TITUS
Konrad von Megenburg, Buch der Natur
Part No. 11
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Book: VI     VI.
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VON DEN EDELN STAINEN
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UND DES ÊRSTEN IN AINER GEMAIN.



Line: 4    Daz ist daz sehst stück des puochs, in dem wir sagen
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wellen von edelen stainen, wie die gevar sein und waz ir   5
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kreft sein und wie man ir kreft pezzer, und wellen an
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den anheben, der nam sich ze latein an ainem A an\vâhet
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und dar nâch an dem B, unz daz wir daz ganz
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ABC mit edelm gestain durchlegen. iedoch well wir des
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êrsten von den stainen reden in ainer gemain, sam unser   10
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weis vor ist gewesen an andern dingen.
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Ez ist ain frâg, wie die edeln stain wahsen in der erden
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âdern. dar zuo antwürt man nâch der maister geschrift von
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der nâtûr und sprechent die maister alsô, daz die stain wah\sen
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in der erden auz dem erdischen dunst und auz der fäuh\ten,   15
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diu in der erden âdern und in iren clausen beslozzen ist,
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wan in den dünsten und in der fäuhten sint diu vier element
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gemischt: feur, luft, wazzer und erd nâch mêr und nâch
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minner, und dar nâch und diu mischung mangerlai ist,
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werdent die stain auch mangerlai. nu spricht daz   20
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puoch ze latein, daz die stain ir gestalt in der erden
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nemen nâch der stete schickung, dar inn die stain wah\sent
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und werdent, und meint, sei diu stat sinbel, werd
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auch der stain sinbel, sei aber diu stat ekkot, werd
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der stain auch ekkot. wærleich mit urlaub ze sprechen,   25
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daz mag niht gesein, wan man vint edel stain, die men\schenpild
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an in habent oder tierpild und vogelgestalt und
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sint doch die stet niht dar nâch geschickt, man die
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stain vint. auch vint man klain sinbel stain an grôzen

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ekkoten steten in der erden und ekkot stain an sinbeln
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steten. dar umb sprich ich Megenbergær, daz der stain
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form und ir gestalt ist von sunderleicher stern kreften,
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die gewalt und maht habent ze würken die form und die
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schickung in den fäuhten und in den dünsten, wan alle   5
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die form und die gestalt, die alleu dinch habent, diu auz
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den vier elementen werdent, und auch diu element diu
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habent ir würkende kreft, die si machent an dem himel,
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sam Aristotiles spricht in dem andern puoch von der ge\purt
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und von dem zerprechen der element, daz man   10
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haizt ze latein de generatione et corruptione.
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Aber die varb an den stainen, weiz swarz grüen rôt
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violvar und ander varb, machent der stern kreft nâch der
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dünst und der fäuhten mangerlai mischung. wan diu
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fäuhten des ertreichs vil hât, wirt der stain swarz oder   15
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tunkel, hât aber si des wazzers vil, wirt der stain lau\ter
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und von mêr luftes wirt er gel oder plaich und von
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mêr fewers wirt er rôt, und alsô ändert sich diu varb an
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den stainen, reht sam die mischung der vier element sich
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ändert in den fäuhten, die stain auz werdent, und   20
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dar umb sint die stain edeler und kreftiger, die von den
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landen koment, diu vier element rainer sint und min\ner
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unsauberkait an in habent, sam die stain, die von
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Orient koment, daz ist von den landen gegen der sunnen
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aufganch, und sam die stain sint, die auz dem paradîs   25
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vliezent in den vier wazzern, sam etleich sprechent.
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Ez ist auch ain grôz frâg, von wannen und wie
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grôzeu kraft und gar wunderleicheu maht den stainen
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köm, wan zwâr si habent grôz kreft zuo des menschen
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gesunthait und zuo andern dingen. nu spricht unser   30
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puoch ze latein, daz menschleicher vernunft unbekant sei,
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von wannen die stain die kreft habent, si habens dan von
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got, wan all kreft koment von got, sam Aristotiles spricht
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in dem puoch von den übernâtürleichen dingen, daz ze
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latein haizt liber metaphysice. aber die kreft, die in den   35
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kräutern sint und in den paumen und in den frühten,

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die sint von got in den selben dingen mit ainer mittel
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und mit ainer zwischenwürkender kraft, wan got würkt
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die selben kreft in den selben dingen mit der nâtûr werch,
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sam mit hitz, mit kelten, mit fäuhten und mit trücken in
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den kräutern, mit si guot sint zuo der oder zuo der   5
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erznei. aber der ist kainz an den stainen, daz man müg
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gesprechen oder gezaigen oder prüefen. der stain hât die
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kraft von kelten oder von hitz und dar umb hât got den
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stainen die kreft geben ân ain zwischenwürkent kraft von
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seiner almähtichait, sam daz puoch spricht ze latein, und   10
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hât in geben die gnâd seines götleichen willen für daz
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werk der nâtûr, wan ân die gnâde, die edelz gestain hât
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zuo der menschen gesunthait, vint man wunderleich
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kreft und grôze an den edeln stainen, sam der magnes
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und der adamas, die daz eisen an sich ziehent, und der   15
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adamas zaigt den schefläuten auf dem mer den merstern
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an dem himel, sam her nâch kunt wirt. macht der
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ostolan den menschen unsihtich und der karfunkel läuht
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in der naht. alsô habent auch ander stain vil wunder\leicher
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kreft, sam uns bezeugt diu gegenwärtig wârhait   20
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diser geschrift. der wunder aller ist der götleich will ain
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ursach mit seiner almähtichait, den diu geschrift ainen
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wunderær sagt in menschleichen dingen. der sin des
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puochs mag niht bestên und ist gar kintleich ze spre\chen,
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daz got den stainen ir kreft geb ân ain zwischen\würkende   25
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kraft der nâtûr und den paumen und den
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kräutern ir kreft niht geb ân der nâtûr werk, dar umb,
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daz diu kräuter würkent mit kelten und mit hitz und daz
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die stain auch gar wunderleicheu werk würkent, die man
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den elementen niht geben mag. zwâr daz ist ain gar   30
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ainvaltiger sin, wan die stain küelent auch und fäuhtma\chent
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von den kreften der element, dar auz ir selpwesen
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gemischt ist, und kreftigent daz herz und ander gelider
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in dem menschen, wenn man si zerstœzt und si in ezzen
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nimt oder in erznei, sam wir sehen in dem electuari, daz   35
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diamargariton haizet, man zerstôzen veinperln ein tuot

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und gemalen golt. ich sprich auch mêr, daz diu kräuter
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als wunderleicheu werk würkent als die stain, sam daz
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eisenkraut, daz lieb macht zwischen den menschen, und
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daz paumhäckelkraut, daz diu sloz auftuot, und diu pa\tönig,
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von man weissagen wirt. dar umb sprich ich   5
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Megenbergær, daz ich zweifel, ob Albertus daz puoch
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hab gemacht ze latein, wan er in andern püechern verr
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anders redet von den sachen dan daz puoch redet, er hab
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ez dann gemacht in der jugent, ê er seinem aigen sin
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volgt, wan daz puoch, daz ich auz der latein in daz   10
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däutsch hân prâht, daz ist ain gesamnet dinch der alten
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maister, sam der maister selber bekent an dem ende des
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puochs. und dar umb sprich ich, daz got die kreft den
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stainen gibt nâch der nâtûr lauf mit den zwischenwür\kenden
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kreften der stern an den himeln, sam er gibt den   15
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kräutern.
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scholt auch wizzen, daz die gaist zuogezämt wer\dent
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mit den kräutern, die den menschen lustig sint, sam
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diu kräuter sint, alsô daz die gaist pei den läuten wonent
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durch der crêatûr willen. und von spricht sant Augu\stîn   20
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in dem puoch von der stat gotes in dem fünften
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stück, daz die gaist zuo dem menschen gezämt werden
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mit mangerlai stainen kräutern holz tieren und mit
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mangerlai getiht und worten. und dar umb list man,
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daz Salomôn ain vingerlein hêt, gaist inn beslozzen   25
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wâren under den edeln stainen. man list auch, daz Evaz
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der künig von Arabia schraib dem kaiser, der Nero hiez,
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die namen und die varb der edeln stain, und auz der
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selben geschrift macht man gemezzen rede, die wir vers
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haizen, daz sint walzær oder kêrær, wan man muoz die   30
Line: 31    
red hin und her welzen und kêren, ê man si nâch kün\sten
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mag gemezzen. der selben vers mainung und iren
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sin hât unser puoch zemâl von den edeln stainen und
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dar zuo ander maister lêr, und an dem end der red von
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den stainen setzt daz puoch der gar alten maister sin von   35
Line: 36    
den stainen, tier eingegraben sint oder dar auf erhaben

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sint mangerlai form. aber daz puoch bestætigt der selben
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maister lêr niht zemâl noch verwirft si zemâl, und
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mit volgt daz puoch dem hailigen lêrer sant Augustîn.
Line: 4    
Man spricht auch, daz die Israheliten, daz sint die
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gelaubigen juden, hie vor in der wüesten gruoben manger\lai   5
Line: 6    
form und gestalt in etleich edel stain und allermaist
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in die, die corneoli haizent, und daz graben was gar
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behent, daz kain ir nâchkom in geleichen möcht an den
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werken. ez ist auch ân zweifel, man grab pild und an\der
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gestalt in die stain nâch den mähten irr kreft. ist nu   10
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daz wâr, daz diu kint von Israhel mangerlai form graben
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habent in mangerlai gimmen und edel gestain, ist ân
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zweifel, daz si daz niht habent getân ân sach mangerlai
Line: 14    
kreft, die den stainen von kümt, und daz si den sin
Line: 15    
nâmen von dem hailigen gaist, der si diu werk besunder   15
Line: 16    
lêrte. der grabær ainer hiez Beseleel und der ander
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Ooliab, die wâren sunderleichen gelêrt von dem hailigen
Line: 18    
gaist auf all kunst, diu zuo edelm gestain gehœrt ze
Line: 19    
graben und ze polieren oder zierleich beraiten. und die
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gruoben daz edel gestain und beraitten ez zuo dem tem\pelgewant,   20
Line: 21    
daz Aaron an truog in dem gotsdienst ob dem
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altar. in dem gewant machten si nâch gotes gehaiz zwelf
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auzerwelt edel stain und gruoben dar ein die namen der
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kind von Israhel, und dar umb ist daz wâr, daz der stain
Line: 25    
graben niht ân sach ist. aber dar umb gelaub wir niht,   25
Line: 26    
daz allez graben an den stainen ain tugent oder ain
Line: 27    
kraft bedäut. daz sei nu gesait von den stainen in ainer
Line: 28    
gemain.



Chapter / Strophe: 1     1.
Line: 29    
Line: 30    
VON DEM AMETISTEN



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Ametistus ist ainer der zwelf schatzpærn auzerwelten
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stain. der ist violvar oder purpervar und der purpervar
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ist der pest. ez ist auch etleich ametist, der ist sam ain
Line: 34    
rôter weinstropf oder sam ain rôter wazzerstropf von
Line: 35    
rôter erden und der læt sich paz graben wan der andern   35

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Line: 1    
lai ametisten. der stain hât die kraft, daz er der trun\kenhait
Line: 2    
widerstêt und macht den menschen wächig und
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vertreibt die pœsen gedänk und pringt guot vernunft. der
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stain wær löbleicher, wær er gemain niht, aber man
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vindet sein gar vil in der môrn lant, daz Ethyopia haizt,   5
Line: 6    
und in dem land India. man vint in auch in däutschen
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landen etswâ, aber der ist niht guot und ist tunkel.
Line: 8    
Dem stain hân ich unser frawen geleicht in ainem
Line: 9    
lobsang, daz hebt sich an: ave virgo pregnans prole, wan
Line: 10    
si ist süez und senft mit iren genâden sam der stain mit   10
Line: 11    
seinen kreften. ruoch, ob ain sündær ist in leiden, der
Line: 12    
iren namen êrt. wer der gerten schônt, der hazt daz
Line: 13    
kint. ich hân in meinen sünden die zarten milten ge\strickt
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in die schôz meiner letzten hofnung.



Chapter / Strophe: 2     2.
Line: 15    
Line: 16    
VON DEM ACHATEN.



Line: 17    
Achates ist auch der auzerwelten stain ainer, aber
Line: 18    
der zwelfer niht, die Johannes sach in der taugen puoch.
Line: 19    
den stain vint man in dem wazzer Achates gegen der
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sunnen aufganch und ist swarz; aber in die swerzen sint   20
Line: 21    
weizeu æderl gemischt. man spricht auch, daz der stain
Line: 22    
gar schœnes angeporns gemæls hab zwischen seinen
Line: 23    
straimeln und daz daz allez ainer varb sei. der stain
Line: 24    
hât die kraft, daz er vergift schäucht und den durst lescht
Line: 25    
und daz gesiht nert und den sterkt und frühtigt der in   25
Line: 26    
tregt und macht in gnæm und zimleich den läuten. nu
Line: 27    
spricht diu alt geschrift, daz der künig Porus derlai stain
Line: 28    
ainen trüege an dem vinger, der wær schœn, daz neun
Line: 29    
saitenspil oder sanchgezeug dar ein gegraben wæren, und
Line: 30    
under dem ze mittelst was der abgot Apollo, der het ain   30
Line: 31    
härpfen in der hant.



Chapter / Strophe: 3     3.
Line: 32    
Line: 33    
VON DEM ADAMAS.



