
Line: 20    
der des bedarf, und hât auch die art, daz si zesamen   20
Line: 21    
zeuht und streng macht, aber den, der des bedarf. die
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andern art hât si von der grobhait ires saffes und die
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êrsten hât si von irr hitz und von irr pitterkait, wan
Line: 24    
wermuot ist haiz in dem êrsten grâd und trucken in dem
Line: 25    
andern.   25



Chapter / Strophe: 2     2.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM ANETKRAUT.



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Anetum haizt anetkraut. daz ist haiz und trucken,
Line: 29    
sam Platearius spricht. daz kraut schol man samnen in
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dem herbst und schol ez derren. daz zepricht den stain   30
Line: 31    
in der plâtern und ist guot wider daz wüllen und wider
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die undäw und wider daz heschen, wenn man ez zuo der
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nasen habt. wenn man ez keut oder seudet und trinkt,
Line: 34    
daz sterket daz hirn und den magen und benimt die
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wind in dem leib und ist gar guot ze kochen daz harm\wazzer   35

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Line: 1    
in dem leib. daz kraut ist nâhen dem venichel
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geleich an pletern und an pluomen, ân daz sein stam
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kürzer ist wan des venichels stam und seiner este plüe\mel
Line: 4    
sint gel und kraizlot in ainer krôn weis. daz kraut
Line: 5    
zeitigt und kocht die kalten fäuht in dem magen und in   5
Line: 6    
dem leib und pringt guoten slâf. aber izt man ez dick,
Line: 7    
krenkt ez daz gesiht. welich ammen des krautes sâmen
Line: 8    
saufent in saufen von flaisch oder sunst, daz pringt in vil
Line: 9    
milich. scholt auch niht gedenken noch wænen, daz
Line: 10    
anetkraut aneiskraut haiz, wan daz ist ain ander kraut,   10
Line: 11    
als her nâch kunt wirt.



Chapter / Strophe: 3     3.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM EPF.



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Apium haizt epf. daz kraut ist haiz und trucken,
Line: 15    
sam Platearius spricht, und sein wurzl und seineu pleter   15
Line: 16    
sint in erznei guot und hât ain wênich praiter pleter
Line: 17    
wan der petersil und ist mangerlai. ainz wehset auf
Line: 18    
pergen, daz ander in wälden, daz dritt ist haimisch und
Line: 19    
daz vierd wehset in wazzer, und ainrlai ist, des stam ist
Line: 20    
hol und weizlot. daz kraut entlœst plæung in dem leib   20
Line: 21    
und öffent daz verschoppen des leibes und dar umb macht
Line: 22    
ez switzend. daz haimisch epfich macht den munt wol\smeckend,
Line: 23    
aber ez ist dem haupt pœs und erwecket den
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vallenden siehtum, der ze latein epilencia haizt. wer
Line: 25    
auch des krautes wurzeln an den hals henkt, dem ver\treibt   25
Line: 26    
si den zantsmerzen. Galiênus spricht, daz daz
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kraut guot sei ze ezzen mit lactuken, wan ez senftigt der
Line: 28    
lactuken kelten, und sein sâm ist guot wider die wazzer\suht,
Line: 29    
wan er hitzet die lebern und rainigt si. und seint
Line: 30    
der sâm daz harmwazzer pringt und der frawen haimli\chait,   30
Line: 31    
dar umb ist er swangern frawen niht guot. wer den
Line: 32    
sâmen tempert mit weizem wein und pindet in auf der
Line: 33    
plâtern stat, daz pringt im daz harmwazzer. ez sprechent
Line: 34    
auch etleich, daz daz kraut und sein sâm den ammen
Line: 35    
schad sei, wan ez pringt unkäusch und mit der unkäusch   35

Page: 383  
Line: 1    
sinket in diu behend fäuht auz den prüstleinn hin ab zuo
Line: 2    
der unkäuschen stat.



Chapter / Strophe: 4     4.
Line: 3    
Line: 4    
VON DER HOBWURZ.



Line: 5    
Aristologia haizt in etleicher däutsch hobwurz und   5
Line: 6    
ist ain kraut, daz hât manig wunderleich kraft und, sam
Line: 7    
Diascorides spricht, diu wurz ist mangerlai. etleich ist
Line: 8    
lang, etleich sinbel und etleich sam die weinrebeste. un\der
Line: 9    
dem kraut ist ainz si, daz ander er. seineu pleter
Line: 10    
smeckent wol und habent ain scherpf in dem smack und   10
Line: 11    
sint etwaz sinbel. daz kraut ist behend und gibt von
Line: 12    
ainer wurz vil langer est und ist in seiner pluomen ain
Line: 13    
rôt dingel, gestalt sam ain hüetl, daz stinkt. sein wurzel
Line: 14    
ist an der grœz sam ain vinger und an der leng ains
Line: 15    
teners lanch. daz kraut ist an der kraft haiz und trucken   15
Line: 16    
und hât die kraft, daz ez abwescht und rainigt, wan ez
Line: 17    
rainigt die zend von irr unsauberkait und die haut von
Line: 18    
irr fäuht und von irn mailen und klært des leibes varb,
Line: 19    
und wenn man sein saf in diu ôrn trauft mit honig, daz
Line: 20    
scherpft daz gehœrn und rainigt die ôrn von iren unsau\berkaiten   20
Line: 21    
und wert, daz ihts aiters dar inn werd. ez ist
Line: 22    
auch guot den hinvallenden, die ze latein epilentici hai\zent,
Line: 23    
und rainigt die prust. welheu fraw ez trinket mit
Line: 24    
mirren und mit pfeffer, die fürbt ez und rainigt si von
Line: 25    
der überflüzzichait in der muoter wenn si gepirt und   25
Line: 26    
pringt den frawen ir haimlichait und zeuht die gepurt
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auz der guldeinen porten. daz kraut zeuht auch dorn
Line: 28    
auz des menschen flaisch und pfeil und ander dinch. ez
Line: 29    
ist auch guot für vergiftiger tier piz. sein pulver mit
Line: 30    
minzensaf oder ain waizel gedaucht in daz pulver mit   30
Line: 31    
honig negt daz tôt oder daz wild flaisch auz den wunden.
Line: 32    
wenn ain fraw ain tôtez kindel pei ir hab, die trink wein
Line: 33    
mit des krautes wurzeln gesoten, der treibt die tôten ge\purt
Line: 34    
auz. daz pulver ist auch für die schebichait und
Line: 35    
die reudichait guot.   35

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Chapter / Strophe: 5     5.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM KNOBLAUCH.



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Allium haizt knoblauch. der ist haiz und trucken
Line: 4    
mit seiner kraft und ist guot wider die kalten vergift.
Line: 5    
dar umb spricht man: knoblauch ist der gepaurn triakers.   5
Line: 6    
er schat auch dem gesiht und ganz dem leib, wenn man
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sein ze vil nimt. wer knoblauch rœstet und pindet in auf
Line: 8    
die âdern pei der faust, daz benimt den zenden iren smer\zen.
Line: 9    
gesoten knoblauch sterkt die prust und die stimm
Line: 10    
und entsleuzt den leip und sterkt daz ezzenkochen in dem   10
Line: 11    
magen und verzert pœs trank und pœs fäuht in dem
Line: 12    
magen. aber rôch knoblauch tuot in dem haupt .



Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM VERBKRAUT.



Line: 15    
Alterana haizt verbkraut dar umb, daz ez des men\schen   15
Line: 16    
leip verbt. daz kraut ist an der kraft kalt und
Line: 17    
trucken und wenn sich ain mensch vor gewaschen hât in
Line: 18    
dem pad und sich salbet mit dem kraut und beweschet
Line: 19    
sich dar nâch mit warm wazzer und an dem andern tag
Line: 20    
auch und tuot daz alsô oft, daz rainigt den leip gar   20
Line: 21    
schôn und macht in auz der mâzen weiz. aber an dem
Line: 22    
êrsten tag scheinent diu gesalbten glider gar ungestalt,
Line: 23    
an dem andern tag niht ungestalt und an dem dritten
Line: 24    
allerminst und an dem vierden gar lieht und lauter. daz
Line: 25    
kraut ist gar guot zuo wunden ze hailen und dar zuo ist   25
Line: 26    
auch cinamomespulver guot, hâst kainen andern.



Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM ANEIS.



Line: 29    
Anisium haizt aneis und haizt auch rœmischer ve\nichl,
Line: 30    
wan daz kraut hât pleter sam der venichl, ân daz   30
Line: 31    
si ain klain praiter sint, und daz kraut hât sâmen, der
Line: 32    
haizet auch aneis. daz aneis ist an der kraft haiz und

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Line: 1    
trucken und haizt man ez auch süezen kümel und hât
Line: 2    
die kraft, daz ez entsleuzt und verzert und ist gar guot
Line: 3    
für die wint in dem leib und wider daz unkochen in dem
Line: 4    
magen und ist gar guot wider den ôrnsiehtum, der von
Line: 5    
fäuht kümt. ez mêrt auch der frawen milich in den   5
Line: 6    
prüstlein und pringt daz harmwazzer vast und den frawen
Line: 7    
ir gewonhait oder ir haimlichait und rainigt die muoter
Line: 8    
von dem weizen fluz, aber ez locket zuo unkäusch, ez
Line: 9    
zeuht den leip zuo und öffent der niern verschoppen und
Line: 10    
treibt vergift auz.   10



Chapter / Strophe: 8     8.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM PEIPOZ.



Line: 13    
Artemisia haizet peipôz. daz kraut ist haiz und
Line: 14    
trucken und den guot, die unperhaft sint von übriger
Line: 15    
fäuhten. ez sprechent auch die maister, wer ez an diu   15
Line: 16    
pain pind, ez benem den wegraisern ir müed. daz ver\suoch,
Line: 17    
wan ich gelaub sein niht, ez wær dann bezaubert.



Chapter / Strophe: 9     9.
Line: 18    
Line: 19    
VON DER MALTEN.



Line: 20    
Atriplex haizt malten und haizt anderswâ molt und   20
Line: 21    
haizt auch ze latein chrysolochanna. daz kraut hât prai\teu
Line: 22    
pleter mit weiz gesprengt, sam mel dar auf sei ge\sprengt,
Line: 23    
und kochent ez die läut auf dem gäw mit flaisch.
Line: 24    
daz kraut ist an der art kalt und fäuht und ist klainer
Line: 25    
narung von seiner wäzzerichait. ist daz man des krautes   25
Line: 26    
pleter in ainein newen hafen under die erd setzet, alsô
Line: 27    
daz der hafen niht auzgedunsten mag, werdent frösch
Line: 28    
auz den pletern.



Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 29    
Line: 30    
VON DER WEIZEN PAPELN



Line: 31    
Alcea haizt weizpapel. daz kraut ist haiz in ainer
Line: 32    
ebenmæzichait und haizt auch ze latein bismalva und hât
Line: 33    
pleter sam die papeln habent, aber daz kraut ist grœzer

Page: 386  
Line: 1    
und hât langeu pain und hât der vil auz ainer wurzel
Line: 2    
gênd. daz kraut und sein wurz und sein sâm habent die
Line: 3    
art, daz si die apostem waichent und hindernt si, daz si
Line: 4    
iht wahsent, und machent die apostem und die geswer
Line: 5    
zeitig, die von pluots nâtûr sint, und mit genssmalz ist   5
Line: 6    
daz kraut guot dem smerzen, der in der gelider zuofuog
Line: 7    
ist, diu gelider auf ainander stôzent, sam in dem knie
Line: 8    
und anderswâ. man daz kraut seudet, rainigt ez
Line: 9    
den leip von dem gestank und von der stinkenden über\flüzzichait
Line: 10    
in dem leib. wenn man seinen sâmen trinkt   10
Line: 11    
mit wein und mit öl, daz ist guot für vergift.



Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM MÄUSŒRL.



Line: 14    
Auricula muris haizt mäusœrl, dar umb, daz daz
Line: 15    
kraut plätel hât gestalt sam der mäus œrl sint, und praitt   15
Line: 16    
sich auf die erd und hât plâbeu plüeml und ist an der
Line: 17    
kraft kalt und fäuht und hât all die kraft, die wermuot
Line: 18    
hât, und man daz kraut trinket und mit der nasen
Line: 19    
niest dar auz, daz ist den hinvallenden guot.



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 20    
Line: 21    
VON DER PATONIGEN.



Line: 22    
Betonica haizt patönig. daz kraut ist haiz und
Line: 23    
trucken, sam Platearius spricht, und seineu pleter sint
Line: 24    
zuo erznei guot. ez sei daz kraut grüen oder dürr,
Line: 25    
hât ez vil kreft. wenn man ez seudet mit wermuotsaf,   25
Line: 26    
ist ez guot für den hauptsiehtum. Alexander spricht,
Line: 27    
wer ez nüehtarn trink oder daz kraut nüehtarn ezze, daz
Line: 28    
mach diu augen scharpf und benem in ir zaher und ir
Line: 29    
vinsternüss und mach si klâr. daz kraut suochent die
Line: 30    
zaubrær gar vil und sprechent, daz ez ain kraft hab zuo   30
Line: 31    
wârsagen, wenn man ez beswer als man schol. und zwâr,
Line: 32    
ich waiz ain mairinn, diu vil mit dem kraut würkt und
Line: 33    
gar wunderleicheu dinch. schol diu red beleiben.

Page: 387  



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM BASILIGEN.



Line: 3    
Basilicon haizt ain basilig. daz ist ain kraut, daz
Line: 4    
hât gar ain edeln smack, der weinet ain tail. daz kraut
Line: 5    
haizt auch traguntea oder serpentaria oder colubrina   5
Line: 6    
und ist zwaierlai. daz ain hât klaineu pleter und daz
Line: 7    
ander grôzeu nâhent als der minzen pleter. daz kraut
Line: 8    
ist haiz und trucken und hât die art, sam etleich spre\chent,
Line: 9    
daz ez die slangen verjagt von dem menschen,
Line: 10    
der ez pei im tregt, und spricht Alexander, daz daz kraut   10
Line: 11    
wahse an der stat, der unk geporn werd. daz waiz
Line: 12    
ich Megenbergær niht, aber ich waiz daz wol, daz ez die
Line: 13    
maister ziehent in irn gärtleinn vor ir slâfkamern ze Parîs,
Line: 14    
und smecket niht, unz daz man ez rüert mit der hant,
Line: 15    
gibt ez ainen smack, der dem herzen wol tuot, reht   15
Line: 16    
als ain zühtig weiser man, der vil edels dinges in seiner
Line: 17    
sêl verporgen hât: des prüeft man dick niht, unz man in
Line: 18    
üebet mit flêh, mit gâb oder mit andern dingen.



Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 19    
Line: 20    
VON DER HAUSWURZ



Line: 21    
Barba Jovis haizet hauswurz. daz kraut ist gar kalt
Line: 22    
und ist guot der überhitzten lebern, und die maister, die
Line: 23    
sich fleizent zauberei, die sprechent, daz ez den donr und
Line: 24    
daz himelplatzen verjag, und dar umb pflanzet man ez auf
Line: 25    
den häusern. daz kraut hât die art, sam etleich spre\chent,   25
Line: 26    
wer ez zuo ainem flaisch in ainen hafen leg,
Line: 27    
mach ez auz zwain stucken flaisch ain stuck, und ist guot
Line: 28    
wider die haizen apostem.



Chapter / Strophe: 15     15.
Line: 29    
Line: 30    
VON DEM PIEZENKRAUT



Line: 31    
Beta oder blitus haizt piezenkraut oder mangolt
Line: 32    
und ist zwairlai. ainz hât grüen stengel und daz ander

Page: 388  
Line: 1    
hât rôt stengel und daz ist grœzer und pezzer. ietwederz
Line: 2    
hât praiteu pleter sam der wegreich, ân daz diu piezen\pleter
Line: 3    
lenger sint. daz kraut ist kalt und fäuht in mit\telmâz
Line: 4    
und dar umb, wenn man petersil dar zuo mischt,
Line: 5    
ist ez gesunt ze ezzen und ist waich und lât sich sanft   5
Line: 6    
kochen in dem magen, wenn man ez sauber beraitt und
Line: 7    
kocht pei dem feur.



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 8    
Line: 9    
VON DER GAMILLEN.



Line: 10    
Camomilla haizt gamillen und daz kraut ist dreir\lai.   10
Line: 11    
daz ain hât weiz pluomen, daz ander gel, daz dritt
Line: 12    
purpervar. daz kraut ist haiz und trucken, sam Galiênus
Line: 13    
spricht, und geleicht der rôsen an vil kreften. ez ver\treibt
Line: 14    
die haizen apostem, mit, daz ez waich macht
Line: 15    
und entsleuzt. ez sterkt diu gelider, diu vil âdern ha\bent,   15
Line: 16    
und pringt diu müeden gelider zuo iren kreften,
Line: 17    
wan sein hitz geleicht vil des menschen hitz, und sterkt
Line: 18    
daz hirn und benimt dem haupt sein pœs materi und be\nimt
Line: 19    
die gelsuht. ist daz ain swangereu fraw sich in ga\millenwazzer
Line: 20    
setzt, mit si gesoten ist, zeuht si ir   20
Line: 21    
die gepurt her für mit dem pälglein, und ist guot zuo
Line: 22    
der lenden siehtum.



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 23    
Line: 24    
VON DEM ZWIVAL.



Line: 25    
Cepe haizt ain zwival oder ain zwibol. der hât die   25
Line: 26    
art, daz er vast öffent die gäng in diu gelider und in dem
Line: 27    
leib und plæt und zeuht daz pluot auz under die haut,
Line: 28    
dar umb macht er die haut rôt und pringt ain guot varb.
Line: 29    
wenn er niht gesoten ist oder gerœstet, hât er klain
Line: 30    
narung, aber er gekocht ist pei dem feur, pringet   30
Line: 31    
er ain grôz dick fäuht, diu etwaz nert, iedoch macht er
Line: 32    
pœs pluot und fäuht in dem leib, dar umb ist er der ver\nunft
Line: 33    
und dem sinn schad. er sterkt den magen und
Line: 34    
pringt ainen lust ze ezzen. er öffent die afternâdern, die

Page: 389  
Line: 1    
ze latein emoroides haizent, und erwegt die unkäusch.
Line: 2    
sein wazzer ist guot für der töbigen hunde piz, wenn
Line: 3    
man die wunden mit salbet oder der ain pflaster dar
Line: 4    
auz macht und ez über pindet.



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 5    
Line: 6    
VON DEM KICHERKRAUT.



Line: 7    
Cicer haizt ain kicherkraut und hât klaineu pleter
Line: 8    
wan die fasœln oder wan die pôn und die linsen und die
Line: 9    
wicken und ist zwaierlai, rôt und weiz. des krauts korn
Line: 10    
ist länkelot und spitzig und etleich kicher ist haimisch,   10
Line: 11    
etleicher wild. des haimischen narung ist pezzer wan des
Line: 12    
wilden, aber der wild ist pezzer und haizer und læt sich
Line: 13    
paz däwen und würkt gewelticleicher wan der haimisch.
Line: 14    
der kicher ist haiz und trucken an der kraft und ist pez\zer
Line: 15    
narung dann die pôn sint. iedoch speiset si aller\maist   15
Line: 16    
die lungen. wer die kichern fäuht macht und die
Line: 17    
izt, dem pringt si ain guot varb. man spricht auch, daz
Line: 18    
si guot sei dem smerzen in dem ruck und ir einguz ist
Line: 19    
guot für des zantflaisches smerzen und zuo den haizen
Line: 20    
apostemen, die hinder den ôrn wahsent. die kichern ma\chent   20
Line: 21    
die stimm klâr, dar umb, daz si die lungen paz
Line: 22    
fuorent dann kainerlai ander dinch, und dar umb macht
Line: 23    
man saufen auz dem kichermelb. wenn man si kocht,
Line: 24    
sint si guot für die wazzersuht und für die gelsuht,
Line: 25    
wan si öffent, und allermaist die swarzen kichern. wenn   25
Line: 26    
man si izt, schol man si niht des êrsten auf den tisch
Line: 27    
tragen noch ze letzt, man schol si in der mitt ezzen zwi\schen
Line: 28    
andern gerihten. der swarzen kichern kochwazzer
Line: 29    
und ir ezzen zepricht den stain in der plâtern und in
Line: 30    
den niern, wenn man si kocht mit mandelöl und mit rätich   30
Line: 31    
und mit epf. allerlai kicher zeuht die gepurt auz der
Line: 32    
muoter und pringt die unkäusch gar krefticleich und ir
Line: 33    
einguz sterkt der unkäusch gelider, wenn man si nüehtarn
Line: 34    
säuft und trinkt, und mit behüett man manig ê, der

Page: 390  
Line: 1    
ez west. die arbaiz tregt vil über ain mit dem kichern
Line: 2    
an den vorgenanten werken.



Chapter / Strophe: 19     19.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM SCHELLKRAUT.



Line: 5    
Celidonia haizt schellkraut. daz ist haiz und tru\cken,   5
Line: 6    
sam Platearius spricht. daz kraut rainigt daz haupt
Line: 7    
und scherpfet daz gesiht. Isidorus spricht, daz daz kraut
Line: 8    
der swalben kraut sei; wan ist, daz den jungen swal\ben
Line: 9    
mit ainer nâdeln in diu augen stichst, pringt ir
Line: 10    
muoter zehant die pluomen von dem kraut und habt die   10
Line: 11    
an der kindel augen, kümt in daz gesiht wider. des
Line: 12    
krauts saf ist den augen gar guot, wan ez benimt die plâ\tern
Line: 13    
in den augen und die scherpfen und diu weizen mail.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 14    
Line: 15    
VON DER HUNDSZUNGEN



Line: 16    
Cinoglossa haizt hundszung. daz kraut ist guot für
Line: 17    
den viertägleichen riten, und sagt daz puoch ze latein
Line: 18    
niht mêr von. vinde ich auch in andern meinen
Line: 19    
püechern, diu von den kräutern sagent, niht mêr von.



Chapter / Strophe: 21     21.
Line: 20    
Line: 21    
VON DER PINZEN.



Line: 22    
Cirpus haizt ain pinz oder in anderr däutsch ain semd
Line: 23    
und wehset gern in pfüeln und an mosigen steten,
Line: 24    
stênt. daz kraut hât gar ain grüen rinden und hât in\wendig
Line: 25    
ain grôzen lôsen kern, den haizent die maister   25
Line: 26    
sein mark. wenn man daz mark oder den kern in ge\mischten
Line: 27    
wein legt, zeuht er daz wazzer an sich und
Line: 28    
schaidet den wein von dem wazzer. daz kraut ist der
Line: 29    
grôzen pinzen und wehst lang über sich auf ân all kno\den
Line: 30    
und ist sein saf gar rôch und wäzzrig, und die sel\ben   30
Line: 31    
art, die des krautes mark an im hât, die hât auch

Page: 391  
Line: 1    
der slâten mark oder kern, daz ze latein carectum haizt,
Line: 2    
und wechst auch an wäzzrigen steten und haizt auch ze
Line: 3    
latein gladiolus, dar umb, daz ez ainem swert geleicht.



Chapter / Strophe: 22     22.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM ERDAPFEL



Line: 6    
Citrullus haizet ain erdapfel und ist nâhent gestalt
Line: 7    
sam die pfedem, die ze latein pepones haizent. aber der
Line: 8    
erdapfel ist grüen und die pfedem sint gel und kraizlot
Line: 9    
an der rinden, iedoch nennet si diu gemain dick geleich.
Line: 10    
die früht sint alle schad, wan si pringent rôch fäuht und   10
Line: 11    
fäul in den âdern und grôz siehtum dar nâch. iedoch
Line: 12    
habent si die güet an in, wenn man si den âmechtigen
Line: 13    
für die nasen habt, koment si wider zuo in selben und
Line: 14    
beginnent reden. si leschent auch den durst und ir ple\ter
Line: 15    
sint guot für der töbigen hunde piz.   15



Chapter / Strophe: 23     23.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM SWEINKRAUT.



Line: 18    
Cyclamen haizt sweinkraut und haizt auch panis por\cinus,
Line: 19    
daz spricht sweinprôt. daz kraut ist haiz und tru\cken
Line: 20    
und sein wurzel ist guot zuo erznei. die wurzel   20
Line: 21    
schol man spalten in vier stück, der herbst schier ain
Line: 22    
ende nimt, und schol si mit dem kraut aufhâhen an ain
Line: 23    
vinster stat oder der sunnen schein klain sei. diu hât
Line: 24    
ain kraft, daz si entsleuzt und zuo ir zeuht und ist guot
Line: 25    
zuo den afternâdern, die ze latein emoroides haizent, wenn   25
Line: 26    
die zeplæt sint und doch niht vliezent.



Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 27    
Line: 28    
VON DER KÜNIGSKRON.



Line: 29    
Corona regis haizet künigskrôn. daz ist ain kraut
Line: 30    
daz hât vil pleter auf ainem stengel, diu sint gestalt sam   30
Line: 31    
der basiligen pleter und sint alle durchlöchert mit vil

Page: 392  
Line: 1    
löchlein, dar umb haizent si auch ze latein perforata, daz
Line: 2    
spricht diu löchærinn und haizt in kriechisch ypiricοn.
Line: 3    
daz kraut hât die art, daz ez daz herz sterkt und die
Line: 4    
leber und rainigt die nieren und hailt die gesweren und
Line: 5    
allermaist die grôzen unreinen gesweren, die ze latein   5
Line: 6    
annuates haizent, und suocht die vergift. daz kraut hai\zet
Line: 7    
auch sant Johannskraut.



Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM SAFFRAN.



Line: 10    
Crocus haizt saffrân. daz ist ain gar wolsmeckendez   10
Line: 11    
kraut und haizt sein pluom auch ze latein crocus und ist
Line: 12    
haiz und trucken ebenmæzicleich. der saffrân hât die
Line: 13    
kraft ze kreftigen und ze sterken und dar umb ist er
Line: 14    
guot wider des magen krankhait und wider des menschen
Line: 15    
âmaht, diu ze latein syncopis haizt, und wider die augen\rœte,   15
Line: 16    
diu von pluot kümt oder von colera. man schol
Line: 17    
den saffrân hitzen in ainem scherben und schol in dann
Line: 18    
pulvern und daz pulver mischen mit vaiztem wazzer, daz
Line: 19    
entsleuzt und erwaicht den leip und ist auch guot zuo
Line: 20    
den sachen, diu vorgenant sint. aber man schol in den   20
Line: 21    
läuten niht geben, die haiz und trucken sint und die ze
Line: 22    
latein colerici haizent, wan die macht er unlustig und
Line: 23    
pringt in wüllen. wer aber diu augen mit erznein well,
Line: 24    
der temper den pulver mit ainem weizen ains ais und
Line: 25    
tunk ain paumwoll dar ein und leg die in diu augen.   25
Line: 26    
diu paumwoll haizet bombax ze latein, von kümt bom\basium,
Line: 27    
daz haizet ain bammais, daz dar auz ist gemacht.
Line: 28    
aber limbasium haizt ain leinein bammais. wenn man
Line: 29    
saffrân in wein trinkt, macht er trunken und macht
Line: 30    
die läut vil lachent, alsô daz si niht wizzent, dar umb,   30
Line: 31    
daz er daz herz sterkt und frœleich macht. ez sprechent
Line: 32    
auch etleich, wenn man in trink, daz er etswenn frœ\leich
Line: 33    
mach, daz der mensch in fräuden sterb. etleich
Line: 34    
sprechent auch, daz der saffrân dem milz guot sei und daz

Page: 393  
Line: 1    
er die unkäusch erweck. er pringt auch daz harmwazzer.
Line: 2    
ez sprechent auch etleich, wenn man in in trank geb,
Line: 3    
fürder er die gepurt auz der muoter und daz er die
Line: 4    
muoter in der frawen entsliez, wenn si hert sei worden
Line: 5    
und sich zesamen hab gezogen.   5



Chapter / Strophe: 26     26.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM KÜRBIZ.



Line: 8    
Cucurbita haizt ain kürbiz. daz kraut ist haiz und
Line: 9    
fäuht mæzicleich, sam Platearius spricht. die sâmen, die
Line: 10    
in des krauts frühten sint, die sint guot zuo erznei, wenn   10
Line: 11    
man si geseudet, niht rôch. si sint guot für der lebern
Line: 12    
verschoppen und für der gaistleichen gelider apostem, sam
Line: 13    
diu prust ist und andreu gelider. der kürwiz ist guot in
Line: 14    
süchten, wenn man in seudet oder præt ân allez gemächt
Line: 15    
und in dem siechen gibt ze ezzen. wenn man in pächt   15
Line: 16    
in taig und in dann zerlæzt in wazzer und zucker tuot
Line: 17    
zuo dem wazzer, daz ist gar ain guoter syropl den, die
Line: 18    
in süchten ligent. wenn man den kürbz seudet und daz
Line: 19    
wazzer ze trinken gibt dem die leber erhitzet ist, daz
Line: 20    
hilft in gar wol. Michahel der Schott spricht, der kür\biz   20
Line: 21    
praitt sein pluomen in der naht und erzaigt sein êre
Line: 22    
in der vinster, und der tag kümt, zeuht er sein
Line: 23    
pluomen wider zesamen mit ainem abnemen, unz daz si
Line: 24    
zuo letzt dürr werdent und abvallent.
Line: 25    
Awê owê, wir armen sündær, wie verzer wir unser   25
Line: 26    
pluomen und unser kraft in der vinster mit pôshait und
Line: 27    
an dem lieht guoter werk zieh wir uns ein und alsô
Line: 28    
dorr wir in unsern tôt und in unser vallen. ach und
Line: 29    
aber ach und ich armer kürwiz, wie lang hât mich
Line: 30    
diu werlt in die vinster gezogen und lockt mich noch.   30
Line: 31    
wol hin, valschait, wol hin üppichait ain valscher ge\lust!
Line: 32    
hâst weder trew noch wârhait, weder tugent
Line: 33    
noch kraft. hilf mir, helfærinn auz diser valschait, ich
Line: 34    
hoff, ez wer niht lang.

Page: 394  



Chapter / Strophe: 27     27.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM KÖLKRAUT.



Line: 3    
Caulis haizt kölkraut. daz hât ainen langen rôten
Line: 4    
stengel und hât grôzeu praiteu pleter, diu werdent rôt,
Line: 5    
wenn si der frost durchgêt. daz kraut ist niht guoter   5
Line: 6    
narung und macht dickez pluot und zerplæt den leip und
Line: 7    
pringt vil smerzen. iedoch ist daz kraut haiz und tru\cken,
Line: 8    
aber sein hitz ist klainer wan sein trücken. wer
Line: 9    
die köl reht kochen well, der giez ir êrstez wazzer ab,
Line: 10    
dar inn si erwallen sint, und koch si dann mit vaiztem   10
Line: 11    
flaisch und mit guoten dingen, wirt ir narung pezzer.
Line: 12    
aber si truckent die zungen und pringent den slâf und
Line: 13    
hindernt die trunkenhait und machent die stimm clâr.
Line: 14    
wenn man köl und haselpaum pflanzet zuo der weinrehen
Line: 15    
wurzel, verderbent si die weinreben.   15



Chapter / Strophe: 28     28.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM SUNNENWERBEL.



Line: 18    
Cicorea haizet etswâ sunnenwerbel und etswâ ringel\kraut
Line: 19    
und haizt auch ze latein solsequium oder sponsa
Line: 20    
solis, daz spricht der sunnen praut, und des krautes pluom   20
Line: 21    
haizt dionysia, diu praitt sich auf gegen der sunnen auf\ganch.
Line: 22    
daz kraut ist kalt und fäuht, sam Platearius
Line: 23    
spricht. wer daz zerstœzt und ez izzet, dem ist ez guot
Line: 24    
für die vergift und wider der vergiftigen tier piz und
Line: 25    
allermaist man ez auf die wunden legt. sein saf ist   25
Line: 26    
guot für der lebern verschoppen und des milzes, wenn
Line: 27    
daz verschoppen kümpt von hitz. daz kraut wehset gern
Line: 28    
auf herter getretener erde pei den strâzen und hât gar
Line: 29    
ainen herten stengel und sein pluom ist plâvar oder gel\var,
Line: 30    
sam ain edelstain, haizt jâchant.   30



Chapter / Strophe: 29     29.
Line: 31    
Line: 32    
VON DER HONIGRŒREN.



Line: 33    
Canna mellis haizt honigrœr. diu geleicht nâhent
Line: 34    
der gemainen rœrn, ân daz diu honigrœr dick ist und

Page: 395  
Line: 1    
süez. aber diu gemain rœr, diu in den lachen wechst
Line: 2    
und in mosigen steten, diu ist gar hol und ungesmach.
Line: 3    
wenn man die honigrœrn speltet und seudet, der schaum,
Line: 4    
der von kümt, wirt zukker. waz aber der zukker kraft
Line: 5    
hab, daz wirt her nâch kunt.   5



Chapter / Strophe: 30     30.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM WANZENKRAUT.



Line: 8    
Coriandrum haizt in etleicher däutsch wanzenkraut.
Line: 9    
daz kraut ist warm und trucken, sam etleich sprechent.
Line: 10    
aber Galiênus spricht, daz ez ain lâb fäuhten hab, und   10
Line: 11    
Avicenna spricht, daz sein fäuht kalt sei. die zwai be\stênt
Line: 12    
wol mit enander, wan lâb haizt wol kalt gegen
Line: 13    
warm; iedoch hât Avicenna den sin niht gehabt. wie
Line: 14    
dem sei, erkenn daz kraut alsô. seineu pleter sint
Line: 15    
zerstrobelt und sein pluom ist gel und sein sâm ist sinbel   15
Line: 16    
vil nâch als veiolsâm und ist weiz. wenn man daz kraut
Line: 17    
seudet, schaidet sich sein wirm von der kelten. und
Line: 18    
dar umb, wer seinen saf vil trinket, den tœtt ez mit kel\ten.
Line: 19    
ez hât die art, daz ez den räuchen und den dünsten
Line: 20    
wert, daz si iht aufgên in daz haupt von dem magen,   20
Line: 21    
und dar umb legt man ez in der läut ezzen, die hinval\lent
Line: 22    
von den selben dünsten; aber man schol sein wênich
Line: 23    
ezzen. aber unser puoch ze latein sagt anders von dem
Line: 24    
kraut, des ich niht acht an dém stuck, ich volg dem pezzern.



Chapter / Strophe: 31     31.
Line: 25    
Line: 26    
VON DEM CAMPFER.



Line: 27    
Camphora haizt campfer und sprechent die gar alten
Line: 28    
maister, ez sei ain kraut, daz wachs gegen der sunnen
Line: 29    
aufganch in dem land India und sei gar wolsmeckent.
Line: 30    
daz kraut pricht man ab in des lenzen end und zerstœzt   30
Line: 31    
ez und twingt daz saf dar auz und læt daz trüeb ze
Line: 32    
podem vallen und daz lauter setzt man an die sunnen,
Line: 33    
unz ez hert wirt, wirt ez als ain dunkel cristall. wenn

Page: 396  
Line: 1    
man daz in der hant handelt, zepricht man ez schier
Line: 2    
und wirt schier ze pulver und allermaist in der läut han\den,
Line: 3    
die gemailigt sint mit unkäusch, wan ez wil, daz der
Line: 4    
käusch sei, der ez tregt und ez handelt. ez macht auch
Line: 5    
die man käusch, die ez zuo der nasen habent, aber die   5
Line: 6    
frawen macht ez unkäusch. man behelt den campfer in
Line: 7    
märmeleinen vazzen oder in alabaster. aber Constantînus
Line: 8    
spricht, ez sei ain pâmzaher, und Avicenna spricht, ez
Line: 9    
sei ains pâms saf und daz werd alsô hert.



Chapter / Strophe: 32     32.
Line: 10    
Line: 11    
VON DEM KÜMEL.



Line: 12    
Cyminum haizt kümel. daz ist ains krautes sâm und
Line: 13    
ist haiz und trucken an der kraft, sam Platearius spricht.
Line: 14    
aber daz kraut hât langeu pleter klaineu nâhen sam diu
Line: 15    
venichlpleter oder sam diu anetpleter und sein pluom ist   15
Line: 16    
plaichvar oder gelblot und der sâm ist lengelot und ist
Line: 17    
mangerlai. etleicher ist swarz und etleicher gelbloht und
Line: 18    
ainez ist veltkümel und ainez haimisch kümel. der swarz
Line: 19    
ist kreftiger wan der gelb; er hât die art, daz er die wint
Line: 20    
gesetzt in dem leib und entsleuzt und sterkt und verzert   20
Line: 21    
daz kochen in dem magen und gesetzt auch daz ro\phatzen
Line: 22    
und daz heschitzen. welche ammen wein siedent
Line: 23    
mit kümel und den trinkent, den mêrt er die milich und
Line: 24    
mêrt der unkäusch sâmen gar vil in den mannen. wer
Line: 25    
des kümels pulvern nimt in ezzen oder in trinken und   25
Line: 26    
wermuot dar zuo mischet, der offent im die geng zuo der
Line: 27    
unkäusch sâmen, ist er ain man, oder zuo der milch, ist
Line: 28    
ez ain fraw. wenn man daz antlütz wescht auz seim
Line: 29    
wazzer, daz macht ez lauter und clâr. ist aber daz man
Line: 30    
ez zuo dick dar auz wescht, wirt daz antlütz plaich.   30
Line: 31    
wer sein mæzigen nutz hât, dem macht ez daz antlütz
Line: 32    
gar schôn. aber veltkümel hailt die wunden, wenn man
Line: 33    
sein pulver dar ein sträwet, und man sein pulver mischt
Line: 34    
mit ezzeich und smeckt dar zuo, oder tunkt ainen waizel

Page: 397  
Line: 1    
dar ein und stecket den in die nasen, dem verstêt der rôt
Line: 2    
fluz auz der nasen. wenn man kümel trinkt mit wein,
Line: 3    
daz hilft für der vergiftigen tier piz.



Chapter / Strophe: 33     33.
Line: 4    
Line: 5    
VON DER ERDGALLEN



Line: 6    
Centaurea haizt erdgall, und etleich haizent daz
Line: 7    
kraut fieberkraut und haizt auch ze latein fel terre, daz
Line: 8    
spricht erdgall, wand ez ist gar pitter und ist haiz und
Line: 9    
trucken, sam Platearius spricht. daz kraut ist zwairlai.
Line: 10    
ainz haizt diu grôz erdgall und hât pleter geleich tri\spitzen   10
Line: 11    
und ist zwairlai, wan ainez hât ain gelbloten
Line: 12    
stengel, daz ander ainen grüenen stengel. noch ist daz
Line: 13    
kraut ainr lai, daz haizt diu klain erdgall und hât pleter
Line: 14    
sam die rauten, diu ist gar pitter nâhent sam scamonea,
Line: 15    
von wir her nâch werden sagen, und daz hât ain rôt   15
Line: 16    
lieht pluomen, die pringt ez in ainer unvolkomener krôn
Line: 17    
weis. daz kraut wehst an dem end des lenzen vor sant
Line: 18    
Urbans tag. ain iegleich erdgall ist haiz und trucken und
Line: 19    
ist gar scharpf. wenn daz kraut vrisch ist, rainigt ez
Line: 20    
die wunden und hilft für der lebern verschoppen und   20
Line: 21    
wider des milzes herten und pringt den frawen ir haim\leichait
Line: 22    
und zeuht die gepurt auz der muoter und tœt die
Line: 23    
würm in dem leib. wenn man wein seudet mit dem kraut
Line: 24    
und zukker dar zuo mischt und daz trinkt, daz hilft der
Line: 25    
lebern und dem milz, als vor gesprochen ist. nim ve\nichlwurz   25
Line: 26    
und epfeichwurz und petersilwurz und seut die
Line: 27    
in erdgallensaf und tuo zukker dar zuo und seih daz
Line: 28    
allez durch ain tuoch und gib ez dem ze trinken, der
Line: 29    
krankeu gelider hât von dem paralis, oder für der lenden
Line: 30    
siehtum, der ze latein iliaca passio haizt. für die würm   30
Line: 31    
in dem leib gib des krauts saf mit honig. des krautes
Line: 32    
wurzel ist pitter mit ainer süez dar ein gemischt und ist
Line: 33    
ain klain hantich auf der zungen, daz ze latein pon\ticum
Line: 34    
haizt, und hât die kraft, daz si zesamen leimt.

Page: 398  
Line: 1    
und dar umb, wenn man die wurzel zerstœzt und si über
Line: 2    
die wunden pint, hailent si. nim der grôzen erdgallen
Line: 3    
wurzel und truck daz saf dar auz und misch rôsenwazzer
Line: 4    
dar zuo und treuf daz in diu tunkeln augen, werdent
Line: 5    
si clâr. wein gesoten mit dem kraut wer den des âbents   5
Line: 6    
warmen trinkt, der pringt im swaiz krefticleichen, aber
Line: 7    
man schol sein niht ze vil trinken, daz ez die prust iht
Line: 8    
überderr. daz sieden ist pezzer in dem winter wan in
Line: 9    
dem sumer, wan diu hitz ist in dem sumer ze grôz. diu
Line: 10    
erdgall hât die art, wer si seudet mit flaisch, macht   10
Line: 11    
si auz allen stucken áin stuck, reht sam diu hauswurz,
Line: 12    
als man spricht.



Chapter / Strophe: 34     34.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM PFEFFERKRAUT.



Line: 15    
Diptamus haizt pfefferkraut, sam ain vilzünglær   15
Line: 16    
spricht, und ist gar gemain. daz kraut ist guot für der
Line: 17    
slangen piz und für aller vergiftigen tier piz und für die
Line: 18    
vergift, die ain mensch getrunken hât, wenn man ez ze\stœzt
Line: 19    
und ez legt auf die wunden und sein saf trinkt mit
Line: 20    
wein und etswie vil minzensaf dar zuo mischet. ez zeuht   20
Line: 21    
auch die tôten purt auz der muoter leib, und spricht man,
Line: 22    
daz die hirzen des êrsten des krautes kraft haben gemel\det,
Line: 23    
wan man si gescheuzt und verwundet, reibent si
Line: 24    
die wunden dar an und ezzent ez, zeuht ez in die pfeil
Line: 25    
auz; von hiez ez wol hirzwurz.   25



Chapter / Strophe: 35     35.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM WEIZEN SENIF.