Line: 34    
Adamas ist ain edel stain, der ist zwairlai. den
Line: 35    
ainen vint man in dem land India, daz selb lant ain   35

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Line: 1    
end hât, und man vindet in under der cristallen haufen
Line: 2    
und geleicht auch der cristallen an der varb, ân daz der
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selb adamas scheint sam ain new gefeilt eisen. der ada\mas
Line: 4    
ist gar hert, alsô daz man in weder mit eisen noch
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mit feur zerprechen mag, aber man zerpricht in mit vri\schem   5
Line: 6    
pockspluot, daz allerêrst vergozzen ist und noch
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warm ist. mit des stains spitzigen stucken grebt man
Line: 8    
ander gar hert edelstain. derlai adamas wirt niht grœzer
Line: 9    
dann ain haselnuz. man spricht auch, daz er genâd pring
Line: 10    
dem menschen, dem in sein freunt umbsust geit, aber   10
Line: 11    
er sei dem nihts nütz, der in kauf. ez sprechent auch die
Line: 12    
stainlær, daz sein kraft vil dester grœzer sei, wenn man
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im seinen sezzel eisnein mach, man in in an vinger\lein
Line: 14    
wil setzen; aber daz vingerl sol guldein sein durch
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des stains wirdikait. der andern lai adamas ist verr un\werdiger   15
Line: 16    
und niderr wan der êrsten lai, und den vint man
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in dem land Arabia und in dem næhsten cyprischen mer
Line: 18    
und ze Ferrære und ist tunkel an der varb sam ain eisen
Line: 19    
und ist grœzer wan der êrsten lai. dér adamas lât sich
Line: 20    
prechen ân pockspluot. er hât die art, daz er daz eisen   20
Line: 21    
an sich zeuht sam der stain magnes tuot, aber der ada\mas
Line: 22    
nimt dem magneten daz eisen, wenn er gegenwärtig
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ist. er melt auch den merstern. wan die schefläut auf
Line: 24    
dem mer niht gesehen mügent vor den dicken nebeln
Line: 25    
si varn zuo dem gestat, nement si ain nâdeln und   25
Line: 26    
reibent die mit der spitz an den adamanten und steckent
Line: 27    
si dan übertwerch an ain halmstuck oder in ain spænel
Line: 28    
von holz und legent si in ain pecken oder in ain schüzzeln
Line: 29    
vol wazzers und füert ainer den adamanten mit der hant
Line: 30    
auzwendig umb daz vaz, diu nâdel inn ist; dem volgt diu   30
Line: 31    
nâdelspitz inwendig, alsô daz si in dem vaz auch kraizlot
Line: 32    
umbgêt. daz geschiht etswie vil, zuckt der stain\füerær
Line: 33    
den stain snell under und pirgt in. wenn nu diu
Line: 34    
nâdelspitz irn füerær hât verlorn, kêrt si sich geleichs
Line: 35    
gegen dem merstern und stêt zehant und wegt sich niht   35
Line: 36    
mêr, und dar nâch rihtent sich dann die schefläut, wan

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Line: 1    
der stern stêt an dem himel ze norden, der himel\wagen
Line: 2    
stêt, gegen suden oder gegen mittem tag über.
Line: 3    
daz verstê alsô, daz sich die schefläut rihtent nâch des
Line: 4    
kräuzs örtern, daz all dis werlt hât beslozzen: osten westen
Line: 5    
suden norden. wenn si nu daz ain ort wizzent ze norden,   5
Line: 6    
richtent si sich dar nâch. man sprichet auch, daz
Line: 7    
der stain guot sei in der zaubrær kunst: wer in tregt
Line: 8    
den sterkt er gegen seinem veint und vertreibt üppig
Line: 9    
træm und schäuht und melt die vergift. man spricht
Line: 10    
auch, daz er switz, wenn vergift pei im sei. er ist auch   10
Line: 11    
den mônwendigen läuten guot, die ir sinn verkêrent nâch
Line: 12    
des mônen lauf, und ist den tiefelhäftigen auch guot.
Line: 13    
der stain wil, daz man in trag an der tenken seiten.



Chapter / Strophe: 4     4.
Line: 14    
Line: 15    
VON DEM ABESTON



Line: 16    
Abeston ist ain stain, den vint man in dem land Ar\chadia
Line: 17    
und ist eisenvar. wenn man den stain ains mâls
Line: 18    
entzünt, mag man in nümmer mêr erleschen, er gibt
Line: 19    
immer mêr dar flammen. von dem spricht Isidorus. auz
Line: 20    
dem stain macht man ain künstendingel zuo ainer latern   20
Line: 21    
oder zuo ainer lucern, daz allzeit print, alsô daz si kain
Line: 22    
ungewiter noch kain regen erleschen mag.



Chapter / Strophe: 5     5.
Line: 23    
Line: 24    
VON DEM AMANTEN.



Line: 25    
Amantes ist ain edel stain, den vint man in den lan\den   25
Line: 26    
gegen der sunnen aufganch, der geleicht ainer weizen
Line: 27    
kreiden. wer ain seidein gewant mit durchstreicht,
Line: 28    
dem schadet daz feur niht und wirt weiz und schœn,
Line: 29    
als ob man ez mit wazzer gerainigt hab. der stain wider\stêt
Line: 30    
vergiftigen dingen und der zaubrær werken.   30



Chapter / Strophe: 6     6.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEM ALLECTORI.



Line: 33    
Allectorius ist ain stain an der grœz sam ain pôn
Line: 34    
und geleicht sich ainer cristallen an der varb, ân daz er

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Line: 1    
mêr tunkel ist. der stain wechst in ains hanen magen
Line: 2    
wenn man in kappaunt nâch drein jâren und læt in dar
Line: 3    
nâch sehs jâr leben. wer den stain in dem mund tregt,
Line: 4    
dem lescht er den durst. er macht den menschen sighaft
Line: 5    
und pringt vrid und widerpringt êr und macht wolge\spræch   5
Line: 6    
und macht den menschen gnæm allen läuten und
Line: 7    
allermaist macht er die frawen liep iren mannen und dar
Line: 8    
umb haizt er ze latein allectorius, daz spricht ain zuo\zämer,
Line: 9    
und daz er daz allez würke an dem menschen,
Line: 10    
schol man in tragen beslozzen in dem mund.   10



Chapter / Strophe: 7     7.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM ABSINT.



Line: 13    
Absyntus ist ain swarzer stain durchmischet mit snê\weizen
Line: 14    
æderleinn. der hât die art, wenn er erhitzt von
Line: 15    
dem feur, behelt er die hitz siben tag.   15



Chapter / Strophe: 8     8.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM ALABANDER.



Line: 18    
Alabandra ist ain edel stain und ist gar schœn und
Line: 19    
ist an der varb geleich ainem granâten, ân daz sein rœten
Line: 20    
vaizter ist wan des granâten, nâhent sam ains rabîns. ez   20
Line: 21    
ist aber ainer andern lai der stain, der geleicht an der
Line: 22    
varb dem sarden, der ist ainer tunkeln oder ainer plai\chen
Line: 23    
rœten, sam daz rôt ertreich. den vint man in dem
Line: 24    
dritten stuck des wonhaften ertreichs, daz Asia haizt, in
Line: 25    
dem land Alabandra, und von hât der stain den na\men.   25
Line: 26    
der stain erweckt des pluotes fluz und mêrt in.



Chapter / Strophe: 9     9.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM AMANDIN.



Line: 29    
Amandinus ist ain stain, der ist puntvar oder vêch\var,
Line: 30    
alsô daz er manigverbig ist. der stain erlescht all   30
Line: 31    
vergift und macht den menschen sighaft wider all sein
Line: 32    
veint und macht ainen guoten bedäutær und auzlegær
Line: 33    
der treum.

Page: 436  


Chapter / Strophe: 10     10.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM ANDROMANT.



Line: 3    
Andromanda, oder androdragma sam die andern spre\chent,
Line: 4    
ist ain stain, der ist silbervar und ist gar hert, sam
Line: 5    
der adamas. den vint man in dem rôten mer. der stain   5
Line: 6    
hât die kraft, daz er gar hitzigen zorn benimt und be\nimt
Line: 7    
auch die unkäusch.



Chapter / Strophe: 11     11.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM BERILLEN.



Line: 10    
Berillus ist ainer der zwelf stain. der ist plaich an   10
Line: 11    
der varb, geleich den merwazzern; aber die sint die pesten,
Line: 12    
die ainem lautern paumöl geleichent, und allermaist die
Line: 13    
niht straimel inwendig habent sam klaineu hærl. wenn
Line: 14    
der berill sehsekkot ist, pringt er an der sumen schein
Line: 15    
all die varb, die an dem regenpogen sint. ist aber der   15
Line: 16    
stain sinbel sam ain apfel, der in dann fäuht macht an
Line: 17    
der sunnen schein, entzünt er tôt koln oder ain swarz
Line: 18    
wollein tuoch oder ainen dürren zunder von aim paum.
Line: 19    
man spricht auch, daz der stain für die kelsuht guot sei,
Line: 20    
diu ze latein squinancia haizt; und die drües, die von   20
Line: 21    
pœser fäuht koment an dem hals, benimt er auch mit
Line: 22    
reiben und allermaist wenn die drües noch in irem auf\nemen
Line: 23    
sint. er hât auch die art, daz er der êläut lieb
Line: 24    
widerpringt und hôchwirdigt den, der in tregt. er ist auch
Line: 25    
den kranken augen guot. wenn man in in wazzer wescht   25
Line: 26    
und der siech daz wazzer trinkt, benimt er dem men\schen
Line: 27    
daz rophazan oder daz koppeln mit dem mund
Line: 28    
und daz sêr säufzgen von dem herzen und den smerzen
Line: 29    
der lebern. die stain sint gar mangerlai, wan etleich sint
Line: 30    
gar lieht sam ain cristall, und koment von dem land India.   30



Chapter / Strophe: 12     12.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEM KROTENSTAIN.



Line: 33    
Borax ist ain krotenstain. den tregt ainrlai krot in
Line: 34    
dem haupt, und ist zwaierlai. der ain ist weiz, der ist

Page: 437  
Line: 1    
pezzer und ist seltsein. der ander ist swarz und tunkel
Line: 2    
und ist ain klain gelblot. der selb ist der pest under
Line: 3    
den tunkeln. wenn man den stain auz ainer lebentigen
Line: 4    
kroten nimt, diu noch zabelt, hât er ain äugel. wenn
Line: 5    
aber man in nimt auz ainer kroten, diu lang tôt ist ge\wesen,   5
Line: 6    
hât der kroten vergift daz äugel vertilgt und
Line: 7    
den stain gepœsert. wer den stain alsô ganzen verslint
Line: 8    
in ezzen, dem durchgêt er all sein ingewaid und rainigt
Line: 9    
in vor aller pœser unsauberkait, und er den men\schen
Line: 10    
inwendig gehailt, gêt er niden auz im. die kraft   10
Line: 11    
hât der weiz krotenstain, und haizent in die walhe cra\padinam.
Line: 12    
man spricht auch, daz der stain der vergift
Line: 13    
wider sei.



Chapter / Strophe: 13     13.
Line: 14    
Line: 15    
VON DEM CARBUNKELSTAIN



Line: 16    
Carbunculus ist der edlist under allen stainen und
Line: 17    
hât aller stain kreft. er ist klâr, daz er mit seiner
Line: 18    
liehten klârhait ain krankez gesiht widersleht und täubt,
Line: 19    
aber er praitt des menschen gedank. des staines varb
Line: 20    
ist feurein und scheint des nahtes mêr wan an dem tag,   20
Line: 21    
wan des tags ist er tunkel, aber in der naht scheint er
Line: 22    
klâr, daz er pei im naht zuo tag macht, und haizt der
Line: 23    
stain kriechisch antrax. der stain wechst in dem land
Line: 24    
Lybia und ist dreierlai. der êrst ist der wirdigist, der
Line: 25    
haizt carbunkel. der ander haizt rubein, der ist auch   25
Line: 26    
feurvar, aber niht gar lieht sam der carbunkel, und
Line: 27    
der schäuht der vinster niht in der naht; er ist im auch
Line: 28    
ungeleich an den kreften, iedoch ist er mêr edel wan
Line: 29    
ander stain an kreften und an varb. der dritt ist der
Line: 30    
pœst an varb und an kreften, der haizt balastus. iedoch   30
Line: 31    
acht man in pezzer wan den saphir oder den jaspen.
Line: 32    
Den stain hân ich geleicht unserr frawen weishait,
Line: 33    
mit si die götleichen drivaltichait und daz götleich
Line: 34    
wesen durchschawt. wan daz selb spiegelschawen hât
Line: 35    
aller spiegelschawen kreft, wan in got siht man alleu   35

Page: 438  
Line: 1    
dinch auz got. aber den berillen hân ich geleichet un\serr
Line: 2    
frawen witz, mit si kunt auzerwelen ze würken
Line: 3    
daz guot und ze lâzen daz pœs. diu zwai sint under\schaiden,
Line: 4    
weishait und witz, wan weishait ist aigenleich
Line: 5    
ain spiegelschawen götleicher und übernâtürleicher ding   5
Line: 6    
und haizet ze latein sapientia. aber witz ist ain umb\sihtichait
Line: 7    
in menschleichen werken, daz ze halden und
Line: 8    
daz ze lâzen, und daz haizt ze latein prudentia. von den
Line: 9    
zwain stainn würd ain guoteu predig von unserr frawen.



Chapter / Strophe: 14     14.
Line: 10    
Line: 11    
VON DEM CALCEDONI.



Line: 12    
Calcedonius ist der zwelf stain ainer, die Johannes
Line: 13    
sach. der ist ainer stumpfen varb und ist allzeit ainer
Line: 14    
vaizten plaichen, wan sein varb hât ain mittel zwischen
Line: 15    
des jâchants varb und des berillen. ist der stain geslagen   15
Line: 16    
und hengt man in an den hals oder tregt in an dem
Line: 17    
vinger, macht er sighaft in kriegen und senftigt des
Line: 18    
haizen fibers hitz. der stain ist dreierlai. ainer ist ainer
Line: 19    
plaichen lucern geleich und scheint mêr an dem lieht dan
Line: 20    
in dem haus. wenn der stain erhitzt von der sunnen oder   20
Line: 21    
von der hant, zeuht er hälmel an sich, und læzt sich
Line: 22    
niht gern graben. der andern lai habent ander varb.
Line: 23    
Der stain geleicht der lieb. die weil diu inwendig
Line: 24    
in dem herzen verporgen ist, ist si plaich und ist sam
Line: 25    
ain lieht in ainer lucern. wenn aber si betwungen wirt,   25
Line: 26    
daz si auz dem herzen her für gêt den andern zuo ainem
Line: 27    
nutz, erzaigt si auzwendig, wie si inwendig gestalt was.
Line: 28    
und wenn si diu wâr sunn berüert, diu Christus ist, oder
Line: 29    
der vinger des hailigen gaistes, zeuht si die sündær
Line: 30    
an sich und læzt sich niht tailen noch durchgraben, wan   30
Line: 31    
si mag mit kainer widerwärtichait zeprochen werden, si
Line: 32    
wirt ie mêr und mêr gesterkt. dar umb spricht diu
Line: 33    
geschrift in dem ahten stück des minnenpuoches 'diu
Line: 34    
minn ist vest sam der tôt,' und spricht auch ' vil wäzzer

Page: 439  
Line: 1    
mügent die lieb niht erleschen.' alsô spricht auch sant
Line: 2    
Paulus zuo den Korinten 'diu lieb ist gedultig und senf\tig,
Line: 3    
si tregt alleu dinch und wirt doch niht zeprochen
Line: 4    
noch wirt mit smaichendem lob erwaicht.' dar umb hân
Line: 5    
ich armer den stain geleicht unserr frawen lieb in dem lob\sang   5
Line: 6    
von ir, hân ich ir tugent ir zwelfen auzerwelten
Line: 7    
stainn geleicht.



Chapter / Strophe: 15     15.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM CORALLEN.



Line: 10    
Corallus ist ain gar rôter stain, iedoch ist er niht   10
Line: 11    
gar läuhtent sam der corneol. der stain hât ästel sam
Line: 12    
ain hirzhorn oder sam ains krautes wurzel mit vil zägeln,
Line: 13    
und daz ist niht ain wunder, wan der stain ist des êrsten
Line: 14    
ain kraut in dem mer, und wenn daz kraut mit den schef\fen
Line: 15    
auzgezogen wirt oder mit der menschen witz, wirt   15
Line: 16    
ez hert und wirt ain stain. den stain vindet man halp\füezigen
Line: 17    
an der grœz. er hât die art, daz er dem himel\platzen
Line: 18    
und dem ungewiter wider ist, und dar umb sträw\ten
Line: 19    
in die alten läut hie vor mit dem akkersâmen auf die
Line: 20    
äkker und hiengen in auf die ölpæm für den hagel und   20
Line: 21    
für daz ungewiter. er ist auch den pœsen gaisten wider,
Line: 22    
und daz ist leiht dar umb, daz er dick kräuzlot ist und
Line: 23    
sein est hin und her schrenkt. und dar umb bewært er
Line: 24    
auch vil geschiht, wenn in der mensch mit esten hât. er
Line: 25    
ist auch guot wider die nagenden fäuht, diu ze latein   25
Line: 26    
flegma haizt.



Chapter / Strophe: 16     16.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM CRISOPRASSEN.



Line: 29    
Crisoprassus ist ain edel stain mit zwain varben, wan
Line: 30    
er ist besprengt mit guldeinn tröpfleinn und ist grüen sam   30
Line: 31    
pforrensaf oder lauchessaf. der stain ist gar seltseim und
Line: 32    
dar umb ist er tewr und schatzpær. man vindet in in
Line: 33    
dem land India, und ist den augen guot, wan er klært
Line: 34    
daz gesiht und nimt die gir der geitichait und gibt den
Line: 35    
menschen ain stætikait in allen guoten dingen.   35

Page: 440  
Line: 1    
Dem stain hân ich unser frawen geleicht in meinem
Line: 2    
lobsang mit irr grôzen senftikait, wan si klært daz ge\siht
Line: 3    
unserr vernunft und geuzt volle genâd in unser sêl
Line: 4    
und benimt uns die gir der geitichait zuo werltleichen
Line: 5    
dingen und bestætigt uns in allen götleichen werken.   5



Chapter / Strophe: 17     17.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM SWALBENSTAIN.



Line: 8    
Celidonius haizet swalbenstain. der ist ungestalt und
Line: 9    
klain und vindet man in in der swalben leib. der stain
Line: 10    
ist zwaierlai. der ain ist rôt, der ander swarz. man er\kent   10
Line: 11    
die jungen swalben, die den stain habent in irr lebern,
Line: 12    
alsô, wan die selben kêrent ir snäbel zesamen, sam si vrid
Line: 13    
bedäuten mit ainander, aber die andern kêrent ir snäbel
Line: 14    
von ainander. der rôt swalbenstain senftigt die môn\wendigen
Line: 15    
läut und die unsinnigen und die tägleichen sieh\tüem   15
Line: 16    
und macht die menschen. wolgespræch und genæm
Line: 17    
oder minnezæm. man schol den stain in ain leinein tuoch
Line: 18    
verwinteln und an der lenken seiten tragen. den swarzen
Line: 19    
swalbenstain schol man auch in ainem leineinn tuoch tra\gen,
Line: 20    
der ist den läuten guot, die geschäfts pflegent, sam   20
Line: 21    
kaufläut und sämleich menschen. er senftigt zorn, und
Line: 22    
man in in wazzer wescht, klært er diu augen und
Line: 23    
scherpft daz gesiht. wenn man in in ainem gelben tuoch
Line: 24    
tregt, senftigt er diu fiber und die schädleichen sieh\tüem.
Line: 25    
ist aber, daz man in in schelkrautes pleter win\telt,   25
Line: 26    
macht er daz gesiht tunkel.



Chapter / Strophe: 18     18.
Line: 27    
Line: 28    
VON DEM CALOF.



Line: 29    
Calophagus oder calophanos ist ain swarzer stain.
Line: 30    
wenn den ain käuscher mensch tregt, macht er im ain
Line: 31    
süeze oder ain helle stimm und behüett die kelen vor   30
Line: 32    
haiserhait. der stain klingelt schôn reht sam diu glok\speis,
Line: 33    
wenn man mit ainem eisen dar auf slecht oder mit
Line: 34    
ainem andern gesmeid.

Page: 441  



Chapter / Strophe: 19     19.
Line: 1    
Line: 2    
VON DER CRISTALLEN.



Line: 3    
Cristallus der stain wirt auz eis, wan daz verhertt in
Line: 4    
vil jâren. iedoch widerspricht daz Solînus und spricht,
Line: 5    
daz man die cristallen vinde in vil landen, nümmer   5
Line: 6    
kain frost noch kain eis hin köm. ain sinbel cristall,
Line: 7    
wenn diu an der sunnen stêt, entzünt si ainen zunder
Line: 8    
reht sam der berill. der stain hât auch die art, wenn
Line: 9    
man in zerstœzt und in mischt mit honig, welheu fraw
Line: 10    
daz trinkt, diu ain kindel säugt, der mêrt er die milch.   10
Line: 11    
der stain ist auch guot zuo den augen.



Chapter / Strophe: 20     20.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM CRYSOLECTER.



Line: 14    
Crysolectrus ist ain stain, der ist goltvar und ist des
Line: 15    
morgens ze mettenzeit frœleicherr varb dann ander zeit.   15
Line: 16    
ez ist auch ainerlai der stain, die niht lieht sint sam
Line: 17    
die êrsten, wan si sint tunkel, niht durchläuhtent, und
Line: 18    
sint gold gar geleich. der stain hât die art, daz er der
Line: 19    
stirn und der augen smerzen senftigt, die in von haizen
Line: 20    
sachen koment, und senftigt auch der fiber hitz, wenn   20
Line: 21    
man in in der hant tregt. wenn man in ze pulver stœzt,
Line: 22    
ist er guot für die schebichait und für die swern. noch
Line: 23    
ist ain dritten lai der stain, der hât ain mittelvarb zwischen
Line: 24    
gel und rôt, und wenn man den zuo ainem feur habt,
Line: 25    
zepricht er zehant und springt von dem feur, als ob man   25
Line: 26    
in jag. der stain ist den zerplæten gelidern guot und ist
Line: 27    
auch guot wider die plerchen, die under des menschen
Line: 28    
vel auf diezent.



Chapter / Strophe: 21     21.
Line: 29    
Line: 30    
VON DEM DONRSTAIN



Line: 31    
Ceraunus haizet donrstain. der ist gelvar und velt
Line: 32    
ze stunden mit dem himelplatzen. man spricht auch, an
Line: 33    
welher stat der stain sei, schad kain donr noch kain
Line: 34    
himelplatzen niht. der stain ist dick gar scharpf an
Line: 35    
ainer seiten.   35

Page: 442  



Chapter / Strophe: 22     22.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM CORNEOL.



Line: 3    
Corneolus ist ain rôter stain, aber er ist ainer tunklen
Line: 4    
rœten, sam ain rôtez flaisch. der stain senftigt zorn und
Line: 5    
verstellt des pluotes fluz, wenn daz von ainem glid vleuzt   5
Line: 6    
oder von der nasen, und allermaist an den frawen, wenn
Line: 7    
die den fluz leident. ez spricht auch diu geschrift, daz
Line: 8    
die sün von Israhel der stain gar vil durchgruoben mit
Line: 9    
mangerlai gestalt (sam man diu insigel grebt) in der
Line: 10    
wüesten hie vor, und daz tâten si niht ân sach.   10



Chapter / Strophe: 23     23.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM CRYSOLIT.



Line: 13    
Chrysolitus ist ainer der zwelf stain und ist mer\var,
Line: 14    
alsô daz er tunkelgrüen ist und guldein funken dar
Line: 15    
ein gemischt hât und funkengleizt sam ain fewer. wer   15
Line: 16    
den stain in golt tregt, den sichert er vor nahtvorhten.
Line: 17    
ist auch daz der stain durchport ist und daz vensterl
Line: 18    
durchfüllt mit eselshâr, schäuht er die pœsen gaist
Line: 19    
und verjagt si. man schol in tragen an der tenken seiten.
Line: 20    
der stain kümt auz der môren land. Den hân ich ge\leicht   20
Line: 21    
unserr frawen in irr wirdikait, wan si sichert den
Line: 22    
sündær vor den nahtvorhten und vor der vinster des
Line: 23    
êwigen tôdes.



Chapter / Strophe: 24     24.
Line: 24    
Line: 25    
VON DEM SNECKENSTAIN



Line: 26    
Celonites haizet snekkenstain. der ist purpervar und
Line: 27    
manigverbik. den stain gibt der snekk. der hât die art,
Line: 28    
wer in under der zungen tregt, der wârsagt. aber daz
Line: 29    
wârsagen wert neur der môn des allerêrsten entzünt
Line: 30    
wirt und er smalsihtich ist und an dem abnemen   30
Line: 31    
des mônn an dem ahtundzwainzigistem tag, wenn der
Line: 32    
môn allersmalsihtigist ist und er ze latein monoides
Line: 33    
haizt. der stain zerpricht niht von feur.

Page: 443  


Chapter / Strophe: 25     25.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM CEGOLITEN.



Line: 3    
Cegolitus ist ain stain, der geleicht ainem ölpaum\kern.
Line: 4    
wenn man den entlæzt in wazzer, ist er guot
Line: 5    
zuo dem niernstain und zuo dem stain in der plâtern.   5



Chapter / Strophe: 26     26.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM CRYSOPASION.



Line: 8    
Chrysopasion ist ain stain, der kümt von der môren
Line: 9    
land und hât die art, daz er in der vinster läucht und
Line: 10    
in dem lieht niht, reht sam ain faulz aicheinz holz und   10
Line: 11    
sam ain nahtgleimel.



Chapter / Strophe: 27     27.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM WETZSTAIN.



Line: 14    
Cos haizt ain wetzstain. der ist zwaierlai. der ain
Line: 15    
ist herter, der ander waicher, und der herter ist den wai\chen   15
Line: 16    
mezzern guot ze wetzen und der waicher stain ist
Line: 17    
den herten mezzern guot. wenn man den stain zestœzt
Line: 18    
und aschenwazzer dar auf geuzt, tropft gar guoteu
Line: 19    
laug dar ab, mit man diu klaider und daz haupt gar
Line: 20    
rain wescht. wer die aschen in seinen garten sträut, den   20
Line: 21    
macht er im guot. lebentiger kalk, daz ist newer kalk,
Line: 22    
hât verporgenz fewer. wenn man in rüert mit der hant,
Line: 23    
ist er kalt, und man ain kaltz wazzer dar auf geuzt,
Line: 24    
gibt er hitz, und daz ist ain wunder, daz der kalk
Line: 25    
von wazzer enzünt wirt, daz doch ander feur lescht, und   25
Line: 26    
erlischt von paumöl, mit man ander feur enzünt.
Line: 27    
molaris haizt ain mülstain. wer den besprengt mit ez\zeich
Line: 28    
er zerriben ist und in mit wescht, daz ver\stelt
Line: 29    
den rôten fluz auz dem leib und ist auch den haizen
Line: 30    
apostemen guot. silex haizt ain kisling, der ist hert und   30
Line: 31    
kalt und sleht man doch feur dar auz.



Chapter / Strophe: 28     28.
Line: 32    
Line: 33    
VON DEM DEMON.



Line: 34    
Demonius ist ain stain zwaierlai varb und ist den
Line: 35    
fibrigen läuten guot und vertreibt vergift und macht den   35

Page: 444  
Line: 1    
sicher der in tregt und macht in sighaft. niht mêr hât
Line: 2    
daz puoch ze latein von dem stain.



Chapter / Strophe: 29     29.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM DRACHENSTAIN.



Line: 5    
Dracontides haizet ain drachenstain. den nimt man   5
Line: 6    
auz ains drachen hirn, und zeuht man in niht auz ains
Line: 7    
lebendigen drachen hirn, ist er niht edel. die küenen
Line: 8    
man sleichent über die drachen si ligent und slahent
Line: 9    
in daz hirn enzwai, und die weil si zabelnt, ziehent si
Line: 10    
die stain her auz. man spricht, der stain sei guot für   10
Line: 11    
diu vergiftigen tier und widerstê der vergift krefticleich.
Line: 12    
die stain sint durchläuhtent und durchsihtig, und habent
Line: 13    
si die künig gern in den landen gegen der sunnen aufganch.



Chapter / Strophe: 30     30.
Line: 14    
Line: 15    
VON DEM DYONISI



Line: 16    
Dyonisia ist an stain in den landen gegen der sun\nen
Line: 17    
aufganch. der ist tunkelvar und ist besprengt mit
Line: 18    
snêweizen tröpfleinn. wenn man den stain zerstrœzt in
Line: 19    
wazzer, smeckt er sam der wein und der smack ver\treibt
Line: 20    
die trunkenhait, aber des rehten weines kraft pringt   20
Line: 21    
trunkenhait, ob man in niht trinkt.



Chapter / Strophe: 31     31.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEM DYADOCHEN.



Line: 24    
Dyadochos ist ain stain, wer den in wazzer wirft,
Line: 25    
pringt er mangerlai pœser gaist pild, alsô daz si ant\wurt   25
Line: 26    
gebent dem, der si frâgt; und legt man in auf ains
Line: 27    
tôten leichnam, verleust er sein kraft und erschrickt
Line: 28    
scheinpærleichen von dem tôde. der stain geleicht ainem
Line: 29    
berillen.



Chapter / Strophe: 32     32.
Line: 30    
Line: 31    
VON DEM EMATHITEN.



Line: 32    
Emathites ist ain stain eisenvar, besprengt mit rôten
Line: 33    
æderleinn und kümt von der môren land oder von Arabia.