Line: 28    
Eruca haizt weizer senif. daz ist ain kraut, daz hât
Line: 29    
pleter nâhent sam der reht senif und ist haiz und trucken
Line: 30    
mæzicleichen und dar umb pflanzt man ez in die gärten.   30
Line: 31    
wenn man daz kraut mischt zuo piezen oder zuo mangolt,
Line: 32    
sänftigt ez der piezen kelten und ir fäuht. daz kraut
Line: 33    
ist zwairlai. daz ain ist wild und daz ander haimisch. des

Page: 399  
Line: 1    
haimischen sâm kocht man an senifes stat; izt aber man
Line: 2    
daz kraut ain, beswært ez daz haupt, und den schaden
Line: 3    
benimt man im mit, daz man ez mischt mit lactuken\kraut
Line: 4    
oder mit piezen. daz kraut ist den ammen guot,
Line: 5    
wan ez pringt in vil milich und hilft daz ezzen kochen   5
Line: 6    
in dem magen. aber daz wilde pringt daz harmwazzer
Line: 7    
und erweckt die unkäusch, wan ez sterkt den wünschel\stab
Line: 8    
und daz würkt allermaist des krautes sâm.



Chapter / Strophe: 36     36.
Line: 9    
Line: 10    
VON DER NIESWURZ



Line: 11    
Eleborus haizt nieswurz und ist zwairlai. daz ain
Line: 12    
kraut haizt weiz und daz ander swarz, und daz swarz ist
Line: 13    
sänfter dann daz weiz, aber die ez samnent die müezent
Line: 14    
sich fleizen, daz si vor knoblauch ezzen und starken wein
Line: 15    
trinken, dar umb, daz ez in niht schaden pring, und hât   15
Line: 16    
pleter sam ain kraut, daz haizt ze latein alexandria und
Line: 17    
haizent ez etleich wolfskraut oder hundskraut, dar umb,
Line: 18    
daz sein pulver gesträwet wirt auf der wolf oder auf der
Line: 19    
hund ezzen und si tœtt. diu swarz nieswurz hât ainen
Line: 20    
kurzen stengel, der hât an im swarz âdern und ist der   20
Line: 21    
stengel an im selber etswie vil purpervar und an ietwederr
Line: 22    
seiten der stengel ist ain haupt sam ain zwivalhaupt. daz
Line: 23    
kraut wehst gern an dürren steten pei den gespalten mau\ren,
Line: 24    
und wenn man sein wurzel pricht, sint si inwendig
Line: 25    
hol und in den hölen sint weppel sam die spinwepp, und   25
Line: 26    
ist scharpf auf der zungen und peizet si. daz kraut ist
Line: 27    
haiz und trucken und entlœst und klainet grôz materi und
Line: 28    
streicht ab alsô vast, daz ez wildez flaisch abnegt, und hât
Line: 29    
die art, daz ez den leip verändert auz seiner schickung in
Line: 30    
ain pezzer gestalt und in ain junkleich schickung. ez zimt   30
Line: 31    
auch niht frawen noch weipleichen mannen, ez zimt neur
Line: 32    
manleichen läuten und starken jungen läuten, die vil
Line: 33    
pluotes habent, und zimt mêr in dem merzen denn ze
Line: 34    
andern zeiten und in dem andern augst und allermaist

Page: 400  
Line: 1    
wenn die läut frœleich sint. wie man ez aber nemen
Line: 2    
schüll, daz lêrent die ärzt. wenn man ez seudet mit ez\zeich,
Line: 3    
benimt ez daz ôrpauken und sterkt daz krank
Line: 4    
gehœrde, wenn man ez in diu ôrn träuft, und schol man
Line: 5    
den munt mit ezzeich waschen, benimt ez den zant\smerzen.   5
Line: 6    
ez benimt auch den siehtum, der melancolia
Line: 7    
haizet, daz haizent die Dürgen râsen, wenn ain mensch
Line: 8    
mit im selber redet gämleicheu dinch, und ist guot für
Line: 9    
daz vallent lait, daz epilencia haizt. diu weiz nieswurz
Line: 10    
ist gestalt an den pletern sam diu swarz, ân daz si an   10
Line: 11    
dem stengel weizeu æderl hât, und sein wurzel geleicht
Line: 12    
der weizen papeln wurzen, und diu weiz nieswurz ist mêr
Line: 13    
pitter wan diu swarz und wehst gern an pergoten steten.
Line: 14    
man samnet des krautes wurzel in dem snit und truckent
Line: 15    
si. diu wurzel peizet die zungen niht vast und zeuht   15
Line: 16    
die spaicheln an sich. peizet aber si vast, wirf si hin.
Line: 17    
diu weiz nieswurz ist haiz und trucken sam diu swarz.
Line: 18    
wenn man die wurz mischt under der mäus ezzen, ster\bent
Line: 19    
si. ez ist gar unsicher der die wurzel neuzet, wan
Line: 20    
si pringt dick tœtleich krämpf. ir pulver in die nasen   20
Line: 21    
genomen macht den menschen niesen, und dar umb hât
Line: 22    
si den namen ze däutsch. wer si mæzicleichen nützet,
Line: 23    
dem scherpft si und sterkt im daz gesiht, aber ir übermâz
Line: 24    
ist ain vergift den läuten, sweinen und hunden, und ster\bent
Line: 25    
die hüenr von des menschen mist, der die nieswurz   25
Line: 26    
hât genozzen.



Chapter / Strophe: 37     37.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM VENICHELKRAUT.



Line: 29    
Feniculum haizt venichel. daz kraut ist an der kraft
Line: 30    
haiz und trucken, sam Platearius spricht, und ist behendes   30
Line: 31    
selpwesens und hât die art, daz ez daz harmwazzer prin\get.
Line: 32    
des krautes saf und sein pleter und sein wurzeln
Line: 33    
sint guot zuo erznei, und daz samnet man allez in dem
Line: 34    
lenzen. diu rind an seiner wurzel ist guot für der lebern
Line: 35    
verschoppen und des milzes, wenn man si seudet mit wein,   35

Page: 401  
Line: 1    
und ist auch guot für die ruor oder für des leibes hin\lauf
Line: 2    
und für den stain, diu dinch koment von kalten
Line: 3    
sachen. koment aber diu dinch von haizen sachen,
Line: 4    
schol man venichlwazzer für sieden. wenn man ve\nichlkraut
Line: 5    
seudet und ez izzet sam ander gesoten kraut,   5
Line: 6    
daz ist auch für die vorgenanten presten guot. ez benimt
Line: 7    
auch die wint in dem leib und sterkt daz kochen in dem
Line: 8    
magen und diu selben werch würkt auch daz pulver, daz
Line: 9    
gemacht wirt auz seinem sâmen. des krautes saf ist guot
Line: 10    
für etleich vinsternüss in den augen und pezzert daz ge\siht.   10
Line: 11    
Alexander spricht, wenn die slangen nâch dem
Line: 12    
winter auz den hölern gênt, ezzeut si venichel und rei\bent
Line: 13    
ir augen dar an, werdent si in erläuht. daz kraut
Line: 14    
ist auch guot für vergiftiger tier piz. ez benimt auch
Line: 15    
dem magen sein wüllen und seinen sodem und tœtt die   15
Line: 16    
würm. man schol seinen saf in ainem ereinn vaz auf\hâhen
Line: 17    
fünfzehen tag, und wenn man ez dann in diu augen
Line: 18    
träuft, macht ez diu dunkeln augen clâr.



Chapter / Strophe: 38     38.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEN SWAMMEN



Line: 21    
Fungi haizent swammen. die sint mangerlai, aber die
Line: 22    
pesten in unserr wanung sint klain und sinbel sam ain
Line: 23    
huot und wahsent an dem anvang des lenzen und ne\ment
Line: 24    
ab in dem maien, wan ez ist nie gesehen, daz die
Line: 25    
selben swammen iemd getœtt haben oder snell siech ge\macht,   25
Line: 26    
und die haizent ze latein morachi und haizent ze
Line: 27    
däutsch maurochen oder in anderr däutsch morhen. ie\doch
Line: 28    
ist daz ze halten von den swammen in ainer gemain,
Line: 29    
daz die swammen, die truckner art sint, pezzer sint wan
Line: 30    
die fäuhter art sint; wie wol daz ist, daz si all fäuht   30
Line: 31    
und kalt sein, doch ist ez mêr und minner. aber si
Line: 32    
pringent in dem menschen unbehend fäuhten und pœs.
Line: 33    
daz pest, daz man getuon mag, ist, daz man si gar wol
Line: 34    
siede mit piren und guoten lautern wein dar auf trink.

Page: 402  
Line: 1    
ez ist auch ainer ander lai swammen, die haizent etleich
Line: 2    
ze latein boletos und haizent ze däutsch pfifferling,
Line: 3    
schol man sich vor hüeten, wan si sint dick gar vergiftig
Line: 4    
und tœtleich. daz waiz ich wol, wan ez geschach ze
Line: 5    
Wienn in Oestereich, ainer pfifferling az und trank met   5
Line: 6    
dar auf und starb zehant vor dem vaz. ez ist auch ainer\lai
Line: 7    
swammen, die sint zemâl unrain, die sint prait und
Line: 8    
dick und oben rôt mit weizen plæterln. wenn man den
Line: 9    
zuo milch mischt, tœtt er die mukken. dar umb hai\zent
Line: 10    
si mukkenswammen und ze latein muscineci. nu hüet   10
Line: 11    
dich vor in allen, daz ist mein rât.



Chapter / Strophe: 39     39.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEN PONN.



Line: 14    
Fabe haizent pônn. die lâzent sich niht schier ko\chen
Line: 15    
in dem magen, und wenn si grüen sint, habent   15
Line: 16    
si vil überflüzzichait, sam Platearius spricht. die grôzen
Line: 17    
und die weizen sint die pesten, die die würm niht durch\löchert
Line: 18    
habent, die ze latein gurguliones haizent, daz sint
Line: 19    
sâmenwürm. wenn man die pôn kocht und niht rüert
Line: 20    
ob dem feur noch weget, plæent si minner wan sunst,   20
Line: 21    
und der pônen rind plæent mêr wan ir mel. wenn man
Line: 22    
ain pflaster dar auz macht und daz legt auf ain beschorn
Line: 23    
stat, daz wert dem hâr, daz ez iht wahs. man die
Line: 24    
pônn izzet, sint si den augen schad, aber ir wazzer
Line: 25    
auzwendig gestrichen zuo den augen ist in guot. wenn   25
Line: 26    
man die hennen speiset mit pônn, airnt si niht. man
Line: 27    
haizt die pônn auf veuchten äckern mêr sæn denn ander
Line: 28    
korn.



Chapter / Strophe: 40     40.
Line: 29    
Line: 30    
VON DEM KORN



Line: 31    
Frumentum haizt korn und ist mangerlai. ainz haizt
Line: 32    
rokkenkorn, daz ander waizenkorn, daz dritt haizet tinkl.
Line: 33    
iedoch habent diu dreu ain gemain art, daz si den men\schen
Line: 34    
paz fuorent wan kainerlai ander korn, und daz ist

Page: 403  
Line: 1    
durch die geleichnüss, die si habent mit menschleicher
Line: 2    
art. daz prôt, daz kümt von dem melw des korns, daz
Line: 3    
benimt der prust ir scherpfen und auch der lungen, und
Line: 4    
man ez seudet mit öl, entsleuzt ez die herten apo\stem
Line: 5    
in dem menschen, und man ez kewt und ez legt   5
Line: 6    
auf der töbigen hund piz, die hailt ez. und wer seinen gar
Line: 7    
klainen staup, der von der mül fleugt, in wazzer flæt, der
Line: 8    
ist guot wider den rôten fluz auz dem leib. idoch wizz,
Line: 9    
daz der waiz paz fuoret wan daz rokkenkorn, und daz
Line: 10    
ungepäutelt prôt verschoppet den leip minner denn daz   10
Line: 11    
gepäutelt, wan diu nâtûr zeuht daz gepäutelt ze vast an
Line: 12    
sich, sinket daz ungepäutelt mêr an den grunt und
Line: 13    
suochet des leibes porten paz. wer sich wescht mit den
Line: 14    
cleien, dem nement si die unsauberkait vast abe.



Chapter / Strophe: 41     41.
Line: 15    
Line: 16    
VON DEM HIRS.



Line: 17    
Gegrues haizt hirs und ist zwairlai. daz ain ist ge\mainer
Line: 18    
hirs und haizet ze latein milium. des eher hât
Line: 19    
zerstrobloteu pleter. daz ander ist niht gemainer hirs
Line: 20    
und haizet ze latein panicum und ze däutsch venich und   20
Line: 21    
hât ain eher, daz ist grôz sam ain sêkolb, sint vil
Line: 22    
körner inn, diu sint dem hirs aller ding geleich. diu
Line: 23    
korn sint kalt und trucken und machent pœs pluot und
Line: 24    
lâzent sich niht wol kochen in dem magen und pringent
Line: 25    
den auzsetzel. wenn aber ainem der muossack tuot,   25
Line: 26    
sam ob im stichling dar inn sein, der schol den fenichel
Line: 27    
oder den hirs dunstig machen in einem hafen und an
Line: 28    
den leip haben, vergêt im der smerz.



Chapter / Strophe: 42     42.
Line: 29    
Line: 30    
VON DEM SLATENKRAUT



Line: 31    
Gladiolus haizet slatenkraut und haizet aigenleichen
Line: 32    
nâch der latein swertlinch oder swertelkraut, dar umb, daz
Line: 33    
ez gestalt ist sam ain swertes kling. daz kraut hât kainen

Page: 404  
Line: 1    
stengel, ez hât neur pleter auz seiner wurz gewahsen und
Line: 2    
ist zwairlai. ainz wehset an trucken steten, daz hât ain
Line: 3    
hôch pluomen in ains jâchandes varb, diu ist gar waich
Line: 4    
und gar wolsmeckent. daz ander wehset an wäzzerigen
Line: 5    
steten und hât auch ain hôch pluomen, aber diu ist gel\var   5
Line: 6    
und mösent an dem smack und hât ain knodot wurz,
Line: 7    
diu ist gar seiht in der erd und nâhen zemâl enplœzt
Line: 8    
von der erd. diu wurzel ist kalt unde fäuht. wenn man
Line: 9    
ain pflaster dar auz macht mit honig und mit öl und daz
Line: 10    
legt auf des milzes stat, benimt ez dem milz sein plæen   10
Line: 11    
und sein storren. daz kraut haizet auch carectum.



Chapter / Strophe: 43     43.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM HOPFEN.