Page: 445  
Line: 1    
wenn man den stain zerstœzt und in in wazzer zerlæt,
Line: 2    
hailt er die pluotspaicheln und verstellt auch der
Line: 3    
frawen haimleichait und den gemaihen rôten fluz von
Line: 4    
dem leib. wenn man sein pulver mit wein mischet,
Line: 5    
hailt er die swern und ist guot wider die vergiften piz,   5
Line: 6    
und man in in diu augen träuft, hailt er diu augen
Line: 7    
und rainigt si, und wer in trinkt dem zerpricht er den
Line: 8    
stain in der plâtern.



Chapter / Strophe: 33     33.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEM ECHITEN



Line: 11    
Echites ist ain stain, den pringt der adlar von verren
Line: 12    
landen in sein nest, wan der adlar waiz von nâtûr wol,
Line: 13    
daz der stain ain sicherhait und ain scherm ist seinen
Line: 14    
kinden. aber ander maister sprechent, daz des adlars air
Line: 15    
verdürben von übriger hitz, legt er den stain niht    15
Line: 16    
zwischen. der stain ist rôtvar sam ain malgramapfel und
Line: 17    
ist hol und hât ainen klainen stain in im, der slotert in\wendig.
Line: 18    
er hilft den swangern frawen krefticleich, daz
Line: 19    
in diu purt iht abgê oder daz si iht nôt leiden mit dem
Line: 20    
gepern. er wil auch, daz man in trag an der lenken   20
Line: 21    
seiten und machet die läut mæzig an trinken und macht
Line: 22    
sighaft. er mêrt reichtuom und pringt genâd und sichert
Line: 23    
diu kint vor schaden.



Chapter / Strophe: 34     34.
Line: 24    
Line: 25    
VON DEM SUNNENWENDEL



Line: 26    
Elitropius haizt sunnenwendel. ist daz man den in
Line: 27    
ain vaz mit wazzer tuot, macht er die sunnen pluotvar
Line: 28    
als ob si iren schein verlorn hab, und wallet daz vaz ân
Line: 29    
underlâz und sprengt daz wazzer auz sam ainen regen.
Line: 30    
und wenn daz geschiht, sint denn hinzukig läut engegen,   30
Line: 31    
die werdent enzuckt auz in selber und sagent künftigeu
Line: 32    
dinch. wer den stain tregt, den kreftigt er und lengt
Line: 33    
im daz leben. er verstelt daz pluot und schäucht vergift
Line: 34    
und sichert den menschen vor smerzen. wer daz kraut
Line: 35    
nimpt daz sunnenwerbel haizt oder ringelkraut und legt   35

Page: 446  
Line: 1    
ez under den stain und beswert ez mit ainem segen, der
Line: 2    
dar zuo gehœrt, macht der stain den menschen un\sihtich.
Line: 3    
der stain ist grüen sam ain smaragt und ist be\sprengt
Line: 4    
mit pluotvarben tröpfleinn, und vindet man in in
Line: 5    
der môren land und in Zyper und in Africa.   5



Chapter / Strophe: 35     35.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM EPISTUTEN.



Line: 8    
Epistutes ist ain scheinent stain rôtvar. der den pei
Line: 9    
dem herzen tregt, den macht er sicher und senftigt ur\leug
Line: 10    
oder krieg, und twingt den häuschricken und die   10
Line: 11    
vogel und die schedleichen nebel und den schaurn und
Line: 12    
die pœsen wint von den erdfrüchten. und man in an
Line: 13    
die sumen legt, sträut er auz im selber feur und
Line: 14    
schein. wer den stain in ain wallendez wazzer wirft,
Line: 15    
vergêt der wal und dar nâch wirt daz wazzer kalt.   15



Chapter / Strophe: 36     36.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM EXACOLIT.



Line: 18    
Exacolitus ist ain stain manigverbich. wer den in
Line: 19    
ainen wein legt und dar ab trinkt, daz hilft in für die
Line: 20    
darmgiht und wider den siehtum, der von der fäuhten   20
Line: 21    
colera kümt.



Chapter / Strophe: 37     37.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEM ELIDER.



Line: 24    
Elidros oder enidros ist ain stain, der geleicht ainer
Line: 25    
cristallen und tropft ân underlâz fäuht tropfen sam ob   25
Line: 26    
er switz, und die tropfen sint den fibrigen läuten guot.
Line: 27    
er wirt auch niht minner von dem tropfen, er beleibt
Line: 28    
hert und ganz ümmer mêr.



Chapter / Strophe: 38     38.
Line: 29    
Line: 30    
VON DEM GRANATEN



Line: 31    
Granatus ist ain stain gar schœner varb, geleich
Line: 32    
ainem rubîn, iedoch hât er ain vaizter rœten wan der
Line: 33    
rubîn sam ain rôteu rôs. der stain læt sich gar ungern

Page: 447  
Line: 1    
graben und scheint dester paz wenn man im swarz varb
Line: 2    
underlegt. er verjagt trauren und gibt dem muot fräud.
Line: 3    
man vindet in in der môren land und pei Tyrum in dem
Line: 4    
sant, in daz mer auzwirft. ez ist auch ainerlai der
Line: 5    
stain, der ist violvar mit ainer zuogemischten rœten, und   5
Line: 6    
der ist mêr edel und schatzpær und geleicht dem balasten.
Line: 7    
der granât ist von des jâchants art und ist seines geslähts.



Chapter / Strophe: 39     39.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM AITSTAIN.



Line: 10    
Gagates haizet ain aitstain oder prennstain. den vint   10
Line: 11    
man in dem land Lycia pei Preuzen und in Britannia,
Line: 12    
und ist zwairlai: swarz und liehtvar. iedoch ist der lieht\var
Line: 13    
zwairlai: ainer weiz, der ander gel. wenn man den
Line: 14    
stain reibt unz er erhitzt, zeucht er hälmel an sich,
Line: 15    
und er gewaschen ist mit wazzer, print er und er\lischt   15
Line: 16    
von paumöl. er ist den wazzersühtigen gar guot.
Line: 17    
er vestent die wagenden zend, und wenn man in wescht
Line: 18    
mit wazzer und ainen underrauch dar auz macht, pringt
Line: 19    
er den frawen ir gewonhait. er ist auch den hinvallenden
Line: 20    
guot, wenn man in enzünt. und alsô ist auch der elider   20
Line: 21    
in geleicher weis. der aitstain schäuht die pœsen gaist,
Line: 22    
und wenn die pœsen gaist redent durch ains behaften
Line: 23    
menschen mund, twingt si des staines rauch, daz si
Line: 24    
sweigen müezent. der stain hilft auch dem verstürzetem
Line: 25    
magen und ist guot für zauber, und daz wazzer, der   25
Line: 26    
stain in gelegen ist drei tag, ist den swangern frawen
Line: 27    
guot und erlœst si snell von iren panden. welheu junk\fraw
Line: 28    
daz wazzer trinkt, ist si noch magt geschicht ir
Line: 29    
nihts, ist si aber niht maget, beprunzt si sich zehant.
Line: 30    
alsô melt si ir aigen wazzer.   30



Chapter / Strophe: 40     40.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEM GELASEN.



Line: 33    
Gelasius ist ain stain snêweiz sam ains hagels oder
Line: 34    
ains schaurn korn und ist auz der mâzen hert sam der

Page: 448  
Line: 1    
adamas. der stain mag nümmer erwermt werden von
Line: 2    
dem feur, er beleibt allzeit kalt, und hât die art, daz er
Line: 3    
den zorn senftigt und die unkäusch.



Chapter / Strophe: 41     41.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM GALARITEN.



Line: 6    
Galaritides ist ain stain, der geleicht aschen. wenn
Line: 7    
man den mit milch zerreibt und in trinkt, mêrt er die
Line: 8    
milch und erlœst die swangern frawen, und wenn man in
Line: 9    
mit dem weizen ains ais bestreicht, hilft er für die
Line: 10    
schebichait. er pringt dem guot der in tregt, und vindet   10
Line: 11    
man in in dem wazzer Nilus, daz durch Egyptenlant fleuzt.



Chapter / Strophe: 42     42.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM GEGATROM.



Line: 14    
Gegatromeus ist ain stain scheckot sam ain rêchgaiz.
Line: 15    
der macht seinen tragær sighaft an streiten und mag im   15
Line: 16    
nihts vor gesein in mer und auf erden. man list, daz
Line: 17    
Alcides der fürst mit dem stain all sein nôt überwant
Line: 18    
und daz er allzeit siglôs wart, wenn er den stain niht
Line: 19    
pei im het.



Chapter / Strophe: 43     43.
Line: 20    
Line: 21    
VON DEM GERARCHITEN.



Line: 22    
Gerarchites ist ain swarzer stain. wer den in dem
Line: 23    
mund tregt, der wirt ain auzrihtær grôzer gedänk und
Line: 24    
grôzer wôn. er macht auch den menschen liep und min\nencleich.
Line: 25    
man bewært in alsô. wer ainen nackenden   25
Line: 26    
menschen mit honig bestreicht und in für die mukken
Line: 27    
setzt, hât er den stain pei im, si berüerent in nümmer;
Line: 28    
nimt aber man den stain von im, laidigent die mukken
Line: 29    
den selben menschen.



Chapter / Strophe: 44     44.
Line: 30    
Line: 31    
VON DEM JASPEN.



Line: 32    
Jaspis ist ain grüen stain und ist der zwelf stain
Line: 33    
ainer, die auzerwelt haizent und die Johannes sach. iedoch

Page: 449  
Line: 1    
hât er rôteu tröpfel gesprengt in daz grüen, und ist der
Line: 2    
der pest, der durchsihtich ist. ist der mensch käusch der
Line: 3    
den stain tregt, schäucht er die fiber und die wazzer\suht
Line: 4    
von im, er hilft auch den frawen in der gepurt
Line: 5    
und macht seinen tragær sicher und genæm, ist er gese\gent   5
Line: 6    
mit der stain segen, und vertreibt diu schedleichen
Line: 7    
gesiht in dem slâf oder sunst. er hât auch die art, daz
Line: 8    
er kreftiger ist, wenn man in in silber tregt, dan in an\derm
Line: 9    
gesmeid. der stain ist manigerlai und vint man in
Line: 10    
in vil landen, wan etleicher ist zemâl rôt sam ain feur   10
Line: 11    
und durchläuhtich, und der ist gar schatzpær. ist
Line: 12    
ainer andern lai auch rôt, aber er ist niht durchläuhtich
Line: 13    
und der ist niht edel. der grüen jasp, der daz leip\leich
Line: 14    
gesiht kreftigt, bedäutt den gelauben, der daz gaist\leich
Line: 15    
gesiht sterkt. aber ich hân in unserr frawen ge\leicht   15
Line: 16    
in meinem lobsang mit irr mæzichait, wan diu selb
Line: 17    
tugent, diu ze latein temperantia haizt, kreftigt leipleichz
Line: 18    
und gaistleichz gesiht.



Chapter / Strophe: 45     45.
Line: 19    
Line: 20    
VON DEM JACHANT.



Line: 21    
Jacinctus haizt jâchant. der stain ist gelvar und ist
Line: 22    
in der vinster tunkel und an dem lieht klâr, wan er en\pfindet
Line: 23    
des luftes, sam man spricht. der jâchant ist der
Line: 24    
pest, der weder gar tunkel ist noch gar klâr. er ist auch
Line: 25    
gar hert und læzt sich weder gern spalten noch graben,   25
Line: 26    
iedoch grebt man in mit adamantenstückeln. er ist gar
Line: 27    
kalt und allermaist wenn man in in den munt legt. er
Line: 28    
sterkt seinen tragær und benimt traurn und üppigz seuf\zen
Line: 29    
von dem herzen und macht den sicher, der in vremdeu
Line: 30    
lant vert, und sichert den menschen vor dem gemainen   30
Line: 31    
schelmentôd und vor vergift und vor slangen. er macht
Line: 32    
seinen tragær got und der werlt genæm. der stain kümt
Line: 33    
auz der môren land. und seint er sich nâch dem weter
Line: 34    
verbt (wan er ist trüeb und tunkel in trüebem weter und
Line: 35    
ist klâr in schœnem weter), dar umb bedäutt er der hai\ligen   35

Page: 450  
Line: 1    
bescheidenhait, mit si sich zuoschihten allen
Line: 2    
läuten nâch got, dar umb, daz si all menschen gwinhaft
Line: 3    
machten und si got gewunnen in daz êwig leben. und
Line: 4    
dar umb spricht sant Pauls von im selber 'ich pin mit
Line: 5    
allen alle worden,' sam ob er spræch: ich pin mit allen   5
Line: 6    
menschen alle menschen worden. daz verstê in unserm
Line: 7    
herren Jêsu Christo. aber ich armer, der in seinen sün\den
Line: 8    
allzeit grôzer genâd bedarf, hân den stain unserr
Line: 9    
frawen geleicht mit irer überflüzzigen genâd, wan si be\nimt
Line: 10    
dem sündær trauren und sichert in, wenn er von   10
Line: 11    
disen landen vert, ze der stund, wenn sich leib und sêl
Line: 12    
von ainander schaident. ich rât daz mit ganzen trewen,
Line: 13    
daz iren namen in deinem herzen tragest für allez
Line: 14    
edelz gestain.



Chapter / Strophe: 46     46.
Line: 15    
Line: 16    
VON DEM REGENPOGEN.



Line: 17    
Iris haizt der regenpog. der stain geleicht ainer cri\stallen
Line: 18    
und ist sehsekkot, und wenn man in an der sun\nen
Line: 19    
schein setzt in dem haus, wirft er gar schœn varb
Line: 20    
an die wend, die des regenpogen varben geleichent. der   20
Line: 21    
stain hât kraft wider daz himelplatzen und vindet man
Line: 22    
die edlisten derlai stain in dem rôten mer und umb daz
Line: 23    
geperg in dem land Italia. man vindet si auch in däut\schen
Line: 24    
landen an dem stainotem geperg.



Chapter / Strophe: 47     47.
Line: 25    
Line: 26    
VON DEM IEN.



Line: 27    
Iena ist gar ain edel stain. den nimt man auz aines
Line: 28    
tiers augen, daz haizt auch iena, und sprechent die alten
Line: 29    
maister, daz der stain ain kraft geb zuo wârsagen den
Line: 30    
die in tragent; aber die kraft gibt er niht, man trag in   30
Line: 31    
dann in dem mund under der zungen.



Chapter / Strophe: 48     48.
Line: 32    
Line: 33    
VON DEM LUHSSTAIN.



Line: 34    
Ligurius haizet luhsstain und ist der zwelf stain
Line: 35    
ainer, sam daz puoch ze latein spricht. daz verstên ich,   35

Page: 451  
Line: 1    
daz er der zwelfer ainer sei, die Aarôn truog in dem
Line: 2    
tempel, aber er ist der zwelfer niht ainer, die Johannes
Line: 3    
sach in seinem gesiht, dar auf diu götleich stat gepauwen
Line: 4    
was Jerusalem. der luhsstain tropfet von des luhss wam\men,
Line: 5    
sam Plinius spricht, und die tropfen werdent    5
Line: 6    
hert, daz ain stain dar auz wirt. und daz waiz daz tier
Line: 7    
wol von nâtûr und hazzet menschleichen nutz, dar umb
Line: 8    
verscherret ez seinen harm mit sant. der stain wirt ma\nigerlai
Line: 9    
varb, dar nâch und der harm gevar ist, iedoch
Line: 10    
ist er dick gel und naigt sich ain klain zuo ainer swerzen.   10
Line: 11    
wenn man den stain in wazzer wescht, hilft er den,
Line: 12    
die niht zuo stuol mügent gên, und entsleuzt den leip
Line: 13    
und widerpringt die verlorn varb an dem antlütz, wan er
Line: 14    
ist den gelsühtigen guot und zeucht diu hälmel an sich,
Line: 15    
sam der aitstain tuot.   15



Chapter / Strophe: 49     49.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM LAGAPEN.



Line: 18    
Lagapis ist ain stain, der ist an kraft kalt und tru\cken
Line: 19    
und ist sinbel und ist allermaist den wunden läuten
Line: 20    
guot. der stain zeucht daz eisen auz den wunden.   20



Chapter / Strophe: 50     50.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM MAGNETEN.



Line: 23    
Magnes der stain ist eisenvar. der zeucht daz eisen
Line: 24    
an sich, wenn der adamas niht gegenwärtich ist. man
Line: 25    
spricht auch, daz der stain nütz sei in der zaubrær kunst.   25
Line: 26    
er hât ain wunderleich kraft, sam man spricht: welher
Line: 27    
man well wizzen, ob sein fraw ain êprechærinn sei oder
Line: 28    
niht, der leg ir den stain under daz haupt, wenn si slâf.
Line: 29    
ist si dann stæt und frum, umbvæht si iren êman mit
Line: 30    
den armen in dem slâf; ist aber si unstæt und valsch,   30
Line: 31    
vellt si von dem pett in dem slâf, sam ob si von
Line: 32    
gestôzen sei. der stain versüent auch krieg und zorn
Line: 33    
zwischen den êläuten. er ist auch den dieben guot. wan
Line: 34    
die dieb in ain haus koment, legent si lebentig koln

Page: 452  
Line: 1    
an die vier end des hauses und sprengent des magneten
Line: 2    
stückel dar auf, werdent der läut sinn und augen in
Line: 3    
dem haus gar verkêrt, daz si wænent, daz haus well
Line: 4    
vallen, und vliehent dar auz; nement dann die dieb
Line: 5    
waz si wellent. alsô sprechent die stainlær. wer den   5
Line: 6    
stain zerreibt und mischt in mit milich, hilft er den
Line: 7    
wazzersühtigen, und wenn er gepulvert ist, hilft er
Line: 8    
den gepranten wunden. den stain vint man datz den
Line: 9    
Dragoditen und datz den Inden. Isidorus spricht, daz
Line: 10    
der stain ie pezzer sei, er ie gelber sei. er zeucht   10
Line: 11    
daz glas auch an sich sam daz eisen. ez spricht sant
Line: 12    
Augustîn, daz ain eisnein pild in dem luft hang neur
Line: 13    
von des staines kreften.



Chapter / Strophe: 51     51.
Line: 14    
Line: 15    
VON DEM MEMPHITEN



Line: 16    
Memphites ist ain stain, der kümt von der stat
Line: 17    
Memphis in Egyptenland, der hât nâhent ain feurein
Line: 18    
varb. wenn man den zerreibt und mischt in mit ezzeich
Line: 19    
und gibt in den, die man premen schol oder sneiden,
Line: 20    
werdent si gar unenpfintleich an irem leib, daz si   20
Line: 21    
der marter niht enpfindent.



Chapter / Strophe: 52     52.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEM MEDEN.



Line: 24    
Medus ist ain stain, der kümt von den landen,
Line: 25    
die läut wonent, die Medi haizent, und ist ain tail grüen\lot.   25
Line: 26    
er hât guot kreft und pœs. wan man in zerlæt
Line: 27    
mit ainer frawen gespünn, diu ain knäblein hât getragen,
Line: 28    
gibt er den plinden ir gesiht wider und benimt diu
Line: 29    
weizen mail in den augen und gibt den ir gesiht wider,
Line: 30    
die verhoft habent, daz si niht mêr sehen. er hailt auch   30
Line: 31    
der füez siehtum, der ze latein podagra haizt, und hailt
Line: 32    
die von iren sinnen koment in irem siehtum, die ze latein
Line: 33    
frenetici haizent. wenn aber man in zerlæzt in wazzer
Line: 34    
und in trinkt, macht er, daz ainem diu lungel datz dem

Page: 453  
Line: 1    
mund stücklot auz gêt mit wüllen und mit halsprechen,
Line: 2    
und wer sein stirn mit dem wazzer wescht, den macht
Line: 3    
er plint.



Chapter / Strophe: 53     53.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM SPAT



Line: 6    
Nitrum haizt spat. der stain ist weizlot und durch\sihtich
Line: 7    
nâhent sam ain glas, und dar umb macht man in
Line: 8    
für die venster an den häusern in etleichen landen, sam
Line: 9    
in Dürgen. der stain hât die kraft, daz er zuo im zeucht
Line: 10    
und entsleuzt und ist guot für die gelsuht.   10



Chapter / Strophe: 54     54.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM ALABASTER.



Line: 13    
Nicomar oder alabastrum ist ain alabasterstain. der
Line: 14    
ist weiz und ist gar kalter nâtûr, dar umb behelt man
Line: 15    
edel salb dar inn lang. auz dem stain het Marîâ Mag\dalênâ   15
Line: 16    
ain pühsen, was diu salb inn, die si unserm
Line: 17    
herren auf daz haupt gôz. der stain hât die art, daz er
Line: 18    
sighaft macht und behelt freuntschaft zwischen den läu\ten.
Line: 19    
auz dem stain macht man pild und dar umb, daz
Line: 20    
er gemain ist, ahtet man sein niht vil.   20



Chapter / Strophe: 55     55.
Line: 21    
Line: 22    
VON DEM NOSECH.



Line: 23    
Nosech ist ain stain, der ist zwaierlai. ainer ist weiz\lot,
Line: 24    
der ander manigverbich. den stain zeucht man auz
Line: 25    
ainer kroten haupt, ê daz si wazzer trink oder wazzer   25
Line: 26    
rüer, und scheint understunden ain krot an derlai stainen
Line: 27    
mit zersträuten füezen. der stain ist guot für der würm
Line: 28    
piz und für vergift. wan vergift gegenwärtig ist,
Line: 29    
prent der manigverbich nosech den vinger. die stain
Line: 30    
schol man paid mit ainander einmachen und besliezen.   30



Chapter / Strophe: 56     56.
Line: 31    
Line: 32    
VON DEM ONICHEN.



Line: 33    
Onichinus ist der zwelf stain ainer an Aarôns klai\dern,
Line: 34    
und habent die maister zwên wân von dem stain.

Page: 454  
Line: 1    
der ain wân ist, daz ez ain klainz österl sei, daz ist ain
Line: 2    
mervischel alsô genant, daz smeckt gar wol und ist an
Line: 3    
der grœz und an der varb sam ains menschen vinger\nagel;
Line: 4    
wenn daz auz dem wazzer köm und hert werd,
Line: 5    
werd der stain dar auz, und ist der stain auch gevar   5
Line: 6    
sam ain vingernagel. dar umb haizt er in kriechisch
Line: 7    
οnichinus, wan οnichina in kriechisch haizet lidnagel.
Line: 8    
den wân von dem stain hât diu alt glôs über daz puoch
Line: 9    
Leviticum. ain ander wân ist (den hât Beda), daz oni\chinus
Line: 10    
oder onix ain tail swarz sei und daz in der swerz   10
Line: 11    
weiz und rôt streimeln sein, und daz spricht kain maister
Line: 12    
von der nâtûr. aber Platearius spricht, daz onicha oder
Line: 13    
onix oder onichinus ain paumzaher sei, der fliez auz ainem
Line: 14    
paum und werd hert, daz der stain dar auz werd, sam
Line: 15    
man list von dem stain, der succinus haizt, und daz ist   15
Line: 16    
gar geläupleich. war auz nu der stain werd, ist doch
Line: 17    
aller maister wân von der nâtûr gemainleich, daz der
Line: 18    
stain gevar sei sam ain nagel, reht sam ain rœtlot waz\zerperl;
Line: 19    
daz ist der sterker wân. der stain ist für die
Line: 20    
räudichait oder für daz kratzen guot und macht daz ant\lütz   20
Line: 21    
weiz, und man in in feur legt, gibt er gar
Line: 22    
ainen süezen smack. man schreibt auch ain wunder von
Line: 23    
dem stain. wer in leg in ain siechez aug, er hin
Line: 24    
ein in daz aug inwendig ân allen smerzen und umbgê
Line: 25    
daz aug über al, unz er die pœsen fäuhten dar auz pringt.   25
Line: 26    
zwâr, daz ist ain grôzez wunder, wan ez ist nihts
Line: 27    
klain, ez tuo in dem augen . dar umb spricht Salo\môn
Line: 28    
in dem puoch der hôhen sprüch 'daz aug ist ain
Line: 29    
klaineu wonung, wan ez leidet kainen gast.'



Chapter / Strophe: 57     57.
Line: 30    
Line: 31    
VON DEM OSTOLAN.



Line: 32    
Ostola oder optalius ist ain stain, des varb die mai\ster
Line: 33    
niht sagent, dar umb, daz man in iht leiht vind.
Line: 34    
wan wer in tregt, den siht niemant, aber er siht selber
Line: 35    
wol, und dar umb habent in die diep gar liep.   35

Page: 455  



Chapter / Strophe: 58     58.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM ORITEN.



Line: 3    
Orites ist ain grüener stain und hât weizeu mail.
Line: 4    
der widerstêt widerwärtigen dingen. er ist auch ainer
Line: 5    
andern lai; der stain der ist swarz und sinbel, der hailt   5
Line: 6    
vergiftiger tier piz, wenn man in mit paumöl bestreicht.
Line: 7    
noch ist ainer andern lai; der stain der ist sam diu klai\nen
Line: 8    
eisenplechel. der hilft den frawen, daz si swanger
Line: 9    
werdent. ist aber ain fraw swanger, ergeuzt er ir
Line: 10    
die purt.   10



Chapter / Strophe: 59     59.
Line: 11    
Line: 12    
VON DEM PERITEN.



Line: 13    
Perites oder pirites oder piridonius ist ain stain, der
Line: 14    
kümt von den läuten, die Perse haizent, und ist goltvar.
Line: 15    
iedoch ist etleicher gevar sam der chrisolit, ân daz er ain   15
Line: 16    
klain grüener ist. der stain ist guot wider die âdersuht,
Line: 17    
diu ze latein artetica haizt, und ist daz in vast in der
Line: 18    
hant druckst, prennt er dich an die hant sêr, daz
Line: 19    
sein niht geleiden maht, und dar umb wil er, daz
Line: 20    
man in senfticleich hab und zärtleich. des staines schein   20
Line: 21    
nimt auf und ab mit dem mônn.



Chapter / Strophe: 60     60.
Line: 22    
Line: 23    
VON DEM PANTER.



Line: 24    
Panthera ist ain stain, der hât nâhen all varb an im.
Line: 25    
den schol sein tragær des morgens fruo ansehen, wenn   25
Line: 26    
diu sunn auf gêt, dar umb, daz er in sighaft mach und
Line: 27    
kreftig in allen dingen. er vertreibt daz kratzen an der
Line: 28    
haut, und spricht man, er hab vil tugent vil varb
Line: 29    
er hab, und kümpt von dem land India. ich wil aber
Line: 30    
aines râten, daz des morgens des allerêrsten die käu\schen   30
Line: 31    
magt alsô swanger anrüefst mit irem kindel; wan
Line: 32    
hâst die muoter, hâst daz kindel, hâstû muoter
Line: 33    
und kint, hâst den vater, und zwâr hâst waz
Line: 34    
wilt, ân pôshait allain.

Page: 456  



Chapter / Strophe: 61     61.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM PRASEN.



Line: 3    
Prasius ist ain grüener stain gar schœner. iedoch
Line: 4    
ist sein grüen vaizter wan des smaragden und ist ze
Line: 5    
nihteu guot denn daz er daz golt ziert, und pricht man   5
Line: 6    
den smaragt auz dem stain.



Chapter / Strophe: 62     62.
Line: 7    
Line: 8    
VON DEM LEUTSSTAIN.



Line: 9    
Piropholos mag leutsstain haizen. wan, sam der mai\ster
Line: 10    
Eusculapius schreibt dem kaiser Octaviano Augusto,   10
Line: 11    
der stain ist gar edel und wirt auz ains menschen herz,
Line: 12    
daz mit vergift ist getœtt, wan daz herz mag in feur niht
Line: 13    
verprinnen. ist daz man daz herz in feur behelt neun
Line: 14    
jâr ân underlâz, wirt der stain dar auz, der gar wun\dergrôz
Line: 15    
kraft hât. wan, sam der selb maister spricht,   15
Line: 16    
der stain beschermt seinen tragær vor himelplatzen und
Line: 17    
vor donr und macht die herren sighaft in streiten und
Line: 18    
sichert si vor vergift. den stain truog Alexander, sam
Line: 19    
man spricht, in ainer purpereinen undergürteln, und
Line: 20    
er widerkom von dem land India und über daz wazzer   20
Line: 21    
kom Eufraten, zôch er seineu klaider ab, daz er patt
Line: 22    
in dem wazzer in des kôm ain slang und paiz den un\dergurt
Line: 23    
ab mit dem stain und liez in vallen in daz waz\zer.
Line: 24    
daz hât Aristotiles geschriben in ainem puoch von
Line: 25    
den slangen. nu wænent die maister, daz dér stain und   25
Line: 26    
der leutsstain áin stain sei, der von der gemain lapis hu\manus
Line: 27    
haizt. von dem spricht man, daz er den menschen
Line: 28    
behüet vor dem gæhen end und daz er niht ersterben
Line: 29    
müg, die weil er den stain hab in seiner hend. iedoch
Line: 30    
beschermt er den menschen niht vor siehtum und vor   30
Line: 31    
smerzen und lengt doch daz leben in dem leiden, sam
Line: 32    
man auch schreibt von dem land der lebentigen, nie\mant
Line: 33    
inn ersterben mag, daz dialle haizt oder drivallis.
Line: 34    
der stain ist etswie vil rôt und hât ain weizen dar zuo
Line: 35    
gemischt.   35

Page: 457  


Chapter / Strophe: 63     63.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM PEANITEN.