Line: 14    
Humulus haizet hopf. daz ist gar ain langez kraut
Line: 15    
und praitet sein arm auf die paum und auf die mauren,   15
Line: 16    
pei ez wechset, sam ain prâmperstaud, die ze latein
Line: 17    
vepres haizent. des krautes pluom ist an kraft haiz und
Line: 18    
trucken und hât die art, daz man si gar lang behalten
Line: 19    
mag in irr kraft. si hât auch die kraft, daz si die zæhen
Line: 20    
fäuhten entsleuzt in dem menschen und anderswâ und si   20
Line: 21    
durchsneit unde behelt die flüzling, die ze latein liquores
Line: 22    
haizent, in kreften, alsô daz si niht prechent noch faulent,
Line: 23    
wenn man die hopfenpluomen dar zuo mischet. aber der
Line: 24    
hopf beswært dem menschen seinen leip. ez ist auch niht
Line: 25    
mêr adels an dem kraut wan diu pluom.   25



Chapter / Strophe: 44     44.
Line: 26    
Line: 27    
VON DEM PILSENKRAUT.



Line: 28    
Jusquiamus haizt pilsenkraut. daz ist gar ain kaltez
Line: 29    
kraut und ist sein sâm guot in vil erznei und hât die
Line: 30    
kraft, daz er küelt. wer seineu pleter alsô grüen zer\stœzt   30
Line: 31    
oder seinen sâmen und pindet der ainz auf die slæf
Line: 32    
pei den ôrn, pringent si grôzen slâf. sein sâm ist gar
Line: 33    
guot zuo dem slâf und dar umb, man korn oder ha\bern

Page: 405  
Line: 1    
mit seudet, waz vogel daz korn ezzent, die be\ginnent
Line: 2    
vast slâfen, daz man si mit der hant væht.
Line: 3    
den sâmen schol man kainem menschen ze ezzen geben,
Line: 4    
wan er tœtet und pringt den siehtum der vergezzenhait,
Line: 5    
daz ain mensch neur wil slâfen und vergizzet vil ding.   5
Line: 6    
der siehtum haizet in latein litargia. man schreibt von
Line: 7    
ainem pischolf, der het auz der mâzen vil anvehtung von
Line: 8    
der unkäusch zunder und versuocht wider mangerlai
Line: 9    
und ze letzt nam er daz saf des grüenen krauts und er\keltet
Line: 10    
sein manleich scham vaste mit, daz im der   10
Line: 11    
glust zemâl vergieng. daz öl, daz auz dem sâmen des
Line: 12    
krauts wirt gemacht, ist guot für der zende smerzen, der
Line: 13    
von haizer sach kümt, und ist auch guot für diu plæen
Line: 14    
und für alle die siehtüem, die von haizer sach koment.



Chapter / Strophe: 45     45.
Line: 15    
Line: 16    
VON DER ISPEN.



Line: 17    
Isopus haizt isp. daz kraut ist haiz und trucken,
Line: 18    
sam Platearius spricht, und ist nütz mit den pletern und
Line: 19    
mit den pluomen, aber mit der wurz niht. wer des krauts
Line: 20    
saf seudet und daz antlütz mit bestreicht, daz pringt   20
Line: 21    
im guoten smack. wenn man ispen kocht mit honig, daz
Line: 22    
ist der lungel guot. wer ispen mit veigen seudet und
Line: 23    
daz wazzer in diu ôrn treuft, daz benimt der ôrn smerzen.
Line: 24    
und genuog ander tugent hât si an ir, wenn man si be\raitet,
Line: 25    
als man lêrt in der ärzt kunst und in iren püechern.   25



Chapter / Strophe: 46     46.
Line: 26    
Line: 27    
VON DER LACTUKEN.



Line: 28    
Lactuca haizt lactukenkraut. daz ist daz aller eben\mæzigst
Line: 29    
kraut an seiner art, daz under allen kräutern ist,
Line: 30    
und macht guot pluot. sein sâm ist guot dar zuo, daz   30
Line: 31    
er slâf pringt und ist guot zuo den hitzigen apostemen an
Line: 32    
dem anvang. ain iegleich wisel und ain iegleich træger
Line: 33    
vogel, der von der slangen gehekt wirt, ezzent si der
Line: 34    
veltlactuken, si werdent sicher vor der vergift.

Page: 406  


Chapter / Strophe: 47     47.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER LILIGEN.



Line: 3    
Lilium haizt ain lilig. daz kraut ist gar erkant und
Line: 4    
hât ain schœn weiz pluomen mit sehs pletern und zemi\telst
Line: 5    
stêt ain gelbez nägel dar inn und dar umb stênt   5
Line: 6    
klaineu dingel mit gelben hauptleinn. diu lilig ist haiz
Line: 7    
und fäuht, sam Platearius spricht, und ist guot dar zuo,
Line: 8    
daz si die apostem waicht und zeitig macht. si verschäuht
Line: 9    
die slangen und ist guot für der scorpen hecken. der
Line: 10    
lilien wurz macht diu antlütz schœn, wenn man daz ant\lütz   10
Line: 11    
mit wescht, und vertreibt die rünzeln. si ist
Line: 12    
guot zuo der prunst, diu von haizem wazzer geschiht.
Line: 13    
wenn man die wurzel seudet mit rôsenöl, ist kain erz\nei,
Line: 14    
diu der geleich zuo dem smerzen, den diu muoter
Line: 15    
leidet in der frawen. diu wurzel öffent die âdern, die   15
Line: 16    
zuo dem aftern gênt. liligenöl ist guot für der vergiftigen
Line: 17    
tier piz, und zeuht die gepurt auz der muoter. Zuo der
Line: 18    
liligen geleicht der obrist got sein muoter und spricht
Line: 19    
'mein liep oder mein freundinn ist gestalt under andern
Line: 20    
töhtern, die auf erd sint, sam diu lilig ist gestalt un\der   20
Line: 21    
den dornstauden.' prüef, wie ain schœn wort! diu
Line: 22    
schœnst ob allen frawen ist gezogen under den sündærn
Line: 23    
und gewan doch nie kain mail von sündendorn. frawe,
Line: 24    
hêr und gnâden vol, des lâz mich geniezen.



Chapter / Strophe: 48     48.
Line: 25    
Line: 26    
VON DER ALRAUN.



Line: 27    
Mandragora haizet alraun. daz kraut ist haiz und
Line: 28    
trucken und wechst in den landen gegen der sunnen auf
Line: 29    
ganch und haizt sein wurzel labro. diu geleicht dem
Line: 30    
menschen, sam Avicenna spricht, und ist zwairlai: si und   30
Line: 31    
er, und der er hât pleter geleich piezenpletern; aber diu
Line: 32    
si hât pleter sam luctukenpleter, ân daz alraunpleter ain
Line: 33    
wênich scherpfer sint. die wurz âzen diu kinder si si
Line: 34    
des êrsten funden, und sturben ir vil von; aber etlei\chen

Page: 407  
Line: 1    
kom man ze helf mit puttern und mit honig. daz
Line: 2    
kraut tregt öpfel, die smeckent gar schôn und haizent
Line: 3    
erdöpfel. idoch sint ez ander erdöpfel dann die, wir
Line: 4    
vor von gesait haben. der alraun wurzel und ir rind, ir
Line: 5    
pleter und ir früht sint guot zuo erznei und habent die   5
Line: 6    
kraft, daz si zesamen ziehent und nagent. wilt den
Line: 7    
slâfen machen, der in ainer suht ligt, nim alraunpulver
Line: 8    
und misch daz mit frawengespünn und mit dem weizen
Line: 9    
ains ais und leg im ez mit ainem pflaster auf die stirn
Line: 10    
und pei den ôrn auf die slæf. wider den hauptsmerzen,   10
Line: 11    
der von hitz kümt, schol man des krauts pleter stozen
Line: 12    
und auf die slæf legen. man macht alraunöl alsô. des
Line: 13    
êrsten schol man des krauts pleter zestôzen gar wol und
Line: 14    
mischen mit paumöl und schol daz sieden mit enander
Line: 15    
und dar nâch seihen durch ain tuoch, daz haizt dann al\raunöl,   15
Line: 16    
daz pringt den slâf und vertreibt den haupt\smerzen
Line: 17    
und die fibrigen hitz, wenn man die stirn und
Line: 18    
die slæf mit salbet. seut sein wurzel mit wein unde
Line: 19    
gib ez dem ze trinken, dem man diu gelider schol ab\hacken,
Line: 20    
der enpfint des smerzen niht von übrigem slâf.   20
Line: 21    
wenn man des krautes wurzel ain tail in wein legt,
Line: 22    
macht er dester trunken und daz tuot allermaist des
Line: 23    
ern wurzel. aber der die selben wurzel vil nützt und vil
Line: 24    
dar zuo smeckt, daz pringt im daz vallend lait, daz ze
Line: 25    
latein apoplexia haizt. man setzt auch den frawen etwaz   25
Line: 26    
under von der wurzel zaher, daz zeucht die gepurt auz der
Line: 27    
muoter. der alraun sâm rainigt die muoter in der frawen,
Line: 28    
und wenn man in mischt mit swebel, der nie kain feur
Line: 29    
hât berüert, und ain fraw dar über sitzt, benimt ez ir
Line: 30    
der muoter fluz.   30



Chapter / Strophe: 49     49.
Line: 31    
Line: 32    
VON DER PAPELN.



Line: 33    
Malva haizt papel. daz kraut ist gemain und wol
Line: 34    
erkant und hât ain weiz pluomen, diu ist länkelot und
Line: 35    
naigt sich diu pluom alzeit gegen der sunnen; des mor\gens   35

Page: 408  
Line: 1    
gegen der sunnen aufganch, des âbents gegen der
Line: 2    
sunnen underganch und in mittem tag stêt si aufgerecht.
Line: 3    
daz kraut ist kalt und fäuht und waicht und öffent den
Line: 4    
leip, und wenn man ainen undersatz dar auz macht ainer
Line: 5    
swangern frawen, wirft ez ir die gepurt zehant auz,   5
Line: 6    
als man spricht.



Chapter / Strophe: 50     50.
Line: 7    
Line: 8    
VON DER MINZ.



Line: 9    
Menta haizt ain minz. daz kraut hât ainen rôten
Line: 10    
stengel, iedoch ist er etswenn grüen, aber diu minz, diu   10
Line: 11    
in dem wazzer wehst, diu ist rœtlot an dem stengel und
Line: 12    
an den pletern. daz kraut ist an der kraft haiz und tru\cken,
Line: 13    
sam Platearius spricht, iedoch ist diu veltminz haizer
Line: 14    
wan diu haimisch und diu haimisch ist pezzer zuo erznei
Line: 15    
wan diu wild. daz kraut hât die art, daz ez entsleuzt und   15
Line: 16    
verzert und kreftigt von seinem edelen smack. wem der
Line: 17    
munt übel smeck und im daz zantflaisch niht frisch sei,
Line: 18    
alsô daz ez im leiht pluot, der wasch den munt mit ez\zeich,
Line: 19    
der mit minzen sei gesoten, und reib daz zant\flaisch
Line: 20    
dar nâch mit dürren minzenpletern, wirt er ge\sunt.   20
Line: 21    
wein gesoten mit minzen und mit wazzer ist gar
Line: 22    
guot für der lebern verschoppen und des milzen, ob ez
Line: 23    
von kalter fäuht ist. wenn man trank gibt wider vergift
Line: 24    
daz sol man geben mit minzensaf. wer gesoten wein
Line: 25    
mit minzen trinkt oder iren pulver in ezzen nimt, dem   25
Line: 26    
sterkt si den magen. diu minz hât auch die art, man
Line: 27    
si pflanzet zuo andern kräutern und allermaist zuo köl,
Line: 28    
læt si kain schedleich tier wahsen. ist auch, daz man
Line: 29    
ir ain stückel oder mêr in ain milich legt, die læt si niht
Line: 30    
zuo kæs werden. wenn man ir saf trinkt mit ezzeich, daz   30
Line: 31    
benimt des pluots lauf von inwendig auz dem leib.



Chapter / Strophe: 51     51.
Line: 32    
Line: 33    
VON DEM MAROBEL.



Line: 34    
Marrubium haizt marobel oder sigminz und haizt
Line: 35    
auch ze latein prassium, daz kraut hât raucheu pleter   35

Page: 409  
Line: 1    
runzloteu nâhen sam die nezzel, die niht prennent, und
Line: 2    
ist zwaierlai: daz ain weiz, daz ander swarz. daz weiz
Line: 3    
ist gevar sam ob sein pleter gesprengt sein mit melb,
Line: 4    
aber daz swarz ist praun und hât der sprinkel niht. daz
Line: 5    
kraut ist haiz und trucken an der kraft, sam Platearius   5
Line: 6    
spricht, und clært die stimm und rainigt die prust und
Line: 7    
ist guot für daz plæen an den afternâdern, die emoroides
Line: 8    
haizent, wenn man ez berait nâch arztei lêr.



Chapter / Strophe: 52     52.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEM NARDENKRAUT



Line: 11    
Nardus haizt nardenkraut. daz ist voller dorn und
Line: 12    
smeckt sam der cipressenpâm, als Platearius spricht, und
Line: 13    
hât scharpfeu pleter und wechst in den zwain landen
Line: 14    
India und Syria. daz von India hât mangerlai gestalt,
Line: 15    
aber daz von Syria ist pezzer; wenn man ez lang in dem   15
Line: 16    
mund hât, macht ez die zungen trucken. man hüett
Line: 17    
seiner pluomen gar vast neur durch irs edeln smacks willen.
Line: 18    
daz kraut ist haiz und trucken und ist guot für die âmaht,
Line: 19    
diu syncopis haizt, wenn ainz unredent wirt, und ist auch
Line: 20    
guot wider der prust und des herzen krankhait, diu ze   20
Line: 21    
latein cardiaca haizet, wenn man ez seudet in rôsen\wazzer
Line: 22    
und zucker dar zuo tuot und ainen syropel macht;
Line: 23    
aber für des hirns krankhait helt man daz kraut zuo der
Line: 24    
nasen, und daz hilft auch für des hauptes fluz, der ze
Line: 25    
latein reuma haizt. für des magen kelten und für des   25
Line: 26    
gedärms stichelsuht, diu von kalter fäuhten kümt und für
Line: 27    
daz verschoppen der lebern und des milzes gibt man wein
Line: 28    
gekocht mit dem kraut. man macht gar ain edel salb
Line: 29    
auz des krautes ehern, reht sam man öl macht auz kran\witen,
Line: 30    
von den wir vor gesait haben. daz selb öl oder   30
Line: 31    
diu salb ist guot für daz paralis und für diu zwai val\lenden
Line: 32    
lait, der ainz apoplexia haizt und daz ander epi\lencia,
Line: 33    
und ist guot für der âdern gegiht, daz artetica
Line: 34    
haizt, und für der füez und der pain giht, daz podagra
Line: 35    
haizt, und für der hend giht, daz ciragra haizt, wenn   35

Page: 410  
Line: 1    
man diu gelider mit salbet. Dem kraut und seiner
Line: 2    
pluomen geleicht diu hailig christenhait unser frawen,
Line: 3    
dar umb, daz si voller genâden ist, sam daz kraut voller
Line: 4    
genâden ist.