Line: 3    
Peanites ist ain stain. der wirt in dem künigreich,
Line: 4    
daz Macedonia haizt, und hât an im weipleich art, wan
Line: 5    
er gevæht zuo in gwisser zeit und gepirt im selber ainen   5
Line: 6    
geleichen stain. der stain ist swangern frawen nütz.



Chapter / Strophe: 64     64.
Line: 7    
Line: 8    
VON DEM WITHOPFENSTAIN.



Line: 9    
Quirin haizt withopfenstain. den vindet man in der
Line: 10    
withopfen nest. der ist ain meldær haimleicher ding in   10
Line: 11    
dem slâf und mêrt die träum und daz gesiht in dem slâf.



Chapter / Strophe: 65     65.
Line: 12    
Line: 13    
VON DEM GEIRSTAIN.



Line: 14    
Quirindros haizt geirstain. den zeuht man dem geirn
Line: 15    
auz seim hirn und ist guot wider all schedleich sach und   15
Line: 16    
füllet den ammen ireu prüstel mit milch.



Chapter / Strophe: 66     66.
Line: 17    
Line: 18    
VON DEM SAPHIR.



Line: 19    
Saphirus ist gar ain edel stain und ist der zwelfer
Line: 20    
ainer, die Johannes sach. der stain ist himelvar, wan   20
Line: 21    
er ist liehtplâ. iedoch mag er nümmer lauter werden,
Line: 22    
daz er ain pild in sich nem sam ain spiegel. wenn sich
Line: 23    
der sunnen schein widersleht auf dem stain, gibt er
Line: 24    
ainen prinnenden schein von im und ist den himelkreften
Line: 25    
allzeit annaigich. aber der ist der pest, der von India   25
Line: 26    
kümt, und der ist kainer durchläuhtich. der stain be\helt
Line: 27    
den leip und diu glider ganz in irr narung von
Line: 28    
nâtûr, diu ze latein vegetatio haizt, und senftigt die in\wendigen
Line: 29    
prünst und verstellt den swaiz und benimt der
Line: 30    
augen und der stirn smerzen und hailt auch der zungen   30
Line: 31    
siehtum und gesetzt swulst und hailt swern und schäuht
Line: 32    
den grausamen siehtum, der daz antlütz negt und haizt

Page: 458  
Line: 1    
ze latein noli me tangere, daz haizt: rüer mich niht. aber
Line: 2    
er verleust sein varb dar nâch. der stain ist auch guot
Line: 3    
wider untrew, wider haz und wider erschrecken, und
Line: 4    
ist gnædich zuo frid. aber der in tregt, der muoz sich
Line: 5    
gar vast vleizen, daz er käusch sei. ez sint auch saphir   5
Line: 6    
pei der stat ze Poi gegen der sunnen underganch, die sint
Line: 7    
klaines geltes wert und habent gar klain kraft. die sint
Line: 8    
sam ain gar tunkel cristall gevar, aber man undersetzt
Line: 9    
si mit plâwen sezzeln in den vingerleinn, daz si etwaz
Line: 10    
plâ scheinent. der pringt man vil in däutscheu lant, aber   10
Line: 11    
si habent niht kreft. iedoch die her koment und hieten
Line: 12    
die gestalt die die saphir habent von Orient, daz ist von
Line: 13    
der sunnen aufganch, die wæren die pesten under in und
Line: 14    
kreftich, aber man vint ir wênig. die saphir, die von
Line: 15    
Orient koment, die sint die pesten und allermaist die   15
Line: 16    
oben weizloteu wölkel habent und dicker varb sint. ez
Line: 17    
sint auch etleich saphir von Orient, die ainen rubîn zuo
Line: 18    
in habent gemischt, und die sint die klærsten und die
Line: 19    
kreftigisten under den andern. die zaubrær handelnt den
Line: 20    
stain vil in iren werken. Der saphir, der dem lautern   20
Line: 21    
himel geleicht und der ainen prinnenden schein von im
Line: 22    
gibt, wenn sich der sunnen schein auf im widersleht, der
Line: 23    
bedäut die hoffenung, mit wir gezukt werden in die
Line: 24    
êwigen fräud, und wir dann mit enzünt werden und
Line: 25    
durchflammet mit der haizen flammen der götleichen lieb   25
Line: 26    
und die werlt versmæhen, alsô daz wir mit sant Pauls
Line: 27    
mügen gesprechen 'unser mitwandeln ist in den himeln.'
Line: 28    
und dar umb spricht got durch des weissagen munt, der
Line: 29    
Isaias haizt, zuo dem menschen, den er maint 'ich wil
Line: 30    
dich gruntvesten auf saphir,' daz ist auf hoffenung. Dar   30
Line: 31    
umb hân ich unserr frawen den stain geleicht und hân
Line: 32    
gesprochen: tu saphirus sancte spei; daz spricht: pist
Line: 33    
ain saphir der hailigen hoffenung, wan ich waiz kain
Line: 34    
sicherr zuofluht in allen ängsten und in nœten, wenn
Line: 35    
der öbrist rihtær nu rihten schol über leib und über sêl,   35
Line: 36    
wan den gar edeln saphir, die muoter der parmherzichait,

Page: 459  
Line: 1    
Marîam. kain jud noch kain ander ketzer mag mich des
Line: 2    
gewenden, wan ich sprich, daz ich daz zaichen der wâr\hait
Line: 3    
mêr dann ains mâls hân gedruckt in mein sêl, und
Line: 4    
dar umb leid ich. niemant darf frâgen, war umb ain
Line: 5    
mensch leid mêr dann anderr hundert.   5



Chapter / Strophe: 67     67.
Line: 6    
Line: 7    
VON DEM SMARAGDEN.



Line: 8    
Smaragdus ist gar ain edel stain und ist auch ainer
Line: 9    
der zwelf stain; der ist grüen ob allen grüenen dingen.
Line: 10    
iedoch ist er manigerlai. aber der ist der pest, den man   10
Line: 11    
vint in dem land Scythia, und nimt man in auz der greifen
Line: 12    
nest, wan die behüetent in mit grôzer grimmichait; und
Line: 13    
der allerpest under den selben stainen ist der durchsihtich
Line: 14    
ist und von des grüene der næhste luft grüen wirt und
Line: 15    
des grüen weder von der sunnen dunkelt noch von an\derm   15
Line: 16    
lieht noch von schaten. sein pesteu gestalt ist, daz
Line: 17    
er sleht sei, wan er gedürcht ist, ist er dunkel.
Line: 18    
wenn man den stain raincleichen tregt und êrleichen,
Line: 19    
vertreibt er daz vallent lait. er sterkt daz gesiht und
Line: 20    
klært diu augen, und wenn man in wescht und in salbt   20
Line: 21    
mit paumöl, erhœht sich sein grüene. er mêrt reich\tum
Line: 22    
und gibt gnâd in allem geschäft und macht den
Line: 23    
menschen genæm in seinen worten und hilft den, die ver\porgeneu
Line: 24    
dinch vorschent, und abnaigt daz ungewiter und
Line: 25    
gesetzt den unkäuscheu gelust. wenn man pei dem stain   25
Line: 26    
unkäuscht, pricht er. der smaragd bedäut käusch, wan
Line: 27    
diu behelt des menschen leip grüen, daz ist ganz und
Line: 28    
rain. diu tugent übertrift all ander tugent an dem men\schen,
Line: 29    
wan daz ain mensch käusch und rain beleib, daz
Line: 30    
ist mêr engelisch wan menschleich. diu tugent ist genâ\den   30
Line: 31    
vol got und den menschen und auch den engeln und
Line: 32    
tregt an ir daz pild unsers herren Jêsû Christi, wan si
Line: 33    
volgt dem götleichen lämpel, ez hin gêt, und dar
Line: 34    
umb setzt sant Johannes den stain in den vierden an der
Line: 35    
zal under den zwelf stainen, wan die vier êwangelisten   35

Page: 460  
Line: 1    
lobent die käusch gar mit fleiz. dem smaragden hân ich
Line: 2    
unser frawen geleicht mit irr rainichait und mit irr käusch,
Line: 3    
diu got genæm was, daz er sich selben beslôz in der
Line: 4    
clausen der käuschen rainikait. eyâ wie gar wunnenc\leichen
Line: 5    
süez ist daz betrahten und prüefen, wenn ain   5
Line: 6    
mensch prüeft, in welher lieb und in wie grôzer genâd
Line: 7    
diu götleich pluom sich umbslôz mit dem rainen taw der
Line: 8    
käuschen juncfrawen und mensch wart durch unsern willen.



Chapter / Strophe: 68     68.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEM SARDONIX



Line: 11    
Sardonix ist auch der zwelf stain ainer und hât in
Line: 12    
diu nâtûr gemacht von zwain stainen, von dem onicen
Line: 13    
und von dem sarden. er ist ain tail rôt und die rœt hât
Line: 14    
er von dem sarden, und ist ain tail weiz und swarz, die
Line: 15    
zwuo varb hât er von dem onicen. man spricht, daz der   15
Line: 16    
stain kain ander tugent hab denn daz der onix niht ge\schaden
Line: 17    
müg, der sardonix gegenwertich sei. dar
Line: 18    
umb scholt wizzen, daz etleich sprechent, onix sei ain
Line: 19    
ander stain dann onichinus, von dem wir vor gesait haben,
Line: 20    
und sprechent, onix sei ain edel stain, der sei ain seit   20
Line: 21    
weiz und ander seit swarz und hab die tugent, wer in
Line: 22    
an dem hals oder an dem vinger trag, dem benem er
Line: 23    
geitikait und benem im traurig träum in dem slâf, aber
Line: 24    
er hab die untugent, daz er krieg und zwaiung mach
Line: 25    
zwischen den läuten, und wenn man in den kinden an   25
Line: 26    
ir hels henk, mêr er in die spaicheln. und wider die
Line: 27    
untugent ist der sardonix guot. den onicen vint man in
Line: 28    
den zwain landen Arabia und India und den sardonicen
Line: 29    
auch. ez sprechent auch die maister, daz der sardonix
Line: 30    
gar ain schœn gestalt hab, wenn die vorgenanten varb   30
Line: 31    
all zuo ainander gemischt sein. wer den stain tregt, dem
Line: 32    
zimt, daz er witzig sei und diemüetig, und spricht man,
Line: 33    
daz die die pesten under in sein, die durchgraben sein,
Line: 34    
sam man insigel grebt. diu glôs spricht über der taugen
Line: 35    
puoch in dem ainundzwainzigistem stuck, daz der sar\donix   35

Page: 461  
Line: 1    
ze niderst swarz sei und ze mittelst weiz und ze
Line: 2    
oberst rôt. pei verstêt man der hailigen gedult,
Line: 3    
mit si versmæcht sint ze niderst, daz ist in diser armen
Line: 4    
werlt. dar umb spricht Job 'man verspott des gerehten
Line: 5    
ainvalt.' die hailigen sint auch ze mittelst weiz, daz ist,   5
Line: 6    
si sint in irem herzen und in irr gewizzen rain mit irr
Line: 7    
unschuld und sint ze oberst rôt mit der hitz der göt\leichen
Line: 8    
lieb, durch si vil marter leident. dar umb
Line: 9    
hân ich den stain unserr frawen gerehtikait geleicht.
Line: 10    
ach, herr, waist, wie gar versmæht si ist gewesen mit   10
Line: 11    
dir in diser werlt und waz si mit dir erliten hât umb
Line: 12    
den schein deiner götleichen werk hie auf erden. zwâr,
Line: 13    
dar umb spricht si pilleich in der minnen puoch von ir
Line: 14    
selber 'ir töhter von Jerusalem, ir schült mich niht mail\prüefen
Line: 15    
dar umb, daz ich praun pin, wan diu sunn hât   15
Line: 16    
mich enpfirbt, ich pin swarz, aber ich pin gar wolgestalt.'
Line: 17    
, wie gar ain schœneu predig dar auz würd!



Chapter / Strophe: 69     69.
Line: 18    
Line: 19    
VON DEM SARDEN.



Line: 20    
Sardius ist auch der zwelf stain ainer. den funden   20
Line: 21    
die läut des êrsten die Sardi haizent. der stain ist ainer
Line: 22    
rôten varb, aber diu rœt ist plaich sam ain rôteu erd.
Line: 23    
er hât die art, daz er den rôten fluz verstellt, und der
Line: 24    
onix mag niht geschaden, wenn der sardius gegenwertich
Line: 25    
ist, und spricht diu glôs, daz sardius und corneolus áin   25
Line: 26    
stain sein. Der stain bedäutt die volkomen stætikait der
Line: 27    
hailigen marterær, die ir pluot vergozzen habent in der
Line: 28    
liebe unsers herren, und dar umb ist er der sehst an der
Line: 29    
zal under den zwelf stainen in der taugen puoch, wan
Line: 30    
unser herre lait die marter in dem sechsten alter der   30
Line: 31    
werlt. den stain hân ich geleicht unserr frawen kint\leicher
Line: 32    
vorht, die ain kint zuo seinem vater hât stætic\leichen,
Line: 33    
wie ez alleu seineu werk füer und volpring und
Line: 34    
sein leben ganz dar nâch schick, daz ez seinen vater iht
Line: 35    
erzürn, neur durch die ganzen lieb, die ez stætigs zuo   35

Page: 462  
Line: 1    
im hât. ez fürht dick ain mensch den andern durch des
Line: 2    
willen, daz ez nutz von im wartt, oder daz im leiden und
Line: 3    
schad von köm, tæt ez seinen willen niht. die vorht
Line: 4    
main ich niht, wan diu selb vorht ist ain dienerin, diu
Line: 5    
dient dem nutz und niht der lieb und ist ain betwungen   5
Line: 6    
vorht. aber diu êrst vorht ist ain erbkint und ist neur
Line: 7    
gepauwen auf lauter lieb und auf stætikait. diu vorht
Line: 8    
mag grôz leiden tragen durch irs liebes willen. zwâr,
Line: 9    
die vorht hât unser frawe ganz gehabt zuo got auf erden.