Chapter / Strophe: 53     53.
Line: 5    
Line: 6    
VON DEM KRESSEN.



Line: 7    
Nasturtium haizt kress. daz ist ain gemainez kraut
Line: 8    
und ist an der kraft haiz und trucken und derret die
Line: 9    
faulen fäuht in lærem leib und behelt daz auzvallend hâr.
Line: 10    
wenn man ez in trank nimt und sich mit salbet,    10
Line: 11    
ist ez guot zuo den apostemen und zuo den gesweren.
Line: 12    
man ez mischet mit salz und mit honig, ist ez guot
Line: 13    
für den nagenden siehtum, der ze latein ignis persicus
Line: 14    
haizt und haizent in etleich laien daz hellisch feur, und
Line: 15    
ist guot für die gemaineu waichung der âder und rainigt   15
Line: 16    
die lungel und ist nütz für des âtem gepresten, wer den
Line: 17    
niht wol gehaben mag von dem siehtum, der asma haizt.
Line: 18    
er erhitzt auch den magen und die lebern und ist guot
Line: 19    
für des milzes diezen und für sein plæn. idoch ist er
Line: 20    
dem magen etswie vil schad. daz kraut mêrt auch die   20
Line: 21    
unkäusch und mêrt der frawen haimleichait, diu menstrua
Line: 22    
haizt, und wirft die gepurt auz der muoter. aber stœzt
Line: 23    
man ez niht und zereibt ez, behelt ez si. ez ist auch
Line: 24    
für der vergiften tier hecken guot und hât vil anderr
Line: 25    
kreft, wenn man ez reht und wol beraitet.   25



Chapter / Strophe: 54     54.
Line: 26    
Line: 27    
VON DER SÊWURZ.



Line: 28    
Nenufar haizt sêwurz oder sêkraut. daz hât praiteu
Line: 29    
pleter, diu swimment auf den sêen oder auf andern stên\den
Line: 30    
wazzern, und haizt sein pluom aigencleichen nenufar.   30
Line: 31    
diu pluom ist zwairlai: gel und weiz, und des krautes
Line: 32    
wurzel, diu auz dem land India kümpt, diu hât vil der
Line: 33    
werk, diu diu alraun hât. des krautes wurzel ist zwair\lai:
Line: 34    
weiz und swarz, und daz mit der weizen wurzel ist

Page: 411  
Line: 1    
sterker wan daz ander. sein pluom ist kalt und fäuht
Line: 2    
und sein wurzel ist zuo mangen dingen guot, wenn man
Line: 3    
si beraitet nâch der ärzt lêr, wan si machent si für den
Line: 4    
fäuhten siehtum, der morphea haizt, und für die gesweren.
Line: 5    
si pringt slâf und benimpt den hauptsmerzen, der von   5
Line: 6    
kalter sach kümt, aber si krenkt der unkäusch gir,
Line: 7    
wenn man si nimpt in ainem syrop von mâgen gemacht.



Chapter / Strophe: 55     55.
Line: 8    
Line: 9    
VON DER ROTEN KORNPLUOM.



Line: 10    
Nigella haizt rôteu kornpluom. daz ist ain erkantz   10
Line: 11    
kraut und wehset in dem korn und hât klaineu pleter
Line: 12    
und ainen langen stengel, der ist grüen und rauch und
Line: 13    
hât ain rôte pluomen und ist sein sâm swarz. daz kraut
Line: 14    
ist an kraft haiz und trucken und entsleuzt die wind und
Line: 15    
daz plæen in dem leib und benimpt plaich varb. ez   15
Line: 16    
entsleuzt auch und swentet die herten apostem, wenn
Line: 17    
man ez mit ezzeich tempert, und man ez mit ezzeich
Line: 18    
seudet und der munt mit wescht, daz benimt den
Line: 19    
zantsmerzen. ez sprechent auch etleich wollenweber, daz
Line: 20    
ez daz wullein tuoch gar weiz rainig.   20



Chapter / Strophe: 56     56.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM NAPPELNKRAUT.



Line: 23    
Nappellus haizt nappelnkraut. daz wechst auf des
Line: 24    
mers gestat und ist gar vergiftig und auz der mâzen schad
Line: 25    
und ist überhitzig und trucken mit seiner kraft, und wenn   25
Line: 26    
man sich mit salbet, benimt ez dem leib seineu
Line: 27    
mail und sein fleck, und wenn man ez in trank nimt und
Line: 28    
ez macht, sam die ärz lêrent, hilft ez für den auzsetzel,
Line: 29    
aber ez ist im ain vergift wer sein über ain halb unz
Line: 30    
trinkt, und noch clainer tœtt den menschen, sam etleich   30
Line: 31    
sprechent. ez ist auch ain wunder, daz ain klaineu maus
Line: 32    
sich nert von den nappeln, und diu ist ain driakers wider
Line: 33    
des nappeln vergift und die wahteln ezzent auch daz kraut
Line: 34    
und sterbent niht von.

Page: 412  



Chapter / Strophe: 57     57.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM KRÄSSELKRAUT.



Line: 3    
Orpinum haizt krässelkraut und haizt auch ze latein
Line: 4    
crassula. daz kraut ist kalt und fäuht und ist zuo den
Line: 5    
zerprochen painen guot. ez hât die art, wer ez nimt   5
Line: 6    
zehen tag vor der sumersunwenden und hæht ez in ain
Line: 7    
haus an den luft, grüenet ez durch daz jâr nâhent,
Line: 8    
iedoch ân aller erd hilf und ân wazzers hilf, und wenn
Line: 9    
ez dorret an ainer seiten, wirt ez wider grüen an der
Line: 10    
andern seiten. des krautes hât man vil ze Parîs in den   10
Line: 11    
häusern, und ist guot für der lebern überhitz und küelt
Line: 12    
gar vast und macht daz gesiht dunkel unde sneidet daz
Line: 13    
harmwazzer ab, alsô daz ez niht fleuzt, und benimt auch
Line: 14    
der frawen haimleichen fluz und hindert die unkäusch.



Chapter / Strophe: 58     58.
Line: 15    
Line: 16    
VON DER VELTPLUOMEN.



Line: 17    
Oculus porci haizt ain veltpluom und haizt auch ze
Line: 18    
latein flos camlu und haizent si die gäwläut etswâ himel\slüzzel.
Line: 19    
diu pluom wechst gern auf den hœhen pei den
Line: 20    
strâzen an trucken steten und hât ain lustig wurzel, die   20
Line: 21    
izt man und grebt si auz, den sweinen zuo ainer kost.
Line: 22    
diu pluom hât ainen hôhen stengel, stêt auf diu pluom
Line: 23    
ze obrist und ist gar lieht und schœn, und man si
Line: 24    
derrt, behelt si dannoch die selben varb. sein kraut
Line: 25    
hât klaineu pleter, diu sint smal. diu pluom ist haiz   25
Line: 26    
und trucken ebenmæzicleich.
Line: 27    
Der pluomen und der lilien geleicht sich unser fraw in
Line: 28    
der geschrift und spricht 'ego flos campi etc.,' daz spricht:
Line: 29    
ich pin ain veltpluom und ain lilig der zuotal. eyâ, nu
Line: 30    
prüef! si ist ain liehtprehendeu veltpluom, wan si stêt an   30
Line: 31    
der strâz der gnâden: wenn der sündær dar an kümt,
Line: 32    
erscheint im diu pluom mit voller parmherzichait und ist
Line: 33    
ain lilig der zuotal, sich die zwên perg zuo ainander
Line: 34    
naigent: gerehtikait und parmherzikait, anders der sün\dær
Line: 35    
wær verlorn.   35

Page: 413  



Chapter / Strophe: 59     59.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER GERSTEN.



Line: 3    
Ordeum haizt gerst. daz gerstenkorn gibt niht
Line: 4    
guot mel sam andreu korn, diu man melt. Avicenna
Line: 5    
spricht, daz rokkenkorn der art sei, der diu gerst ist,   5
Line: 6    
und spricht daz dar umb, daz der rok wind macht in
Line: 7    
dem leib sam diu gerst. aber an andern dingen sint si
Line: 8    
ungeleich, und wæn ich Megenberger, daz daz rokken\korn
Line: 9    
trag an narung mêr überain mit dem waizen wan
Line: 10    
mit der gersten, und dar umb besloz ich ez mit dem   10
Line: 11    
waizenkorn, ich von rette. daz gerstenkorn ist an
Line: 12    
der kraft kalt und trucken und sein narung ist klainer
Line: 13    
wan des waizenkorns; aber gerstenwazzer fuort paz wan
Line: 14    
daz gerstenkorn selber, iedoch fäuht des rokkenkorns waz\zer
Line: 15    
mêr wan daz gerstenwazzer und ietweders wazzer plæt,   15
Line: 16    
aber man vindet kain wazzer, daz siechen läuten pezzer
Line: 17    
sei wan daz gerstenwazzer, daz ze latein ptisana haizt,
Line: 18    
wan ez fäuht diu dürren glider und leschet die hitz in
Line: 19    
dem menschen und widerpringt die verlorn kraft und
Line: 20    
kreftigt. ez ist auch gerstein mel zuo mangem pflaster   20
Line: 21    
guot und ist doch daz gerstenwazzer dem magen schad
Line: 22    
von seiner kelten wegen.



Chapter / Strophe: 60     60.
Line: 23    
Line: 24    
VON DEM PETERSIL.



Line: 25    
Petrosilium haizt petersil. daz kraut ist an der   25
Line: 26    
kraft haiz und trucken, sam Platearius spricht, und ist
Line: 27    
zwaierlai: wild und haimisch. daz haimisch zimpt mêr
Line: 28    
zuo erznei und hât die kraft, daz ez daz harmwazzer
Line: 29    
däwt und ist guot für den harmstein paideu kraut und
Line: 30    
wurzel, und wer daz kraut in anderm ezzen izzt, dem   30
Line: 31    
sterkt ez daz ezzenkochen in dem magen und benimt die
Line: 32    
wint in dem leib. petersil hât vil der kreft, die der
Line: 33    
epfeich hât, und ist im geleich an der gestalt, ân daz
Line: 34    
sein stengel und seineu pleter klainer sint wan des
Line: 35    
epfeichs, daz apium haizet ze latein.   35

Page: 414  


Chapter / Strophe: 61     61.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM MAGENKRAUT.



Line: 3    
Papaver haizt mâgenkraut. daz ist kalt und trucken,
Line: 4    
sam Platearius spricht. ez ist zwaierlai mâgen: ainer ist
Line: 5    
weiz und der ander swarz, und der weiz ist kalt und   5
Line: 6    
fäuht, aber der swarz ist kalt und trucken und negt mêr
Line: 7    
wan der weiz. sein sâm ist guot zuo erznei und pringt
Line: 8    
slâf und sänftigt in vil dingen und negt auch in vil sa\chen.
Line: 9    
man macht ain pflaster auz mâgensâmen und auz
Line: 10    
frawengespünn und von weizem ains ais und legt daz auf   10
Line: 11    
die slæf pei den ôrn. daz hilft für die apostem an dem
Line: 12    
anvang. wider der lebern überhitz ist daz selb auch
Line: 13    
guot; wenn man aber neur rôsenöl zuo mâgensâmen tuot,
Line: 14    
daz ist pezzer für die haizen apostem. für die dürren
Line: 15    
der prust mache diapapaveron, daz ist ain electuari ge\macht   15
Line: 16    
auz mâgensâmen und auz lakritzenzahersaf, daz
Line: 17    
man süezholz haizt, und von arabischem zaher, der gummi
Line: 18    
arabicum haizt, und von tragant, von den allen wir vor
Line: 19    
gesait haben, und temper diu mit syropel, der dar zuo
Line: 20    
zimleich wirt.   20



Chapter / Strophe: 62     62.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM PEONKRAUT.



Line: 23    
Peonia haizet peonkraut. daz geleicht an den pletern
Line: 24    
etswie vil der nieswurz und sint under derlai kräutern
Line: 25    
paideu er und si, aber diu si hât praitereu pleter wan   25
Line: 26    
der er. daz kraut füert auz ainer wurzel vil langer ple\ter
Line: 27    
und aufgericht und diu sint gar rôt, wenn si her für
Line: 28    
lauzent des êrsten, und dar nâch werdent si ie lenger ie
Line: 29    
grüener. daz kraut, paideu si und er, hât gar ain rôt
Line: 30    
pluomen mit mêr praiten pletern wan der rôsen pleter   30
Line: 31    
sint, und die pluomen pringt ez under ainer deck, diu
Line: 32    
ist nâhen sam der sêpluomen deck, und diu deck tuot
Line: 33    
sich auf in vier stück und læt die pluomen auz und naigt
Line: 34    
sich diu deck gegen dem stengel. dar nâch wehst ain
Line: 35    
ander deck in der pluomen, diu ist länkelot und dar inne   35

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Line: 1    
wehset swarzer sâm, der scheint vor swerz. wenn der
Line: 2    
sâm zeitig wirt, tuot sich diu deck selber auf, diu ist
Line: 3    
inwendig rôt, velt der sâm dar auz. der er des krautes
Line: 4    
hât wurz grôz sam ain vinger, aber diu si tailt ir wurzeln
Line: 5    
und iren stengel in vil tail. daz kraut ist an der kraft   5
Line: 6    
haiz und trucken, sam Platearius spricht, und hât die art,
Line: 7    
daz ez diu swarzen mail abstreicht an dem leib und ist
Line: 8    
guot für der pain siehtum oder für der füez geprechen,
Line: 9    
der ze latein podagra haizt. sein sâm ist guot für
Line: 10    
daz vallent lait, daz ze latein epilencia haizt. man hât   10
Line: 11    
daz gesehen, wenne man die kern ainem menschen an den
Line: 12    
hals hieng, daz si hulfen für den siehtum, sam Galiênus
Line: 13    
spricht. iedoch vint man daz niht an der gemainen peon.
Line: 14    
Isaac der jud spricht, wer ainen underrauch mache von
Line: 15    
des krautes sâmen, daz sei den teufelhaftigen läuten guot,   15
Line: 16    
die ze latein demoniaci haizent, und den hinvallenden,
Line: 17    
die epilentici haizent; des krautes fruht genomen mit
Line: 18    
rôsenhonig und getrunken, daz sei den selben siechen
Line: 19    
auz der mâzen gesunt, und wer der körner fünfzeheneu
Line: 20    
trink mit rôsenhonig, daz sei guot für die gaist, die pei   20
Line: 21    
den frawen slâfent in mannes weis, die ze latein incubi
Line: 22    
haizent. des krautes sâm sterket auch den magen und
Line: 23    
sein wurzel ist guot für die gelsuht, diu ze latein ictericia
Line: 24    
haizt, und öffent der lebern verschoppen, daz oppilacio
Line: 25    
epatis haizt. des krautes wurzel gesoten und getrunken   25
Line: 26    
mit wein als grôz sam ain mandelkern, daz reinigt den
Line: 27    
menschen von seiner fäuhten und fürbt die stinkenden
Line: 28    
überflüzzichait auz im.



Chapter / Strophe: 63     63.
Line: 29    
Line: 30    
VON DEM PFORREN.



Line: 31    
Porrum haizt ain pforr oder lauch, aber daz êrst
Line: 32    
däutsch ist nâch der latein genomen. der pforr ist haiz
Line: 33    
und trucken und erweckt und pringt auch die pœsen
Line: 34    
fäuht in dem leib, diu colera haizt. der veltpforr ist
Line: 35    
hitziger wan der haimisch. er beswært daz haupt und   35

Page: 416  
Line: 1    
pringt pœs träum in dem slâf und laidigt die zend und
Line: 2    
daz zantflaisch. welhez tier den pfarren izzet, ez sei rint
Line: 3    
oder schâf, des flaisch smeckt zemâl nâch dem pfarren,
Line: 4    
und izt ain rint pfarren, sein milch smeckt dar nâch ze
Line: 5    
dem minsten zwên tag. der pforr ist dem magen schad   5
Line: 6    
und plæt und læt sich niht gern kochen in dem magen,
Line: 7    
und dar umb, man in ezzen wil, muoz man in
Line: 8    
sieden in zwain wazzern. er pringt daz harmwazzer und
Line: 9    
der frawen haimleichait und pringt unkäusch und aller\maist
Line: 10    
sein sâm, wie daz sei, daz er den nieren schad   10
Line: 11    
und der plâtern.



Chapter / Strophe: 64     64.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM PÖRZELKRAUT.



Line: 14    
Portulaca haizt pörzelkraut. daz kraut spannet mit
Line: 15    
seinem stengel auf die erd und hât dickeu plätel nâhen   15
Line: 16    
sam diu jung hauswurz und ist sein saf zæch. daz kraut
Line: 17    
ist an kraft kalt und fäuht und widerstêt dem rôten fluz
Line: 18    
gar vast und widerstêt auch vesticleich der fäuhten in dem
Line: 19    
leib, diu colera haizt; aber wenn man des krautes ze vil
Line: 20    
izzet, pringt ez daz vel in den augen. ez ist guot für   20
Line: 21    
die überhitz in dem magen und in der lebern, aber ez
Line: 22    
benimt den lust ze ezzen und die begir der unkäusch.
Line: 23    
iedoch der ain hitzig trucken nâtûr hât, dem hilft ez zuo
Line: 24    
der unkäusch. des krautes izt man vil ze Parîs.



Chapter / Strophe: 65     65.
Line: 25    
Line: 26    
VON DER POLAIEN.



Line: 27    
Polegium haizt polai. daz kraut ist klain und sme\cket
Line: 28    
nâhent sam die ispen und ist an der kraft haiz und
Line: 29    
trucken und fuort diu schâf gar wol und hât die art, daz
Line: 30    
ez an sich zeucht und daz ez entsleuzt.   30



Chapter / Strophe: 66     66.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEM PSILLENKRAUT.



Line: 33    
Psillium haizt psillenkraut und haizt sein sâm psil\lensâm.
Line: 34    
daz kraut ist kalt und fäuht, sam Platearius

Page: 417  
Line: 1    
spricht, und hât die art, daz ez küelt und fäuht macht
Line: 2    
und ist wider daz derren guot in haizen sühten. man
Line: 3    
schol die zungen des êrsten schaben mit ainem mezzer
Line: 4    
und schol den sâmen in ain lindez tüechel pinden und
Line: 5    
in dar inn dunken in ain kaltez wazzer und schol die   5
Line: 6    
zungen mit reiben und schol den sâmen under der
Line: 7    
zungen haben für den durst wider die dürren huosten,
Line: 8    
diu von der gaistleichen gelider krankhait kümt, und für
Line: 9    
des leibes twanch. nim psillensâmen und leg in ain weil
Line: 10    
in ain wazzer und tuo daz wazzer hin und gib in dann   10
Line: 11    
dem siechen mit ainem andern kalten wazzer.



Chapter / Strophe: 67     67.
Line: 12    
Line: 13    
VON DER RAUTEN.



Line: 14    
Ruta haizet raut. daz kraut ist haiz und trucken,
Line: 15    
sam Platearius spricht, und seineu pleter und auch sein   15
Line: 16    
sâm sint guot zuo erznei. wenn man ez pulvert und ez
Line: 17    
in sich zeucht mit der nasen, entsleuzt ez und verzert
Line: 18    
die wäzzrigen fäuhten, diu flegma haizt, und rainigt daz
Line: 19    
hirn. wein gesoten mit rauten ist zuo dem selben auch
Line: 20    
guot und die selben erznei sint auch guot wider daz fal\lent   20
Line: 21    
lait, daz epilencia haizt, wenn man der peon pulver
Line: 22    
dar zuo tuot. wem daz gesiht tunkel sei von übrigem
Line: 23    
rauch in dem haupt, der leg rauten in ain vaz mit most
Line: 24    
und niez die oder nem gesoten wein mit rauten und mit
Line: 25    
pibergail. welheu frawe ir gewonleich haimleichait well   25
Line: 26    
pringen oder des kindes pälgel her für well pringen wenn
Line: 27    
si des kindes genesen ist oder die tôten purt von ir trei\ben
Line: 28    
well, diu trink rautensaf. wem diu gelider tuon
Line: 29    
von vallen oder von andern sachen, der hitzig rauten in
Line: 30    
ainem scherben und pint die dar auf. wem ain gelid   30
Line: 31    
zerplæt ist, ez sei arm oder pain, der nem rauten gar wol
Line: 32    
zestôzen unde misch die mit ungesalzner puttern und leg
Line: 33    
daz auf die stat und leg dann dar auf ain tuoch, daz
Line: 34    
geküelt sei in wazzer, sitzet daz plæen nider oder der
Line: 35    
siehtum sleht an der stat her auz mit klaineu pläterleinn.   35

Page: 418  
Line: 1    
und vergêt der smerz. wem diu augen rôt sein und
Line: 2    
krank, der nem kümelpulver und twer daz mit rautensaf
Line: 3    
und tunk ain paumwoll dar ein und leg die dar auf.
Line: 4    
und daz selb ist auch guot für die gilb in den augen.
Line: 5    
wer rautensaf trinkt, daz ist guot für vergift. wen ain   5
Line: 6    
vergiftig tier peiz oder ain tobent hunt, der zereib rauten
Line: 7    
und leg si auf die wunden. diu raut vertreibt des knob\lauchs
Line: 8    
und der zwival smack und pringt lust ze ezzen
Line: 9    
und kreftigt den magen und ist dem milz guot und swen\det
Line: 10    
die unkäuschen fäuhten und benimt den lust der un\käusch.   10
Line: 11    




Chapter / Strophe: 68     68.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM RÄTICH.



Line: 14    
Raphanus haizet rätich, aber die Kriechen haizent
Line: 15    
die wurz radicem, die wir raphanum haizen. Democritus   15
Line: 16    
spricht, wer sein hend reib mit zeitigem rätichsâmen,
Line: 17    
der müg slangen angreifen und handeln ân schaden. daz
Line: 18    
helfenpain wirt weiz von dem rätich. rätich widerstêt der
Line: 19    
vergift in ezzen, und wer sein wurz izzt, der darf der
Line: 20    
slangen niht fürhten. die Kriechen sprechent, daz zwair\lai   20
Line: 21    
kraut sei, die áin art haben. der haiz ainz raphanus,
Line: 22    
von dem wir nu sagen, und daz ander radix, daz spricht
Line: 23    
wurz, und haizt dar umb wurz, daz sein wurzel grôz ist
Line: 24    
und lanch, oben prait und niden spitzig. ich Megen\bergær
Line: 25    
wæn, daz diu wurz, diu etswâ merretich haizt und   25
Line: 26    
anderswâ kren, radix haiz ze latein, und daz der reht
Line: 27    
rätich raphanus haiz; aber die Kriechen wehselnt die
Line: 28    
zwên namen, sam vor gesprochen ist, und haizent den
Line: 29    
rätich radicem und den kren raphanum. wie dem nu sei,
Line: 30    
wizz, daz der rätich an kraft haiz und fäuht ist und   30
Line: 31    
pringt wind in dem leib, aber sein sâm entsleuzt die wind.
Line: 32    
wenn man ain pflaster macht von rätich und legt daz auf
Line: 33    
diu mail an dem leib und auf die mâsen, die von slegen
Line: 34    
koment, die vertreibt ez. der rätich macht vil würmel
Line: 35    
an den läuten, die ich hie vor füezling hiez. er ist dem   35
Line: 36    
haupt schad und den zenden und dem drüzzel und den

Page: 419  
Line: 1    
augen. wer in izzet vor tisch, dem macht er daz ezzen
Line: 2    
swimment in dem magen und ruot niht, aber wer in iz\zet
Line: 3    
nâch anderm ezzen, dem macht er den leip vertig
Line: 4    
und senkt daz ezzen hin ab.



Chapter / Strophe: 69     69.
Line: 5    
Line: 6    
VON DER RUOBEN.



Line: 7    
Rapa haizt ruob. diu ruob und auch ir kraut sint
Line: 8    
an der art kalt und fäuht und plæent gar vast, man für\köm
Line: 9    
ez denn an dem kochen, und dar umb schol man
Line: 10    
daz êrst wazzer hin giezen, dar inn man si seudet. die ge\soten   10
Line: 11    
ruoben waichent den leip und machent ingeng,



Chapter / Strophe: 70     70.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM REIS.



Line: 14    
Risum haizt reis. daz ist ain korn, des halm, eher
Line: 15    
und pleter geleichent der gersten. daz reis ist an kraft   15
Line: 16    
warm und trucken, iedoch ist sein trücken offenleicher
Line: 17    
wan sein werm, aber ez ist wermer dan der waiz. wenn
Line: 18    
man daz reis seudet mit mandelmilch, fuoret ez paz
Line: 19    
wan sunst; aber man ez mit wazzer kocht, twingt
Line: 20    
ez den leip etswie vil und mêrt die fäuhten oder den   20
Line: 21    
sâmen der unkäusch.



Chapter / Strophe: 71     71.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEM WAITKRAUT.



Line: 24    
Sandix haizet waitkraut. daz kraut hât ain rôt
Line: 25    
wurzel und hât pleter nâhent sam diu lactuken, ân daz   25
Line: 26    
si smeler sint und spitziger, und ist den verbern guot,
Line: 27    
die tuoch mit verbent und dar nâch ander varb
Line: 28    
dar zuo mischent. des krautes ist in Dürgen vil umb
Line: 29    
Ertfurt.



Chapter / Strophe: 72     72.
Line: 30    
Line: 31    
VON DEM GAIZVENICHEL.



Line: 32    
Siler montanum haizt gaizvenichel. daz kraut ist
Line: 33    
gestalt sam der reht venichel, ân daz sein sâm grœzer
Line: 34    
ist wan des rehten venichls sâm, aber ez hât nâhent die
   

Page: 420  
Line: 1    
selben aigenchait und die art, die der reht venichl hât.
Line: 2    
daz kraut ist an kraft haiz und trucken, und sprechent
Line: 3    
etleich, wenn die gaiz unkäuschen wellen und etleich
Line: 4    
andreu tier, ezzen si des krauts und werden zehant
Line: 5    
swanger. alsô spricht Alexander der arzt.   5



Chapter / Strophe: 73     73.
Line: 6    
Line: 7    
VON DER VELTISPEN.



Line: 8    
Saturegia haizet veltisp. daz kraut hât pleter sam
Line: 9    
diu reht isp, aber sein stengel ist kürzer wan der ispen
Line: 10    
stengel und hât auch mêr est an dem stengel und hât   10
Line: 11    
weizplâ plüemel. daz kraut ist haiz und fäuht und er\weckt
Line: 12    
die unkäusch an dem menschen.



Chapter / Strophe: 74     74.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM PERCHKICHER.



Line: 15    
Staphisagria haizt perchkicher, und haizent ez etleich   15
Line: 16    
läuskraut mit urlaub und haizet auch ze latein uva passa
Line: 17    
montana. daz ist ain swarz korn sam der swarz kicher,
Line: 18    
aber ez ist klainer und vint man sein gar vil auf dem
Line: 19    
perg Libano, und ist an der kraft haiz und trucken und
Line: 20    
prennet und negt und ist scharpf auf der zungen und   20
Line: 21    
tœtt die leutswürmel. man keut ez in dem mund, dar
Line: 22    
umb, daz ez die fäuhten auz dem hirn ziech, diu flegma
Line: 23    
haizt, und von den zenden. wer den sâmen trinkt mit
Line: 24    
ezzeich, dem benimt er den zantsmerzen und rainigt im
Line: 25    
die zend und daz zantflaisch von dem faulen pluot und   25
Line: 26    
von anderr unsauberkait. wenn man den sâmen pulvert
Line: 27    
und pint in in ain tuoch, samnent sich all diu läuts\würmel
Line: 28    
dar zuo, diu an dem menschen sint, und ster\bent
Line: 29    
pei.



Chapter / Strophe: 75     75.
Line: 30    
Line: 31    
VON DER STAINPRECH.