Chapter / Strophe: 70     70.
Line: 10    
Line: 11    
VON DEM SIRN.



Line: 12    
Syrus ist ain stain, der kümpt von dem land Syria,
Line: 13    
sam Isidorus spricht. der hât die art, daz er ganzer in
Line: 14    
dem wazzer ob swimmt, und er gestückelt wirt,
Line: 15    
vellt er ze podem. daz ist gnuog wunderleich.   15



Chapter / Strophe: 71     71.
Line: 16    
Line: 17    
VON DEM LEICHSTAIN.



Line: 18    
Sarcophagus haizt leichstain. der hât die art, sam
Line: 19    
Isidorus spricht, waz leich man dar ein legt, die erfaulent
Line: 20    
und werdent verzert in dreizig tagen, wan sarcos in krie\chisch   20
Line: 21    
haizt ain arch und phagos haizt ezzen: von den
Line: 22    
zwain worten kümt der gesamnet nam sarcophagus.



Chapter / Strophe: 72     72.
Line: 23    
Line: 24    
VON DEM SAMI.



Line: 25    
Samius ist ain stain, den vindet man in der inseln   25
Line: 26    
Samus, der ist swær und weiz, und mit dem stain machet
Line: 27    
man daz golt schœn, und hât die art, wenn man in trinkt,
Line: 28    
vertreibt er den swintel und widerpringt den erzürnten
Line: 29    
muot. aber er hât die untugent, wenn man in pint an
Line: 30    
ain hant ainer frawen, diu in der purt arbait, helt er   30
Line: 31    
die purt auf und hindert si irs fürganges.

Page: 463  



Chapter / Strophe: 73     73.
Line: 1    
Line: 2    
VON DEM SUCCIN.



Line: 3    
Succinus ist ain stain, den haizent die Kriechen elec\tron.
Line: 4    
der ist gelvar und ist etswenn durchsihtich sam
Line: 5    
ain glas. Isidorus spricht, daz er von der viehten saf   5
Line: 6    
kom, und haizt gemaincleich lambra, und wenn man in
Line: 7    
mit den vingern reibt, zeucht er hälmel an sich und
Line: 8    
der kleider säum, reht sam der magnes daz eisen zeucht.
Line: 9    
er pringt seinen tragern käusch und sein rauch hilft den
Line: 10    
swangern frawen in der purt und scheuht die slangen.   10
Line: 11    
der êrst zaher, der von der viehten fleuzt, der ist lauter,
Line: 12    
und daz ist der in dem sumer in der warmen zeit her für
Line: 13    
fleuzt. aber der ze anderr zeit ab fleuzt, der ist tunkel
Line: 14    
und unsauber, und dar nâch ist auch der stain. den
Line: 15    
stain vindent die läut, die Gothi haizent, in aim wazzer,   15
Line: 16    
der zaher ein gevallen ist.



Chapter / Strophe: 74     74.
Line: 17    
Line: 18    
VON DEM SILENITEN.



Line: 19    
Silenites ist ain stain, der ist gar schœn von gesa\menter
Line: 20    
varb, von weiz, von rôt, von grüen, von purper\var.   20
Line: 21    
den tragent die snekken in dem land India und ist
Line: 22    
etleicher derlai stain, der grüen ist sam ain gras. wer
Line: 23    
den stain in dem mund tregt, der sagt wâr von künftigen
Line: 24    
dingen. wan gern westest von mügleichen dingen,
Line: 25    
diu noch niht geschehen sint, ob si geschehen oder niht,   25
Line: 26    
und den stain under der zungen hâst, welz in
Line: 27    
deim muot hin und her: weder geschiht daz oder niht; ze
Line: 28    
hant vellt dein muot auf der ainz und mag von niht
Line: 29    
gelâzen. und die kraft hât der stain neur, der môn
Line: 30    
wehst, und hât si fruo zuo der sehsten stund und an dem   30
Line: 31    
êrsten tag neur ain stunt, an dem zehenden die êrsten
Line: 32    
und die sehsten stunt. aber der môn abnimt, hât
Line: 33    
er der kraft niht. der stain zepricht nümmer von dem
Line: 34    
feur und widerpringt lieb zwischen den läuten, die ain\ander

Page: 464  
Line: 1    
hazzent. er hilft auch den menschen, die die
Line: 2    
swindenden suht habent, diu ze latein tysis haizt.



Chapter / Strophe: 75     75.
Line: 3    
Line: 4    
VON DEM SPIEGELSTAIN.



Line: 5    
Specularis haizt spiegelstain. der ist durchsihtich   5
Line: 6    
sam ain glas und vindet man in under der erden, und
Line: 7    
man in auzgrebt, spaltet man in in klaineu stück,
Line: 8    
sam Isidorus spricht.



Chapter / Strophe: 76     76.
Line: 9    
Line: 10    
VON DEM SADDEN



Line: 11    
Sadda ist ain stain, der hangt vast an den schif\fen,
Line: 12    
daz man in kaum mit ainer feilen dar ab pringt.
Line: 13    
der stain ist grüenvar sam ain lauch.



Chapter / Strophe: 77     77.
Line: 14    
Line: 15    
VON DEM TOPAZI



Line: 16    
Topazius ist der zwelf stain auch ainer, die Johannes
Line: 17    
sach, und geleicht gold an der varb und der ist der edelst
Line: 18    
under derlai stainen. aber ainer andern lai ist, der ist
Line: 19    
vil liehter und ist an der varb dünner, aber er ist pœser
Line: 20    
wan der êrst. der stain hilft den âfteradern, die zuo der   20
Line: 21    
mistporten niden gênt. man spricht auch, daz er des
Line: 22    
mônn enpfind, und gesetzt siedendez wazzer, wenn man
Line: 23    
in dar ein stœzt, und verkêrt zorn und unkäusch. der
Line: 24    
der stain kümt von dem land Arabia und wart des êrsten
Line: 25    
funden in der inseln Topazi. Plinius spricht, daz man   25
Line: 26    
den stain grôzen hab funden, daz Ptolomeus Phila\delphus
Line: 27    
ain säul dar auz liez machen vier daumellen lanch.
Line: 28    
wilt den stain polieren und schœn machen, wirt
Line: 29    
er dunkel. læzt aber in in seiner aigenen nâtûr,
Line: 30    
scheint er schôn. den stain hân ich geleicht unserr   30
Line: 31    
frawen glenzen, wan man die ie mêr lobt mit andern
Line: 32    
crêatûren, man ir adel ie mêr nidert; wenn aber man
Line: 33    
si læzt in irem aigenen adel, daz ist daz si maget wesend

Page: 465  
Line: 1    
den wâren got gepar, zwâr, scheint si reht schôn über
Line: 2    
all crêatûr, ez sein engel oder himel oder andreu dinch.
Line: 3    
und dar umb, wie man si nennt anders dann gotes ge\perærinn
Line: 4    
oder daz dem geleicht, zwâr, ist ir lob ge\diemüetigt.
Line: 5    
aber daz wir si loben mit andern dingen,   5
Line: 6    
daz preist unsern fleiz und erzaigt, daz wir armen ir gern
Line: 7    
gæben, hiet wir iht, und daz nimt si dan gar für guot.



Chapter / Strophe: 78     78.
Line: 8    
Line: 9    
VON DEM TEROBOLN.



Line: 10    
Terobolen sint stain in den landen gegen der sunnen   10
Line: 11    
aufganch, und der ainer hât von nâtûr ains mannes pild
Line: 12    
und der ander ainer schœnen juncfrawen pild. wenn die
Line: 13    
nâhent pei enander sint, gebent si flammen und feur;
Line: 14    
aber wenn si von enander sint, tuont si des niht.



Chapter / Strophe: 79     79.
Line: 15    
Line: 16    
VON DEM VERTILLEN.



Line: 17    
Vertillus ist ain läuhtend stain genuog klâr und
Line: 18    
gleicht lauterm öl, sam Platearius spricht, und macht
Line: 19    
den minnenzæm der in tregt und ist guot für allen augen\smerzen.
Line: 20    
er benimt auch köpeln mit der keln und sêr   20
Line: 21    
seufzen von dem herzen und benimt der lebern iren
Line: 22    
smerzen, wenn man in in wazzer wescht.



Chapter / Strophe: 80     80.
Line: 23    
Line: 24    
VON DEM VERNIX.



Line: 25    
Vernix ist ain wolsmeckent stain und ist etwaz weiz\var   25
Line: 26    
und ist guot wider die melancoli, wenn ainer von im
Line: 27    
selber kümt, und ist auch guot für des milzen und für
Line: 28    
der lebern geprechen und wider der prust geprechen, diu
Line: 29    
cardiaca haizt.



Chapter / Strophe: 81     81.
Line: 30    
Line: 31    
VON DEM LAZURSTAIN.



Line: 32    
Zunich haizt lazûrstain und haizt auch ze latein
Line: 33    
lapis lazurii. der ist himelvar, wan er ist plâ mit golt\varben

Page: 466  
Line: 1    
sprekeln. von dem stain macht man guot lazûr.
Line: 2    
der stain ist guot für die melancoli und wider den vier\tägleichen
Line: 3    
riten und wider die âmaht, diu von der pœsen
Line: 4    
fäuhten kümt, diu melancolia haizt.



Chapter / Strophe: 82     82.
Line: 5    
Line: 6    
VON DEM ZIGNITEN.



Line: 7    
Zignites ist ain stain, der ist glasvar und haizt auch
Line: 8    
evas. wer den an dem hals tregt, dem vertreibt er die
Line: 9    
raup und die fremdigung seins sinnes und verstellt daz
Line: 10    
pluot, und helt man in zuo aim prinnenden tôht,    10
Line: 11    
verlescht er die flammen an dem lieht.



Chapter / Strophe: 83     83.
Line: 12    
Line: 13    
VON DER ALTEN VÄTER RED.



Line: 14    
Ez sint etleich stain, sint pild ein gegraben, und
Line: 15    
von den pilden habent die alten väter vil geschriben. ie\doch   15
Line: 16    
bedarf man der red niht vil getrawen noch zemâl
Line: 17    
verwerfen. aber daz ist ze wizzen, daz diu pild, diu die
Line: 18    
alten gruoben in die edeln stain, bezaichent der selben stain
Line: 19    
kreft, und dar umb schol man der stain pild in êren
Line: 20    
haben. iedoch schol niemant sein hoffenung ganz dar   20
Line: 21    
auf werfen, sam diu red sagt: man schol an den obersten
Line: 22    
got hoffen, von dem aller stain kreft sint geben und aller
Line: 23    
crêatûr wirdichait.
Line: 24    
An welhem stain man vindet ainen ohsen oder ain
Line: 25    
juncfrawen oder ainen stainpock, der stain ist kalt und   25
Line: 26    
macht seinen tragær sicher. an dem stain man vindet
Line: 27    
ainen krebzen oder ainen scorpen oder ainen visch, der
Line: 28    
ist kalt und ist nordenkreftich, alsô daz er küel ist sam
Line: 29    
der nordenwint, der ze latein aquilo haizt. und der selb
Line: 30    
stain behüett seinen tragær vor der âdersuht, diu ze la\tein   30
Line: 31    
artetica haizt, und vor dem dritägleichen riten und
Line: 32    
vor der hitzigen suht. die stain sint geweicht.
Line: 33    
An welhem stain man vint zwai zwinlein oder ain
Line: 34    
wazzermensch, daz ainen kruog mit wazzer auzgeuzt, der

Page: 467  
Line: 1    
ist sunnennaigich, alsô daz er sein kraft hât nâch der
Line: 2    
sunnen underganch, und der stain hailt die läut von dem
Line: 3    
viertägleichen riten und von dem paralis und macht sei\nen
Line: 4    
tragær genæm gegen den läuten.
Line: 5    
An dem stain man vindet ain wider oder ainen leben   5
Line: 6    
oder ainen schützen, der ist sunnenkünftich, alsô daz er
Line: 7    
sein kraft hât nâch der sunnen aufganch, und der stain
Line: 8    
ist kreftig und macht den menschen minnenzæm und
Line: 9    
hailt den tägleichen riten und die wazzersuht. er scherpft
Line: 10    
den sin und macht sicher und wolgespræch.   10
Line: 11    
An dem stain ain mensch ist und hât in der rehten
Line: 12    
hant ain sicheln, der macht seinen tragær von tag ze tag
Line: 13    
geweltiger.
Line: 14    
An dem stain man vint ainen menschen und ains
Line: 15    
widern haupt, der macht seinen tragær minnenzæm allen   15
Line: 16    
läuten und allen tiern.
Line: 17    
An dem stain man vint ainen gewâpenden man oder
Line: 18    
ain juncfrawen mit aim umbswebenden klaid und ainen
Line: 19    
lorpaum helt, daz ist ain zaichen, daz der stain geweiht
Line: 20    
ist, und der stain erlœst von widerwärtigen geschihten.   20
Line: 21    
An dem stain man vint ainen menschen und den
Line: 22    
mônn und die sunnen, der macht seinen trager käusch und
Line: 23    
sicher wider den unkäuschen lust.
Line: 24    
An dem stain man vint ainen menschen, der flügel
Line: 25    
hât an den füezen und in der lenken hant ain eingewelzt   25
Line: 26    
slangen, der macht seinen tragær überfliezent mit weis\hait
Line: 27    
und frœleich in gesunthait.
Line: 28    
An dem stain man vint ainen menschen, der ain
Line: 29    
palm in der hant tregt, der macht seinen tragær sighaft
Line: 30    
und macht in den fürsten genæm.   30
Line: 31    
An dem stain man vint ainen jäger oder jaghunt
Line: 32    
oder hirz oder ainen hasen, der hât die kraft, daz er die
Line: 33    
tiefelhaftigen hailt und die von siehtum unsinnich sint,
Line: 34    
die ze latein frenetici haizent.
Line: 35    
An dem stain man vint ain slangen, die ainen aimer   35
Line: 36    
auf dem ruk hât oder auf dem zagel ainen raben, der

Page: 468  
Line: 1    
macht seinen tragær kluog oder kündich und fürsihtich
Line: 2    
und benimt übrig hitz.
Line: 3    
An dem stain man vint ainen halben menschen von
Line: 4    
der schuldern unz an die nierstat, der erlœst den men\schen
Line: 5    
von unkäuschem lust und macht in käusch und   5
Line: 6    
genæm.
Line: 7    
An dem stain man vint ain schef und ainen segel,
Line: 8    
der macht ober in geschäft.
Line: 9    
An dem stain man vint ainen hunt, der in dem lewen
Line: 10    
sei (daz ist der stern, der hunt haizt, in dem himelzaichen,   10
Line: 11    
daz leo haizt), seint daz selb zaichen hitzig ist und tru\cken,
Line: 12    
der stain behelt diu lider sicher vor der wazzer\suht
Line: 13    
und vor den vergiftigen pizzen der hund.
Line: 14    
An dem stain man vint ainen man mit ainem swert,
Line: 15    
der macht sighaft an streit.   15
Line: 16    
An dem man vint ainen adelarn, der behelt êr.
Line: 17    
An dem man vint ainen swann, der erlœst von waz\zersuht
Line: 18    
und von dem viertägleichen riten.
Line: 19    
An dem man vint ain gevettacht pfert, daz Pegasus
Line: 20    
haizt, der stain ist der pest den, die ritterschaft pflegent   20
Line: 21    
und die vehtent, wan er macht snell und küen und er\lœst
Line: 22    
die pfärt von der ræh.
Line: 23    
An dem man vint ain frawen mit zestrobeltem hâr,
Line: 24    
der hât ain kraft ze versüenen die êläut.
Line: 25    
An dem man vint ain juncfrawen, diu ir hend hât   25
Line: 26    
in kreuzes weis und ain driekkot krôn auf dem haupt
Line: 27    
und sitzt auf aim sezzel, der stain gibt trôst nâch leiden
Line: 28    
und ruo nâch kranchait.
Line: 29    
An dem man vint ainen menschen, der sich gegürtt
Line: 30    
hât mit ainer slangen und hât ir haupt in der rehten   30
Line: 31    
hant und irn zagel in der tenken, der stain erlœst von
Line: 32    
der enpfangen vergift.
Line: 33    
An dem man vint ainen knienden menschen, der
Line: 34    
ainen nagelkolben in der rehten hant hât und der ainen
Line: 35    
lewen tœtt oder ain ander tier, der macht sighaft in allen   35
Line: 36    
streiten, aber man muoz in tragen gar mit wirden.