Line: 32    
Saxifraga haizt stainprech. daz ist ain klainez kräu\tel
Line: 33    
und wehset gern an santigen steten und ist an kraft

Page: 421  
Line: 1    
haiz und trucken. wenn man des krautes wurzel nimt in
Line: 2    
wein, pricht si den stain in der plâtern. diu wurzel ist
Line: 3    
auch für der lenden smerzen guot, oder wer der wurzeln
Line: 4    
pulver in ainem waichen ai in sich säuft, daz ist auch
Line: 5    
für guot.   5



Chapter / Strophe: 76     76.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM SALVEI.



Line: 8    
Salvia haizet salvei. daz kraut ist haiz und trucken,
Line: 9    
sam Platearius spricht. des krauts pleter sint guot zuo
Line: 10    
erznei. der salvei ist zwaierlai, wilt und haimisch. des   10
Line: 11    
wilden wurzel legt man in erznei und des haimischen
Line: 12    
pleter. der haimisch salvei verzert und kreftigt, und
Line: 13    
man wein mit seudet, daz ist guot wider daz paralis
Line: 14    
und wider daz vallent lait, daz epilencia haizt. die kroten
Line: 15    
ezzent gern salvei, aber man scheuht si von, der nâ\hent   15
Line: 16    
rauten pei setzt. daz kraut haizet auch ambrosia
Line: 17    
deorum ze latein.



Chapter / Strophe: 77     77.
Line: 18    
Line: 19    
VON DEM MÄUSZWIVAL.



Line: 20    
Squilla haizt mäuszwival, dar umb, daz daz kraut   20
Line: 21    
die mäus tœtet. des krautes pleter sint gestalt sam diu
Line: 22    
liligenpleter und ist ainerlai des krautes, daz ist vergiftig
Line: 23    
und tœtleich, und wânten etleich, ez wær napelnkraut,
Line: 24    
aber daz ist niht wâr und dar umb ist daz puoch valsch,
Line: 25    
daz ze latein hât cepa maris, daz spricht merzwival, ez   25
Line: 26    
schol sprechen cepa muris, daz spricht mäuszwival, sam
Line: 27    
ich vor gesprochen hân. ez ist auch ainer andern lai
Line: 28    
des krautes, daz ist guot und smeckt wol und ist an der
Line: 29    
kraft haiz und trucken, daz benimt dem mund seinen ge\stank
Line: 30    
und wer ez izzt, dem macht ez daz gesicht scharpf   30
Line: 31    
und ist guot für die wazzersuht und für die gelsuht und
Line: 32    
pringt daz harmwazzer und der frawen haimleichait und
Line: 33    
macht abpurt in den swangern frawen, alsô daz si der
Line: 34    
kindel ê der zeit genesent. ez spricht ain zaubrær, wer
Line: 35    
daz kraut hæch über die tür an dem haus, wer ez   35
Line: 36    
den vergiftigen tiern iren einganch.

Page: 422  



Chapter / Strophe: 78     78.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER SINGRÜEN.



Line: 3    
Semperviva haizet singrüen. daz kraut hât pleter
Line: 4    
sam der puchspaum, ân daz des krautes pleter grœzer
Line: 5    
sint und dicker und sint winter und sumer gleich grüen.   5
Line: 6    
daz kraut ist an kraft kalt und trucken.



Chapter / Strophe: 79     79.
Line: 7    
Line: 8    
VON DEM SENIF.



Line: 9    
Sinapis haizet senif. daz kraut ist haiz und trucken
Line: 10    
und durchsneidet die zæhen fäuhten, diu ze latein flegma   10
Line: 11    
haizt, und von seinem rauch vliehent die vergiftigen würm.
Line: 12    
der senif ist zwaierlai, wilt und haimisch, aber der wild
Line: 13    
macht pœs fäuhten in dem leib. der haimisch senif ist
Line: 14    
guot zuo vil dingen. sein pleter und sein wurzeln sint
Line: 15    
nütz, der si seudet zuo ezzen. er rainigt daz antlütz   15
Line: 16    
und meldet daz faul pluot in dem menschen. ain pflaster
Line: 17    
von gemacht benimt aiter und ander unrainikait. ez
Line: 18    
sprechent auch etleich, wer den senif nüehtarn trink,
Line: 19    
dem klær ez die vernunft und rainig daz hirn, aber
Line: 20    
er sei der prust niht guot. er pringt auch die gir der   20
Line: 21    
unkäusch.



Chapter / Strophe: 80     80.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEM LINSAT.



Line: 24    
Semen lini haizet linsât. der sâm ist der art, daz er
Line: 25    
nâhen geleich tregt zwischen fäuht und trucken an der   25
Line: 26    
kraft und hât die art, daz er abwescht und zeitigt und
Line: 27    
zerplæt und senftigt die smerzen, iedoch minner wan die
Line: 28    
gamillen. er waicht und senftigt die inwendigen ge\swern
Line: 29    
und die auzwendigen und wert dem krampf und
Line: 30    
wert auch den runzeln an den vingernegeln, wenn man   30
Line: 31    
in mischt mit wazzer und mit honig. aber er ist dem
Line: 32    
magen schad.

Page: 423  



Chapter / Strophe: 81     81.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM STERZELKRAUT.



Line: 3    
Tapsia haizet sterzelkraut. daz hât die art, wer ez
Line: 4    
izzet, dem zerplæt ez daz antlütz, als ob er auzsetzig sei,
Line: 5    
und daz hailt man mit ainem tuoch in ezzeich gedaucht,   5
Line: 6    
der daz antlütz mit reibt oder mit singrüensaf oder
Line: 7    
mit der salben, diu populeon haizt, von der wir sagten,
Line: 8    
wir schriben von dem popelpaum. die sterzel niezent
Line: 9    
die wurz und legent sich alsô zerplæt an die strâz.



Chapter / Strophe: 82     82.
Line: 10    
Line: 11    
VON DER NEZZELN.



Line: 12    
Urtica haizet nezzel. daz kraut ist dreirlai. ainz
Line: 13    
haizet die tôt nezzel, diu prent niht und ist doch gestalt
Line: 14    
sam ain nezzel. diu ander haizt die kriechisch nezzel,
Line: 15    
diu ist klainer und prent vester wan diu gemain nezzel.   15
Line: 16    
diu dritt ist diu gemain. diu nezzel ist an kraft haiz
Line: 17    
und trucken, aber ir sâm hât niht vil hitz. si zerpricht
Line: 18    
die apostem und ist in guot und hailsam. aber ir sâm
Line: 19    
und ir asch, der ain pflaster dar auz macht, daz hilft
Line: 20    
für daz veich und für die geswern, die von hundspizzen   20
Line: 21    
koment, und allermaist mit salz. diu pleter gestôzen
Line: 22    
helfent für daz pluotvliezen auz der nasen. ir sâm offent
Line: 23    
vast daz verschoppen in den nasvenstern und anderswâ,
Line: 24    
und ain pflaster dar auz gemacht hilft, daz man die zend
Line: 25    
leiht auzzeuht. wenn man ir pleter seudet mit gersten\wazzer,   25
Line: 26    
daz rainigt die prust und wirft die zæhen fäuhten
Line: 27    
dar auz. diu nezzel erwecket die unkäusch und aller\maist
Line: 28    
ir sâm mit wein und offent die kintporten an den
Line: 29    
frawen, alsô daz diu muoter dester leihter zuogevæht. und
Line: 30    
daz selb tuot auch diu nezzel, wenn si diu fraw izt mit   30
Line: 31    
zwival und mit aiern. wenn ain fraw ainen undersatz
Line: 32    
macht mit nezzeln und mit rauten, der pringt si ir ge\wonhait
Line: 33    
und öffent der muoter tür. der nezzeln frischeu
Line: 34    
pleter an ains pflasters stat gelegt laitent die auzgênden
Line: 35    
muoter wider an ir stat. ir sâm auzgekernt und getrun\ken   35

Page: 424  
Line: 1    
mit wein oder diu nezzel selb entsleuzt den leip und
Line: 2    
macht in vertich.



Chapter / Strophe: 83     83.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM EISENKRAUT.



Line: 5    
Verbena haizet eisenkraut. daz kraut hât klaineu   5
Line: 6    
pleter und ainen herten stengel und wehset gern an dür\ren
Line: 7    
steten und ist zwairlai. daz ain kraut hât gelbeu
Line: 8    
plüemel und daz ander plâvar plüemel sam der flachs
Line: 9    
wenn der plüet. daz kraut ist an kraft haiz und trucken
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und ist den zaubræren gar nütz. daz wizzent die wol,   10
Line: 11    
die in den netzen sint gewesen. aber die haimleichait
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und ander schol diser gazzenspringer niht wizzen. man
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hât mir daz kint verstoln, ê daz ez volporn würde, dar
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umb muoz ich im diu klaider dester kürzer schrôten. wer
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daz kraut mit wein seudet und den trinkt, dem gefräwt   15
Line: 16    
ez daz herz, und man mit gorgelt in dem hals und
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in dem mund, daz benimt dem mund sein faulen und sein
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unsauberkait.



Chapter / Strophe: 84     84.
Line: 19    
Line: 20    
VON DER WICKEN



Line: 21    
Vicia haizt wick. daz kraut und auch sein sâm ist
Line: 22    
ain pfärdfuoter, idoch fuoret ez diu pfärt niht wol, wan
Line: 23    
diu wick ist kalt und wintich. die pawläut sprechent,
Line: 24    
wenn man die wicken alsô grüen oben absneid und man
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die grüenen stupfeln umbacker und lâz si erfaulen in dem   25
Line: 26    
acker, daz tung den acker auz der mâzen wol; lâz aber
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man die wicken dürr werden, derren si den acker, ob
Line: 28    
man si wol zuo mist lâze werden dar inn und machen in
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unfruhtpær. Alsô scholt wir uns umbackern mit guoten
Line: 30    
werken die weil wir vrisch und junch wæren, wan wir   30
Line: 31    
dürr werden von alter, dorret mit uns der acker aller
Line: 32    
guoten werk, wan müg wir weder got gedienen noch
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der werlt.



Chapter / Strophe: 85     85.
Line: 34    
Line: 35    
VON DEM VIOL



Line: 36    
Viola haizt viol. des krautes pleter, pluomen und

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sâm sint nâhent pei ainander an der art, wan diu sint
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alleu kalt und fäuht, wie daz sei, daz etleich sprechent,
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si sein warm, daz ist niht wâr. man behelt den viol zwai
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jâr, daz er nütz ist, idoch ist er pezzer vrisch und grüen.
Line: 5    
mach violsyropl alsô. seut den viol in wazzer, seich daz   5
Line: 6    
dann durch ain tuoch und tuo zukker dar zuo, wirt
Line: 7    
der syrop. würd aber der syropl auz dem saf der grüe\nen
Line: 8    
viol, daz wær pezzer. der syropl entsleuzt den leip
Line: 9    
und macht in vertich in hitzigen fibern. violöl macht
Line: 10    
man alsô. man seudet die viol in öl und twinget daz   10
Line: 11    
dann auz und daz haizt violöl. wem sein haupt tuo
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von hitziger sach, der salb sein stirn mit und die slæf
Line: 13    
pei den ôrn. die violn habent die art, daz si küelent und
Line: 14    
fäuht machent und senftigent und entsliezent den leip.
Line: 15    
wenn man si seudet mit wazzer und trüeftert die füez    15
Line: 16    
mit und daz haupt an der stirn, daz pringt den siechen
Line: 17    
slâf in hitzigem siehtum, sam die süht sint und sämleich
Line: 18    
siehtüem.



Chapter / Strophe: 86     86.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEM INGWER



Line: 21    
Zinciber haizet ingwer. daz kraut wehst in dem
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lande India und diu wurz, die wir ingwer haizen, wehst
Line: 23    
pei des krautes wurzel. ez ist zwaierlai ingwer. ainer
Line: 24    
ist wild und ist der er under den wurzen, und der ist
Line: 25    
scherpfer auf der zungen wan der haimisch. der ander   25
Line: 26    
ist haimisch und der ist diu si in der art und der ist
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waicher und weizer wan der wild und ist auch pezzer. er
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ist guot für die kelten der prust, wenn diu kümt, und ist
Line: 29    
dem kalten magen gar guot und entsleuzt den muossak
Line: 30    
und verzert die übrigen fäuhten in dem leib. zuo den   30
Line: 31    
gepresten allen ist der ingwer guot, wenn man in mit
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wein seudet oder der in kewt in dem mund und in izzt.
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wer des ingwers pulver in träufen in diu augen tuot,
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dem werdent si clâr. sein electuari, daz diacinciber
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haizt, daz ist kreftiger zden vorgenanten dingen wan der   35
Line: 36    
ingwer sust.

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Chapter / Strophe: 87     87.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM ZITWAR.



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Zeduarium oder zeduara haizet zitwar. daz ist ain
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kraut daz wechst in den landen gegen der sunnen auf\ganch.
Line: 5    
pei des krautes wurzel wehset diu wurz, die wir   5
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zitwar haizen, und wehst auch in dem land Italia. der
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zitwar ist der pest, der etwaz gelvar ist und der scharpf
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und pitter ist auf der zungen. er ist guot für die wind
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in dem leib und für die darmgiht und für etleich stechent
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smerzen. diu sals, die man macht auz seinem pulver, ist   10
Line: 11    
guot für die âmaht und für daz swinteln, daz ze latein
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syncopis haizt, und pringt lust zuo ezzen.



Chapter / Strophe: 88     88.
Line: 13    
Line: 14    
VON DEM ZUKKER.



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Zuccara haizt zukker. der ist an kraft warm und   15
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fäuht, sam Platearius spricht, aber der weiz zukker ist
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pezzer und löbleicher wan der gelvar und ist auch kelter.
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er ist guot wider der prust smerzen und hilft auch für
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den durst und macht fäuht die dürren prüst. wem daz
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haupt tuot von haizen sachen und der seinen leib vertig   20
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well machen von dem twang, der nem zukker und wazzer
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gesoten mit viol und misch daz zesamen und trink ez.



Chapter / Strophe: 89     89.
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Line: 24    
VON DEM RATENKRAUT.



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Zizania haizet ratenkraut und haizt auch ze latein   25
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lolium und haizent ez etleich unrât. daz kraut wechst
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in dem korn, aber ez derret den waizen und daz korn
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und benimt im sein narung, sam der mâg den habern
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derret und der köl den weinreben. wer des krautes
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sâmen izt, den macht er trunken und unsinnich.   30
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Mit dem haben nu diu kräuter ain end.




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This text is part of the TITUS edition of Konrad von Megenburg, Buch der Natur.

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