Page: 469  
Line: 1    
An dem man vint zwo perinne und zwischen in ain
Line: 2    
slangen, der macht den menschen hündich und macht in
Line: 3    
stark und stæt und genæm allen läuten.



Chapter / Strophe: 84     84.
Line: 4    
Line: 5    
VON DEM TETHELSPÜECHL



Line: 6    
Nu hebt sich an ain püechel ains grôzen maisters
Line: 7    
in der jüdischait hie vor, der hiez Tethel, daz schreibt
Line: 8    
er von der stain pild graben und spricht, daz diu kint
Line: 9    
von Israhel daz selb püechel machten, si giengen
Line: 10    
durch die wüesten und wolten in daz lant des götleichen   10
Line: 11    
gelübdes. nu spricht der maister des puochs ze latein,
Line: 12    
daz ich ze däutsch pring, er wæne, daz dem püechel auch
Line: 13    
niht gar sei ze gelauben und daz diu pild in die stain
Line: 14    
sein gemacht mêr zuo êren dan daz man grôz hoffenung
Line: 15    
dar an legen schüll, und spricht, man schüll sein hoffe\nung   15
Line: 16    
allain hinz got setzen, wan sei wir aller gnâden
Line: 17    
sicher. daz selb gelaub ich zwâr auch, aber der maister
Line: 18    
rett, sam ob die stain ir pild neur von kunst haben und
Line: 19    
niht von nâtûr. daz ist niht wâr, wann si in der erd
Line: 20    
wahsent, vindet man si mit manigerlai pilden. Ez   20
Line: 21    
schreibt auch Albertus in seim puoch von den edeln
Line: 22    
stainen, daz etleich stain ir pild haben von der stern
Line: 23    
kreften und niht von der menschen kunst, sam diu wurz
Line: 24    
alraun hât. ich sprich auch mêr, daz got die zier und
Line: 25    
die kreft den stainen hât geben menschleicher art zuo   25
Line: 26    
hilf und zuo trôst, und wenn ich hoff, daz mir diu kraft
Line: 27    
ze trôst kom, mit dem verlaugen ich gotes genâden niht,
Line: 28    
ich hoff zuo gotes werk und lob got in seinen crêatûren.
Line: 29    
alsô nert auch den menschen wein und prot paz wan waz\zer
Line: 30    
und aicheln: dar umb hofft der mensch zuo und lobt   30
Line: 31    
got, daz er imz gibt.



Chapter / Strophe: 85     85.
Line: 32    
Line: 33    
NU HEBT SICH TETHELS PÜECHL AN.



Line: 34    
Wenn man ainen stain vindet, der jaspis haizt, und
Line: 35    
ainen menschen dar an, der ainen schilt hât an dem hals   35

Page: 470  
Line: 1    
oder in der hant und ainen spiez in der andern hant und
Line: 2    
under den füezen ain slangen, der hât ain kraft wider
Line: 3    
all veind. - Ain mensch mit flügeln ist guot zuo kauf\manschaft.
Line: 4    
- An dem crisolit ain fraw, diu in ainer
Line: 5    
hant ainen vogel hât und in der andern ainen visch, der   5
Line: 6    
ist guot zuo allerlai geschäft. - Ain türteltaub mit aines
Line: 7    
ölpaums ast, der macht lieb gegen allen läuten. - Ain
Line: 8    
slang und ain schütz, die mit ainander vehtent, macht
Line: 9    
vrid. - Auf ainem weizen stain ain halbeu fraw, diu daz
Line: 10    
ander halb tail visch ist und hât ainen spiegel in der   10
Line: 11    
hant und ains ölpaums ast in golt gesetzt und beslozzen
Line: 12    
in der hant, der hât die kraft, daz man seinen tragær
Line: 13    
niht gesehen mag. - Ain kreuz auf ainem grüenen jas\pen
Line: 14    
hât die kraft, daz sein tragær niht getaucht wirt in
Line: 15    
wazzer.   15
Line: 16    
Ain unk auf aim stain und ain syrên hât die kraft,
Line: 17    
daz man sicher gêt under den slangen. - Ain mensch,
Line: 18    
der in ainer hant ains tiefels gestalt hât mit hörnern
Line: 19    
und mit flügeln und in der andern ain slangen und un\der
Line: 20    
den füezen ainen leben und ob den pilden stênt diu   20
Line: 21    
sunn und der môn, den stain schol man setzen in plei,
Line: 22    
der hât die kraft die tiefel ze twingen, daz si antwürt
Line: 23    
müezen geben den die si frâgent. - An dem man vint
Line: 24    
ainen menschen, der auf dem hals tregt ain püschel
Line: 25    
krauts, den schol man in silber setzen, der gibt kraft ze   25
Line: 26    
kennen die siehtüem an dem menschen und verstellt daz
Line: 27    
pluot an allen steten, er gibt genâd und êr, und spricht
Line: 28    
man, daz Galiênus der arzt den stain truog an ainem
Line: 29    
vinger. - Auf ainem swarzen stain ain mensch, daz in
Line: 30    
der rehten hant ain zepter tregt und in der andern ainen   30
Line: 31    
fliegenden vogel mit gestrakten flügeln und under den
Line: 32    
pilden ain cocodrill ist, der ist guot wider der teufel
Line: 33    
pannen und wider all veind und verjagt die teufel von
Line: 34    
den besezzenen. den stain truog Alexander, als man
Line: 35    
list. man schol in setzen in eisen. - Auf aim swarzen   35
Line: 36    
stain ain mensch, der sitzt auf aim leoparden und hât

Page: 471  
Line: 1    
ain rœrn in der hant, der ist guot wider diu pœsen tier
Line: 2    
und wider ertrinken in wazzer. - An ainem stain ain
Line: 3    
mensch, der ainen hasen hât in der rehten hant und ain
Line: 4    
gerten in der andern, legt man den in golt, hât er
Line: 5    
die kraft, daz er vrid macht und sighaft macht vor ge\riht   5
Line: 6    
und ist guot wider diu tier. die zaubrær nützent
Line: 7    
den stain. - Ain gezierter mensch an aim stain, der in
Line: 8    
der rehten hant ain zepter hât und in der andern ain
Line: 9    
palm und under seinen füezen ain fuozschamel, setzt man
Line: 10    
den in golt, fürdert er zuo êren, und waz der mensch   10
Line: 11    
begert daz mit got ist, daz widervert im gar schier. -
Line: 12    
Ain paum an aim stain, an des rehter seiten ain fraw ist
Line: 13    
und an der lenken ain man, der macht ainträhtigung
Line: 14    
zwischen den êläuten und versœnt die kriegenden. - Ain
Line: 15    
mensch, daz in der gerehten hant ainen stain hât und in   15
Line: 16    
der lenken ainer frawen haupt, der versœnt krieg, und
Line: 17    
wer in pei im hât, er slæft, der erwacht niht leiht. -
Line: 18    
Ain ohs und ain wider auf aim stain der macht wolge\spræch
Line: 19    
und ist guot für die wazzersuht. - Ain mensch,
Line: 20    
daz flügel an den füezen hât und ainen stap in den hen\den,   20
Line: 21    
pringt genâd. - Ain mensch, der ain sicheln in der
Line: 22    
hant hât, ist guot zuo lieb und zuo genâd erwerben. -
Line: 23    
Ain man, der ain gerten in der hant hât, ist guot zuo
Line: 24    
hêrschen. - Ain man, der ain horn an dem hals hât,
Line: 25    
ist guot für die räudichait oder für daz kratzen und für   25
Line: 26    
grausam träum. - Ain pild, daz halbs ain man ist und
Line: 27    
halbs ain rint, gibt êr und weist den sin zuo got. - Ain
Line: 28    
schif mit aim segel und mit aim segelpaum ist guot ze
Line: 29    
gwinnen daz wirdicleich begerst. - Ain häsel mit
Line: 30    
langen ôren ist guot für diu pœsen tier. - Ain leb ist   30
Line: 31    
guot für die wazzersuht und für vil ander siehtum. -
Line: 32    
Ain adelar und ain stainpock ist guot in geschäft. - Ain
Line: 33    
dromedar, daz sein hâr gestreckt hât auf den schuldern,
Line: 34    
macht suon und vrid zwischen den êläuten. - Ain taub,
Line: 35    
diu ain pluom in dem snabel hât, pringt êr. - Ain fraw,   35
Line: 36    
diu ain tuoch auf dem haupt hât und pei den henden,

Page: 472  
Line: 1    
ist guot wider müed und arbait. - Ain türteltaub mit
Line: 2    
zwain jungen pringt genâd und ist guot wider daz unge\witer
Line: 3    
in dem mer. - Ain mensch, daz auf ainem fuoz\schamel
Line: 4    
sitzt gekrœnt und reckt sein hend gegen himel
Line: 5    
und vier menschen under im, sam ob si den schamel   5
Line: 6    
aufhalden, nim masticen und therebintum und leg die
Line: 7    
under den stain in aim silbereinn vingerl, daz zwelf stain
Line: 8    
weg; wenn man daz legt under ains slâfenden haupt, dem
Line: 9    
traumt von dem, des er wachent begert. - Wenn aim
Line: 10    
jâchant ain weizer stain zuogemischt ist und auf der weiz   10
Line: 11    
ain pfärt ist, der stain ist guot ze gewinnen êr und ge\nâd.
Line: 12    
- Wenn aber man auf aim stain vint ain schau\mundez
Line: 13    
pfärt und ainen man dar auf, der ain zepter in
Line: 14    
der hant hât, der ist den guot, die gewalt über die läut
Line: 15    
habent.   15



Chapter / Strophe: 86     86.
Line: 16    
Line: 17    
WIE MAN DIE STAIN WIDERPRINGT AN IREN KREFTEN.



Line: 18    
Ez ist ain puoch, daz haizt daz puoch der ding, daz
Line: 19    
sagt der alten väter red und spricht alsô. Ain iegleich
Line: 20    
crêatûr ist belaidigt mit der sünd des êrsten menschen,   20
Line: 21    
aber allermaist die edeln stain, die got zuo menschleichem
Line: 22    
nutz hât geschepft sam diu kräuter und vil ander ding.
Line: 23    
auch werdent die kreft der edeln stain belaidigt von dem
Line: 24    
handeln und von dem angreifen der unrainen sündigen
Line: 25    
menschen. iedoch sam der mensch widerkümt mit der   25
Line: 26    
tauf und mit rew, daz er an daz êrst wesen kümt seiner
Line: 27    
êrsten machung, die Adam enpfieng, alsô widerkoment die
Line: 28    
edeln stain zuo irn kreften mit weihen und mit hailigem
Line: 29    
segen, und diu weis ze weihen und ze segenen die edeln
Line: 30    
stain ist geschriben in dem selben puoch. man schol die   30
Line: 31    
edeln stain des êrsten pinden in ain leinein tüechl und
Line: 32    
legen auf den alter, unz man die hailigen mess volprâht
Line: 33    
hat. dar nach, ê der priester daz messgewant abziech,
Line: 34    
schol er die stain segenen und sprechen als hie nâch ge\schriben
Line: 35    
stêt.   35

Page: 473  
Line: 1    
Dominus vobiscum. oremus.
Line: 2    
Collecta. Deus omnipotens pater, qui eciam per
Line: 3    
quasdam insensibiles creaturas virtutem tuam hominibus
Line: 4    
ostendisti, qui famulo tuo Moysi inter cetera vestimenta
Line: 5    
sacerdotalia racionale iudicii duodecim lapidibus preciosis   5
Line: 6    
adornari precepisti nec non et Johanni ewangeliste celestem
Line: 7    
civitatem Jerusalem virtutibus eosdem lapides significan\tibus
Line: 8    
construendam essencialiter ostendisti, maiestatem
Line: 9    
tuam humiliter deprecamur, ut hos lapides consecrare et
Line: 10    
sanctificare digneris per sanctificationem et invocationem   10
Line: 11    
sancti nominis tui, ut sint sanctificati et consecrati et re\cipiant
Line: 12    
effectum virtutum, quas eis te dedisse sapientum
Line: 13    
experiencia conprobavit, ut quicumque illos super se por\
Line: 14    
taverit virtutem tuam per illos sibi adesse sentiat dona\que
Line: 15    
tue gracie et tutelam virtutis accipere mereatur per   15
Line: 16    
Jesum Ghristum filium tuum, in quo omnis sanctificatio
Line: 17    
existit. Qui tecum vivit et regnat deus per omnia secula
Line: 18    
seculorum. Amen.




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This text is part of the TITUS edition of Konrad von Megenburg, Buch der Natur.

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